Supervixens

Sex/Satire/Thriller, USA 1975
Regie: Russ Meyer
Drehbuch: Russ Meyer
Kamera: Russ Meyer
Musik: William Loose
Produzent: Russ Meyer
Darsteller: Charles Pitt, Shari Eubank, Charles Napier, Uschi Digard, Henry Rowland, Christy Hartburg u.a.




Der arme Clint (Charles Pitt) hat es schon schwer. Seine superbusige Freundin Superangel (Shari Eubank) bringt ihn mit ihrer Sexgier und Eifersucht noch ins frühe Grab. Dabei ist er doch eigentlich so treu. Nachdem seine Freundin von einem durchgeknallen Polizisten (Charles Napier) brutal ermordet wird und der Verdacht auf ihn fällt muss er fliehen. Auf seiner Irrfahrt wird er ständig von nymphomanischen Frauen angegraben. Doch nach der Beziehung mit seiner unersättlichen Freundin hat er erstmal genug von Sex. Der Lohn für seine Standhaftigkeit (mehr oder weniger) ist seine Chance sich in einem Zweikampf an dem Cop zu rächen, dem er das alles zu verdanken hat.

Regisseur Russ Meyer, der durch seinen Film Faster, Pussycat! Kill! Kill! (1965) Kultstatus erlangte, revolutinierte mit Filmen wie Vixen (1968) und Megavixens (1969; Original-Titel Cherry, Harry and Raquel) den Sexfilm und wird als ungekrönter Busen-König bezeichnet, weil die Darstellerinnen in seinen Filmen immer eine üppige Oberweite vorweisen. Die Filme des "Walt Disney des Sexfilms", wie er auch gerne genannt wird, wurden dann in den 70er Jahren immer grotesker und die Geschichten um Sex und Gewalt immer bunter - nicht nur weil er nun in Farbe drehte. Supervixens ist ein solcher Auswuchs an skurillen Einfällen. Zurecht gilt er aber als einer der Besten von Meyer. Die Odysee durch die USA von Hauptchrakter Clint ist sehr unterhaltsam inzeniert. Wie in einem Cartoon-Strip für Erwachsene gerät er von einer bizarren Situation in die nächste. Herrlich wie er dabei immer versucht, standhaft zu bleiben und sich von den Frauen nicht verführen lassen will. Eine dieser unersättlichen Weiber, gespielt von dem österreichischem Sex-Import Uschi Digard, schreckt sogar nicht vor Vergewaltigung zurück und damit beschert uns der Film eine der wenigen Vergewaltigungsszenen der Filmgeschichte, in der der Mann das Opfer ist. Was übrigens dem Ehemann der Sexbestie sauer aufstößt. Erotischer ist da schon der sexy Tanz von Superlorna (die sehr hübsche Christy Hartburg, die ihre Schauspielkarriere leider nicht fortsetzte) und natürlich Charles Napier's ellenlange Penis-Prothese. Der Film ist einfach Sexploitation vom feinsten und wird nie langweilig.
Die Gewaltszenen, die zu einem Russ Meyer-Film aber auch gehören, sind diesmal extrem hart. Der Mord von Napier's Charakter in der Badewanne an Clint's Freundin könnte so auch in einem Slasher vorkommen. Charles Napier spielt seinen Charakter des psychopathischen Cops sowieso erschreckend intensiv. Der explosive Showdown ist dann auch noch mal sehr actionreich inszeniert. Die Mischung aus witziger Unterhaltung und Gewalt macht sich jedoch sehr gut. Sex & Crime in Vollendung!
In Supervixens taucht erstmals Meyer's Vorliebe für Nazi-Anspielungen auf in Form von einem Lied im Vorspann und des Tankstellenbesitzers und Chef von Clint, Martin Bormann (sicher nur zufällig die Namensverwandschaft zu einem untergetauchten Nazi). Dessen Anflüge von Philosophie in deutsch sind auch zum brüllen: "Ich wunder mich, ob das vögeln das er hat, es wert ist, das vögeln das er kriegt?".


(Stefan Schuster)