Suspiria
Horror/Mystery, Italien 1976
Regie: Dario Argento Drehbuch: Dario Argento, Daria Nicolodi Kamera: Luciano Tovoli Musik: The Goblins Produzent: Claudio Argento Darsteller: Jessica Harper, Stefania Casini, Flavio Bucci, Joan Bennett, Alida Valli, Udo Kier, Rudolf Schündler u.a.
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Die junge Amerikanerin Suzy Bannion (Jessica Harper) kommt nach Freiburg, um dort einer renommierten Akademie Tanz zu studieren. Als sie bei der Schule ankommt, begegnet sie einem jungen Mädchen, das überstürzt flüchtet und noch in derselben Nacht in deren Wohnung brutal ermordet wird. Während Suzys Aufenthalt in der Akademie geschehen weitere seltsame Dinge und es folgen weitere Morde. Nachdem sie Nachforschungen unternommen hat, findet Suzy heraus, dass in dem Haus übernatürliche Kräfte im Gange sind...
Gleich zu Beginn des Films, als Suzy am Flughafen ankommt und im Taxi durch die Nacht in Richtung Tanzschule fährt, wird klar: Dies hier ist kein gewöhnlicher Horrorfilm. Gleich die ersten fünf Minuten sind von solch einer visuellen Kraft geprägt, wie ich es noch nie in einem Film gesehen habe. Die Farben (in erster Linie Rot-, Gelb und Blautöne) und deren Komposition sind phänomenal. Das ganze wird in dieser Einganzsequenzen noch verstärkt durch Regen, der wundervoll aussieht im Spiel mit den Farben und einer der eindringlichsten Filmmusiken überhaupt. Der Soundtrack kommt von der Prog-Rock Band Goblin, die sich in vielen italienischen Horrorfilmen für die Musik verantwortlich zeichneten und dadurch Kultstatus unter Kennern genießen. Schon allein die düstere und unheilschwangere Atmosphäre dieser ersten Minuten legt sich wie ein Schleier auf den Zuschauer. Ein Schleier aus psychedelischer Optik und progressiver, psychedelischer Akkustik. Nach der Ankunft der Hauptperson, kommt man dann vorerst kurz zu Ruhe. Doch nicht lange nach der umwerfenden Eingangssequenz geht es unheimlich und auch beklemmend weiter. Die farbenprächtige, aber sehr schaurige Optik wirkt schon fast bedrückend und man merkt förmlich dass in den alten Gemäuern der Schule etwas unheimliches vor sich geht. Regisseur Dario Argento, der zu Recht bekannt ist für die besonderen Farbkompositionen in seinen Filmen, suggeriert durch die kräftigen Farben an Wänden und Gegenständen verschiedene emotionale Zustände der Personen. Wie auch durch Kameraeinstellungen, mal verschwommen durch ein Glas gefilmt oder gekippt. In "Suspiria" liegt das Hauptaugenmerk eindeutig auf der Form - ein Film als wahres visuelles Kunstwerk. Darüber wird die Geschichte fast ein wenig vergessen, bzw. war sie Regisseur Argento wohl nicht so wichtig. Die Story ist bei Tage betrachtet sicher ein wenig dünn und ein paar Lücken was die Logik betrifft gibt es auch. Doch die kleinen Logikfehler sind hier unwichtig weil man sie in dem ganzen Bilderrausch eigentlich nicht bemerkt.
Regisseur Dario Argento, der Anfang der 70er Jahre noch im Genre des Giallo zu Hause war, wandte sich mit Suspiria mehr dem Genre des übernatürlichen Horrorfilms zu. Was für seine Filme aber schon immer charakteristisch waren, war die explizite Darstellung von Gewalt. Morde stellt er immer recht brutal und blutig da. Jedoch auch immer sehr kunstvoll und nie reißerisch. Auch die Morde in Suspiria sind alles andere als zimperlich dargestellt. Da wird schon mal mit einem Messer in ein pochendes Herz gestochen. Bei Argento's Darstellung muss man aber eindeutig von einer "Ästhetisierung von Gewalt" sprechen. Diese verliert dadurch aber weder an Härte noch wirkt sie dadurch verherrlichend. Die Symbolik die in dieser Darstellung von Gewalt steckt, liegt viel tiefer als auf den ersten Blick erfassbar.
Von den brutalen und blutigen Szenen abgesehen, ist der Film auch sehr spannend und die bereits angesprochene Atmosphäre ist so unheimlich immer zugegen, dass man unweigerlich von ihr gefangen wird. Zumindest war dies bei mir der Fall. Doch Geschmäcker sind ja verschieden. Und wer weniger Wert auf visuelles in einem Horrorfilm legt als auf die Story, der wird wohl mit Suspiria wenig Freude haben. Ich konnte mich jedenfalls sehr gut auf die prächtige Bilderwelt des Dario Argento einlassen.
Abschließend kurz ein paar Worte zum Cast. Unbedingt erwähnt werden sollte eine kleine Nebenrolle des deutschen B-Movie- Stars Udo Kier (Hexen bis aus Blut gequält, 1969) und eine weitere des ebenfalls deutschen Schauspielers Rudolf Schündler. Letzterer dürfte den meisten eher bekannt sein durch seine Rollen in deutschen Kult-Komödien der 60er und 70er Jahre mit Heinz Erhardt und Hansi Kraus. Doch bemerkenswert ist, dass er auch immer wieder für kleine Rollen in internationalen Filmen vor die Kamera geholt wurde und da vor allem für Horrorfilme. So z.B. auch in Der Exorzist (1973). In diesen Filmen konnte er aber sein Können kaum ausspielen, denn die winzigen Rollen ließen nicht viel zu. Vermutlich hat seine Rolle als ein Gangster in Fritz Langs Thriller Das Testament des Dr. Mabuse aus dem Jahre 1933 die internationalen Regisseure so begeistert, das sie ihn unbedingt als "Unikat" in ihrem Film haben wollte. Wie auch immer, jedenfalls ist es wie ich finde eine bemerkenswerte Angelegenheit.
(Stefan Schuster)
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