Torso
(I Corpi presentano tracce di violenza carnale)

Thriller (Giallo), Italien 1973
Regie: Sergio Martino
Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Sergio Martino
Kamera: Giancarlo Ferrando
Musik: Guido u. Maurizio De Angelis
Produzent: Carlo Ponti
Darsteller: Suzy Kendall, Tina Aumont, Luc Merenda, John Richardson, Roberto Bisacco u.a.




Vier Kunst-Studentinnen mieten sich eine einsame Villa, um den Taten eines geheimnisvollen Mörder zu entkommen, der in Kunstkreisen sein Unwesen treibt. Doch auch hier sind sie nicht lange sicher...

Dies kurz die Story des Films, die viel mehr auch gar nicht hergibt. Es wird versucht ein bisschen Psychologie mit ins Spiel zu bringen durch immer wieder ohne Zusammenhang auftauchende kaputte Kinderpuppen, die wohl die miese Kindheit des Mörders symbolisieren sollen. Doch dies täuscht nicht darüber hinweg, das es sich hier um einen typischen Giallo handelt ohne "störende" Handlung.
Dafür bietet der Film aber auch wirklich alles, was einen guten Giallo ausmacht: Kräftige Farben, nackte Haut (was bei den vielen hübschen Darstellerinnen besonders gefällt), Spannung und etwas Gore. Besonders die letzten zwanzig Minuten, wenn das letzte verbliebene Mädchen mitansehen muss, wie ihre Freundinnen nach und nach zersägt und von dem Killer draußen irgendwo verscharrt werden, sind an Spannung kaum zu überbieten.
Um die Atmosphäre auch für die Schauspieler angespannt zu halten, ließ sich Regisseur Martino etwas interessantes einfallen: Während der Dreharbeiten wurden den Darstellern die letzten Seiten des Drehbuches bis zum Schluss nicht gegeben, so dass auch diese nicht wussten, wer der Killer ist.
Torso ist ein herausragender Giallo, der vor allem eine unbedingt erwähnenswerte Qualität besitzt: Die Szenen in denen der Killer hinter den Mädchen her ist, sind von ihrer Inszenierung her so intensiv gemacht, dass einem das Wort Slasher unweigerlich in den Sinn kommt. Nicht ohne Grund wird Torso neben Mario Bavas Horrorfilm Im Blutrausch des Satans (1971) von vielen Filmkennern tatsächlich als Pionier des Slasher-Films (Halloween - Die Nacht des Grauens, 1978, Freitag der 13., 1980) bezeichnet. Die maskierten Killer in beiden Filmen scheinen tatsächlich Vorbild für die Mörder aus den amerikanischen Killerfilmen gewesen zu sein.
Überhaupt waren die Gialli so etwas wie die Vorreiter dessen, was mit John Carpenter's Halloween seinen Anfang nahm. Aber gerade Torso, der auch in den USA recht erfolgreich war, lässt sich als großer Einfluss bezeichnen.

Regisseur Sergio Martino, der sicherlich vielen auch bekannt sein dürfte durch seinen Spät-Italo-Western Mannaja (1977) mit Maurizio Merli und den weiteren überdurchschnittlichen Gialli Der Killer von Wien (1971) und Morte Sospetta di una Minorenne (1975), sagte einmal über sein filmisches Schaffen: "Meine Filme sind wie Soft-Drinks - erfrischende, ungiftige Produkte für den Massenkonsum. Ein Soft-Drink hat zwar nicht das Prestige von Champagner, aber ich habe lieber einen guten Sprudel als einen verdünnten Wein." Und genau dies beschreibt auch das Subgenre des Giallo allgemein sehr gut und macht klar, warum es so beliebt ist.


(Stefan Schuster)