Die Viper (Roma a mano armata)
Action/Thriller (Poliziotto), Italien 1976
Regie: Umberto Lenzi Drehbuch: Umberto Lenzi, Dardano Sacchetti Kamera: Federico Zanni Musik: Roberto Donati, Franco Micalizzi Produzenten: Mino Loy, Luciano Martino Darsteller: Maurizio Merli, Arthur Kennedy, Tomas Milian, Giampiero Albertini, Luciano Catenacci u.a.
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In Rom sind Verbrechen fast schon an der Tagesordnung. Kommissar Ferro (Maurizio Merli) - genannt "Die Viper" - führt einen einsamen Kampf gegen die unaufhaltsam steigende Kriminilität. Der Staatsanwaltschaft fehlen aber stichhaltige Beweise und durch Gesetzeslücken sind ihnen die Hände gebunden. Meistens müssen sie die Verbrecher wieder laufen lassen. Als die Situation eskaliert, nimmt Ferro selbst das Gesetzt in die Hand. Er geht gewaltsam vor um an die Unterwelt Roms, die hinter all den großen Verbrechen zu stecken scheint, ausfindig zu machen.
Mit Die Viper schuf Umberto Lenzi nach Der Berserker (1974) einen weiteren Meilenstein des italienischen Polizei- und Gangsterfilms, auch Poliziotti genannt. Dieses Subgenre löste damals auf kommerzieller Ebene in der italienischen Filmindustrie den stagnierten Italo-Western ab. Geprägt von der damaligen politischen Stimmung im Land erzählt auch Die Viper von einem Polizisten im Kampf gegen des Verbrechen. Die Staatsanwaltschaft ist ihm aber keine große Hilfe, sondern wollen Kommissar Ferro eher noch Körperverletzung anhängen. Seine Wut über die Gesetzlage entlädt sich an jungendlichen Taschendieben. Maurizio Merli spielte diese Verzweiflung gepaart mit dummen Wutausbrüchen sehr gut. Zwischen ihm, dem Polizeiinspektor und anderen Personen wie seiner Frau finden immer wieder Gespräche statt über das Verhältnis zwischen Gut und Böse, Lynchjustiz und wie weit ein Polizist bzw. Kommissar gehen darf. Typische Themen der meisten Poliziotti, die aber auch hier eher oberflächlich behandelt werden. Den Anspruch sich ausgiebig damit auseinander zu setzten, hatten die Regisseure aber denke ich auch nicht wirklich. Regisseur Lenzi hatte auch mit Die Viper in erster Linie das Ziel, der durch wirtschaftlichen Depressionen und Ölkrise gebeutelten italienischen Bevölkerung einen menschlichen Helden zu geben, der sich auch mal über das Gesetz hinweg setzt. Es wundert wenig, dass sich die meisten Poliziotti und deren Regisseure mit dem Vorwurf konfrontiert sahen, sie fördern faschistisches Gedankengut. Heute kann man diese Filme aber in dieser Hinsicht kaum noch ernst nehmen und Leute die wirklich Gedanken an Selbstjustiz verschwenden, werden sich wenn überhaupt gegenwartsnäheres Filmmaterial zu Gemüte führen. Liebhaber des italienischen Kinos genießen sowieso nur die herrlich nostalgische Stimmung und Unterhaltung ohne viel rumgeplänkel. Handwerklich ist der Film sehr solide Arbeit und bietet temporeiche Actionszenen. Umberto Lenzi inszenierte in seinen Poliziotto-Filmen besonders Autoverfolgungsjagten sehr rasant. Die italienischen Autos, die heute als Oldtimer geliebt werden, waren wohl schon damals nicht gerade günstig und der Verschließ bei den Dreharbeiten musste möglichst gerung gehalten werden. Das ist auch die Erklärung dafür, was aufmerksamen Zusehern sicher auffällt: In einer Verfolgungsjagd wurden 1:1 Teile aus einer Verfolgung in Der Berserker kopiert, inklusive der besten Autostunts. Ist aber nicht weiter schlimm und fällt auch wirklich nur auf, wenn man genau hinschaut bzw. Lenzi's anderen Film zum Vergleich genau im Kopf hat. Was dagegen tatsächlich negativ auffält und mit der Zeit nervt, sind die ständigen Prügeleien die sich Ferro mit seinen gestellten Verbrechern liefert. Und auch sonst wird sich gegenseitig viel eins über die Rübe gezogen. Inklusive überaus unpassendem Spencer/Hill- Prügelsound. Auch weiß man nie, hinter wem Ferro nun eigentlich her ist. Das soll zwar sicher auch bewusst die Übermacht der Verbrecher zeigen, jedoch halte ich einiges für Fehler in der Inszenierung der Handlung.
Der gute Tomas Milian hat in diesem Film als buckliger Ganove übrigens nur eine größere Nebenrolle. Doch durch sein wie immer geniales Spiel und natürlich der äußeren Erscheinung bleibt seine Rolle alles andere als blaß sondern belebt die Szenerie ungemein.
(Stefan Schuster)
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