Die gläserne Zelle

Krimi/Drama, Deutschland 1978
Regie: Hans W. Geißendörfer
Drehbuch: Klaus Bädekerl, Hans W. Geißendörfer
Kamera: Robby Müller
Musik: Niels Janette Walen
Produzent: Luggi Waldleitner
Darsteller: Helmut Griem, Brigitte Fossey, Dieter Laser, Walter Kohut, Bernhard Wicki u. a.

Der Architekt Phillip Braun (Helmut Griem) saß fünf Jahre unschuldig im Gefängnis, während der eigentliche Schuldige Lasky (Walter Kohut), auf freiem Fuß blieb. Nach der Entlassung kehrt Phillip zu seiner Frau Lisa (Brigitte Fossey) und ihrem kleinen Sohn Timmie (Claudius Kracht) zurück. Lasky versucht jedoch wieder mit Philipp Kontakt aufzunehmen und spielt ihm Informationen über ein angebliches Liebesverhältnis von Lisa mit seinem Anwalt David (Dieter Laser) zu, der Beweise gegen Lasky sammelt. Für Philipp mehren sich die Indizien und schließlich fast er einen verhängnisvollen Entschluss trifft...

Der Story zu diesem Werk von Regisseur Hans W. Geißendörfer liegt der gleichnamige Roman der bekannten Kriminalautorin Patricia Highsmith zugrunde. Bereits für den Meister des Suspense, Alfred Hitchcock, waren ihre Geschichten genau der richtige Stoff und es etstand 1951 mit Strangers on a Train die Verfilmung einer von Highsmiths populärsten Romanen. Anders als Hitchcock hatte Geißendörfer das Problem, das er den Vorlagenstoff in ein anderes Land versetzten musste. So wurde sehr vieles geändert, die Südstaaten-Vorgeschichte komplett weg gelassen und letztlich sind nur einige Charakterzüge und die Grundgeschichte erhalten geblieben. Patricia Highsmith selbst wohnte der Premiere des Films in Venedig bei und äußerte sich außerordentlich zufrieden.
Der Film spielt in Frankfurt, eine Stadt die damals wie heute nicht als Filmstadt gilt. Jedoch ließ der Ur-Münchner Produzent Luggi Waldleitner dem Regisseur Geißendörfer sehr viele Freiheiten und dies spiegelte sich eben auch darin wieder, dass ein größerer Aufwand betrieben wurde um das Set in Frankfurt entstehen zu lassen. Geißendörfer wollte unbedingt die unverbrauchte Filmlandschaft für seinen Film nutzen.
Das Cast und die Crew des Films lieferten ganze Arbeit. Kameramann Robby Müller brachte interessante Kamerafahrten und Einstellungen ein, die die bedrückende Atmosphäre unterstützen. Zwar gibt es keine Kamera-Akrobatik, welche auch unangebracht gewesen wäre, jedoch beeindruckt der 360 Grad- Schwenk in der Szene als Phillip David ermordet schon sehr. Und dies auch gerade weil sich die Kamera sonst genial einfach zurück hält. Der Niederländer Müller ist bekannt für seine Arbeiten mit vielen international bekannten Regisseuren wie Wim Wenders oder Jim Jarmusch.
Die bedrückende Atmosphäre hält sich den ganzen Film über und die Charaktere sind alle sehr undurchsichtig. Selbst Phillip, der zunächst noch als Figur erscheint, in die man sich hinein versetzten kann und der auch Sympathien auf seiner Seite hat, wird mit dem Mord an David schließlich zu einem rätselhaften Mann. Helmut Griem spielt seine Rolle unglaublich beeindruckend. Selbst wenn er nicht redet, meint man zu wissen was er denkt. Und dies wird nicht mal durch eine ausdrucksstarke Mimik erreicht. Zwar ist auch diese überzeugend, jedoch sprechen ihm alleine seine Augen aus der Seele. Er ist ein gebrochener Mann - durch den Gefängnisaufenthalt und draußen in seiner "gläsernen Zelle". Seine Frau, ebenfalls großartig gespielt von der Amerikanerin Brigitte Fossey, ist abweisend und kalt und sein scheinbarer Freund David hat ihn um seinen Sohn betrogen. Offensichtlich macht ihm der Seitensprung seiner Frau weniger aus, als das sein Sohn David als neuen Papa sieht und die Distanz zu dem Kind unüberwindbar ist. Geißendörfer selbst äußerte sich vor allem sehr positiv über Griems Rollenverständnis. Die beiden hatten "eine klare gemeinsame Vorstellung der Figur", so Geißendörfer. Dies reduzierte die Regieanweisen zu einem Minimum.
Der Kammerspiel-artig, eindringlich inszenierte Film gewann beim Deutschen Filmpreis das Filmband in Gold und war 1979 für einen Oscar als bester außländischer Film nommiert.


(Stefan Schuster)