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"Inside Norwegen"

Steffen & Jana

Weyrauch

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Eine Tour zum Nigardsbreen

Sommer 2004

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Unsere nächste Tour führte uns in die Gebirgsregion des Jostedalsbreen Nationalparks. Der Jostedalsbreen ist Europas größter Festlandsgletscher. Seine Nationalparkfläche erstreckt sich auf 1310km2 . Die reine Gletscherfläche beträgt über 500km2 und der höchste Punkt des Gletschers liegt in etwa 2000m Höhe. Die zahlreichen Gletscherarme, welche sich in die Täler schieben, zeichnen sich verantwortlich für die typische norwegische Landschaft und Natur. Einige sogenannte Gletscherzungen sind zum Beispiel: Bøyabreen, Supphellabreen, Briksdalsbreen und auch der Nigardsbreen. Auf unserer Tour zum Jostedalsbreen Nationalpark und zum Jotunheimen Nationalpark, haben wir beschlossen, uns ein Quartier auf der Nordseite des Sognefjords zu suchen, da man von dort aus die besten Ausgangsmöglichkeiten für unsere beiden Touren zum Nigardsbreen und zum Sognefjell hat. Die Fahrt beginnt von Aadland (40km westlich von Bergen), und führt über die kleine Gebirgsstadt Voss hinauf zum Vikafjell, von wo man eine herrliche Aussicht hinab in die Region nordöstlich von Voss hat. Wenn man das Fjell dann in Richtung Vangsnes überquert hat und wieder bergab in Richtung Fjord fährt, öffnet sich ein riesiges Tal mit gigantischer Sicht bis an das Nordufer des Sognefjordes. Nach unzähligen Serpentinen und einem Gefälle von bis zu 12% (Achtung: immer mit niedrigem Gang fahren und auch nicht bei langsamer Fahrt ständig auf der Bremse stehen, wir sprechen aus Erfahrung) erreichen wir Hopperstadt mit seiner sehenswerten Kirche. Der nächste Ort den wir erreichen ist Vik direkt am Sognefjord. Jetzt schlängelt sich unser Weg direkt am Fjord entlang bis hin nach Vangsnes unserem Fähranleger. Von hieraus setzen wir über den Sognefjord über nach Hella auf der Nordseite des Fjordes. Zum Sognefjord ist vielleicht wissenswert, dass er mit 200km der längste Fjord der Welt und mit bis zu 1300m einer der tiefsten Fjorde ist. Seine Entstehung geht 2 bis 3 Millionen Jahre zurück und ist das Resultat von ca. 20 Eiszeiten, die ihm das heutige Relief gaben. Die angrenzenden Bergmassive sind bis zu 1700m hoch. Es bedarf schon einigem Vorstellungsvermögen, welche Kräfte hier über die Zeit gewirkt haben müssen. Besonders imposant sind die zahlreichen Wasserfälle, welche sich entlang des Fjordes zu beiden Seiten in die Tiefe stürzen, aber dieses Thema füllt vielleicht einen eigenen Reisebericht. Unterdes angekommen in Hella überlegen wir uns schon, welche Ortschaft der ideale Ausgangspunkt für unsere Touren sein könnte. Nach einem Blick auf unsere Karte legen wir fest, dass Sogndal am besten geeignet  wäre. Also machen wir uns auf, Sogendal zu erreichen, denn die Zeit ist schon ziemlich fortgeschritten. Immer der Straße am Fjord entlang erreichen wir über Leikanger und Hermannsverk nach etwa anderthalb Stunden das Zentrum von Sogendal. Dort schaffen wir es gerade noch vor Geschäftsschluss in die Touristeninformation, denn so ausgiebige Öffnungszeiten wie in Deutschland kennt man hier im Norden nicht. Aber nach so vielen Reisen nach Norwegen müssen wir sagen, das es dem Lebensstandard überhaupt keinen Abbruch tut. Im Gegenteil man ist hier oben nicht so im Stress, und die Leute strahlen eine Gelassenheit aus, an welcher sich so mancher Deutsche wohl eine Scheibe abschneiden könnte. Aber wie gesagt, wir betreten  die Touristinformation kurz vor 16.oo Uhr, um uns einige Informationen über geeignete Übernachtungsmöglichkeiten zu beschaffen. Ausgestattet mit einem Stadtplan und darauf eingezeichneten Übernachtungsmöglichkeiten beginnen wir die Suche nach unserem neuen Quartier. Aber nach dem drittem Versuch mussten wir uns eingestehen, dass die Suche direkt in Sogndal wahrscheinlich zu keinem Erfolg führen würde, da vor lauter Touristen und Studenten alle Unterkünfte ausgebucht sind. Darum beschließen wir - wir fahren weiter. Nun also weiter in Richtung Luster. Und siehe da: Nach ca. 15km Fahrt werden wir auf einer kleinen Anhöhe kurz vor Hafslo fündig. Ein kleiner Bauernhof "Hafslotun" hat sich auf Feriengäste eingerichtet und bietet mit den kleinen roten Ferienhütten den idealen Platz für jeweils vier Personen. Nach einem Aufatmen und einem Blick auf die Uhr sind wir nun vollends zufrieden. Unsere Tour dauerte fast den ganzen Tag, das heißt ohne Stress und den Pause zum Verweilen muss man etwa 8-9 Stunden einplanen. Wir richten uns in der Hütte ein,  machen Abendbrot  und gehen dann früh zu Bett. Unsere Tour am  nächsten Tag zum Nigardsbreen soll früh losgehen. Am  Morgen dann werden wir von der Sonne, welche durch das zentral angeordnete Oberlicht unserer Hütte einfällt,  gegen 7.oo Uhr  geweckt. Wir frühstücken, packen unsere Ausrüstung zusammen und machen unser Auto startklar, so  das wir unsere Tour zum Nigardsbreen gegen 8.oo Uhr beginnen können. Mit dem Auto sind es von Hafslo bis zum Startpunkt unserer Wanderung noch gute 80 km. Wir fahren also die tags zuvor gefahren Straße weiter in Richtung Luster und biegen dann vor Gaupne in das Seitental des Jostedalselvi ein. Von nun an ist nicht mehr der Fjord unser Begleiter sondern ein am Anfang breiter, bisweilen gemächlich dahinfließender türkisfarbener, Gebirksfluß. Aus der Karte können wir entnehmen, dass dieser Fluss einen seiner Ursprünge im Nigardsbreen hat. Je weiter wir dem Fluss bis zu seinem Ursprung folgen, desto mehr veränderte er sein Aussehen. Vom eben noch gemütlich dahinfließenden Fluss, wechselt er zum tosendem Ungetüm mit reisenden Stromschnellen. Und das alles nur, weil er zwischen zwei Felsen eingeklemmt scheint. Kurz nach Gjerde öffnet sich das Jostedal und man kommt an den Punkt an dem mehrere Täler zusammentreffen. Linker Hand eröffnet sich das mächtigste der genannten Täler, es ist das Gletschertal des Nigardsbreen. Wir biegen linker Hand ab und fahren vorbei am Breiheimmuseum direkt auf den Gletscher zu. Im ersten Augenblick denkt man, man stünde schon direkt vor den mächtigen Eismassen, aber weit gefehlt. Am eigenen Leib hatten wir schon früher erfahren müssen, dass die Optik täuscht. Bei einem frühern Ausflug zum Nigardsbreen dachten wir, wir lassen das Auto am Breheimsenter stehen und laufen das Stück bis zum Gletscher. Aber damals hatten wir die Rechnung ohne die gewaltige Natur gemacht. Wer immer behauptet Norwegen wäre kalt und regnerisch, dem müssen wir mit allem Nachdruck widersprechen. An jenem Augusttag waren wir außerdem auch ziemlich spät aufgebrochen. Die Sonne stand schon hoch am Himmel und es war eigentlich herrlichstes Wetter. Also begaben wir uns vom ersten Parkplatz am Breheimsenter auf Wanderschaft. Doch schon bald mussten wir feststellen, dass die Gebirgsmassive zu beiden Seiten des Tals nicht an uns vorüber ziehen wollten. Ab da wurde uns die Gewaltigkeit, welche die Natur hier geschaffen hat, in Ansätzen klar. Wir liefen also und liefen. Vor uns der Gletscher, der die Gebirgsmassive zur Rechten und zur Linken auseinander zuschieben zu scheint und über uns erbarmungslos die Sonne,  welche ohne ein Wölkchen am Himmel stand und brannte. Zu allem Überfluss kam noch hinzu, dass man den Weg gerade frisch geteert hatte und wir nicht die sommerlichste Bekleidung gewählt hatten. So quälten wir uns sprichwörtlich bei gefühlten 35C° zwei Stunden über den noch heißen Teer bis ans Ende der Straße auf einen riesigen Parkplatz. Dort mussten wir uns endgültig eingestehen, dass wir uns total vertan hatten: Der Gletscher lag mindesten noch einmal ein Stunde entfernt. Es war schon nachmittags  gegen 16.00 Uhr und wir mussten eine Entscheidung treffen.  Wir entschieden also, wir genießen die Aussicht auf den Gletscher und verschieben das schwierigere Stück der Tour, da jetzt kein Weg mehr vorhanden war und man hätte über riesige Findlinge klettern müssen, auf eine spätere Tour. Nun sind wir also wieder hier auf dem riesigen Parkplatz, mit einiger Erfahrung und doch auch schönen Erinnerungen vom letzten Mal im Gepäck. Wir suchen  unsere Ausrüstung im Auto zusammen, machen auch gleich die ersten Fotos und brechen noch früh am Tag zu einem unvergesslichem Erlebnis auf. Zu beginn können wir noch diversen Trampelpfaden nachgehen, aber je weiter wir in Richtung Gletscher unterwegs sind desto weniger werden auch die Trampelpfade. Nach einiger Zeit müssen wir stellenweise sogar wieder ein Stück zurückgehen, um uns dann erneut an einem großen roten T zu orientieren. Das rote T ist in Norwegen der Hinweis auf eingetragene Wanderwege und man sollte diese Routen unter gar keinem Fall ohne kundigen Führer verlassen. Nachdem wir ein gute Stunde meist kletternd unterwegs sind, kommen wir der Gletscherzunge  nahe: Wir sind am Gletscherfluss schon hinter dem Gletschersee angelangt. Auf dem abgeschliffenen Granit bewegen wir uns nun andächtig in Richtung steil aufragende Eismassen. So richtig wohl ist uns die ganze Sache aber auch nicht. Den ganzen Weg hierher waren wir mit den enormen Kräften konfrontiert, welche hier gewirkt haben mussten um riesige Granitblöcke ins Tal zuschieben oder gar zu zermahlen. Und jetzt stehen wir zum anfassen nahe an unserem Ziel,  und der Gletscher gibt hin und wieder gefährlich anmutende Geräusche von sich als wolle er uns warnen. Trotz der anhaltenden Diskussion um Klimaerwärmung und so weiter muss man fairer weise schon sagen, das diese Gletscherzunge sich um einige Meter zurückgezogen hat. Aber die Gletscherzungen auf der Nordseite des Jostedalsbreen sind in der selben Zeit einige Meter gewachsen. Dies liegt auch viel an der Niederschlagsverteilung über diesem riesigem Gebiet. Als wir nun ein relativ windgeschütztes Plätzchen in einer Ausschürfung gefunden haben, machen wir ein kleines Picknick und beobachteten die Teilnehmer einer Gletschertour, welche hier unter sachkundiger Leitung eines erfahrenen Bergführers den Weg in den Gletscher auf sich nehmen. Nach einiger Zeit und noch mehr geschossenen Fotos heißt es aufbrechen zum Ausgangsort unserer Tour. Nach einigen Metern des Rückweges, gelingt es unserem fünfjährigem Sohn uns doch davon zu überzeugen, das Touristenboot zu nehmen. Wie sich herausstellte, ist es doch keine so schlechte Idee. Vom Bootsführer erfahren wir, wie der Nigardsbreen zu seinem Namen gekommen ist. Vor langer Zeit war der Gletscher, nach einer sogenannten Warmzeit, auf dem Vorrücken. Die Menschen aber hatten die Warmzeit genutzt, den entstanden Boden zu nutzen und bauten  ihre Höfe bis an den zurückweichenden Gletscher. Jetzt kam  die nächste Kaltzeit und der Gletscher wuchs wieder und schob sich weiter ins Tal hinab. Dabei schob er mit seiner gewaltigen Kraft den einen wie den anderen Hof vor sich her und begrub sie dann unter seinem Eispanzer. Dieses Schicksal ereilte acht Höfe. Vor dem neunten Hof kam der Gletscher zum Stillstand, ja er zog sich sogar wieder zurück. Und weil ni auf norwegisch neun und gard Hof heißt, nennt man ihn seit dem Nigardsbreen. Während dieses interessanten Plausches sind wir mittlerweile an der Anlegestelle angelangt. Wir bedanken und verabschieden uns von unserm geselligen Bootsführer, und steigen zu unserm Auto hinauf auf den Parkplatz. Von hier aus schauen wir  auf den von uns  genommenen Weg und lassen die Tour vor unseren Augen noch einmal Revue passieren. Die letzten Fotos werden gemacht, dann die Ausrüstung ins Auto verstaut. Die Heimfahrt zu unserem Quartier in Hafslo geht  wie von alleine, denn es muss jeder von uns die erlebten Eindrücke erst mal verdauen.  Nach diesem herrlichen Tag steht für uns fest, dass wir irgendwann wieder eine solche Tour unternehmen werden und wenn nicht gerade zum Nigardsbreen, dann vielleicht zu einem der vielen andern nicht so bekannten Gletschern Norwegens.                                                     

   

 

 

 

 

 

Routen Kurzbericht für Auto und Motorrad

 

Von Aadland aus auf dem Rv 7 in Richtung Bergen. Am nächsten Kreisverkehr wechseln wir auf die E 16 bis Voss. In Voss wechseln wir auf Rv 13 und fahren bis Vangsnes. Von Vangsnes setzen wir mit der Fähre nach Hella über und nehmen nun den Rv 55 direkt bis Sogndal bzw. Gaupne. Kurz vor Gaupne biegen wir links ins Jostedal ein, und folgen dem Rv 604 bis kurz hinter Gjerde.

 

 

 

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