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Bei unserem mehrtägigen Ausflug
nahe dem Sognefjord, im August 2004, unternahmen wir unter anderem auch
die folgende Tour: Beginnend bei unserer gemütlichen Hütte auf Hafslotun, wollen wir Sie
jetzt mitnehmen auf die Reise zum Sognefjell. Das Sognefjell ist
Nordeuropas höchster Gebirgspass mit über 1400m über dem Meer. Die
Sognefjellsstraße ist eine der nationalen Touristenstraßen, welche
extra für Touristen ausgebaut worden ist. Sie dürfen jetzt aber nicht
denken, dass die Straße zur „Autobahn“ ausgebaut worden ist. Nein,
sie hat schon ihren ursprünglichen Charakter bewahrt. Mit
„ausgebaut“ ist lediglich gemeint, dass man zusätzliche Rast-,
Informations- und Aussichtsplätze angelegt hat, bzw. man hat die
Verkehrsleiteinrichtungen an den stark abschüssigen Teilstrecken verstärkt
. Dies war für die Sicherheit der Touristen nötig. Nun aber
zu unserer Tour: Ausgeruht von unserer Vortagestour zum Nigardsbreen
brechen wir gutgelaunt zum Sognefjell auf. Bei leichtbewölktem Himmel
und Aussicht auf einen regenfreien Tag, so sagte der Wetterbericht,
fahren wir die uns vom Vortag bekannte Strecke in Richtung Luster. Wir
verlassen die Straße aber nicht vor Gaupne, sondern folgen ihr, immer
am Fjord entlang, bis dieser endet. Ja, wir stehen am Ende des längsten
und tiefsten Fjordes der Welt, dem Sognefjord und seinen Ausläufern.
Vor uns erheben sich gigantische Felswände auf über 1000m. Mittendrin
sehen wir eine Schlucht, welche die Felsmassive teilt. Hier sollen wir
nun zum Sognefjell gelangen. Wir tasten die Felswände mit unseren Augen
ab und versuchen, einen Weg zu erkennen. Aber weit gefehlt! Die
Dimensionen sind so gewaltig, dass man sich den Straßenverlauf nicht
einmal vorstellen kann. Wir überqueren jetzt mit einem flauen Gefühl
in der Magengegend die Brücke bei Skjolden, und folgen der
Ausschilderung zum Sognefjell. Wir müssen uns nun die nächsten 27km
von Meeresniveau auf über 1400m über Meeresspiegel hocharbeiten.
Vorbei an einem idyllisch gelegenen Campingplatz, mit letzter Möglichkeit
zum Tanken, lassen wir den Abzweig nach Urnes mit dem Hinweisschild der
sehenswerten Stabkirche hinter uns. Die Straße wird schlagartig enger,
und es passt nur noch ein Fahrzeug auf die Fahrbahn. Also heißt es
Daumen drücken, dass uns nicht gerade an den Engstellen und Spitzkehren
ein Auto begegnet. Je höher wir kommen, um so filigraner wird die Straßenführung.
Stellenweise hängt sie wie ein Adlerhorst am Fels. Aber siehe da, die
Schlucht, welche durch einen Gebirgsbach durchschnitten wird, öffnet
sich zu einem Plateau, und hier steht ein Bauernhof. Wir passieren den
Bauernhof, und das Tal wird wieder enger. Nach einiger Zeit nähern wir
uns nun der Baumgrenze, und unser Blick reicht jetzt weiter. Nachdem nun
die Bäume ganz verschwunden sind, sehen wir vor uns das Turtagrøhotel.
Wir beschließen eine kurze Rast zu machen um noch einmal einen Blick
zurück zum Fjord zu werfen. Wir werfen einen kurzen Blick auf die
Informationstafel im Eingangsbereich des Hotels. Und siehe da, es war
lohnenswert. Auf der Tafel war eine neue Verbindung nach Øvre Årdal
eingezeichnet. Sie werden jetzt denken: Na und? Aber durch diese zwar
mautpflichtige Straße besteht ohne größere Umwege die Möglichkeit,
um das Sognefjord herum zu fahren, ohne eine Fähre benutzen zu müssen.
Beim Schmieden der Pläne für die Rückfahrt nach Bergen, wird dieses
Detail mit Sicherheit einfließen. Nach so vielen neuen Informationen
nun aber weiter Richtung Sognefjell. Wir steigen wieder ins Auto und
fahren weiter hinauf Richtung Plate au. Vorbei an schönen
Aussichtspunkten, welche angelegt worden sind um zurück ins Tal
zuschauen. An diesen Aussichtspunkten, wird einmal mehr klar, welche
eigentlich geringe Rolle der Mensch in der Natur spielt. Die von
Eismassen geschaffene Umgebung hat solche Ausmaße, dass Sie dies auch
mit eigenen Augen nur schwer nachvollziehen können. Wir erreichen nun
die ersten Hinweisschilder mit der momentanen Höhe. Die Straße wird
hier wieder breiter und legt sich wie ein schmales Handtuch in die Hügel
des Plateaus. Als wir dann das Hinweisschild mit 1430m über dem Meer
passiert haben, wissen wir: Es ist geschafft. Bei der Vorbereitung zu
dieser Tour haben wir uns darauf geeinigt, dass wir weiter fahren bis
zur Sognfjellhytte und uns dort einen Parkplatz suchen. Große Probleme
hatten wir damit nicht, denn es war trotz schönem Wetter kein großer
Verkehr. Nun beginnt eigentlich der zweite Teil unserer Tour. Bei
unserem fünf jährigem Sohn Ryan glänzen die Augen nur bei dem Wort
Picknick. Deshalb werden wir die Wanderschuhe schnüren und uns etwas
abseits einen geeigneten Platz suchen. Mit Sack und Pack brechen wir nun
auf, die gemütlich anmutenden Hügel zu erklimmen. Nach gut einer
halben Stunde finden wir an einem kleinen See, hinter einem windgeschützten
Felsvorsprung, einen geeigneten Platz für unser Picknick. Von
Zivilisation ist hier nichts mehr zu sehen oder zu spüren. Man sieht
weder die Straße, welche uns hierher gebracht hat, noch die
Sognefjellshytte. Wir setzen uns und genießen beim verzehren unserer
Speisen die Ruhe und den Ausblick über das Fjell. Nach dem Essen legen
wir uns noch einige Minuten auf den Rücken um die vorüberziehenden
Wolken zu beobachten. So manche Wolke hatte schon eine merkwürdige Ähnlichkeit
mit Gegenständen oder Tieren, und so beginnen wir ein kleines
Ratespiel. Dieses Spiel macht Ryan besonders Spaß, und man sollte nicht
meinen, welche Fantasie in so einem kleinen Kerl steckt. Wie das aber so
mit kleinen Kindern ist, ist nichts von langer Dauer. So ist unsere
Fantasie wieder gefragt. Wir beschließen, dass wir uns hier oben
verewigen. Wir tragen alle kleinen Steine, welche in unmittelbarer Nähe
liegen, zusammen und bauen daraus eine Pyramide. Bei all diesen Beschäftigungen
haben wir doch die Zeit aus dem Auge verloren. Es ist spät am
Nachmittag, als wir zu unserem Auto zurück kehren. Wir beschließen
noch ein oder zweimal Halt zu machen, um an ausgesuchten Plätzen
Erinnerungsfotos zu schießen. Bei der Rückfahrt wird uns der überwundene
Höhenunterschied zwischen Meer und Fjell erst gänzlich bewusst. Mit
einer herrlichen Aussicht hinab ins Tal und auf den Fjord genießen wir
den Beginn der Rückfahrt besonders. Und als wir abends in der Hütte
noch mal über unsere Erlebnisse sprechen, steht für uns fest: Es war
wieder ein gelungenes Erlebnis.
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