Depression

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Ich gehöre zu den Menschen, die anfällig für Depressionen sind. Mittlerweile ist es Jahre her, daß mich die Depression über-
rollte und krank machte. Trotzdem kann es wieder passieren und einen jeden Menschen treffen! Es gibt keinen Menschen,
der davor gewappnet ist. Insbesondere in der heutigen Zeit, sind immer mehr Menschen betroffen. Deswegen gibt es keinen
Grund dafür sich zu schämen.



Kapitel 1: Was ist eine Depression?

Eine Depression ist eine seelische Krankheit, die genau wie ein Beinbruch behandelt werden muß. Es ist die gefürchtetste
aller seelischer Krankheiten (Selbsttötungsneigung). Im Gegensatz zu Verstimmungen, wie sie zum Beispiel bei dem Tod eines
Angehörigen auftreten oder bei Problemen anderer Art, "heilt die Zeit nicht die Wunden". Eine Depression kann man nicht
einfach aussitzen, abwarten daß sie vorrübergeht. Wie also unterscheidet man zwischen "normaler Traurigkeit" und Depression?
Wer "nur" traurig ist, geht wohl kaum zum Arzt. Bei einer Depression kommt es wie bei mir soweit, daß man entweder wegen
dem unerträglichen Gesamtzustand zum Arzt geht oder zur Selbsttötung greift.

Eine Depression verändert ihr Opfer tiefgreifend, und zwar seelisch, körperlich, zwischenmenschlich und leistungsmäßig
beruflich. Während einer Depression kann man das Leben nicht mehr so weiterführen wie bisher - oder nur mit der größten
Anstrengung. Depressionen sind vor allem deshalb so gefürchtet, weil sie alle Lebensbereiche beeinträchtigen. Einer
Depression ausgeliefert sein, heißt nirgends mehr Zuflucht zu finden. Depressionen gehören zusammen mit der Alzheimer
Demenz nicht umsonst zu den gefürchtetsten Krankheiten.

Depression ist nicht nur Schwermut. Im Gegenteil: Viele Depressive schleppen sich erst einmal mit Leistungsabfall und
körperlichen Beschwerden dahin und dies oft viel zu lange, d. h. im Schnitt mehrere Monate, falls sie überhaupt ihren
Arzt konsultieren.

Anzeichen einer Depression können sein: depressive Herabgestimmtheit von abnormem Ausmaß, Verlust von
Interesse und Freude, verminderter Antrieb und abnorme Ermüdbarkeit, Verlust von Selbstvertrauen und
Selbstwertgefühl, unbegründete Selbstvorwürfe, Gedanken an den Tod, auch von eigener Hand, Denk- und
Konzentrationsstörungen, Bewegungsstörungen: entweder passiv, schwach, kraftlos oder gespannt-rastlos
umhergetrieben, Schlafstörungen, ausgeprägte Änderungen des Appetits (meist Gewichtsverlust, seltener
Heißhunger). Patienten klagen vor allem über Schlaf-, Appetit-, Magen-Darm-, Herz- und Atmungsstörungen, über
Verspannungen, Gelenk-, Rücken- und Muskelschmerzen, ehe sie - meist nur auf direktes Befragen - auch Merk-
und Konzentrationsstörungen, Unruhe, innere Anspannung, Entscheidungsunfähigkeit, Interesseschwund,
Gleichgültigkeit und allgemeine Lustlosigkeit zugeben. Oft sind wie bei mir auch Angstzustände und ein depressiver
Wahn als Aspekt zu sehen. Dies äußert sich insbesondere darin, daß Fehleinschätzungen der Realität auftreten, die
allerdings nur anderen Menschen auffallen. Nicht jedoch dem Betroffenen.


Dabei hilft die alte Erkenntnis weiter: Eine Depression äußert sich eher in einer Art Elendigkeitsgefühl ("wie bei einer
schweren Grippe") als durch auffällige Traurigkeit.

Heute vermutet man, dass zwar nur wenige (rund 1 %) wegen einer schweren Depression in einer psychiatrischen Fachklinik
behandelt werden müssen, doch mehr als jeder zehnte Patient des Hausarztes unter depressiven Zuständen leidet. Und das
Schlimmste dabei: Nicht einmal ein Fünftel der Betroffenen wird rechtzeitig als depressiv erkannt und konsequent behandelt,
weil nicht einmal der Betroffenen weiß, was er hat, geschweige denn damit zum Arzt geht.




Kapitel 2: Was sind die Folgen einer Depression?

Zwischenmenschliche Folgen: Ängstlich registrierte Minderung der Kontaktfähigkeit bei jedoch unverändert vorhandenem
Kontaktwunsch: Partner, Kinder, Eltern, sonstige Verwandte, Freunde und Bekannte, Nachbarn, Berufskollegen,
Zufallsbekanntschaften u. a.; dadurch Gefahr der gemütsmäßigen Vereinsamung, des Rückzugs der Umwelt, des Abbruchs alter
Beziehungen mit der Unfähigkeit, neue zu knüpfen, kurz: Isolation

aber auch: Vernachlässigung von Kleidung und Körperpflege, ungewohnte "Unzuverlässigkeit", "Nachlässigkeit",
"Gleichgültigkeit", "leises Einschlafen der Kontakte" bei seelisch-körperlich gehemmten Depressiven und aktiver Rückzug
der Umgebung bei getrieben-klagsamen, hypochondrischen oder gar hilflos-feindselig reagierenden Patienten.

Berufliche Folgen: Bei den beruflichen Folgen droht vor allem das Unvermögen, mit alltäglichen Aufgaben und bisher
problemlos bewältigten Schwierigkeiten fertig zu werden: Unfähigkeit, sich zu den einfachsten Alltagsverrichtungen
aufzuraffen - und wenn, dann mit plötzlich langer Anlaufzeit und unendlicher Mühsal: "doppelter Einsatz bei halbem Ertrag".
Das betrifft sowohl den Beruf als auch den Haushalt; vor allem die Schwierigkeiten, eine Tätigkeit zu beginnen und
durchzuhalten, sogar bei automatisierten Fertigkeiten und Routinehandgriffen.

Die Folgen: Verwunderung, Irritation, Verärgerung, ungnädige Anfragen, demütigende Aussprachen, unnötige
Auseinandersetzungen, atmosphärische Belastung in Familie und Betrieb, Gefahr der Versetzung, Herabstufung oder gar des
Arbeitsplatzverlustes, entweder durch Kündigung von Arbeitgeber oder gar Patienten selber, der durch seine
krankheitsbedingten Minderwertigkeits- und Schuldgefühle schließlich völlig zermürbt aufgibt.




Kapitel 3: Suizidalität oder X 84.9!

Ich nenne dieses Kapitel aus persönlichen Anlass "mein zweites Leben". Denn ich habe den Rückfall in die Depression nach
meinem ersten Psychatrieaufenthalt nicht mehr ausgehalten und habe zu einer Flasche Wodka und dem Duschschlauch gegriffen,
um mich zu strangulieren. Dieser Versuch scheitere nur knapp. Doch mit dem Suizidentschluss wollte ich bevor ich meine
damalige Freundin anrief um mich zu verabschieden einen weiteren Weg in den Freitod suchen. Dies ist durch schnelles
Handeln meiner Freundin und meiner Familie vermieden worden. Ich weiß, sonst wäre ich heute nicht mehr unter uns.

Tatsächlich verstehe ich Menschen, die den Freitod suchen sehr gut. Ein gesunder Mensch vermag das kaum, aber
ein depressiver Mensch kann nur zu leicht verstehen.


Mehr als 12.000 Menschen verlieren allein in Deutschland pro Jahr ihr Leben durch eigene Hand. Das ist
inzwischen ein Drittel mehr als die ebenfalls erschreckende Zahl an jährlichen Verkehrstoten.
Nur über
Letzteres erfährt man schon in den Lokalteilen der Zeitungen alles, über die Suizidgefahr wenig bis nichts. Das führt zu einer
Verschiebung der Gefahrenschwerpunkte und lässt die Wachsamkeit in dieser Hinsicht verkümmern.

Erschreckend: Die Suizidrate ist bei depressiv Erkrankten 30-mal höher als in der Gesamtbevölkerung. 15 % der
Patienten mit einer schweren Depressionen sollen Hand an sich legen.
Dem Hausarzt kommt dabei eine besondere
Aufgaben zu: Aus einer entsprechenden Studie ging hervor, dass vier von zehn Menschen, die sich das Leben nahmen, in der
Woche vor ihrem Tod den Hausarzt aufsuchten.

Mich schockieren diese Zahlen nicht. Aber es sollte doch einen Anlass zum Nachdenken geben, warum entsprechende
Statistiken so ausfallen. Ich habe dafür die Erklärung, daß die Sensiblisierung der Mitmenschen in der heutigen
Zeit für Anzeichen eines Suizides eines Menschen nicht mehr gegeben ist, wie sie früher gegeben war. Außerdem führt
oftmals soziale Vereinsamung dazu, daß kein Mensch als Ansprechpartner dient und Suizide von Mitmenschen lange Zeit
unbemerkt bleiben.

Merke: - Selbstmörder ist man lange, bevor man Selbstmord begeht
              - Selbstmord, das ist die Abwesenheit der Anderen


Ich kann nur aus eigenen Erfahrungen sprechen. Sollte man Suizidgedanken verspüren, dann sollte man die
Einsamkeit meiden und einen Arzt aufsuchen. Die Einweisung in die Psychatrie ist unumgänglich und
äußerst notwendig!!!


Mit dieser Aufforderung schließe ich das traurigste Kapitel meines Lebens. Ich bin im übrigen bereit jederzeit Fragen um
dieses Thema zu beantworten. E-mail: joerg.dallmann@web.de




Kapitel 4: Welche Formen von Depressionen gibt es?

Zunächst sei gesagt, daß es viele Unterscheidungen und Formen von Depressionen gibt. All diese Formen zu erwähnen und zu
erläutern, würde den Rahmen sprengen und den Betroffenen sicherlich keine Hilfe sein. Zusammenfassend unterscheidet die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) wie folgt:

Depressive Episode: depressive Stimmung von abnormem Ausmaß, weitgehend unbeeinflusst durch äußere Umstände,
mindestens zwei Wochen anhaltend und zwar fast täglich und dabei die meiste Zeit des Tages belastend. Ferner Verlust von
Interesse und Freude, verminderter Antrieb und erhöhte Ermüdbarkeit.

Dazu können folgende Randsymptome kommen: Verlust von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, unbegründete
Selbstvorwürfe, Gedanken an Selbsttötung oder Tod, Denk- und Konzentrationsstörungen, Änderung der seelisch-körperlichen
Aktivität (verlangsamt oder angetrieben) sowie Schlafstörungen und Appetitänderung. Liegt eine schwere depressive Störung
vor, die zusätzlich psychotische Symptome aufweist (Wahn, depressive seelisch-körperliche Erstarrung, Sinnestäuschungen),
bei der kein Hinweis auf eine schizophrene Psychose oder schizoaffektive Störung zu finden ist, bezeichnet man dies als
schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen.

Eine rezidivierende depressive Störung liegt dann vor, wenn sich die depressiven Episoden wiederholen: mindestens
zwei depressive Episoden, von denen eine zwei Wochen oder länger angehalten hat und zwischen denen ein beschwerdefreies
Intervall von mindestens zwei Monaten lag.

Bipolare affektive Störungen sind wiederholte (d. h. wenigstens zwei) Episoden, bei denen sich depressive Zustände mit
manischen abwechseln. Was versteht man nach ICD-10 unter einer manischen Episode?

Eine manische Episode wird dann diagnostiziert, wenn folgende Merkmale gegeben sind: gehobene, gereizte Stimmung
in deutlich abnormem Maß über eine Woche andauernd, vor allem mit schwerer Beeinträchtigung der Lebensführung. Ferner
gesteigerte Aktivität oder Bewegungs-Unruhe (Ruhelosigkeit), vermehrte Gesprächigkeit (Rededrang), vermindertes
Schlafbedürfnis, verstärkte sexuelle Energie, dazu tollkühnes und leichtsinniges Verhalten, rasche Ablenkbarkeit mit
ständig wechselnden Plänen, Verlust sozialer Hemmungen, Ideenflucht oder Gefühl des Gedankenjagens sowie überhöhte
Selbsteinschätzung mit ggf. Größenideen.

Eine Hypomanie ist eine weniger ausgeprägte Manie mit gehobener oder gereizter Stimmung von deutlich abnormem Maß
über vier aufeinanderfolgende Tage hinweg, die zu einer gewissen Beeinträchtigung der Lebensführung führt. Auch hier finden
sich gesteigerte Aktivität und Ruhelosigkeit, Rededrang, vermindertes Schlafbedürfnis und erhöhte sexuelle Energie, jedoch
"nur" eine gesteigerte Geselligkeit mit ggf. leichtsinnigem Verhalten.




Kapitel 5: Hauptdiagnosen nach ICD-10

Hier habe ich Euch die Haupteinteilung der häufigsten Diagnosen nach ICD-10 aufgelistet. Es gibt sicher noch viele weitere
Diagnosen, die sich mit Depressionen beschäftigen. Allerdings sehe ich keine Notwendigkeit darin alles aufzuführen.

Tip: Wenn ihr Fragen zu einer bestimmten in ICD-10 Code verfassten Diagnose habt, gebt diese einfach in der Suchmaschine
ein. Das Internet bietet viele Webseiten dazu und ihr werdet sicher zu jeder speziellen Diagnose etwas finden.

Hier die wichtigsten Einteilungen:

F32.- Depressive Episode
Bei den typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren (F32.2 und F32.3) Episoden, leidet der betroffene
Patient unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das
Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der
Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar bei
der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert
sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von so genannten "somatischen" Symptomen begleitet
werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung,
Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. Abhängig von Anzahl und Schwere der Symptome ist eine
depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer zu bezeichnen.

F32.0 Leichte depressive Episode
Gewöhnlich sind mindestens zwei oder drei der oben angegebenen Symptome vorhanden. Der betroffene Patient ist im
allgemeinen davon beeinträchtigt, aber oft in der Lage, die meisten Aktivitäten fortzusetzen.

F32.1 Mittelgradige depressive Episode
Gewöhnlich sind vier oder mehr der oben angegebenen Symptome vorhanden, und der betroffene Patient hat meist große
Schwierigkeiten, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen.

F32.2 Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
Eine depressive Episode mit mehreren oben angegebenen, quälenden Symptomen. Typischerweise bestehen ein Verlust des
Selbstwertgefühls und Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld. Suizidgedanken und -handlungen sind häufig, und meist liegen
einige somatische Symptome vor.
Einzelne Episode einer agitierten Depression
Einzelne Episode einer majoren Depression [major depression] ohne psychotische Symptome
Einzelne Episode einer vitalen Depression ohne psychotische Symptome

F32.3 Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
Eine schwere depressive Episode, wie unter F32.2 beschrieben, bei der aber Halluzinationen, Wahnideen, psychomotorische
Hemmung oder ein Stupor so schwer ausgeprägt sind, dass alltägliche soziale Aktivitäten unmöglich sind und Lebensgefahr
durch Suizid und mangelhafte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme bestehen kann. Halluzinationen und Wahn können, müssen
aber nicht, synthym sein.
Einzelne Episoden:
majore Depression [major depression] mit psychotischen Symptomen
psychogene depressive Psychose
psychotische Depression
reaktive depressive Psychose




Kapitel 6: Wie werden Depressionen behandelt?

Depressionen werden auf verschiedenen Wegen behandelt. Am häufigsten werden sogenannte Psychopharmaka verschrieben.
Begleitend mit einer Psychotherapie, die sich aus mehreren Bestandteilen zusammensetzen kann ist dies die wahrscheinlichste
Form der Behandlung Ich wurde in dieser Form erst stationär und später ambulant behandelt. Deswegen möchte ich
insbesondere auf diese beiden Formen genauer eingehen. Zunächst zu den Therapieformen.

Hauptsäule einer ambulanten oder stationären Behandlung sollte immer die Psychotherapie sein. In meinem Fall wurden
folgende Psychotherapien angewandt:

Gesprächstherapie, Gruppengesprächstherapie:
Hier wird in Einzelgesprächen mit einem Verhaltenstherapeuten Ängsten, Sorgen und seelischen Störungen auf den Grund
gegangen. In einer Depression ist oft das "darüber Reden" die Beste Medizin. Ein professioneller Verhaltenstherapheut gibt
dabei fachmännische Aufbauhilfe. Man redet sich alles von der Seele, was man sich vielleicht im Umfeld der Familie nicht
tun würde. Aus Scham oder auch aus Angst, daß man auf Unverständnis stößt. Was verständlich ist.

Eine ähnliche Therapieform ist die Gruppengesprächstherapie. Hier wird in einem kleinen Kreis aus Patienten, einem Psychater
oder Psychotherapeuten gemeinsam über die Probleme diskutiert. Es ist nicht so intim, wie ein Einzelgespräch, aber oft ist
es die Gruppe, die in Diskussionen sich gegenseitig hilft und einzelnen das Gefühl vermittelt wieder etwas Wert zu sein.
Oftmals ist es wie bei mir für den Patienten eine neue Erfahrung, wenn andere Menschen über die Probleme eines anderen
diskutieren. Man bekommt das Gefühl etwas Wert und anderen Menschen nicht gleichgültig zu sein. Hinzu kommt, daß mehrere
Köpfe sich mit einem Problem befassen und eine Menge Lebenserfahrung einfließt. So mancher Mitpatient wird aus eigener
Erfahrung sprechen können.

Beschäftigungstherapie:
In der Beschäftigungstherapie werden oft unterschiedlichen Dingen nachgegangen. Zum einen soll der Patient Eigeninitiative
ergreifen, sowie kreativ sein. Unterstützt von einem Therapeut entstehen Bilder, Holzarbeiten, Töpferarbeiten. Dabei bleibt
dem Patienten frei gestellt, was er gerne machen möchte. In Bildern werden häufig Gefühle zum Ausdruck gebracht. Aber auch
in Töperarbeiten und in Holzarbeiten kommt dies zum Ausdruck. Wichtig ist die anschließende Besprechung der Arbeiten und
Interpretation. Es mag vielleicht zunächst etwas kindisch sein, aber wenn man ehrlich zu sich ist kann eine
Beschäftigungstherapie sehr befreiend und wohltuend sein. Aus eigener Erfahrung sage ich, daß teilweile Glpcksgefühle dabei
entstanden sind.

Musiktherapie:
Die Musiktherapie findet in der Gruppe statt und dient den Patienten an Instrumenten Ihrer Wahl ohne musikalischen
Hintergrund die Gefühle am Instrument auszulassen. Musik drückt sehr viele Gefühle aus. Besonders mir hat es gut getan je
nach Stimmung sich das passende Instrument auszusuchen und drauf los zu klimpern. Unterstützt von einem Therapeuten merkt
man wie in dem scheinbaren "Instrumentenwirrwarr" eine gewisse Harmonie entsteht. Manchmal klingt die Musik befreiend,
manchmal schwermütig und bedrückt. Meine Erfahrung mit der Musiktherapie war, daß ich sehr befreit war, nachdem die
Stunde zu Ende war. Manchmal kommt es allerdings auch vor, daß wenn Spannungen in der Gruppe liegen man eher mit
Kopfschmerzen die Stunde verläßt. Im Grunde aber eine sehr gute Möglichkeit der Therapie, die genutzt werden sollte.

Tanztherapie/Bewegungstherapie:
Eine Therapieform, bei der nicht wie der Name sagt getanzt wird, sondern vielmehr in einer Art "Turnstunde" mit Bällen und
anderen Accsesoirs hantiert wird. Es gibt sehr viele Möglichkeiten und Übungen. Dabei werden oft auch Emotionen gelöst. Mich
hat die Tanztherapie immer sehr nachdenklich gemacht. Man ist körperlich gefordert, aber auch geistig. Auch eine gute
Therapieform.

Entspannungstherapie:
Diese Therapieform findet in einem ruhigen Raum statt, bei dem sich jeder Patient eine Liegematte nimmt und sich bequem
auf den Rücken legt. Nach Jacobs werden nun mit leichter Hintergrundmusik die Augen geschlossen und sich auf den Körper
konzentriert. Dabei gibt der Therapeut das Programm vor. Es werden langsam nacheinander alle Muskeln beansprucht und
entlastet. Dabei habe ich immer eine gewisse Wärme verspürt. Der Blutkreislauf wird unterstützt und der Körper ist nach
der gesamten Stunde entspannt. Diese Therapieform hat aus den Gepsrächen mit anderen Patienten die größten
Unstimmigkeiten verursacht. Während einige Patienten nach der Therapiestunde ein Gefühl des "neu geboren seins"
beschrieben, konnten andere Patienten nicht ausreichend zur Ruhe kommen, da sie nicht zur geforderten Zeit "abschalten,
loslassen" konnten. Ich habe beides selber erfahren. Zudem ist bei mir noch der Effekt aufgetretenm, daß mich die
Hintergrundmusik sehr melanchonisch werden ließ. Mich erinnerte die Musik ein eine leise Trauermusik, wie bei meinem
eigenen Begräbnis. Es bleibt jedem selbst überlassen, was er von der Entspannungstherapie hält und für sich mitnimmt.

Die Beste Therapie, egal ob stationär oder ambulant durchgeführt ist nicht sehr wirksam, wenn nicht zusätzliche
Psychoparmaka verabreicht werden. Hierbei kommen folgende Pychopharmaka zum Einsatz:

Antidepressiva:
Die ultimative Hauptwaffe, die die Medizin gegen Depressionen zu bieten hat. Sie wirken stimmungsaufhellend
und unterstützt die Psychotherapie ungemein. Ich bin sehr dankbar dafür, daß es Antidepressiva gibt. Ich nehme übrigens
ein Antidepressiva mit dem Namen "Trevilor (retard)" ein, daß zudem angstlösend wirkt. Retard steht nur dafür, daß
es langanhaltend wirkt. Es gibt aber noch eine ganze Palette an anderen Antidepressiva. Das ist gut, denn nicht alle
Patienten vertragen bestimmte Antidepressiva gleich gut.

Um bestimmte Effekte zu unterstützen setzten Psychater zu Antidepressiva gelegentlich wie bei mir noch andere mehr oder
weniger bekannte Psychopharmaka ein:

Schlafmittel (Hypnotika)
Fast alle depressiven Patienten leiden unter Schlafstörungen: Ein- und Durchschlafstörungen sowie das zermürbende
Früherwachen mit Berg auf der Brust und Panik vor dem kommenden Tag. Schlafstörungen können mehrere Gründe haben,
die es erst einmal herauszufinden gilt. Um aber "nicht völlig von Kräften zu kommen", versuchen es viele Betroffene
zunächst mit Schlaftabletten. Das ist kein Fehler. Bald aber muss auch klar werden, um welche Ursache es sich handelt.
Nicht selten ist es eine bisher verkannte Depression.

Manche Patienten leiden übrigens nicht an einem Schlafdefizit, sondern schlafen sogar länger als sonst, vor allem in der
dunklen Jahreszeit. Ihr Schlaf ist jedoch unerquicklich und die Leistung sinkt trotz allem ab. Auch das kann eine
Depression sein, eine sogenannte saisonale oder Winterdepression.

Auf jeden Fall regelt sich bei einer medikamentösen Depressions-Therapie der Schlaf nicht nur über Schlaftabletten. Oft
reicht auch ein schlafanstoßendes Antidepressivum, das beide Aufgaben übernimmt: Stimmungsaufhellung und Schlafförderung.

Ich nehme unterstützend zum Antidepressiva "Zopiclon" Schlaftabletten ein. Sie wirken gut und bereits nach einer viertel
Stunde. Morgens ist man etwas mürbe, aber das tut der Einnahme keinen Abbruch. Denn jeder Mensch braucht Schlaf.

Schmerzmittel (Analgetika)
Depressionen können sich in vielfältigen schmerzhaften Beeinträchtigungen äußern, teils ohne Grund, teils als
Verstärkung eines vorbestehenden Schwachpunktes: Kopfschmerzen, Muskelverspannungen im Schulter-Nacken-Bereich,
Herzbeschwerden (Stechen, Brennen, Druck), Rücken-, Gelenk- und Muskelschmerzen, meist diffus und wandernd. Dazu
allgemeine Missempfindungen wie Ziehen, Brennen, Reißen u. a.

Die Patienten greifen zermürbt zu Schmerztabletten und müssen bald resigniert feststellen: Es hilft alles nichts.
Seelisch ausgelöste oder verstärkte Schmerzen sind häufig dadurch charakterisiert, dass sie die Betroffenen "so wie
wenn" oder "als ob", also irgendwie "anders" empfinden. Und dass sie dann durch Schmerztabletten auch nicht zu mildern
und schon gar nicht zu beheben sind, zumindest auf Dauer. Dafür versteckt sich hinter solchen diffusen und schwer
deutbaren Schmerzen mitunter eine unerkannte Depression. Auch hier wäre also das Wichtigste ein Antidepressivum und
nicht Schmerztabletten.

Ich habe keine Erfahrung mit Schmerztabletten bei Depressionen und halte mich deswegen aus einem Kommentar raus.
Allerdings unterstreiche ich persönlich letzeren Satz.

Gehirnstoffwechsel-anregende Arzneimittel (Nootropika, Antidementiva)
Depressionen gehen in jedem Lebensalter mit verminderter Aufmerksamkeit, verstärkter Energielosigkeit, zunehmender
Entscheidungsunfähigkeit, vor allem aber mit Merk- und Konzentrationsstörungen einher. Das Denken wird langsam,
umständlich, mühsam, einfallsarm, die Vergesslichkeit nimmt bedenkliche Formen an. Zuletzt geraten die Betroffenen
regelrecht in Panik, weil "ihr Kopf völlig leer ist". Das setzt schon jungen Leuten zu. Im höheren Lebensalter aber
quält eine besondere Angstvorstellung: Die Furcht, eine Demenz, vor allem die am häufigsten zitierte Alzheimer´sche
Demenz, also eine vorzeitige Geistesschwäche zu bekommen, aus der es kein Zurück mehr gibt.

Wenn es sich um eine depressive Denkerschwernis handelt, nennt man das in Fachkreisen auch eine "depressive Pseudo
Demenz", weil sie einer wirklichen Geistesschwäche so täuschend ähnlich sieht. Es gibt aber einen wesentlichen
Unterschied: Die echte Demenz schreitet meist fort. Die geistige Beeinträchtigung durch eine Depression dagegen hellt
sich wieder auf, wenn die Depression zurückgeht.

Bevor man aber die Diagnose einer Depression ins Auge fasst, vor allem weil nur wenige wissen, dass Depressionen mit
Merk- und Konzentrationsstörungen sowie unfassbarer Vergesslichkeit einhergehen, verlangen viele Betroffene (und ihre
Angehörigen!) vom Arzt eine Behandlung mit Arzneimitteln, die den Gehirnstoffwechsel anregen ("die Gehirndurchblutung
verbessern"). Selbst wenn der Arzt die Depression erkennt und eine gezielte Behandlung mit Antidepressiva vorschlägt,
muss er oftmals immer noch gegen die irrige Meinung ankämpfen, hier würden nur "Gehirntabletten" weiterhelfen.

Bei einer echten Demenz hat ein solcher Behandlungsversuch seine Berechtigung. Bei einer Depression aber bringen nur
Antidepressiva die alte Denkleistung wieder zurück.

Auch hier habe ich keine Erfahrung gemacht. Es soll den Betroffenen aber davon abhalten Nootropika und Antidementiva
einzunehmen, bzw. sich vom Arzt verschreiben zu lassen. Ich hatte auch unter massiver Geistesschwäche zu leiden.
Konzentrieren und Dinge merken konnte ich mir so gut wie gar nicht. Es war so schlimm, daß ich meine PIN-Geheimzahl der
EC Karte vergaß. Trotzdem würde ich nicht Arzeimittel zur Gehirndurchblutung einnehmen und diese kategorisch ablehen.
Wie gesagt, was wirklich nur dagegen hilft ist ein Antidepressiva.

Beruhigungsmittel (Tranquilizer)
Beruhigungsmittel (Fachbegriff: Tranquilizer vom Benzodiazepin-Typ) sind bei einer Depression auch kein Ersatz für
Antidepressiva, geschweige denn eine vollwertige Behandlung. Das kann nicht oft genug betont werden. Denn viele depressive
Patienten und ihre Angehörigen bedrängen ihren Arzt, lieber Beruhigungsmittel statt Antidepressiva zu versuchen.

Das hat mehrere Gründe: Zum einen gehören Antidepressiva zu den eher "ungeliebten" Psychopharmaka. Man fürchtet sich vor
ihren Nebenwirkungen, ja sogar vor ihrer Suchtgefahr (was nicht stimmt, während Beruhigungsmittel tatsächlich abhängig
machen, was meist verdrängt wird). Auch spielt hier ein psychologischer Aspekt mit herein: Niemand möchte gern krank sein,
schon gar nicht seelisch krank. Beruhigungsmittel "schluckt jeder", das besagt also noch nichts. Aber wer nimmt schon
Antidepressiva? Doch nur der, der seelisch krank ist. Also lehnt man die einzig richtige Behandlung ab, um sich und
aller Welt zu beweisen, dass man in Wirklichkeit gar nicht krank ist, höchstens ein wenig erschöpft ...

Darüber hinaus helfen Beruhigungsmittel tatsächlich oft erstaunlich schnell. Sie beruhigen, ohne völlig "niederzudämpfen"
und sie lösen die Angst wie keine andere Substanz. Die Stimmung hebt sich (scheinbar) etwas und man wird angenehm
gleichgültig. Das muss alles nicht falsch sein, nur darf man eines nicht vergessen: Beruhigungsmittel wirken nicht
antidepressiv.


Wer also eine Depression hat und nur Beruhigungsmittel einnimmt, kann nicht erwarten, dass sich seine Depression wirklich
aufhellt - im Gegenteil. Längerer Gebrauch von Beruhigungsmitteln macht nicht nur abhängig, sondern kann die Depression
sogar verstärken. So etwas nennt man dann eine pharmakogene, also eine durch chemische Substanzen ausgelöste, verstärkte
oder verlängerte Depression.

Obgleich Beruhigungsmittel also keine stimmungsaufhellende Wirkung haben, wird ihr angstlösender und beruhigender Effekt
trotzdem gerne genutzt, wenn es sich um unruhig-gespannte und durch Ängste gepeinigte Depressive handelt. Dann kann die
Kombination aus Antidepressivum und Beruhigungsmittel die beste Lösung sein. Nur muss man eines dabei beachten: Das
antidepressive Mittel muss über Monate hinweg eingenommen werden, bis die Depression wirklich gewichen ist. Das
Beruhigungsmittel wird nur so lange genutzt, bis sich Angst und Anspannung gelöst haben. Das kann schon nach kurzer Zeit
der Fall sein und sollte auf jeden Fall nicht länger als einige Tage bis wenige Wochen dauern.

Ich nehme Beruhigungsmittel, die mir wirklich in schlimmeren Phasen helfen. Allerdings ist es sinnvoll Beruhgungsmittel
nur in Kombination mit Antidepressiva einzunehmen und es nicht zu hoch zu dosieren. Ich bin zur Zeit dabei mich vom
Beruhigungsmittel zu lösen. Ich nehme folgendes Beruhigungsmittel ein: "Taxilan 25 mg Kapseln"




Kapitel 7: Antidepressiva - oder die Hauptwaffe der Medizin gegen Depressionen neben der
Psychotherapie


Neben der Psychotherapie sollte zunächst unterstützend nur Antidepressiva gegeben werden. Der Psychater kann im
Laufe der Zeit immernoch zusätzliche Medikamente verabreichen. Der Leitsatz lautet: Erst Antidepressiva, dann alles andere.

Es gibt Dutzende von Antidepressiva als Handelspräparate. Entscheidend aber ist nicht der Handelsname, sondern die
jeweilige Wirksubstanz bzw. der Wirkstoff. Davon gibt es schon nicht mehr so viele, etwa zwei Dutzend. Einige von ihnen
wirken ähnlich, aber keinesfalls alle. Wie unterteilt man die Antidepressiva? Am häufigsten nach ihrem Wirkungsschwerpunkt.
So gibt es

1. Antidepressiva, die weder merklich dämpfen noch aktivieren,
2. Antidepressiva, die einen antriebssteigernden Effekt entwickeln und
3. Antidepressiva, die vor allem beruhigen, entspannen und damit schneller angstlösend wirken.

Diese Einteilung ist wichtig, damit jede Art von Depression das für sie zuständige Antidepressivum erhält. So sollen
beispielsweise ängstlich-gespannte Kranke keine aktivierenden Antidepressiva erhalten, da sonst die kräftezehrende Unruhe
noch weiter zunimmt, was gefährlich werden kann (z. B. Selbsttötungsneigung). Ein Problem ist der Umstand, dass manche
Depressive nach außen eher müde oder gar energielos wirken, im Inneren aber unruhig und gespannt sind. Das muss man
deshalb gezielt erfragen.

In Ärztekreisen unterscheidet man auch nach Wirkstoff oder Stoffklasse bzw. nach biochemischer Struktur. Dort hört man
dann auch Fachbegriffe wie trizyklische oder tetrazyklische sowie atypische Antidepressiva bzw. Neu-Entwicklungen wie
die sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, Monoaminooxidase-Hemmer (MAOH), sogenannte "duale"
Antidepressiva u. a.

Vorsichtsmaßnahmen:
Bei der Wahl des richtigen Antidepressivums muss man auch wissen, ob sich seine Nebenwirkungen mit einer bestimmten
Krankheit nicht vereinbaren lassen, die der Patient sonst noch zu ertragen hat. Das Gleiche gilt für bestimmte
Arzneimittel, die sich evtl. gegenseitig behindern oder ihre Nebenwirkungen verstärken. Dies ersieht der Arzt aus den
sogenannten Fachinformationen und der Patient aus der Packungsbeilage unter den Überschriften Anwendungsbeschränkungen,
Vorsichtsmaßnahmen und Gegenanzeigen.

Dosierung und Dosisverteilung:
Jedes Arzneimittel hat seinen speziellen Dosisbereich. Wenn man mehr nimmt, kann das die Nebenwirkungen erhöhen.
Nimmt man zu wenig, kann es den Wirkeintritt, also die ja sehnlichst erhoffte Stimmungsaufhellung verlangsamen. Allerdings
muss man bei der Dosis auch das Alter bzw. die Hinfälligkeit durch sonstige Krankheiten berücksichtigen. Auf jeden Fall
erhöht man die Dosis langsam, denn jeder Patient reagiert anders, was man vorher kaum abschätzen kann.

Der Wirkungseintritt aller Antidepressiva lässt in der Regel auf sich warten: eine Woche, zwei Wochen, manchmal
drei Wochen bis zur sehnlich erhofften Stimmungsaufhellung. Das heißt jedoch nicht, dass das Medikament überhaupt nicht
wirkt. Es braucht nur seine Zeit, bis es über den sich langsam normalisierenden Gehirnstoffwechsel "greifen" kann.

Verlauf:
Außerdem verläuft die Besserung häufig wellenförmig. Das ist die Regel. Hauptsache, es zeigt sich ein genereller
Aufwärtstrend. Dieser kann natürlich nicht am Gesamt-Befinden abgelesen werden. Wer fühlt sich schon auf allen Ebenen-
seelisch, geistig, körperlich, beruflich usw. - "rundherum und dauernd wohl und erfolgreich".

Gerade bei der Depression aber sollte man sich vor allem fragen: Welche Krankheitszeichen haben sich gebessert, welche
bleiben unverändert störend, hat sich gar etwas verschlechtert? Danach bemisst sich dann die Erfolgs-Beurteilung. Denn in
den meisten Fällen hat sich eine ganze Reihe von Symptomen gebessert, andere sind unverändert geblieben oder haben sich
bestenfalls ein wenig abgemildert.

Als letztes bessern sich erfahrungsgemäß die höheren geistigen Leistungen wie Merk- und Konzentrationskraft, Problemlösen,
besonders in schwierigen Fällen, Kreativität oder schöpferisches Denken usw

Die Behandlungsdauer liegt zwischen vier Wochen und mehreren Monaten. Ein halbes Jahr ist nicht ungewöhnlich.
Selbst das Abklingen des Beschwerdebildes bedeutet noch keine vollständige Genesung. Nach Krisen- oder
Überforderungssituationen kann es immer wieder zu kleineren "Einbrüchen" kommen (siehe oben). Deshalb sollte man die
Therapie selbst nach Besserung noch einige Wochen fortsetzen. Das schützt vor einem ernsteren Rückfall und hilft die
Reserven wieder völlig aufzufüllen.

Das Absetzen der Antidepressiva darf nicht schlagartig erfolgen. Sonst drohen Absetzerscheinungen: innere Unruhe,
Reizbarkeit, Missgestimmtheit, Angstzustände, Kraftlosigkeit, Schweißausbrüche, Appetitverlust, Übelkeit, Brechreiz,
Erbrechen, Magen-Darm-Krämpfe, Durchfall, Schlafstörungen bzw. ängstigende Traumbilder, mitunter Kopf- und
Muskelschmerzen, Schwindel, Gefühl des Zerschlagenseins sowie Bewegungsstörungen. Deshalb nur langsam "ausschleichen",
um diese Folgen zu vermeiden und die seelisch-körperliche Stabilisierung zu festigen.

Selbsttötungsgefahr:
Ausgerechnet Antidepressiva, die gegen depressive Zustände mit erhöhter Selbsttötungsgefahr eingesetzt werden, sind
bei bewusster Überdosierung nicht ohne Risiko - die einen Substanzen mehr, die anderen weniger, aber grundsätzlich alle
nicht unbedenklich. Dasselbe gilt auch für irrtümliche Überdosierungen, z. B. bei verwirrten älteren Menschen. Bei
lebensmüden Patienten pflegt deshalb der Arzt nur die kleinsten Packungseinheiten zu verschreiben und so gut es geht
zu kontrollieren, ob der Betroffene ggf. in selbstzerstörerischer Absicht Medikamente sammelt. Hier müssen vor allem
die Angehörigen wachsam bleiben und die Medikamente unter Verschluss halten und selber austeilen.

Nebenwirkungen

Keine Wirkung ohne Nebenwirkungen, lautet die alte Regel. Solche unerwünschten Begleiterscheinungen sind nach Art und
Ausprägung von vielerlei abhängig: Wirkstoff (jeder hat etwas andere Nebenwirkungen), Dosierung (je höher, desto mehr),
Behandlungsabschnitt (am meisten zu Beginn), Empfindlichkeit (große individuelle Unterschiede), ggf. zusätzliche
Medikamente (Arzneimittel-Wechselwirkung) sowie weitere Faktoren wie persönliche Einstellung, Aufklärungsstand und damit
Belastbarkeit von Patient und Familie, ferner Einflussnahme von Bekannten, aber auch Medienberichte.

Zu den wichtigsten Nebenwirkungen gehören:

- Herz- und Kreislaufstörungen: z. B. Pulsbeschleunigung und Blutdrucksenkung.

- Trockenheit der Schleimhäute mit Durstgefühl, Trockenheit von Mund-, Nasen- und Rachenschleimhaut, gelegentlich
   Blutungen.

- Schweißausbrüche, und zwar unabhängig von Temperatur und Tages- bzw. Nachtzeit.

- Sehstörungen, vor allem durch Verschwommensehen (Randunschärfe).

- Zittern von Finger, Händen, selten auch Kopf.

- Magen-Darm-Störungen, vor allem eine Verstärkung der ohnehin depressionstypischen Stuhlverstopfung, gelegentlich aber
   auch Durchfall sowie Verminderung der Magensaftsekretion.

- Blasenentleerungsstörungen, besonders bei Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostata).

- Appetit- und Gewichtszunahme: Das sind zwei der wichtigsten Nebenwirkungen, die mit am häufigsten zu Kummer, Ärger und    sogar Behandlungsabbruch führen. Tatsächlich gibt es Antidepressiva, die durch einen besonderen Kohlenhydrat-Heißhunger    irritieren, der nicht nur Süßigkeiten, sondern auch Brot, Teigwaren usw. betrifft.

- Weitere endokrine Störungen sind Milchfluss und Zyklusstörungen bei der Frau sowie Brustbildung beim Mann.

- Hauterscheinungen jeglicher Form: Ödeme (Wasseransammlungen in den Geweben von Lider, Gesicht und Fußknöchel),
   Juckreiz, mitunter sprödes Haar oder Haarausfall.

- Blutbildveränderungen der roten und weißen Blutkörperchen. Warnsymptome: Fieber, Schluckbeschwerden, Halsschmerzen,    Zahnfleisch- und Mundschleimhautentzündung, Schleimhautgeschwüre, eitrige Angina - kurz: "grippeähnliche Beschwerden
   ohne Grippe".

- Gerinnungssystem: gelegentlich Thrombosen (Blutpfropfbildung) und Embolien (plötzlicher Verschluss eines Blutgefäßes), am    ehesten bei Vorschädigung, im höheren Alter und bei ständig liegenden Patienten.

- Epileptische Krampfanfälle, besonders bei plötzlicher Erhöhung oder Reduktion der Dosis, bei sehr hohen Dosen oder    entsprechender Vorschädigung (Epilepsie, Alkoholismus, Kopfunfall). Vorsicht bei blutigem Kopfkissen am Morgen oder gar    Bissmalen an Zunge oder Wangenschleimhaut (= nächtliche Krampfanfälle).

- Leberfunktionsstörungen, vor allem bei entsprechender Vorschädigung: Appetitlosigkeit, Fieber, Muskelschmerzen, Übelkeit,    Juckreiz, Gelbfärbung der Haut.

- Schilddrüsenfunktionsstörungen, gelegentlich mit Ausbildung eines Kropfes.

- Dämpfung: einige Antidepressiva machen nicht müde, andere können sogar leicht aktivieren. Die Mehrzahl aber dämpft die
   innere Unruhe. Das kann natürlich zu einer Beeinträchtigung der Wachheit führen (sogenannte Tagesmüdigkeit). Dies ist aber
   trotz allem sinnvoll, erzwingt die Dämpfung doch Ruhe und damit Regeneration und ermöglicht dadurch schneller die Reserven
   wieder auffüllen. Außerdem geht die Dämpfung im Laufe der Therapie von selber zurück.

- Verwirrtheitszustände, besonders bei zu raschem Dosisanstieg, hohen Dosen allgemein sowie Kombination mehrerer
   Arzneimittel mit ähnlicher Wirkung: z. B. Antidepressiva und dämpfende Neuroleptika. Vor allem aber bei Vorschädigung des
   Kopfunfall, Gehirns (z. B. Gehirngefäßverkalkung) sowie im höheren Lebensalter.

   Solche delir-artigen Verwirrtheitszustände beginnen häufig mit beunruhigenden Träumen, Angst, Umtriebigkeit, Herzrasen,
   schneller Atmung, Harnverhaltung, Darmträgheit, Temperaturerhöhung, mit warmer und trockener Haut, großen Pupillen und
   Rötung des Gesichts. Dazu Ratlosigkeit, Orientierungsstörung, manchmal Sinnestäuschungen im Bereich von Sehen, Hören
    und Fühlen.




Kapitel 8: Fragen, Wünsche, Anhang

Wenn ihr Erfahrungen mit mir Austauschen wollt oder schreiben wollt:

joerg.dallmann@web.de


Desweiteren möchte ich darauf hinweisen, daß Antidepressiva trotz der vielen Nebenwirkung ein Geschenk Gottes ist. Ich
würde es immer wieder einnehmen. Es kann dabei vorkommen, daß man sich merkwürdig fühlt. Dies sollte kein Abbruch der
Einnahme bedeuten, denn dann wird alles noch viel schlimmer.

Antidepressiva macht nicht süchtig!

Meine Medikamente und Dosierung:
Antidepressiva: "Trevilor retard 75 mg" - 2 x täglich
Beruhigungsmittel: "Taxilan 25 mg" - 3 x täglich
Schlafmittel: "Zopiclon" - bei Bedarf

Ich wünsche Euch viel Gesundheit. Denn dies ist das wichtigste Gut der Menschheit, selbst wenn diese Erkenntnis oftmals
in den Hintergrund gerückt wird solange es dem Menschen gut geht.







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