Myrmica Rubra

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Myrmica Rubra Myrmica Rubra ist mit Lasius Niger in Deutschland die bekannteste Ameisenart.
Die Rote Myrmica Rubra gehört zu den Knotenameisen. Sie ist allgemein ein
wenig behaarter und größer, als Lasius Niger. Wie alle Knotenameisen kann
Myrmica Rubra stechen. Für gewöhnlich ist ein Stich ungefährlich, so daß man
sich die Art ohne Bedenken halten kann.

Myrmica Rubra gehört trotz der betrachtlichen Größenunterschiede bei den Ar-
beiterinnen nicht zu den Kastenameisen. Der größte Unterschied zu Lasius Niger
besteht in der Poligynität. Während die monogyn lebenden Lasius Niger nur eine
Königin dulden, wurden in Freiheit lebendene Myrmica Rubra Kolonien mit dem
Ergebnis beobachtet, daß die durchschnittliche Koloie aus 15 Gynen und 1000
Arbeitern besteht. Große Kolonien erreichen 20000 Arbeiterinnen und 600 Gy-
nen. Das sind trotz der vielen Königinnen nur halb so viele Individuen, als eine
einzige Lasius Niger Gyne ihr Volk maximal ausbauen kann (40000 Ameisen).                    Die Rote Gartenameise: Myrmica Rubra

Theoretisch kann ein Myrmica Rubra Volk unendlich lange überleben (polygyn) während das Volk der Lasius Niger nur maximal solange
leben kann, wie die Gyne lebt und somit Nachkommen produziert. Was außerdem auffällt ist, daß das Sozialverhalten nicht so stark aus-
geprägt ist, wie bei Lasius Niger. So gehen Myrmica Rubra z.b. einzeln auf Futtersuche, während Lasius Niger den Tandemlauf vollführt
und im allgemeinen ein ausgeprägteres Sozialverhalten zu beobachten ist.

Myrmica Rubra überwintert von Oktober bis März und frisst von Honigzuckerlösungen, Aas und selbst erbeuteten Tieren eigentlich alles.
Gehalten werden kann Myrmica Rubra am Besten in einer Glasfarm. In der Natur siedelt sie im Schutz von Gehwegplatten, Moos und
Gräsern.

Die entscheidende Anfängerfrage, mit welcher Art man beginnen sollte würde ich so beantworten: Lasius Niger! Ich bin zwar auch ein
Fan von Myrmica Rubra, aber grade die aufgedrehten und immer wuselnden Lasius Niger mit ihrem interessanten Sozialverhalten ma-
chen für mich alles aus, was einen Anfänger an der ersten Kolonie begeistern wird. Myrmica Rubra sind meiner Meinung ein wenig em-
pfindlicher in den Haltungsanforderungen. Camponotus Arten sind schön wegen ihrer Größe zu beobachten, doch gibt es einfach keine
Tiere zu beobachten, da die Gyne ewig braucht, um erste Nachkommen zu produzieren. Es muß jeder selber wissen, was er halten will.
Für mich ist es sehr klar, daß nur Lasius Niger als erste Kolonie in Frage kommen kann und das würde ich immer wieder und jedem
Anfänger auch raten. Bei Lasius Niger geht halt immer etwas.


                                                        Mein Tagebuch zu Myrmica Rubra:                                               

Heute, am 28.05.2009 ist mir beim Arbeiten im Garten in den Sinn gekommen ein paar "frische" Futtertiere für meine beiden Ameisen-
kolonien zu sammeln. Dabei drehte ich auf der Suche nach Insekten eine Gehwegplatte um und mir schossen sprichwörtlich einige
hunderte Myrmica Rubra entgegen. Schnell nahm ich Schaufel und Eimer und grub die Kolonie aus. Stolzerfüllt konnte ich sogar 4
Gynen ausmachen, die ich in ein Extragläschen verfrachtete. Schnell den Eimerrand mit Parifinöl bestrichen machte ich mich ganz happy
sofort an die Arbeit.

Nachdem ich die Arena hergerichtet habe, begann ich mit der eigentlichen Arbeit: dem umsetzen der Ameisen in die Arena. Dazu nahm
ich einen Esslöffel und ein helles Küchenbrett. Löffelweise filterte ich so Ameise für Ameise aus dem Erdreich und setzte sie per Hand
um. Dabei wurde ich zwar oftmals gestochen, aber es tut nicht wirklich weh und diese Variante ist meiner Meinung sehr praktisch. Ich
brauchte für das filtern insgesamt 4 Stunden, aber die Arbeit und der Lohn dafür stehen nicht in ungleichem Bezug zueinander. Denn:
Als ich fertig war hatte ich 832 Ameisen und 28 Gynen in die Arena gesetzt und ein Bild des totalen Rumgewusels bot sich mir. Es ist
einfach nur gigantisch so viele Ameisen in Aktion zu sehen! Hierzu die ersten Bilder und ein Video unmittelbar nach dem Umsetzen in die Arena:
                        >>>> Video - Meine Kolonie Myrmica Rubra unmittelbar nach dem Einsetzen in die Arena


  beim Einsetzen in die Arena               Gruppenbildung um die Gynen                     Der pure Wahnsinn                                 von oben das Ganze


        Schutz für eine Gyne                            Flucht in den Schlauch                   erste Ansammlung im Schlauch          Die Puppen werden gut bewacht

Beim Einzug beginnen die Ameisen sofort die Gynen vor Feinden zu schützen, indem sie einen lebenden Pulk um sie bilden. Dann
werden die ersten Späher losgeschickt, um den Verbindungsschlauch auszukundschaften. Nachdem dieser für geeignet deklariert
wird, setzt sich ein riesen Ameisentrupp von der Arena über Stunden verteilt in Bewegung und zieht in den Schlauch ein. Der Ver-
bindungsschlauch ist wie auf den Bildern zu sehen gefüllt mit vielen Ameisen und Puppen.


29.05.09: Über Nacht sind alle Ameisen in den Verbindungsschlauch umgezogen. Dieser ist jetzt von oben bis unten gefüllt mit
Ameisen und Puppen. Erste Ameisen erkunden bereits die Farm. Auch einige Puppen werden von dem Schlauch in die Farm
getragen. Es dauert nicht lange, bis die ersten Worker zu graben beginnen.

     erste Farmkundschafter                           erste Gänge am 30.05.                 der mit Ameisen verstopfte Schlauch        Gangsystem gleicher Tag


Am 31.05.09 wurde das Gangsystem deutlich ausgebaut wie untenstehende Bilder zeigen. Es fällt auf, daß die Ameisen pro Zen-
timeter Gang, ungefähr eine Stunde brauchen.
    Ausbau der Farm Ausbau der Farm                                  Die Farm am 31.05. morgens                                                                                 Die Farm am 31.05. abends


Hier die Fortschritte des Farmausbaus vom 01.06.09: Es fällt auf, daß immer mehr Ameisen und Puppen vom Schlauch in die
Farm umziehen. Oft hat man das Gefühl, als behindern sich die Ameisen gegenseitig bei Ausbau der Farm. Eine Ameise ist der
Anderen im Weg. Es könnte sicher alles geordneter zugehen, aber was zählt ist bei den Ameisen doch wie immer das Endre-
sultat, was die Gemeinschaft entstehen läßt:
    Ausbau der Farm Ausbau der Farm     Die Farm am 01.06. morgens - daneben abends; man kann außerdem gut die erste entstandene Kammer mit einigen Puppen ausmachen


Am 02.06. habe ich die Arena noch einmal gesäubert und einige Ameisenleichen (wahrscheinlich von meiner Fangmethode)
eingesammelt. Ich habe eine schöne Wassertränke für meine Ladys erstanden. Die barbusige Schönheit in der Tränke eignet
sich zum klettern, um an das Wasser heranzukommen und ins Wasser gefallene Ameisen klettern sofort am Busen wieder
heraus. Jetzt haben meine Ladys also ihren "Brunnen der Schönheit". Natürlich wurde auch wieder einmal die Farm und ihre
Gänge weiter ausgearbeitet. Im Moment gehen meine Myrmica Rubra noch nicht ans feste Futter. Der Honig ist beliebter genau
wie die Tränke.

   der Brunnen der Schönheit                      blau markierte Ameisen               das aktuelle Aussehen der Farm                erste Kammer mit Puppen


05.06.: Heute habe ich meinem Kumpel Thorsten ebenfalls eine Myrmica Rubra Kolonie gefangen. Insgesamt sind es um die 10
Gynen und ca. 100 Worker gewesen. Da er nicht so viele Gynen wollte, habe ich drei in die meine Arena gesetzt, um herauszu-
finden, ob meine Myrmica Rubra die koloniefremden Gynen verstößt oder aufnimmt. Das Ergebnis war, daß alle 3 Gynen von
meinem Volk adoptiert worden sind. Es besteht somit (zumindest bei einem großen Volk mit mehreren Gynen) eine gute Chance
dem eigenen Volk fremde Gynen zuzuführen. Auch Larven und Puppen wurden sofort in die Farm getragen. Volksfremde Wor-
kerinnen wurden sofort attackiert und getötet, was mehr oder weniger vorher klar gewesen war. Trotzdem habe ich auch diesen
Versuch mit 3 Workerinnen durchgeführt. Myrmica Rubra ist wirklich sehr stark polygyn. Bei dem Sammelversuch im Garten bin
ich ausserdem auf zwei jeweils junge Ameisenkolonien mit ein paar Workerinnen und Gyne von Lasius Niger und Lasius Flavus
gestossen. Besonders Lasius Flavus habe ich zum ersten mal im Garten entdeckt.

Was noch erwähnenswert ist, daß ein Myrmica Rubra Stich durchaus schmerzhaft wie Brenessel sein kann. Ich wurde beim Um-
setzten von hunderten Ameisen nur einmal "richtig" gestochen. Und zwar gelang dies dem Tier auch nur, weil es mich an einem
Fingergelenk an der weichen Seite des Fingers, wo ein wenig Haut übersteht erwischt hat. Diesen Stich konnte ich wirklich gut
spüren und kann mir vorstellen, daß es für Allergiker eventuell problematisch sein kann gestochen zu werden. Allerdings war das
wie gesagt ein "Zufallstreffer" bei hunderten Ameisen. Die Handinnenflächen sind viel zu ledern, als das eine Myrmica Rubra mit
dem Stachel eindringen könnte.
    Ausbau der Farm Ausbau der Farm              Die Farm am 04.06. mit der großen Hauptkammer                                         Einblick aus der Nähe in die Hauptkammer am 05.06.


17.06.: Nachdem die Farm keinen Aushub mehr aufnehmen kann, haben die Arbeiterinnen damit begonnen überschüssigen
Sand fortan in die Arena und den Verbindungsschlauch abzuladen. Die Arbeiten am Nest gehen weiter, jedoch sieht man nicht
mehr so schnell große Veränderungen. Aber die Menge an Aushub zeigt deutlich, daß im Farminneren gegraben wird. Honig-
wasser stellt nicht mehr die einzige Nahrung dar. Mittlerweile wird auch Proteinfutter gerne angenommen, wenn auch eher mäßig
und nicht wie bei der Koloniegröße zu erwarten "überfallsmäßig". Die Hauptkammer ist auch ausgebaut worden
    Ausbau der Farm Ausbau der Farm         lehmiger Aushub wird in der Arena untergebracht                  roter Pfeil: momentanes Ausbaugebiet; oberhalb der gestr. Linie: alles Aushub


25.06.: Die Kleinen haben den heutigen Tag mit einer besonderen Überraschung versüßt. Als ich die Farm genauer unter die
Lupe nahm, sah ich einige geschlüpfte Ameisen, worunter sich zwei beflügelte Prinzessinen oder Prinzen befanden. Ich tippe
eher auf beflügelte männliche Tiere, da sie mir für eine Prinzessin zu klein scheinen. Das Aussehen ist schwarz, wie bei Lasius
Niger - also eigentlich gar nicht Myrmica typisch. Die vielen anderen geschlüpften Ameisen erkennt man sehr gut, daran, daß
sie noch heller gefärbt sind, als die ausgewachsenen Myrmica Workerinnen. Leider ist die Ecke zu dunkel, daß ich keine se-
henswerten Aufnahmen machen konnte.

Allerdings sind mir andere Aufnahmen gelungen. Und zwar von der derzeitigen Situation in der Arena. Man sieht am umher-
liegenden Lehm in der Arena, daß der Ausbau der Farm weiterläuft. Unter anderem nimmt meine Kolonie jetzt auch eiweiß-
haltige Nahrung an, was man gut im Bild sehen kann. Am ehesten werden auch hier frisch gefangene Fliegen angenommen.
Aber auch Heimchen werden nicht verschmäht. Außerdem ist die Schale mit dem Honigwasser ständig besucht. Die größte
Anzahl an Ameisen an der Schale lag bei 35. Aber auch rund um die Uhr sind wenigestens ein paar Workerinnen damit be-
schäftigt Honignahrung aufzunehmen.
    Ausbau der Farm Ausbau der Farm       attackierte Fliege, Hintergrund: Aushub Lehm aus der Farm                Honigwasser ist am Beliebtesten, hier ca. 20 Worker beim Trinken


Am 30.06. habe ich die Anlage um eine Ameiseninsel erweitert. Diese ist an die Arena angebunden. Wie auf den Bildern zu
sehen ist, besteht die Insel aus einer Schale mit Erde auf der ein Tonkopf mittig steht. Dieser ist innen hohl, so daß die Amei-
sen sowohl graben, als auch in das Figurinnere gelangen können. Das können sie durch den Mund der Skulptur oder auch
von unten durch einen Tunnel. Die Idee ließ sich schnell umsetzen. Damit die Ameisen nicht ausbrechen können, ist die Insel
mit Wasser umgeben, in dem sich ein Tropfen Spüli zur Beseitigung der Oberflächenspannung befindet. Der weitere Aus-
bruchschutz besteht darin den Ameisen den Weg über die Schlauchaussenseite zu versperren. Es hat nicht genügt auf den
Gummischlauch Parifin zu geben. Der Schlauch ist zu rauh und die Ameisen können trotzdem fliehen. Also habe ich einen
Streifen Tesa um den Schlauch geklebt und diesen dann mit Parifin bestrichen. Das wirkt und hindert die Ameisen erfolgreich
am Ausbrechen. Damit die Insel ein wenig lebendiger wirkt, habe ich ein paar Grassamen ausgesäht. Es wird aber sicher noch
ein paar Tage dauern, bis Gras sprießt. Bleibt noch zu erwähnen, wie ich die Ameisen an die Insel herangeführt habe, wenn
das überhaupt notwenig war. Kurz nachdem ich die Insel angeschlossen habe, wurde sie von ein paar Workern erkundet. Ein
Schälchen mit Honig lockte dann noch ein paar mehr Ameisen an. So waren schon nach einer Stunde etwa 30 Ameisen auf
der Insel am herumschnüffeln und hatten die ersten Grabungen aufgenommen. Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit der Idee
und der Umsetzung.

 die gesamte Anlage mit Insel                Insel mit Anschluss an Arena                          Ausbruchschutz                                 Zutritt in den Schädel


  letzte Sicherheitsmaßnahme                Columbus und seine Männer             währendessen: der Farmausbau             Kammer am Farmeingang


untere Kammer an der Drenage           Aushubberg wächst weiter an             endlich stürmen sie das Buffett


Der 04.07. ist ein Tag der Kreativität und des Fleisses. So habe ich die Insel verschönert und der Skulptur ne Kippe in den Mund-
winkel gestopft, was meiner Meinung die Insel umso interessanter gestaltet ;). Dann ist auf der Insel der erste Rasen gesprossen -
etwas dünn, aber besser als zu viel. Die meiste Arbeit machte mir aber das Video, das ich von der aktuellen Lage in meinem Myr-
mica Rubra Staat aufgenommen habe. Hier also die neuen Bilder und mein ganzer Stolz: das neue Video!

                        >>>> Video - Meine Kolonie Myrmica Rubra aktuell bei YouTube!

    Ausbau der Farm Ausbau der Farm                      Sie hat das Rauchen wieder angefangen..                                                                    ...aber die Kippe steht ihr gut!


Am 05.07. bekomme ich endlich eines der neu geschlüpften geflügelten Männchen nah genug an die Kamera. Dieses wird
von einer Workerin gut umsorgt und am Ablug gehindert (siehe Photos). Später fange ich eine große Schmeißfliege, die ich
natürlich meinen hungrigen Ants anbieten möchte. Als ich die Fliege hereinwerfe, stürzen sich bestimmt 30 (!) Worker sofort
auf die Fliege. Diese tritt die Ameisen, die sich an den Beinen festhalten wollen einfach weg, daß sie durch die Arena fliegen.
Das sah schon sehr lustig aus! Allerdings gelingt es den Ameisen innerhalb von Minuten die Fliege zu überwältigen, zu stechen
ein wilder Kampf entsteht. Dazu müßt ihr unbedingt das unten stehende Video sehen, um einen nur teilweisen Einblick in die-
ses Geschehen zu bekommen! Es ist wahrlich gigantisch, wie die kleinen Myrmica die große Fliege attackieren. Die gesamte
Kampfhandlung hat etwa 20 Minuten gedauert. Da ging die Post ab, kann ich nur sagen!

                        >>>> Video - 30 meiner Myrmica Rubra greifen eine dicke Schmeißfliege an!


  die Workerin hindert das Männchen mit ganzer Kraft am Abflug                        guter Größenvergleich                       Angriff auf Schmeißfliege





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