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Mein größtes Hobbie sind Spinnen. Ich beschäftige mich mit Ihnen seit ich
denken kann. Schon als Kind habe ich sie im Garten aufgesammelt und in
Gläser getan, um zu beobachten, wie sie von mir gesammelte Insekten
fraßen. Es war schon immer eine Fazination Spinnen zu beobachten. Das
hat mich dazu getrieben bis heute diesem Hobby treu zu bleiben.
Heute halte ich Vogelspinnen und habe mein Wissen über Spinnen stark
ausgebaut.
Auf dieser Seite stelle ich die von mir gehaltenen Arten vor und möchte
Euch insbesondere objektive Eindrücke davon vermitteln. Ich zeige Euch,
was man alles braucht, um selber Vogelspinnen zu halten und welche Das Vertrauen...
Erfordernisse man an die Spinnen stellen muß, damit man sehr lange etwas
von Ihnen hat und sich die Spinnen auch wohl fühlen.
Kapitel 1: Vogelspinnen und ihre Verwandten
Es gibt weltweit rund 52.000 Spinnenarten. In Deutschland leben alleine etwa 1000 Arten. Um Euch einen Einblick zu
geben, welch teils skurile Gestalten dazu gehören hier eine kleine Übersicht:
Ordnung: Skorpione (Scorpiones)
Sie sind neben Spinnen die in Terrarien am meisten gepflegten Arachnida. Die Taster
bilden am Endglied scherenartige Werkzeuge, mit denen Skorpione ihre Beute
festhalten. Aber auch zum Ergreifen von Geschlechtspartnern dienen die Scheren.
Der Hinterleib ist siebenfach gegliedert. Das Postabdomen ist füngliedrig und endet in
einen Giftstachel. Allerdings sind wenige Skorpionarten für den Menschen
lebensgeährlich. Skorpione sind lebendgebährend. 600 Arten werden jedes Jahr
regelmäßig importiert.
Bild links: Pandius Imperator. Der zu den größten Skorpionen zählt.
Ordnung: Geißelskorpione (Uropygi)
Erstes Beinpaar dient als Tastorgan. Es ist viel dünner, als die übrigen Beinpaare
gebaut. Die Taster sind klauenartig. Am Ende des Postabdomen befindet sich ein
langer Faden. An dessen Ansatz befinden sich Drüsen, mit denen der Geißel-
skorpion ein übelriechendes Sekret aus Ameisensäure und Essigsäure bis zu
einem halben Meter weit versprühen kann. Wie Skorpione lebendgebährend. Es
sind 180 Arten beschrieben.
Bild links: Mastigoproctus giganteus. Der größte Geißelskorpion.
Ordnung: Geißelspinnen (Amblipygi)
Erstes Beipaar bildet zu bis 25 Zentimeter lange Tastorgane. Taster wie bei Geissel-
skorpionen zu Fangmasken umgewandelt. Segmentierter Hinterleib wie bei den Web-
spinnen, deutlich vom Vorderkörper durch Hinterleibsstiel getrennt und gegeneinander
beweglich. Wahrscheinlich nächste Verwandtschaft der Webspinnen. Keine Giftdrüsen.
Kein Postabdomen. Wenige der etwa 60 bekannten Arten werden im Terrarium gezüchtet.
Bild links: Acathophrynus coronatus
Ordnung: Walzenspinnen (Solifugae)
Körper spinnenähnlich. Abdomen in zehn Segmente unterteilt. Chelizeren ohne Gift-
drüsen, zu pinzettenartigen Schneidzangen umgewandelt. Pedipalpen sind beinlange
Tastorgane mit ausstülparen Haftblasen. Die Beisswerkzeuge dominieren den Kopf-
teil. Sehr empfindliche Körperbehaarung. Nachtaktive Wüstenbewohner. Schnelle
Läufer, geschickte Insektenjäger. Begehrte Terrarienbewohner, aber schwierig zu
halten, nur für Fachleute geeignet. Cirka 600 bekannte Arten.
Bild links: Walzenspinne der Gattung Galeodes
Ordnung: Milben (Acari)
Mit etwa 4000 Arten grösste Ordnung. Durchweg kleine bis kleinste Arachniden Milben
0,1 bis 2 Millimeter, Zecken bis 30 Millimeter). Atmung meist über die Haut. Sehr unter-
schiedliche Lebensweisen und damit äusserst vielgestaltige Ausbildung der Fresswerkzeuge
vom Saugrüssel der saugenden Arten bis zu kleinen Schneidzangen der Raubmilben. Einige
Arten besitzen Spinndrüsenausgänge zwischen den Chelizeren. Viele Arten sind wasser-
lebend, auch in anderen flüssigen Medien wie Wein (Weinmilben). Parasitisch am Menschen
ist zum Beispiel die "Krätze" hervorrufende Krätzmilbe. Terraristisch von sehr grosser Be-
deutung als Schädlinge in Futtertierzuchten; Parasiten auf oder in Terrarientieren und damit
Überträger von Infektionskrankheiten, sekundär auch auf Menschen. Sie sind Verursacher
von Reizungen und Allergien (Hausstaubmilbe): Parasiten anPflanzen, Lästlinge in Terrarien;
symbiotisch lebende Arten zum Beispiel zwischen den Chelizeren von Spinnentieren.
Bild links oben: Dermatophagoides pteronyssionus - Die Hausstaubmilbe
Ordnung: Bücherskorpione (Pseudoscorpiones)
Kleine, abgeflachte Arachniden, im Prinzip wie kleine Skorpione aussehend, jedoch ohne
Postabdomen und Giftstachel. Etwa 1000 Arten. Räuberisch lebender Spaltenbewohner bis
sieben Millimeter Grösse. Selten, meist nur im Labor, gezüchtete Arachnide. Am bekann-
testen sind die Bücherskorpione der Gattung Chelifer, die sich in alten Buchbeständen von
Staubläusen ernähren.
Bild links: Bücherskorpion
Ordnung: Weberknechte (Opiliones)
Kurzer gegliederter Hinterleib, Tracheenatmung, auffällig lange Beine (bis mehr als
die fünfzehnfache Körperlänge). Als Sonderfall unter den Spinnen besitzen die Männ-
chen ein penisartiges Fortpflanzungsorgan und übertragen den Samen direkt. Meist
räuberische Lebensweise. Fressen Blattläuse, Milben und so weiter. Der auch in
Deutschland vorkommende Schneckenkranker hat sich darauf spezialisiert, Schnecken
zu fressen. Der Vollständigkeit halber wegen werden noch die Ordnungen der Kapu-
zenspinnen (Ricinulei), Tasterläufer (Palpigradi) und Zwergeisselschwänze (Schizomida)
erwähnt. Sie sind wenig erforscht und kommen nur in wenigen Arten vor.
Bild links: Weberknecht
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Argiope argentum, Wespenspinne Phiddipus regius, Springspinne Araneidae, Kreuzspinne Lycosa tarentula, apullische Tarantel
Nephila maculata Phoneutria nigriventer, Wanderspinne Latrodectus bishopi Lipistus spec
Die Ordnung der Webspinnen, zu denen auch die Vogelspinnen gehören, enthält nicht weniger als 36000 bekannte
Spinnenarten. Für die Terraristik sind ausser den Vogelspinnen auch noch einige andere interessant. Heute wird ein
grosses Spektrum verschiedener Spinnenarten gepflegt. Als Beispiele seien hier nur die grossen Jagdspinnen (zum
Beispiel Heteropoda venatoria, Sparassidae), Springspinnen (zum Beispiel Phiddipus regius, Salticidae) und Zebra-
spinnen (zum Beispiel Argiope argentum, Araneidae) erwähnt. In keiner zoologischen Ausstellung fehlen die Seiden-
spinnen der Gattung Nephila (zum Beispiel Nephila maculata, Araneidae). Ebenso wird kein Spinnenliebhaber es ver-
säumen, sich die grossen Taranteln der Familie der Lycosidae aus dem Mittelmeerurlaub mitzubringen, um deren hoch-
interessante Brutpflege im Terrarium genau zu beobachten. Und wer kennt sie nicht, die schwarze Witwe, Latrodectus
mactans - jene Kugelspinne aus der Familie der Theridiidae, deren Gift unter Umständen auch für einen Menschen
tödlich sein kann. Auch gefährliche Arten werden heute gezüchtet. Deren Pflege sollte in jedem Fall nur Experten vorbe-
halten sein (zum Beispiel Phoneutria nigriventer, Ctenidae) aus Brasilien sei hier nur ein Beispiel genannt.
Kapitel 2: Lebensweise von Vogelspinnen
Bodenbewohnende Vogelspinnen
Die für den Liebhaber interessantesten Vogelspinnen finden sich unter
den rein bodenbewohnenden Arten. Besonders die Gattung Brachy-
pelma bietet eine grosse Fülle sehr schöner und auch einfach zu pflegen-
der Vogelspinnen. Alle bodenbewohnenden Vogelspinnen sehen recht
kompakt aus. Ihr Hinterleib kann ansehnliche Masse annehmen. Eier
tragende Weibchen haben zuweilen hühnereigrosse Abdomina. Die
Extremitäten sind relativ dick und kurz und somit kaum zum geschickten
Klettern geeignet. Hauptsächlich bewohnen sie selbstgegrabene oder
übernommene Höhlen und kommen zum Nahrungserwerb, zeitweise
auch tagsüber heraus, entfernen sich dabei aber nur wenig vom Höhlen-
eingang.
Bild links: Acanthoscurria Geniculata
Baumbewohnende Vogelspinnen
Zu den baumbewohnenden Vogelspinnen gehören die meisten Arten der
Unterfamilie Avicularinae. Sie sind typische Kletterspinnen von schlanker
Gestalt und mit stark ausgebildeter Scopula an Tarsus und Metatarsus
(siehe Foto unten). Damit sind sie an ein Leben auf Bäumen und Sträuchern
hervorragend angepasst. Bemerkenswert ist die Fähigkeit der Avicularinae,
sich bei Bedrohung fallen zu lassen, um dann mit ausgespreizten Beinen,
wie ein Fallschirm, zu Boden zu segeln. In Sri Lanka und Indien bewohnen
Vogelspinnen der Gattung Poecilotheria (Unterfamile Poeciltherinae) sowie
in Südamerika viele Arten der Gattung Avicularia auch die Häuser der Ein-
heimischen.
Bild links: Psalmopoeus Cambridgei
Unterirdisch lebende Vogelspinnen
Hochinteressante Arten enthält die Gruppe der unterirdisch lebenden Vogel-
spinnen. Sieht man einmal von den vogelspinnenverwandten Familien wie
zum Beispiel den Falltürspinnen (Ctenizidae) oder Tapezierspinnen (Atypidae)
ab, so sind hier besonders die häufig importierte "Thailand-Vogelspinnen zu
nennen. Unter dieser Bezeichnung verstecken sich etliche Arten der Unter-
familien Selenocomiinae und Ornithoctoninae. Die in Ostafrika beheimatete
Citaharischius crawshayi lebt in metertiefem, festem Lateritboden und kommt
nur selten aus ihrer Behausung hervor. Alle unterirdisch lebenden Vogelspinnen
sind in der Regel recht unscheinbar gefärbt. So ist die C. crawshayi einfarbig
rotbraun und Hysterocrates hercules schlicht beige. Die stark an das unterir-
dische Dasein angepassten Tiere können sich, wenn man sie ihrer Behausung
entnimmt, auf normalem Untergrund nur schlecht fortbewegen. Schaut man sich
einmal die Dackelbeine von C. crawshayi an, dann ist das auch nicht verwunder-
lich. Diese Interessante Spinnen sind die afrikanischen Vertreter der Unterfa-
milie Harpactirinae und Eumenophorinae. in Zentral- und Südafrika vorkom-
menden Tiere (dort werden sie auch als Affen- und Pavianspinnen bezeichnet)
bauen sich verzwickte Wohnröhrensysteme in Falllaub und Erde. Dennoch
besitzen sie gewaltige Haftpolster an den Beinen mit denen sie gewandt klettern
können. Weitere Angaben zu Habitaten und Biotopaufnahmen sind im Artenteil
aufgeführt.
Bild oben links: Citaharischius crawshayi
Kapitel 3: Wachstum der Vogelspinne
Wie bei allen Arthropoden kann der Chititnpanzer nicht mitwachsen. Die Tiere Die Tiere müssen sich daher von Zeit
zu Zeit von ihrer alten, zu eng gewordenen Chitinhülle befreien. Hormonelle Vorgänge leiten einen solchen Häutungs-
prozess ein. Junge Vogelspinnen häuten sich infolge ihres schnelleren Stoffwechsels alle drei bis vier Wochen, ältere
Tiere alle zwei bis drei Monate und erwachsene Weibchen höchstens einmal im Jahr. Geschlechtsreife Männchen
häuten sich normalerweise nicht mehr. Einzelne Ausnahmefälle von Häutungen reifer Männchen sind bekannt.; meis-
tens sind solche Tiere verkrüppelt und nicht mehr lebensfähig.
Mehrere Tage bis Wochen vor der eigentlichen Häutung nehmen Vogelspinnen keine Nahrung mehr zu sich. Sie ver-
halten sich in dieser Zeit merkwürdig ruhig. Viele Arten ziehen sich jetzt in ihre Wohnhöhlen zurück, suchen trockene,
ebene Flächen auf und verharren so tagelang. Oft spinnen sie den Eingang zu ihren Wohnhöhlen zu. Nun beginnen sie,
die ausgewählte Fläche mit einem dichten Gespinst auszupolstern; sie bauen einen Häutungsteppich. Amerikanische
Arten streifen sich häufig ihre abdominalen Reizhaare ab und verteieln sie auf und um den Häutungsteppich. Dies bie-
ten einen Schutz vor neugierigen Kleintieren während der schwierigen Häutungsphase. Auch bei wenigen asiatischen
(Poecilotheria) und afrikanischen Arten konnte ein solches Verhalten beobachtet werden. Bereits in dieser Phase
bewirken hormonelle Vorgänge, dass sich unter der alten Haut eine neue bildet. Steht die Häutung unmittelbar bevor,
verflüssigt sich ein Teil der alten inneren Hautschichten. Es entsteht eine sogenannte Exuvialflüssigkeit, die der bes-
seren Trennung der Chitinhüllen dient. Bei Exemplaren mit fehlender Abdominalbehaarung lässt sich dieser Zustand
leicht an der veränderten Färbung des Hinterleibs erkennen. Die ursprunglich rose oder fleischfarbene Stelle erscheint
jetzt fast schwarz, weil die Pigmentierung der neuen Abdominalbehaarung und kein Licht mehr durch die nun getrenn-
ten Hautschichten reflektiert wird. Auch die Gelenkhäute werden dunkel. Die Häutung beginnt. Zu diesem Zweck le-
gen sich alle Vogelspinnenarten in Rückenlage auf ihren Häutungsteppich. Der Moment des Umdrehens wird nur sel-
ten beobachtet; die Tiere sind zu diesem Zeitpunkt sehr störanfällig und das Umdrehen geschieht sehr schnell. Im
Notfall können sich die Spinnen aber auch in anderen Positionen (selbst in Bauchlage häuten. Es folgt eine Phase, in
der sie oft stundenlang bewegungslos verharren und in der die einleitende biologischen Abläufe stattfinden. Nun wird
die Körperflüssigkeit aus dem Abdomen in den Vorderkörper gepresst. Dabei steigt der Körperinnendruck auf das
Doppelte an. Durch knetende Bewegungen der Chelizeren wird das Absprengen des Kopfbruststückes eingeleitet.
Dieses löst sich als Erstes von der neuen Haut ab. Es folgen die Extremitäten, die durch rhytmisches Hin- und Her-
bewegen aus ihrer Hülle herausgleiten. Am einfachsten schlüpft das Abdomen mit den Spinnwarzen aus seiner Um-
hüllung; es ist ohnehin schon durch die Flüssigkeitsverlagerung geschrupft. Die abgestossene Haut (Exuvie) wird
nach oben befördert und fällt schliesslich zur Seite. Der Häutungsvorgang ist beendet. Die frisch gehäutete Spinne
ruht noch einige Stunden in Rückenlage, dabei erhärtet die noch weiche Chitinhülle allmählich. Sind die Beine dann
kräftig genug, das Gewicht der Spinne zu tragen, kann sich das Tier wieder in die normale Position zurück drehen.
Die Aushärtung ist nach spätestens einer abgeschlossen und die Spinne dann wieder zum Beutefang fähig. Der Häu-
tungsvorgang ist einer der gefährlichsten Abschnitte im Leben einer Vogelspinne. Wird sie während der Häutung
gestört, kannder Prozess nicht normal weiterlaufen. Das Tier bleibt in seiner Haut stecken und verendet. Auf mög-
liche Störungen während der Häutung im Terrarium werden unter der Rubrik " Häufige Fehler" noch besonders hin-
gewiesen.
dunkles Abdomen vor der Häutung Häutungsvorbereitung die alte Haut platzt auf Brachypelma auratum, daneben Exuvie
Betrachten wir eine Spinne nach einer erfolgreichen Häutung, dann stellen wir fest, dass das Tier einige Verände-
rungen erfahren hat. Auffällig ist, dass sie Farben nun wieder in voller Pracht erscheinen. Auch die Körperbehaa-
rung ist nun wieder vollständig vorhanden. In der Tat ist das Regenerationvermögen der Vogelspinnen ein Wun-
derwerk der Natur: Taster, Spinnwarzen, Chelizeren, selbst zwei oder drei Beine, die ein Tier durch einen Unfall
verloren hat, sind nach spätestens drei bis vier Häutungen wieder komplett vorhanden.
Männliche Vogelspinnen häuten sich nur bis zu ihrer Geschlechtsreife. Erst nach dieser letzten Häutung (Imaginal-
häutung) besitzt das Männchen Bulben an den Tasterenden und Tibiaapophysen an den Schienen der Vorderbeine.
Anders die Weibchen: Durch ihre hohe Lebenserwartung von bis zu 25 Jahren sind sie darauf angewiesen, ihre äus-
sere verbraucht Chitinhülle und verlorene Gliedmassen alljährlich zu regenerieren. Weil auch der Samenvorratsbe-
hälter (Receptaculum seminis) nur ein Teil der äusseren Hülle ist und somit bei einer Häutung, mitsamt gespeicher-
ten Samens verloren geht, können Weibchen nach einer Häutung ohne erneute Paarung keine befruchteten Eier
legen.
Kapitel 4: Der Habitus einer Vogelspinne
Der Vorderleib (Prosoma):
Der Vorderkörper, auch der anderer Arachniden trägt sechs Extermitätenpaare. Er besteht auf der Oberseite aus einem
Kopfbrustschild (Cephalothorax) und auf der Unterseite aus einer sternförmigen Platte (Sternum) sowie einer beweglich
angeschlossenen Unterlippe (Labium). Zusammen mit den rechts und links an den Coxen der Kiefertaster (Pedipalpen)
angebrachten Kauladen dient das Labium der Nahrungsaufnahme. Die Aufgaben des Cephalothorax sind vielfältig. Zum
einen übernimmt er eine Stützfunktion des Spinnenkörpers, zum anderen bietet er Platz für weitere Körperteile. Der Kopf-
abschnitt des Cephalothorax trägt einen Augenhügel mit acht symetrisch angeordneten Punktaugen. Die Augenstellung wird
als Bestimmungsmerkmal herangezogen. Im hinteren Drittel befindet sich eine Thoraxgrube, von deren Zentrum sich Ra-
dialstriemen (Striae radiantes) bis zu den Beinansätzen erstrecken. Thoraxgrube und Radialstriemen bieten im Innern der
Spinne Ansatzflächen für die Beinmuskulatur und den Saugmagenmuskeln. Das erste Radialstriemenpaar ist meist recht gut
zu erkennen. Es grenzt den Kopfteil vom Brustteil ab. Dies ist bei der Art Brachypelma emilia besonders deutlich zu er-
kennen, weil das Kopfstück dunkler gefärbt ist als das Bruststück. Im Vorderkörper befinden sich zum Beispiel Saug-
magen, Beinmuskulatur, Gehirn, bestehend aus Ober- und Unterschlundganglion, und Teile des Verdauungstraktes.
Der Hinterleib (Opistosoma):
Der nicht segmentierte Hinterleib schliesst sich durch ein kurzes unscheinbares Verbindungsstück (Petiolus) beweglich an
den Cephalothorax an. Er ist wie bei allen anderen Ordnungen der Arachniden auch, nicht mit Laufbeinen bestückt. Em-
byonal angelegte Hinterleibsextremitäten werden bei der Weiterentwicklung rückgebildet, aus ihnen entstehen Kiemenan-
hänge (Pfeilschwanzkrebse), Buchlungen (Skorpione, Webspinnen) oder Spinnwarzen (Webspinnen).
Der Hinterleib - eines der empfindlichsten Körperteile einer Vogelspinne - übernimmt viele lebenswichtige Funktionen. Als
Nahrungs- und Energiespeicher befähigt er die Spinne zu monatelangen Fastenzeiten. Er enthält Organe wie das schlauch-
förmige Herz, den Verdauungstrakt, die Eiervorratsbehälter (Ovarien), den Samenbehälter (Receptacula seminis), und die
Buchlungen. Wir wollen uns aber nicht mit dem komplizierten Aufbau der inneren Anatomie von Spinnen, sondern mit den
erkennbaren äusseren Körperteilen beschäftigen.
Am Hinterleibsende befinden sich zwei lange, gut erkennbare, dreiteilige und zwei kleinere, kurze Spinnwarzen die unab-
hängig voneinander beweglich sind. Die Unterseite des Hinterleibs weist seitlich vier Oeffnungen (Stigmen) zu den Buch-
lungen auf. Zwischen den Stigmen der vorderen Buchlunge liegt die Epigastralfurche, in die auch die Geschlechtsöffnung
der Tiere mündet. Die Stigmen der hinteren Buchlunge enden hinter der Epigastralfurche. Die hinteren Buchlungen sind
leicht zu erkennen.
Die Chelizeren:
Die zweigeteilten Chelizeren bilden das erste Extremitätenpaar. Sie ragen ganz vorn unter dem Cephalothorax hervor. Bei
den Vogelspinnen liegen die Chelizerenklauen paralell zur Körperlängsachse und werden von oben nach unten geklappt.
Wegen dieses Merkmalszählt man die Vogelspinnen zu den orthognaten Spinnen, zu denen auch die Falltürspinnen (Cteni-
zidae), Tapezierspinnen (Atypidae), Trichternetzspinnen (Hexathelidae) und andere gehören. Im Ruhezustand sind die
Chelizerenklauen in eine furchenartige Rinne der Chelizeren eingeklappt. Im Chelizerengrundglied liegen die länglichen Gift-
drüsen, deren Gift in die Chelizerenklauen geleitet wird. Der Giftkanal mündet wenige Millimeter vor dem Klauenende. Die
Giftdrüsen sind bei den Vogelspinnen klein und befinden sich nur in den Chelizeren.
Die Kiefertaster:
An die Chelizeren schliessen sich die Kiefertaster (Pedipalpen) an. Ihr äusseres Erscheinungsbild erinnert an normale Lauf-
beine. Sie erfüllen aber vorzüglich die Funktion als Tastorgane. Beim Beuteerwerb unterstützen sie die Tätigkeit der Vor-
derbeine. Die Bezeichnungen der Beinabschnite sind den Abbildungen zu entnehmen. Die Pedipalpen der Männchen än-
dern sich mit der letzten Häutung (Reifehäutung). Der Tarsus ist auffällig verkürzt und besitzt an seinem Ende einen so ge-
nannte Bulbus - einen birnenförmigen Behälter, der in einer dünnen Spitze, dem Embolus, ausläuft. Im Bulbus wird das
Sperma zur späteren Befruchtung des Weibchens gespeichert. Die Form der Bulben wird zur Bestimmung von Arten
herangezogen. Die Durchführung solcher Bestimmungen scheitert oft am Mangel toter, männlicher Exemplare. Oft sind die
Bulben von einfacher Struktur und lassen nur Bestimmungen auf Gattungsebene zu. An den Tarsenenden befinden sich
zwei einziehbare Krallen, die häufig in kleinen Haarpolstern eingebettet sind. Sie lassen sich aufgrund ihrer leuchtend roten
Färbung bei vielen Arten der Gattung Avicularia besonders gut erkennen. Eine Abweichung im Bau der Gliedmassen findet
man bei den geschlechtsreifen Männchen. Bie ihnen besitzen die Tibien des ersten Beinpaares meist kleine Auswüchse
(Tibiaapophysen) mit ein oder zwei Endungen. Neben den Bulben sind die Tibiaapophysen sichere Merkmale zur Erken-
nung geschlechtsreifer Männchen.
Die Oberseite einer Vogelspinne:
1 = Pedipalpus 2 = Laufbein 3 = Cephalothorax 4 = Tarsus 5 = Tibia 6 = Patela 7 = Chelizera 8 = Femur 9 = Trochanter
10 = Coxa (mit Pedipalpenlade) 11 = Augenhügel 12 = Thoraxgrube 13 = Petiolus 14 = Abdomen
Die Unterseite einer Vogelspinne:
1 = Labium 2 = Chelizeren-Klaue 3 = Tarsus 4 = Metatarsus 5 = Tibia 6 = Patela 7 = Femur 8 = Trochanter 9 = Coxa
10 = Sternum 11 = Receptacula seminis 12 = Stigma 13 = Fächerlungenöffnung 14 = Spinnwarzen
Die Behaarung:
Auffälligstes Merkmal aller Vogelspinnen ist ihre starke Behaarung. Oft sind die einzelnen Haare so klein, dass man sie mit
blossem Auge gar nicht erkennen kann; sie sind nur unter dem Mikroskop sichtbar.
Die Geruchshaare:
Die überwiegend an den Tastern und dem ersten Beinpaar sitzenden, stark gefiederten, Geruchshaare sind wohl das inter-
ressanteste Phänomen in der Welt der Arthropoden. In Sekundenbruchteilen geben die chemotaktilen Rezeptoren dieser
Haare ihre Informationen an das Spinnenhirn weiter. Dabei erkennen sie sogar die Qualität von Futtertieren und Wasser.
Sexualduftstoffe (Pheromone) werden auch bei den Vogelspinnen zur Geschlechterfindung eingesetzt. Entnimmt man ein
wenig Gespinst aus dem Bau einer geschlechtsreifen weiblichen Vogelspinne und hält dieses mit einer Pinzette an die Tas-
ter eines Männchens, so beginnt dieses unverzüglich mit der Balz und dem Paarungsvorspiel.
Die Tasthaare:
Der gesamte Spinnenkörper, besonders aber die Extremitäten, sind gleichmässig mit Tasthaaren bedeckt, welche unter-
schiedlichste Aufgaben erfüllen. Sie bilden, neben den Geruchshaaren die wichtigsten Sinneshaare einer Spinne. Wichtigste
Funktion dieses Haartyps ist die mechanische Wahrnehmung der Umgebung. Vogelspinnen sind als Bewohner von engen
Höhlen auf einen gut funktionierenden Tastsinn angewiesen. Hier bieten die Tasthaare genaue Informationen über Form
und Grösse der Höhlen und des Gangsystems. Hindernisse, Reste von Beute, Eikokons und so weiter werden in diesem
Lebensraum ertastet, denn hier wird die Funktion des Sehens mangels Licht überflüssig.
Die Hafthaare:
Die Tarsen und Metatarsen der Vogelspinnen sind mit dicken Polstern feinster Hafthaare (Haftpolster oder Scopula) be-
deckt. Die Anzahl der an ihrem Ende verzweigten Haare pro Bein beträgt etwa 100 Millionen - eine ungeheure Menge.
Durch Kapillarwirkung zwischen den Hafthaaren und der an allen Gegenständen vorhandenen (im molekularen Bereich
liegend) feinsten Wasserschichten wird die Scopula fest an ihrer Unterlage gehalten. Theoretisch könnte auf diese Weise
ein Mehrfaches des Spinnengewichtes gehalten werden. Freilich liegen nicht alle Hafthaare an der Unterlage an. Starke,
die in die Scopula eingebettete, bewegliche Dorne lösen die Scopula wieder von ihrem Untergrund. An einer durch Spe-
zialbehandlung absolut trocken gemachten Glasscheibe versagt die Adhäsion, und die Spinne rutscht ab.
Die Hörhaare:
Luftschwingungen und niederfrequente Schallwellen werden von so genannten Hörhaaren wahrgenommen. Einzelne län-
gere, auch mit blossem Auge erkennbare, Haare sitzen beweglich auf einer Membran. Hauptsächlich auf den Beinen sind
sie in unterschiedlicher Dichte verteilt. Sie registrieren Luftbewegungen und Teile des männlichen Paarungsrituals. Beson-
ders wichtig für baumbewohende Arten ist die Wahrnehmung der Luftschwingungen von anfliegenden Insekten.
Die Brennhaare:
Viele amerikanische Vogelspinnen besitzen auf ihrem Abdomen eine Schicht winziger, leicht ablösbarer Haare. Zur Ver-
teidigung werden diese durch Scheuerbewegungen der Hinterbeine in die Luft gewirbelt. Das Berühren dieser pfeilspitzen
Härchen führt zu unangenehmem Juckreiz und Hautrötungen. In die Schleimhäute der Atemwege gelangt, können sie Hu-
stenkrämpfe auslösen. Insbesondere die Augen sind vor diesen Haaren zu schützen. Nach dem Berühren der Tiere sollte
man auf jeden Fall die Hände waschen. Die Brennhaare sind typisch geformt und lassen Rückschlüsse auf die Gattungs-
zugehörigkeit zu. Viele Arten nutzen ihre Reizhaare aber auch zur Auskleidung der Wohnhöhle. Derart präparierte Höhlen
sind ein effektiver Schutz vor eindringenden Insektenfressern wie Igel, Spitzmäuse und so weiter. Auch der Häutungstep-
pich wird häufig mit Brennhaaren gespickt. Fertig gestellte Eikokons werden ebenfalls oft mit einer dicken Schicht Reiz-
haare umgeben (nicht bei allen Arten).
Auch einige Arten der alten Welt besitzen ablösbare Reizhaare. Sie werden nicht zur aktiven Verteidigung eingesetzt. Die
Gattung Poecilotheria streift sich vor der Häutung etwas Hinterleibsbehaarung ab.
Kapitel 5: Einrichtung des Terrariums
Das Wohlbefinden einer Vogelspinne hängt massgeblich von der Terrarieneinrichtung ab. Schon unbedachte kleine Unstim-
migkeiten im Behälter lässt die Tiere stundenlang umherkrabbeln. Oft versuchen sie, mit den Chelizeren am Lüftungsgitter
einen Ausweg zu finden. Dabei strengen sie sich bis aufs Auesserste an. Dann sind Unfälle unvermeidlich: Die Chelizeren-
klauen brechen ab, und die Tiere sind nicht mehr in der Lage, Nahrung zu erbeuten.
Die Palette der Einrichtungsmöglichkeiten für Vogelspinnenterrarien ist gross. Sie reicht von einfachen Steppenterrarien für
Spinnen aus trockenen Gebiten bis hin zu grosszügigen Paludarien mit üppigem tropischem Pflanzenwuchs.
Wichtige Punkte bei der Einrichtung des Terrariums:
*Die Tiere müssen sowohl feuchte als auch trockene Stellen aufsuchen können.
*Alle Aufbauten (Unterschlupf, Höhlen, Dekoration und so weiter) müssen so beschaffen sein, dass sie durch Unterwühlen
nicht über den Spinnen zusammenfallen können.
*Auf keinen Fall dürfen scharkantige oder spitze Einrichtungsgegenstände vorhanden sein (gebrochene Steine, Kakteen
und andere Sukkulenten mit Stacheln).
*Kondenswasser an den Inneseiten des Terrariums bewirkt durch die fehlende Adhäsion (siehe Kapitel "Behaarung, Haft-
haare"), dass die kletternden Spinnen ständig abrutschen. Durch Bekleben der Scheiben mit kleinen Rindenstücken (nur
mit Silikonkleber) wird diese Gefahr beseitigt.
*Lüftungsflächen der Terrarien müssen grosszügig dimensioniert werden.
*Verwenden Sie nur natürliche Materialien wie Ton, Keramik, Torf, Rinde und so weiter. Vorsicht ist geboten bei Korkpro-
duktion für den Wohnungsbau: Sie enthalten oft für Spinnen giftige Imprägnier- und Bindemittel. Auch darf man keine Blu-
menerde mit Unkrautvernichtern verwenden. Stark gedüngte Blumenerde neigt durch Zugabe von organischen Düngern
(Kuhmist, Mulch, Kompost) zur Schimmelbildung.
*Zierpflanzen sollte man erst einsetzen, wenn sie mindestens fünf- bis sechsmal innerhalb von 14 Tagen geduscht worden
sind. Frische Zierpflanzen sind meist mit Insektiziden behandelt.
*Verwendet man als Bodengrund reinen Kies oder Sand, dann tötet man mit der Zeit jede noch so robuste Vogelspinne,
denn diese sind in Verbindung mit Futterresten, Exkrementen und Wasser ideale Brutstätten für Bakterien, Pilze und
Milben.
*Eingefüllte Bodengrundmaterialien müssen immer gut festgedrückt werden. Bodenbewohnende Vogelspinnen fühlen sich
nicht wohl, wenn die Gliedmassen während der Fortbewegung im Substrat versinken.
*Die Trinkgefässe müssen so ausgestattet sein, dass hineingefallene Insekten auch wieder herausklettern können. Oft genügt
ein aus dem Wasser ragender Stein oder oder ein entsprechend flacher Behälter, der allerdings auch schnell leer ist.
Terrarium für bodenbewohnende Vogelspinnen
Das Standardterrarium wie im Kapitel "Bau eines Terrariums" vorgestellt, sollte die Masse 20 x 30 x 20 Zentimeter nicht un-
terschreiten. Hier lassen sich alle kleinen und mittelgrossen Arten problemlos halten und auch nachzüchten. Vogelspinnenar-
ten ab einer Grösse von sieben Zentimetern brauchen, besonders zur Zucht, etwas grössere Behälter. Zwar gelingt die tier-
gerechte Pflege und funktioniert eine Nachzucht auch in kleineren Behältern, doch haben sich in der Vergangenheit aus prak-
tischen Gründen, ein wenig grössere Masse (30 x 30 x 20 oder 40 x 30 x 20 Zentimeter) als sinnvoller herausgestellt.
Der Bodengrund sollte in einer Schicht von fünf bis acht Zentimetern Höhe eingefüllt werden. Er kann aus einer handelsüb-
lichen Blumenerde oder aus einem Torf- Sandgemisch (3/4 Torf) bestehen. Zu Zuchtzwecken ist es vorteilhafter, als Subs-
trate etwas festere Materialien zu verwenden. Gerade ideal erwies sich hier eine Erde mit hohem Lehmanteil (siehe auch
Kapitel "Zucht"). In kleinen Behältern unter 40 Zentimetern Kantenlängen lohnt das Einpflanzen von Ziergewächsen kaum.
Die Spinnen ändern ihren Wohnbereich nach eigenen Gesetzen und reissen die eingesetzten Pflanzen einfach aus. Viele Ar-
ten bevorzugen trockene, flache Plätze zur Häutung. Die Einrichtung sollte auf jeden Fall einen solchen abgedunkelten Bereich
aufweisen. An einer anderen Stelle wird als künstliche Höhle ein halbrundes Stück Zierkork (erhältlich in Zoofachhandlungen)
oder ein zur Hälfte vergrabener Blumentopf platziert.
Ein Wassernapf, der nicht zu klein sein sollte, vervollständigt die spartanische Einrichtung für unsere Pfleglinge.
Einen Aspekt darf man bei der Einrichtung eines Terrariums nicht vernachlässigen: Je grosszügiger und schöner ein solches
Becken eingerichtet wird, umso weniger sieht man von seinen Tieren.
Terrarium für unterirdisch lebende Vogelspinnen:
Als einfachste Terrarien für solche Arten eignen sich die käuflichen Vollglasterrarien (selbstverständlich mit passendem Dek-
kel). Bis zu zwei Drittel mit Erde (Rasen- oder Lehmerde) gefüllt, genügen sie bereits allen Ansprüchen. Um die Tiere beo-
bachten zu können, muss man sie gewissermassen überlisten: Eine Korkeichenröhre wird in Längsrichtung halbiert. Mit der
offenen Seit legt man sie dann von innen schräg gegen die Seitenscheibe des Behälters. Eine Schicht Erde überdeckt alles,
so dass nur noch eine Oeffnung an der Erdoberfläche bleibt. Unerlässlich ist auch hier ein Trinkgefäss.
Die Seitenscheibe wird mit schwarzer Pappe oder Folie abgedunkelt, welche man nur zum Beobachten entfernt. Aufgrund
ihrer versteckten Lebensweise sind solche Arten eher für den spezialisierten Spinnenliebhaber geeignet. Wem die Beobach-
tung und Haltung solcher Tiere bald langweilig wird, sollte lieber darauf verzichten.
Terrarium für baumbewohnende Vogelspinnen:
Solche Behälter lassen sich besonders hübsch einrichten. Da die baumbewohnenden Arten nur selten auf den Boden kom-
men, bieten sich als Bodengrund viele Materialien an. Sehr gut eignet sich eine dünne Schicht Torf mit eine Lage Moos
darüber. Auch Blähton kann man verwenden. Ein uns bekannter Züchter benutzt Seramis, welches in fast jedem Garten-
center erhältlich ist. Einige verzweigte Äste genügen den meisten Arten. In den Behältern sollten die Wände auf jeden Fall
mit Rinde bestückt sein. Vorhandene Pflanzen werden kaum beschädigt.
Pflanzen im Terrarium:
Auch im Spinnenterrarium schaffen Pflanzen ein für für die Tiere angenehmes Klima. Allerdings halten sie sich nur in grös-
seren Behältern und müssen täglich "gewartet" und gepflegt werden. Eine Beleuchtung darf ebenfalls nicht fehlen (nur
Leuchtstofflampen).
*Maranta leuconora: hohe Luftfeuchte, feuchter Boden, viel Licht, Temperatur bis 27 Grad Celsius.
*Scindapsus spec.: hohe Luftfeuchte, halbfeuchter Boden, mässig helles Licht, Temperatur bis 25 Grad Celsius.
*Philodendron scandes: mittlere Luftfeuchtigkeit, feuchter Boden, wenig Licht, Temperatur bis 23 Grad Celsius.
*Ficus repens (Syn. F. pumilio): geringe Luftfeuchte, feuchter Boden, viel Licht, bis 27 Grad Celsius.
*Hoya carnosa: trockene Luft, leicht feuchter Boden, sehr viel Licht, bis 24 Grad Celsius, kühle Überwinterung.
*Syngonium spec.: sehr hohe Luftfeuchte, feuchter Boden, viel Licht, bis 27 Grad Celsius, nur für grosse Behälter geeignet.
Kapitel 6: Fütterung von Vogelspinnen
Das Wohlbefinder der Vogelspinnen hängt nicht zuletzt von ihrer Ernährung ab. Schlecht ernährte Tiere wachsen langsam,
häuten sich schlecht und an eine Eiablage ist erst recht nicht zu denken. Darüber hinaus bleiben die Männchen in ihrer Kör-
pergrösse weit zurück und sind auch kaum in der Lage, ihre Weibchen zu begatten.
Bei der Fütterung kommt es nicht auf eine abwechslungsreiche Kost an. Viel wichtiger ist es zu wissen, wann, wie oft, wie
viel und wie man füttern sollte:
Jungen Spinnen bietet man alle zwei bis drei Tage Futter entsprechender Grösse an. Babyspinnen füttert man am besten mit
Drosophila, frisch geschlüpften Heimchen und Grillen. Nach fünf bis sechs Häutungen bewältigen sie bereits kleine Stuben-
fliegen und Heimchen bis sieben Millimetern Grösse. Für die Fütterung sehr kleiner und empfindlicher Babyspinnen sei noch
ein Trick verraten:
Die meisten Vogelspinnenarten nehmen auch frisches, totes Futter an. Man kann einen kleinen Vorrat an kleinsten Futter-
tieren im Gefrierfach lange Zeit aufbewahren. Legt man abends einige gefroren Insekten in die Nähe der Jungspinnen, finden
sie das Futter in der Regel über Nacht und fressen es. So kann man auch etwas zu gross geratene Futtertiere an seine Jung-
spinnen verfüttern. Haben die jungen Spinnen eine Grösse von rund zwei Zentimetern erreicht, bewältigen sie bereits erwach-
sene Grillen. Die Gefahr, dass Spinnen durch Futtertiere gefressen werde, ist bei jungen Exemplaren besonders gross, weil
sie sich in relativ kurzen Abständen häuten. Umso wichtiger ist es, restliche Futtertiere wieder aus dem Behälter zu entfernen.
Erwachsenen Vogelspinnen bietet man alle sieben bis vierzehn Tage Futter an. Um zu vermeiden, dass sich unnötig Grillen im
Terrarium verstecken, testet man vorher mit einem einzigen Futtertier, ob die Spinne hungrig ist oder nicht. Nimmt sie das ge-
reichte Insekt sofort an, kann man noch vier bis fünf zusätzliche Grillen in den Behälter geben.
Manchmal verhalten sich männliche Vogelspinnen den Grillen gegenüber zurückhaltend. Das starke Umherspringen des le-
benden Futters macht die Tiere nervös. In einem solchen Fall sollte man die Sprungbeine der Grillen und Heimchen entfernen.
Die gleiche Methode wendet man bei Spinnen mit einem stark gefüllten, prallen Abdomen an. Die Sprungbeine der Grillen
mit ihrer starken Bedornung könnten sonst das Abdomen der Spinnen verletzen. Wanderheuschrecken sind nur an sehr kräf-
tige und hungrige Spinnen zu verfüttern: Ihre Verhaltenseigentümlichkeit, oft stundenlang ruhig zu verharren, um dann bei Be-
rührung durch die Spinne plötzlich starke Sprünge auszuführen, erschreckt die Vogelspinnen oft.
Frisch importierte Vogelspinnen sind oft erbärmlich abgemagert. Um ihnen schnell und bequem eine grosse Menge Futter zu-
kommen zu lasen, nutzt man die Bereitschaft der Spinnen, auch frisch-totes Futter anzunehmen. Aus einem Stück Rinderherz
schneidet man einen Würfel von etwas 1.5 Zentimetern Kantenlänge heraus. Die völlig ausgehungerten Tiere nehmen den
Futterbrocken normalerweise bereitwillig an. Nicht verwertetes Fleisch oder Überreste muss man spätestens nach 36 Stun-
den entfernen.
Insekten bilden den grössten Teil der Nahrung der Vogelspinnen. Die der Terraristik zur Verfügung stehende Palette an Fut-
tertieren ist in den letzten Jahren sehr reichhaltig geworden. Der Mehlwurm hat fast ausgedient. An seine Stelle sind qualitativ
bessere Insekten wie Grillen, Heimchen, Wanderheuschrecken, Stubenfliegen, Schwarzkäferlarven oder Grossschaben ge-
treten.
Nestjunge bis halbwüchsige Mäuse sollten nur solchen Exemplaren gegeben werden, bei denen man sicher ist, dass sie die
gereichten Tiere (Wirbeltiere) auch direkt annehmen, um diesen ein unnötiges Verweilen im Spinnenterrarium zu ersparen.
Mit diesen Futtertieren kann man den Nahrungsbedarf der Vogelspinnen völlig decken.
Fütterung meiner größeren Exemplare wie Theraphosa Blondi mit Mäusen. Das gezeigte Exemplar besitzt eine Größe des Abdomen von einem
Tischtennisball und umspannt im ausgestreckten Zustand mit den Beinen einen Frühstücksteller
Kapitel 7: Häufige Fehler
Die Pflege von Vogelspinnen erfordert von ihren Besitzern ein wenig Lernfähigkeit. Nicht anders als bei der Haltung von Rep-
tilien und Amphibien im Terrarium muss man das notwendige Fingerspitzengefühl auch bei der Beschäftigung mit Vogelspinnen
erst einmal erwerben. Ständig auch tagsüber im Terrarium umherlaufende Spinnen fühlen sich nicht wohl. Durch Umsetzen in
einen anderen Behälter kann man den Tieren oft helfen.
Temperatur:
Obwohl unsere Vogelspinnen in der Regel aus tropischen und subtropischen Gebieten stammen, halten viele
Liebhaber ihre Tiere bei zu hohen Temperaturen. In der Natur ziehen sich die Tiere bei hohen Temperaturen in ein kühleres
Versteck zurück. Messungen im Höhleninneren verschiedener Arten ergaben fast immer Temperaturen um 25 Grad Celsius,
auch wenn an der Oberfläche oft über 40 Grad Celsius gemessen wurde. Arten aus höheren Regionen (Bergwälder) oder
aus südlichen Ländern (Argentinien) benötigen mitunter niedrigere Temperaturen oder sogar Winterpausen mit herabgesenk-
ten Temperaturen um 15 Grad Celsius.
Für die meisten der derzeit gepflegten Arten gelten aber Pflegetemperaturen zwischen 25 und 28 Grad Celsius. Baumbewoh-
nende Arten mögen es etwas wärmer (bis 30 Grad Celsius).
Kurzfristiges Unterschreiten der Vorzugstemperatur schadet den Tieren nicht. Zu hohe Temperaturen (>30 Grad Celsius)
können zu Verlusten während und nach der Häutung führen, auch wenn sich die Spinnen vorher normal verhalten. Dabei ster-
ben manche Tiere ohne erkennbare Anzeichen (häufig Nachzuchten von Avicularia spec.). Zu hohe Dauertemperaturen führen
zu einer extremen Aktivität der Tiere und letzendlich zur Erschöpfung.
Dauerhaft zu kalte Pflege der Tiere bewirkt, dass die notwendigen Häutungen zu lange hinausgezögert werden. Erkennbare
Anzeichen sind starkes Verblassen der Farben und apathisches Verhalten der Tiere. Häufig Schimmelbildung!
Wärmequellen sollten niemals unter die Terrarien platziert werden. Entstehendes Kondenswasser schlägt sich nämlich am
kühlen Körper der Tiere nieder und führt zu Schimmelbildung. Heizkabel oder Matten dürfen nur seitlich angebracht werden.
Hier können die Tiere den gewünschten Temperaturbereich selbst aussuchen. Besser sind Wärmequellen von ogen in Form
von Leuchtstofflampen oder Strahlern.
Feuchtigkeit:
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Substrat- und Luftfeuchtigkeit. In kleinen Behältern ergibt sich bei einer hohen
Substratfeuchte automatisch auch eine erhöhte Luftfeuchtigkeit. In der Regel braucht hier nicht zusätzlich gewässert zu wer-
den. Häufiges Nachgiessen von Wasserbehältern oder Erdreich zur Pflege von Pflanzen kann auf Dauer zu Staunässe im Bo-
den führen. Besonders bodenbewohnende und ständig im Erdreich lebende Arten werden dann aus ihrem Unterschlupf ge-
trieben. Die Regulation der Luftfeuchtigkeit im Behälter sollte durch dosiertes Redzieren der Lüftungsfläche, zum Beispiel
durch Auflegen von Glasstreifen geschehen. Eine zu geringe Luftfeuchtigkeit im Behälter führt ebenfalls dazu, dass die Häu-
tungen zu lange hinausgezögert werden, und die unter Umständen zu Häutungsdefekten führt.
Sonstiges:
Ursachen für sehr ärgerliche Verluste sind im Behälter verbleibende Futtertiere. Besonders Grillen und Heimchen können
eine sich häutende Vogelspinne anfressen. Sie müssendaher einige Stunden nach der Fütterung entfernt werden. Befinden
sich im gleichen Haushalt Hund oder Katzen, dürfen auf keinen Fall Flohhalsbänder, Flohschutzpulver und ähnliche Gifte
angewendet werden. "Todsicher" wirken auch Insektensprays, Insekten-Strips, Mottenkugeln und so weiter, auch dann,
wenn man sie in anderen Räumen einsetzt. Ammonikhaltige Putzmittel (Salmiak) können die Spinnen ebenfalls schädigen.
Völliger Unsinn ist es, seinen Pfleglingen regelmässigen "Auslauf" im Zimmer anzubieten. Abgesehen von den Gefahren, die
eine solche Umgebung für die Spinne birgt, zwingt man die Tiere immer wieder dazu, sich in ihrem Behälter immer wieder
neu einzugewöhnen. Natürliche Verhaltensketten wie zum Beispiel Paarung, Eiablage und Brutpflege, aber auch Häutungen,
werden dadurch beeinträchtigt. Das führt unweigerlich zu einer Schädigung der Tiere.
Kapitel 8: Für Profis - Systematik der Vogelspinnen im Reich der Tiere
In der Biologie bezeichnet man den Stammbaum aller Lebewesen auf Erden als Systematik. In solch einer Systematik läßt
sich erkennen, welche Gemeinsamkeiten zwischen zwei Tieren bestehen, bzw. in wie weit sie miteiander verwandt sind. Die-
ser Stammbaum ist hierachisch aufgebaut. Oberste Hierachie ist die Klassifikation. Darunter folgen Domäne, Reich, Unter-
reich, Abteilung, Unterabteilung, Stammgruppe, Überstamm, Stamm, Unterstamm, Klasse, Ordnung, Unterordnung, Familie,
Unterfamilie, Gattung und schließlich Art.
In der folgenden grob gefassten Systematik wird dies deutlich:
Auf der Abbildung habe ich die komplette Systematik zur Gattung: Brachypelma, Art: Smithi rot aufgezeigt. Würde man nun
einen Vergleich zwischen Mensch und Vogelspinne ziehen wollen, so würde man feststellen, daß Vogelspinne und Mensch
sich bis in die Unterabteilung "Bilatersalsymetrische Tiere" ähnlich sind. Erst in der Stammgruppe würde man feststellen, daß
Spinnen zu den "Urmündern" und Menschen zu den "Neumündern" zählen.
Wenn man bedenkt, daß laut Systematik der Mensch dem "Gibbon-Affen" am ähnlichsten ist und weiter höher in der Hiera-
chie zu den "Trockennasenaffen" zählt, so bleiben doch keine Zweifel, daß der Mensch auch nur ein Tier von undenkbar vie-
len ist und keine Sonderrechte genießt.
Wer sich mit der Systematik gerne beschäftigen will, der wird sicherlich entäuscht sein, was die Suchergebnisse im Internet
bieten. Zum einen liegt das daran, daß die Systematik einfach so riesig ist, daß sie nicht in einem Dokument erfassbar ist. Zum
anderen werden neue Arten entdeckt und andere sterben täglich aus.
Für mich hat sich als am Besten www.wikipedia.de erwiesen. Dort kann in der Suchmaske jede beliebige Tier- oder Pflanzen-
art eingegeben werden. Wikipedia zeigt das Ergebnis fein säuberlich mit Systematik an (rechte Seite im Kasten). So lassen sich
auch ohne weiteres verschiedene Tiere miteinander vergleichen. Man kann einfach eine Hierachieebe höher oder tiefer springen
und bekommt eintsprechend detailiertere oder zusammengefaßtere Informationen.
Man wird sicher bei der gesamten Vielfalt verstehen, weshalb sich Systematiker häufig darüber streiten in welche Gattung neu-
entdeckte sowie bekannte Spinnen richigerweise gehören.
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