Gendarmenmarkt |
Bis 1688 war der Gendarmenmarkt, der zu den schönsten Plätzen Berlins zählt, ein Wiesen- und Ackergelände vor den Stadtmauern Berlins. Die Architekturgeschichte des Platzes begann nach dem Siebenjährigen Krieg unter der regen Bautätigkeit Friedrich des Großen. |
1688 unter Kurfürst Friedrich III., dem späteren Friedrich I. König in Preußen, als Hauptmarkt in der damaligen Friedrichstadt angelegt, wurden hier in den Jahren 1705 und 1708 die Kirchen der lutherischen und der französischen Gemeinde errichtet. Die um die Gotteshäuser angelegten Kirchhöfe wurden unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. beseitigt, stattdessen wurden Stallgebäude und die Hauptwache für das Kürassierregiment der -Gens d armes- erbaut, von deren Anwesenheit sich der Name des Platzes ableitet. Friedrich der Große wiederum ließ die Stallungen im Jahr 1773 abreißen. Seit 1777 erfolgte eine einheitliche Bebauung des Platzes nach Plänen Georg Christian Ungers, mit dreistöckigen Gebäuden. Als Vorbild soll die Piazza del Popolo in Rom gedient haben. Der Gendarmenmarkt wurde allerdings erst nachträglich in das vorhandene Straßenraster eingefügt. Man war vor allem darauf bedacht, den hier errichteten Bauwerken einen angemessenen Wirkungsraum zu verschaffen. Erst 1889 wurde der Gendarmenmarkt vom Berliner Stadtgartendirektor Hermann Mächtig gartenkünstlerisch gestaltet. Er ordnete zwei Rasenparterres mit Wasserbassins und Fontänen spiegelbildlich zueinander an, bereicherte den Platz mit dekorativen Ziersträuchern und teilweise exotischen Bäumen und bestückte ihn mit zahlreichen Beeten, Bänken und Laternen. Zusätzlich schmückte die Platzfläche ein aufwändiges Mosaikpflaster. Anfang der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erfolgte dann eine Reduzierung und Vereinfachung der aufwändigen Schmuckbepflanzung. Den Mittelpunkt des architektonischen Ensembles bildet das zwischen dem heutigen Französischen und dem Deutschen Dom gelegene Schauspielhaus (heute Konzerthaus genannt), das die strenge Rasterordnung der sie umgebenden Blöcke wiederholt. 1871 wurde vor dem Schauspielhaus das von Reinhold Begas geschaffene Schiller-Denkmal eingeweiht. Im II. Weltkrieg wurden der Platz und seine umliegenden Gebäude stark beschädigt. Beim Wiederaufbau blieb man dem Konzept des weitgehend offenen und steinernen Platzes treu, ohne jedoch auf Bepflanzungen zu verzichten, wie z.B. die kleinwüchsigen Kugelahorne neben dem Französischen Dom sowie an der Ecke Markgrafenstraße / Mohrenstraße und die Pflanzungen am Sockel des Französischen Doms zeigen. Die heutige Gestaltung des Platzes erfolgte nach einem Entwurf des Landschaftsarchitekten Prof. Hubert Matthes von 1977 in Zusammenarbeit mit dem Architekten Manfred Prasser und dem Landschaftsarchitekten Andreas Naumann. Durch Instandsetzungsarbeiten der Gartendenkmalpflege in den Jahren 1995-96 wurde westlich des Deutschen Doms ein kleiner Teilbereich der kaiserzeitlichen Platzanlage von 1889 wiederhergestellt. |
Gendarmenmarkt 1815 |
Adolf Friedrich Erdmann von Menzel Aufbahrung der Märzgefallenen auf dem Gendarmenmarkt 1848 |
Gaertner Gendarmenmarkt im Winter 1857 |
Gendarmenmarkt um 1900 |
Gendarmenmarkt 1903 |
Anlässlich der 250-Jahr-Feier der Preußischen Akademie der Wissenschaften nannte der Ost-Berliner Magistrat den Gendarmenmarkt in -Platz der Akademie- um, seit 1991 trägt er wieder seinen ursprünglichen Namen. Am Gendarmenmarkt gibt es heute zahlreiche Cafés und Restaurants, die gern genutzt werden, um am Platz zu verweilen und das Ambiente zu genießen. Auch Veranstaltungen wie z.B. Freiluftkonzerte oder ein kunsthandwerklicher Weihnachtsmarkt finden auf dem Platz statt und erhalten durch die historischen Bauwerke und die großzügige Platzgestalt eine ganz besondere Atmosphäre. |
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 | Deutscher Dom Die Bezeichnung -Dom- schafft immer wieder Verwirrung. Im Falle der beiden Bauten am Gendarmenmarkt bezieht sie sich nicht auf die Kirchen selbst, sondern auf die architektonische Form der Kuppelbauten. Bei der rasterförmigen Anlage der Friedrichstadt nach 1688 entstand als Zentrum der Neue oder Friedrichstädtische Markt, zu dessen Seiten zwei Kirchen errichtet wurden: auf der Nordseite die Französische Kirche für die seit dem Edikt von Potsdam 1685 stark angewachsene hugenottische Gemeinde Berlins (die erste von um 1800 fünf französischen Pfarrkirchen in Berlin ), für die Louis Cayart die 1688 zerstörte Hauptkirche der Hugenotten in Charenton bei Paris zum Vorbild nahm. Auf der Südseite entstand die Neue Kirche (erst später Deutsche Kirche genannt), für die Martin Grünberg aus dem Grundriss der Parochialkirche einen einzigartigen fünfseitigen Zentralbau entwickelte. Westlich wurde ein Turmbau vorgelagert, der aber nicht über das Untergeschoß hinauskam. 1774 beschloss Friedrich d. Grosse, den Platz zu vergrößern und zu verschönern. An der Westseite ließ er ein kleines französisches Komödienhaus errichten. |
Carl von Gontard beauftragte er mit dem Bau zweier funktionsloser Kuppeltürme, die im Anschluss an die bestehenden Kirchen das Komödienhaus festlich rahmen sollten. Als Vorbilder wirkten die Piazza del Popolo in Rom und die Ensembles von Christopher Wren und Inigo Jones in London. Ringsum entstanden dreistöckige Wohnbauten. Die 1780-85 errichteten identischen Kuppeltürme oder -Dome- blieben ohne innere Verbindung mit den Kirchenräumen. Im Deutschen Dom wurde später der Verein für die Geschichte Berlins untergebracht. 1881/82 wurde die baufällig gewordene Deutsche Kirche auf altem Grundriss neu erbaut, wobei man den Turmstumpf im Westen entfernte und den Außenbau der Domarchitektur anpasste. 1943 ausgebrannt, erhielten Kirche und Turmbau ein ganz neues Innenleben und wurden erst 1996 für die Dauerausstellung -Fragen an die Deutsche Geschichte -wiedereröffnet.
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 Deutscher Dom - Bauarbeiten 1984 |
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 Deutscher Dom - aufsetzen der Kuppel 1984 |
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Französischer Dom Der Französische Dom wurde teilweise von der Französischen Gemeinde genutzt und beherbergt seit 1929 das Hugenotten Museum, Die Französische Kirche gestaltete Otto March 1905 im Inneren völlig um und setzte der schmucklosen Westfassade einen dreiachsigen Mittelrisalit vor. |
 Der Französische Dom ist nach einem Luftangriff 1944 fast völlig zerstört worden |
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Ebenfalls 1943 zerstört, wurde sie 1978-83 im Sinne Marchs wiederhergestellt. Statt der Emporen wurde jedoch eine Zwischendecke eingezogen, so daß nun, wie schon früher im Außenbau angedeutet, zwei Räume übereinanderliegen. Barock Architekten, Französische Kirche: Louis Cayart 1701-05 Umbau: Otto March 1905; Teilung in zwei Räume 1978-83 Architekten, Deutsche Kirche: Martin Grünberg 1701-08 Umbau: 1881-82 H. v.d. Hude, J. Hennicke Innengestaltung neu Turmbauten: Carl von Gontard, Georg Christian Unger 1780 -85
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Glockenspiel im Französischen Dom |
Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, Konzerthaus Würdevoll ruht Schinkels Konzerthaus, das ehemalige Schauspielhaus, in der Mitte, flankiert vom Französischen Dom (rechts) und vom Deutschen Dom (links). Besonders zum alljahrlichen -Classic- Open- Air- genießen Berlins Musikliebhaber die einzigartige Abendatmospäre. Am Gendarmenmarkt hatte Friedrich d. Gr. 1774-76 ein kleines Französisches Komödienhaus erbauen lassen, das gegen Ende des 18. Jh. als -Nationaltheater- unter August Wilhelm Iffland zur führenden deutschen Bühne aufstieg. Schon 1800/01 erbaute Carl Gotthard Langhans ein neues, größeres Theater, dessen Architektur sich nun gegen die beiden 1785 fertiggestellten Turmbauten des Deutschen und des Französischen Domes behaupten mußte. Doch 1817 brannte das Gebäude bis auf die Umfassungsmauern ab, und ein Jahr später bekam Schinkel den Zuschlag für einen Neubau. |
Schauspielhaus um 1821 |
Schinkel war an einige Vorgaben des Königs gebunden: So sollten die alten Umfassungsmauern und die Portikussäulen wiederverwendet werden, Bühne und Zuschauerraum sollten zugunsten eines zusätzlichen Konzertsaals und anderer Nebenräume verkleinert werden. Schinkel löste die Aufgabe brillant, indem er zwar den quer zum Platz liegenden Grundriß des Langhans-Baus aufnahm, ihn aber in eine dreiteilige Anlage mit einen höheren und breiteren Mittelbau umwandelte. Die reiche plastische Ausschmückung schufen Friedrich Tieck und Christian Rauch. 1881 wurde der vorher verputzte Backsteinbau mit Sandsteinplatten verblendet. |
Der Mittelbau barg den 1200 Plätze fassenden Theatersaal. Der halbkreisförmig angelegte Zuschauerraum besaß ein ansteigendes Parkett und zwei Balkone mit dahinterliegenden Logen. 1903/04 wurde der Raum neobarock umgestaltet. Nach den Zerstörungen des Kriegs wurde der Außenbau originalgetreu rekonstruiert, das Innere jedoch völlig verändert. Statt eines Theaters mit Bühne wurde ein 1850 Plätze fassender Konzertsaal mit einer an Schinkelschen Detailformen orientierten Ausstattung eingebaut. Die feierliche Eröffnung erfolgte 1984. Seit 1994 trägt das Haus den Namen -Konzerthaus Berlin-. |
Gendarmenmarkt 2004 |
Konzerthaus 2005 |
Schillerdenkmal vor dem Schauspielhaus |
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