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Wo die Ufa ihren Sitz hatte
 
Dönhoffplatz Wo die Ufa ihren Sitz hatte 
Der vordere Teil dieser Grünfläche gehörte einst zum Dönhoffplatz. Seine berühmte Meilensäule steht heute vor den Spittelkolonnaden Foto: Lambert

Von Sven Felix Kellerhoff
Aus der Berliner Morgenpost vom 9. März 2006
 
Alexander-, Pariser und Potsdamer Platz sind über Berlins Grenzen hinaus weit bekannt. Aber die Hauptstadt hat noch viele weitere Orte, an denen Geschichte gemacht wurde.
Bevor Hollywood das Traumziel aller Schauspieler und Regisseure wurde, fantasierten sich jedenfalls die deutschen Filmschaffenden an eine Berliner Adresse, auf die heute nichts mehr deutet. Denn der Dönhoffplatz ist aus dem Stadtbild verschwunden; wo einst ein baumgesäumter Park zwischen Leipziger und Krausen-, Jerusalemer und Kommandantenstraße lag, erhebt sich heute ein 24stöckiger DDR-Plattenbau, umringt von einem häßlichen Flachbau mit Geschäften und einem Bolzplatz.

Hier am Dönhoffplatz lag die Hauptverwaltung der Universum Film AG, kurz Ufa. Unter der Postadresse Krausenstraße 38/39 plante der Kinokonzern ab 1933 seine großen Produktionen - und blieb hier auch, als die Ufa 1937 de facto verstaatlicht worden war. Der Einfachheit halber residierte dort 1945 bis 1952 die Ufa-Nachfolgegesellschaft Defa. Heute sind vier Flügel des einstigen Ufa-Sitzes die einzigen architektonischen Zeugnisse, daß es den Dönhoffplatz je gab.
Denn alle anderen Bauten sind verschwunden: Der 1912/13 errichtete Kaufhauspalast von Hermann Tietz an seiner Westseite zum Beispiel, in dem am 22. Dezember 1925 die erste Rolltreppe der Reichshauptstadt eingeweiht worden war. Er stand dort, wo heute in einer ehemaligen Kaufhalle ein Ramsch-Markt, ein Lebensmittel-Discounter und ein paar andere Geschäfte um die Euros der Anwohner konkurrieren. Oder die Markthalle an seiner Ostseite, errichtet in den späten 80er Jahren des 19. Jahrhunderts. Um die schlechten hygienischen Bedingungen auf den Wochenmärkten unter freiem Himmel zu verbessern, wurden ab 1886 Markthallen errichtet, in die die Händler umziehen mußten. Auf dem Dönhoffplatz hatten bis dahin vor allem die Schlachter ihre Waren verkauft - von insgesamt 719 Fleischständen auf Wochenmärkten, die es Berlin gab, lagen 224 allein hier. Schließlich die zahlreichen, ebenfalls in der Gründerzeit errichteten Geschäftshäuser, an deren Pracht nur noch das sanierte Tuteur - Haus an der Ecke Leipziger und Charlottenstraße erinnert.
Restlos verschwunden ist auch das Denkmal für die deutschen "Luftschiffer", das den Dönhoffplatz zum 25. Thronjubiläum von Kaiser Wilhelm II. im Juni 1913 für eine Woche schmückte. Der Berliner Architekt Bruno Möhring hatte das einem Obelisken ähnliche Denkmal entworfen; es wurde jedoch nie in Stein ausgeführt.
Dagegen existiert noch der berühmte Meilenstein des Dönhoffplatzes, wenn auch jetzt etwas weiter östlich. Es geht die Mär, von diesem Obelisk aus seien alle Entfernung von und nach Berlin gemessen worden - in Wirklichkeit galt die Entfernungsmessung von den stets vor den Toren (in diesem Fall vor dem Leipziger Tor) aufgestellten Meilenstein immer nur der jeweiligen Hauptstrecke. Der Dönhoffplatz entstand in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts, als die bis dahin hier angelegten Verteidigungsanlagen geschleift wurden. Seinen Namen erhielt er nach Alexander Graf von Dönhoff, dessen Regiment hier exerzierte. Ab 1734 entstand die erste Bebauung um den Platz, deren letzte Spuren schon vor dem Ersten Weltkrieg verschwunden waren. Nach der Aufhebung des Wochenmarktes gestaltete Hermann Mächtig 1887 die Grünanlagen rund um den Platz. Seither schlug hier das Herz des östlichen Teils der Einkaufsmeile Leipziger Straße. Das Geschäft profitierte von der direkten Nähe zum Zeitungsviertel. Denn zwischen Leipziger Straße und Kochstraße lagen mit Mosse, Ullstein und Scherl nicht nur die drei größten Berliner Verlage, sondern auch die Redaktionen von rund 40 kleineren Zeitungen.
Insbesondere der Bombenangriff vom 3. Februar 1945 auf das Regierungsviertel hinterließ hier eine Trümmerwüste. Zudem verlief die Sektorengrenze genau durch das ehemalige Zeitungsviertel - ab dem Bau der Mauer lag also der frühere Dönhoffplatz ebenso im Schatten des "antifaschistischen Schutzwalls" wie das Springer-Gelände auf westlicher, in diesem Fall allerdings südlicher Seite. Mit Hochhäusern versuchte Ost-Berlin, die Wunde zu schließen - aus dem Geschäfts- wurde ein Wohnviertel. Konsequent strich der SED-Magistrat am 18. Juni 1975 den Dönhoffplatz aus dem Straßenverzeichnis.
Im Planwerk Innenstadt, der Vision einer Stadtreparatur von 1997, ist eine Wiederherstellung vorgesehen, aber mit Rücksicht auf die existierenden Häuser nicht ganz am historischen Ort.