
Mit freundlicher Genehmigung
Fakten und Zahlen
Die Zahlen sind jährlich gesehen und wiederholen sich jährlich. Da die Zahlen variieren, kann es durchaus sein, dass es mehr
Straftaten gibt, als hier angegeben.
Anzahl der Fälle, Hell- und Dunkelfeld:
Es werden jährlich ca. 16.000 Strafanzeigen wegen sexuellen Missbrauchs erstattet. (Hellfeld)
Laut Experteneinschätzung ergibt sich eine Dunkelziffer von 1 : 20. Damit würden sich 320.000 Fälle von sexuellen
Kindesmissbrauchs pro Jahr ergeben. Eine Zahl von 300.000 Kindern im Jahr wird auch vom Bundeskriminalamt angegeben.
Das bedeutet., dass in der Bundesrepublik ca. alle zwei Minuten ein Kind sexuell missbraucht wird.
In Deutschland gibt es wenige Erhebungen zu sexuellen Missbrauch an Menschen mit geistiger Behinderung. Experten gehen auf der
Grundlage von amerikanischen Studien davon aus, dass hier die Dunkelziffer um ein vielfaches höher ist.
Verhältnis Mädchen und Jungen
Laut verschiedenen Untersuchungen liegt der Anteil der missbrauchten Mädchen bei 75% bis 80 %, der Anteil der Jungen
bei 20% bis 25%.
Eine Erwachsenenstichprobe in den USA ergab, dass jede 3. bis 4. Frau und jeder 7. bis 10. Mann in der Kindheit sexuell
missbraucht wurde.
Aus einer Diplomarbeitsstudie der Fachhochschule Esslingen ging eindeutig hervor, dass 3 bis 4 mal mehr geistig behinderte
Mädchen und Frauen sexuell missbraucht werden als geistig behinderte Jungen und Männer.
Die Ergebnisse zeigten, dass es sich nicht primär um geistig behinderte Kinder und Jugendliche handelt, sonder dass
erwachsene geistig behinderte Menschen von sexuellem Missbrauch in ganz erheblichen Maße betroffen sind.
Altersstrukturen
Missbrauch kann vom Säuglingsalter bis ins hohe Alter stattfinden.
In den Alterstufen 0 bis 6 Jahre, 6 bis 12 Jahre und 12 bis 18 Jahre verteilt sich die Zahl der Fälle gleichmäßig auf jeweils ein
Drittel. In 47% aller Fälle findet der erste Übergriff vor dem 11. Lebensjahr statt.
Täter
97% der Täter sind Männer, 3 % sind Frauen. Der von Frauen als Täterinnen ausgeübte Missbrauch dürfte aufgrund der noch
stärkeren Tabuisierung unterschätzt werden.
In nur etwa 5% der Fälle ist der Täter unbekannt.
Die Täter kommen aus der Familie und dem sonstigen nahen Umfeld: Vater, Stiefvater, Freund der Mutter, Großvater, Cousin,
Onkel, Bruder, Babysitter, Erzieher, Pfarrer, Gruppenleiter, Sporttrainer, Bekannte, Freunde der Familie usw.
Nur wenige der Täter sind im medizinischen Sinne psychisch gestört, bei den meisten handelt es sich um ganz normale Männer,
denen wir eine solche Tat nie zutrauen würden. Nicht selten werden diese Männer für besonders nett, charmant, engagiert,
sozial, für zuverlässige Ehemänner und liebevolle Väter gehalten.
Struktur der Taten
Sexueller Missbrauch ist in den aller meisten Fällen eine Wiederholungstat!
Meist erstreckt sich der Missbrauch über Wochen, Monate, Jahre.
Missbrauch ist in der Regel geplant, bewusst herbeigeführt und arrangiert.
Je enger die Beziehung, desto intensiver sind die sexuellen Handlungen und desto länger dauern sie an. Auch der Druck,
psychisch und physisch ist dann stärker.
Quelle:
Lisa Hinrainer, Lebenshilfe Freising e.V. hinrainerelisabeth@surfeu.de
Sexueller Missbrauch gegen Kinder und Jugendliche
Das BKA schätzt die Anzahl von Sammlern von Kinderpornografie in der BRD auf 30.000, andere gehen von 50.000 aus.
Geht man "nur" von 5.000 Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren aus, die sich in Deutschland prostituieren und dabei
zwei Kunden am Tag und 200 "Arbeitstage" im Jahr ertragen, so kommt man allein in diesem Bereich auf 2 Millionen "Kontakte".
Sexuelle Gewalt durch kindliche und jugendliche Täter
Etwa 20 - 25 % der Vergewaltigungen und 30 - 45 % des sexuellen Missbrauchshandlungen werden durch Kinder,
Jugendliche und Heranwachsende begangen.
Die Mehrzahl jugendlicher Täter fällt bereits als Kind durch sexuelle Übergriffe gegenüber Gleichaltrigen und Jüngeren auf.
Viele erwachsene Missbraucher hatten schon vor ihrem zehnten Lebensjahr deviante sexuelle Phantasien auf Kinder und
zeigten bereits im Jugendalter sexuell deviante Interessen oder Handlungen.
Schon kindliche und jugendliche Täter haben in der Regel mehrere Opfer.
In mehr als 40 % der Fälle hatten die jungen und jugendlichen Täter selbst körperliche Misshandlungen erlitten, in knapp
40 % wurden sie sexuell missbraucht. Mehr als 60 % waren Zeugen von Gewalt innerhalb der Familie. Sie beobachteten
beispielsweise körperliche und/oder sexuelle Gewalt gegen die Mutter oder Geschwister durch den Vater bzw. Partner der Mutter.
Junge und jugendliche Täter werden/wurden oftmals zu jung und zu massiv mit Erwachsenensexualität konfrontiert oder sie
waren/sind einer verzerrten, abweichenden oder traumatisierenden Sexualität ausgesetzt - zum Beispiel Konsum von ("harter")
Pornografie.
Quelle: Wendepunkt