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“Eines Tages wird die Menschheit zurückschauen und sagen, dass ich das 20. Jahrhundert eingeleitet habe.” Jack the Ripper/From Hell

Wiccan Ways 2.03
Ripper

Klack. Klack, so klang es, wenn sein Stock auf die Pflastersteine traf, wie eine düstere Vorahnung einer entfremdeten Totenuhr.
Klack. Klack.
Seine Schritte waren gleichmäßig, bedacht, wohl überlegt und in keinster Weise war er erregt, nie war er das gewesen während der ganzen letzten Tage nicht, in denen Scotland Yard ihn gejagt hatte.
Nie als er fünf Frauen die Kehlen aufgeschlitzt hatte, sie ausgeweidet und zerstückelt hatte. Doch genauso fernab wie sein Sinn für Recht und Unrecht während all dieser Zeit, war auch sein Gefühl gewesen – es hatte sich kalt angefühlt. Eisig und taub, als wäre es seine Hand und nicht die seine gewesen, die das listensche Messer geschwungen hatte gleich einer Fingersense, die Haut, Sehnen, Knorpel und auch Knochen durchtrennt hatte.
Klack, Klack.
Die Kirche hatte es abgesegnet.
Aber dort draußen waren andere Stimmen gewesen und die sagten ihm das Gegenteil, hatten ihn seine Fehler vor Augen geführt,am eigenen Leib all die Schmerzen, den Schrecken und die Todesangst seiner Opfer bis in die letzte Faser seines Leibes spüren lassen.
Klack, Klack.
Whitechapel –völlig veränder war es, die Straßen waren sauberer, die Menschen nicht so heruntergekommen wie das Viertel selbst, doch im wesentlichen hatte sich nichts geändert, wie er aus der Niesche heraus beobachtete. Da waren sie, die leichten Frauen, die sich jedem Kerl an den Hals warfen, der ihnen nur genügend Hochprozentigen verabreichte, für ein bisschen Spaß in einer Nacht. Dort waren die anderen, die mit einem imaginären Schild mit der Aufschrift „Hure“ herumstolzierten und dem horizontale Gewerbe so sicher auch nachgingen, so sicher wie seine Arbeit schon seit ewigen Zeiten währte.
Doch die Grenzen waren in diesem Jahrhundert, dem ersten Jahr, des neuen Jahrtausends, weitaus unklarer zu erkennen. Verwischt von den Wogen der Zeit. Das alte Jahrhundert war noch nicht lange her, jenes Jahrhundert, dass er auf die Welt gebracht hatte, was die Menschheit, blickte sie jemals richtig zurück, eines Tages.
Eines Tages würde die Menschheit zurückblicken und erkennen, dass er das 20. Jahrhundert eingeleitet hatte.
Drüben an der Straßenecke stand sie, klein, zierlich, blond, ein unschuldiger Engel mochte man meinen, aber er wusste es besser. Dieses Geschöpf war auf der Jagd, doch es war nicht sein Ziel oder seine Bestimmung die Jagd zu unterbrechen – er würde also warten, hier im Schatten der Häuser, beobachten, lauern.
"The Juwes are not The men That Will be Blamed for nothing" – er erinnerte sich so gut an diese Worte als wäre es wahrhaft sprichwörtlich erst gestern gewesen, dass diese Worte einen Teil seines Lebens bestimmten und noch bis heute darüber gestritten wird, ob er es war, der sie an die Wand geschrieben hatte.
Sie hatte ihre Beute gefunden, den jungen Mann auf seiner Seite der Straße ins Auge gefasst, doch sah sie nicht die Gestalt hinter sich, die sich lautlos genähert hatte.
Ehe sie auch nur den Hauch eines Schreis ausstossen konnte, hatte die Gestalt sie gepackt, doch er, Sebastian, machte keine Anstalten einzugreifen, denn die Beute war diesmal der Jäger, nicht wie damals, als es noch galt...aber das war damals. Diesesmal war der Einsatz gestiegen, der Preis höher, falls er versagte – seine Prioritäten hatten sich geändert, sein Auftrag war nun ein anderer und dennoch, der Blutrausch war entfacht, zum Guten oder zum Schlechten, es war und blieb was es immer gewesen ist: Mord.
Mit Erlaubnis der Obrigkeit.
Sebastian zog sich tiefer in den Schatten zurück, dann huschte er, den Schatten noch als Kleid zur Verneblung der Sinne nutzend, dass ihn niemand wahrnahm, der nicht die Augen für diese Art der Wirklichkeit hatte, über die Straße. Auf der anderen Seite, mit einer Hand stützte er sich gegen die Ziegelsteinwand des Hauses, holte kurz Atem, den diese Art der Magie verlangte ihren Tribut von einem einfachen Mann wie Sebastian, ehe er durch die Lücke schlüpfte, durch die der andere die junge Frau geschleift hatte.
Klack, Klack, machte sein Stock auf den Pflastersteinen – die Gegend weckte vertraute Gefühle in ihm – bis das Hallen seines Stocks von einem leisen Platschen abgelöst wurde. Röte breitete sich auf dem Boden vor ihm aus, roter Saft, der aus der langen, tiefen Schnittwunde des Opfers, der gejagten Jägerin, troff und bereits von ihrer Kleider aufgesogen wurde. Der Kopf war beinahe abgetrennt, nur ein bisschen Knochen, der teilweise bloß lag und Sehen, teils zerfetzte Muskeln und Haut hielten ihn noch am Körper.
Sebastian neigte sich hinunter. Den Puls zu fühlen wäre ziemlich unnötg gewesen, wo keine Schlagader, da kein Puls, doch hatte der Angreifer etwas hinterlassen.
Ein Stück Kreide.
Sebastian schmunzelte, und verabscheute die Tat zugleich, selbst wenn an seinen eigenen Hände Blut klebte und nie wieder abzuwaschen wäre. Im Dunkel war es kaum zu erkennen, doch das Wort war dennoch mit steter Ruhe und Behutsamkeit, so viel Kontrolle, geschrieben worden. „Permited“ – „Erlaubt.“
Sebastian hob den Kopf, seine Augen blitzten kurz unterhalb der Krempe seines Zylinders hervor als er die Ahnung einer Gestalt gerade noch wahrnahm ehe sie verschwand.

„Werte Mitglieder des Vorstands....“, Nathans Stimme erhob sich mit einem leicht leiernden Tonfall. „...alles läuft genauso wie wir es geplant haben. Aber wir brauchen noch Zeit.“
Das maskenhafte, von den Zeichen der Zeit allerdings unübersehbar strapazierte Gesicht eines der Ältesten wandte sich Nathan zu. „Zeit ist ein Luxus, den sie sich nicht mehr leisten können. Wir haben ihnen alle möglichen Freiheiten eingeräumt, die uns zur Verfügung stehen – aber Ergebnisse produzieren sie nicht.“
Nun war es an Nathan so zu tun, als würde er überrascht wirken – diese Standpredikten hatte er schon ein Dutzend mal gehört, so oft, dass sie ihm bereits zum Hals heraushingen, ganz zu Schweigen davon, dass er Ergebnisse produzierte. Ergebnisse, die der Ältestenrat natürlich nicht sehen wollte. „Meine Herren. Wir sind fast vollständig im Besitz des Buchs. Ein paar Stücke fehlen uns noch, um das Puzzle zu vervollständigen. Die Messenger haben und werden wir unterstützen, damit sie ihr Ziel erreichen können. Ihr Ziel ist unser Ziel. Malkuth ist der einzige, der uns.....“
„Verzeihung.“, meldete sich ein andere noch zerbrechlicher wirkender Greis zu Worte. „Welchen Wert Malkuth für uns hat und für sie persönlich auch, wissen wir nur zu gut. Und über ihre Fortschritte sind wir im Bilde – soweit es welche gibt. Aber wir wissen auch, dass der Anjouwein ihnen beinahe durch die Lappen ging. Und obwohl sie ihn mehr durch Glück, als durch Verstand erlangen konnten, ist es ihnen nicht gelungen die Schriften zu entschlüsseln.“
Schwermütig setzte Nathan bereits mit einem Seufzen zum Reden an, doch der Alte ließ ihn nicht. „Unterbrechen sie mich nicht. Wir sind soweit erfreut, auch wenn manche hier mehr Ergebnisse lieber sehen würden, was uns aber allen Sorge bereitet sind die Bündnisse, die sie eingingen.“ Der alte Mann lehnte ich in seinem Sessel vor, griff zitternd zu seiner Tasse, hob sie kurz an, trank dann aber doch keinen Kaffee, sondern fixierte Nathans Blick scharf. Seine Augen waren klarer, als es sein Alter vermuten ließen. „Glory ist eine unberechenbare Größe. Umbrella ist uns all die Jahre hindurch ein guter Bündnisspartner gewesen, aber einem politischem Umschwung ist auch die Corporation nicht gewachsen, falls er kommt. Und dann noch die Wraith. Großer Gott, Harris, was haben sie sich dabei gedacht?!“
„Die Wraith sind zu uns gekommen. Nicht umgekehrt.“, verteidigte sich Nathan promt.
„Und ist ihnen je ihn den Sinn gekommen, dass sie ganz eigene Ziele verfolgen?.“
Alter Scherzkeks – natürlich war Nathan das in den Sinn gekommen, aber was hatte er für eine Wahl. Die Schriftrollen waren zu wichtig und wenn man sie ihm bereitwillig gab, warum sollte man sie ausschlagen. „Manchmal muss man mit dem Teufel paktieren, um den Himmel zu erobern.“
Missbilligend nickte der alte Magier. „Ja...ja...vielleicht. Apropos. Offenbar haben unsere Gegner genauso viele Verbündete. Denken sie nur an die Verschwörer aus dem Rat der Wächter. Vorher schon die Allerersten und jetzt auch noch die Prieure. Und man munkelt, dass sogar ein Interesse in den oberen Etagen herrscht.“
Der Magier mit dem maskenartigen Wachsgesicht schlug mit der Faust auf den Tisch. „Yggdrasil hätte man sicher noch akzeptieren können. Aber nun stellen sich die Götter der Hölle...“
„...Hölle?“, entfuhr es Nathan prustend. Sicherlich der passenste Vergleich, aber nicht ganz der Wahrheit verpflichtet, war die Vorstellung von Chaosdimensionen etwas zu klischeehaft.
„...das die Herrscher der Unterwelten vorhaben sich mit den Göttern Yggdrasils zu verbünden. Wiedereinmal. Es heißt, dass Irene Adler höchstpersönlich sich einmischt. Nicht lange und auch die anderen werden eingreifen. Das wird ein Krieg der alle Ebenen der Macht erschüttern wird. Und alle haben sie Interesse daran, dass er zu ihren Gunsten ausfällt. Der Inquisitor ist ebenfalls wieder auf Erden.“
Jetzt seufzte Nathan herzhaft, geradezu genüsslich. Es gab viele Gruppen, die sich gegenseitig auf die Zehen traten, alle stritten sie um ein Stück vom Kuchen. Die beiden Triumvirate des Himmels und der Hölle, so hatte man es ihm gelehrt, hatten diesen Streit schon einmal ausgetragen und schon einmal hatten sie sich verbündet, um sich ihrer Probleme zu entledigen. Es waren nun andere Namen, andere Herrscher teils, aber dennoch dieselben Interessen wie damals. Denn es waren noch immer dieselben Probleme, mit Namen Glory und Malkuth. Der Krieg um die Vorherrschaft hatte bereits begonnen, eine Säule war gefallen, ein Schloss zur Freiheit Malkuths gebrochen und sein Wissen und Wirken für Nathan und die Messenger näher gerückt. Und das wollte Yggdrasil mit allen Mitteln verhindern. Und nicht nur Yggdrasil, sondern ebenso der Teufel selbst (bei dem Gedanken schmunzelte Nathan in sich hinein, denn Irene kokettierte gerne mit ihren Kosenamen, die die Menschen ihr gaben, egal ob Teufel oder Lucifer), von dessen beiden Partnern einmal zu schweigen, denn die mochten sich bisher zwar nicht gerührt haben, aber die hatten genauso ein Interesse daran, dass Glory nicht zurückkehren konnte. Doch um die Geschicke der Götter würde sich Nathan nicht einmischen – das war nicht sein Kampf, nur wenn sie ihm in den Weg kamen, würde er keine Gnade kennen und wahre Kreativität beweisen – um ein unsterbliches Wesen zu vernichten, musste man wirklich und wahrhaftig kreativ sein. Zum Glück hatte er, und das war sein Trumpf, den diese alten Narren nicht sahen, eben den Stein des Anstoßes, Glory bereits auf seiner Seite. Oder besser: sie war eine zeitweise Verbündete und durchaus von temporärem Nutzen gegen den Rest der Götter. Falls es zum Kapmf gegen diese kam.
Doch wie Nathan die Lage enschätzte, würde die sich im Hintergrund halten und den Menschen zuflüstern, die sie sich Untertan gemacht hatten. Diesen Idioten vom Rat der Wächter, die meinten sie könnten die Welt verändern, diesen Blumenkindern aus den Wicca-Coven, den Templern oder Prieure oder wie immer sie hießen.
Nathan war unabhängig. Obwohl das nicht ganz der Wahrheit entsprach, denn immerhin musste er diesen alten Trotteln an seinem Konferenztisch gegenüber Rechenschaft ablegen. Aber er folgte keinem Gott, stattdessen folgte ein Gott ihm. Zwei, wenn man Adam dazurechnete. Und vielleicht würde Malkuth der dritte sein.
Soweit war es gekommen. Er begann die Götter zu behrrschen.
Während die Götter diese idiotischen Idealisten von Guardians beherrschten.
Der Inquisitor hatten sie gesagt....
Ale iacta est.
Der Wüfel ist geworfen worden. – Nun wartet man auf das Ergebniss.
„Meine Herren. Ich erwarte Fortschritte noch innerhalb dieses Tages. Und ich würde mir nicht allzuviele Sorgen machen. Auch nicht um den Inquisitor, denn wie sie wissen, hat er keinen Einfluss auf das Geschehen auf der Erde...nicht mehr.“
„Er nicht. Aber andere seiner Art schon.“, fauchte Wachsgesicht. „Und sein Arm reicht immer noch weit, genauso weit wie der der Götter....mit einem Flüstern nur, könnte er das Gleichgewicht kippen. Sein sie auf der Hut, Harris. Wer immer ihn geschickt hat, der könnte ebenso ein Interesse am Ausgang dieses Krieges haben.“ Ruckartig, schneller als man es erwarten würde, stand der Alte auf und entfernte sich vom Tisch, um in einem Dunsthauch zu verschwinden.
Die übrigen Mitglieder der Magierloge taten es ihm gleich, bis auf den Methusalem, der kurz noch an einem Kaffee nippte, ehe seine Tasse sich in Rauch verflüchtigte. „Mein Junge, ich fürchte der Gerichtssaal ist bereits vorbereitet worden. Hoffen wir, es kommt nicht zu einer Anklage.“ Darauf hin schwand auch er in einem Nebelschleier.
Unwirsch wirbelte Nathan herum, sah dem Japaner Kiyoshi Katsumoto fest in die Augen, atmete mehrfach stoßweise ein und aus, ehe er schließlich den Mund aufmachte. „Holen sie Adam. Ich muss ihn sprechen.“
Untergeben nickte Kiyoshi, tat einen Schritt vorwärst, zögerte dann jedoch. „Was meinte er mit Anklage?“
„Er meinte die Judges. Aber das ist nicht ihre Welt. Sie dürfen sich nicht einmischen, so lautete das Abkommen zwischen ihnen und Yggdrasil – soweit ich weiß. Gehen sie jetzt.“

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Das goldene Licht der Frühlingssonne überzog die walisische Landschaft, die Felder mit ihren buschigen Grenzen, den Baumalleen und natürlich die Hügelwelten von Wales, besonders den Ffynnon Garw in der Nähe von Taff’s Well, dessen Hügelkuppe ganz besonders hervorstach. Wenn irgendein Waliser das gehört hätte, dann wäre Großbritannien schnell wieder ein geteiltes Land, sofern diese Gedanken einem Engländer gehörten, was allerdings im Angesicht der blitzsauberen Zähne, die sich derzeitig im Buttermesser spiegelten (böse Zungen würden behaupten den Eindruck gehabt zu haben, die entsprechende Person hätte in das Messer hineinbeißen wollen – eine Kraftprobe, die das Metall mühelos gewonnen hätte) wohl eher einen walisisch-amerikanischen Krieg heraufbeschworen hätte.
Denn Faith bewunderte ihre Beißerchen recht ausgiebig, ehe Vesta ihr den Butterschneider aus der Hand riss: „Das ist für die Butter und kein Spiegel. Und auch nicht für deine Zähnchen.“ Sie steckte das Messer zurück in die Butter, wandte sich dann mit dem Tablett in der einen Hand nochmals Faith zu, die ihre Füße lässig auf die Lehne des gegenüberliegenden Stuhls abgelegt hatte. „Ich hol eben noch den Brotaufstrich – soll ich dir auch was bringen? Ein Kissen für die Füße? Deinen Mundschutz?“
„Wie wäre es mit einem Bier?“
„Einmal rostbraune Brühe, in der Zeugs drin rumschwimmt. Kommt sofort.“ Mit wehender Schürze stapfte die Wicca wieder ins Haus.
Faith musste anerkennen, dass den Hexen wirklich gelungen war sogar das Aussehen des Hauses abzuändern, dass es in die Landschaft gehörte – als Haus im amerikanisch-viktorianischen Stil, hätte es so gut dazu gepasst wie eine Elektrogitarre zur Queen von England – so aber stimmte es sich zum Rest von Wales ab wie King zu Kong.
Stattdessen leuchteten die schweren, groben Steine im Sonnenlicht, die Fensterläden glänzten in Karmesinrot und Efeu kroch an einer Ecke bereits gen Dach. Der Vorgarten war eine Kreuzung aus einem gepflegten „Schöner-Wohnen für draußen“ Blumenbeet mit Raseneinlage und einem Gemüsefeld zur Selbstversorgung, in dem gerade Tara auf allen Vieren herumrumkroch und sich um ihre Radischen und Mörchen kümmerte, Unkraut jätete und Kartoffeln erntete. Mit einem kreuzgepainigte Gesichtsausdruck hob sie den Kopf und drückte den Rücken durch, ihr Haupt weit in den Nacken gelegt, noch immer im dreck knieend, um die imaginären Schmerzen zu vertreiben, denn, Faith wusste es besser, wie sollte sie auch welche haben, immerhin war nicht einmal ein Mensch (zumindest nicht so wie die anderen). Als Tara sich schließlich ächtzender Weise erhob fuhr sie sich mit der Hand über die Stirn, fast so als würde sie schwitzen, was sie auch tatsächlich tat, wie Faith irritiert feststellen musste, daber aber eine Spur aus Erde als das ganz besondere Tatoo des Tages hinterließ.
„Wenn du Football spielen willst, rate ich dir, den Dreck unter die Augen zu reiben. Dann soll man nicht so geblendet werden.“, zwitscherte Vesta als sie heraustrat und Faith sich das georderte Bier krallte.
„Fingerschnippen wäre bestimmt einfacher.“, murmelte Faith zwischen zwei Schlucken.
Ray gab den Kampf mit dem Rasensprenger auf, an dem er seit geschlegenen zwei Stunden gearbeitet hatte, setzte sich, unbestellt, neben Faith und griff schon zu den Brötchen, als Vesta ihm die Hand mit dem „Wir warten auf alle Blick.“ wegschlug.„Wie mans nimmt. Auf jeden Fall wäre es körperlich wenig mühsam und damit nicht so erstrebenswert.“
„Was ist denn daran >>erstrebenswert<<?“, ätzte Faith.
„Man kann sich an alles gewöhnen. Auch ans Me-menschsein.“
„O-o-offenbar.“, äffte Faith sie nach, nicht mit einem leicht verspielten Unterton, mit einer Spur Häme, den nur Tara wirklich verstand.
Und offenbart wurde auch, dass Kennedy wenig davon hielt, neben Faith am Kopf des Tisches platziert zu werden, denn die dunkle Schönheit warf der amtierenden Jägerin einen Blick zu, der sogar einen Hochhofen der im afrikanischen Hochsommer auf vollen Touren lief mit Eisblumen überzogen hätte, ehe sie sich dem Text der Zeitung widmete, die sie mit hinausgebracht hatte.
„Seht, es kann lesen.“ Faith stellte ihre Flasche ab und griff sich eines der Brötchen – diesmal entging sie Vestas „hand“lungsreichem Strafgericht, da mittlerweile alle Bewohner zusammengekommen waren.
„Ich versuchs. Solltest du auch mal probieren.“, schoss Kennedy zurück.
„Kann der mal einer erklären, dass ich für solche Sprüch zuständig bin?“, das Messer in Faiths Hand zitterte leicht, ehe sie es ablegte und zum Aufschnitt griff. „Einen Faith-Klon brauchen wir nicht.“
„Stimmt.“, pflichtete Satinka vom anderen Ende bei, in ihren indianischen Augen funkelte es. „Zwei von deiner Sorte, wer soll das schon ertragen können?“
„Sogar Pocahontas pflichtet mir bei.“
Sofort legte Sati in gespielter Überraschung die recht Hand auf ihre Brust. „Wow, ich bin....ich weiß nicht was ich sagen soll. Ich ... ich bin echt gerührt.“
Mit wachem Blick, völlig unschuldig und irgendwie ein bisschen neugierig, reckte Kennedy den Hals zu der Navajo hin. „Sagt ihr zwei euch mit diesen Sticheleien eigentlich, wie sehr ihr euch liebt?“
„Was ist dein Vater? Psychologe?“
Kennedy senkte die Zeitung. „Nein. Meine Mutter.“
„Ahhh...“, Faith ertränkte ihren aufkeimenden Zorn in Bier.
Alldieweil warf Tara, während die kleine Schlammschlacht noch munter vor sich hin tobte, einen Blick auf die Zeitungsüberschrift des Leitartikels, der ihre Brauen leicht in die Höhe beförderte.
„Jack is back?“, posaunte die Schlagzeile vollmundig. Und im Zusatz fand sich der eigentliche Bezug: „Viertes Opfer im bizarren Rippermord aufgefunden.“
„Rippermord?“, flüsterte Tara vor sich hin.
Bislang hatte Kaie vor sich hingestarrte, ihre Gedanken weit weg, wie es schien, seit Tagen gedanklich abwesend, doch mit einem Schlag war sie munter und brachte kauender Weise doch noch einen halbwegs verständlichen Satz zu stande. „Wie war das? Ripper?“
„Jau.“, entgegnete Kennedy darauf. „Drei der Opfer davon waren Bordsteinschwalben. Zumindest geht die Polizei davon aus.“
„Geht davon aus?“
„Alles was ich weiß ist, dass vier Frauen auf exakt dieselbe Weise umgebracht wurden.“ Kennedy machte eine typische Bewegung mit dem Finger, entlang ihrer Kehle. „Und weil mindestens drei offenbar im horizontalen Gewerbe zu tun hatten, reden die jetzt schon von Jack the Ripper Nummer zwei.“
„Yuk. Könntet ihr erstmal aufhören?“, meldete sich Dawn sichtlich angeekelt zu Wort. „Ich versuche zu essen.“

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Giles las den Zeitungsartikel nun bereits zum vierten Mal in Folge, nicht etwa, weil er dadurch hoffte, dem Täter auf die Spur zu kommen, nicht weil die Medien wirkliche Informationen zu bieten hatten, sondern um sich vor Augen zu halten was gerade geschah.
Mörder liefen vielerorts herum, Mörder, Vergewaltiger, Kinderschänder, es kam sie wie den sprichwörtlichen Sand am Meer, wenngleich es immer ein Korn unter Tausenden war, aber von all den anderen kaum zu unterscheiden, das galt für die meisten der schlechten Kieselchen.
Es war so ähnlich wie einen Quarz inmitten einer sackinhaltgroßen Menge an Diamanten zu finden.
Interessant waren vielmehr die Opfer – wie so oft richtete sich das Interesse der Menschen eher auf den Täter, auf seine Strafe, die Rache der Gesellschaft an denen, die ihr schadeten, weitaus weniger gekümmert wurde sich dabei um die Opfer. Diese, ersteinmal gefunden waren schnell als „erledigt“ abgehackt im Kurzzeitgedächtnis der Menschheit, die eher an die Opfer erinnerte, wenn man ihnen die Täter vorführte: Bundy, Gein, Manson, Darmer – wer erinnerte sich noch an die Namen der Opfer?
Die Toten nicht vergessen, welch dramatische, heuchlerische Geste, denn die Toten waren vergessen, wenn der Täter gestellt, wenn der Böse, die Inkarnation des Satans gehäutet, gevierteilt, unter Strom gesetzt, ihnen Gift gespritzt oder sie vergast worden waren – das blutgierige Volk konnte seinen Rachegelüsten nachgehen, allein nur im Zuschaun. Zugleich waren sie fasziniert vom Bösen, von den sadistischen Killern, durchgeknallten Psychopathen – eine perverse Faszination, die die Menschen durchzog wie ein Krebsgeschwür, dass sein Opfer jedoch nicht tötete, sondern von ihm lebte, von der Lust am Gaffen, was auch beinhaltete, dem Mörder einerseits auf dem Stuhl braten sehen zu wollen, aber zugleich auch befriedigt hinnahm, was diesen Menschen in die Todeszelle gebracht hatte. Denn andernfalls keine Rache.
Rupert Giles nahm seine Brille ab, rieb sich kurz die Nasenflügel und putzte dann seine Gläser besonders gründlich, während er sich umsah und teils nur die Konturen seiner Zuflucht begutachtete.
„Damit wäre der Fall klar. Der Rat hat die ersten Morde noch vertuschen können, aber dank Travers haben wir es offiziell. Vier getötete Frauen, drei von ihnen tauchen den Listen des Wächterrates auf, das erscheint mir etwas zu zufällig.“, diskutierte Nick Watson, der gemeinsam mit Nalja, wie Giles vermutete, in die Bibliothek kam.
Als Giles seine Brille wieder aufsetzte, fand er sich nicht nur in seiner Annahme hinsichtlich der eingetretenen Diskussionsteilnehmer bestätigt, sondern erblickte auch einen Band der die einzelnen Heftausgaben der Ratsberichte gebunden zwischen zwei Pappdeckeln in sich trug.
„Und in diesen Büchern tauchen sie ebenfalls auf. Zufall?“
Nalja verschränkte die Arme, beobachtete wie Nick sich in einen der engen Gänge zweier Bücherregale zwängte und das Buch wieder an seinen Platz stellte. Giles wurde nicht wirklich beachtet - er hätte genausogut gebraten als Spanferkelverkleidet mit einem Apfel im Mund mitten auf einem der Tische liegen können.
„Der Rat führt über viele Leute Buch. Mein Name steht da auch drin. Eine menge Namen, Männer, Frauen – ich sehe keinen Zusammenhang.“
Mit seinen schlanken Finger trommelte Nick auf den Buchrücken, ehe er sich langsam zu Nalja drehte. „Wenn wir diese Aufzeichnungen mit den Originalen in der Ratsbibliothek vergleichen könnten – zugegeben, es ist schon pfiffig, Namen in einem Buch, aber die Beziehungen der Personen, ihre Bedeutung in einem anderen aufzubewahren. Ich komme mir gerade vor wie Tom Cruise, der diese Agentenliste aufzutreiben versucht.“
Nalja grinste leicht. „Dann hoffen wir mal, dass das hier keine Maulwurfsjagd wird.“ Und damit wandte sie sich an Giles, der ihr wohl doch aufgefallen war. „Sie gehörten doch zum inneren Kreis....“
„Bevor sie weitersprechen, Miss Tucci.“ Giles herhob sich etwas umständlich von seinem Stuhl, dabei wackelte seine Teetasse leicht, was Nalja mit einem verwunderten Ausdruck quittierte – Tee in einer Bibliothek. Das war so wie Taliban als Wachen im Vatikan. Aber man war ja flexibel.
„Ich war nicht der Leiter der dortigen Bibliothek und sehr viel weiter als bis zur Tür bin ich nie gekommen.“
„Tatsächlich?“, hakte Nick nach, den diese Information irritierte, immerhin war Giles selbst ein fähiger Bibliothekar.
„Das Geheimnis der Ratsbibliothek wird von Generation zu Generation unter den Bibliothekaren, praktisch immer vom Vater auf den Sohn, weitergegeben.“
Für eine Sekunde spürte Giles wie Nicks gedankliche Fühler ausgestreckt in seinen Gedanken herumfuhrwerkten, woraufhin Rupert ihn mit einem entsprechenden Blick segnete, der Nick sofort zurückzucken ließ. „Tschuldigung.“
„Soweit ich weiß gibt es niemanden sonst, der Zugang zu den Akten hat, es sei denn der Rat selbst, aber das muss der oberste Wächter bestimmen.“
„Hmmm.“,Nalja kratzte sich am Kopf, entweder eine überzogene Überlegungsgeste oder sie plagte tatsächlich der Juckreiz. „Und Travers Rang im Rat ist nicht hoch genug dafür. Zumindest wissen wir, dass der Rat etwas verbirgt, die Frage lautet was. Und wie kommen wir da heran.“
Bei dem kalten Schluck seines Tees verzog Giles sofort das Gesicht, als hätte er in eine Zitrone gebissen, denn das Gebräu war kalt geworden und schmeckte nun wie fünf Wochen alte Socken. „Wie kommen sie eigentlich auf diesen Fall?“
Sofort huschten Naljas Augen zu Nick hinüber, der ihr einen ebenso bedeutungsvollen Blick zuwarf, verschwiegen, rätselhaft, aber sein Zögern und Naljas steigende Nervosität sprachen die sprichtwörtlichen Bände, leider so deutlich, dass sie als Hörbuch durchgegangen wären. – Eine, wie Rupert in Gedanken festhielt, seltsame Erfindung, ein Beweis auch für den Niedergang der westlichen Kultur in Komerz und Hektik, in der man nicht einmal mehr die Zeit hatte ein anständiges Buch zu lesen, sondern sich es von –möglichst prominenten- Sprechern vorlesen ließ. Faulheit im Angesicht eines überhektischen Lebenswandels. Giles hatte lediglich ein oder zweimal in ein solches hineingehört – das eine mochten seinen Reiz haben, vielleicht auch weil die Stimme ihm zusagte, doch wirklich ungeteilte Aufmerksamkeit konnte man dem Ganzen nur schwerlich entgegenbringen.
Die feinen, dunklen Züge der Hexe mit dem italienischen Namen sprachen nun mit der überdeutlichen Stimme eines Prominenten, den Giles jedoch nicht einordnen konnte – vielleicht weil die Leute, die heutzutage als prominent galten, ihm nichts sagten und er nur auf den Klang in der Zeit verlorengeganger Menschen achtete, deren Stimmen eher dumpf zu ihm vordrangen. Aber er verstand zumindest Teile des Inhalts. Etwas war an dieser Nachricht, etwas, dass ihm nicht unbedingt gefallen würde.
Dann fiel sein Blick auf die Akte in Naljas Hand - mit einer Schnelligkeit, die man ihm nicht zugetraut hätte entriss er ihr die Mappe und heftete seinen Blick sogleich auf die Fotos die vom letzten Opfer geschossen worden waren.
„Was sagten sie? Die Namen der ersten Opfer ... wie war das?“ Giles Stimme mochte ruhig klingen, normal sogar, aber ein gutes Ohr hörte das Beben, das ganz leichte Vibrieren in seiner Stimmmodulation heraus.
„Die Namen der ersten drei Opfer tauchen in den Unterlagen des Rates auf, aber wir haben nur die Kopien – die Originale, die Verbindungen, Bedeutungen dieser Leute für den Rat wurden in Rot gedruckt, sodass es nicht möglich ist sie zu kopieren.“, fasste Nick nochmals zusammen, wobei er ein Seufzen und einen weiteren vielssagenden Blick zu Nalja nicht vermeiden konnte.
„Was weiß man über das letzte Opfer?“
„Abgesehen von der ... Auffälligkeit ihres Aussehen.... wurde sie auf eine Weise umgebracht, nunja.“, begann der Wicca, doch er wurde von Giles Augen mitten im Satz durchbohrt und stockte.
„Auffälligkeit ihres Aussehens?“, schnappte Giles. „DAS?“, er zog eines der Fotos heraus und hielt es Nick direkt unter die Nase.
Auf dem Bild war eine junge Frau von vielleicht gerade einmal zwanzig Jahren zu sehen, deren honigblondes Haar in Blut, dass aus einer langen Schnittwunde am Hals heraustroff, gebadtet um sie herum zerfloss wie ein Heiligenschein. Das Bild zeigte das Gesicht von Buffy Anne Summers.

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Anne, das war ihr Name, der Name der ihr am meisten zusagte, denn noch, so hatte sie sich entschieden, so hatte sie eingesehen, war sie nicht Buffy – sie war Anne. Eine beinahe perfekte Kopie.
Ein Klon mit allen Erinnerungen, allen Gefühlen, allen Stärken und Schwächen von Buffy Summers und doch – sie war anders. Sie fühlte wie ihr etwas fehlte, fast so, als würde ihre anständige Seite geschwächt in ihr sich gegen die aufflammende Wut und den Hochmut auflehnen, doch nicht erhört werden.
Fehlte ihr die Menschlichkeit?
Anne nahm das schlanken Messe, wirbelte herum und traf nicht einmal annähernd ins Ziel – fast so, als ob ihr zuallem Überfluss auch noch die nötige Zielgenauigkeit des Originals fehlte. Sofort, ohne hinzuschaun nahm sie das nächste Messer und platzierte es gute zwanzig Zentimeter neben dem ersten, zu ihrem eigenen Erstaunen punktgenau in die Zielscheibe.
Die letzte Zeit hatte sie sich von den anderen Messengern ferngehalten, auch und ganz besonders von Willow – so sehr sie zu Anfang immer wieder einen alten Freund in ihr sah, so sehr wusste sie, dass dies nicht stimmte. Willow war Buffys Freundin gewesen, nicht die ihre. Und den Rotschopf zu verwirren wollte Anne nicht, Tatsächlich hielt sie sich von Willow fern, weil sie ihr nicht schaden wollte, was an und für sich nicht seltsam war, Tatsache war aber, dass sie Dawn bedroht hatte und wieder bedrohen würde, zugleich würde sie sie aber ebenso wie Buffys ihre beste Freundin beschützen.
So widersinnig, so widersprüchlich waren ihre Gedanken, wie die eines Neugeborenen, dass mit dem Verstand eines Erwachsenen auf die Welt gekommen war und nicht wusste, wie es die erlebten Dinge, Farben, Formen, Worte und all das letztlich verarbeiten sollte. Einerseits strotze es vor Neugier auf die Welt, andererseits fürchtete es sich ungemein vor ihr.
So ging es Anne – sie war unfähig, noch nicht fähig, um korrekt zu sein, denn eines Tages würde sie es bezwingen können, dies alles zu verarbeiten. Eines Tages würde sie wieder ganz sein.
Vollkommen und nicht nur einfach Anne.
Hinter sich vernahm sie das gleichmäßige Klacken von Holz, umkleidet von einem Ring aus Metall, rythmisch zum Klang der Schuhe, Schritte über die Fliesen hallend und dem Zuhörer schon von weitem die Furcht den Nacken hinaufjagte.
Selbst Anne kroch eine Gänsehaut über Rücken und Arme.
Sie warf einen Blick aus dem Übungstand heraus und sah gerade noch die dunkle Gestalt mit dem Gehstock und Zylinder am Ende des Flures um die Ecke verschwinden.
Klack, Klack, Klack.

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Willow erstarrte nicht, aber maß den Fremden mit einer gehörigen Portion Respekt, einer kriechenden Angst, die versuchte sie dazu zu animieren zu flüchten oder zum Angriff überzugehen – War es egal wie sie sich entschied?
Der Mann kam einfach in das astrometrische Labor, sein Stock machte nur „Klack, Klack, Klack“, entfernt und doch so nah, eine Todesuhr, die für den schlug, der nicht die richtige Antwort wusste, versagte in seinem eigenen Kreuzzug, seinen Überzeugungen.
„Guten Abend.“, sprach der Mann mit Anzug und Zylinder, den Stock in der linken Hand. „Ich werde erwartet.“
„Von wem?“, entfuhr es Willow geradeheraus – die Offensive kam ihr sinnvoller vor; eine passive Offensive, in der der Fremde sich zu erkennen geben sollte.
„Von ihnen.“, die Andeutung einer Verneigung, ein angespanntes Lächeln wich aus dem Gesicht mit den hohen Wangenknochen, den wachen Augen und den spitzen Brauen, die dem Mann im Anzug ein falkenhaftes Aussehen verlieh. Willow konnte sich des Eindrucks nicht erwehren in diesem Mann jemand anderen zu sehen, so als hätte sie ihn schon einmal gesehen.
Sein Blick war so vereinnahmend und eisig, selbst als er lächelte, seine Augen lächelten nicht mit ihm, dass Willow sofort wieder das kleine ängstliche Mädchen war – dennoch stellte sie sich dem Unbekannten.
„Kennen wir uns?“ – was für ne einzigartig blöde Frage.
„Meine Name ist Sebastian...“, begann der Mann und umkreiste wie ein Raubvogel die Wicca in der Mitte des Labors, doch interessierte er sich weniger für sie, als vielmehr für die Computer und technischen Spielereien des kathedralenartigen Raumes.. „...ich hatte meinen Wohnsitz in 14b Heresford Lane in London, im Jahres unseres Herren 1888.“ Er sah auf, von der Seite, lauernd, fast meinte man eine Blitzen nicht nur in seinen Augen, sondern auch in seiner rechten Hand sehen zu können. „Wie kam ich hierher, fragen sie sich? Ich wurde gerufen, gerufen nicht um meine Aufgabe fortzuführen, meine Mission. Gerufen einzig wegen ihnen.“
„Mir.....ich....“
„Wer sind sie?“
Willow ahnte bereits, dass jedwede Antwort eigentlich überflüssig wäre, dennoch gab sie freimütig Auskunft. „Willow Rosen....“
„Nein, das ist nur ihr Name.“
Die rothaarige Hexe war verwirrt.
„Wer sind sie?“, wiederholte der Mann.
„Ich habe keine Ahnung was sie von mir hören wollen.“
„Falsche Antwort. – Wer sind sie?“
„Ich .... warum sind sie hier?“
„Immer noch nicht die korrekte Antwort – nun gut, ich bin nicht hier, um sie zu verhören, sondern weil ich etwas von ihnen brauche. Und um ihnen etwas beizubringen, wie man mir sagte.“
„Wer...wer hat sie geschickt.“
Statt zu antworten hielt er ihr den Stock vor die Nase. „Dieselben, die mich angeworben haben, um ihren Verstand zu testen und im Gegenzug wollen, dass sie mir einen neuen Stock herstellen.“
Da stand er, herausfordernd und auf der Pirsch, dem finalen Sprung beinahe liegend wie ein Tier, dass sein Opfer jeden Moment zerfleischen würde, gekleidet, als wäre er von vorgestern, genau wie er behauptete und trotzdem verrückt – schlichtweg ein Irrer. Und der Irrsinn glitzerte bedrohlich in seinen Augen.
Den Augen eines Killers.
1888.

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Sie schlief, soweit wusste sie Bescheid, träumte oder befand sich zumindest tief in ihrem Unterbewusstsein, die Straßen Londons, die sie nie zuvor gesehen hatte und die sie dennoch sofort erkannte, die schmutzigen, nasskalten Pflastersteine, die Droschken, die über diese ratterten, gezogen von Pferden, der Geruch von Tier, von Schmutz und von Abfällen, der trotz der zunehmenden Zivilisierung noch aus den Ecken der Straßen, aus den dreckigen, matschigen Seitengassen gekrochen kam, die Menschen in ihren veralteten Kleidern, den Männern mit den hohen Zylindern und den grausam unbequemen Kragen ihrer Anzüge, die man Vatermörder nannte, die Kleider der Frauen, die manchmal das Hinterteil äußerst stark betonten, ebenso die von Miedern eingeschnürten Taillen – all das erkannte Kennedy sofort.
Und sofort auch fragte sie sich, was sie im alles in der Welt hier tat, warum sie hier stand in der Straße.
Nein, nicht auf der Straße, sie stand am Fenster und blickte von dieser hinaus auf die Vekehrsadern des alten London.
“Letzte Nacht wurde eine Bordsteinschwalbe in Georgeyard umgebracht.“
“Was?“, augenblicklich wirbelte Kennedy herum und starrte dem feisten, sehr großen Mann mit dem schottischem Akzent in die kleinen Augen.
„In Goergeyard, Inspektor.“
Kennedys Augen flogen durch das Zimmer, auf der Suche nach einer Erklärung und zwar innerhalb der nächsten zwei Sekunden ehe der dicke Kerl, der bereits die Augen irritiert zusammenkniff, auf dumme Gedanken kam. Eigentlich hätte Kennedy jetzt lieber protestiert, aber irgendwas sagte ihr, dass das keine gute Idee wäre, auch wenn dies ein Traum war, stattdessen klammerte sie sich mit aller Kraft an das letzte bisschen klaren Verstand, der bereits größtenteils zum Rückzug nach Frankreich geblasen hatte, Napoleons Schlittenkutsche vorneweg. Kennedy mochte aufbrausen können, dessen war sie sich bewusst und genau aus diesem Grunde wusste sie auch, dass sie beiweitem kein Dummkopf war, zumindest über eine gewisse Bauernschläue verfügte, wie man so schön sagte.
Irgendwo schließlich in dem Raum, der teils mit edleren, richtigen Holzmöbeln bestückt war, fand sie einen Spiegel, gerade groß genug um zu sehen, wie sie sich gerade in einem weißen Hemd und mit Weste im Stuhl ihres, tatsächliches ihres, Schreibtisches zurücklehnte. Sie sah aus wie immer.
Nur die Kleidung befremdete sie und kam ihr gleichsam zu vertraut vor. „Das......“ sie drehte eine Zigarette zwischen ihren Fingern, die ihr bis dahin noch nicht aufgefallen war. „....klingt nicht sehr ungewöhnlich.“, Kennedys Blick war auf die Fallakten gewandert, die aufgeschlagen auf dem Tisch lagen und mindestens zwei der Akten, die sie aus dem Augenwinkel ausmachen konnte, behandelten die Ermordung von Huren im Großraum London.
„Es ist die Art, wie man sie erledigt hat. Die Art wie man die Bordsteinschwalbe zugerichtet hat, schreit geradezu nach jemandem mit ihren Fähigkeiten.“
Kennedy zog alle Register ihres Wissens und wenn der Kalender an der Wand stimmte, dann wäre der folgende Satz unheimlich für den dicken Sergeant: „Ist der Name der Frau Martha Tabrant?“
„Woher zum Teufel..... sie hatten wieder einen Traum?“
Traum traf den Nagel auf den Kopf.
„Eine Vision? Oh Mann.“, die Dicke, Kennedy wollte der Name nicht einfallen, schüttelte seinen Schweinkopf. „Früher hätte man Leute wie sie lebendig verbrannt.“
Kennedy grinste leicht im Mundwinkel.
Mit diesem Grinsen noch immer auf ihren Lippen verhaftet, warf sie die Bettdecke zur Seite, das Lächeln verflog und Kennedy starrte in die Finsternis ihres Zimmers.
Einfach nur nach vorne in die Dunkelheit, in der irgendwo das Buch über die Rippermorde lag.
Morgen würde sie alle Hebel in Bewegung setzen, um nach London zu kommen, koste es was es wolle.

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„Wer sind sie?“
Vertieft in ihre Arbeit, mehreren Gliedern aus Holz und Metall, die sie nacheinander, der Größe abwärts vor sich auf den Tisch legte, sah Willow entnervt auf.
„Wollen sie das den ganzen Tag fragen?“
Mr. Sebastian sah hinüber zur Tür, interessiert, nicht beunruhigt, dann blickte er zu Willow und antwortete: „Es ist meine Berufung Fragen zu stellen und wenn es sein muss ohne Unterlass bis derjenige, der verhört wird, entweder eine akzeptable Antwort gibt oder daran zerbricht.“
Vorsichtig, mit Fingerspitzengefühl berührte Willow den langen Stab mit den einzelnen elektronischen Segmenten, mitgebracht von Mr. Sebastian, einer Technologie die ihr Fremd war und doch verständlich – seit Stunden arbeitete ihr Gehirn auf Hochtouren. Und bald würde man sie vermissen, trotzdem tat sie wir ihr geheißen, auch wenn sie nicht hätte sagen können wieso.
Sebastians Blick ging abermals zur Tür.
„Ich habe sie magisch gesichert, die Barriere sollte einige Zeit halten.“
„Interessant – wenn das die Kirche wüsste. All ihre Befürchtungen...doch weiter im Text: Wer sind sie?“
„Eine extrem genervte Hexe.“, murmelte Willow in sich hinein.
„Pardon?“
„Ich... habe keine Ahnung.“ Sie sah auf, versuchte dem Blick des anderen standzuhalten. „Ich weiß es nicht. Ich habe alles aufgezählt, was mir einfällt.“
„So haben sie nichts vorzuweisen, nichts als nur Dinge, die beurkundet, genannt, abgestempelt, durchnummeriert und abgesegnet sind von anderen. Sonst nichts was sie definiert? Ist dies die einzige Möglichkeit sich zu definieren? Durch andere?“
„Ja.“
In aller Ruhe legte Sebastian seinen Zylinder beiseite. „Ja? Was: Ja?“
„Ich definiere mich durch andere, wenn sie das hören wollen. Ich bin das Produkt natürlicher Genetik. Ich bin Mensch, ich bin Tier, ich bin Frau. Ansonsten gibt es nur die anderen, die mir meinen Namen gaben, die mich beeinflussen, die mir Dinge beibringen. So wie sie.
Und ich definiere sie doch auch...“
„Sie gaben mir nie einen Namen.“
Irgendwo in dieser Bemerkung schwang etwas mit, etwas Bedrohliches, dass Willow innerlich auf Defcon 2 gehen ließ. „Aber ihre Eltern. Sie haben ihnen ihren Namen gegeben, sie haben sie aufgezogen, sie haben sie geformt. Und ich bin ihr Auftrag. Also definiere ich sie doch genauso. Sie sind genauso abgestempelt, beurkundet und sanktioniert wie ich“
„Und gibt es nichts, was sie definiert als sie selbst?“
„Ich.“
Schlich dort ein Ausdruck von Bewunderung durch sein hageres Adlergesicht? „Ein Wort. Doch was war zuerst da? Der Gedanke oder das Wort? – Abermals definieren sie sich nur durch ein Wort.“
„Einen Gedanken. Eine Vorstellung. Ja und? Sie wollen doch eine Antwort. ..... Ich.“

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Berons Schritte maßen gleich zweifach die Strecke, die ein jeder andere zurückgelegt hätte, er lief, nein, stürmte regelrecht, obwohl er nicht rannte, sondern jeder Bewegung gemessene Ruhe beimaß, eine fast entspannte Entschlossenheit, den langen Gang hinab, nördlich des Petersdoms im apostolischen Palast tief hinein in die Eingeweide des heiligen Stuhls – er hatte den Prunk der heiligen Mutter Kirche nie viel abgewinnen können, doch Vater Skarsgard fühlte sich von dem vielen Rot schier erdrückt.
Nicht einmal als er den besagten Raum erreichte, indem ihm eine sehr erlesene Runde von Kardinälen und dem heiligen Vater Höchstselbst erwartete, denn im Gegenteil schnürte ihm die bloße Anwesenheit der kirchlichen Würdenträger den Kollarkragen noch enger.
„...wahnsinnige geworden.“, merkte einer der Kardinäle gerade an, als Skarsgard den Raum betrat, die erdrückende Wärme der rötlichen Farben lastete bereits jetzt auf seinen Schultern wie Blei.
„Vater Skarsgard.“, raunte Kardinal Teuben, sein Blick wanderte zwischen dem Papst und Skarsgard hin und her – offensichtlich war Teuben die Zwischeninstanz, die an Stelle des heiligen Vaters sprach. Die graue Eminenz wie man so schön sagte.
„Euer Eminenz. – Heiliger Vater.“ Skarsgard verneigte sich leicht vor dem ergrauten Oberhaupt der katholischen Kirche.
„Wir hörten sie hätten Kontakt mit dem Rat der Wächter gehabt.“
„Korrekterweise....“
„Ja, wir wissen Bescheid. Auch über ihre Beteiligung an einem Konflikt, der falls er publik würde, eine Glaubenskrise herbeiführen könnte.“
„Eminenz?“
Teuben faste den Priester scharf ins Auge. „Die Leute, mit denen sie Kontakt hatten sind Anhänger teils recht fragwürdiger Überzeugungen und wir müssen wissen, ob ihre Loyalität der heiligen Mutter Kirche gilt oder nicht.“
Teuben war geradeheraus; immerhin ein Zug an dem alten Mann, den Beron schätzte, konnte er doch leichter erkennen, was im Kopf seines Gegenüber vorging. Es war mehr als offensichtlich, dass man im inneren Zirkel der katholischen Kirche möglichst wenig, am besten überhaupt nichts mit heidnischen Religionen zu tun haben wollte – Teuben war ein Kardinal von altem Schlag, das wusste Skarsgard, ein konservativer, um nicht zu sagen reaktionärer Vertreter der Kirche, die sich mit ihrem Rechtsruck, hin zu alten Ansichten, in der Welt nicht unbedingt beliebt gemacht hatte, man bedachte allein nur die Aberkennung der Evangelen als Kirche durch den Papst selbst. In solchen Momenten fühlte sich Skarsgard in Zeiten eines Martin Luther zurückversetzt. Er selbst glaubte, er glaubte an Jesus, ebenso wie an die Jungfräulichkeit Marias, andernfalls wäre er kein sehr überzeugender katholischer Priester, aber die immer konservativer werdende Weltsicht mancher Kardinäle behagte ihm nicht und die Kirche musste sich vorwärts bewegen, mit der Zeit gehen, wenn sie bestehen wollte.
„Deswegen werden sie mich nicht herbestellt haben.“, lenkte Beron vom Thema ab, denn es passte ihm ganz und gar nicht in die Ecke gedrängt zu werden – und immerhin gab es einen wirklich wichtigeren Grund für sein Erscheinen im Vatikan, die gespannte Stimmung um dieses Geheimnis konnte man förmlich greifen.
„Haben sie von der Mordserie in England gehört?, fragte ein andere der Kardinäle, anstelle Teubens, der derart säuerlich dreinsah, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen.
„Beiläufig. Warum?“
„Offensichtlich gibt es .... religiöse Implikationen bei diesen Taten.“
„Sie meinen ein religiöses Motiv?“
Teuben schnappte nach Luft und warf dem heiligen Vater einen raschen Seitenblick zu.
„Die Inquisition ist ihnen sicherlich ein Begriff.“
„Sogar, dass sie noch existiert, euer Eminenz. Nur nennt man es jetzt anders. Doch letztlich .....“
„Über die Jahrhunderte hat die Inquisition nicht nur das Ziel verfolgt...nun, sie kennen die Historie. Es gab unter ihnen immer Leute, die sehr spezielle Aufgaben auszuführen hatten, immer dann wenn sich die Ziele anderer gegen die Gemeinschaft der Mutter Kirche richteten.“
Irgendwo in Skarsgards Hinterkopf wurde das Leuten einer Alarmglocke stetig lauter und lauter.
„Dazu gehörte auch, sich eventuell mit Individuen einzulassen, die....“
Beron nickte grimmig. „Einen Pakt mit dem Teufel einzugehen, wenn nötig.“
„Wie können sie....“, erboste sich Teuben, doch mit einer Handbewegung brachte ihn der Papst zum Schweigen, dann begann er selbst zu sprechen: „Wenn die Juden sich über Zion erheben und ein Komet den Himmel teilt, wenn das römische Imperium neu entsteht, dann... dann endet unser aller Leben.“
Eine Stimme drang zu den alten Männern hinab, die Stimme einer jungen Frau, die über ihnen auf einer Galerie stand, zu der zwei Freitreppen führten. Ihr blondes, jungenhaftes Haar fiel in ins Gesicht und zwei durchsichtige, grüne Augen funkelten herab zu der Versammlung, als sie die Lippen bewegte und das Gedicht vollendet. „Aus dem ewigen Meer steigt er empor, stampft Armeen aus dem Boden hervor. Es töten die Brüder sich, die Erde wird leer...“ Elegant schwang sie sich über die Brüstung und landete direkt neben Skarsgard auf dem Marmorboden, ihr Körper gespannt wie eine Feder, angriffslustig und herausfordernd, während sie sich langsam auf die Anwesenden zubewegte, den Kopf gesenkt, die Augen fest auf den heiligen Vater gerichtet.. „...und die Menschheit...die Menschheit existiert nicht mehr.“ Die junge Frau, die in hautenger Jeans, dem roten Schal und ihrer Lederjacke in den Räumlichkeiten des Vatikans ebenso deplaziert wirkte wie ein Clown auf einer Beerdigung, lächelte, ein mysteriöses Lächeln, dass auch nicht erstarb als Teuben und andere sich nicht nur bekreuzigten, sondern sie sofort der Örtlichkeiten verwiesen.
„Du kannst hier nicht hinein! Dies ist heiliger Grund – du bist hier nicht willkommen!“, tobte Teuben bereits und deutete zur Tür.
Ein leises, unmerkliches Aufflackern in den immergrünen Augen der Frau ließ ihn verstummen. „Nicht willkommen? Nicht willkommen? Sie kennen ihre eigene Glaubensbroschüre aber schlecht. Vielleicht sollten sie sie ihn und wieder lesen. Ich schlage das Buch Hiob vor. Die Wette, die euch prüft, die ist so alt wie die Menschheit selbst und sie wird solange dauern bis die Menschheit nur noch ein Flüstern in der Geschichte des Universums ist....“
„Du.... Verführer, Widersacher...!“
Doch Irene lächelte nur, kalt, überheblich, doch nicht ohne Grund, als eine der Altvorderen, der großen Alten war tat sie nie etwas ohne gute Gründe. „Ahja, die Kosenamen.“
„Das ist dein Name. Satan...“
„Ankläger.“, schleuderte Irene zurück. Ein Hauch von Eis wehte über ihre Lippen. „Satan, der Ankläger. Ich bin Gottes rechter Arm, der die Menschen anklagt. Ich klage an!“, sie deutete mit schlanken Fingern auf Teuben, der unwillkürlich zusammenzuckte. „Ich klage euch der verschiedensten Verbrechen an. Ich klage euch der Bigotterie an. Ich klage euch der Unchristlichkeit an. Ich klage euch an, die Werte und Lehren eures eigenen Gottes zu missachten. Soll ich fortfahren oder sparen wir den Rest bist zum jüngsten Tage – wenn der je kommen sollte.“ Zu Berons Überraschung ließ die junge Frau von den kirchlichen Würdenträgern ab und wandte sich ruckartig an ihn, ihr Haar folgte ihrer Bewegung ebenso wie das rote Leuchten des Schals, eine Woge aus gleißender Entschlossenheit, naiver Jugendlichkeit und uralter Weisheit zugleich – welche Kombination aus Blut, Schweiß und Sperma sie auch entsprungen sein mochte: einen Engel des Lichts erkannte Beron vor sich. „Gehen wir. Ich kann ihnen genauso sagen wie die greisen Scharlatane hier, was zu tun ist.“ Ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen huschte die junge Frau an Vater Skarsgard vorbei.
Beron zögerte sichtlich, er gewahr den warnenden Blick Teubens.
„Mein Sohn, verfalle nicht dem Bösen.“
Er blickte den alten Kardinal direkt in die grauen, trüben Augen. „Wenn sie herausgefunden haben, wie man die Bösen von den Guten unterscheidet...dann lassen sie es mich wissen. Eure Heiligkeit.“ Skarsgard verneigte sich knapp und schritt schnellen Fußes der jungen Frau hinterher, schnell genug, um nicht den Eindruck zu erwecken, es würde ihn nicht interessieren und er warte nur darauf, dass Teuben ihn zurückholen ließ und doch nicht zu schnell, um sich ein Stück Würde zu bewahren, sollte es doch nicht so aussehen, als wolle er fliehen.

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„Was wissen sie über Prophezeiungen?“, fragte Kennedy, deren Blick an der Landschaft, die an dem Zugfenster vorüberschnellte, haftete, als wollte sie diesen Anblick nicht mehr loslassen – die ganze Fahrt über hatte sie nur mit finsterer Miene zum Fenster herausgestarrt.
Ray Cummings legte seufzend die London Times aus der Hand und bedauerte zum ersten Mal in seinem Leben Nichtraucher zu sein – wäre er Raucher gewesen und hätte man ihn nicht, wenn er dieses Lungenschädigende Vorhaben in die Tat umsetzen würde, achtkantig aus dem Zug geworfen, er hätte zumindest etwas zu tun gehabt, statt stundenlang ein und dieselbe Zeitung hin und herzudrehen, denn mittlerweile konnte er einige Passagen daraus, witzigerweise am besten die Stellenanzeigen, schon auswendig aufsagen. „Nur, dass sie in der Regel irgendetwas Schlechtes vorhersagen. Das gehört dazu wie der dumme Spruch „Wie im echten Leben.“ wenn im Film einer stirbt oder sowas.“
„Wieso das?“
„Ich hab da ne Vermutung: Der Mensch ist unfähig die guten Ereignisse in seinem Leben zu schätzen, er nimmt nur die schlechten Dinge wahr oder sagen wir, er nimmt sie eher zur Kenntnis. Daher gelten die negativen Geschichten gemeinhin auch als realistischer, auch wenn sie, genauso wie die Happy Ends auch nur einen Ausschnitt zeigen.“
Kennedy starrte weiterhin nach draußen, ihre Stimme war mehr ein Murmeln, denn als klar zu bezeichnen. „Also sind wir alle masochistische Idioten, die sich nur wohl fühlen, wenn’s weh tut?“
„Vielleicht etwas überzogen .... sagen wir, ich denke, dass da zumindest was Wahres dran ist. Man findet sozusagen Bestätigung darin...aber wenn du mich fragst, ich halte das alles für einen Riesenaffenzirkus. Originalität gibt es zwar nicht, aber so richtig gut zubereitet ist doch kaum etwas, sei es ein Roman oder ein Film. – Ich glaub wir schweifen ab.“
Kennedy zuckte mit der Augenbraue – der Zug wurde langsamer, die Durchsage von der Einfahrt in den seit seinen regelmäsßigen Auftritten in den Büchern einer gewissen Engländerin, deren Konto höhere Beträge aufwies als das der Königin, nunmehr berühmten Bahnhof Kings Cross von London. Dieser Rupert Gieves oder Giles, Kennedys Namensgedächtnis war nicht das beste, besonders bei Leuten, die ihr eigentlich am Arsch vorbeigingen, würde sie vom Bahnsteig abholen.
„Um ehrlich zu sein habe ich von Prophezeihungen nicht viel Ahnung, nur, dass sie meist von Seherinnen gemacht werden, die selbst nicht die Macht hatten, die Menschen zu lenken. Die Macht lag stets bei den Priestern.“
„Also nur nützliche Idioten....“, murmelte Kennedy. Sie seufzte. Irgendwie war ihr nach Schlafen, doch das konnte sie nun knicken.
„Das klingt zwar leninistisch, aber...ja.“
Plötzlich trat Kaie an ihre Sitzreihe heran, sie hatte ein Stück der Fahrt weiter vorne den Barmann mit ihren Sorgen beladen, immerhin hatte dieser rollende Blechsarg soetwas wie einen Speisewagen, doch nun da sie kurz vor Vollendung der Reise standen trippelte sie mit den Fingerspitzen auf der Rückenlehne eines irritierten, distinguierten Herren.
„Wenn wir dann mit dem Grundkurs Leninismus fertig wären, wir müssen dann so langsam.“

Am Bahnsteig wartete tatsächlich bereits der einstige Wächter von Buffy Summers, allerdings nicht im erwarteten Tweedjacket, sondern mit Lederjacke und lockerer Jeans, ein seltsamer Anblick für das archetypische Fossil eines Bibliothekars, dass man sich zweilsohne unter Rupert Giles vorstelllen mochte.
Giles verlor keine Worte der Begrüßung, sondern führte die Neuankömmlinge ohne Umschweife durch den Bahnhof, der ziemlich genau zur Mitte des 19ten Jahrhunderts aus sandfarbenem und dunkelgrauem Stein, ein Zeitzeichen der viktorianischen Ära erbaut worden war. Statt sie aber zur Bahnhofshalle und auf die Straßen Londons zu eskortieren, und in diesem kurzen Moment hätte man beinahe denken mögen, er suche das Gleich 9 ¾, das immerhin gut ausgeschildert war, doch betrat Giles wortlos einen Warteraum und trat an einen der dort stehenden Getränkeautomaten. „Was möchten sie?“
Ray, der als einziger sowas wie eine Antwort gab, die nur in verwirrt gutturalen Lauten bestand, einem verenden Röcheln nicht unähnlich, zuckte mit den Schultern.
„Warum sind sie eigentlich nicht durch die Portale des Hauses gekommen, dies wäre ein viel direkterer Weg gewesen?“, fragte Giles, während er sich nochmals umsah, um sicherzugehen, dass niemand ihnen gefolgt war. „Also, ich ziehe Lemon vor.“, darauf drehte er sich von seinem Gefolge ab, statt aber zunächst Geld einzuwerfen, suchte er sofort die Wahltaste, und machte einen Schritt zurück. Der Automat schwang zur Seite auf und gab den Blick frei auf einen dieser typischen dunklen Durchgänge, doch dieser endete nach nur einem Meter gleich an einer eisenbeschlagenen Eichentür.
„Ich stehe nicht so sonderlich auf diese Art des Transports.“, warf Kennedy ein.
Der lange Gang, der sich hinter dem Automaten verbogen hatte, war, anders als erwartet, nicht mit Fackeln erleuchtet, sondern glänzte durch kalte Neonröhren eines ewig langen, einem Fleischwolf nicht unähnlichen Metallschachtes.
„Soll man sich hier gleich durch die Mangel gedreht fühlen, oder wie?“, kommentierte Kennedy den innenarchitektonischen Wahnsinn aus eisigem Metall.
Giles bedachte sie nur kurz mit einem Seitenblick. „Was führt sie eigentlich hierher? Ihre Anfrage war – gelinde gesprochen- vage.“
„Sagen sie jetzt nicht, sie hätten nichts von der Mordserie mitbekommen, die die Polizei hier in Atem hält. Sie haben uns praktisch extra hierher beordert.“
Bei dem Worte „Mordserie“ zuckte Giles unmerklich zusammen und Kennedy versuchte mit Ray einen Blick auszutauschen, begegnete jedoch nur Kaies Augenpaar, dass sie undurchsichtig was sie dachte, regelrecht durchbohrte. Kennedy sah, halb irritiert, halb wütend, ob des Blickes, der ihr unangemessen Tadel entgegenzubringen schien. Vielleicht täuschte sie sich aber auch nur gewaltig.
„Haben wir nicht. Ich weiß nicht, wie sie darauf kommen, dass wir sie angefordert hätten Aber wir verfolgen alles das was von Interesse ist....“
„Also: Ja.“, unterbrach Kennedy Giles und überging sein Einlenken hinsichtlich des offenkundigen Missverständnisses zwischen Giles und Nick, und diesmal wurde wirklich tadelnden Blickes gestraft, von Giles als auch von Kaie, die sachte den Kopf schüttelte. „Was wissen sie über prophetische Träume?“
Nun war es an Ray finster dreinzuschauen – Kennedy war sich bewusst, dass sie gerne mit der Tür ins Haus fiel, aber sie sah nicht ein ihre Zeit mit unnützen Höflichkeiten zu verschwenden und nicht zum Punkt zu kommen
„Das Besprechen wir besser unter uns. Ich denke nicht, dass man das hier im Gang erörtern sollte.“
„Oh, wie gewählt er doch parliert. Hören sie, Bücherwurm, ich hab keine Zeit für diesen Mist.“, zischte Kennedy.
Giles blieb stehen, eine unbewegliche Miene wie in Granit gemeißelt, doch mit einer drohenden Vibration in der Stimme. „Dann halten sie einfach den Mund und folgen sie mir.“

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„Ich glaube nur nicht an den Teufel ... in Menschengestalt.“
Irene Adler reckte ihr Kinn der Sonne entgegen. „Man nehme das eine und lasse das andere liegen. Wie bei einer Salatbar? Oder wie? Oder sieht man den Teufel heutzutage nur noch als psychologischen Aspekt? Gott bleibt aber Gott?“
Beron verbrühte sich die Lippen an seinem Espresso, verzog das Gesicht und stellte das Tässchen wieder ab.
„Wicca glauben so gesehen auch nicht an den Teufel – zumindest distanziert sich die Mehrheit von dem personifizierten Bösen. Aber das man nicht an etwas glaub, bedeutet nicht, dass es nicht existiert.“
Eindringlich betrachtete Beron von Skarsgard die Frau mit dem kurzen, jungenhaften Haarschnitt, die ihm in einem Cafe mitten in der Altstadt Roms gegenüber saß „Sie sprechen von einer Religion, die im letzten Jahrhundert gegründet worden ist, lange nach der Zeit der Aufklärung. Auch wenn sie auf heidnische Naturreligionen zurückgeht, die älter sind als das Christentum, kann man wohl eher sagen, dass sie...“
„...modische Erscheinung für orientierungslose Menschen ist, die sich von den etablierten Religionen abwandten?“
„Sie versuchen eher Altes neu zu ordnen.“
„Interessante Vorstellung. Altes neu ordnen. Eine Modernisierung von alten Religionen, von altem Glauben. Mit neuen Begriffen und Interpretationen? Die Gottesvorstellungen im Wandel der Zeit. – Vielleicht bin ich schon zu alt für die Welt? Verbraucht? Unflexibel geworden?“ Irene blinzelte zu Beron herüber.
„Sie sind nicht der Teufel.“
Ein Lächeln kroch über ihr Gesicht. „Nur weil sie nicht an mich glauben, heißt das nicht, dass ich nicht existiere. Ihr Menschen seid wirklich interessant. Selbst wenn ihr einer Tatsache gegenüberstehen würdet, ihr könnt euch dazu entschließen daran zu glauben oder nicht.“
Beinahe hätte sich Beron abermals an seinem Espresso verbrüht, doch zum Glück konnte er die goldumrandete Tasse weit genug von seinen Lippen fernhalten. „Sie sehen den Teufel als Tatsache?“
„Tatsache ist, dass ihr alltäglich vom Teufel umgeben seid. Tatsache ist, dass ihr ihm jeden Morgen im Spiegel begegnet. Ich bin nur eine der vielen Möglichkeiten. Ich bin... der Spiegel. Das ist meine Aufgabe hier.“
„Aufgabe?“
Seufzend wandte sich Irene mit plötzlich desinteressiertem Blick von Beron ab. „Sie fangen an mich zu langweilen.“
Doch statt sich weiter mit der undurchsichtigen jungen Frau zu beschäftigen, warf Beron lieber einen Blick auf seine Bordkarte, die ihm verriet, dass ihr Flug erst in einigen Stunden ging – gut oder nicht gut, er hatte noch die Muße sich mit dem unergründlichen Antlitz von Irene Adler zu beschäftigen.
Oder mit den versiegelten Anweisungen des Vatikans, die ihm einer der Priester hastig überbrachte, waren die Würdenträger doch nicht mehr dazu gekommen, ihm alle Einzelheiten zu verraten.
Das Siegel war leicht gebrochen, ein Seufzen und Hoffen, es möge nicht das siebte aller Siegel sein, öffnete von Skarsgard den dicken Umschlag und zog das Dossier daraus hervor.
Einige Minuten sah er, verwirrt zu Irene Adler hinüber, eine Sekunde zweifelnd, abermals die Blätter vor sich überfliegend, doch letztlich geradezu gezwungen zu glauben was er laß.
„Warum kommen sie zu mir?“
„Sie haben es gelesen. Sie wissen nun um eines der dunkelsten Kapitel der Kirche.“
Kopfschütteln, mehr aus Trotz, denn aus Erkenntnis, sondern aus Überzeugung, war Berons ganze Antwort.
„Aber ....“
„Warum? Macht... man stelle sich vor, alles würde nach dem Willen nur eines Menschen oder einer Organisation laufen. So funktioniert das nicht. Es funktioniert nur, wenn ein ewig kalter Krieg zwischen diesen Mächten herrscht. So funktioniert die Welt. Hin und her. Das ist hier auf Erden so und im ... Himmel oder der Hölle, nennen sie es wie sie wollen, nicht anders. Wir bewahren das Gleichgewicht. Das ist unsere Aufgabe. Und nun..“ mit einem Nicken wies Irene auf das entfaltete Dossier in Berons Händen.
„Nun ist das Gleichgewicht aus den Fugen?“
„Deswegen bin ich hier. Ich und die anderen...“
Doch Beron sollte nicht mehr herausfinden wer diese ominösen anderen waren, denn Irene schwieg sich von nun an aus, sah meist an ihm vorbei und besprach nur noch das Nötigste mit dem Priester.

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„Kein größerer Liebesbeweis, kein größeres Opfer gibt es in der Welt, als sein eigenes Leben für einen Bruder niederzulegen.“ Mr. Sebastion maß den Raum mit langen, allerdings nicht übertriebenen, sondern stets bedachten, autoritären Schritten ab. „Oder Schwester.“ Er sah zu Willow, in deren Händen der Knauf des Stocks ruhte und den sie genauso maß, wie Sebastian nicht allein den Raum, sondern vor allem sie musterte.
„Oder.....“, seine Augen wurden zu glühenden Schlitzen in der Dunkelheit. „....etwas völlig anderes. – Hmmm, sie müssten inzwischen angekommen sein.“, sprach Sebastian, mit einem kurzen Blick auf seine Taschenuhr.
Entnervt ließ Willow den Knauf auf den Tisch krachen, ständig wurde man an der Nase herumgeführt, von Fremden bekam man unverständliches und völlig verquerstes Zeug erzählt. „Was.....Was wollen sie?“
„Warum sind sie hier? Wieso sind sie zu denen übergelaufen?“
Wozu immer diese Gegenfragen? Willow schnappte nur kurz nach Luft, zögerte, ihr Blick streifte die Kristalle, die bereitlagen in den Stock eingebaut zu werden. „...weil...weil ich sie brauche.“
„Sie?“
„Tara.“
„Wieso? Was könnte ein Mensch, so eingeschlossen in sich selbst, letztlich doch, der traurigern Wahrheit trotzen, allein mit sich, an einem anderem so Wichtiges finden? Die Wahrheit ist: Wir sind alle allein.“
Darauf wusste Willow keine Antwort – sie starrte nur vor sich hin, leere in ihrem Kopf, unendliche Leere, die ihr kein Leid zufügte, doch letztlich auch keine Erkenntnis brachte. Das Nichts, wenn man einfach nicht über das Sein, die Frage nach dem Warum nachdachte, schien so verlockend im Angesicht all des Schmerzes, den das Wissen mit sich brachte. So viel einfacher schlichtweg nur im Augenblick zu leben, so wie Willow viele Jahre lang gelebt hatte und doch, da waren all die Momente voller Erkenntnis, die sie schmerzten, aber zugleich mit Zufriedenheit nährten, denn sie machten sie zu weit mehr als sie je hätte sein können. Wie konnte der Mensch besser sein, ein besseres Leben führen, strebte er nicht nach Erkenntnis, ein besseres Leben nicht für sich, sondern vor allem auch für andere. Die anderen, all ihre Freunde, die ihr Familie geworden waren und die sich weiter und weiter entfernt hatten, mit der Einsicht, dass sie um diese kämpfen musste, wollte sie sie behalten. – Willow entschied sich für das Leid. Und in dem Moment, da sie merkte, dass sie in ein schwarzes Loch fiel, in der Sekunde, da in ihr die Erkenntnis reifte, da war dort nur dies eine: Licht.
Sie fiel. Vielleicht hatte sie nie aufgehört zu fallen. Oder fiel sogar noch immer vom Dach des Hochhauses hinab zur Straße und hatte sich alles andere nur eingebildet. Auch die Hand, die die ihre ergriffen hatte.
Doch da war dieses Licht. Das Licht eines Sterns, das Willows Augen blendete.
Sie sah ihre Hand an, die Finger sich mechanisch krümmend.
Die Hand in der Hand des anderen.
Der Herzschlag, der des anderen war.
Teil eines Ganzen, nur ein Element, ein Stern, ein Teil von dem das einst alles war.
„Die Wahrheit? – Ihre Wahrheit ist nichts wert... Wir sind alle Sternenstaub, Behalten sie ihre Glückskeksweisheiten für sich...“, mit unverholener Angriffslustigkeit sah Willow in das Dunkel, in dem der Mann mit Anzug und Zylinder stand.
„So? Willow hat Recht und die Welt Unrecht. Aber vielleicht ist es ja umgekehrt und die Welt hat Recht und Willow Unrecht?“
„Nein.“ Abrupt stand die rothaarige Hexe auf. „Nein.....“, Unsicherheit in ihrer Stimme, zu dem kleinen Mädchen in Latzhose werden, doch wozu einknicken – vor Autoritäten, die keine waren? Sich dem beugen was war? Sie schüttelte ihren rostfarbenen Schopf „Allein? Das sind wir nicht – wie auch, wir sind doch nur Teil eines Ganzen ...Teile eines, naja, eines Lebewesens.“
„Lebewesens?“
„Das Universum. – Das ist ein Dings... ein Lebewesen. Und wir sind nur wie die kleinen Enzym-Typen, die den Zucker das Fett auf ihren Hubwagen durch die Aterien fahren.“
Reichlich verwirrt sahen sie die stechenden Augen des Inquisitors an.
„Und deswegen habe ich Recht – ich bin das Universum. Jeder ist das. Ja, ich habe Unrecht, aber deswegen ich habe auch Recht.“ Wütend trat sie ihm gegenüber, in den Fingern deren Knauf des Stocks, den sie fahrig hin und herdrehte. „Und deswegen sind wir nicht allein. Deswegen kämpfe ich um sie...um Tara. Und Adam kann mir dabei helfen!“ – Willow schrie beinahe.
Mr Sebastian hielt dem Blick der Hexe stand, urplötzlich jedoch, drehte er sich um. „Sie sollten das zu Ende bringen.“ Mit einem Wink wies er auf den Griff des Stocks, der noch immer in Willows Hand ruhte und darauf wartete in einen gebrauchsfertigen Zustand versetzt zu werden.

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Rupert Giles putzte sich bereits zum Hundertsten Male seine Brille und war sich sicher, dass er sein Gegenüber damit regelrecht in den Wahnsinn trieb, denn der ohne schon verbissene Ausdruck im Gesicht Kennedys, verspannte sich von Minute zu Minute zusehends.
Doch darauf nahm Giles keine Rücksicht, denn er zog es vor gehört zu werden und nicht alles schnell, schnell hinter sich zu bringen. Und so formulierte er sich in irritierten Blicken und dem obligatorischen Brillenabnehmen und Putzen desselbigen.
„Es ist nicht üblich, dass Jägerinnen von der Vergangenheit träumen, eigentlich richten sich ihre Blicke...“, begann der Bibliothekar seinen Vortrag zu wiederholen.
„Rede ich Lappländisch? Ich träume es nicht einfach...ich bin da. Es war...da war ein Raum, ein Büro der Polizei. Jahrhundertwende – also 1800-irgendwas. Und der Dicke Kerl hat mich Inspektor genannt. Und wehe sie fragen blöde: Ich wusste, dass Martha Tabrant das Opfer war.“
„Godley.“, kam eine Stimme von hinter Kennedy, die sofort herumwirbelte.
„Was?“
„Seargent Peter Godley. Er war einem Inspektor beim Yard unterstellt, der die Ripper-Morde untersucht hatte.“
Etwas zu hastig setzte sich Giles seine Brille wieder auf. „Wir hatten uns darauf geeinigt.....“
Der schlanke Mann mit dem goldblonden Haar schüttelte den Kopf. „Nein, sie wollten nicht, dass wir darüber reden.“ Er sah zu Ray und der Vampirin neben ihm, die die Couch mit Beschlag belegt hatten. „Hallo Ray.... Mrs Adams. Oder waren wir beim Vornamen?“
„Vornamen.“
Raymond Cummings grüßte mit einem Nicken, ehe er mit der linken nach seinen Kaffee angelte. „Nick. – Willst du damit sagen.....“
„Moment. Wir wissen nicht mit Sicherheit, ob das miteinander zusammenhängt.“
Kennedy hob, die Schnute eines genervt, schmollenden Kindes aufgesetzte, die Hand. „Hey, hallo.... ich bin auch noch da und ich hab diesen Buchabstauber da drüber was gefragt. Wenn das was damit zu hat, dann will ich, dass man mir sagt....“
„Ich fürchte, so Leid mir das tut....“, Nick deutete eine leichte Verbeugung an. „...dass man ihnen von Seiten der Wächter nichts sagen wird. Die Wahrheit ist einfach zu brisant, als dass sie für ihre Ohren geeignet wären.“
Verächtlich schnaubte Kennedy. „Also, haben die Schiss, dass jemand rausfinden könnte was Sache ist.“
Giles betrachtete die Bügel seiner Brille, nachdem er diese erneut abgenommen hatte, setzte das Nasenfahrrad wieder auf und seufzte innerlich.
„So könnte man es nennen .... ich denke...“ Nick bedachte Giles mit einem Seitenblick. „...dass man über die Phase dieser Art Unmündigkeit der Schutzbefohlenen hinweg sein sollte, aber das ist nur meine Meinung.“
Ohne irgendwen anzusehen blickte Giles beabsichtigt ins Leere, vorbei an den Anwesenden. Er entsann sich an den Tag, an dem Quentin Travers ihn dazu aufgefordert hatte seine Jägerin zu hintergehen, sie im Unwissen zu lassen über den Test, den man durchführen wollte, in der Tradition verharrt, und mit dem man nicht nur Buffy, sondern, weit schlimmer, die ihr Naheständen in Lebensgefahr gebracht hatte – ihre Mutter.
„Augenblick, ehe wir hier fortfahren, sollten wir erst einmal klären, wer Miss Kennedy...“ Die Angesprochene zuckte zusammen und Giles Vermutung, dass sie diese Anrede seitens Ray Cummings’ nicht sonderlich schätzte, war mit dem kurzen, aber tödlich giftigen Blick bestätigt. „...hier nun helfen kann. Kaie und ich sind hier, wegen der Mordserie in der Gegend und es wäre wohl sinnvoller....“
„....wenn alle im Raum zuhören. Ich denke nämlich, und ich bin da nicht der einzige, dass die Klärung des einen, hilfreich sein könnte bei der Lösung des andern.“
Abwehrend hob Giles die Hand, er richtete sich in seinem Sessel demonstrativ auf. „Moment, das ist bislang nur eine Vermutung. Sonst nichts. Wir wissen von ihren Träumen gerade einmal ein paar Stunden und wir sind das währenddessen mehrfach durchgegangen. Die Namensgleichheit ist....
„...Zufall? Darauf würde ich keinen müden Cent wetten. Ich nehme an, Mr Giles, sie haben einen noch besseren Witz auf Lager.“ Nick blieb zwar charmant, trotz des deutlichen Sarkasmus’ in seinen Worten, vor allem aber seine Stimme blieb so weich wie schon die ganze Zeit über.
„Ist das eigentlich normal hier, dass sich die Leute gegenseitig ins Wort fallen?“, fragte Kennedy geradeheraus.
Nick und Giles lieferten sich verbissen ein stummes Blickduell, dass der Wicca gewann. „Zurzeit schon. Eine Frage, Miss Kennedy....“
Ein Brummen entrang sich ihrer Kehle.
„Sagt ihnen der Name Abberline etwas?“
„Ja, das ist zufälligerweise mein Nachname.“, konterte die Anwärterin auf den Jägerinnenposten.
„Interessant nicht?“, sagte Nick, als er Kaies Reaktion bemerkte, die sich aufgesetzte hatte und von Nick zu Giles und wieder zurück blickte. Stille legte sich über den Raum, die einzig und allein von Zischen der Kaffeekanne her unterbrochen wurde.
„Für die unwissenden Amerikaner bitte noch mal verständlich bitte.“, beendete Ray die Gesprächsflaute.
„Abberline. Fredderick Abberline, leitender Inspektor im Ripperfall von 1888.“ Kaies Stimme war leise, mehr wie der Hauch eines Wispern in der Dunkelheit, doch noch immer laut genug, um sie zu deutlich vernehmen. „Ich hab ihn gekannt, flüchtig nur, aber...ja., das ergibt alles langsam einen Sinn.“
„Und ihr Name lautet Kennedy Abberline.“, erklärte Nick Watson, mehr zu den anderen, als zu Kennedy, die ein Gesicht aufsetzte, als würde man ihr Informationsrauschen aufbinden, was, aus ihrer Sicht betrachtet, sogar der Fall war. Lediglich die Angelegenheit mit dem Inspektor, die musste sie bei all ihrer Vorarbeit über den Ripperfall wohl vergessen haben oder nie auf ihn gestoßen sein, was, und das wusste Giles auch so, letztlich unmöglich war. Der Name war nicht sonderlich verbreitet, doch auch nicht derart selten, dass man nicht von Zufall sprechen konnte. Und genau das wollte Watson nicht einsehen, zugleich aber, und zu Giles innerer Scham musste der Wächter gestehen, dass seine Schlussfolgerung vollkommen zutraf. Giles kannte die Akten.
„Wir gehen von folgendem aus: Nämlich, dass sie, Kennedy, in direkter Linie von Freddick Abberline abstammen. Daher wohl auch ihr Träumen.“
Die Akten über die Jägerinnen; er hatte sie in den vergangenen Tagen genauestens studiert, denn mit dem Wegfall des Reglements des Rates der Wächter, gelangte er nunmehr an eben dies brisante Material. Gerade all die Kopien, die er im Archiv der Templer gefunden hatte, tief im dunklen Bauch des hiesigen Magistratsgebäudes. Aber die Frage war, ob sie auch dafür bereit waren.
Für die Wahrheit.
Giles erhob sich so würdevoll wie möglich von seinem Sitzplatz, ging durch den Warmbeleuchteten, zu einem Wohnzimmer umfunktionierten Kellergang zu der Schrankwand auf der anderen Seite und öffnete einer der Schubladen. Wieder ein innerliches Seufzen. Fehler einzugestehen, die man begangen hatte, dafür war es vielleicht zu spät.
Viel zu spät.
Doch wie viele Fehler mussten noch gemacht werden?
Giles warf Kennedy die Akte zu und die Bilder der ermordeten Frauen rutschten heraus: eine jede sah aus wie die andere.
Jung, nicht sonderlich groß, mit grünen Augen und honigblondem Haar.

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In der Gasse war es stockfinster, nur der schwache Lichtschein der Straßenlaternen beleuchtete ein wenig mit orangrotem Dunst den schmalen Weg zwischen den Häusern. Beron von Skarsgard zog sich seine Jacke enger noch als den Priesterkragen, denn zur Dunkelheit hatte sich nun noch eine feuchte Kälte geschlichen. Das englische Wetter spielte ihm übel mit, denn nicht wenige seiner Knochen ächzten und zogen in ihm, als wollten sie schnellstmöglich weg ins Warme an den Kamin.
Irene Adler hingegen schien die Kälte nicht zu spüren, lediglich einmal hatte sie ihren roten Schaal gerichtet und das auch nur, weil dieser verrutscht war. Ansonsten genoss sie entweder das Warten in der Dunkelheit bei Kälte, die Niesel mitbrachte, der eine geheime, gemeine Liaison mit dem Frost einzugehen schien und in jede Ritze der Kleidung kroch. Oder aber sie war vollkommen teilnahmslos. Genau konnte das Beron nicht sagen, denn die junge Frau mit dem plagiierten Namen stand im Schatten und –wie Beron mit einem Stirnrunzeln feststellen musste- las.
„Gutes Buch?“, versuchte Skarsgard ein wenig Smalltalk zu entfachen, um die Kälte zu vertreiben.
„Eigentlich ein Zeitungsroman, den man irgendwann zwischen zwei Buchdeckel gepresst hat. – Aber ja. Die drei Musketiere. Schon mal gelesen?“
„Gesehen. Vincent Price als Richelieu hat mir gut gefallen, aber auch Tim Curry war irgendwie gut. Auch wenn’s ein Disneyfilm war.“
„Nicht etwa Charlton Heston?“
„Lieber Gott....das Schauspielerin hat der Mann nicht gerade
erfunden.“
„Und Mylady?“
„Das ist eine unfaire Frage.“
„Unfair, weil ich sie einem katholischen Priester stelle?“
Als Antwort räusperte sich Beron lediglich. „Worauf in .... Namen warten wir eigentlich?“
„Keine Ahnung worauf sie warten, aber ich warte auf das Morgengrauen. – Still jetzt, sie verscheuchen sonst die Fliege im Honig.“
Welche Fliege auch immer gemeint sein sollte.

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All die Zeit, die sie nun über den Akten von Scotland Yard nun schon hingen, Akten, die weit über hundert Jahre alt waren und genauso rochen, hatte Kennedy lediglich eine Reihe von Deja vus, ohne aber den Eindruck zu haben vorangekommen zu sein.
Im Gegenteil fühlte sie sich eher, als würde sie, jedes Mal da sie einen Aktendeckel öffnete und ihn dann wieder schloss, sich im Kreis drehen.
Natürlich war der Mann, der die fünf Frauen jetzt im neuen Jahrtausend umgebracht hatte ein Trittbrettfahrer. Die Handschrift war nicht dieselbe, zumal Kennedy nicht daran glaubte, dass der echte Täter von damals noch aktiv war. Möglich war wohl in ihrem Metier eher ein Fremdwort, noch befremdlicher für einen Außenstehenden, dass sie Begriffe wie Metier kannte: Kennedy prahlte nicht gerne mit dieser Art Wissen, auch wenn sie es gerne ausgekostet hätte, aber ein Leben unter Menschen, die nur so lebten, sich nur so gaben, so reichlich ein- und verbildet, so hohl und leer in ihrer Welt der neumodischen Aristokratie, einem modernen und bereits jetzt Ancien Regime , hatte sie dazu gebracht sich definitiv nicht so zu verhalten wie ihre reich und reicher-licht verwahrlosten Erzeuger.
Ihr Blick blieb bei einem der Polizeireporten stehen, der von Abberline selbst geschrieben worden war – ihr Vorfahre, wenn man den Worten des windhundartiges Magiers, oder Hexers, oder wie immer die sich schimpfen mochten, glauben schenken konnte. Sie war keine fünf Minuten auch nur halbwegs mit dieser seltsamen Mischpoke aus Hexen, Vampiren und Werwölfen bekannt und schon wurde ihr eine Vergangenheit angedichtet auf die sie wahrlich verzichten konnte. Andererseits....
„Wo waren die ersten Morde nochmal?“
Der Staturenabstauber, Ray, suchte umständlich in der Akte. „...einer in der Duward Street und Hunbary Street – soweit die offizielle Version. Dann noch in...“
„Der Henriques Street. Elizabeth Stride – aber es ist nicht klar, ob sie wirklich ein Opfer von Jack war.“
Der Kurator blinzelte die junge Frau an. „Vorsicht...“
„Wieso: Vorsicht?“
„Sie nennen ihn bereits beim Vornamen, oder besser Spitznamen. Sie wissen doch was man sagt über Tiere, denen man Namen gibt?“
Scherzkeks. Aber er hatte nicht völlig Unrecht, auch wenn Kennedy das nie zugeben würde. „Er war damals schnell. Eine knappe Dreiviertelstunde nach dem Mord an Stride hatte er bereits Catherine Eddows umgebracht.“
„Und was ist daran so besonders.“
Besonders war, dass Kennedy sich plötzlich wie nach einem Marathonlauf fühlte, die kalt-feuchte Luft Londons außer Acht gelassen, die ihr durch die Kleidung über die Haut in die Knochen kroch. Neben sich keuchte noch jemand, der etwas zu beleibte Seargent Godley, der einem Herzinfarkt nahezusein schien. „Wie lange haben wir gebraucht, Pete?“
„Im Laufschritt etwa....“, Godley sah auf seine Taschenuhr, die an einer langen Kette an seiner Weste festgemacht war, während Kennedy sich ein Taschentuch aus der Manteltasche zog und die Stirn abtrocknete. „....fünfzehn Minuten. Im Laufschritt, Fred.“
„Genau.“ Dass sie sich bei diesen Worten eher anhörte als Michael Caine, denn als Kennedy Abberline, fiel der Anwärterin zwar auf, schien sie aber merkwürdigerweise nicht zu stören, tatsächlich empfand sie ihre Stimme, die eindeutig nicht die ihre war, als völlig normal. „Genau, Pete. Wir brauchen eine Viertelstunde um von einem Tatort zum anderen zu gelangen. Und dabei laufen wir. Unser Freund aber wird nicht rennen, um keine Aufmerksamkeit zu erregen und außerdem braucht er einige Zeit, um sein Opfer auszunehmen. Also?“
„Sorry, Fred, denken ist im Augenblick etwas schwierig, ich muss erst einmal zu Atem kommen.“
„Ganz einfach: eine Dreiviertelstunde zwischen Mord A und Mord B. Wenn er nicht gerannt ist und er sein zweites Opfer ausgeweidet hat, zumal er sie noch anlocken musste, können wir von nur einem logischen Schluss ausgehen.“
Sergeant Godley lehnte sich indes gegen eine Häuserwand und rang noch immer japsend nach Luft. „Und der wäre, Fred?“
„Dass unser Freund, sofern es derselbe Täter ist, nicht allein gewesen ist.“
„Sekunde.....wenn er derselbe Täter ist, wie kann er dann nicht allein sein, denn dann wären es zwei Täter, oder?“
„Ein Komplize, Pete.“, insistierte Kennedy bestimmt. „Ein Komplize. Erinnere dich, dass der Tatort, an dem man Mary Ann Nichols gefunden hat, kaum blut besudelt war.“
Noch immer keuchte Godley, schüttelte zudem noch verständnislos den Kopf, für den beleibten Sergeant waren die Anstrengungen des Abends etwas zu viel gewesen. Ganz zu schweigen von den geistigen. Doch dann schloss er messerscharf. „Eine Kutsche. Der Täter kam mit einer Kutsche. Er benutzt immer eine Kutsche.“
„Und die Kutsche eines feinen Herren wäre auffällig – so auffällig, dass sie wieder unauffällig wäre, denn niemand würde einen Mann aus gutem Hause mit einer Mordserie in Verbindung bringen.“
„Ein Mann aus gutem Hause?“ Kennedy blinzelte, die Worte kamen nicht von ihr noch von Peter Godley, sondern von dem Museumsheini, der ich gegenüber stand.
Sie war wieder in dem muffigen Archiv, auch wenn diese Beschreibung allzu stereotypisch klingen mochte, so entsprach sie der Wahrheit, denn wer schon einmal im Altbestandsmagazin einer Bibliothek nach Büchern gewühlt hatte, der wusste dass diese Räumlichkeiten auf lange Sicht nicht sonderlich gesundheitsfördernd sein konnten.
„Ach, nichts.“ Doch das stimmte nicht. Irgendwas war. Auch wenn Kennedy nicht sagen konnte was sie irgendwo in der hintersten Ecke ihrer Gehirnwindungen. Sie blätterte in den Akten, vor und zurück, dann wieder von vorne auf der verzweifelten Suche nach einem Anhaltspunkt. Doch sie wurde bitter enttäuscht.
Nichts dergleichen.
Kein Hinweis, kein Gar nichts. „Verdammt...“, wütend ließ sie ihrer Hand Auslauf am nächstbesten Regal, dabei rutschte eine Akte aus dem Regal, die bislang nur auf Halbmast darin hing, fast zur Gänze herausgezogen worden zusammen mit den anderen.
Mit leicht entnervtem Blick bückte sich Ray nach der Kladde am Boden, setzte bereits dazu an sie zurückzustellen, doch zögerte für Kennedys Geschmack einen Moment zu lang.
„Hat sich wohl verlaufen.“, kommentierte Ray das Blattwerk in seinen Händen, als er den Titel las; dann schlug er es auf, seine Brauen zogen sich zusammen, doch er sagte kein Sterbenswörtchen, sondern vertiefte sich nur in das was seine Netzhaut an Informationen auffing, die dann von seinem Gehirn nach Überleitung durch den Sehnerv interpretiert wurden.
„Was ist das?“
Die Frage seitens Kennedy wehrte der Kurator nur mit einer Hand kurz ab, las noch weiter und gerade in dem Augenblick da Kennedy ihre Hand forsch danach austrecken und den Mann anblaffen wollte, reichte ihr Ray die Akte – gemeinsam mit einem Gesicht, dass mehr Bände sprach als das gesamte Magazin, in dem beide standen, hatte.
Kennedy überflog nur die erste Seite, sah wieder zu Ray auf, hinab auf die Akte und alles was ihr einfiel war „Was zum Teufel...?“
„Ich schätze jetzt haben wir die Antwort, die wir gesucht haben. Von der Kirche höchstselbst abgesegnet.“

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„Wenn das stimmt was hier steht.....“, Beron überflog zum sicherlich Hundertsten Male die Akte, nur um sich zu vergewissern, nur um zu hoffen, all das würde sich in Wohlgefallen auflösen, wenn er die Seiten abermals umblätterte und das Papier leer und nichts sagend war? Er konnte es nicht sagen.
„Der Papst, aber auch der Rat der Wächter hatten schon immer vor ihre Untergebenen an den jeweils anderen zu verkaufen – der heilige Vater ist ein Verräter.“ Irene seufzte.
„Und nicht nur er. Wenn das stimmt, dann sind diejenigen ebenfalls in Gefahr, die sich dem widersetzen, dem Vatikan, aber auch dem Rat.“
„Keine so neue Politik. Interessant ist nur die Frage, wem man trauen kann und wem nicht. Erschüttert das ihren Glauben?“
Der bärtige Mann sah Irene aus kleinen Augen an, musternd, vorsichtig, zugleich auch mit einem Hauch Aggression, denn natürlich warf die Akte Fragen auf, die, einmal an die Obrigkeit im Vatikan gestellt, nicht so einfach zu beantworten wären – auch wenn eben diese Leute ihm die Akte anvertraut hatten. Oder....„Vielleicht wollen sie auch reinen Tisch machen? Alles auffliegen lassen, zumindest diesen...naja, kalten Krieg beenden?“
Fragend hob Irene die Brauen, ihr Blick schweifte ab, glich dem eines Menschen, der etwas hörte, weit entfernt und versuchte herauszufinden was es war. „Ihren Doppelagenten enttarnen, damit all ihre Bemühungen zum Teufel gehen? Glauben sie an den Weihnachtsmann? Erinnern sie sich an Teubens Worte.“
Sofort sah Beron wieder auf die Papiere in seiner Hand, lange, vielleicht zu lange nach der Antwort schnappend, wie ein Ertrinkender nach Luft. „Dann ist also ihr eigener Killer wahnsinnig geworden, bringt die falschen Leute um oder wie? Und nun wollen sie, dass ich ihn aus dem Weg schaffe? Ist es das?“
Statt zu antworten vertiefte sich die junge Frau jedoch wieder in die Drei Musketiere.
Ob Richelieu auch seinen getreuen Agenten Rochefort oder Milady de Winter verraten hätten, wenn sie ihm nicht dienlich gewesen wären?

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Das Glühen in den Augen des Mr Sebastian hatte nicht abgenommen, im Gegenteil, Willow hatte den Eindruck, es hatte an Intensität noch zugelegt, glimmende Kühlen in den Augenhöhlen, die sich bereits zu weißen begannen.
Sie schob die fertigen Bauteile des Stocks ineinander, ließ die Elemente ineinander einrasten, die einzelnen Puzzlestücke des Gerätes, dass nun weit mehr war als eine Stütze für einen gebeugten Mann, denn dies war der Mann, wenngleich nicht körperlich, sondern innerlich, gebeugt von jahundertealtem Grämnis, einer Schuld, die er mit sich herumtrug. Zuletzt nahm Willow den Knauf in die Hand, doch sie zögerte.
„Warum tue ich das eigentlich? Können sie mir das erklären?“
„Weil wir uns gegenseitig helfen, uns beistehen in unserer heiligen Sache – ohja, auch sie haben eine, Miss Rosenberg.“
Willow stand auf, schob den Drehstuhl zurück und begegnete dem Mann mit Wut, aber auch verzweifelten Fragen in ihren Augen. „Warum? Hm? Ich könnte einfach, einfach ablehnen.“ Ihre Brauen beschrieben undeutbare Bögen, ihre Augen wurden groß – ein Gestikulieren mit dem Antlitz, statt der Hände.
„Sehen sie, für die da draußen sind wir beide nicht vielmehr als Freaks. Sollten sich Gleichgesinnte nicht gegenseitig helfen?“
„Freak? Wie sie? Kein bisschen bin ich wie sie...“
„So? Ausgestoßen wie sie sind, freiwillig sogar.
[.........]
„Und was soll ich nun machen?“
Mr. Sebastian drehte sich mit einem schmalen Lächeln zu ihr zurück. „Durchhalten. Sie können die Wahl Treffen, die sonst keiner treffen will. Vielleicht sogar.... die richtige Wahl.“
„Gesteuert von denen, die sie geschickt haben – großartig was man so an Wahl hat heutzutage. Vor ein paar Jahren hieß es noch: Ohhh, es gibt eine Prophezeiung. Du bist die Auserwählte und so. Für Buffy galt das immer. Und für mich etwa nicht?“
Sebastian lächelte noch immer, ganz leicht, zurückhaltend, kaum sichtbar. „Doch. Zugleich haben sie aber auch die Wahl. Wenn sie wissen wer sie sind.“
Unwillkürlich sah Willow hinab auf ihre Hand. „Um zu wissen was man will. Das Werkzeug sein. Manus. Die Hand.“ Sie blickte auf die andere. „Aber jeder hat zwei. Die sind gleich und doch nicht gleich.“, sie schreckte geradezu hoch. „Wenn es zwei Mög....“
„Zu spät. Für die Jägerin ist es ebenso zu spät wie für mich, denn ich bin auch nicht mehr als ein Werkzeug, so wie mein eigen Blut ein Werkzeug ist. Ein Werkzeug Gottes, ein Werkzeug von Menschen und solchen, die sich dafür halten – und ich habe mich dazu entschlossen, dieses Werkzeug zu sein. Nicht erinnert als Prophet, noch als Reformer, noch als Heiliger oder Visionär. Erinnert nicht mal als Sebastian. Sondern nur...“ Er zog sich tief in den Schatten zurück und setzte seinen Zylinder auf. „...erinnert als Jack.“
„The Ripper.“, flüsterte Willow schaudernd. Dann wurde ihr das Ausmaß dessen erst bewusst, was Mr Sebastian andeutete. Ein Werkzeug von Menschen. Abgesegnet. Die Kirche hat’s abgesegnet. „Ripper.“

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Nervös rollte Dawn die kleine Bleikugel zwischen ihren Fingern hin und her, schon seit Stunden waren Tara und die anderen fort und seitdem lief die jüngste der Summersfrauen bereits Furchen in den Boden der Küche. Ganz allein war sie zugegebenermaßen jedoch auch nicht und doch war die Stille, welche von dem jüngeren Mädchen am Küchentisch ausging fast schon bedrückend, sogar Jacks Schweigen, der sein Hirn mit einer Partie Schach, die er gegen Eilis spielte und gerade auf unglaublich phänomenale Art verlor, wie Dawn mit einem Seitenblick feststellen musste, legte sich wie ein Vorhang aus schwerer Seide über die gesamte Atmosphäre.
Da wäre noch Faith gewesen, doch die war weder in Sicht-, noch Rufweite, da gerade im Keller mit der Rüstung beschäftigt, welche seit ihrem ersten und zugegeben einzigen Einsatz ihre Besitzerin fordernd anschwieg, so wie alle zur Zeit Anwesenden. Denn trotz der Stille merkte man nur allzu deutlich, wie sehr ein jeder wünschte, einer möge doch den ersten Stein werfen und endlich seine Quasselluke öffnen.
Doch nichts tat sich.
Nur Warten.
Unerträgliches Warten.
„Irgendeine Ahnung....“ – Danke, Jack. „...wer da soeben eigentlich angerufen hat? Ich meine, irgendwie war der Aufbruch...naja, erinnerte ein wenig an den Rückzug aus Vietnam.“
„Überstürzt.“, ergänzte Eilis.
„Japp.“, der junge Mann griff nach seinem Colaglas, in dem die knackenden Eiswürfel in dem dunkelbraunen Zuckerwasser hin und her schwappten. „Naja, mir wäre es lieber, wenn wir nicht gerade mit Miss Zyankalie....äh, Zynismus, zurückgelassen worden wären.“
„Lass das bloß nicht Tara hören.“
„Hey, jetzt mal ehrlich, ihre...“, er hob die Finger zum Anführungszeichen. „...Schwester, wenn die das wirklich ist, hat doch nicht alle Tassen im Schrank. Ich meine...wie willst du die denn sonst beschreiben. okay,..hmmm sagen wir..zynisch, sarkastisch, spöttisch mit dem Hang zu leichter Erregung.“
„Aber nicht ohne guten Grund.“
„Sie kann einfach nicht in Sätzen reden, die länger sind als eine Zeile....“, murrte Jack, wobei er lässig auf Eilis deutete, die den Läufer ihrer Seite um zwei Felder weiter schob.
„Schach und Matt in fünf Zügen.“
„Sekunde...da...hä?“
Und während Jack noch um eine – weitere – Revenge focht, grinste Dawn nur in sich hinein, drehte die Kugel, der sie einen leichten Streifschuss zu verdanken hatte, weiter zwischen den Fingern und starrte wieder hinaus.

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Die Übungshalle war leer. Dabei hatte Maura eigentlich damit gerechnet, dass sich Anne noch bis in die Abendstunden hier aufhalten würde, doch diese hatte, wie ganz offensichtlich festzustellen, bereits ihre Gemächer aufgesucht oder trieb sich weiß Gott wo rum. Der Klon der alten Summers war, trotz des Umstandes, dass sie um ihre Herkunft aus den Laboren der Schweizer Firma wusste, immer wieder unterwegs gewesen seitdem sie sich den Messengern angeschlossen hatte. Obwohl nur Erinnerung trieb sie diese wohl doch zu gewohnten Aktivitäten, der Jagd auf Vampire, oder wie sie es nannte: Patroullie.
Maura wusste es besser und wenn es sich bei ihr nicht um einen Klon gehandelt hätte, dann wäre Anne bei ihrer Jagd weitaus erfolgreicher gewesen, als das Original. Der Grund, nun, dieser versendete gerade zwar keine SMS, die sich der Aufmerksamkeit des Adressaten durch die Vibrationsfunktion des Handys vergewisserte, wohl aber jemand, der einen Grund zu benennen wusste. Alles ergab einen Sinn, wenn man nur hinter die Kulissen zu blicken wagte.
„Ich bin erstaunt, dass du weißt wie man eine SMS abschickt.“, murmelte Maura, die die Kurznachricht kurz durchlas, den Kopf schieflegte, dann irgendwo im Nirgendwo einen Ankerpunkt für ihr Augenmerk suchte, abermals auf das Display des tragbaren Fernsülzapparates warf und mit zittrigem Finger die Nachricht löschte. Es war nicht mehr aufzuhalten.
Immer wieder hatte er davon geschrieben und sich mit Maura darüber unterhalten, wieder und wieder seine Besorgnis bekundet, dass sich sein Vermächtnis verselbstständigen könnte und nun war es wohl soweit. Maura erinnerte sich noch genau wie sie auf ihn gewartet hatte, im Le Cafe du Jardin, in der Wellington Street, praktisch in Sichtweite zur Royal Opera, direkt im Covent Garden gelegen, dessen Fensterfront, zwei getrennte Fenster im viktorianisch angehauchten Rundbogenstil, die eine zweiflügelige, moderne Glastür einrahmten, in Indigoblau leuchtete.
Maura schwenkte noch immer den Chardonnay, V.D.P du Jardin, Les Templiers zum Preis von 17 Pfund die Flasche in ihrem Glas hin und her, wobei dies im Vergleich zu den anderen Weinpreisen noch regelrecht moderat war. Während Maura noch nach dem Kork im Wein suchte, den sie verzweifelt, wohl auch aus Langeweile, sich herbeiwünschte, trat der Erwartete in das Lokal und ließ sich sofort in den noch freien Stuhl am Fensterplatz fallen.
Sekundenlang hatte keiner der beiden etwas gesagt, auch nicht als Rupert Giles seine Brille abnahm, an seiner Krawatte nestelte und die Gläser mit dieser malträtierte.
Schließlich hatte Maura die Stille Mauer aus Schweigen durchbrochen. „Hallo.... Dad.“
„Ist es dafür nicht etwas früh?“, hatte Giles entgegnet, während er sein Nasenfahrrad wieder umständlicher als nötig aufsetze.
„Dann: Vater?“
Giles hatte nur vernehmlich geseufzt, sein Blick geradezu verzweifelt auf der Suche nach dem Kellner, dessen Erscheinen dem Bibliothekar etwas Zeit erkauft hätte.
„Wieso...wieso jetzt?“
„Weil dich der Rat auch nach deinem Rauswurf nicht aus den Augen gelassen hat und ich für den Rat arbeite und wenn man praktisch über Nacht herausfindet, dass der Mann, der einen vor etwa sechs Jahren einen Posten als Wächterin in Aussicht stellte.“
„Ich sagte nur, du wärst eine gute Anwärterin.“
„Und jetzt ist mein Rang sogar höher als deiner.“
„Falls es dir entgangen sein sollte: Ich bin wieder eingestellt. Travers...“
„Travers ist ein Lügner. Natürlich hat er dich wieder eingestellt und natürlich zu den Konditionen, die du, beziehungsweise deine Jägerin ihm aufs Auge gedrückt haben, aber das auch nur, weil ich ihm das ans Herz gelegt habe. Quentin mag ja ein hohe Tier sein, aber so hoch auch wieder nicht.“
Fast schon aus einem Automatismus war die Hand des älteren Wächters zu seiner Brille gehuscht, doch er hatte sich im letzten Moment noch zusammengenommen und kratzte sich lediglich am Kopf. „Heißt das...“
„Oh ja. Und das habe ich dem Spezialauftrag zu verdanken, den ich angenommen habe.“
„Spezialauftrag?“
In diesem Moment hätte Maura ihm am liebsten alles erzählt, doch hätte es ihrem alten Herren vermutlich das Herz gebrochen, sicherlich, die Zukunft war zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschieden, doch gewisse Kräfte arbeiteten bereits mit aller Kraft daran, dass die kommenden Ereignisse nicht eventuell rückgängig gemacht würden und damit das Schicksal der Jägerin nicht einfach nur geändert würde – unter umständen würde jedweder Eingriff dazu führen, dass sogar deren eigene Exstenz in Frage gestellt sein würde. Doch das konnte sie dem Mann, der kurzfristig ihr Mentor, ehe er nach Sunnydale geschickt worden war, und von dem sie erst seit ein paar Wochen wusste, dass er ihr Vater war, nicht antun. Selbst wenn sie ihn noch so sehr dafür verfluchte, dass er ihre Mutter hatte sitzen lassen, was er zugegebenermaßen nie erfahren hatte: dass seine kurze Affäre mit Joan Higgins ein Nachspiel gehabt hatte.
„Darüber darf ich nicht reden.“
Giles zuckte lediglich mir den Augenbrauen. „Manchmal fragt man sich ob man die Welt zu retten versucht oder nur das Empire im Auftrag eines verkappten Pseudo-MI6.“
„Vielleicht ist beides irgendwo dasselbe?“
Darauf hatte ihr Vater nur die Lippen geschürzt. „Ein kleiner Agent muss nicht alles wissen, lediglich ein williges Werkzeug sein.“
„Sei froh, dass es nicht der MI6 ist, sonst hätte man dich damals einfach aus dem Verkehr gezogen. Wenngleich.... das in Erwägung gezogen worden ist. Wer die Macht hat, jemanden persönlich und wirtschaftlich vollkommen zu ruinieren, der hat auch die Macht einen Mord zu verschleiern.“
„Dann ist es wahr: du bist tiefer im System als ich es je war.“
„Der Rat der Wächter ist kein Golfclub wo man einfach kündigen kann, Vater.“
Derweil hatte der Kellner schon diverse Ansätze gemacht eine Bestellung aufzunehmen, schließlich hatte Giles einen Earl Grey in Auftrag gegeben.
„Und wie heißt es nun? Maura Giles? Oder...“
„Higgins. Vorläufig zumindest, bis mein Auftrag beendet ist, eingetragen bin ich nun allerdings als Higgins-Giles.“
„Wenigstens wird der Name nicht aussterben.“
„Das scheint wohl die ganze Sorge eines jeden Mannes zu sein, kann das sein?“
Statt jedoch sofort darauf einzugehen hatte Giles nur rumgedruckst und den Tee angenommen, den der leicht geschlaucht wirkende Kellner vorbeibrachte. „Der Name Giles soll uns auch immer an unsere Vorfahren erinnern.“
„Oh, gilt das für die Frauen nicht? Wie Mom.“
„Doch ... es ist, komplizierter.“
„Ich bin ganz Ohr.“
Und Giles hatte, wenngleich sehr vage, nebulös geradezu, angefangen zu erklären. Rückblickend war Maura sogar dankbar, dass die Erklärungen eher vage geblieben waren und sie langsam an die Wahrheit herangeführt worden war. Eine Wahrheit, die sie wiederum vor ihren Vorgesetzten geheim hielt, die nun allerdings zu den Feinden gehörten, denn immerhin hatte der Rat den Kurs einiger weniger nicht folgen wollen. Und nun war es soweit: Das dunkle Erbe der Giles’ war etwas mit dem ihr Vater bereits einmal gelebt hatte, nun wieder damit lebte und die Frage lautet, wie man ihn diesmal wieder auf den richtigen Pfad zu lenken vermochte.

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Klatschend landete die Akte auf dem Konferenztisch direkt vor Quentin Travers Nase, dessen Gesichtsausdruck von grollen zu überrascht und wieder zu wütend wechselte, so schnell, dass wohl niemand so recht den Unterschied ausmachen konnte.
Er stand auf und warf Kennedy vergiftete Blicke zu, die sich auf der anderen Seite aufbaute und die beiden Wicca Nick und Nalja unbeachtet, sich voll auf Travers konzentrierte.
„Sie mieses Stück Dreck.“, sagte die junge Frau in völlig ruhigen Tonfall. „Sie wussten es, nicht wahr?“
„Wussten was?“, forderte Nalja Informationen ein, deren Anfrage aber für Sekunden unbeantwortet blieb, Augenblicke, in denen die Distanz zwischen Kennedy und dem Wächter lediglich nur aus Eis bestand. „Was...Travers ?“
„Dass einer ihrer Wächter ein kaltblütiger Killer ist. Nicht genug, dass er letztes Jahr offenbar einen Mann namens Ben umgebracht hat, nein, er hat noch wesentlich mehr getan als das. Und tut es gerade wieder.“, Ray trat hinter Kennedy um ihr genügend Rückendeckung zu geben, doch die hatte die Anwärterin nicht nötig.
„Wollen sie wissen, wie ich mir das vorstelle? Na schön...

Giles engster Freund, den er während seines Studiums kennen lernte, Ethan Rayne, hatte nicht nur die Begabung dem guten Rupert in bestimmten Fachbereichen auf die Sprünge zu helfen, wenn diesem der Stoff zuviel wurde oder unverständlich blieb. Darüber hinaus war es Ethans Einfluss gewesen, der Giles mehr und mehr in die Kreise jener eher zwielichtigen Gestalten trieb, die sich mit Okkultismus beschäftigten – dies betrieben sie jedoch mehr zum Spaß und Vergnügen, ohne echten Glauben an das was sie taten. Lediglich Rupert Giles, nahm die Sache weitaus ernster als alle anderen, was nebenbei erwähnt auch für seinen Freund Ethan galt.
„Hey, Ripper.“, Ethan Rayne, schon damals erinnerte sein Auftreten an das einer Schlange, glitt Giles gegenüber in einen leeren Stuhl, in einem abgelegenen Winkel der Mensa. „Heute Abend Zeit? Die Jungs überlegen, ob sie nicht wirklich versuchen eine Dämonen-Beschwörung durchzuführen. Glaub zwar nicht, dass denen das gelingt, aber naja... könnte spaßig werden.“
Giles schaute lediglich beiläufig und sehr knapp von seinen Notizen auf, vertiefte sich dann wieder darin die wesentlichen Punkte aus dem ihm vorliegenden Buches zusammenzufassen. „Deren Versuche sind etwa so halbseiden wie dein Hemd.“ Schließlich legte er seinen Kugelschreiber beiseite und nahm die Brille ab, die er seit einiger Zeit trug, da seine Sehkraft ihn im Stich zu lassen drohte. „Obwohl....“
„Obwohl, was? Hat der alte Ripper ne Idee, wie man die Geschichte etwas aufmischen kann?“
„Weißt du was sie genau vorhaben? Ich schau dann mal, ob man da nicht die Sache etwas... richtiger veranstalten könnte.“
„Also doch mehr Stoff rein geben.“
„Ich bin schon gespannt auf die Gesichter der andern, wenn ihnen ein Dämon wirklich in den Arsch beißt.“
„Aber sieh zu, dass die Chause nicht aus dem Ruder läuft.“
„Hey...“, Giles grinste beinahe schon etwas verlegen. „Kein Vertrauen? Was meinst du warum ich mich Ripper nenne.“
Ethans Blick hatte den glasigen Ausdruck von Verwirrung angenommen. „Weil Rupert zu spießig klingt?“
Statt sofort zu antworten, musterte Giles die Mensa, links und rechts von sich, doch niemand befand sich in unmittelbarer Nähe „Vor ein paar Monaten sind sie Sackkleidträger zu mir gekommen...“
„Was für Typen?“
Giles seufzte. „Priester, von der katholischen Kirche. Kein Scheiß, die wollten sich wirklich mit mir unterhalten. Angeblich wegen irgendeinem Verwandten. Die meinten nachweisen zu können, dass mein Vorfahre ein Typ namens Sebastian Giles ist.“
Noch immer wirkte Ethan Rayne nicht viel schlauer, doch in seinen Augen schimmerte die Erleuchtung derer, die bereits ahnten wohin der Hase hoppelte, der sich auf der Flucht vor ein paar wild geifernden Hunden befand...
„Der Typ soll der Ripper gewesen sein.“
„Du meinst?“ ...und der Hase war gefickt.
„Dear Boss.... Sincerely, Jack the Ripper. Ich hab’s nachgeprüft, alles was sie über den Typen wussten stimmt und es passt alles, denn gleich am Tag nach dem letzten Mord ist er verschwunden. Futsch. Wie vom Erdboden verschluckt.“
„Du willst mich verscheißern.“ Der Hase war richtig gefickt.
„Sowas denkt man sich nicht aus.“ Was im Falle von Giles sogar stimmte, denn trotz seines enormen Selbstvertrauens in die Magie, war er dennoch kein Angeber vor dem Herrn und scherzte eher selten. Tatsächlich war Giles ein ziemlich ernster Kerl und wenn er sowas sagte, musste auch etwas dran sein.
„Ja und? Was hat das...“
„Warts ab.“

...und so wurde in derselben Nacht noch ein Ritual abgehalten, eines, das dummerweise Giles familiäre Vorgeschichte zu Gute kam, wenngleich es genauso gut sein konnte, dass der gute Giles dies mit einem nicht geringen Maß an Freiwilligkeit durchzog.“ Kennedy atmete durch. „Soll ich weitermachen? Wie sie und andere vom Rat Giles nach vollbrachter Tat aufsuchten, noch ehe der Vatikan reagieren konnte und den Jungen zu einem ihrer Agenten gemacht haben. Denn das ist der ganze Sinn und Zweck der Giles: Dem Vatikan zu dienen. Genauso wie Sebastian Giles es letztlich tat. Ein religiöser Spinner, der einmal zu oft in die Kirche gegangen war und den Satz „Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen.“ aus der Bibel zu wörtlich nahm. Von der Kirche abgesegnet, vom Vatikan höchstselbst und mit Genehmigung der Obrigkeit, der anglikanischen Kirche Englands bis über die Königin. Deswegen war Jack auch so schnell. Er hatte einen Komplizen, der ihm half. Dieser Mann wurde sogar von der Obrigkeit angeworben und verpflichtet dem Ripper zu helfen. Darüber hinaus wurden die Nachforschungen von Inspektor Abberline auch gehörig sabotiert. Ihm wurden Nachforschungen teilweise verboten. Der Vatikan verfolgt nur ein Ziel und die englische Kirche stand dabei voll auf deren Seite: Die Auslöschung eines ganz bestimmten Zweiges der Jägerinnen. Die Opfer von Jack waren zwar keine, aber der Vatikan nutzte bereits früher Hellseher und der Teufel weiß wen, wenn ich das richtig lese sogar Nostradamus, um Vorraussagen zu machen, wer als möglicher Vorfahre einer Jägerin in Frage kam. Denn die hatten eine nette Propehzeihung in Händen. Eine, die alles ändern konnte, auch den Rat der Wächter, der sich zu allen Zeiten auch aus Mitgliedern der Kirche zusammensetzte. Die wollten einfach nicht, dass die Prophezeiung eintraf. Die wollten verhindern, dass ein ganz bestimmer Mensch in diese Welt trat.
Und weil ihr eigenes Werkzeug, der Ripper nicht funktionierte, haben sie die Ritter von Byzantium geschickt.
Jetzt fährt der Vatikan eine andere Schiene und hat etwas in Auftrag gegeben, nämlich Klone, Klone von Buffy Summers. Das konnten sie, denn ob Giles wollte oder nicht, ob er es wusste oder nicht, er arbeitete ja noch immer für sie und so kamen in Besitz von Buffys DNA ...und die bringt er nun im Auftrag des Rates wieder um... Letztlich war er immer ein Doppelagent, der auf verschiedenen und doch den gleichen Seiten kämpfte. Daher auch seine Versetzung nach Sunnydale. Um auf Buffy Summers zu achten und notfalls einzugreifen, falls sich die Dinge nicht zur Zufriedenheit der Kirche entwickelten. Hab ich was übersehen?“
„Ja.“, versetzte Quentin Travers nur trocken. „Die Klone wurden vom Rat und der Kirche in Auftrag gegeben. Ich fürchte nur...“ der alte Wächter schürzte die Lippen, „...Giles wird sich nicht auf diese allein konzentrieren.“
„Wie meinen sie.....oh, Gott. Dann hat man also ein Monster geschaffen und das ist jetzt außer Kontrolle.“
Doch Travers dachte nicht daran einzuknicken, stattdessen setzte er sich wieder seelenruhig hin und trank seinen Tee „Wir haben ihn nicht geschaffen. Wenn es so wäre, dann wäre es viel leichter. Nein, Giles, der Ripper, sie waren schon immer so ... wir haben sie nur… Genutzt. Es war tatsächlich günstig einen Killer zu haben, einen Mann, der sein Gewissen ausschalten konnte, wenn nötig. Dummerweise hat die Maschine einen Fehler. Sie lässt sich nicht kontrollieren.“
Kennedy beugte sich weit über den Tisch. „Das lassen sich Menschen nun mal nie.“
„Wirklich?“
„Ich werde ihn aufhalten.“ Abrupt wandte sich Kennedy vom Tisch ab und machte einen Schritt weg, doch Travers Stimme hielt sie auf. „Und wie damals schon versagen.“
Langsam, bedächtig, nahezu, drehte sich Kennedy mit einem gefährlichen Blitz in den Augen um. „Wie damals?“
„In ihnen steckt noch immer ein Abberline. Vielleicht mehr von Fred Abberline, als sie ahnen. Sie haben keine Wahl. Sie werden verlieren.“
Alles was ihr blieb war mit den Zähnen zu malen, denn nur zu gerne hätte sie den älteren Mann auf der Stelle und postwendend zu seinem Schöpfer geschickt. „Ich mache es zu meiner Entscheidung. Da draußen verrecken Menschen.“
„Diese Klone...wissen sie was die sind? Wir können froh sein, dass Giles da ist. Dass der Ripper für uns ...“
„...die Drecksarbeit macht? Zur Hölle mit ihnen.“, spie Nalja dem Wächter regelrecht entgegen und wandte sich entsetzt ab, jetzt wo sie aus ihrer Erstarrung erwachte.
„Wenn sie das so sehen. Sie werden verlieren...“, flüsterte Quentin über den Rand seiner Teetasse hinweg. Eine Sekunde später zersprang das Meißner Porzellan in den Händen des Wächters; Travers blickte irritiert auf und starrte nur in die rauchende Mündung der Pistole in den Händen Kennedys und wie sie an Ray, der die Jackentasche zur Seite geschlagen und ebenso verwirrt dreinsah, vorbeizielte. Schließlich blickte Travers an sich herab und konnte gerade noch den blutenden Krater in seiner Brust wahrnehmen, ehe er in seinem Stuhl zurücksank.
„Sie hat Recht: Zu Hölle mit ihnen. Es ist meine Wahl.“, wisperte Kennedy und sah in die regelrecht entsetzten Gesichter der übrigen Anwesenden, dann wandte sie sich direkt an die herbeieilende Katryn de Treville: „Habt ihr hier Waffen?“
Zunächst brachte die Templerin kein Wort heraus, dann, widerstrebend sah sie von Travers Leiche zu Kennedy. „Klar.“ Und nach kurzem Zögern setzte sie hinzu: „Kommt mit.“
Im nächsten Moment warf Kennedy Ray seine Waffe zu, der die Pistole mit einem nicht geringen Widerwillen ansah, eher er zu Kennedy aufblickte. „Wieso?“, sein Gesicht hatte die Frage bereits gestellt, noch ehe er sie aussprach.
Ohne zu antworten griff die Anwärterin an Ray vorbei auf den Tisch, fingerte ein Blatt aus der Akte hervor, das aus dem Ordner gerutscht war, als sie es dem Wächter vor die Nase geworfen hatte. „Deswegen.“
So dicht wie Kennedy das Blatt vor die Augen des Kurators hielt, zuckte dieser sofort zurück, allein um überhaupt etwas erkennen zu können. Vor seiner Nase baumelte ein Bericht unter dem nur all zu deutlich der Name „Quentin Travers“ prangte. Mehr als ein Bericht, war es ein Brief an die englisch-anglikanische Kirche und den Vatikan, in dem einige hochgestellte Tiere namentlich genannt wurden – mit ausdrücklicher Genehmigung des Rates der Wächter, hatte dieser Anwärterinnen zu einer Befragung durch die Glaubenkongregation der katholischen Kirche ermöglicht.
„Die Glaubenskongregation.... ach du...“
„...Scheiße, ganz genau.“
Endlich löste sich Nick Watson aus seiner Erstarrung, mit einem fixierenden Blick auf Travers, trat er auf Kennedy zu. „Auch wenn Travers uns verraten hat, das war nicht nötig.“
„Wirklich? Und was wenn er denen gesteckt hätte, was wir wissen?“
„Dann wissen sie es jetzt erst Recht, wo er tot ist.“
Verärgert pustete sich Kennedy eine Strähne ihres haselnussbraunen Haares aus dem Gesicht. „Dieses Stück Scheiße hat den Mann verraten, den er erst in den Rat der Wächter geholt hat, indem er ihn benutzte. Diese miese Ratte hat...“
„Das ist mir schon bewusst.“
„Dann kommen sie mir jetzt nicht mit Moral.“, fauchte Kennedy.
„Ich will ihnen keine Moralpredigt halten, ich...“, Nick seufzte und suchte erklärerische Rettung bei Ray.
Doch dieser wusste selbst nicht, wie er das Gedachte formulieren sollte.
Doch so viel Zeit hatte Kennedy nicht, sie rannte Katryn hinterher, die etwas ungeduldig zu werden schien, Ray gleich hinterdrein und als er Kennedy endlich eingeholt hatte. „Es ist genauso unpraktisch, durch seinen Tod auf uns aufmerksam zu machen.“
„Und was sie noch nicht kapiert haben ist, dass ihn am Leben zu lassen, uns keine Möglichkeit gegeben hätte dieses Spiel zu gewinnen. Erinnern sie sich? Der Ripper arbeitet nie ganz allein. Er hätte Giles vor uns gewarnt. Haben sie die Stammbäume gesehen? Das liest sich wie eine Mordauftragsliste.“ Im Laufen fuhr sich die junge Frau mit dem Finger über die Kehle. „Lösche jeden aus, der sich dir in den Weg stellt. Die größte Gefahr für den verdammten Rat der Wächter ist dieses Projekt Appleseed. Steht alles in diesem Bericht.“
„Ich ... Moment. Eine neue Generation der Jägerinnen ist für die, die größte Gefahr?“
„Weil die dann nicht unter ihrer Kontrolle sind; weil dann alles gekippt wird, das hat tiefer liegende Gründe, die ich auch noch nicht kapiere. Aber eines verstehe ich: Die haben Angst.“
Im Dämmerlicht der Beleuchtung des aus Backsteinen gefertigten Ganges, konnte Ray die junge Frau kaum erkennen, lediglich ihre dunklen Augen schienen regelrecht zu strahlen. „Angst vor einer Revolution also. Und Travers ... nur ein Doppelagent, der das Projekt jeden Moment gekippt hätte. Mit Giles als seinem Auftragskiller? Wenn das seine Jägerin noch mitbekommen hätte.“
Was Ray nicht wusste, Kennedy wohlweißlich für sich behielt, denn ein entsprechender Bericht lag den Unterlagen ebenso bei, war, dass dies bereits einmal geschehen war – Travers hatte, angeblich der Tradition nach, verlangt, dass Buffy Summers einen Test zur Volljährigkeit hin absolvierte, in dem er Giles ins Vertrauen zog, der seine Jägerin hintergehen sollte. „Und es war Giles, der uns mit den ganzen Dokumenten aufmerksam machte. Er weiß, dass er ein Monster ist und er will aufgehalten werden. Nur damit sie nicht dumm fragen. So sieht’s aus.“, sprach Kennedy, als sie um eine Ecke bog und Katryn gerade die Waffenkammer aufschloss.

Vorsichtig trat Nick an den toten Travers heran, noch sammelte er die letzten Reste Mut und schloss dann mit dem Quäntchen, dass er an Courage aufzubringen wusste die offen stehenden, leeren Augen des Wächters. „Ich hätte das wissen müssen.“
„Gott, Nick, du kannst nicht alles...“
„Ich hätte es verhindern können, wenn ich mir mehr Mühe gegeben hätte. Ihm zu vertrauen war...“, der Wicca seufzte. „Man muss sich dann nur immer fragen, ob man überhaupt das Richtige tut. Ich meine, ob man nach der Art lebt, die man sich zum Ziel gesetzt hat.“
In den blauen Augen der dunkelhäutigen Schönheit ihm gegenüber glitzerte es kurz auf, dann sah sie betroffen zu Boden. „Aber was ist eine Moral, die uns aufzwingen würde unmoralisch zu sein, um moralisch sein zu können?“
„Und was sind dann faule Kompromisse dagegen?“
„Keine Ahnung.“
Eine Locke ihres tizianroten Haares beiseite streichend, trat der Großmeisterin des Templerordens an den Konferenztisch, setzt die Fingerkuppen sachte auf dem Eichenholz ab, neigte ihr Haupt ein wenig, dann fixierte sie die beiden Wicca streng. „Mir ist bewusst, dass sie nicht gut auf Befehle zu sprechen sind, aber sie sollten besser die übrigen Mitglieder von Projekt Appleseed benachrichtigen. Travers Tod können wir vorerst verschleiern, aber die Anwärterinnen müssen geschützt werden. Um jeden Preis.“ Sie wollte sich abwenden, hielt jedoch inne und sah sich nochmal um. „Ein Teil davon wurde bereits bezahlt. Bedauerlicherweise. Und glücklicherweise zugleich.“

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Alldieweil schon schritt die Dreiergruppe, von einem Trio konnte man nicht wirklich sprechen, da eine unsichtbare Nebelbank ihren Zusammenhalt trübte, in Abstand von einigen Metern die Straße des kleinen Städtchens in der Nähe ihrer derzeitigen Unterkunft, hinab – zwar war es, wie Tara für sich feststellte unsinnig davon zu sprechen, die Nacht würde Schatten werfen, doch die Dunkelheit hatte, trotz des milchigen Lichts der Straßenlaternen, alle Helligkeit für sich vereinnahmt, geradezu verschluckt, auch das Licht, welches aus den Fenstern und vor allem einem der örtlichen Pubs kam, war so unwirklich und seltsam verzerrt. Allerdings konnten es genauso gut nur Taras lädierte Nerven sein, die sich seit Willows Weggang zum Feindeslager in einem nervösen Dauerkoma der Gefühlsregung befanden. Die Sorge um Willow machte sie regelrecht wahnsinnig, sogar krank.
Sie blies sich eine dunkle Strähne ihres Haares aus dem Gesicht – eigentlich wäre ihr blond lieber gewesen, allein nur um ihrer eigene Stimmung etwas Glanz zu verleihen, doch leider gehorchte diese körperliche Gestalt ihr nicht so gut, wie sie es eigentlich tun sollte.
Vor ihr, beinahe nicht auszumachen in dem nicht vorhandenen, dichten Nebelschaden der Schatten, ging Oz, den sie nur ab und an durch das rote Leuchten seines Haarschopfes erkannte – noch weiter vorne führte Satinka den kleinen Trupp an.
„Oz?“, versuchte Tara dem jungen Mann ein Gespräch aufzudrängen.
Dieser drehte sich kaum merklich um, blieb jedoch nicht stehen.
„Es tut mir Leid.“, gestand Tara.
Jetzt wandte sich Oz zu ihr um, regelrecht mitten im Schritt eingefroren. „Was sollte dir Leid tun?
„Das mit Willow.“
„So wie ich das verstehe, war es ihre Entscheidung zu den...“
Zurückhaltend und doch vehement schüttelte Tara ihr Haupt. „Das meine ich nicht. Ich...es geht darum, dass sie sich gegen dich entschieden hat.“
Oz Blick war reiner Granit – unbewegt, einem Felsen gleich – schließlich kehrte er Tara den Rücken zu machte aber keine Anstalten weiterzugehen, sondern sagte nur. „Es ist nicht deine Schuld.“
„Sie hat dich nicht erwähnt...ich ... hä-hätte i-ich...“
„Wenn ich geblieben wäre, dann wäre es noch viel schlimmer gekommen.“, sagte Oz in neutralem Ton. „Sie hat mir das gesagt...“
Er meinte Satinka, die Oz zu der Gruppe um Tara und Vesta geholt hatte, auch wenn Tara seine Bedeutung in diesem Spiel noch nicht völlig klar war. „Es ist nicht deine Schuld.“, sprach er mit einer kaum zu schmeckenden Bitterkeit in der Stimme und ging weiter.
Zurück blieb Tara ... die schwersten Prüfungen standen ihr noch bevor, dessen war sie sich sicher.
„Hey, wo bleibt ihr, wenn ihr so weitermacht ist denen im Pub das Ale bereits ausgegangen.“, rief Satinka von der Schwelle der örtlichen Besäufnisstätte aus zu.

Im Innern des Pubs war es ziemlich genauso wie man sich die dorfübliche Zecherherberge vorstellte, dicke Dunstschwaden waberten durch den Schankraum, es roch regelrecht penetrant nach Bier und Qualm, das Licht war diesig warm und die Gestalten an der Theke waren nicht minder herzerwärmend als jene, die das Dartboard sicherlich schon seit Stunden quälten – bis sich eine der Pfeilewerfer umdrehte und halb fluchend, halb lachend zur Theke schwankte. „Morgan, ich fürchte die Runde geht diesmal auf mich – aber warte nur, ich krieg den alten Jones, den Kolbenfresser, noch am Wickel und dann heißt es nicht Polizeistunde.“, drohte Vesta dem Gingerhaarigen Wirt, der lediglich überheblich grinste. Dann drehte sie sich um, die Ellbogen auf den Rand der Theke stützend und hielt nachdenklich inne. „Jungs, wer war jetzt dran?“
„Jones, der Sarg, ist dran.“
Mit einem fast schon entsetzten, irritierten und zugleich leicht belustigten Gesichtsausdruck, rutschte Tara in die Bank neben Satinka, die das Schauspiel ebenso mit großen Augen verfolgte. Oz zog lediglich eine Braue hoch, wandte sich dann aber ab und schaute seine beiden Begleiterinnen an. „Wieso heißt der eine eigentlich „der Sarg“?“
„Ist, glaube ich, eher eine walisische Sitte, dem Nachnamen noch eine Beschreibung anzuhängen.....“, murmelte Tara.
Fragend sah Oz sie über den Tisch hinweg an.
„Zu wenig verschiedene Nachnamen.“, erklärte Tara sofort.
„Sowas nennt man Homonymenzusatz.“ Oz hob die Brauen als er den Blick auf die Getränkekarte warf. „Ich glaube, das Empfehlenswerteste hier ist Kraneberger.“
Satinka beugte sich vor. „Ist das ne deutsche Marke?“, sagte sie spöttisch.
„Abend.“, der Wirt hatte sich zu ihnen bemüht, kramte mit den Fingern nach den kaum ausgetrunken Gläsern, die die vorigen Gäste noch hatten stehen lassen. „Was kann ich den Herrschaften bringen?“
„Was können sie denn empfehlen?“
„Ale.“, erwiderte der Gefragte achselzuckend.
„Und...was noch?“, hakte Satinka nach.
„Ale.“
„...und außer Ale?“, probierte es die Navajo nochmals vorsichtig.
„Kein Grund sich gleich wie ein Engländer aufzuführen. Ich hol ihnen was.“ Und zu seinem Helfer hinter dem Thresen brüllte er „Pete, drei Gläser braune Suppe! Zack, zack!“
Satinka seufzte. „Na, da bin ich ja mal gespannt, ob ich gespannt bin.“ Sie beobachtete noch kurz Vesta, die bereits den ganzen Abend hier zugebracht haben musste, so wie sie sich ausschüttete vor Lachen, das sie mit dem Dartpfeil weniger die Zielscheibe, als mehr die Wand traf. „Wann wollte unser...naja, Kontakt...kommen?“
Sofort glitt Oz’ Blick zu seiner Uhr. „Jetzt.“
„Also, wenn die ganze Nummer nicht in ner Werbeaktion des Wirts bestand uns billigen Fusel unterzujubeln, dann sehe ich hier sonst keinen, der...“
Im selben Moment, Tara machte sich bereits Sorgen über den Bierkonsum Vestas, die auf ein ganzes Platoon von Gläsern zusteuerte, schwang die Tür auf und eine Frau betrat den Laden mit einer Selbstverständlichkeit, als würde sie jeden Tag in diesem Etablissement ein und ausgehen, wo doch jeder Idiot allein dazu in der Lage gewesen wäre, für sich festzustellen, dass die Frau mit den kurzen, schwarzen Haaren und mit einer Fünfziger-Jahre Lederjacke, mit dem hiesigen Lokal in etwa soviel gemein hatte wie Mozart mit 50 Cent. Die großen Augen der Frau suchten die Lokalität ab, in der man für wenige Sekunden eine Stecknadel hätte fallen hören können, doch dann erblickte sie die kleine Gruppe um Tara und steuerte, unter dem allgemein wieder anhebenden Schanklärm, auf die sitzend wartende Dreieinigkeit zu.
„Mr. Osbourne? Oder ist ihnen einfach nur kurz Oz lieber?“
„Heilige......“
„Nicht ganz so heilig.“, entgegnete die Dunkelhaarige, dabei faltete sie die Hände vor sich auf dem Tisch. Die rechte Hand steckte in einem metallenen Handschuh.
„Wer sind sie?“, fragte Satinka.
Die Frau antwortete mit einem beinahe abwesenden Lächeln: „Ich war Jenny Calendar.“


...to be continued

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