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"Draisinenfahrt auf alten Gleisen...


...von Dargun nach Salem am Kummerower See, quer durch den Naturpark "Mecklenburgische Schweiz".
Endlich ist es mir gelungen, diese Tour zu absolvieren. Und, um es gleich vorweg zu nehmen, es ist ein Erlebnis der Extraklasse!
Auf der ehemaligen Bahnlinie Dargun - Malchin, 1996 nach fast 100 Jahren Streckenbetrieb stillgelegt, kann man seit 2002 mit Draisinen die wunderschöne Landschaft fernab der belebten Straßen genießen.
Für Bahnfreunde gibt es , bis auf eine interessante Ausstellung im ehem. Bahnhof Neukalen, allerdings weniger zu entdecken. Die Beschilderungen und Signale sind teilweise schon verschwunden. Die Bahnhöfe sind Privatbesitz geworden, was natürlich ein großes Glück für die Gebäude ist, und befinden sich durchweg in einem guten Zustand.
Die fast 17 km lange Strecke bietet alle Reize einer Bahntrasse. Wälder, Wiesen, Ackerflächen werden durchfahren, es geht über Brücken, durch schattige Buschreihen, an Kleingärten vorbei. Immer wieder gibt es etwas Neues zu entdecken.
Die Draisinen werden mit Fahradantrieben vorwärts bewegt. Zwei Leute können strampeln und zwei weitere Mitfahrer auf einer kleinen Bank sitzend den Blick genießen. Die Übersetzung ist sehr niedrig gewählt. Die Maximalgeschwindigkeit beträgt etwa 15 km/h; hält man aber nicht lange durch. Zwei Stunden für eine Tour sollten Sie einplanen
Streckensteigungen merkt man in seinen Oberschenkeln genau. Die erste Steigung beginnt gleich nach der Abfahrt und sollte Sie deshalb nicht glauben machen, dass die Draisine schwergängig ist. Dafür kann dann bei Gefälle eine Tretpause eingelegt werden.
Für den Richtungsverkehr gibt es Regeln. Bis 14 Uhr hat man in Richtung Salem Vorfahrt, danach in Richtung Dargun. Wer Pause macht oder die "falsche" Richtung fährt, muss seine Draisine aus den Gleisen heben. Das ist nicht ganz leicht!
Es darf auch überholt werden. Das funktioniert durch einen Draisinentausch. Dabei muss dann allerdings der Verpflegungskorb und die Kiste Bier auch umgepackt werden. Versorgung mit Kaffee oder einem kleinen Imbiss findet man direkt an der Strecke nur im ehemaligen Bahnhof Neukalen, kurz vor dem Ziel.
Bahninteressierten Gästen sei es an dieser Stelle empfohlen, die Weiche vor der Einfahrt in den Bahnhof, gleich hinter der Straßenquerung, in Richtung Ladegleis zu stellen. Keine Angst, das Weichenherz lässt ein passieren in beide Richtungen zu. Ihre Draisine stört nun keinen mehr und Sie können sich in Ruhe die kleine Ausstellung im Bahnhof ansehen. Alte Uniformen, seltene Schulterstücke aus allen Epochen der Bahngeschicht, Orden und andere, teilweise seltene Stücke, kann man hier bewundern. Ein kurzer Besuch lohnt sich.
Noch ein Hinweis zu den Bahnübergängen. Bei Straßenquerungen haben die Autos Vorfahrt. Schranken sperren die Gleisstrecke ab und müssen manuell betätigt werden. Obwohl die meisten Autos freiwillig anhalten, ist Vorsicht geboten. Ich habe die Draisine lieber über die Straßen geschoben. Das geht einfach schneller. Nach etwa 2-3 Stunden ist man in Salem, einem kleinen Dorf am Kummerower See. Hier wird die Draisine gedreht und angeschlossen. Vom nahe gelegenen Hexenberg bietet sich ein toller Blick übers Land.
Ein Spaziergang durch das Dorf lohnt sich, wenn man etwas essen möchte. Empfehlenswert ist das "Fliedereck" oder, direkt unterhalb der Draisinen-Wendestelle, das Terassencafé des Kolpingwerks.
Der eigentliche Reiz eines Fischerdorfs ist leider, durch die massive Bebauung mit Bungalows und Eigenheimen, verloren gegangen.
Während der Rückfahrt stellte ich fest, dass man scheinbar eine andere Strecke fährt. Der Blick fällt nun in eine andere Richtung und die auf der Hinfahrt unbemerkten oder unbeachteten Dinge lassen keine Langeweile aufkommen. Z.B. die drei Kunstwerke an der Strecke, zuvor durch den Drang, das Ziel endlich zu erreichen, fast ignoriert, haben meine Aufmerksamkeit gefunden. Kommentieren möchte ich sie nicht - mit der Kunst ist das so eine Sache...
Vielleicht haben Sie ja nun Lust bekommen und erleben diese schöne Tour selber. Ob Eisenbahn- oder Naturfreund, es lohnt sich!

Nachtrag: Im Mai 2005 kam es zu einem ernsthaften Zwischenfall. Ein Mann fiel während der Fahrt von einer Draisine und wurde von einer nachfolgenden Draisine schwer verletzt. Dies soll bei dem Versuch passiert sein, während der Fahrt umzusteigen; lag also nicht am Fahrzeug oder an der Strecke! Man sollte die Bremsträgheit von Schienenfahrzeugen, selbst wenn es nur eine kleine Draisine ist, nicht unterschätzen.
Also: Abstand halten, während der Fahrt sitzen bleiben und sich schon am Abfahrtsort mit dem Gefährt vertraut machen - dem Vergnügen steht dann nichts mehr im Wege!



Draisinen Unsere Draisine hat gerade eine Straße passiert.
Die Schranken erzwingen einen Halt.
Auch Oma (85-Jahre) hatte ihren Spaß.
Landschaft Kummerower See Die wunderschönen Ausblicke auf die Landschaft, hier schon in Sichtweite des Kummerower Sees, begeistern immer wieder.
Kunst an der Strecke Eines der Kunstwerke an der Strecke.
Mein Favorit ist "der Schronk",d.h. eine männliche Schranke.
Habe leider kein Foto davon gemacht.
 
Weitere Informationen finden sich auf der Homepage:
www.Naturpark-Draisine.de
 




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