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Mallorcas Eisenbahnen

Mallorca ist mehr als Ballermann, Strand, Sonnenbrand. Den Reiz dieser Insel erlebte ich erstmalig im Februar 2003. Wunderschöne Landschaft, Ruhe und Eisenbahngeschichte.
Auf dieser Seite möchte ich weniger auf die bekannten Strecken Palma - Sóller und Palma - Inca eingehen. Diese werden in zahlreichen Büchern und Videos vorgestellt und dürften allgemein bekannt sein.
Vielmehr geht es mir um die alten Strecken und Bahnhöfe. Sehr hilfreich bei der Spurensuche ist das Buch "Mallorca mit dem Zug entdecken" von Klaus-Jürgen Vetter, erschienen im GeraMond Verlag. Hier wird die Geschichte der einzelnen Strecken ausführlich aufgezeigt und mit vielen Bildern hinterlegt. Wandertipps zu Abstechern in die Umgebung bieten Familienvätern Alibis zur Entdeckung der mallorquinischen Eisenbahngeschichte.
Oft muss man viel Phantasie und Zeit mitbringen, um Spuren der alten Bahnstrecken zu erkennen. Meine folgenden Beschreibungen sollen dabei Ansatzpunkte bieten.
Zuerst einige allgemeine Bemerkungen. Von der Strecke Palma-Inca zweigten vier Nebenstrecken ab. Pont de Inca - Santanyi, Santa Maria del Cami - Felanitix, Inca - Sa Pobla und Inca-Artá .
Von Inca geht es heute bereits weiter bis Sa Pobla. Auch die anderen Strecken sollen wiederbelebt werden. In Richtung Artá laufen bereits Baumaßnahmen und eine Wiederinbetriebnahme steht kurz bevor. Zwar waren die Gleisanlagen weitestgehend erhalten, wurden aber trotzdem komplett ausgewechselt. Grund ist die Vereinheitlichung der Spurweiten. Alle Neubaustrecken haben 1000 mm Gleise.
Bei den anderen Strecken dürfte es größere Probleme geben. Teilweise ist die Trasse verbaut oder sogar verkauft worden.
Wie bei allen Neubaustrecken geht das Flair einer Nebenbahn verloren. Moderne Triebwagen fahren von Hochbahnsteigen ab, über Betonbrücken hinweg, passieren Straßen ober- oder unterirdisch.
Aber noch gibt es Spuren aus vergangenen Zeiten:
 
 
Pont de Inca - Santanyi
 
Diese Linie wurde bereits 1965 aufgegeben. Deshalb sind Spuren kaum zu finden. Allerdings sollte jeder Bahninteressierte wissen, dass er beim Verlassen des Flughafens von Palma diese Strecke überquert. Die Trasse ist an der Abfahrt zum Flughafen rechter Hand zu erahnen, wenn man die Autobahn in Richtung Palma fährt.
Gut zu erkennen ist der Bahnhof von Santanyi. Von den Salzseen kommend, ist links am Ortseingang der Güterschuppen und der ehemalige Lokschuppen.

 
  Güterschuppen Santanyi
  Gleisseite Güterschuppen Santanyi
 
  Güterschuppen Lokschuppen Santanyi
  Im Hintergrund ist der verfallene Lokschuppen zu erkennen.


 
  Santa Maria del Cami - Felanitx
 
Hier war 1968 das Ende gekommen. Auf große Spurensuche habe ich mich nicht begeben. Ein Streifzug über das ehemalige Bahngelände von Felanitx war aber sehr interessant. Das Empfangsgebäude ist prima erhalten. Es beherbergt ein Krankenhaus und befindet sich direkt an der Hauptstraße von Porreres kommend (wenn man die Mallorcinischen Keramikwerkstätten nicht besuchen muss). Vor und hinter dem ehemaligen Bahnhof gehen kleine Seitenstraßen ab. Hier kann geparkt werden und das Gebiet hinter dem Empfangsgebäude in Ruhe erforscht werden. Zwischen hohen Sträuchern und Kakteen macht man schnell den Güterschuppen und den Lokschuppen aus. Das Wort "Dornröschenschlaf" beschreibt die Stimmung treffend.

 
  Lokschuppen Felanitx
  Lokschuppen Felanitx
 
  Bahnhof Felanitx
  Gut erhalten - ehem. Empfangsgebäude Felanitx


 
  Inca - Empalme - Artá
 
Von Inca geht es heute bereits bis Sa Pobla. In Empalme zweigte das Gleis früher nach Artá ab. Ich freute mich auf den ehemaligen Abzweigbahnhof besonders. Die Bilder im obengenannten Buch versprachen Stimmung pur. Diese Bilder sind aber Geschichte, denn der Anschluß ist wieder hergestellt und die Ausbauarbeiten Richtung Artá sind voll im Gange.
Trotzdem hatte sich der Besuch gelohnt. Eine neugebaute Brücke bietet einen tollen Fotostandpunkt und das alte Stellwerk bleibt erhalten. Allerdings ist der Bahnhof schwer zu finden. Er befindet sich in der Nähe der Straße Inca - Sineu. Am Kilometer 5.5, halbe Höhe einer Weinplantage, links einbiegen und den Weg bis zu den Gleise folgen. Dann wieder links und parallel zu den Gleisen ist nach ca 500 m das Ziel erreicht.

 
  Empalme Blick Rtg. Inca
  Empalme - Blick Rtg. Inca
 
  Empalme Blick Rtg. Artá
  Empalme - Blick Rtg. Artá


 
  Palma - Sóller
 
Gefahren bin ich diese Tour nicht, wird aber nachgeholt.
In Sóller ist der Betriebshof und somit viel zu sehen. Neben den Triebwagen sind auch die Abteilwagen und Wartungsfahrzeuge hier abgestellt.
Im Februar wirkt der Bahnhof wie leergefegt. Mit viel Ruhe konnte ich dem Betriebsablauf zusehen. Im Warteraum wartete ein Huhn vergebens auf Brotkrümel. Das Telefon schellte ununterbrochen und leitete mich so zum Fahrdienstraum. Durchs Fenster sieht man dann steinalte Fernsprech- und Signaltechnik.
Die Wintermonate werden auch für Wartungsarbeiten an den Fahrzeugen genutzt. Damit besteht die Möglichkeit, einmal unter die Abdeckungen der betagten Triebwagen zu sehen -siehe Bild. Allerdings halte ich mich an Warnschilder und sah aus der Ferne zu.
Am Bahnhof beginnt auch die Straßenbahnstrecke zum Hafen Sóller. Diese Tour sind wir gefahren, kostet 75 Cent pro Nase und dauert etwa 20 min. Bezahlt wird beim Schaffner. Die Wagen können ihr Alter nicht verleugnen und machen sie so reizvoll. Das Flair, das Alter, der Lärm, die Erschütterungen sind Boten aus einer vergessenen Zeit. Aber es riecht nicht!
Ich bin der Meinung, dass Mallorca auch einen Dampfveteranen auf die Gleise stellen sollte. Der I-Punkt einer Eisenbahnwelt mit Zukunft.

 
  Putzkolonne
  Gründliche Reinigung vor der nächsten Tour
 
  Ausfahrt Rtg. Palma in Sóller
  Ausfahrt Rtg. Palma in Sóller mit Lokschuppen und Drehscheibe.
Links ist ein aufgebockter Triebwagen zu erkennen.

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