| Eschershausen ist
ohne Wilhelm Raabe nicht mehr denkbar. Weder "Ith-Stadt" noch "Stadt am
Ith" hat sich als Charakteristikum eingebürgert, zum Glück hat
auch niemand in Erwägung gezogen, Eschershausen "Asphaltstadt" zu
benennen. Eschershausen ist die "Raabe-Stadt" und als solche weithin bekannt
geworden.
Als der Magistrat dem Dichter zu seinem
70. Geburtstag i.J. 1901 die Ehrenbürgerschaft verlieh, da
schrieb Wilhelm Raabe in seinem Dankbrief: "Nun hat die Stadt Eschershausen
aber doch das Beste dazu getan, dem Greise seine ältesten Kindheitsverpflichtungen
noch selber in das Gedächtnis zurückzurufen, und was er seinerseits
ferner ihr zu Liebe wirken kann, das wird geschehen, so lange seine Kräfte
reichen".
Es bedurfte keiner zusätzlichen
Bemühungen. Das Lebenswerk, das Ansehen und die Bedeutung des großen
deutschen Dichters und Schriftstellers warf auch einen Abglanz auf den
Ort seiner Geburt.
Ein groß Teil der Romane und Erzählungen Wilhelm
Raabes hat seine Jugendheimat, die durch die drei Städte Eschershausen,
Holzminden und Stadtoldendorf gekennzeichnet ist, als Schauplatz. Mit der
Erzählung "Das Odfeld",
die in der Landschaft von Amelungsborn bis hin zum Ith spielt, hat er auch
seinem Geburtsort Eschershausen ein Denkmal gesetzt.
Als er am 08. September 1831 hier
geboren wurde, konnte niemand ahnen, welch außergewöhnlicher
Lebensweg dem neuen Erdenbürger beschieden sein sollte. Es sei denn,
man schenkt der Familienlegende Glauben, dass die Hebamme bei der Taufe
am 26. Sept. in der Stadtkirche den Täufling nach dem kirchlichen
Taufakt mit dem Köpfchen leicht gegen eine der Holzsäulen in
der Kirche stieß und auf die Frage der erstaunten Paten geantwortet
hat: "Nu wird er ein berühmter Mann!"
Schon während der Eschershäuser
Zeit waren die Raabes der Familie des Bürgermeisters von Rosenstern
freundschaftlich verbunden. So lag es nahe, dass sie in der Zeit von 1832
bis 1845 von Holzminden, aber besonders von Stadtoldendorf aus des öfteren
bei den von Rosensterns zu Gast waren. Mit dem Sohn Werner von Rosenstern
verband Wilhelm Raabe, der nur zwei Wochen jünger war als jener (die
Geburt beider ist auf derselben Seite im Kirchenbuch beurkundet), eine
Freundschaft, die noch weit über die Kinderzeit hinaus andauerte.
Wenn man von den eben erwähnten Besuchen absieht, so hat Wilhelm Raabe
seine Vaterstadt nur noch einmal wiedergesehen. Das war am 21. September
1890. Für diesen Tag hatten sich die Braunschweiger Kleiderseller,
zu denen auch Wilhelm Raabe gehörte, vorgenommen, die Schauplätze
des "Odfeldes" in Augenschein zu nehmen.
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Von Stadtoldendorf, wohin
sie mit der Bahn gefahren waren, wanderten sie über die Homburg,
Wickensen und Eschershausen nach der Rotenstein-Höhle und von dort
über Scharfoldendorf, das Odfeld, Holenberg und Amelungsborn zurück
zum Ausgangspunkt. In Eschershausen aber hatten sie eine längere Mittagsrast
in der Gartenlaube der Gastwirtschaft Kleinhans (heute Hakes Hotel) verbracht
und auch die Stadt besichtigt. Damals war Wilhelm Raabe den Eschershäusem
noch ein Unbekannter. Das aber änderte sich bald, wie die Verleihung
der Ehrenbürgerschaft 11 Jahre später zeigt.
Im Juli 1909 wurde Ihm zu Ehren ein
Turm
im nahe gelegenen Hils errichtet. Wenige Monate nach dem Tode Wilhelm Raabes
(15. November 1910) wurde an seinem
Geburtshause
eine Gedenktafel angebracht und nach dem Ersten Weltkrieg gründeten
die Eschershäuser Raabeverehrer einen Raabeverein, dessen Aufgabe
es sein sollte, das Gedenken an Wilhelm Raabe und sein Werk zu pflegen
und - ganz allgemein - das kulturelle Leben der Stadt zu fördern.
Zum 100. Geburtstag Wilhelm Raabes
i. J. 1931 stellte die Stadt Eschershausen auf der Anhöhe vor dem
Schulneubau, der den Namen des Dichters bekam, sein Standbild
auf und zum 150. Geburtstag i. J. 1981 renovierte sie das Geburtshaus und
weitete die 1957 darin eingerichtete Gedenkstätte auf alle Räume
des Vorderhauses aus. Schon 1961 würdigte die Raabe-Gesellschaft die
Bemühungen der Stadt Eschershausen um Wilhelm Raabe und sein Werk
durch die Verleihung der Raabe-Plakette.
Am Anfang hing er in seinen Büchern
auf melancholische Weise der vergangenen Zeit nach, zum Beispiel in Die
Chronik der Sperlingsgasse, die er 1857, im Alter von 26 Jahren, während
seines Philosophie Studiums in Berlin, schrieb. Unter dem Einfluss von
Schopenhauer begann er später, pessimistische Romane wie 1864 Der
Hungerpastor oder 1870 Der Schüdderrump, in denen der Pestkarren Sinnbild
des Schicksals wird, zu schreiben.
Der Höhepunkt seiner oft subjektiven
und psychologisch meisterhaften Erzählkunst, in der die Charakterschilderungen
gegenüber der Handlung Vorrang besitzen, liegen im Spätwerk,
der Kriminalerzählung, was beweist, dass Raabe nicht nur langweilige
Geschichten schrieb. Einige Beispiele hierfür sind Stopfkuchen (1891)
und Hastenbeck (1899).
Wilhelm Raabe starb am 15.11.1910
in Braunschweig. |