*08.09.1831 Eschershausen

Wilhelm Raabe

+15.11.1910 Braunschweig

 

Eschershausen und Wilhelm Raabe

Eschershausen ist ohne Wilhelm Raabe nicht mehr denkbar. Weder "Ith-Stadt" noch "Stadt am Ith" hat sich als Charakteristikum eingebürgert, zum Glück hat auch niemand in Erwägung gezogen, Eschershausen "Asphaltstadt" zu benennen. Eschershausen ist die "Raabe-Stadt" und als solche weithin bekannt geworden.

Als der Magistrat dem Dichter zu seinem 70. Geburtstag i.J. 1901 die Ehrenbürgerschaft verlieh, da schrieb Wilhelm Raabe in seinem Dankbrief: "Nun hat die Stadt Eschershausen aber doch das Beste dazu getan, dem Greise seine ältesten Kindheitsverpflichtungen noch selber in das Gedächtnis zurückzurufen, und was er seinerseits ferner ihr zu Liebe wirken kann, das wird geschehen, so lange seine Kräfte reichen".

Es bedurfte keiner zusätzlichen Bemühungen. Das Lebenswerk, das Ansehen und die Bedeutung des großen deutschen Dichters und Schriftstellers warf auch einen Abglanz auf den Ort seiner Geburt.

Ein groß Teil der Romane und Erzählungen Wilhelm Raabes hat seine Jugendheimat, die durch die drei Städte Eschershausen, Holzminden und Stadtoldendorf gekennzeichnet ist, als Schauplatz. Mit der Erzählung "Das Odfeld", die in der Landschaft von Amelungsborn bis hin zum Ith spielt, hat er auch seinem Geburtsort Eschershausen ein Denkmal gesetzt.

Als er am 08. September 1831 hier geboren wurde, konnte niemand ahnen, welch außergewöhnlicher Lebensweg dem neuen Erdenbürger beschieden sein sollte. Es sei denn, man schenkt der Familienlegende Glauben, dass die Hebamme bei der Taufe am 26. Sept. in der Stadtkirche den Täufling nach dem kirchlichen Taufakt mit dem Köpfchen leicht gegen eine der Holzsäulen in der Kirche stieß und auf die Frage der erstaunten Paten geantwortet hat: "Nu wird er ein berühmter Mann!"

Schon während der Eschershäuser Zeit waren die Raabes der Familie des Bürgermeisters von Rosenstern freundschaftlich verbunden. So lag es nahe, dass sie in der Zeit von 1832 bis 1845 von Holzminden, aber besonders von Stadtoldendorf aus des öfteren bei den von Rosensterns zu Gast waren. Mit dem Sohn Werner von Rosenstern verband Wilhelm Raabe, der nur zwei Wochen jünger war als jener (die Geburt beider ist auf derselben Seite im Kirchenbuch beurkundet), eine Freundschaft, die noch weit über die Kinderzeit hinaus andauerte. Wenn man von den eben erwähnten Besuchen absieht, so hat Wilhelm Raabe seine Vaterstadt nur noch einmal wiedergesehen. Das war am 21. September 1890. Für diesen Tag hatten sich die Braunschweiger Kleiderseller, zu denen auch Wilhelm Raabe gehörte, vorgenommen, die Schauplätze des "Odfeldes" in Augenschein zu nehmen. 
 

Von Stadtoldendorf, wohin sie mit der Bahn gefahren waren, wanderten sie über die Homburg, Wickensen und Eschershausen nach der Rotenstein-Höhle und von dort über Scharfoldendorf, das Odfeld, Holenberg und Amelungsborn zurück zum Ausgangspunkt. In Eschershausen aber hatten sie eine längere Mittagsrast in der Gartenlaube der Gastwirtschaft Kleinhans (heute Hakes Hotel) verbracht und auch die Stadt besichtigt. Damals war Wilhelm Raabe den Eschershäusem noch ein Unbekannter. Das aber änderte sich bald, wie die Verleihung der Ehrenbürgerschaft 11 Jahre später zeigt.

Im Juli 1909 wurde Ihm zu Ehren ein Turm im nahe gelegenen Hils errichtet. Wenige Monate nach dem Tode Wilhelm Raabes (15. November 1910) wurde an seinem Geburtshause eine Gedenktafel angebracht und nach dem Ersten Weltkrieg gründeten die Eschershäuser Raabeverehrer einen Raabeverein, dessen Aufgabe es sein sollte, das Gedenken an Wilhelm Raabe und sein Werk zu pflegen und - ganz allgemein - das kulturelle Leben der Stadt zu fördern.

Zum 100. Geburtstag Wilhelm Raabes i. J. 1931 stellte die Stadt Eschershausen auf der Anhöhe vor dem Schulneubau, der den Namen des Dichters bekam, sein Standbild auf und zum 150. Geburtstag i. J. 1981 renovierte sie das Geburtshaus und weitete die 1957 darin eingerichtete Gedenkstätte auf alle Räume des Vorderhauses aus. Schon 1961 würdigte die Raabe-Gesellschaft die Bemühungen der Stadt Eschershausen um Wilhelm Raabe und sein Werk durch die Verleihung der Raabe-Plakette.


Am Anfang hing er in seinen Büchern auf melancholische Weise der vergangenen Zeit nach, zum Beispiel in Die Chronik der Sperlingsgasse, die er 1857, im Alter von 26 Jahren, während seines Philosophie Studiums in Berlin, schrieb. Unter dem Einfluss von Schopenhauer begann er später, pessimistische Romane wie 1864 Der Hungerpastor oder 1870 Der Schüdderrump, in denen der Pestkarren Sinnbild des Schicksals wird, zu schreiben.

Der Höhepunkt seiner oft subjektiven und psychologisch meisterhaften Erzählkunst, in der die Charakterschilderungen gegenüber der Handlung Vorrang besitzen, liegen im Spätwerk, der Kriminalerzählung, was beweist, dass Raabe nicht nur langweilige Geschichten schrieb. Einige Beispiele hierfür sind Stopfkuchen (1891) und Hastenbeck (1899).

Wilhelm Raabe starb am 15.11.1910 in Braunschweig.

 


Einige Werke stehen als pdf Datei (zip) zum Download zur Verfügung

Altershausen (402 kb)
Abu Telfan (402 kb)
Das Odfeld (858 kb)

Stopfkuchen (716 kb)
Auf dem Altenteil (23 kb)
Des Reiches Krone (119 kb)
Die Gänse von Bützow (181 kb)
Ein Besuch (20 kb)
Theklas Erbschaft (39 kb)
Zum wilden Mann (204 kb)