Bericht aus der Weg & Fähre 

 
         
  Daß eine Wanderung bei strahlendem Sonnenschein mehr Vergnügen bereitet als unter tiefhängenden regenschweren Wolken, die zudem Bergkuppen mit ihren tristen Nebelschwaden gehörig traktieren, ist unbestritten. Doch wenn sich tagelang das Azurblau der unendlichen Weiten des Himmels nicht zeigt, vor allem die Wochenenden in dieser finsteren Jahreszeit kaum Helligkeit an den Tag legen, zieht es den "Vollblutwanderer" dennoch hinaus. Und er wird rasch den Zauber dieser natürlichen Stimmung spüren, der zuweilen etwas Mystisches anhaftet. Eine Vogler-Wanderung unter den beschriebenen Umständen ist geradezu empfehlenswert, wird man die Größe dieser Landschaft auch vor dem Nebelschleier und den leergefegten Kronen der Laubbäume staunend erkennen. 

Von Holenberg aus nehmen wir den rd. 10 km langen Weg vorwiegend auf der Kammlinie des Höhenzuges nach Bodenwerder auf. Erstaunlich gut ist die Ausstattung mit entsprechenden Hinweisschildern, soweit man sich auf jenen Wegen fortbewegt, die im Zuständigkeitsbereich des Zweckverbandes Naturpark Solling-Vogler liegen. Verläßt man sie, um hinunterzusteigen in einen der kleinen Orte an der Peripherie des Wesergebirgszuges, so ist man vielfach auf sich gestellt, denn Hinweise sind - wenn überhaupt äußerst spärlich. Doch dies ist nichts Ungewöhnliches für weite Bereiche des Weserberglandes, das sich damit nicht unbedingt als Wandergebiet empfiehlt. Der Vogler als vielgliedriges Gebirge, in dem Höhen und Täler in schnellem Rhythmus und auf allen Seiten folgen, erfordert zumindest streckenweise eine gute Kondition. Auch der Kamm zieht sich auf- und abschwingend, gar teilend in einem weiten Bogen von Eschershausen bis Bodenwerder. Ratsam ist deshalb allemal, eine entsprechende Wanderkarte mit sich zu führen, die u.a. im Verkehrsamt Bodenwerder erhältlich ist.   

Vom Ausgangspunkt (200 m ü. NN) erreichen wir über die Große Hölle (430 m ü. NN) nach ca. 3 km den Ebersnacken, mit 460 Metern höchste Erhebung des Voglers. Sie trägt den Ebersnackenturm, der noch einmal eine Höhe von 30 m aufzuweisen hat. Bei guter Sicht gewährt er den umfassendsten Blick über das gesamte Weserbergland und darüber hinaus: Vom Brocken bis zum Hermannsdenkmal, vom Habichtswald bis zur Porta Westfalica. Wir setzen den Weg fort in Richtung Bodoturm, stapfen dabei über einen Teppich von raschelndem Buchenlaub, das auf manchen Abschnitten von den kräftig ockerfarbenen Lärchennadeln abgelöst wird, die einen willkommenen Farbkontrast zum Silbergrau des Nebels bilden. Spuren von Wildschweinen sind an vielen Stellen auszumachen, ganze Wegpassagen, soweit sie unter Buchen liegen, sind aufgewühlt. Dann und wann liegt ihr scharfer Geruch in der Luft, als seien sie im letzten Augenblick vor unserer Ankunft davongelaufen. Hier und dort säumen Nadelbäume den Weg und tauchen ihn schon während dieser frühen Nachmittagsstunden in geheimnisvolles Halbdunkel. Nach weiteren 3 km nähern wir uns dem Bodoturm, der die Bodohöhe 
(412 m) krönt. 
 

  Beim Fortsetzen des Weges eröffnen sich unweit des Turmes einige Möglichkeiten für den Wanderer. So kann er über die Sausuhle nach Breitenkamp gelangen oder durch den Westerbraker Wald in den gleichnamigen Ort, auch nach Kirchbrak. Durch das Ahlbachtal kann er Buchhagen erreichen oder aber über Lehmbrink, wahlweise auch Junkergrund und Steingrund nach Bodenwerder gelangen. Wie er sich auch entscheidet vom Bodoturm aus geht es bergab. Hänge zur einen, Schluchten zur anderen Seite liegt der Weg durch Junker- und Steingrund am Saum der Bergrücken. Zum Teil ist er komfortabel unter Verwendung von Splitt ausgebaut. Der kahle Laubmischwald läßt auch jetzt erahnen, zu welcher imposanten Schönheit er sich im Frühjahr zu entfalten vermag. Dann und wann setzten purpurrote Hagebutten im filigranen Astwerk am Wegesrand freudige Farbtupfer. Eine "Kolonie" Fliegenpilze, deren Pracht unter den Witterungseinflüssen kaum mehr zu erkennen ist, erlangt Aufmerksamkeit. Endlich plätschern Bachläufe nach langer Trockenphase wieder und schicken ihre immer noch bescheidenen Rinnsale zu Tal.  


Weg & Fähre

 

 

 

 

 

Original auch unter der Url
http://www.tah.de/TAH/KULTUR/story26857.html