Glossar: die wichtigsten Grundbegriffe zum IPK
Aktualisierung: 16.06.02
*Antinomien*
Als Systeme bewegen sich Lebewesen im Spannungsfeld zwischen
antinomischen Bedürfnistendenzen:
- zwischen Integration (jeder möchte beispielsweise zu einer Gruppe gehören)
und Differenzierung (jeder möchte auch als Individuum betrachtet
werden),
- zwischen Einfachheit und Komplexität,
- zwischen Chaos und Ordnung,
- zwischen Freiheit und Zwang,
- zwischen Klarheit und Unbestimmtheit usw.
Jede Störung des Gleichgewichts leitet eine Handlung ein, die eine
Wiederherstellung des Gleichgewichtszustandes zum Ziele hat (homöostatisches
Prinzip). Da das Leben stets voranschreitet, wird das Gleichgewicht
stets gestört, und der Mensch ist ständig zum Handeln gezwungen, um
das Gleichgewicht wiederherzustellen. Diese Erkenntnis ist sehr wichtig
zum Verständnis von Menschen. Denn kaum gibt man ihnen beispielsweise
Freiheit, schon wünschen sie sich mehr „Druck“, kaum gibt man Ihnen
etwas mehr Zwang, schon wünschen sie mehr Freiheit. Dies gilt für alle
anderen Antinomien. Wenn man sich als Mensch verstehen will, wenn man
mit Menschen umgeht und sie anleiten will, muss man wissen, dass sie als
Systeme nie im Gleichgewicht sind. Psychologisch übersetzt heißt es,
dass sie nie zufrieden sein können, denn die Befriedigung eines Bedürfnisses
enthält potenziell die Nichtbefriedigung des gegenteiligen. Der
Einblick in die Grundbedürfnisse des Menschen und in die antinomische
Struktur von Bedürfnistendenzen erleichtert das Verständnis
menschlichen Handelns und erhöht die Kontrollkompetenz des Einzelnen im
Umgang mit sich selbst und mit anderen Menschen.
*Aufmerksamkeitsökonomie*
"Geben Sie acht: Die Aufmerksamkeit wird die nächste knappe
Ressource sein
Wir leben in einer Welt, die mit Informationen übersättigt ist. Achten
Sie also verstärkt darauf, wie Sie die Aufmerksamkeit der Menschen
gewinnen und fesseln.(...) Aufmerksamkeit zu erregen ist zwar ein
ernsthaftes und schwieriges Geschäft, aber es muss leichtherzig und
ansprechend gehandhabt werden." Davis/Meyer, S.206
"Aufmerksamkeit wird dann knapp als Ressource, wenn die menge der
Angebote über die Kapazität der Aufmerkenden ansteigt. Dann setzt
nicht nur eine Konkurrenz um Aufmerksamkeit ein, sondern wird die
Organisation der Aufmerksamkeitsattraktion selbst zum Geschäft."
Florian Rötzer, S.144
*Bedürfnisse*
Defizite im Organismus werden emotional als Bedürfnisse wahrgenommen.
Dies gilt für Energiedefizite (Bedürfnis nach Schlaf, nach Nahrung)
aber auch für Expansionsdefizite (Dominanzerweiterung, Sexualität,
Selbstverwirklichung). In all diesen Fällen wird die Beseitigung der
Defizite als Gewinnung oder Wiedergewinnung von Kontrolle positiv
kognistiziert.
Grundbedürfnisse nach Maslow
Zur Beschreibung menschlicher Bedürfnisse sind zahlreiche Modelle
entwickelt worden. Das - aus meiner Sicht - brauchbarste ist trotz
seines Alters das von Maslow (Maslow, Abraham H., Motivation and
Personality, New York: Harper and Row, 1954). Maslow postuliert folgende
Pyramide von hierachisch angeordneten Bedürfnissen:
- Physiologische Bedürfnisse (Hunger, Durst, Schlaf, Sexualität)
- Sicherheitsbedürfnisse
- Sozialer Anschluss und Zugehörigkeit
- Soziale Anerkennung
- Selbstverwirklichung (was der Mensch kann, das muss er...)
- Bedürfnis nach Transzendenz
*Denken (kollektives)*
"Die Lösung von Problemen des täglichen Lebens erfordert nicht
nur objektorientierte Formen der Intelligenz, sondern vor allem auch
soziale und kommunikative Kompetenzen. Viele Probleme sind erst dann zu
bewältigen, wenn alle sozialen Ressourcen im Sinne kooperativen
Problemlösens genutzt werden."
(Hans Strohner(1995): Kognitive Systeme, Opladen: Westdeutscher Verlag,
S.186)
*Differenzierung und Integration (Paradigmenwechsel*
Vor etwa Fünfzehn Jahren war die Gesellschaft noch integriert. Es gab
noch allgemein akzeptierte Wertesysteme, die über zentralisierte Medien
(Fernsehen, Zeitschriften), und Institutionen (Universität, Schule)
vermittelt wurden. Das vorherrschende Organisationssystem war
hierarchisch strukturiert. Die Verbreitung der neuen
Kommunikationsmittel hat einen gewaltigen Schub in Richtung
Differenzierung ausgelöst (Paradigmenwechsel 1): aus allen Teilen der
Welt können per Internet Impulse eingeben, Informationen sind
dezentralisiert aufgehoben und zugänglich, plötzlich werden eine Fülle
von Wertesystemen sichtbar und konkurrieren um Anhänger (Islam). Durch
den Fall des "Eisernen Vorhangs" hat auch eine Differenzierung
innerhalb der politischen/geographischen Gebilde stattgefunden. Es sind
eine ganze Reihe von neuen Staaten entstanden.
All dies bedeutet, dass ein Bedarf an Integration entsteht. Eine
politisch-ökonomische Reaktion derauf ist die Globalisierung mit dem
Versuch, einheitliche Strukturen für die ganze Welt zu finden. Es
entsteht allmählich auch ein Bedarf an einem integrierenden, neuen
Wertesystem. In diesem Übergang (Paradigmenwechsel 2) sind wir gerade
und es gilt nun, neue Integrationsmuster (Werte, Organisationsformen,
Wissensvermittlungsformen) zu entwickeln. Das von mir geleitete Projekt
ist Teil dieser Bemühungen.
*Emergenz*
"(1) Eigenschaften komplexer, insbesondere dynamischer Systeme, die
nicht Eigenschaften einzelner Bestandteile des Systems sind, sondern aus
deren Wechselwirkung resultieren, nennt man emergente Eigenschaften.
(...)
(2) Insbesondere können mentale Prozesse als emergente Eigenschaften
des Gehirns aufgefasst werden; eine solche Anschauung bezeichnet man als
emergentistischen Materialismus."
(G.Strube, in: Strube, G. et al. (1996): Wörterbuch der
Kognitionswissenschaft, Stuttgart:Klett-Cotta, S.139)
Emergenzen im Gehirn
"GEO: Wir lernen durch Erleben. Wie beeinflusst subjektives Erleben
das Bewusstsein?
DENNETT: Bewusstsein ist subjektives Erleben plus Nachdenken darüber,
sowie andere endogene, subjektive Zustände - so die spontane Erinnerung
an ein Ereignis der Vergangenheit. Aber es gibt auch viel subjektives
Erleben, das nie so einflussreich wird, um bewusst zu werden: Es wird
nicht 'berühmt im Hirn'. Es gibt keine klare Schwelle für den Übergang
zu 'zerebraler Berühmtheit'."
GEO: 2/02/98, S.74/75
*Exploratives Verhalten"
In der Psychologie wird die Kontrolle als zentrale Dimension
menschlichen Erlebens betrachtet (Dörner 1983). Sie vermittelt der
handelnden Person das Gefühl, dass sie das „Handlungsfeld im Griff“
hat und auftretende Schwierigkeiten meistern kann. Damit Menschen Geläufigkeit
beim Meistern unbekannter Situationen gewinnen, ist es günstig, wenn
bei ihnen eine explorative Haltung systematisch aufgebaut wird. Unter
explorativer Haltung versteht man die Bereitschaft von Menschen, sich in
Situationen zu begeben, die ein hohes Maß an Unbestimmtheiten
enthalten. Nun besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem explorativen
Verhalten eines Menschen und seiner Problemlösefähigkeit. Die logische
Kette lässt sich folgendermaßen beschreiben: explorative Menschen
suchen Felder auf, mit denen sie nicht vertraut sind, und versuchen,
sich in diesen Feldern problemlösend zu behaupten. Jede auf diese Weise
gewonnene Erfahrung wird zu einem abstrakten, kognitiven Schema
verarbeitet. Je mehr Erfahrungen, desto mehr Schemata, desto breiter die
kognitive Landkarte. Eine breite kognitive Landkarte sichert Kontrolle
über mehr Bereiche, sie ermöglicht eine schnellere Verarbeitung neuer
Eindrücke und schützt vor emotionalen Einbrüchen. Sie sichert, dass
neue Situationen erfolgreich bewältigt werden. Das Gefühl der
Kontrolle festigt sich, das Selbstbewusstsein wächst und dadurch die
Bereitschaft, unbekannte Bereiche anzugehen, also sich erneut explorativ
zu verhalten. Wodurch bringt man aber Menschen dazu, sich explorativ zu
verhalten?
*Flow-Erlebnisse*
In Untersuchungen über intrinsische Motivation wurde ein Phänomen
herausgearbeitet, das eine große Erklärungskraft besitzt. Es handelt
sich um den Flow-Effekt, wonach gewisse Aktivitäten ein hohes Potential
an intrinsischer Befriedigung enthalten (Csikszentmihalyi 1999). Das
Erlebnis selbst wird als einheitliches Fließen beschrieben, ein Fließen
von einem Augenblick zum anderen, wobei eine Verschmelzung von Handlung
und Bewusstsein geschieht, ein völliges Aufgehen in der Aktivität bis
zur Selbstvergessenheit, ohne aber die Kontrolle über die Aktivität zu
verlieren. Die Bedingungen, die zum Hervorbringen solcher Gefühle erfüllt
werden müssen, sind folgende:
- die Nähe zu kreativem Entdecken und Explorieren: etwas Neues
entwerfen oder entdecken, einen unbekannten Ort oder Bereich erkunden
- ein Problem lösen, Anforderungen bewältigen, Schwierigkeiten lösen
- Erfahrungen machen, deren Ausgang offen ist und der vom Ausübenden
bestimmt werden kann
- Hinausgehen über das Erreichte und Bekannte, ein Gefühl der
Selbstentgrenzung erleben
- das Ausschöpfen der Fähigkeiten, persönliches Können.
- klare Handlungsanforderungen und eindeutige Rückmeldungen über die
Handlung
- ein Gefühl der Kontrolle über die Handlung und die Umwelt
Beim Entstehen des Flow-Erlebnisses spielt also die Kontrolle eine
entscheidende Rolle.
*Gehirnmetapher*
Menschen lösen auftretende Probleme dank ihres Gehirns. Zur Entwicklung von Problemlöseinstrumenten bietet sich an, die Struktur des Gehirns als Modell zu wählen. Will man eine Gruppe dazu verhelfen, ihre Probleme zu lösen, so empfiehlt es sich, diese Gruppe zum Gehirn umzuformen. Wenn man metaphorisch jeden einzelnen als Neuron betrachtet, so soll bei auftretendem Problem eine intensive Interaktion zwischen den Gruppenmitgliedern erfolgen. Wenn die Reflexion durch die dafür zuständige Instanz (Frontalcortex = Diskussionsleiter) adäquat geleitet wird, werden Problemlösungen aus der Gruppe heraus emergieren.
*Handeln*
Organismen handeln, um sich am Leben zu erhalten. Sie können auch
handeln, um die Perpetuierung der Art zu sichern.
Die Erhaltung des eigenen Lebens oder der Fortbestand der Art ist der
einzige Antrieb, der Lebewesen zum Handeln bewegt.
Ich-Konstitution durch Handeln
"Nicht die Innenschau eines meditativen Geistes sei der Kern des
Selbst-Bewusstseins, der bilde sich vielmehr aus Aktivität. Handlung, Bewegung.
Povinelli: 'Das Wesentliche am Ich-Gefühl ist das Wissen, Aktor in einer
Szenerie zu sein, das Wissen, dass man etwas bewirken kann in der Welt.'".
In: GEO, 2/02/1998, S.68
*Identität*
"Aus kognitionswissenschaftlicher Perspektive wird Identität als
das Gesamt der geordneten, selbstbezogenen Kognitionen einer Person
bezeichnet." (Ziegler, A., in: Strube, G. et al. (1996): Wörterbuch
der Kognitionswissenschaft, Stuttgart:Klett-Cotta, S.264)
Ich
"Das Selbst ist die Benutzer-Illusion des Gehirns seiner selbst.
Das Selbst ist ein Modell, das das Gehirn benutzt, um seine Aktivitäten
zu organisieren" (Daniel C.Dennett, in: GEO 2/02/1998, S.74).
*IPK*
An der Universität wird man auf eine einzige Sportart trainiert. Gewürdigt
werden entsprechend auch nur ganz spezifische Leistungen, beispielsweise
in den sprachlichen Fächern hauptsächlich Sitzfleisch und rhetorische
Fähigkeiten. Entsprechend werden auch die anderen Stärken oder Schwächen
eines Studenten nicht wahrgenommen. Wer beispielsweise rhetorisch nicht
brilliert, hat schon schlechtere Karten.
Im IPK muss man in vier Disziplinen stark sein:
- Disziplin Zuverlässigkeit und Ausdauer
- Disziplin Kommunikationsfähigkeit
- Disziplin Planung und Durchführung eines wissenschaftlichen Projektes
- Disziplin Präsentation im Netz und vor Publikum sowie Werbung für
die eigenen Produkte.
Kein Wunder, dass nur wenige das Ziel erreichen! Ich denke, diese wenige
werden beruflich mehr Chancen haben, als solche, die in
Einzeldisziplinen brillieren...
*Kommunikation*
Zur optimalen Ausnutzung von Ressourcen ist Kommunikation notwendig. Die
Kommunikationsfähigkeiten der Menschen muss optimiert werden. Im
Unterricht wird LdL zur Optimierung der Kommunikationsfähigkeit als
Unterrichtsverfahren angeboten.
Projekt als Kommunikationsanlass
Damit Menschen lernen, optimal zu kommunizieren, müssen sie dies üben.
Zur Übung von Kommunikation muss man Menschen Anlässe zur
Kommunikation liefern. Dies sind gemeinsame Projekte. Im Unterricht wird
Kommunikation durch den Einsatz von LdL (Projekt: wir lernen gemeinsam
französisch) geübt. An der Universität wird das Modul "Internet-
und Projektkompetenz" angeboten. Hier sollen Studenten lernen, wie
man durch Kommunikation Wissen gemeinsam aufbaut.
Kommunikation und Lebenserhaltung
"Eine unübersehbare Eigenschaft, die uns als Menschen auszeichnet,
ist, dass wir Gemeinschaften bilden. Deren primäre Funktion ist, das Überleben
der Spezies sicherzustellen, indem Informationen generiert, bewertet, in
Zusammenhang gestellt und weitergegeben werden. Diese Primäreingenschaft
ist es, die Politik und Gesellschaft zu Grunde liegt, wobei die
Vorstellung hilft, jeder Einzelne könnte durch seinen Beitrag im Rahmen
gewisser persönlicher und sozialer Voraussetzungen zum eigenen Nutzen
am Gemeinwohl teilhaben." Christa Maar, In: Christa Maar et al. (Hrsg),
S.13)
*Kontrolle*
Um die Erhaltung des eigenen Lebens oder den Fortbestand der Art zu
sichern, sind Handlungen notwendig. Sie dienen dazu, auftretende
Defizite zu beseitigen. So verbraucht die Erhaltung des Organismus eine
Energie, die kontinuierlich neubeschafft werden muss. Die Zufuhr von
neuer Energie ist nur über Handlungen zu erreichen. Das Auftreten von
Defiziten wird als Kontrollverlust kognistiziert und ist von negativen
Gefühlen begleitet. Die Beseitigung von Defiziten wird als
Wiedergewinnung von Kontrolle kognistiziert und ist von positiven Gefühlen
begleitet. Menschen handeln, um Kontrolle zu erhalten oder
wiederzugewinnen.
Kontrolle und Motivation
"Um wirksam zu sein, muss die Zunahme intrinsischer Motivation
echte Gefühle interner Kontrolle bei Schülern oder Arbeitern schaffen.
Alle Untersuchungen und Beobachtungen stimmen darin überein, dass
motivierte, aufgabenorientierte Leistung zunimmt, wenn das Gefühl
interner Kontrolle wirklich auftritt. Verfahren zur Entwicklung interner
Kontrolle fordern, das traditionelle Umwelt-Vereinfachungs-Modell immer
mehr aufzugeben. Sie erfordern Neukonzeption von Aufgaben,
Berufsanforderungen und Organisationen, so dass die Individuen teilhaben
können (1) an Planung und Zielsetzung; (2) am Einschätzungs- und
Bewertungsprozess; (3) an gemeinschaftlicher Erfahrung sinnvoller
Aufgabenerfüllung; und (4) an der Zuteilung von Ressourcen." (Schroder,
Harold M., in: Mandl/Huber (1978): Kognitive Komplexität, S.41).
*Kreative Persönlichkeiten*
(Burow, Olaf-Axel (1999): Die Individualísierungsfalle: Kreativität
gibt es nur im Plural. Stuttgart: Klett-Cotta, S.15):
"- Kreative sind frühzeitig in der Lage, ihre Berufung zu
erkennen.
- Sie formulieren diese Berufung als eine anziehende Vision und folgen
ihr, selbst gegen große Widerstände.
- Kreativen gelingt es, sich ein geeignetes Unterstützer- bzw.
Synergiefeld zu suchen oder zu schaffen.
- Und schließlich verfüge sie über die Intuition, zur richtigen Zeit
das Gespür für das geeignete Feld zu entwickeln."
Kreative Felder
"Stellvertretend für viele andere hat der französische Philosoph
Pierre Lévy gezeigt, dass wir mit dem Cyberspace zu neuen Formen
digitaler Kreativität und kollektiver Intelligenz vordringen. Das
Konzept der 'Lernenden Organisation' von Peter Senge zeigt, dass wir uns
mitten in einem Prozess befinden, uns auf die Leistungen von Personen zu
besinnen, die vernetzt miteinander arbeiten. Die schöpferischen Kräfte
der zukünftigen Wissensgesellschaft werden in Synergiegemeinschaften
freigesetzt, in Kreativen Feldern, in denen vernetzt arbeitende Menschen
jeweils ihre einzigartige Leistung einbringen können."
(Bulow, S.17)
"Ein kreatives Feld zeichnet sich nicht nur durch synergetische
Harmonie aus, sondern auch durch ein gewisses Maß an
konkurrenzorientierter Spannung." (Bulow, S.25)
"Kennzeichnend ist aber auch, dass kreative Persönlichkeiten in
der Lage sind, sich in einen Gegensatz zu den beherrschenden
Auffassungen ihrer Umgebung zu setzen, Asynchronien zu auszuhalten und
sie produktiv zu verarbeiten. Schließlich zeichnet es die Schöpfer
aus, dass sie sehr konsequent an ihren Projekten arbeiten. Dabei scheint
es so etwas wie eine Zehnjahresregel zu geben: Alle brauchten etwa eine
zehnjährige 'Einarbeitungszeit', bis sie in der Lage waren, in ihrem
Gebiet kreative Durchbrüche zu erzielen." (Bulow, S.39)
"Erfolgreiches Lehren und Führen setzt voraus, wirkungsvoll
positive Valenzen in die Lebensraumentwürfe der Mitarbeiter einbringen
zu können." (Bulow, S.64)
"Das Kreative Feld zeichnet sich durch den Zusammenschluss von
Persönlichkeiten mit stark unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeiten
aus, die eine gemeinsam geteilte Vision verbindet: Zwei (oder mehr)
unverwechselbare Egos, die sich trotz ihrer Verschiedenheit ihres
gemeinsamen Grundes bewusst sind, versuchen in einem wechselseitigen
Lernprozess ihre kreatives Potenzial gegenseitig hervorzulocken, zu
erweitern und zu entfalten." (Bulow, S,123)
*Schlüsselkonzepte zur Schaffung eines kreativen Feldes*
1. Dialog
2. Vision und Produktorientierung
3. Vielfalt
4. Personenzentrierung
5. Synergieprozess
6. Partizipation
7. Nachhaltigkeit
(Bulow, S.124)
"Gemeinsames Schöpfertum funktioniert erst auf der Basis
profilierter Individualität. Das Zulassen von Eigensinn ist eine
Voraussetzung für das Entstehen von Gemeinsinn."
(Bulow, S.131)
*Neuronale Netze*
Neuronale Netze sind Netze untereinander durch Synapsen verbundener
Nervenzellen oder Neuronen. In neuronalen Netzen ist das Wissen
verteilt. Neue Informationen werden von neuronalen Netzen nicht linear
verarbeitet, sondern in einem Zusammenspiel von neuronalen Aktivitäten.
Insofern herrscht bei der Informationsverarbeitung Unschärfe. Auch
Gehirne sind neuronale Netze. Auf eine Gruppe von Menschen übertragen
heißt es, dass Menschengruppen Informationen kollektiv verarbeiten können,
allerdings nicht linear und unscharf. Je intensiver und plurimodale der
Informationsaustausch innerhalb des Netzes, desto tiefer die
Informationsverarbeitung und desto komplexer die - falls notwendig -
daraus entstehende Handlung.
Dezentrale Informationsverarbeitung in neuronalen Netzen
"In den durch die Verbindung neuronaler Einheiten entstehenden
Netzwerken, die auch neuronale Netze genannt werden, wird allen
Einheiten eine gleichberechtigte Rolle zugeschrieben. Durch diese enge
Kooperation zwischen den Einheiten wird ein ganz anderer Aufbau als in
einem herkömmlichen Computer mit einer Von-Neumann-Architektur
realisiert. Die Verarbeitungskontrolle geht nicht von einer zentralen
Steuereinheit aus, sondern ist dezentral auf alle an der Verarbeitung
beteiligten Einheiten verteilt. Dadurch wird eine zeitlich parallele
Verarbeitung der Information ermöglicht." (Hans Strohner(1995):
Kognitive Systeme, Opladen: Westdeutscher Verlag, S.50).
Aus diesem Text geht auch hervor, dass neuronale Systeme Informationen
nicht-linear bearbeiten!
*Unschärfe = Geschwindigkeit + Vernetzung + Nichtgreifbares*
Folgendes ist entnommen aus: Davis,S./Meyer C. (198): Das Prinzip Unschärfe:
Managen in Echtzeit - neue Spielregeln, neue Märkte, neue Chancen in
einer vernetzten Welt. Wiesbaden: Gabler, S.15
"Geschwindigkeit: Jeder einzelne Aspekt der Wirtschaft und der
vernetzten Organisation operiert oder verändert sich in Echtzeit.
Vernetzung: Alles wird über elektronische Netzwerke miteinander
verbunden: Produkte, Menschen, Unternehmen, Länder, einfach alles.
Nichtgreifbare Werte: Jedes Angebot besitzt sowohl greifbaren als auch
nichtgreifbaren wirtschaftlichen Wert. Der nichtgreifbare Wert wächst
gegenwärtig und zukünftig schneller.
Unschärfe: Die neue Welt, in der Sie leben und arbeiten werden."
Nichgreifbare Werte
"Das Nichtgreifbare zeigt sich in Form von Innovation, Markennamen,
Vertrauen und Beziehungen. Der nichtgreifbare Wert wächst viel
schneller als der greifbare." (Davis/Meyer, S.20)
*Organisation (vernetzt)*
"Nicht mehr das Unternehmen, sondern vernetzte Menschen werden und
ihr Wissen werden in Zukunft die Organisationseinheit darstellen."
(Davis/Meyer, S.131)
Kapital eines Unternehmens
"Welche neuen Formen sind das? Seit kurzem sind besonders drei
bekannt, nämlich das geistige, das menschliche und das strukturelle
Kapital. Das geistige Kapital ist, kurz gesagt, die intellektuelle Macht
einer Organisation, die kodifiziert und in eine explizite, übertragbare
Form gebracht wird, wie ein Dokument oder eine Software. Das menschliche
Kapital ist der Wert der Beziehungen aller Mitarbeiter (beispielsweise
zu Kunden oder Fachleuten) und ihr unterschwelliges Wissen, also die
angesammelten, aber unausgespochenen Erfahrungen, die sie bei großen
und kleinen Entscheidungen leiten. Strukturelles Kapital ist die
Erfahrung und das Fachwissen der Organisation, die in die Prozesse,
Richtlinien und Systeme einfließen. All diese Formen des Kapitals sind
weder greif- noch wirklich messbar, aber es lässt sich nicht
bestreiten, dass sie in der heutigen Wirtschaft die wahren Triebkräfte
der Rentabilität darstellen." (Davis/Meyer, S.175).
Synergiepotenziale
"Wenn meine These stimmt, dann besteht eine Grundbedingung für die
optimale Entfaltung unseres nicht genutzten kreativen Potenzials in der
bewussten Gestaltung eines solchen Synergieprozesses. Wie wir sehen
werden gehört dazu eine Synergieanalyse, in der ich meine eigenen
Synergiepotenziale entdecke. Darunter verstehe ich Bereiche, in denen
ich Ergänzung wünsche, sowie die Bereiche, in denen ich selbst ein günstiger
Synergiepartner bin."
(Bulow, S.132)
Führung
"Das, was wir im nachhinein als Genie phantasieren, erweist sich
bei näherer Betrachtung als eine Person im Feld, die über besondere Führungseigenschaften
verfügt. Sie ist so etwas wie ein Kristallisations- bzw.
Verdichtungskern, der die im Feld vorhandenen Fähikgeiten bündelt und
in eine Form bringt."
(Bulow, S.150)
*Problemlöser (erfolgreiche)*
(Der Text ist entnommen aus: Dörner D. et al., Lohausen - Vom
Umgang mit Unbestimmtheit und Komplexität, Bern: Verlag Hans
Huber, 1983, S.435ff.).
1. Erfolgreiche Problemlöser (EP) sind selbstsicherer als nicht
Erfolgreiche (NP)
2. Sie neigen zu mehr explorativem Verhalten
3. Sie verfügen über mehr abstrakte Begriffe
Die hohe Selbstsicherheit induziert eine hohe heuristische
Kompetenz, d.h. ein hohes Maß an Zutrauen in die eigene Fähigkeit,
auch für unbekannte Situationen adäquate Handlungsmöglichkeiten
erzeugen zu können. Zusammen mit einem Bedürfnis nach Neuheit
und Unbestimmtheit, welches in Zuständen hoher Kontrolliertheit
(=geringer Unbestimmtheit), aktiv wid, führt hohe heuristische
Kompetenz in entsprechenden Situationen zu einem hohen Ausmaß an
diversiver Exploration, d.h. zu einem hohen Ausmaß an
Konfrontation mit neuen, unbekannten Realitätsbereichen.
Unbestimmtheit löst wiederum ein Bedürfnis nach
Unbestimmtheitsreduktion aus und dieses entsprechende geistige
Prozesse der spezifischen Exploration. Diese bestehen darin,
entweder die neuen Erfahrungen in das Netzwerk der alten
Hypothesen und Zusammenhangsannahmen über die Welt zu
integrieren, oder darin, die alten Schemata neuen Erfahrungen
anzupassen, um kognitive Dissonanzen zu vermeiden. Dies wiederum
wird oftmals die Bildung neuer Abstrakta erfordern. Eine
reichhaltige und differenzierte Erfahrung über die
verschiedensten Bereiche wiederum erhöht die heuristische
Kompetenz, indem sie die Fähigkeit zur Strukturierung neuer
Realitätsbereiche erhöht. Denn die Verfügung über mehr
Erfahrung bedeutet die Veerfügung über mehr Modelle für die
Welt. Außerdem bedeutet die Verfügung über mehr Schemata, dass
ein Individuum weniger in Situationen hoher Unbestimmtheit kommt,
da es eben vieles kennt. Dies erhöht unter entsprechenden
Bedinungen die Tendenz zur diversiven Exploration. Hohe
heuristische Kompetenz erzeugt hohe diversive Exploration und ein
hohes Maß an Abstraktheit. Ein großes Maß an Abstraktheit hängt
mit der Fähigkeit zusammen, neue, unbekannte Bereiche zu
strukturieren. Diese Fähigkeit aber determiniert wiederum die
heuristische Kompetenz. Insgesamt ergibt sich so zwischen
Parametern 'Selbstsicherheit', 'Neugier' und 'Abstraktheit' ein
Zusammenhang, der einer positiven Rückkoppelung entspricht.
Erfolgreiche Problemlöser haben also eine hohe heuristische
Kompetenz und eine hohe Tendenz zu diversiver Exploration. Sie
haben außerdem dementsprechend sehr viele Gedächtnisbilder über
sehr verschiedenartige Realitätsbereiche. Diese Gedächtnisbilder
sind sowohl differenziert, d.h. enthalten viele konkrete
Informationen, als auch von großer Tiefe hinsichtlich der
Abstraktheitsdimension, d.h. es gibt viele abstrakte Oberbegriffe
für die konkreten Inhalte und damit auch viele Möglichkeiten,
von einem Inhalt auf einen anderen Inhalt überzugehen.
Sie haben klare Zielvorstellungen und versuchen diese
konzentriert, mit klarer Schwerpunktbildung zu realisieren. Bei
der Handlungsplanung sind sie einfallsreich, fähig zur Analyse,
so weit diese notwendig ist und fähig zu einer Synthese der
verschiedenen Handlungsstränge, die sich auf die einzelnen
Absichten beziehen.
(Internet-Tipp: http://www.uni-bamberg.de/~ba2dp1/home.html)
*Projekt (Lernen im)*
Gehen wir von einer Definition des Lernens als "Transformation von
Informationen zu Wissen" aus. Diese Transformation erfolgt dadurch,
dass
- Informationen kognitiv erfasst (Cortex) und emotional bewertet werden
(lymbisches System);
- dass auf dieser Basis ein Handlungsplan entwickelt (Cortex +
lymbisches System) wird;
- dass dieser Handlungsplan im realen Leben getestet wird (Cortex +
lymbisches System + Kleinhirn + Gedächtnis);
- dass das Ergebnis reflektiert (Cortex) und das Ganze abgespeichert
(Gedächtnis) wird;
Ein ernstzunehmender Lernrprozess kann nur in realer Situation und unter
intensiver Beiteiligung aller Bereiche des Gerhirns erfolgen. Das
wiederum geht nur in Projekten (wobei ich bereits einen
Unterrichtsversuch als Projekt bezeichnen möchte).
*Ressourcenorientierung (integratives Modell zur)*
Das von mir verfolgte Modell soll eine starke Integrationskraft
entfalten. Das Ziel ist, Verfahren zu entwickeln, bei denen die
Ressourcen der Welt (materielle und humane) optimal genutzt werden.
Insbesondere soll eine möglichst breite Reflexion über die
Organisation menschlicher Aktivitäten einsetzen. Alle intellektuelle
Ressourcen sollten dafür mobilisiert werden.
*Wissen und Wissensgesellschaft*
- "Wissen ist ein Prozess, in dem ein Subjekt Informationen
mithilfe seines 'Vorwissens' in einen Kontext verwandelt, der Denken und
Fühlen, Handeln und Kommunikation bestimmt. Eine Wissensgesellschaft
ist eine Gesellschaft, die vernetzte Informations- und
Kommunikationstechnologie mit vernetztem intellektuellen Kapital
verbindet, um wissensintensive Problemlösungen und neues Wissen zu
erstellen."(Saiger,H.(2001): Konturen der Wissensgesellschaft.
Fakten, Konzepte, Strategien. Z_punkt Gmbh, S.24)
- "Informationen werden dann zu Wissen, wenn sie nicht nur
aufgenommen, sondern auch verarbeitet und angewendet werden können."
(Rötzer, Florian (1999): Megamaschine Wissen - Vision: Überleben im
Netz, Frankfurt/Main: Campus, S.95)
Wissensmetabolismus
"Der Begriff steht für all jene Aktivitäten und Prozesse, mittels
derer ein Unternehmen oder auch eine Regierung
- Informationen aufnimmt
- sie zu Wissen veredelt
- dieses Wissen speichert
- sowei das verfügbare Wissen nutzt
- und im Prozess der Nutzung oder in einem separaten Vorgang
weiterentwickelt"
(A.A.C.von Müller, in: Christa Maar et al. (Hrsg)(2000): Weltwissen -
Wissenswelt. Köln: Du Mont Buchverlag, S.265)
Wissen verschenken
"Halten Sie die Welt nicht mehr auf Armeslänge von sich fern! Hier
ist die neue Regel: Geben Sie Informationen weiter. Natürlich müssen
Sie sich weiterhin gegen elektronische Vandalen, Diebe und Hacker schützen,
das ist nur vernünftig. Doch da jeder Interessierte sich auf indirektem
Wege Informationen über Sie besorgen kann, warum geben Sie sie ihn
nicht gleich selbst? Ihr ganzer Vorteil liegt in der Geschwindigkeit -
und eine Organisation kann nicht schnell handeln, wenn sie keine Ahnung
vom aktuellen Geschehen hat. Bis Ihre Konkurrenz erfahren hat, was Sie
vorhaben, sind Sie schon längst einn paar Schritte weiter."
(Davis/Meyer, S.203)
"Denken Sie daran, dass eine der wichtigsten Währungen in der
neuen Wirtschaft, das Wissen, eine ganz einmalige Eigenschaft besitzt:
Wenn Sie es haben, können Sie es verkaufen und trotzdem behalten!
Horten Sie also kein Wissen, sondern verbreiten Sie es, und holen Sie
sich die Anerkennung dafür, dass Sie es als erster besaßen. Werden Sie
als Quelle interessanter Gedanken bekannt, gleichgültig, ob sie von
Ihnen selbst oder aus zweiter Hand stammen. Wenn Sie Ihr Wissen nicht
weitergeben, werden Ihre Freunde es von anderen Leuten hören. Die
Geschwindigkeit des Wissens ist entscheidend für Ihren Erfolg. Je mehr
Sie austeilen, desto mehr erhalten Sie zurück." In: Davis/Meyer,
S.207/208
"In der Kultur des Schenkens werden Kompetenz gegen Prominenz
ausgetauscht und soziale Anerkennung oder Bewunderung angesammelt."
In: Florian Rötzer, S.142
Qualifikationen für die Wissensgesellschaft
"Pragmatisch lassen sich Bildungsziele an den jeweiligen
Qualifikationsengpässe einer Gesellschaft definieren:
- Die Globalisierung erfordert mehr Fremdsprachenkenntnisse und die Fähigkeit,
sich in unterschiedlichen Kulturen einzufühlen.
- Arbeiten in Projekten und Netzwerken erfordert mehr Team- und
Kommunikationsfähigkeit.
- Die moderne IuK-Technologien erfordern mehr Fähigkeiten, sie zu
nutzen."
(Saiger, Helmut, In: Z-dossier, S.61)