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Am Tag nach dem Überfall schrieb ich unserem Nachbarn folgenden Brief:
“Sehr geehrte Herr xy Nachdem Ihr schwarzer Hund nun bereits das
zweite mal über unseren Dackel hergefallen ist und diesen gekniffen und geschüttelt hat, möchte ich Sie bitten, diesen Hund nicht mehr frei herum laufen zu lassen. Ihr Hund zeigt soziales Fehlverhalten, da er
auch dann nicht von dem Unterlegenen abläst, wenn dieser die Unterwürfigkeitshaltung einnimmt. Das macht diesen großen Hund gefährlich. Gestern Abend hat er Jenny erst wieder losgelassen, als mein Mann
dazwischen gegangen ist. Jenny hat bei diesem Übergriff zwar keine schweren Verletzungen davongetragen, hinkt aber immer noch und hat Schmerzen am Rücken. Es ist nicht abzusehen, ob Ihr Hund nicht beim nächsten
Angriff vielleicht richtig zubeißt und unserem Hund lebensgefährliche Verletzungen zufügt.”
Daraufhin kam er wutentbrannt zu uns, sein Hund sei völlig harmlos und wieso ich
einen solchen Schmarrn schreiben würde. sein Hund hätte unseren nur "beschnuppert". wir wären wohl leicht streitsüchtig und wollten die gute Nachbarschaft gefährden...
Wir konnten ihn
beschwichtigen und er trabte von dannen. 9 tage später schrieb ich im dann folgenden Brief:
“Sehr geehrter Herr xy. Ich muß Ihnen heute etwas sehr trauriges mitteilen. Wie ich
Ihnen bereits in meinem letzten Brief geschrieben habe, hatte Jenny nach dem Angriff durch Ihren schwarzen Hund Schmerzen im Rücken und hinkte. Offensichtliche Verletzungen waren jedoch nicht feststellbar.
Zwei Tage später verlor sie ein dickes Büschel Haare an der Stelle, wo Ihr Hund sie gepackt hatte, aber es war keine offene Wunde vorhanden, so daß ich mir keine weiteren
Sorgen machte. Ich dachte, das Hinken gibt sich wieder, ebenso wie das Schmerzempfinden, wenn man sie am Rücken streichelte. Das war ihr sichtbar sehr unangenehm. Auch hat sie seit dem Angriff nicht mehr richtig
gefressen und lag viel in ihrem Körbchen. Ihre Munterkeit war wie ausgelöscht. Seit vergangenen Sonntag ist sie nun an den Hinterbeinen gelähmt, was durch einen Bandscheibenvorfall in dem Bereich, in dem Ihr Hund
sie gepackt und geschüttelt hatte, ausgelöst wurde. Sie kann nicht mehr ohne ärztliche Hilfe ihre Geschäfte verrichten und braucht eine teure Behandlung. Wenn die Medikamente in den nächsten Tagen nicht
ansprechen, muß sie operiert werden. Die ganze Sache kann schnell ein-bis zweitausend DM kosten, sagt die Tierärztin. Aber wir haben nicht soviel Geld, um das bezahlen zu können. Ich bitte Sie daher, den
Vorfall Ihrer Hundehalter-Haftpflichtversicherung zu melden, damit die die Kosten der Behandlung übernehmen können. Ich werde es nicht auf einen Rechtsstreit ankommen lassen, aber ich hoffe auf Ihre Tierliebe,
da wir Jenny sonst einschläfern lassen müssen. Und wir lieben sie sehr.”
Bereits einen Tag später mußten wir Jenny einschläfern lassen, da die Reflexe völlig erloschen waren und die Tierärztin ihr keine Heilungschance mehr einräumte. die
Operation wurde damit hinfällig.
Nun wollten wir natürlich die bisher angefallenen Kosten für die 3-tägige Behandlung und das Einschläfern von ihm ersetzt haben, außerdem die Kosten für die Anschaffung
eines neuen Hundes.
Ein paar Tage später bekamen wir Nachricht von seiner Versicherung, daß sie den Schaden nicht begleichen würde, da Herr xy ausgesagt hätte, sein Hund sei nicht Schuld am Tod
von Jenny.
Wir schalteten nun unseren Anwalt ein und die Sache ging vor Gericht. Gleichzeitig reichte ich bei unserer Gemeinde einen Antrag ein, seinen Hunden Leinenzwang zu verordnen. Es
folgten diverse Verhandlungstermine vor Gericht, das Ganze zog sich über ein Jahr hin. Zwischenzeitlich gab es zwei weitere Vorfälle mit diesen Hunden, die ich auf der Seite von Püppi und Lady erzähle.
Die Versicherung des Nachbarn behauptete nun, daß Jenny nicht durch den Angriff die tödliche Lähmung erlitten habe, sondern aufgrund einer plötzlich auftretenden
Dackellähmung, was ja bei dieser Rasse eine weitläufig bekannte Erkrankung sei. Ich lies von meiner Tierärztin ein Gutachten erstellen, daß Jenny völlig gesund war und keine Dackellähmung vorlag. Dieses
Gutachten reichte dem Richter jedoch nicht, er forderte ein unabhängiges Gutachten einer Spezialistin für Dackellähmung. Diese Spezialistin mußte nun ein Jahr nach Jenny´s Tod eine Beurteilung über
Jenny´s Gesundheit abgeben!!!!! Das Gutachten war vernichtend. Es sagte ungefähr folgendes aus:
Es ist nicht auszuschließen, daß die Lähmung durch plötzlich auftretende Dackellähme entstanden ist. ein Zusammenhang mit dem Übergriff des beschuldigten Hundes ist nicht
zweifelsfrei nachzuweisen, da zwischen dem Angriff und der Lähmung 10 tage lagen.
Aufgrund dieses Gutachtens mußte der Nachbar nur die Kosten der ersten Untersuchung bezahlen, die Kosten für dreitägiges Entleeren der Blase und das Einschläfern mußte ich
selber bezahlen. Außerdem mußte der Nachbar nur 1/3 der Verhandlungskosten bezahlen, da der Überfall zwar zweifelsfrei stattgefunden hatte, aber der eigentliche Streitpunkt zu seinen Gunsten entschieden worden
war.
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