Ein Jahr nach unserer Hochzeit kam Jenny zu uns. Sie war mein Geburtstagsgeschenk. Bereits eine Woche nach ihrer Geburt besuchten wir sie und ihre sechs Geschwisterchen beim Züchter. Wir durften in den Zwinger, in dem die Rasselbande tagsüber zusammen mit ihrer Mutter umhertollen konnte. Ich wollte einen Rauhhaardackel mit möglichst dunklem Fell. Und eine Hündin sollte es sein. In dem Wurf gab es nun zwei Babys, die besonders dunkles Fell hatten, aber nur eines war ein Mädchen. Somit stand von Anfang an fest, welches Hundebaby eines Tages zu uns kommen würde.

Jeden Sonntag fuhren wir zu den Züchtern und besuchten „unser Baby“. Als Jenny 8 Wochen alt war, durfte ich sie endlich mit heim nehmen. Sie gewöhnte sich sehr schnell ein und war auch bereits fast stubenrein. Noch zwei, drei kleine Pannen und das Thema war ausgestanden.

Jenny entwickelte eine ganz innige und sehr tiefe Beziehung zu mir. Ich hatte schon mehrere Dackel, aber Jenny war etwas ganz Besonderes.

1996 zogen wir in unser neu gebautes Haus, Jenny war inzwischen 5 Jahre alt. Im Nachbarhaus wohnte ein Mann, der zwei große Hunde hatte. Dieser Nachbar ging nicht sehr liebevoll mit seinen Hunden um, schrie sie oft an und trat sogar vereinzelt nach ihnen. Einmal, als wir spazieren gingen, begegneten wir ihm und seinen Hunden, die wie unsere Jenny ohne Leinen herumliefen. Als der eine Hund Jenny sah, stürzte er sich sofort auf sie. Mein Mann konnte gerade noch dazwischen gehen und Jenny hoch nehmen. Sie war am Hals ganz naß, was darauf hindeutete, dass der Hund sie bereits gepackt hatte. Der Nachbar wiegelte es aber ab und meinte, sie hätten sich doch nur „beschnuppert“.

Zwei Jahre später lief Jenny in unserem Garten umher. Da wir leider nur den hier üblichen Gartenzaun hatten, der aus zwei quer verlaufenden Brettern besteht, konnte sie jederzeit das Grundstück verlassen. Zwischen unserem Grundstück und dem des Nachbarn war ein unbebautes Grundstück. Jenny stöberte ein wenig in diesem Grundstück herum, dicht an unserem Zaun. Plötzlich tauchte der Hund des Nachbarn auf und ehe ich oder Jenny reagieren konnten, hatte er sie bereits am Genick gepackt und schüttelte sie kräftig durch. Mein Mann und ich gingen sofort dazwischen und als der Hund Jenny wieder losgelassen hatte, hinkte sie.

Ich untersuchte sie auf Verletzungen, konnte aber nichts feststellen. Jenny hinkte und hatte Schmerzen, wenn man sie am Rücken streichelte. Sie verkroch sich in ihr Körbchen, das sie in den nächsten Tagen nur noch verließ, um ihre Geschäfte zu verrichten oder zum Fressen. Sie fraß aber auch nur noch schlecht.

Leider sind wir damals nicht sofort zum Tierarzt gegangen, da wir ja keine offenen Verletzungen festgestellt hatten. Daß sie Schmerzen hatte, schien mir logisch, da ich annahm, dass sie Prellungen und Quetschungen hatte, ich hielt das aber nicht für gefährlich und war überzeugt, dass das nach ein paar Tagen wieder abklingen würde.

Leider kam es anders.

7 Tage nach dem Überfall war Jenny morgens an den Hinterbeinen gelähmt. Sie konnte auch nicht mehr ihre Geschäfte verrichten, obwohl sie es immer wieder versuchte.

Die Tierärztin stellte einen Bandscheibenvorfall fest, genau an der Stelle, wo der Hund sie gepackt hatte. Mit einer Pipette entleerte sie Jenny´s Blase. Mit einer Nadel testete sie, ob noch Reflexe in den Beinen vorhanden waren. Da dies der Fall war, schöpften wir Hoffnung, dass Jenny noch zu helfen war. Sie bekam eine Spritze und musste Tabletten einnehmen.

Am anderen Tag waren die Reflexe leider schwächer und die Blase musste wieder von der Tierärztin geleert werden.  Da auch am folgenden Tag keine Besserung eingetreten war, und die Reflexe nun vollends erloschen waren, erlösten wir unseren geliebten Hund von seinen Qualen. Die Tierärztin war sehr einfühlsam und ging sehr liebevoll mit Jenny um. Ich durfte sie im Arm halten, während sie die Injektion bekam und sie schlief in meinen Armen ein.

Wir haben sie unter den Bäumen unseres Grundstücks begraben. Aber sie wird immer in unseren Herzen weiterleben.

Zur Regenbogenbrücke

Am Tag nach dem Überfall schrieb ich unserem Nachbarn folgenden Brief:

“Sehr geehrte Herr xy
Nachdem Ihr schwarzer Hund nun bereits das zweite mal über unseren Dackel hergefallen ist und diesen gekniffen und geschüttelt hat, möchte ich Sie bitten, diesen Hund nicht mehr frei herum laufen zu lassen. Ihr Hund zeigt soziales Fehlverhalten, da er auch dann nicht von dem Unterlegenen abläst, wenn dieser die Unterwürfigkeitshaltung einnimmt. Das macht diesen großen Hund gefährlich. Gestern Abend hat er Jenny erst wieder losgelassen, als mein Mann dazwischen gegangen ist. Jenny hat bei diesem Übergriff zwar keine schweren Verletzungen davongetragen, hinkt aber immer noch und hat Schmerzen am Rücken. Es ist nicht abzusehen, ob Ihr Hund nicht beim nächsten Angriff vielleicht richtig zubeißt und unserem Hund lebensgefährliche Verletzungen zufügt.”

Daraufhin kam er wutentbrannt zu uns, sein Hund sei völlig harmlos und wieso ich einen solchen Schmarrn schreiben würde. sein Hund hätte unseren nur "beschnuppert". wir wären wohl leicht streitsüchtig und wollten die gute Nachbarschaft gefährden...

Wir konnten ihn beschwichtigen und er trabte von dannen. 9 tage später schrieb ich im dann folgenden Brief:

“Sehr geehrter Herr xy. Ich muß Ihnen heute etwas sehr trauriges mitteilen. Wie ich Ihnen bereits in meinem letzten Brief geschrieben habe, hatte Jenny nach dem Angriff durch Ihren schwarzen Hund Schmerzen im Rücken und hinkte. Offensichtliche Verletzungen waren jedoch nicht feststellbar.

Zwei Tage später verlor sie ein dickes Büschel Haare an der Stelle, wo Ihr Hund sie gepackt hatte, aber es war keine offene Wunde vorhanden, so daß ich mir keine weiteren Sorgen machte. Ich dachte, das Hinken gibt sich wieder, ebenso wie das Schmerzempfinden, wenn man sie am Rücken streichelte. Das war ihr sichtbar sehr unangenehm. Auch hat sie seit dem Angriff nicht mehr richtig gefressen und lag viel in ihrem Körbchen. Ihre Munterkeit war wie ausgelöscht. Seit vergangenen Sonntag ist sie nun an den Hinterbeinen gelähmt, was durch einen Bandscheibenvorfall in dem Bereich, in dem Ihr Hund sie gepackt und geschüttelt hatte, ausgelöst wurde. Sie kann nicht mehr ohne ärztliche Hilfe ihre Geschäfte verrichten und braucht eine teure Behandlung. Wenn die Medikamente in den nächsten Tagen nicht ansprechen, muß sie operiert werden. Die ganze Sache kann schnell ein-bis zweitausend DM kosten, sagt die Tierärztin. Aber wir haben nicht soviel Geld, um das bezahlen zu können.
Ich bitte Sie daher, den Vorfall Ihrer Hundehalter-Haftpflichtversicherung zu melden, damit die die Kosten der Behandlung übernehmen können.
Ich werde es nicht auf einen Rechtsstreit ankommen lassen, aber ich hoffe auf Ihre Tierliebe, da wir Jenny sonst einschläfern lassen müssen. Und wir lieben sie sehr.”

Bereits einen Tag später mußten wir Jenny einschläfern lassen, da die Reflexe völlig erloschen waren und die Tierärztin ihr keine Heilungschance mehr einräumte. die Operation wurde damit hinfällig.

Nun wollten wir natürlich die bisher angefallenen Kosten für die 3-tägige Behandlung und das Einschläfern von ihm ersetzt haben, außerdem die Kosten für die Anschaffung eines neuen Hundes.

Ein paar Tage später bekamen wir Nachricht von seiner Versicherung, daß sie den Schaden nicht begleichen würde, da Herr xy ausgesagt hätte, sein Hund sei nicht Schuld am Tod von Jenny.

Wir schalteten nun unseren Anwalt ein und die Sache ging vor Gericht. Gleichzeitig reichte ich bei unserer Gemeinde einen Antrag ein, seinen Hunden Leinenzwang zu verordnen. Es folgten diverse Verhandlungstermine vor Gericht, das Ganze zog sich über ein Jahr hin. Zwischenzeitlich gab es zwei weitere Vorfälle mit diesen Hunden, die ich auf der Seite von Püppi und Lady erzähle.

Die Versicherung des Nachbarn behauptete nun, daß Jenny nicht durch den Angriff die tödliche Lähmung erlitten habe, sondern aufgrund einer plötzlich auftretenden Dackellähmung, was ja bei dieser Rasse eine weitläufig bekannte Erkrankung sei. Ich lies von meiner Tierärztin ein Gutachten erstellen, daß Jenny völlig gesund war und keine Dackellähmung vorlag. Dieses Gutachten reichte dem Richter jedoch nicht, er forderte ein unabhängiges Gutachten einer Spezialistin für Dackellähmung.
Diese Spezialistin mußte nun ein Jahr nach Jenny´s Tod eine Beurteilung über Jenny´s Gesundheit abgeben!!!!!
Das Gutachten war vernichtend. Es sagte ungefähr folgendes aus:

Es ist nicht auszuschließen, daß die Lähmung durch plötzlich auftretende Dackellähme entstanden ist. ein Zusammenhang mit dem Übergriff des beschuldigten Hundes ist nicht zweifelsfrei nachzuweisen, da zwischen dem Angriff und der Lähmung 10 tage lagen.

Aufgrund dieses Gutachtens mußte der Nachbar nur die Kosten der ersten Untersuchung bezahlen, die Kosten für dreitägiges Entleeren der Blase und das Einschläfern mußte ich selber bezahlen. Außerdem mußte der Nachbar nur 1/3 der Verhandlungskosten bezahlen, da der Überfall zwar zweifelsfrei stattgefunden hatte, aber der eigentliche Streitpunkt zu seinen Gunsten entschieden worden war.