Straßenverkehr
Das Erste was mir auffiel, als ich aus dem Flughafen kam, war: "Platz!", das Zweite: "Japaner!".
Und das ist auch das, was das Straßenbild in Neuseeland prägt. Breite Straßen mit vielen Japanischen Autos.
Der Grund für das großzügige Anlegen von Straßen ist klar: es gibt im dünn besiedelten Neuseeland einfach keine
Platzsorgen.
Der Grund für die vielen Japanischen Autos ist etwas schwieriger zu erklären.
Sowohl Japaner als auch Kiwis fahren auf der linken Straßenseite, deswegen ist es einfach,
Autos aus Japan zu importieren.
Dieser Handel ist extrem professionell. Einerseits natürlich im Neuwagengeschäft, wo Japaner sehr billig sind.
Dabei muss man eben beachten, dass der Seetransport der Autos von Japan nach Europa wesentlich teurer ist, als nach Neuseeland, aber Japaner auch in Europa preiswert sind.
Wesentlich beeindruckender als das Neuwagengeschäft
ist aber das Gebrauchtwagengeschäft, es steht dem offiziellen Handel mit Neuwagen nicht nach.
Mir wurde sogar gesagt, dass die starke Präsenz der Japaner auf dem Neuwagensektor zumindest
teilweise auf die Erfolge der Importeure zurückzuführen sei: Die Werke wollten auch am Neuseeländischen Markt teilhaben.
Zusammen mit den in weiten Teilen Neuseelands milden Wintern ergibt sich ein merkwürdiges Straßenbild. Wo sonst sind britische Klassiker wie Jaguar Mark II, Chrom-Japaner wie Toyota Celica I, Ami-Schlitten wie Chevrolet BelAir ebenso wie getunte Nissan Skylines,
Holden HSVs und langweilige Toyota Corollas ein fester Bestandteil des Straßenbildes? Ich habe sehr viele Fotos von Autos und Fahrzeugen gemacht, wahrscheinlich mehr als Landschaftsbilder.
Warum? Grüne Hügel werde ich sicher nochmal sehen, aber ein Toyota Crown Coupé? "Nie mehr?", um es mit Badesalz zu sagen, ist wahrscheinlich die einzig richtige Antwort.
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Aber Japan-Importe und wenig Streusalz sind nicht die einzigen Gründe. Wichtiger ist, dass es keine steuerlichen oder versicherungstechnischen Anreize gibt, Youngtimer zu verschrotten, da Autos ohne Kat keine Strafsteuern zahlen müssen.
Ein Blick auf Neuseeländische Straßen zeigt, wieviele Zeitzeugen von unseren heimischen Straßen für immer verschwunden sind. Mit Blick auf die Problematik der Umweltverschmutzung erfüllt mich dieses lebende Museum in Neuseeland allerdings mit gemischten Gefühlen.
Das Anmelden eines Autos ist in Neuseeland denkbar einfach. Man macht es auf der Post. Verkäufer und Käufer füllen
beim Verkauf ein Formular aus, mit dem geht man zur Post, gibt es ab. Das wird dann weggeschickt und man als neuer Besitzer registriert. Dann zahlt man noch Straßennutzungsgebühr. Wenn dann der Wagen noch eine gültige WoF (Warrant of Fitness) hat (entspricht einem halbjährlichen TÜV, der in einigen Punkten aber oberflächlicher ist), kann man schon fahren.
Gegen Personenschäden ist jeder über die ACC (Accident Compensation Corporation) versichert. Gegen Sachschäden kann man sich recht günstig versichern: Unter 50Euro für ein Jahr, wenn man nur "Third Party" wählt, also die selbstverschuldeten Schäden am eigenen Auto selber bezahlt. Und das ist durchaus üblich, da etliche Neuseeländische Wagen durch Volltanken ihren Wert merklich erhöhen...
Du denkst, Deutsche können kein Auto fahren? Denk' nochmal! Die breiten Straßen innerorts führen dazu, dass
der normale Kiwi und Asiate sofort überfordert ist, wenn die Straße durch abbiegende Autos und Ähnliches enger wird.
Einparken? Mangelhaft, ich habe Szenen gesehen, tragisch. Das gängige Vorurteil, Asiaten in Neuseeland könnten nicht Auto fahren, scheint zu stimmen. Ist schon der normale Kiwi bei einem Vergleich mit einem Offenbacher (oder Pinneberger für die Nordlichter) in schlechter Position, so entspricht das Fahrkönnen vieler Asiaten erstens nicht dem Leistungsvermögen ihrer getunten Skylines, WRXs und Civics und zweitens auch nicht dem einer/s Deutschen FahranfängerInS direkt nach der Prüfung.
Außerorts ist es vorbei mit breiten Straßen mit breiten Parkstreifen. Autobahnen? Sehr witzig! Nicht in Canterbury!
Stattdessen gibt es überwiegend gut erhaltenen Landstraßen, die natürlich "Highways" genannt werden. Die sind mehr oder weniger kurvig und anfangs habe ich mich kaum getraut mit meinem supertollen
Mazda
schneller als 80km/h zu fahren. Erlaubt sind meistens 100, Geschwindigkeitsbegrenzungen sind recht sparsam benutzt, zum Teil noch nicht mal in den "Ortsdurchfahrten". Naja, für vier Häuser lohnt das auch nicht wirklich. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber an die Straßen und kann auch flotter fahren. Eine der Sachen, an die man sich gewöhnen muss, ist die starke Wölbung der Straßen.
Auch interessant sind die zahlreichen einspurigen Brücken,
 Zug und zwei Richtungen Straße, eine Brücke.
denen man begegnet, wenn man von Christchurch in die Wildniss aufbricht.
Und die beginnt kurz hinter der Stadtgrenze. Selbst für nen passionierten Taunus-Kenner gewinnt hier der Begriff "leer" eine neue Bedeutung. Es empfiehlt sich also immer, den Tank gut gefüllt zu haben. Eine Strecke, die ich bedenkenlos an alle empfehlen kann, die gerne etwas Spaß haben, ist die Inlandsroute von Hanmer Springs nach Kaikoura.
Radarkontrollen gibt es natürlich, aber da tappen fast nur Asiaten rein (75%), dann noch ein paar Touristen (20%), der schmale Rest sind wahrscheinlich Kiwis, die zu betrunken sind, sich an die Radarfallen zu erinnern. Die Zahlen sind übrigens nicht weit weg von der Realität (+/-5%Punkte). Zwar sind die Polizeifahrzeuge gut ausgerüstet, mit der Möglichkeit aus dem fahrenden Auto den Gegenverkehr zu blitzen, aber die Weitläufigkeit des Landes macht das Erwischen von Schnellfahrern nicht ganz einfach. Wobei, eigentlich fährt der normale Kiwi immer zu schnell, wenn es sein Auto hergibt. Und dabei fällt einem dann noch etwas auf, was es in Deutschland nicht gibt: Freiwilliges Platzmachen. Doch, echt! In Neuseeland fährt der Langsamere links ran und der Schnellere wartet geduldig darauf. Zumindest spiegelt das meine Erfahrungen wider. Und nach einigen Wochen zurück auf Deutschen Autobahnen, vermisse ich das wirklich. Als Zyniker würde ich jetzt sagen, dass auch auf BABen der Langsamere links rüber fährt, aber ich bin ja nicht zynisch. :P
Zusammenfassend könnte man so sagen: Deutsche fahren technisch besser, Kiwis menschlich besser.
Australien hat Roadtrains, gigantische Truck&Trailer Combos. Was hat Neuseeland? Zuerst mal: Nicht so lange Distanzen, dann: kurvige Strecken. Deswegen haben sich in Neuseeland Trucks durchgesetzt, die zwar auch beeindruckend sind, aber in schierer Größe nicht mit den Australischen Roadtrains konkurrieren können. Das erste ist der B-Double. Eine Zugmaschine mit aufgesatteltem Auflieger. Die drei Achsen des Trailers ragen teilweise hinter dem Aufbau heraus und bieten Platz für eine zweite Sattelkupplung. Hierauf ist wieder ein Trailer aufgesattelt,
entweder zwei- oder dreiachsig, aber ohne Sattelkupplung.
Die zweite häufige Variante ist das Pendant zu unserem Hängerzug. Nur ist hier die Zugmaschine meist vierachsig, ebenso wie der Anhänger, zwei Achsen vorne, zwei hinten.
Es gibt zwar auch beeindruckende "normale" Auflieger Trucks mit insgesamt sechs Achsen, diese sind aber wegen ihrer großen starren Länge nur sehr selten auf den kurvigen Inlandsrouten zu finden.
Die Fahrausbildung ist komplett anders als bei uns. Auf Nachfrage bei mehreren noch jungen
Kiwis stellte sich heraus, dass die meisten wohl verdrängen, wie es abläuft. Soviel habe ich rausbekommen können:
Es gibt zwar Fahrschulen, aber man muss nicht bei denen lernen, es reicht wohl auch ein Erwachsener mit Führerschein daneben. Nach ner Zeit bekommt man dann eine "Restricted Licence", mit der man (ohne Aufsicht)
nicht weit weg von zu hause darf und auch andere Einschränkungen hat. Nach ner bestimmten Zeit bekommt man dann ziemlich automatisch die volle Lizenz. In der Zeit vor der "Restricted Licence" pappt man sich einen dreieckigen gelben Sticker ans Auto mit einem "L" drin. Ich weiß noch nicht, ob das für "Loser" oder "Learner" steht. Was ich weiß, ist, dass man sich von solchen Fahrzeugen möglichst weit fernhalten sollte. Deutlich weiter als bei einem Deutschen Fahrschulwagen.
Einen zweiten Satz Pedale gibt es nämlich nur in einigen der Fahrschulen.
Die beste Erfindung des Neuseeländischen Straßenverkehrs ist eindeutig die Position der Ampeln. Sie stehen nicht nur vor der Kreuzung, sondern auch dahinter. So muss man sich nicht immer den Kopf verrenken, um die Ampel zu erkennen, wenn man in vorderer Reihe steht.
Die Radwege sind meist durch einen weißen Streifen von der Fahrbahn abgetrennt. Das sorgt einerseits dafür, dass die Oberfläche von guter Qualität ist, andererseits, dass man ständig mit den Unarten der Autofahrer Bekanntschaft schließt. Der Wagen, der sich eben noch langsam an einem vorbei geschoben hat, hält jetzt links neben dem Radstreifen an. Natürlich ohne Blinker zu setzen. Auch nett sind die Kollegen, die gerade dann aus ihrer Parklücke rausfahren, wenn man angeflogen kommt. Am besten sind die, die dann gleich wenden. Das ist zwar in einem Zug möglich, aber sorgt beim Biker für erhöhte Hormonspiegel. Einige verzichten deswegen ganz auf das Radfahren im Straßenverkehr, aber mal ganz ehrlich: Die Standardfehler Deutscher Autofahrer sind nicht wesentlich ungefährlicher, nur anders.
Das war der Straßenverkehr, aber was ist mit anderen Verkehrsmitteln? Die Bahn besitzt nicht-elektrifizierte Schmalspurtrassen in erbarmungswürdigem Zustand. Kohlezüge bringen Kohle von der
Westküste nach Canterbury - im Schneckentempo.
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