Geschichte:
Das Land war einige Jahrhunderte v. Chr. von Dakern und Geten bewohnt; seit dem
7. Jahrhundert v. Chr. wurden griechische Kolonien gegründet; 107 n. Chr. kam es
unter römische Herrschaft und wurde rasch romanisiert (Provinz Dacia Trajana
107-271 n. Chr.). Von Kaiser Aurelian 271 vor den Goten geräumt, wurde es von
den Wellen der Völkerwanderung erfasst. Das seit Mitte des 6. Jahrhunderts
bestehende Gepidenreich wurde 567 von den Langobarden zerstört; später war das
Land Teil des Awarenreichs, nach dessen Vernichtung durch Karl den Großen um 800
zeitweilig von Bulgaren beherrscht.
Seit dem 6. Jahrhundert waren Slawen eingedrungen. Im 10./11. Jahrhundert
bildeten sich kleinere Herrschaften; Siebenbürgen geriet unter ungarischen
Einfluss und wurde 1526 Fürstentum. Im 14. Jahrhundert entstanden die beiden
Fürstentümer Moldau und Walachei. Sie gerieten im 15. Jahrhundert unter
osmanische Oberhoheit, konnten sich jedoch eine gewisse Selbständigkeit
erhalten. Die Walachei brachte mit Michael dem Tapferen (1593-1601), die Moldau
mit Stephan dem Großen (1457-1504) bedeutende Fürsten hervor. Nach der
Beteiligung des moldauischen Gospodaren D. Cantemir am missglückten Pruthfeldzug
Peters des Großen 1711 begünstigten die Sultane in beiden Fürstentümern die
Herrschaft landfremder (griechischer) Gospodare (Fanariotenherrschaft 1711-1821,
beendet mit dem griechischen Unabhängigkeitskrieg).
Die Fürstentümer lagen seit dem Rückgang der türkischen Macht im 18. Jahrhundert
im Spannungsfeld zwischen Österreich und Russland. Dieses erhielt 1829 das
Protektorat über Moldau und Walachei, verlor es aber nach dem Krimkrieg 1856.
Oberst A. I. Cuza wurde 1859 zum Fürsten sowohl der Moldau wie der Walachei
gewählt. Er proklamierte 1861 ihre staatliche Einheit als Rumänien. Wegen seiner
Reformen und seines autoritären Regimes wurde Cuza 1866 durch eine Verschwörung
gestürzt. Karl von Hohenzollern-Sigmaringen folgte als Carol I. (bis 1914);
maßgebender Politiker wurde I. Bratianu der Ältere. Auf dem Berliner Kongress
1878 wurde die Unabhängigkeit Rumäniens anerkannt. 1881 erklärte sich Rumänien
zum Königreich.
Im 1. Balkankrieg neutral, nahm Rumänien am 2. Balkankrieg teil und gewann von
Bulgarien die Süddobrudscha. Spannungen mit Russland trieben Rumänien an die
Seite des Deutschen Reichs und Österreichs. König Carol konnte die Beteiligung
Rumäniens im 1. Weltkrieg an der Seite der Mittelmächte nicht durchsetzen. Unter
seinem Nachfolger Ferdinand I. (1914-1927) trat Rumänien 1916 an der Seite der
Entente in den Krieg ein. Es erhielt durch die Friedensschlüsse von
Saint-Germain und Trianon 1919/20 Bessarabien, das östliche Banat, die Bukowina
und Siebenbürgen (Groß-Rumänien) zugesprochen. Im Innern kam es zu Spannungen
mit den Minderheiten, Rumänien lehnte sich zunächst an die Alliierten an, war
1920 der Kleinen Entente (mit Jugoslawien und der Tschechoslowakei) beigetreten,
suchte jedoch in den 1930er Jahren, vorwiegend aus wirtschaftlichen Gründen,
Anlehnung an Deutschland. Es verlor 1940 Bessarabien und die Nordbukowina an die
Sowjetunion, den Hauptteil Siebenbürgens an Ungarn, die Süddobrudscha an
Bulgarien (2. Wiener Schiedsspruch).
1940 machte sich General I. Antonescu u. a. mit Hilfe der "Eisernen Garde" zum
Staatsführer; Carol II. (Karl II.; seit 1930) wurde abgesetzt und verließ das
Land; den Thron bestieg sein Sohn Michael I. Unter Antonescu nahm Rumänien auf
deutscher Seite am 2. Weltkrieg gegen die Sowjetunion teil. Seit Anfang 1944
bereitete König Michael gemeinsam mit I. Maniu in Geheimverhandlungen mit den
Westmächten und dann mit Moskau den Abfall vom deutschen Bündnis und den Sturz
Antonescus vor (1944). Entgegen den Hoffnungen Michaels und seiner Vertrauten
geriet Rumänien unter sowjetischen Einfluss, die bürgerlichen Parteien wurden
ausgeschaltet. Durch die Pariser Friedensverträge erhielt Rumänien die Grenzen
von 1941 (Bessarabien und die Nordbukowina an die UdSSR, die Süddobrudscha an
Bulgarien). Mit der Abschaffung der Monarchie am 30. 12. 1947 wurde die
"Volksrepublik Rumänien" proklamiert. Industrie und Handel wurden verstaatlicht,
die Landwirtschaft kollektiviert, das Gesellschaftssystem in enger Anlehnung an
die Sowjetunion umgestaltet. Rumänien trat dem Rat für gegenseitige
Wirtschaftshilfe und dem Warschauer Pakt bei. Parteichef der Kommunistischen
Partei (1947-1965: Rumänische Arbeiterpartei) war seit 1945 G. Gheorghiu-Dej. Er
leitete zu Beginn der 1960er Jahre eine vorsichtige Distanzierung von der
Sowjetunion ein. Sein Nachfolger N. Ceauşescu (seit 1965 Generalsekretär der
Partei, seit 1967 zugleich Staatsoberhaupt) setzte diese Politik in verstärktem
Maße fort. Rumänien verhielt sich vielfach anders als die übrigen
Ostblockstaaten; es blieb im sowjetisch-chinesischen Konflikt neutral, brach
1967 die Beziehungen zu Israel nicht ab, verurteilte 1968 den Einmarsch der
Warschauer-Pakt-Staaten in die ČSSR, kritisierte 1980 die sowjetische Besetzung
Afghanistans und nahm 1984 an den von der UdSSR boykottierten Olympischen
Spielen teil.
In der Innenpolitik verfolgte das Regime einen harten Kurs. Um in kurzer Zeit
sämtliche Auslandsschulden Rumäniens zu tilgen, wurde die Bevölkerung weit
gehender Verelendung ausgesetzt. 1989 kam es unter dem Eindruck der politischen
Wende in den übrigen Ostblockstaaten zu einer Volkserhebung gegen das Regime,
der sich das Militär anschloss. In Bukarest gab es Kämpfe zwischen Einheiten der
Geheimpolizei Securitate und der Armee. Ceauşescu versuchte zu fliehen, wurde
aber gefasst und am 25. 12. 1989 zusammen mit seiner Frau nach einem
Schnellgerichtsverfahren erschossen. Ein Revolutionsrat ergriff die
Exekutivgewalt. Führer dieses Rats "Front zur nationalen Rettung" und
Staatsoberhaupt wurde I. Iliescu, ein ehemaliger hoher Parteifunktionär. Das Amt
des Ministerpräsidenten übernahm P. Roman. Die neue Führung gewährte die
bürgerlichen Freiheitsrechte und änderte den Staatsnamen in "Republik Rumänien".
Im Mai 1990 fanden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Iliescu wurde
mit 85% der Stimmen zum Staatspräsidenten gewählt. Im Parlament erhielt die
Front, die sich inzwischen als Partei konstituiert hatte, eine
Zweidrittelmehrheit. Die Opposition sprach von massiver Wahlbeeinflussung. Nach
Arbeiterdemonstrationen trat im September 1991 die Regierung Roman zurück; neuer
Ministerpräsident wurde T. Stolojan, der auch Oppositionelle in das Kabinett
aufnahm. Ende 1991 wurde eine neue Verfassung mit Garantien für Pluralismus und
Menschenrechte verabschiedet und anschließend in einer Volksabstimmung
bestätigt. 1992 spaltete sich die "Front". Die Anhänger Iliescus bildeten die
Demokratische Front der Nationalen Rettung (FDSN), die aus den Parlamentswahlen
im September 1992 als stärkste Partei hervorging. Iliescu wurde im Oktober 1992
in einer Stichwahl in seinem Präsidentenamt bestätigt. Der Parteilose N.
Vacaroiu bildete ein Minderheitskabinett aus FDSN-Mitgliedern und unabhängigen
Fachleuten. 1993 wurde die FDSN in Partei der Sozialen Demokratie Rumäniens (PDSR)
umbenannt. Im selben Jahr wurde Rumänien Mitglied des Europarats. Aufgrund der
schlechten Wirtschaftslage sah sich die Regierung erheblicher öffentlicher
Kritik ausgesetzt. Um seine parlamentarische Basis zu erweitern, bezog Vacaroiu
auch links- und rechtsnationalistische Kräfte in die Regierungsarbeit ein. Dies
stieß vor allem im westlichen Ausland auf Ablehnung. Die Beziehungen zu Ungarn
blieben wegen der nach wie vor ungelösten Frage der ungarischen Minderheit in
Rumänien gespannt. Bei den Parlamentswahlen 1996 wurde das oppositionelle
Parteienbündnis Demokratische Konvention (CDR) zur stärksten politischen Kraft.
Der CDR-Kandidat E. Constantinescu gewann im Stichentscheid gegen den bisherigen
Amtsinhaber Iliescu auch die Präsidentschaftswahlen. Neuer Ministerpräsident an
der Spitze einer Koalitionsregierung aus Demokratischer Konvention, der
Sozialdemokratischen Union (UDS) und der Demokratischen Union der Ungarn
Rumäniens (RMDSZ) wurde V. Ciorbea (CDR). Nach dem Rücktritt Ciorbeas im März
1998 wurde R. Vasile (CDR) neuer Ministerpräsident. Ihm gelang es nicht, die
wirtschaftliche Neustrukturierung Rumäniens zu beschleunigen. Nach einer
Regierungskrise wurde Vasile im Dezember 1999 von Staatspräsident Constantinescu
entlassen. Mugur Isarescu, der frühere Chef der Nationalbank, übernahm das Amt
des Regierungschefs. Die Parlamentswahlen im November 2000 gewann die
postkommunistische PDSR. Ihr Führer Iliescu konnte sich im Dezember 2000 bei
einer Stichwahl zum Staatspräsidenten durchsetzen. Neuer Ministerpräsident wurde
Adrian Nastase (PDSR).