» Das Leben der Anderen «
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Der Film enthält m. E. (auto-)biographische Daten des legendären Ex-Geheimdienst-Chefs der HV A (Hauptverwaltung Aufklärung) Markus Wolf deren Spionage-Strategie die Unterwanderung der Strukturen des Klassenfeindes war. Der Kanzleramts-Spion Günter Guillaume war nur einer ihrer spektakulären Coups. In Wolfs Biographie (.pdf) im Deutschen Historischen Museum, Berlin heißt es: "... Wolfs Spionagestrategie liegt vor allem im Eindringen in die westlichen Führungszentren und dabei besonders der bundesdeutschen Gesellschaft. Seine Agenten sollen auf bürgerlichem Wege in einflussreiche Stellungen gelangen und ihre Spionagetätigkeit erst aufnehmen, wenn sie dieses Ziel erreicht haben. ..."

Dass dazu ganz wichtig auch die Medien gehörten und gehören, sieht man an der Umsetzung des Stoffes und vor allem an der Realität.

Klar ist auch, dass das ggf. auch Erpressungs-Potential bedeutet. Für Leute, die ehedem als Agenten eingeschleust wurden und denen nun, da es die DDR zwar nicht mehr, sehr wohl aber andere "Schläfer" und Seilschaften gibt, ihre Karriere und Position wichtiger sind als ihr alter Auftrag, der ja an sich auch mit dem Ende der DDR und ihres Regimes beendet sein sollte.

Gefahr ging und geht von den "Ewig Gestrigen" aus, zu denen vielleicht ein "Politruk" wie Erich Mielke gehörte, m. E. aber nicht ein Soldat wie Wolf. Er war knallhart, aber erbarmungsloser als ein Verteidigungsminister Jung, der Passagierflugzeuge abschießen lassen will, wohl auch nicht.

Ich lerne gerne dazu, wenn ich mich irren sollte - natürlich vorzugsweise im positiven Sinne. Ich jedenfalls möchte keinen totalitären Staat, weder links- noch rechtsextrem.

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1. Jürgen-Fuchs-Gedicht »JETZT BIN ICH RAUS«

Kann ich erzählen
Wie es war

Aber das
Läßt sich nicht erzählen

Und wenn
Müßte ich sagen
Was ich verschweige

Zum Beispiel
Daß ich am 17.12.1976 in meiner Zelle saß
Mit dem Rücken zur Tür
Und weinte
Weil ich am Vormittag das Angebot abgelehnt hatte
Mit ihnen zusammenzuarbeiten

Und du weißt
Was es heißt, mit ihnen zusammenzuarbeiten

(Jürgen Fuchs: Tagesnotizen, Gedichte, Reinbek bei Hamburg 1979. S. 23.)


2. Maxim Gorki-Text über Lenin & Beethoven

Eines Abends, in Moskau, in der Wohnung von E. P. Peschkowa, sagte Lenin, als er einer Beethoven-Sonate lauschte, die Issai Dobrowejn spielte: "Ich kenne nichts Besseres als die 'Appassionata', ich könnte sie jeden Tag hören. Eine erstaunliche, nicht menschliche Musik. Ich denke immer voller Stolz, der vielleicht naiv ist: Was für ein Wunder können die Menschen vollbringen!"

Und mit zusammengekniffenen Augen und einem kurzen Lachen fügte er nicht besonders fröhlich hinzu: "Doch kann ich die Musik nicht oft hören, sie greift die Nerven an, man möchte liebevolle Dummheiten sagen und den Menschen die Köpfe streicheln, die in einer widerwärtigen Hölle leben und so etwas Schönes schaffen können. Aber heutzutage darf man niemandem den Kopf streicheln - die Hand wird einem abgebissen, man muß auf die Köpfe einschlagen, mitleidslos einschlagen, obwohl wir, unserem Ideal nach, gegen jede Gewaltanwendung gegenüber Menschen sind. Hm-hm, ein teuflich schweres Amt!"


3. Die »Stasi-Ballade« von Biermann

Die Stasi-Ballade

1
Menschlich fühl ich mich verbunden
mit den armen Stasi-Hunden
die bei Schnee und Regengüssen
mühsam auf mich achten müssen
die ein Mikrophon einbauten

um zu hören all die lauten
Lieder, Witze, leisen Flüche
auf dem Klo und in der Küche
- Brüder von der Sicherheit
ihr allein kennt all mein Leid

Ihr allein könnt Zeugnis geben wie mein
ganzes Menschenstreben
leidenschaftlich zart und wild
unsrer großen Sache gilt
Worte, die sonst wärn verscholln
bannt ihr fest auf Tonbandrolln
und ich weiß ja! Hin und wieder
singt im Bett ihr meine Lieder
- dankbar rechne ich euchs an:
die Stasi ist mein Ecker
die Stasi ist mein Ecker
die Stasi ist mein Eckermann

2
Komm ich nachts allein mal
müd aus meinem Bierlokal
und es würden mir auflauern
irgendwelche groben Bauern
die mich aus was weiß ich für
Gründen schnappten vor der Tür
- so was wäre ausgeschlossen
denn die grauen Kampfgenossen
von der Stasi würden - wetten?! -
mich vor Mord und Diebstahl retten

Denn die westlichen Gazetten
würden solch Verbrechen - wetten?! -
Ulbricht in die Schuhe schieben
(was sie ja besonders lieben!)
dabei sind wir Kommunisten
wirklich keine Anarchisten
Terror (individueller)
ist nach Marx ein grober Fehler

die Stasi ist, was will ich mehr
mein getreuer Leibwäch
mein getreuer Leibwäch
mein getreuer Leibwächter

3
Oder nehmen wir zum Beispiel
meinen sexuellen Freistil
meine Art, die so fatal war
und für meine Frau ne Qual war
nämlich diese ungeheuer
dumme Lust auf Abenteuer
- seit ich weiß, daß die Genossen
wachsam sind, ist ausgeschlossen
daß ich schamlos meine Pfläumen
pflücke von diversen Bäumen

Denn ich müßte ja riskiern
daß sie alles registriern
und dann meiner Frau serviern
so was würde mich geniern
also spring ich nie zur Seit
spare Nervenkraft und Zeit
die so aufgesparte Glut
kommt dann meinem Werk zugut
- kurzgesagt: die Sicherheit
sichert mir die Ewig
sichert mir die Ewig
sichert mir die Unsterblichkeit

4
Ach, mein Herz wird doch beklommen
solltet ihr mal plötzlich kommen
kämet ihr in eurer raschen
Art, Genossen, um zu kaschen
seis zu Haus bei meinem Weib
meinen armen nackten Leib
ohne menschliches Erbarmen
grade, wenn wir uns umarmen

oder irgendwo und wann
mit dem Teufel Havemann

Wenn wir singen oder grad
Konjak kippen, das wär schad
ach, bedenkt: ich sitz hier fest
darf nach Ost nicht, nicht nach West
darf nicht singen, darf nicht schrein
darf nicht, was ich bin, auch sein
- holtet ihr mich also doch
eines schwarzen Tags ins Loch
ach, für mich wär das doch fast
nichts als ein verschärfter
nichts als ein verschärfter
nichts als ein verschärfter Knast

Nachbemerkung und Zurücknahme

Doch ich will nicht auf die Spitze
treiben meine Galgenwitze
Gott weiß: es gibt Schöneres
als grad eure Schnauzen

Schönre Löcher gibt es auch
als das Loch von Bautzen

(Wolf Biermann »Alle Lieder«, S. 204ff., herausgebracht 1991 von Kiepenheuer & Witsch, Köln)


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(Seite zuletzt geändert: 17.09.2007, 11:59 Uhr)