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Ihr neues Ziel: den Ball in persönlichen Dingen flach halten, aber beruflich ranklotzen.
Trotz ihrer Weigerung über Privatangelegenheiten zu sprechen, erklärt sie bereitwillig, warum damit künftig Schluss ist. Die Latina will ihr Liebesleben schützen und das Getuschel um ihre Ehe auf ein Minimum begrenzen. Trotzdem spricht sie im Interview über Romanzen, Ehe und sogar über ihre erste Liebe.
Hatten Sie beim Drehen im kanadischen Winnepeg für "Darf ich bitten?" etwas mehr Privatsphäre in Bezug auf die Medien?
Jennifer Lopez: Gibt es so etwas wie Abgeschiedenheit von den Medien? Ich weiß es nicht. Obwohl ich es versuche, ist es mir noch nicht gelungen, das zu erreichen. Ich probiere gerade unterschiedliche Taktiken, verschiedene Herangehensweisen.

Welche Taktiken haben Sie beim Versuch, ihr Leben aus den Medien herauszuhalten?
Jennifer Lopez: Meine größte Herausforderung ist meine Karriere. Ich habe mich mit meiner Karriere immer sehr gut gefühlt, auch mit den Entscheidungen, die ich getroffen habe und wie ich durch die ganzen Dinge durchgekommen bin. Die größte Herausforderung der letzten paar Jahre war, dass mein Image nicht meine künstlerische Arbeit überschattete, diese beiden Dinge von der eigentlichen Arbeit zu trennen. Ich bin der Meinung, dass es in der früheren Zeit viel besser war, als es nicht so sehr um das Privatleben der Leute ging, sondern vielmehr um die Arbeit, die sie leisteten.
Es wurde damals alles etwas mehr durch das Studiosystem kontrolliert und unsere Stars umgab so etwas Mysteriöses. Deshalb können wir sie heute immer noch ansehen. Wir finden Dinge über sie heraus und das ist auch in Ordnung, aber man hat eine Weile diese Illusion über sie. Wenn man sich Filme ansah, haben sie so viel mehr Eindruck hinterlassen, weil man nicht wusste, mit wem die Schauspieler zusammen waren oder ob sie verheiratet waren oder was sonst noch so passierte. Es ist bescheuert, es hat mit der Arbeit, die man leistet, nichts zu tun, aber heute tut es das, und das ist für mich die größte Herausforderung.

Wie vermeiden Sie das Rampenlicht, nachdem Sie so lange darin standen?
Jennifer Lopez: Ich glaube, ich versuche einfach den Blickpunkt wieder auf das zu lenken, was ich als Künstlerin tue und nicht auf das, was ich zu Hause mache. Ich hatte diese Einstellung schon immer und vielleicht ist es die Bronx in mir oder was auch immer, ich war einfach da draußen und sehr aufgeschlossen. Ich habe von Natur aus einen freien Geist, deshalb habe ich über viele Dinge nicht nachgedacht und habe mich geweigert, mich durch das Geschäft verändern zu lassen, indem ich zu so einer zurückgezogen lebenden, verschlossenen Person werde. Wenn man älter wird, und ich bin mittlerweile schon lange in diesem Geschäft, etwa 15 Jahre, dann macht man in seinem Leben verschiedene Dinge durch und es wird einem klar, dass man Grenzen setzen muss. Man muss sagen: 'Das ist okay und das ist nicht okay. Dies tue ich um Geld zu verdienen und das ist mein Leben, und zwar das einzige, das ich bekomme.' So versuche ich derzeit an die Dinge heranzugehen, um den Blickpunkt wieder darauf zu richten was ich tue. Ich bin Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin.

Sind Sie der Meinung, dass die ganze auf sie gerichtete Aufmerksamkeit der Medien außer Kontrolle geriet?
Jennifer Lopez: Oh ja, es hat auf jeden Fall einen kritischen Punkt überschritten, ganz sicher. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ein paar Jahre lang etwas nicht mehr unter meiner Kontrolle war. Ich dachte: 'Was ist das für ein Ding, das ich geworden bin? Wer ist dieses Ding?' Ich mochte es nicht. Ich habe es immer bewältigt, aber dann hat sich mein Leben geändert. Ich bin jetzt etwas älter und ich mag behaupten, auch etwas weiser und reifer, und ich denke, ich habe aus den Erfahrungen gelernt und da bin ich jetzt gerade. Das wird sich in den Entscheidungen widerspiegeln, die ich persönlich und beruflich machen werde.

Spiegelt die Traurigkeit Ihrer Figur in "Darf ich bitten?" wider, was in Ihrem eigenen Leben passierte?
Jennifer Lopez: Wenn man einen Film macht, dann bringt man immer etwas Persönliches in den Charakter mit ein. Sie war sehr introvertiert und hatte ihre Träume aufgegeben. Mir ging es eigentlich nicht genauso, aber ich habe es verstanden, weil ich selbst durch verschiedene schwierige Situationen gehen musste. Ich hatte andere Momente, in denen die Dinge nicht wie erwartet liefen.
Wie macht man dann also weiter? Ich konnte das auf jeden Fall verstehen, auch dass sie ihre Leidenschaft wieder zurückerlangt. Ich bin der Meinung, dies geschieht im Leben immer wieder. Ich glaube nicht, dass ich die Einzige bin, die eine Enttäuschung hinnehmen musste, dass man denkt etwas wird genau so passieren wie man es möchte und man wird es schaffen und dann ist aber doch alles ganz anders. Man muss sich Gedanken machen, ganz von Anfang an beginnen und sich sagen: 'Also, wo fing es an falsch zu laufen, was passierte da, warum habe ich diese Situation nicht für mich entschieden?' und dann muss einem klar werden, dass man Dinge aus bestimmten Gründen tun muss und dass es die richtigen Gründe sein müssen. Wenn es die richtigen Gründe sind, dann klappen die Dinge auch.

Wie haben Sie sich von dem Rückschlag durch "Gigli" wieder erholt?
Jennifer Lopez: Ich sehe "Gigli" nicht so, wie es der Rest der Welt anscheinend tut. Ich bewerte meinen Erfolg daran, ob ich meine Arbeit gemacht habe oder nicht und wie gut ich sie gemacht habe. Ich betrachte den Film für mich als Erfolg, weil ich hingegangen bin und das Beste gegeben habe, was ich konnte. Wenn ein Film beendet ist und ich denken würde: 'Das hast du nicht richtig gemacht', was zum Glück noch nie passiert ist, dann würde ich meine Arbeit als Misserfolg betrachten. Und in diesem Sinne tue ich das nicht.

Warum haben Sie sich dazu entschlossen, in der Öffentlichkeit nicht mehr über Ihr Privatleben zu sprechen?
Jennifer Lopez: Das ist keine Strategie. Für mich ist es eine Sache der Lebensqualität. Man glaubt, man komme damit klar, wenn alle Leute einen beurteilen und über einen sprechen, und man sagt sich selbst: 'Ich kümmere mich nicht darum, es bedeutet mir nichts, mir ist es egal, was andere Leute über mich reden.' Aber egal wie sehr man sich das sagt, dieses Zeug kommt irgendwie doch unter deiner Tür durch und dringt in dein Leben ein. Es geht nicht um ein bestimmtes Wort oder eine bestimmte Sache, es geht einfach darum, dass man so eine destruktive Energie in seinem Leben hat. Mir ist klar, dass die Leute interessiert sind. Es geht nicht darum, dass ich sage, ihr habt kein Recht etwas über mein Leben zu erfahren. Aber der Grund dafür, dass ich in der Öffentlichkeit stehe, ist meine Arbeit. Es ist nicht so, dass die Leute dachten, ich sei eine interessante Person und wollten dann mehr über mich erfahren. Es ist so, weil ich ein Album herausgebracht habe oder in einem Film mitspiele. Ich will den Blickpunkt wieder auf meine Karriere lenken, denn ich hatte einfach keine richtige Lebensqualität und keinen Spaß mehr. Es beeinträchtigt Beziehungen und es beeinträchtigt die Art wie man sich fühlt.

Wie würden Sie diese Lebensqualität beschreiben, wenn Sie zu Hause sind?
Jennifer Lopez: Ich schaue fern, ich esse zu Abend. Bei mir schaukelt keiner an den Kronleuchtern, keine Rockstars kommen vorbei. Wahrscheinlich finden Sie das langweilig, aber das ist das Leben, es ist meine Familie, das bin ich.

Würden Sie die jetzige Zeit als eine zweite Phase ihrer Karriere betrachten?
Jennifer Lopez: Ich fühle mich wie an einem Anfang. Ich habe wirklich das Gefühl, dass jetzt die zweite Phase beginnt. Ich denke, all das, was ich getan und erreicht habe, war großartig, aber es war diese andere Person, die ich jetzt in einem anderen Licht sehe. Ich habe mich weiterentwickelt und glaube, dass sich das in meinen Entscheidungen widerspiegeln wird, eben wie ich generell bin. Wie man wirklich als Person ist, blickt immer auch in den Entscheidungen durch, die man trifft.

Können Sie eigentlich irgendwo unerkannt hingehen?
Jennifer Lopez: Ja und nein. Ich tue es sowieso nicht so oft. Meistens bin ich im Auto unterwegs und fahre genau da hin wo ich hin will oder gehe genau in einen bestimmten Laden. Ich vermisse das Herumschlendern ein bisschen. Wenn ich in ein Auto steige, dann mache ich es wirklich meist so wie die Hunde – Kopf rausstrecken und die Luft schnuppern, weil ich die nicht immer habe.

Wie sieht für sie der ideale Fluchtpunkt aus?
Jennifer Lopez: Ich mag es sehr, völlig abgeschieden zu sein, weil sonst immer so viele Leute um mich herum sind. Die Antwort ist also: Wann immer es still ist, diese Momente sind das Beste. St. Barts ist wie eine große Party, aber wenn ich da bin, bekommt es niemand mit. Ich gehe nicht aus dem Haus. Ich nehme mir ein Haus mit Pool, wo man einfach nur rumliegen und seine Ruhe haben kann, und drinnen kocht jemand etwas sehr leckeres und ich schlafe richtig aus und esse ganz viel.

Haben Sie sich mit Richard Gere bei den Dreharbeiten von "Darf ich bitten?" über Buddhismus unterhalten?
Jennifer Lopez: Wir haben darüber gesprochen. Ich sagte ihm 'Ich frage mich, ob ich immer so stark bleiben kann'. Darauf sagt er dann: 'Vielleicht ist es an der Zeit auf andere Art stark zu sein.' Ich erinnere mich an diese eine Sache am Set und habe daran oft gedacht. Er sagte nicht 'Du musst konvertieren', aber er gab mir gute Ratschläge. Nun lese ich all diese Bücher über Spiritualität wie "The Power Of Now". Es ist kompliziert, aber es bringt dich zum Nachdenken.

Wie würden sie Ihre Spiritualität beschreiben?
Jennifer Lopez: Ich war 12 Jahre in einer katholischen Schule und bin jeden Sonntag zum Gottesdienst gegangen. Ich denke, das ist eine gute Basis. Ich habe aber auch andere Philosophien, spirituelle Philosophien erforscht. Ich mache was am besten funktioniert, bete oft und weiß, dass es eine Kraft in der Welt gibt. Wenn man Liebe sät, wird man Liebe ernten. Ich glaube, das ist ziemlich simpel und eine grundlegende Sache, der ich folge.

Was sagt "Darf ich bitten" über Liebe und Ehe aus und was ist Ihre Philosophie?
Jennifer Lopez: Es ist durchaus realistisch, dass eine lange Ehe in Routine übergehen kann und Dinge langweilig werden und man Höhen und Tiefen überwinden muss, in dieser Hinsicht ist wirklich etwas Wahres daran. Im Grunde genommen musst du das mit dir selbst ausmachen, es ist nicht die Aufgabe des Partners. Es liegt in dir drin, es ist persönlich und intim und du musst mit dir selbst zufrieden sein, um eine lange Partnerschaft führen zu können. Es ist wirklich romantisch, wenn du mit dir selbst im reinen bist.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Liebe?
Jennifer Lopez: Meine erste Liebe war ein Junge von der High School, er hieß David und wir waren neun Jahre lang während der High School-Zeit zusammen, bis ich fast 24 war. Ich habe viele Erinnerungen. Es war ein Lebensabschnitt; ich war 16 als ich ihn traf. Meine beste Freundin und sein bester Freund waren zusammen und als er mich gesehen hat, hat er sich sofort in mich verliebt. Ich hatte kurze Haare, war ein bisschen übergewichtig und hatte zu meiner Schuluniform auch noch kleine Stiefel an. Ich dachte 'Der kommt sich aber toll vor'. Anfangs habe ich ihn überhaupt nicht gemocht. Als er das dann hörte, ist er richtig sauer geworden und hat mich nicht mehr beachtet. Als wir nach den Ferien zurück in die Schule kamen, es war das vorletzte Schuljahr, habe ich ihn an der Bushaltestelle gesehen und festgestellt, dass er über den Sommer viel niedlicher geworden ist! Er hörte das und dann mochte er mich wieder. Das letzte Mal, dass wir miteinander geredet haben ist ungefähr eineinhalb Jahre her, aber wir haben immer noch Kontakt, da er in der gleichen Nachbarschaft lebt, in der ich aufgewachsen bin, in Castle Hill in der Bronx. Meine Großmutter lebt immer noch dort und ab und zu laufen wir uns dort über den Weg und dann telefonieren wir ein bisschen und dann gehen wir wieder getrennte Wege.

Können Sie von ihrem Engagement im Kinderkrankenhaus in Los Angeles erzählen?
Jennifer Lopez: Ich habe einen Humanitarian Award für die Zusammenarbeit mit dem Kinderkrankenhaus bekommen, und die Arbeit war einfach wundervoll. Es kam sehr überraschend. Gisele Fernandez (Regisseurin) hat mich angesprochen, denn sie selbst war sehr bewegt von der Arbeit im Krankenhaus, die für ihr Leben sehr wichtig geworden ist. Der Fakt, dass über 60 Prozent der Kinder, die dort behandelt werden, Latinos sind und ich selbst eine Latina bin, war außerdem ausschlaggebend. Sie lehnen dort kein Kind ab. Es ist egal, wie viel Geld du hast, wenn du ein krankes Kind bist und in dieses Krankenhaus kommst, dann werden sie alles tun, um dir zu helfen. Ich war wirklich glücklich, daran teilzuhaben. Ich habe viele der kranken Mädchen dort getroffen und fünf oder sechs von ihnen kennen gelernt und sie haben mich während meiner Arbeit besucht. Ich habe sie auch mit zum Set genommen. Ich habe jedes Kind auf der Krebsstation getroffen und die ganzen Babys. Dann haben sie mir diesen Award verliehen. Dabei hätten sie das gar nicht machen müssen, ich hätte das sowieso getan. Und ich werde auch weiterhin im Krankenhaus arbeiten, denn wir haben schon eine Menge Geld zusammen.

Weckt das in Ihnen den Wunsch später selbst eine Familie zu gründen?
Jennifer Lopez: Ich liebe Kinder. Ich denke, wenn alles drunter und drüber geht, sind sie die Besten. Sie machen es dann irgendwie wertvoll. Ein großer Teil meiner Arbeit ist für junge Leute. Die Musik, die ich mache, ist jugendlich. Ich möchte schon lange Kinder haben. Ich glaube, Gott wird mich damit segnen, wenn die Zeit reif ist. Kinder sind eine Sache, die ich definitiv in meinem Leben haben möchte, ich komme aus einem sehr engen Familienkreis, ich bin glücklich aufgewachsen, hatte eine gute Kindheit und gute Eltern, Familie und Großmutter, die ganzen Tanten und Cousinen. Wir haben alle in derselben Nachbarschaft gewohnt und ich möchte das auch für meine eigene Familie.

Wie bleiben Sie auf dem Boden der Tatsachen?
Jennifer Lopez: Das ist das Gute an einer Familie, der das alles egal ist. Sie gucken immer, ob es dir gut geht. Ich denke, mein ganzes Leben und meine Lebensphilosophie kommen von einem Ort der Dankbarkeit. Das ist die einzige Sache, die dich auf den Boden zurückholt, wenn die Dinge wirklich schlecht laufen, diese Momente in denen du denkst 'Das ist echt Mist. Ich hasse das alles', dieser Punkt an dem du zusammenbrechen könntest, in diesen Momenten bin ich glücklich über alles, was ich habe. Ich bin dankbar für meine Gesundheit, für meine Familie, mein Leben, meine Karriere, meine Beziehung; vor allem ich bin dankbar für die Liebe, denn ich habe wirklich eine Menge Liebe in meinem Leben.

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