Der Gedanke zum Bau eines Kopfhörerverstärkers kam mir bei einem Treffen mit meinen Chat-Freunden. Der ein oder andere kennt sicher das Problem: wenn jeder seine eigenen Lautsprecherboxen verwendet, versteht man, selbst auf kleineren LAN-Parties, bald sein eigenes Wort nicht mehr. Kein Problem, nimmt man einfach einen Kopfhörer.
Leider klappt das in der Praxis nicht immer so reibungslos. Da kann es vorkommen, das der bevorzugte Kopfhörer nicht mit der Soundkarte harmoniert. Der Ton ist zu leise, vielleicht auch zu laut. Oder andere Situation, es sollen zwei oder mehr Kopfhörer angeschlossen werden.
Das Problem bei der Sache liegt in den Ausgängen der Soundkarten. Diese müssen einen Spagat machen, wenn nicht zwei seperate Ausgänge für den jeweiligen Zweck/Anschluß vorhanden sind. Einerseits sollen sie einen hohen Pegel liefern, der für die Eingänge von HiFi-Bausteinen ausreichend ist, andererseits ist dieser Pegel viel zu hoch für Kopfhörer. Gelöst wird dieses Problem durch einen entsprechend dimmensionierten Ausgangswiderstand. Dieser ist so gewählt, daß bei den üblichen Impedanzen von Kopfhörern/Headsets (in der Regel 32Ohm), der Pegel auf eine angenehme Lautstärke abgeschwächt wird. Bei den hochohmigen Eingängen von HiFi-Komponenten (im Bereich von mehreren bis zu vielen KiloOhm) spielt der Ausgangswiederstand dann kaum eine Rolle. Wenn man zwei Kopfhörer parallel klemmt oder der Kopfhörer mit seiner Impedanz zu sehr aus der Reihe tanzt, geht die Rechnung nicht mehr auf.
Zur Schaltung selbst
Ursprünglich sollte der Verstärker einen Line-Out haben und über zwei Kopfhöreranschlüsse mit getrennt regelbarer Lautstärke verfügen. Dies lies sich aber nicht mit dem Wunsch nach Single-Supply verbinden. Auch müssen die Ausgänge Single-Ended sein. Bridged fällt wegen dem gemeinsamen Anschluß von Links- und Rechts-Minus bei Kopfhörern weg.
Ein diskrter Aufbau kam wegen seiner Komplexität nicht in Frage, zumal es schon sehr viele fertige ICs mit minimaler Umbeschaltung gibt.
So ist diese ganz simple Version mit dem TDA7050 herausgekommen. Ich habe mich an die Schaltung aus dem Datenblatt gehalten, lediglich die beiden Widerstände hinter den Koppelkondensatoren, parallel zum Kopfhöreranschluß, sind von mir hinzugefügt worden. Sie haben die Aufgabe, die Koppelkondensatoren aufzuladen, falls kein Kopfhörer eingesteckt ist. So wird der Knacks beim Einstecken des Kopfhörers vermieden. Der TDA7050 ist für Batteriebetrieb ausgelegt. Daher genügt eine einfache Versorgungsspannung von 2,4 bis 6V. Der Betrieb an den 5V vom Rechner stellt somit kein Problem dar. Eine LC-Siebung sollte dann aber vorgeschaltet werden.
Ich werde mir demnächst das ganze in ein kleines Gehäuse bauen und mir die Versorgungsspannung vom USB-Anschluß nehmen. Mal sehen, wie das klappt.
Die Bauteile sind absolut unproblematisch. Den TDA7050 hat eventuell sogar der örtliche Elektronik-Händler auf Lager. Auch gibt es eine SMD-Version davon. Die Schaltung läßt sich also auf sehr kleinen Raum unterbringen.
Wichtig: der Nachbau und die Benutzung erfolgt auf eigene Gefahr!