Die Stromversorgung des A1200

Grundsätzliches:
Solange der A1200 im Tastaturgehäuse steckt, ist meistens alles in Ordung. Das Standardnetzteil reicht aus, um die Erweiterungen wie RAM-Karte oder Turbo- Karte mit Energie zu versorgen. Kommt ein CDROM hinzu oder eine schnellere Turbo-Karte, so ist das Standardnetzteil überfordert. Ein stärkeres muß her.

Wie stark muß es denn sein?
Für den Normalfall sollte ein kleines PC-Netzteil ausreichen. PC-Netzteile gibt es in verschiedenen Leistungstufen, ab ca. 150W aufwärts. Zum Vergleich: das Standard-A1200-Netzteil hat etwa 23W. Die Leistung ist nicht allein entscheidend, weil sie sich aus den Teilleistungen der verschiedenen Spannungenschienen, die das Netzteil liefert, zusammensetzt. Hier ist ein spezielles Augenmerk auf den maximalen Strom der einzelnen Spannungen zu werfen. So kann das Standard-A1200-Netzteil auf den 5V max. 3A, auf den +12V max. 0.5A liefern. Neben den 5V und +12V benötigt der Amiga auch -12V. Da diese Spannung aber nur für die Serielle Schnittstelle und die Audioausgänge notwendig ist, ändert sich die Stromaufnahme von 0.1A auch bei zusätzlichen Erweiterungen nicht. Das kann jedes Netzteil liefern, sodaß diese Spannung nicht weiter berücksichtigt werden muß. Bleiben also nur +12V und 5V. Das A1200 Motherboard zieht auf den 5V etwa 2,5A ohne Erweiterung. Bei den 12V ca. 300mA. Hier sind also die Laufwerke wie CDROM, Festplatten usw. entscheidend.

Vorsicht bei A500er Netzteilen:
Es gibt zweierlei A500 Netzteile, solche mit 4,5A und solche mit 2,5A.

Sonderfall PPC:
Mit dem Einbau einer Blizzard 603e steigt der Strombedarf etwas dramtischer. Hier reichen die Amiga-Netzteile in keinem Fall. Ich habe eine Stromaufnahme von ca. 4,1A gemessen im Normalbetrieb, PPC gammelt mangels Software vor sich hin. Hinzu kommt noch der pulsartige Strombedarf des PPC, sodaß etwas mehr einplanen sollte (mangels Meßmöglichkeiten konnte ich leider keine genauen Werte ermitteln).

Eine zusätzliche Problematik liegt im Motherboard selbst. Der Spannungsverlust, auch Spannungsabfall genannt, ist auf dem Weg vom Powersteckker zum CPU-Slot zu groß. Wer also kein Busboard hat, über dem seperat eingespeißt wird, muß ein zweiter Stelle Energie zuführen. Hier hat sich der ehemalige Floppy-Power-Anschluß als sinnvoll erwiesen. Das Bild rechts zeigt zum einen den zusätzlichen Anschluß, zum anderen einen 1000uF Elko, der die Spannungseinbrüche mindern soll. Aus Platzgründen ist dieser auf der Oberseite mit etwas Heißkleber fixiert und mit zwei Drähten auf der Unterseite mit 5V und GND verbunden. (Das ist zwar nicht ideal, aber besser als nichts. Nach dem Zusammenbau stellte ich fest, daß die Drähte auch etwas dicker hätten sein können, ohne eingeklemmt zu werden.) Links ist ein 100nF Kondensator auf der Unterseite zu sehen, der hochfrequente Störungen unterdrücken soll. Der zusätzliche Anschluß ist direkt mit dem Netzteil verbunden. das ist wichtig, weil hierüber hauptsächlich der Strom der Blizzard603e fließt.


Kaltstartprobleme: Trotz des Umbaus tauchten bei mir noch immer sporadisch Kaltstartprobleme auf. Wie äußern sich diese? Der Rechner bootet nicht. Auch gelangt man nicht in das Earlystartupcontrol (beide Maustasten beim booten gedrückt halten). In das Setupmenue der Blizzard ("Esc" beim Einschalten gedrückt halten) kommt man dann ebenfalls nicht. Er scheint im Reset fest zu hängen. Erst nach einer, mehr oder weniger, langen Aufwärmphase bootet er durch erneutes Aus/Einschalten. (Englischer Fachbegriff dafür: Powercycle)
Stromschiene Oberseite Stromschiene Unterseite Um den Faktor Mainboard völlig auszuschließen, habe ich mich dann dazu entschlossen, so nah wie möglich an der Turbokarte die Versorgungsspannung einzuspeisen. Was liegt näher, als der CPU-Slot selbst. Leider gibt es keinen Punkt in der unmittelbaren Nähe, wo man eine Leitung hätte anlöten können. Außerdem verteilt sich +5V und GND über jeweils elf Kontakte und der gesammten Breite. So kam mir der Gedanke der Stromschienen. Problematisch war aber die Verbindung dieser mit den einzelnen Kontakten. Zum Glück liegen +5V und GND jeweils auf einer Seite der Platine, sodaß die Schiene für 5V auf der einen Seite liegt und für GND auf der anderen. Dieser Umstand erleichtert das Ganze erheblich. Um einen Lötpunkt zu bekommen, habe ich bei den Kontakten die Lötstopmaske vollständig entfernt. So bleibt eine ca. 1qmm größe Fläche pro Kontakt zum Anlöten eines Drahtes. Damit das Lötzinn nicht die Goldkontakte benetzt, habe ich diese, soweit wie nötig, mit Klebeband abgeklebt. Lötfestes Klebeband wäre ideal gewesen, handelsübliches Klebeband doppelt genommen hat seinen Dienst aber auch getan. Als Verbindungsdraht von der Stromschiene zum Kontakt habe ich 1mm starken Cu-Ag-Draht verwendet. Das war etwas knifflig, weil der Draht eigentlich zu dick war. 0.6mm wäre einfacher gewesen. Ich wollte aber unbedingt einen "fetten" Anschluß. Als Zuleitung vom Netzteil habe ich 4qmm starke Litze verwendet. Diese ist lediglich durch eine Flachsteckverbindung unterbrechbar. Siehe dazu auch die beiden Bilder rechts.
Leider hat dies auch keine Verbesserung gebracht. Deshalb kann ein Stromversorgungsproblem mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.

BVision: Seit einiger Zeit habe ich nun meine BVision drin. Damit hat der Rechner wohl seine endgültige Ausbaustufe erreicht. An den Kaltstartproblemen hat sich nichts geändert. Ich habe mir nochmal kurz die Zeit genommen und die Stromaufnahme auf den 5V des Motherboards zusammen mit der Blizzard, BVision und Netzwerkkarte gemessen. Laufwerke (Floppy, Festplatte und CD-ROM) sind nicht dabei.

Hier die Ergebnisse:
normaler Workbenchbetrieb: 5,7 - 5,8A
LinuxPPC surfend mit Netscape: 5,5 - 5,8A
Heretic2 Demo im Tutorial: 6,06A
Wipeout 2097 im Vollbildmodus: 6,11A

Fazit: Nachdem dem ich schon mit einigen anderen BlizzardPPC-Usern Erfahrungen austauschen konnte, zeichnet sich folgendes Bild ab: eine eindeutige Ursache kann nicht gefunden werden. Es scheint so, daß es ein Zusammenwirken mehrer Ursachen ist. Das Initialisieren des Boards beim Einschalten klappt nicht. Bei mir nützt selbst ein Reset nichts, ich muß einen neuen Kaltstart ausführen.
Meine letzte Theorie mit dem XC-Typen des 68040er scheint sich nicht zu bestätigen. Folgende Faktoren haben sich herausgestellt: das Kaltstartproblem tritt am häufigsten (fast ausschließlich) in Verbindung mit dem 68040er auf, aber nur auf Blizzards mit 603e. Reine 040er-Karten sind nicht davon betroffen. Die Cyberstorm mit 604 auch nicht.
Weil genaueres über die Funktion, speziell was beim Booten passiert, der BlizzardPPC mir nicht bekannt ist, kann ich über die genauen Ursachen auch nur spekulieren.




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