Reparatur der Wasserpumpe


Eine Original-Wasserpumpe kostet als Ersatzteil fast DM 600. Dies ist Grund genug sich ausführlich mit deren Reparatur zu beschäftigen. Im Normalfall benötigt man für die Reaparatur der Wasserpumpe einen Reparatursatz, eine neue Pumpenwelle und einen neuen Verschlußdeckel. Das kostet zusammen mit ein paar Kleinteilen auch fast DM 200. Die neue Pumpenwelle benötigt man, weil der Gegenring der Gleitringdichtung dort fest montiert und ausgerichtet ist. (Bild 1) Man bekommt den Ring zwar ab, wenn man geschickt ist, aber kein Ersatzteil! Von der Anforderung an den Rundlauf gar nicht zu reden! Den Verschlußdeckel bekommt man nicht ab ohne Ihn ein wenig zu verbiegen. Ein leichter Verzug macht ein späteres (dichtes) wiedereinsetzen unmöglich. Ich versuche also eine Reparatur zu beschreiben, bei der man mit weniger Geld, und mit handelsüblichen Teilen zu einem besseren Ergebnis kommt.



Gleitringdichtung


Als erstes muß man herausfinden welche Pumpe man überhaupt besitzt. Ich besitze beide Versionen. Die neuere Version ist eingebaut, und die ältere Version habe ich mir für dieses Projekt auf dem Schrott besorgt. Äußerlich sind die beiden Versionen nicht zu unterscheiden. Man erkennt es erst nach dem zerlegen.
Wichtig ist das eigentlich nur, weil das Gehäuse ausgebuchst werden muß um den Gegenring zu halten.
Beide Gletringdichtungen sind stationär befedert in entlasteter Ausführung.
Wenn der Quotient aus der Hydraulisch belasteten Fläche und der Gleitfläche kleiner eins ist spricht man von einer entlasteten Ausführung.
Bei der "neuen Ausführung" ist das Verhältnis so gewählt, daß auch bei niedriger Drehzahl und damit geringem Systemdruck eine ausreichende Entlastung gewährleitet ist. Ich denke, daß bei so niedrigen Drücken und Drehzahlen die Entlastung keine Rolle spielt.




Ich beginne mit der Herstellung des Deckels, da sich die Suche nach einer geeigneten Gleitringdichtung noch etwas in die länge zieht. Ich möchte nicht nur sicher sein, daß die Dichtung auch noch in ein paar Jahren noch lieferbar ist, sondern auch noch ein preisgünstiges Produkt finden.

Aus einem 6mm starken Alu-Blech schneidet man mit der Stichsäge einen Kreis heraus und macht auf einer Drehbank einen Deckel:







Der fertige Deckel mit O-Ring 106 x 2



Jetzt noch eine Fase an das Gehäuse, damit
sich der Deckel leichter einsetzen läßt....



Passt........



Bei allen Arbeiten am Gehäuse oder an der Welle
ist auf Planlauf zu achten!





Heute halte ich endlich die neue Gleitringdichtung in den Händen


Quelle: Burgmann

Was kann diese Dichtung jetzt besser?

Diese Dichtung gehört in einen Einbauraum nach DIN 24960, und ist damit kein Spezialteil mehr. Man wird sie in vielen Jahren noch bei allen namenhaften Herstellern von Gleitringdichtungen im In- und Ausland bekommen. Auch die gut sortierte Werkstatt für Pumpen könnte so eine am Lager haben. Solcher Hersteller sind zum Beispiel: Burgmann, John Crane oder Freudenberg. Meine Dichtung habe ich bei KSB als Pumpenersatzteil geholt.
Nach Datenblatt ist sie druckfest bis 10 bar und wiedersteht Temperaturen bis 180°C.
Eine wichtige Kennzeichnung für Gleitringdichtungen ist die Werkstoffpaarung. Ich habe mich für "BSEGG" entschieden. So wird nach DIN die Werkstoffpaarung bezeichnet.

1. Stelle Gleitringwekstoff B = Buko 1 (Kustharzimprägnierter Kohlegrafit)
2. Stelle Gegenringwerkstoff S = Sonder- Chrommolybdänguß
3. Stelle Nebendichtungen E = EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk)
4. Stelle Federwerksoff G = CrNiMo-Stahl
5. Stelle Bauwerkstoffe G = CrNiMo-Stahl



Was ist an der neuen Dichtung anders?


alt neu
Befederung stationär Befederung rotierend
Membranedichtung O-Ring Dichtung
hydraulisch entlastet hydraulisch nicht entlastet



Jetzt erst ist wichtig welche Pumpenversion man hat. Dadurch, daß der Gegenring jetzt stationär ist, muß das Gehäuse ausgebuchst werden. Wie die Buchse auszusehen hat hängt von der Pumpe ab. Für einen versierten Dreher ist das kein Problem anhand der Gegenringzeichnung eine Buchse zu fertigen. Ich habe die Buchse für immer mit 2-Komponenten Kleber eingesetzt. In diesem Falle darf man aber nicht vergessen eine neue Entwässerungsbohrung anzubringen.
Jetzt muß noch das Laufrad so geändert werden, daß die Feder die vorgeschriebene Spannung bekommt.

Dies ist die unbemaßte Zeichnung der Dichtung die verwendet habe. Man erkennt sehr gut die rotierende Feder, sowie die Abdichtung mit O-Ringen. Außerdem wird klar, warum das Gehäuse ausgebuchst werden musste: Der stationäre Gegenring braucht weniger Platz im Gehäuse als die originale Membranedichtung.
(siehe Oben)

Quelle: Burgmann

Der Wasserpumpe nähert man sich am besten von vorne:

Im Winter ist das natürlich hart ....

Mittlerweile habe ich die Pumpe eingebaut und wollte als Test nach Berlin fahren. Gekommen bin ich aber noch nicht einmal bis Leipzig. An der Pumpe hat es nicht gelegen, die hat sehr gut funktioniert.
Den genauen Ablauf der Reise findet man hier!