Das berühmte Zwillingsparadoxon ist kein Paradoxon, sondern ein Denkfehler. Die Behauptung,
dass ein Zwilling, der durch den Weltraum fliegt, langsamer altern würde, als der Zwilling
der auf der Erde bleibt, ist nicht scheinbar, sondern eindeutig falsch.
Der Versuch, das angebliche Paradoxon mit der geschwindigkeitsabhängigen Zeitdilatation, t(bew)=t(ruh)/sqrt(1-v²/c²) zu erklären, zeugt eigentlich nur davon dass man das Relativitätsprinzip nicht verstanden hat. Dass derjenige in seinem Denken (wohl unbewusst) immer noch die Erde für den ruhenden Mittelpunkt des Universums hält, also nicht fähig ist, sich einen anderen Bezugspunkt vorzustellen, als den Boden unter den eigenen Füssen. Also; diese Variante ist falsch, weil die ZD gemäss dem RP für beide Zwillinge gleichermassen gilt, v(AB)=v(BA).
Die kompetenteren Relativisten wollen das ZP damit erklären, dass der reisende Zwilling beschleunigt, und der andere nicht. Also halten auch sie immer noch die Erde für den ruhenden Mittelpunkt des Universums, und sind nicht fähig, sich einen anderen Bezugspunkt vorzustellen, als den Boden unter den eigenen Füssen. Denn, der angeblich ruhende Zwilling wird sehr wohl auch beschleunigt, und zwar nicht nur "nach unten", sondern auch um die Erde herum, und auch noch zusammen mit der Erde um die Sonne. Was womöglich noch mehr Beschleunigung bedeutet als bei dem raumfahrenden Zwilling. Also; auch falsch.
Manche wollen das Paradoxon damit retten, indem sie ein 3. Bezugssystem ins Spiel bringen,
gegenüber dem die Zwillinge unterschiedliche Geschwindigkeiten haben. Das ist aber gänzlich verkehrt,
weil ein 3. BS für das ZP völlig irrelevant ist. Diejenigen sind also fähig, sich einen anderen Bezugspunkt
vorzustellen, haben aber nicht verstanden was das ZP überhaupt aussagt. Nämlich dass ein Zwilling,
der durch den Weltraum fliegt, langsamer altern würde, als der Zwilling der auf der Erde bleibt,
und nicht als irgendein Alien der auf einem Kometen reitet (oder was auch immer). Also; wieder falsch.
Ganz schlaue Relativisten argumentieren mir den "unterschiedlich langen Weltlinien der Zwillinge
im Minkowskis Raumzeit-Diagramm". Was so ungeheuer beeindrückend klingt, ist in Wirklichkeit nur die
ganz gewöhnliche graphische Darstellung der Geschwindigkeit der Zwillinge in dem ganz gewöhnlichen
Weg-Zeit-Diagramm, dem man nur die Achsen vertauscht hat, und in manchen Versionen die
Zeit-Achse um den Faktor 299792,5 gestaucht hat (mit c multipliziert). Womit klar wird:
Auch die magischen, mystischen, mysteriösen, omniösen Weltlinien sind RELATIV.
| Raumzeit-Diagramm für den "ruhenden" Zwilling: | | Raumzeit-Diagramm für den "reisenden" Zwilling: | |
Ja, auch Minkowski-Diagramme unterliegen dem Relativitätsprinzip. Für jeden der beiden Zwillinge sind die Weltlinien des anderen Zwilling länger, egal welcher Zwilling wie beschleunigt wird oder nicht. Also, auch wieder falsch.
Andere doktern mit Lorentz-Transformationen und Inertialsystemen an der Sache herum, ohne zu begreifen dass das Paradoxon längst aufgelöst ist. Denn es gibt nur einen physikalischen Grund, warum die Zwillinge unterschiedlich schnell altern sollten: Nur dann, wenn es einen Äther gibt, der der Bewegung einen Widerstand entgegen setzt, nur dann könnte die Zeit für sie verschieden schnell verlaufen. So, damit bleibt nichts Paradoxes mehr übrig.
Darüber hinaus ist das Zwillingsparadoxon ein Anzeichen dafür, dass man die Relativitätstheorie nicht richtig verstanden hat. Weil ihr 1. Postulat, das Relativitätsprinzip, (wie im eigenen Artikel erklärt) eine Symmetrie aller relativistischen Effekte gebietet. Alles, was der eine Zwilling bei dem anderen beobachtet, das alles beobachtet auch der andere Zwilling bei ihm.
Wie schon gesagt, ohne Äther bleiben alle diese Effekte eben nur scheinbar, und keine echte, physikalische Veränderungen. Womit klar wird dass alle "Beweise der RT" auch nur scheinbar sind.
© 2008 Josef Braunstein