Angefangen hat meine musikalische Karriere 1970, also im zarten Alter von 4 Jahren, mit der zwei Jahre dauernden "musikalischen Früherziehung" an der Jugendmusikschule Neckarsulm. Anschließend nahm ich dort Klavierunterricht, der aber trotz seiner insgesamt 12 Jahre währenden Dauer aufgrund meiner Faulheit leider ohne allzugroßen Effekt geblieben ist.
Mein Vater war und ist als ein insbesondere auch für den Musikunterricht eingesetzter Grund- und Hauptschullehrer natürlich sehr musikinteressiert. In seiner Freizeit bastelte er diverse merkwürdige Instrumente hauptsächlich aus der Renaissance-Zeit ("Businen" und "Dolzainen", um nur einige wenige zu nennen), und da diese nicht nur betrachtet, sondern auch gespielt werden sollten, spannte er hierfür die ganze Familie ein. So musizierten wir (Vater, Mutter, älterer Bruder, jüngere Schwester und ich) zu diversen Gelegenheiten hauptsächlich in der Kirche bei Konzerten und besonderen Gottesdiensten. Einen Höhepunkt dieser Hausmusik-Laufbahn stellte die Teilnahme am Wettbewerb "Familien musizieren" des Landes Baden-Württemberg von Oktober 1978 bis März 1979 dar, bei der wir über die Bezirks- und Kreisebene bis zur Endrunde auf Landesebene kamen und diese dann sogar mit einem ersten Platz beendeten! Ein feierliches Abschlußkonzert am 23. April 1979 im "Weißen Saal" des "Neuen Schlosses" in Stuttgart, an dem wir teilnehmen durften und welches sogar vom Rundfunk mitgeschnitten und später gesendet wurde, und ein anschließender Empfang durch die Landesregierung war der Lohn für unsere Mühen.
Auch später trat ich im familiären Rahmen noch einmal im Rundfunk in Erscheinung: Nach einer Musikinstrumentenausstellung meines Vaters im alten (ehemaligen) NSU-Kasino in Neckarsulm und zwei diese Ausstellung begleitenden Konzerten unter Beteiligung der ganzen Familie wurden wir (mein Vater, mein Bruder und ich) vom Rundfunk-Moderator Werner Kieser nach Heilbronn ins SDR-Studio eingeladen, um über unsere Erfahrungen mit den alten Instrumenten zu berichten. Diese Interviews mitsamt einigen kleinen musikalischen Kostproben wurden am 10. April 1982 in der Sendung "Wir im Land" auf SDR1 ausgestrahlt.
Manchmal betätigt sich mein Vater nicht nur als reproduzierender, sondern auch als produzierender Künstler, was heißen soll, daß er nicht nur Musik fremder Komponisten spielt, sondern auch selbst eigene Musik schreibt. Nicht immer bin ich von dem Ergebnis seiner Kompositionskünste überzeugt, aber mit der Musical-Ballade "Jona geht nach Ninive" (nach einem Text von Klaus-Peter Hertzsch) ist ihm ein wirklich schönes Werk geglückt. Dieses Stück wurde am 28. August 1988 in der evangelischen Kirche in Obereisesheim ur- und bislang leider auch zum einzigsten Male überhaupt aufgeführt, wobei ich selbst den Part der Trompete übernahm.
Die Trompete hatte mich schon von meiner frühesten Kindheit an fasziniert. Seit meinem elften Lebensjahr spiele ich nun selbst dieses Instrument. Seither wirkte und wirke ich in verschiedenen Gruppen und Ensembles mit.
Meine musikalischen Vorbilder und Vorlieben sind wahrscheinlich genauso unterschiedlich wie meine bisherigen musikalischen Aktivitäten. Einige Musiker, die mir hier zuerst in den Sinn kommen, möchte ich an dieser Stelle aufführen.
Bei klassischen Trompetern ziehe ich den jungen, dynamischen Typus, den beispielsweise Håkan Hardenberger repräsentiert, den etablierteren Vertretern ihrer Kunst wie Maurice André oder Ludwig Güttler vor. Besonderen Eindruck üben auf mich allerdings jene Musiker aus, welche die Naturtrompete beherrschen, also den Vorgänger unserer heutigen modernen Ventiltrompete. Allen voran seien hier Crispian Steele-Perkins und Friedemann Immer genannt.
Beim Jazz faszinieren mich einige Trompeter. Der Altmeister ist sicherlich Louis Armstrong, daher gebührt ihm der erste Platz in dieser Auflistung. Ungewöhnlich sind die Blastechniken von Chet Baker, der als "Trompeter ohne Zähne" die Jazz-Standards (allen voran "My Funny Valentine") wunderbar gefühlvoll in sein Instrument haucht, von Dizzy Gillespie, dessen aufgeblasene Backen sicher jeden Trompetenlehrer zur Verzweiflung bringen würden, und von Maynard Ferguson, der entgegen allen Lehrweisheiten des drucklosen Ansatzes mit purer Muskelkraft auch die höchsten Tonlagen meistert. Viele Vertreter der Trompete im Jazz habe ich bisher nicht erwähnt, beispielsweise Miles Davis oder Freddy Hubbard. Dies soll jedoch nicht bedeuten, daß diese keine gute Musik machen. Es ist nur einfach so, daß Musik ein sehr subjektives Erleben ist und ich mich deshalb hier auf die Musiker beschränke, die bei mir bislang den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen haben. Zwei Musiker seien jedoch noch erwähnt, welche eindrucksvoll demonstrieren, daß das Flügelhorn, sonst eher in der volkstümlichen Blasmusik zuhause, als ein in der Spieltechnik der Trompete nahe verwandtes und gleichzeitig klanglich sehr eigenständiges Instrument auch im Jazz eine wertvolle und eigenständige Rolle spielen kann: Art Farmer und Chuck Mangione.
Ein Trompeter, welcher in beiden Lagern, also sowohl in der klassischen Musik als auch im Jazz, zu Hause ist, ist Wynton Marsalis. Er beherrscht sein Instrument mit superbem Ansatz und hervorragender Technik, wirkt allerdings manchmal etwas zu kühl, zu berechnend auf mich.
All diese Trompeter zeigen mir, wie vielfältig mein Instrument, die Trompete, doch ist und wie weit ich selbst leider noch davon entfernt bin, auch nur eine dieser Facetten in ansprechender Weise zu beherrschen.