Die Kakteenflora von Neuquén, Argentinien

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Bienvenido a la Republica Argentina, Provincia del Neuquen

Mit Kakteen werden meistens Regionen wie Mexico, Peru, Bolivien, oder der Norden von Chile and Argentinien assoziiert. Aber Patagonien? Diese stürmische und kalte Region ist recht kakteenfeindlich sollte man denken. Stimmt im Prinzip auch, aber wie so oft gibt es auch hier die berühmten Ausnahmen, und es gibt in der Tat einige Kakteenarten, die bis zur Magellanstraße vorkommen. Genauso, wie sich in Nordamerika das Verbreitungsgebiet einiger Kakteen bis in den Süden von Kanada erstreckt. Bei meiner ersten Reise in die südwestargentinische Provinz Neuquén im Januar 2000, im Rahmen eines seismologischen Experimentes, hatte ich so weit südlich überhaupt nicht mehr mit Kakteen gerechnet. Daher hatte ich mich vorher auch gar nicht erst weiter informiert, was sich als Fehler herausstellen sollte. Natürlich hatte ich mal was gehört von merkwürdigen Kakteen mit Namen Maihuenia die dort wachsen sollten, hatte aber ehrlich gesagt weder eine Vorstellung, wie diese aussehen, noch wo genau sie wachsen. An einem Tag im Januar 2000, ich war gerade dabei ein Seismometer zu installieren, bin ich dann fast in eine Gruppe Kakteen hineingetreten! Inzwischen weiß ich, dass es sich bei diesen Pflanzen in den Bergen westlich der Stadt Zapala höchstwahrscheinlich um Austrocactus gracilis handelt. Dieses Erlebnis kam für mich völlig unerwartet, hat die Dienstreise aber natürlich sehr bereichert. Später konnte ich noch an verschiedenen weiteren Stellen Kakteen finden, alles Vertreter der Gattung Maihueniopsis.

Nachfolgend zeige ich einige Fotos von Kakteen, die ich während meiner zweiten Reise nach Neuquén im März 2001 gesehen habe, als ich mit einem Kollegen die dort noch in Betrieb befindlichen seismischen Stationen gewartet habe. Diesmal war ich natürlich besser vorbereitet, an welchen Stellen ich nach welchen Kakteen zu suchen hatte, und glücklicherweise befanden sich viele der Fundorte entlang unserer Route. Insgesamt habe ich 7 verschiedene Arten/Varietäten finden können, jedoch gibt es innerhalb der Provinz sicher mindestens doppelt so viele. Aber ich war ja nicht der Kakteen, sondern der Stationen wegen gekommen, und da war es natürlich nicht möglich, die ganze Provinz abzufahren, um noch mehr zu finden. Aber in nur 4 Tagen 7 Arten am Standort zu sehen ist auch nicht schlecht, und es hat sich definitiv gelohnt, hier und da mal anzuhalten und zu sehen, was dort wächst. Dabei ist anzumerken, dass ich im März in Argentinien war, d.h. auf der Südhalbkugel ist dann Herbst, und die Chancen, Kakteen in Blüte zu sehen, waren natürlich gleich null. Pflanzen wie Pterocactus ziehen sich darüberhinaus zu dieser Zeit in den Boden zurück, und sind - wenn überhaupt - sehr schwer zu erkennen. Manchmal konnte man noch Reste von Blüten sehen, aber leider konnte ich nur von Maihuenia poeppigii ein wenig Saat ernten.

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Maihuenia

Die erste Kakteenart, die man findet, wenn man von Chile aus nach Argentinien einreist, ist Maihuenia poeppigii. Diese Art ist eigentlich eher typisch für die chilenische Seite der Südanden, das Verbreitungsgebiet reicht aber stellenweise bis nach Argentinien hinein. Dies ist eine interessante Pflanze, die große Gruppen bildet. Man muss schon genau hinsehen, um überhaupt zu bemerken, dass es sich wirklich um einen Kaktus handelt. Sie kommt nur in Höhen über 1500 Meter vor, und soll in Deutschland vollständig winterhart sein, wenn sie vor zuviel Nässe geschützt wird.

Foto von Maihuenia poeppigii
Maihuenia poeppigii Gesamtansicht
Foto von Maihuenia poeppigii
Maihuenia poeppigii Detailansicht

Die zweifellos am weitesten verbreitete Kakteenart in diesem Teil Argentiniens ist Maihuenia patagonica. Sie ist allgegenwärtig, und es ist schwierig, einen Ort zu finden, wo sie nicht wächst, abgesehen von Höhen über 1500 Metern, wo sie von Maihuenia poeppigii ersetzt wird. Die buschartigen Pflanzen werden fast immer von Ameisen bewohnt, möglicherweise handelt es sich hierbei um eine Symbiose. Schafe und Ziegen sollen verrückt sein nach den Früchten dieser Pflanze, die von den Einheimischen chupa sangre (Blutsauger) genannt wird, natürlich wegen der gemeinen Stacheln. Diese Art soll in Deutschland auch ziemlich winterhart sein.

Foto Maihuenia patagonica
Maihuenia patagonica Gesamtansicht
Foto of Maihuenia patagonica
Maihuenia patagonica Detailansicht

Austrocactus

Zwischen Primeros Pinos und Zapala fand ich einen Kaktus, den ich noch nicht ganz genau habe indentifizieren können. Es handelt sich jedoch sehr wahrscheinlich um Austrocactus gracilis oder patagonicus. Ein ähnlicher Kaktus, Pyrrhocactus straussianus, wächst auch in der Provinz, allerdings wahrscheinlich nur im östlichen, wesentlich tiefer gelegenen Teil. "Mein" Standort befindet sich aber in einer Höhe von 1200 Metern! Kalt und windig, aber schließlich sind wir in Patagonien! Hier sind einige Bilder:

Foto von Austrocactus gracilis Foto von Austrocactus gracilis
Foto von Austrocactus gracilis
Austrocactus am Standort

Landschaft zwischen Primeros Pinos und Zapala

Pterocactus

Es gibt eine ganze Anzahl von Pterocactus-Arten in der Provinz Neuquén, wenn ich mich richtig erinnere sind dies P. australis, fischeri, araucanus and valentinii. Wahrscheinlich noch einige mehr. Dave Ferguson hat eine kürzlich neu entdeckte, wissenschaftlich noch unbeschriebene Art erwähnt, die im Norden der Provinz nahe der Grenze zu Mendoza wächst, aber wahrscheinlich auch weiter südlich vorkommt. Leider war es mir diesmal nicht möglich, bis in dieses Gebiet zu fahren. Im vorigen Jahr bin ich häufig dort gewesen, hatte aber wie gesagt keine Ahnung von den Kakteen, ich wusste noch nicht mal, was ein Pterocactus überhaupt war! So ist das Leben, man lernt immer was dazu. Wie dem auch sei, diesmal war ich im März in der Region, nicht gerade eine ideale Zeit, um nach diesen Winzlingen zu suchen, denn dann fangen sie an, sich in den Boden zurück zu ziehen. Ich konnte daher nur an einer Stelle zwei Arten finden, und zwar einige Kilometer westlich der Stadt Cutral-Có, unmittelbar an der Hauptstraße Richtung Zapala. Ich habe diese Pflanzen noch nicht sicher identifizieren können, aber es gibt bestimmt Leute, die sofort sagen können, welche Arten es sind. Daher nenne ich sie erst einmal A und B. [Inzwischen habe ich die Meinungen etlicher Experten erhalten, die sich ziemlich einig darüber sind, dass es sich bei "A" um Pterocactus valentinii handelt, bzw. bei "B" um Pterocactus fischeri.]

Foto von Pterocactus A
Pterocactus A (wahrscheinlich P. valentinii) mit Blütenrest
Foto von Pterocactus A
Pterocactus A (wahrscheinlich P. valentinii)
Foto von Pterocactus B
Pterocactus B (wahrscheinlich P. fischeri)
Foto vom Pterocactus-Standort
Pterocactus/Maihueniopsis-Standort westlich von Cutral-Có. Dies ist die typische Landschaft Patagoniens.

Maihueniopsis

Ein in Patagonien ziemlich weit verbreiteter Kaktus ist Maihueniopsis darwinii (oft fälschlicherweise als "Tephrocactus" bezeichnet). Da sich die verschiedenen Arten und Formen in diesem Verwandtschaftskreis sowieso meist nur schwer voneinander abgrenzen lassen, will ich mich auf die Fotos beschränken. Wie gesagt sind Maihueniopsis relativ häufig, und in diesem Jahr habe ich Pflanzen der Gattung an zwei Stellen gefunden, und zwar in den Bergen nördlich von Las Lajas (M. darwinii) sowie an demselben Standort westlich von Cutral-Có (M. platyacantha), wo auch die Pterocactus-Pflanzen wachsen. Das heißt, dass an diesem Standort mindestens 4 (einschließlich Maihuenia patagonica) Kakteen-Arten in einem Radius von nur 50 Metern wachsen! Der Standort bei Las Lajas ist wegen der großen Anzahl von Maihueniopsis darwinii interessant, die dort an einem ziemlich steilen Hang wachsen, in einer Höhe von ungefähr 1100 Metern über NN. Die Kakteen sind überall, und man muss aufpassen, wo man hintritt! Interessanterweise waren zwar viele Blütenreste vorhanden, aber nicht eine einzige Frucht, geschweige denn Saat. Dies könnte darauf hindeuten, dass alle Pflanzen einem einzigen Klon angehören, und dadurch keine Bestäubung der Blüten stattfindet, also auch keine Früchte angesetzt werden. Durch die große Anzahl loser, z.T. bewurzelter Segmente ist eine vegetative Vermehrung sicher auch sehr effizient. Der Standort ist übrigens nicht "nur" wegen der Kakteen, sondern auch wegen der großen Mengen z.T. sehr gut erhaltener Fossilien (überwiegend Trigonia-Muscheln und Ammoniten) interessant. Anmerkung: Die Pflanzen auf den Fotos könnten statt M. darwinii auch einer anderen, nahe verwandten Art zuzurechnen sein, nämlich M. ovata, deren Verbreitungsgebiet von Norden bis ins nördliche Neuquén reichen könnte.

Foto von Maihueniopsis darwinii
M. darwinii. Viele lose, z.T. ausgetrocknete Segmente liegen herum.
Foto von Maihueniopsis darwinii
M. darwinii
Foto von Maihueniopsis darwinii
M. darwinii
Foto von Maihueniopsis darwinii
M. darwinii. Riesige Gruppe mit zahlreichen Blütenresten.
Foto vom Maihueniopsis-Standort
Maihueniopsis-Standort nördlich von Las Lajas
Foto vom Maihueniopsis-Standort
Foto von Maihueniopsis platyacantha
M. platyacantha nahe Cutral-Có
Foto von Maihueniopsis platyacantha
M. platyacantha bei Barrancas, an der Grenze Neuquén-Mendoza (Januar 2000)

Sie können gerne Ihre Meinungen und Kommentare an mich schicken. Ich bin keineswegs ein Experte, würde aber gern mehr über die Kakteen dieser interessanten Region wissen.

Weitere Informationen finden sich auch unter folgenden Links: