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Begriff
"Jiu", auch: "Ju", der gleiche
Wortteil wie in Judo, bedeutet "sanft".
"Jitsu", auch: "Jutsu", heisst (Kampf-) Kunst.
Jiu-Jitsu bedeutet wörtlich
übersetzt also "die sanfte Kriegskunst".
Damit ist aber nicht gemeint, dass die Kämpfer sanft miteinander umgehen, sondern das Wort ist im Sinne von "nachgebend", "kräftesparend" zu verstehen: Das Prinzip des Siegens durch Nachgeben.
Das komplette Spektrum umfasst
Hebel-, Festhalte-, Wurf-, Schlag- und Tritttechniken.
Ein Ausübender des
Jiu-Jitsu wird "Jiuka" genannt.
Ursprünge
Jiu-Jitsu ist eine der
ältesten japanischen waffenlosen Kampfkünsten. Sein genaues
"Geburtsdatum" lässt sich nicht eruieren, da es traditionell
mündlich und persönlich weitergegeben wurde. Auch über
die ersten Dokumentationen herrscht Uneinheitlichkeit. Sicher ist, dass
bereits die Samurai (9.-13. Jh.) diese Techniken anwandten, um
Gegner auch ohne Schwerter bezwingen zu können.
Seine Ursprünge liegen im
alten China. Einer Überlieferung nach kamen chinesische
Mönche nach Japan und brachte den Einwohnern Kampftechniken aus
dem Shaolin Kung Fu bei. Auf die gleiche Weise kam auch Karate und
Kenpo nach Japan.
So wurden diese Kampfkünste in japanischen Traditionen
eingeführt und weiterentwickelt, und daraus wiederum wurden
später
auch
neuere Formen gegründet. Japaner sagen auch, Jiu-Jitsu sei die
"Mutter aller Kampfünste".
Jiu-Jitsu erfuhr eine parallele
Entwicklung zum Karate, und wegen den gemeinsamen Wurzeln beinhaltet
Jiu-Jitsu auch Schlag- und Tritttechniken, die im Karate bekannt sind.
Heute werden diese auf Basis des Shotokan Karate gelehrt.
Erst viel später
entwickelten sich aus dem Jiu-Jitsu heraus das Judo (Jigoro Kano, um
1882) und das Aikido (Morihei Ueshiba, um 1930). Beide Gründer
waren ursprünglich Jiukas und gingen ihren eigenen Idealen nach,
da das Jiu-Jitsu doch recht martialisch und kompromisslos war. Viele
gefährliche brachiale Techniken des Jiu-Jitsu wurden weggelassen,
ungefährliche werden abgewandelt, verfeinert und entwickelt und
ein neues System aufgebaut.
Schreibweise
Lange wurde der Begriff "Jiu-Jitsu"
verwendet. In den 1960er
Jahren jedoch erfuhr das Jiu-Jitsu eine Veränderung in Bezug auf
die geistige Haltung. Der kriegerische Hintergrund war vielen
Praktizierenden im Wandel der Zeit nicht mehr zeitgemäss, weshalb
man begann, mehr Wert auf den Selbstverteidigungsaspekt legte
und die Abwehrtechniken
nach den Angriffen auslegte.
Seither macht man (vor allem im
deutschsprachigen Raum) die Unterscheidung in der Schreibweise und in
den Anwendungsprinzipien der Techniken, welche an sich aber die selben
sind.
Erst seit diesem Umdenken ist das "neue" Ju-Jitsu wettkampffähig geworden,
denn zuvor gab es wegen den enormen Verletzungsrisiken keine
Wettkampfveranstaltungen.
Aus der martialischen Kampfkunst ist ein Kampfsport mit
einem internationalen
Regelwerk entstanden.
1984 fand die erste Ju-Jitsu-WM in Kanada statt.
Die heutige Schreibweise indiziert die nahe Verwandtschaft mit dem Judo, mit welchem das Ju-Jitsu in der Schweiz gemeinsam einen Dachverband (SJJV) bildet.
Mit Jiu-Jitsu verwandte Kampfkünste
Derivate
(abgewandelte Formen): Aikido, Aikijutsu, Bujitsu, Judo, Taijutsu
Querverwandt (gleiche Wurzeln, parallele Entwicklung): Karate, Kenpo,
Kung Fu, Ninjitsu
Jüngste Form: Brazilian Jiu-Jitsu