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| * | 07/11/1886 Riga | |
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Aaron Nimzowitsch galt in seiner Heimatstadt Riga bereits als Wunderkind, befasste sich jedoch erst während seines Studiums in Berlin ernsthafter mit dem Schach, tat dies aber so intensiv, dass er bald die Mathematik an den Nagel hängte und Berufsspieler wurde. Bereits in Karlsbad 1907 reihte er sich mit einem dritten Platz unter die führenden Meister ein und behielt diesen Rang auch bis zu seinem Tode. Zwischen 1925 und 1930 zählte er zu den stärksten Spielern der Welt. Als sein größter Erfolg wird sein Sieg im legendären Karlsbader Turnier 1929 mit 22 Teilnehmern vor Casablanca und Spielmann gewertet. Er siegte mit 1,5 Punkten Vorsprung.
![]() Nimzowitsch war genau wie Paul Keres einer der tragischen Spieler, die das Zeug zum Weltmeister hatten, es aber nie wurden. Tatsache ist, das Weltmeister Alexander Aljechin Nimzowitsch ein Angebot machte um den WM - Titel zu spielen. Aber die Sache hatte einen Haken - der Herausforderer hatte ein hohes Preisgeld aufzubringen. Nimzowitsch konnte aber finanziell keine großen Sprünge machen und das Preisgeld hinterlegen. Er hatte das Können aber nicht das Geld, und so war seine Chance dahin. Aljechin hatte vor Nimzowitsch großen Respekt und griff daher zu ähnlichen Mitteln, wie er sie seit 1927 gegen Capablanca anzuwenden pflegte. Das wurde aus einem mutigen "Offenen Brief" bekannt, den Rudolf Spielmann 1934 an den Weltmeister richtete. "Sehr geehrter Herr Weltmeister Dr. Aljechin! Sie werden wohl staunen, Herr Weltmeister, über meine Unverfrorenheit, die selbst vor den Stufen des erhabenen Weltmeisterthrons kein Halt kennt. Aber ich klage an! Natürlich nicht Ihr geniales Spiel, für das ich als Schachenthusiast nur Hochachtung und Bewunderung übrig habe. Nein, meine Klage gilt nicht dem Weltmeister Dr. Aljechin, sondern dem Kollegen Dr. Aljechin...Sie haben in San Remo 1930 und Bad Bled 1931 neben dem Extrahonorar noch besondere Bedingungen gestellt und dadurch Capablanca von diesen Turnieren praktisch ausgeschaltet. Natürlich haben Sie Capablanca nicht direkt abgelehnt, sondern einen viel versteckteren Weg gewählt, der aber nichts an den Sachverhalt ändert, den ich als Branchenkundiger wohl zu durchschauen vermag. Muß denn Capablanca für seinen überlegenen Sieg in New York 1927 so arg büßen? Aber lassen wir die Vergangenheit begraben sein und befassen uns lieber mit Ihrem Kollegen Nimzowitsch, der doch nach Ihnen und Capablanca der erfolgreichste Meister der Gegenwart sein dürfte. Scheint es nicht auffallend, daß er weder nach London 1932 noch jetzt nach Bern eine Einladung erhalten hat? Mindestens wäre es für Sie leicht gewesen, eine Einladung an Nimzowitsch durchzusetzen. Als Dr.jur. wird Ihnen der "dolus eventualis" bekannt sein...Mein lieber Weltmeister, verdreschen Sie weiter Ihre Gegner, möge Ihnen zum Entzücken der ganzen Schachwelt noch viele Großtaten gelingen, nur gewöhnen Sie sich das Kommandieren ab, sonst müßte ich Ihnen das bibliche Wort des Propheten Hosea, frei nach Marco (der es einmal gegen Tarrasch anwandte J.H.) zurufen: Wind säet er, und Sturm wird er ernten. Das Maß ist voll, jenseits und diesseits des Ozeans mehren sich die Stimmen, die sich gegen die Diktatur des Weltmeisters auflehnen."
![]() Nimzowitsch blieb zeitlebens ein Nonkonformist - im Leben wie im Schach und ist einer der Mitbegründer der hypermodernen Schachschule. Hier trat er bald den geheiligten klassischen Lehren mit eigenwilligen Auffassungen entgegen. Besonders die dogmatisch zugespitzten Grundsätze Tarraschs forderten seine Kritik heraus. Den Hauptstoß richtete er gegen die überlieferte Auffassung vom Zentrum, das laut Tarrasch durch Bauern zu besetzen und zu kontrollieren sei. Nimzowitsch dagegen vertrat die Meinung, die Kontrolle der Zentralfelder könne auch durch Figuren vorgenommen werden. Man müsse nur den Gegner daran hindern, Raum zu gewinnen. Nimzowitsch ging aber noch viel weiter und arbeitete eine umfassende und komplexe Theorie über das Positionsschach aus. Seine wichtigen neuen Erkenntnisse in der Schachstrategie veröffentlichte er in drei grundlegenden Werken: "Die Blockade" (1925), "Mein System" (1925) und "Die Praxis meines Systems" (1929). Nimzowitsch war wahrlich einer der Pioniere des Schach. Seine Ideen und Begriffe über z.b. schwache Felder, Überdeckung, Vorposten, Bauernkette, Prophylaxe und der schlechte Läufer galten zunächst für viele Schachspieler als bizarr und unverständlich. Sie setzten sich jedoch allmählich durch und erwiesen sich aus heutiger Sicht keinesfalls als "hypermoderner" Abfall von der klassischen strategischen Spielauffassung, sondern als deren zeitgemäße Weiterführung und Vervollkommnung. Nimzowitsch war ein Exzentriker. Er galt als arrogant, eingebildet, überaus mißtrauisch und fühlte sich immer verfolgt. In einem Turnier legten alle Mitspieler gemeinsamen Protest gegen das Benehmen Nimzowitschs ein, weil er im Turniersaal Turnübungen durchführte. Nach einer Niederlage brachte er einmal seine Enttäuschung dadurch zum Ausdruck, indem er sich in eine Ecke des Raumes begab und einen Kopfstand vollführte. In einem Berliner Turnier stieg er nach einer Niederlage auf einen Stuhl und schrie quer durch den Turniersaal - "Warum mußte ich gegen diesen Idioten verlieren?" In Hamburg 1910 hatte Nimzowitsch seinen Gegner John so aus der Fassung gebracht, daß dieser ihm am anderen Morgen zwei Sekundanten schickte, die eine Duellforderung überbrachten. Glücklicherweise kühlten sich die erhitzten Gemüter wieder ab und das Duell fand nie statt. Nimzowitsch revolutionierte viele Standarderöffnungen jener Zeit z.b. (3.Sc3 Lb4 in der Französischen Verteidigung) und trat mit eigenen Konzepten hervor (die Nimzowitsch - Verteidigung mit 1.e4 Sc6, die Nimzowitsch - Variante in der Sizilianischen Verteidigung 1.e4 c5 2.Sf3 Sf6 und die Nimzowitsch - Indische Verteidigung um nur einige Beispiele zu nennen. Seine Überlegungen wurden von anderen Jungmeistern wie Reti und Tartakower geteilt und leiteten die Geburtsstunde der indischen Eröffnungssysteme ein.
Nimzowitsch brachte, ähnlich wie Lasker, psychologische Forschungen in sein Spiel ein. Er nutzte z.B. die im Charakter des Gegners wurzelnden Stilfehler aus. Ein Beispiel sind seine Überlegungen, die er vor der Partie gegen Spielmann 1929 in Karlsbad anstellte: "Spielmann ist nicht in der Lage zu lavieren. Diese Eigenart hat ihren Ursprung in seiner recht gradlinigen Gemütsart. Auch massiver Verteidigungszüge (z.B. die Deckung eines armseligen Bäuerleins durch einen Turm) sind ihm fremd. Deshalb sollte man im Kampf mit ihm die Stellung zu vereinfachen suchen (um Angriffsmotive auszuschließen) und danach ein beiderseitiges Lavierungsspiel aufziehen". Und er begann in der Partie mit 1.e3 !
![]() Wer in älteren Schachzeitungen blättert, stößt vielfach auf die Schreibweise "Niemzowitsch". Tatsächlich ist dies sein korrekter Name. Als er jedoch nach Ende des ersten Weltkrieges seine baltische Heimat entgültig verließ und nach dem Westen emigrierte, unterließen die Behörden bei der Ausstellung des Passes den Buchstaben "e". Nimzowitsch wagte es nicht, eine Richtigstellung zu verlangen. Denn sonst wäre er Gefahr gelaufen, daß der Paß noch ein paar Wochen in irgendeinem Amt herumgelegen und vielleicht ganz verschwunden wäre. In so wilden Zeiten war es besser, einen Paß mit ortographisch falschem Namen als gar keinen Paß zu haben. Die zweite Verstümmelung erfuhr sein Name, als man das nach ihm benannte indische System häufig der Einfachheit halber auf "Nimzo - Indisch" reduzierte. Wettkämpfe
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