Paul Keres
Paul Keres
Name

Paul Keres
Land

Estland
* 07/01/1916 Narva
gestorben

05/06/1975 Helsinki

Internationaler Großmeister 1950
UDSSR - Meister 1947, 1950, 1951

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Paul Keres, wurde am 07.Januar 1916 in Narva, Estland geboren und war ein ausgezeichneter Schachspieler, Problem - und Studienkomponist.

Bevor er 1935 in Warschau auf der Schacholympiade die international Schachbühne betrat, war er außer in seiner Heimat im Grunde nur im deutschsprachigen Raum bekannt. Keres hatte sich noch als Jugendlicher in den frühen 30er Jahren an verschiedenen von der "Deutschen Schachzeitung" ausgeschriebenen Fernschachturnieren beteiligt und dabei nicht nur etwas für seine später vielgerühmten Eröffnungskenntnisse getan. Mancher Leser der DSZ staunte nicht schlecht über den Kombinationswirbel, den der Nobody aus Estland in seinen Fernschachpartien zu veranstalten pflegte.

Vom ersten internatinalen Turniererfolg 1936 in Bad Nauheim (gemeinsam mit Aljechin) bis zum letzten Turnier 1975 in Vancouver, Kanada, spannt sich der Bogen seiner Triumphe und hervorragenden Partien.

Von 1938 bis 1962 war mindestens sechsmal der WM - Titel greifbar nahe.

1938 gewann er das AVRO - Turnier in Holland vor Fine, Botwinnik, Euwe, Reshevsky, Aljechin, Casablanca und Flohr und galt als Herausforderer von Weltmeister Aljechin. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges machte aber seine Hoffnungen zunichte.

Im WM - Turnier 1948 in Den Haag und Moskau wurde er nur Dritter um den vakanten Titel. In den Kandidatenturnieren 1953 Neuhausen und Zürich, 1956 Amsterdam, 1959 Bled, Zagreb und Belgrad und 1962 Willemstad (Curacao) belegte er jeweils den 2. Platz, was ihm den Beinamen der "ewige Zweite" einbrachte.

1958 beschließt er seine Autobiographie "Ausgewählte Partien 1931 - 1958", mit seinem Auftreten während der 13. Schacholympiade vom 12. bis 23. Oktober 1958 in München. Er spielte für die Sowjetunion am dritten Brett und erreichte ein Ergebnis von +7 = 5 - 0 und war damit der beste Spieler am dritten Brett.

Bei der 26. UDSSR - Meisterschaft in Tiflis, 10. Januar bis 11. Februar 1959, holte er einen geteilten 7. Platz, zusammen mit Averbach, vor Kortschnoi, Geller und Bronstein. Das Jubiläumsturnier von Zürich, ab Mai 1959, wird ein Triumph für Mihail Tal. Keres und Fischer teilen sich den vierten Platz. Keres Resultat ist (+ 7 = 7 -1 gegen Fischer verloren).

In Stockholm, vom Dezember 1959 bis Januar 1960 siegen Kotow und Martin Johansson. Keres, der gegen Sköld verliert, fehlt ein halber Punkt, und er wird dritter. Ein nicht allzu stark besetztes Turnier der baltischen Länder, Pärnu 1960, gewinnt Keres mit 12 aus 15 (+9 = 6 - 0).

Die 14. Olympiade vom 17. Oktober bis 09.November 1960 in Leipzig sieht Keres wieder am dritten Brett in Aktion. Hier holt er mit (+7 = 5 - 0) aus 12 Partien 80,8 Prozent der möglichen Punkte.

Während des Länderwettkampfes Jugoslawien - Sowjetunion 1961 in Belgrad enttäuscht Keres mit 2,5 Pkt. aus 5 Partien. Zürich, 27.Mai bis 12. Juni 1961, hingegen wird zum überragenden Triumph. Hier siegt er mit 9 Pkt. (+7 = 4 - 0) vor 2. Petrosjan 8,5 Pkt. 3. Gligoric 7 Pkt, 4. und 5. Lombardi und Schmid jeweils 6,5 Pkt usw.

Paul Keres

Im Juni 1961 beteiligt sich Keres in Oberhausen an den Wettkämpfen um den Europapokal für Nationalmannschaften. Wieder spielt er am dritten Brett, bleibt ungeschlagen und erzielt 6 Pkt. aus acht Partien.

In Bled, vom 03.September bis 03.Oktober 1961 wird Tal mit 14,5 Pkt. aus 19 Partien erster. Zweiter ist Fischer mit 13,5 Pkt. Den dritten Platz teilt Keres (+7 = 11 -1) mit Petrosjan und Gligoric. Er verlor nur gegen Bisguier und blieb als einziger Sowjetgroßmeister von Fischer ungeschlagen.

Einen vierten Sowjettitel erreicht Keres in der 29. Meisterschaft der UDSSR 1962 in Baku nicht. Mit 11 aus 20 landet er auf den achten Platz, zusammen mit Cholmov, Gipslis und Smyslov. Er wird aber in der UDSSR zum "Sportler des Jahres" gewählt.

An der 15.Olympiade in Varna vom 16.September bis 10.Oktober 1962 nimmt er als erste Reserve teil. Sein Resultat kann sich sehen lassen (+6 =7 - 0) 9,5 Pkt. aus 13 Partien.

Im Juli 1963 gewinnt Keres zusammen mit dem neuen Weltmeister Tigran Petrosjan das erste Piatigorsky - Pokal - Turnier in Los Angeles.

Im 5. Moskauer Internationalen Turnier von Oktober bis November 1963 endet Keres auf einen geteilten 7. bis 8. Platz bei 16 Teilnehmern. Offensichtlich war er nicht in bester Form. (+ 5 = 7 - 3).

Das 26. Hoogovens Schachturnier vom 07. bis 26. Januar 1964 in Beverwijk endet mit einem Estländischen Doppelsieg. 1. und 2. Platz Keres und Nei mit 11,5 Pkt, vor 3. Portisch 11 und 4. Ivkov 10 Punkte.

Das internationale Meisterturnier "Ciudad de Buenos Aires" , vom 09. Juli bis 04. August 1964 endet verdient, im Hinblick auf den Inhalt ihrer Partien, mit einem geteilten Siegerplatz für Weltmeister Tigran Petrosjan und Kronprinz Keres. Bei Keres sah man ab und zu Schärfe und Wagemut wie vor zwanzig, dreißig Jahren.

Die 16. Olympiade in Tel Aviv vom 03. bis 25. November 1964, sollte für Paul Keres die letzte werden. Am vierten Brett erreichte er 83,3 Prozent (+ 9 = 2 - 1), 10 Pkt. aus 12 Partien. Seine einzige Niederlage erlitt er gegen den Deutschen Lothar Schmid.

Das traditionelle Weihnachtsturnier von Hastings zum Jahreswechsel 1964 / 65 bedeutet einen Sieg alten Stils für Keres, der hier mit seinem großen Rivalen Gligoric persönlich abrechnet. 1. Keres 8 Pkt. 2. bis 3. Gheorghiu und Gligoric 6,5 Pkt. 4. Pfleger 6 Pkt. 5. Gaprindaschwili (Damenweltmeisterin) 5 Pkt. usw

Der Kandidatenzweikampf gegen Boris Spassky im Juni 1964 geht 4 - 6 verloren (+ 2 = 4 - 4). Die Entscheidung fällt erst in der heftig umstrittenen zehnten Partie. Damit ist Keres allerletzte Chance auf die Rolle des Herausforderers verloren.

Das Turnier in Marienbad 1965 bringt Keres einen geteilten Sieg mit Vlastimil Hort. Die Turnierleistung von Paul Keres ist umsomehr bewundernswert, weil er so krank war, daß er überhaupt nicht hätte spielen dürfen.

Paul Keres

Die 33. Sowjetmeisterschaft in Tallinn 1965 gewinnt Stein. Keres endet mit 11 Punkten auf dem 6. Platz. (+ 4 = 14 - 1).

Am 07. Januar 1966 feiern die Esten den fünfzigsten Geburtstag ihres nationalen Helden Paul Keres. Der Jubilar machte ein recht ruhiges Schachjahr daraus: 2 - 0 gegen Ojanen im traditionellen Treffen Estland - Finnland, 1,5 - 0,5 gegen Kärner in einem ebenso traditionellen Klubwettkampf (Kalev - Joud); in der Spartikade ist er mit 5 aus 8 der beste Estländer.

Den Jahreswechsel verbringt Keres in Stockholm. Die schwedische Schachunion veranstaltete zu ihrem 50jährigen Jubiläum vom 26.Dezember bis zum 05.Januar 1967 ein internationales Turnier. Dieses endete mit einem überlegenen Sieg von Paul Keres: 8 Punkte aus 9 Partien, vor u.a. Böök, Larsen und Stahlberg.

Ein Ausflug nach Winnipeg trägt ihm nicht mehr ein als einen geteilten 3. bis 4. Platz mit dem neuen Weltmeister Boris Spassky. Beide besiegen bloß die Letztrangigen (Yanofsky und Kagan) und spielen ansonsten Remis.

Leonid Stein siegt 1967 im Eliteturnier von Moskau. Keres erreicht nicht mehr als den 10. Platz. Ist es aus mit seinen großen Erfolgen?

Bamberg vom 11. bis 28.April belehrt eines besseren. 1. Keres 12 Pkt (+9 = 6 - 0) aus 15 Partien vor 2. bis 3.Tigran Petrosjan und Lothar Schmid 10 Pkt, 4. bis 5. Rudolf Teschner und Wokfgang Unzicker 9,5 usw.

Im 31. Hoogovens Schachturnier vom 14.Januar bis 01.Februar 1969 siegen Mikhail Botwinnik und Efim Geller (beide 11,5 Pkt). Keres teilt mit Portisch, der ihn schlägt, mit 11 Punkten den dritten Platz.

Tallinn, vom 21.Februar bis 12.März 1969, bringt aufs neue Siegerlorbeer für Leonid Stein, der auf 10,5 Pkt. kommt. Im Abstand von 1,5 Pkt. folgen Keres und Nei.

Ebenfalls einen zweiten Platz gibt es in Bad Luhacovice vom 18.Mai bis 06.Juni 1969. Viktor Kortschnoi gewinnt mit 11,5 Pkt. dieses Reti - Gedächtnisturnier. Keres erspielt einen Punkt weniger.

Mit dem glänzenden Start von 6 Punkten aus 7 Partien distanzierte Keres von vornherein das gesamte übrige Feld in dem recht stark besetzten Turnier in Budapest 1970, das anläßlich des 25.Jahrestages der Befreiung Ungarns abgehalten wurde. Danach ließ sein Elan infolge einer Grippe deutlich nach; und mit weiteren acht Remis ging er gebremst ins Ziel.

Im Spiel des Jahrhunderts, die UDSSR gegen den Rest der Welt, Belgrad 29.März bis 25.April 1970, sitzt Keres am 10.Brett. Sein 3 - 1 Gewinn gegen Ivkov ist es, der seiner Mannschaft zum 20,5 - 19,5 Sieg verhilft.

Tallin, 20.Februar bis 14.März 1971, wird zu einem schönen geteilten Sieg. 1. - 2. Tal und Keres 11,5 aus 13, gefolgt von 3. Bronstein 11 und 4. Stein 10 Pkt. usw.

Das I.B.M. Turnier in Amsterdam vom 13. bis 21.Juli 1971, verläuft etwas mühsam; mit seinem Endspurt macht Keres allerdings viel wieder gut. 1.Smyslov 10 aus 15, gefolgt von 2. - 4.Browne, Keres, Portisch 9 Pkt, 5. - 7.Gligoric, Ivkov, Ree 8,5 Pkt usw.

Sarajevo, 19.März bis 07.April 1972, bringt einen überraschenden Sieg für Laszlo Szabo (11 aus 15). Petrosjan (10,5) wird Zweiter. Keres teilt mit den jungen Großmeistern Hort und Jansa mit 9,5 Punkten den dritten bis fünften Platz.

In San Antonio, Texas, 19.November bis 10.Dezember 1972 gibt es drei Sieger: Portisch, Petrosjan und den jungen Karpov, 10,5 aus 15. Die folgenden Ehrenplätze kommen Gligoric (10) und Keres (9,5) zu.

Das Jahr 1973 gestaltet sich weniger günstig. Tallinn, 17.Februar bis 10.März, steht im Zeichen des wie neu geborenen Tal (12 aus 15), Polugajewski wird mit 10,5 Zweiter, Keres (9,5) gemeinsam mit Balaschow, Bronstein und Spassky Dritter.

Die offene Meisterschaft der Bundesrepublik Deutschland, gehalten in Dortmund vom 17.Mai bis 2.Juni 1973, bringt Hecht, Andersson und Spassky (9,5) den Sieg. Marovic und Popov folgen mit 9, und nach ihnen endlich Keres (verloren gegen Popov) und Keene.

Paul Keres
Paul Keres in Dortmund 1973

Das Interzonenturnier in Petropolis vom 23.Juli bis 18.August 1973, endet enttäuschend für Keres. Mit 8 aus 17 (+3 = 10 - 4) landet er auf einen geteilten zwölften Platz.

Die 41.Sowjetmeisterschaft 1973 wird zum Comeback für Spassky. Keres endet mit Sawon und Taimanov als Neunter bis Elfter (+1 = 14 - 2). Er verliert gegen Geller und Tal und gewinnt nur gegen Beljawsky.

Der Gesundheitszustand von Paul Keres, so stellt sich heraus, läßt zu wünschen übrig. Es wird sogar von einem Herzinfarkt gesprochen. Die Ärzte raten dem Großmeister, sich aus dem anstrengenden Wettkampfsport zurückzuziehen. Das ist der Grund, warum wir 1974 nichts über Schachaktivitäten von Paul Keres erfahren.

Im Jahre 1975 entschließt Paul Keres sich, es doch noch einmal zu versuchen. Als geeignete Gelegenheit hierzu bietet sich Tallinn an, vom 16.Februar bis 10.März. Keres ist hier Organisator, Gastgeber, Chauffeur für Kollegen usw. und gewinnt so nebenher das Turnier mit 10,5 aus 15 (+6 = 9 - 0) vor Olafsson und Spassky (9,5), Bronstein und Hort (9) usw. Die Großmeisternorm war 9 Punkte.

Begeisterte Zeitungsartikel bejubelten in Schlagzeilen wie "Ewig junger Paul Keres" und "Keres spielte wie einst im Mai" den Sieg des beliebten Estländers.

Die offene Meisterschaft von Kanada in Vancouver vom 15. bis 25.Mai 1975 sollte das letzte Turnier von Paul Keres werden: ein Sieg von 8,5 aus 10 (+7 = 3 - 0). Das Hauptfeld folgt in ehrerbietigem Abstand. Keres fühlt sich ausgezeichnet und begibt sich nach dem Turnier sogar auf Simultantournee. Auf der Heimreise trifft ihn in Helsinki ein zweiter Herzinfarkt. Im Krankenhaus scheint er zunächst sich zu erholen, doch der dritte Infarkt, am nächsten Tag, wird ihm verhängnisvoll.

Keres Schachergebnisse waren hervorragend, einem Weltmeister würdig und trotz vierzigjährige, ununterbrochene Erfolge hat er den Weltmeistertitel nicht getragen. Er wurde nicht einmal Herausforderer, er kam immer einen halben oder ganzen Punkt zu kurz.

Ein Vorschlag in der FIDE - Generalversammlung um den "ewigen Zweiten" doch einmal die Chance zu geben in einem Zweikampf um die Weltmeisterschaft zu spielen, wurde abgestimmt. Es wäre gegen die Regel !

Paul Keres schrieb als hervorragender Eröffnungskenner und Theoretiker zahlreiche Schachbücher: Theorie der Schacheröffnungen (3 Bände), Dreispringerspiel bis Königsgambit, Praktische Endspiele, Ausgewählte Partien 1931 - 1958.

Seine wichtigsten Erfolge:

1. Platz: Tallinn 1936 und 1937, Margate 1937, Ostende 1937, Prag 1937, Semmering - Baden 1937, Margate 1939, Madrid 1943, Salzburg 1943 (mit Aljechin), Pärnu 1947, Salzbronn 1950, Budapest 1952, Hastings 1954/55 (mit Smyslov), 1957/58 und 1964/65, Pärnu 1955, Mar del Plata 1957, Pärnu 1960, Zürich 1961, Los Angeles 1963 (mit Petrosjan), Bewerwijk 1964, Buenos Aires 1964, Stockholm 1966/67, Bamberg 1968, Budapest 1970, Tallinn 1971 (mit Tal).

UDSSR - Meister 1947, 1950, 1951

Er vertrat Estland auf den Olympiaden 1935, 1936, 1937, 1939, die UDSSR von 1952 (1.Brett) bis 1964.

1962 sowjetischer "Sportler des Jahres".



 

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