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Letzte Bearbeitung:               02.02.2011

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Italien 2007
Italien 2007

8. und 9. Mai 2007

Mönchengladbach - München

Autoreisezug Napoli

  Wann mir die Idee kam Italien zu bereisen, kann ich heute nicht mehr sagen; habe aber schon am 6. November 2006 die Fahrkarten für den Autoreisezug Online gekauft. Gebucht hatte ich die Hinfahrt von München nach Napoli, und die Rückfahrt von Bozen nach Düsseldorf.

  Irgendwann hatte ich das Gefühl, das die Rückfahrt von Bozen auch auf eigener Achse zu bewerkstelligen sei, was außerdem den Vorteil hat, das ich volle 14 Tage unterwegs sein kann, was bei der Rückreise mit dem Autozug nicht der Fall gewesen wäre

  Einen Tag vor der Abfahrt nach München wird Suzie beladen. Zwei Koffer, zwei Packsäcke auf der Sattelbank, und noch eine Tanktasche mit Regenzeug auf dem Tank.

  Die Wettervorhersagen für Dienstag, den 8. Mai, sehen, nach wochenlangem Sonnenschein, nicht besonders aus. Aber das war mir im April, der wärmste und trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, schon klar. Wenn ich dann fahre, muss das Wetter ja schlecht sein.

  Um 9:00 Uhr setze ich mich mit Suzie in Bewegung, die sich eher wie ein Gütertransport als ein Motorrad anfühlt. Ich muss mich halt erst an das Gewicht gewöhnen. Auf der Autobahn lasse ich es ruhig angehen, der Zug wird erst um 19:15 beladen, und das sollte wohl zu schaffen sein bis München.

  Entgegen den Wetterprognosen ist es trocken, auch wenn die Wolken tief hängen. Immerhin habe ich die Sonnenbrille auf der Nase, vielleicht vertreibt das ja die Wolken. Autobahnfahren ist natürlich ätzend; das einzige, was ein wenig Lichtblick bringt, ist die Musik aus dem MP3-Player; das sich tatsächlich hier und da mal die Sonne blicken lässt; und das ich keinen Stau habe.

 

  Etwa 70 Kilometer vor München muss Suzie noch mal mit frischer Energie aufgefüllt werden, und ich darf mir dann doch noch die Regenkombi überziehen. Zwar tegnet es noch nicht, aber das Gewölk sieht nicht so aus,als ob es das Wasser noch lange bei sich behalten kann.

 Die paar Tropfen sind dann nicht wirklich als Regen zu bezeichnen, und schon bald habe ich auch die Abfahrt erreicht, um zum Bahnhof München-Ost zu gelangen. Zwar habe ich die Anfahrt ins GPS eingegeben, aber schon früh stehen Schilder, die Suzie und mich zum Bahnhof bringen.

  Ich parke Suzie auf dem Bahnhofsgelände, und ich schaue, das ich die Motorradklamotten vom Leib bekomme, weil - ich habe noch reichlich Zeit und möchte beim Italiener neben dem Bahnhof essen gehen. Das alles wird von der Schwierigkeit begleitet, das der Himmel jetzt seine Schleusen geöffnet hat. Ich komme kaum trocken zum Restaurant, und muss natürlich auch den Helm mitnehmen, der sonst voll Wasser laufen würde.

  Das Essen schmeckt ganz gut, und auch das Weizenbier bekommt mir hervorragend. So kann der Urlaub beginnen. Sogar der Regen hat aufgehört, und ich kann Suzie und mich in dem mittlerweile geöffneten Schalter für den Zug anmelden. Mit der Stoffhose erreiche ich gerade noch trocken die Warteposition für den Autoreisezug. Wieder fällt Wasser vom Himmel, aber nicht nur ein wenig Sprühregen, nein, wenn schon dann richtig. Das nimmt Unwetterausmaße an. Mit dem Helm auf dem Kopf, und der Tanktasche mit der Regenkombi drin, erreiche ich das Wartehäuschen, wo sich langsam alle Motorradfahrer sammeln, die an diesem Abend mit einem Reisezug fahren wollen. Die Luft darin ist trotz gekippter Fenster ziemlich stickig und feucht. Kein Wunder, ich bin nur ein paar hundert Meter durch das Wetter gelaufen. Manche kommen darin schon einige Kilometer angefahren, und deren Sachen laufen jetzt aus.

  So gegen 19:00 Uhr kommen die Verladeleute ,die unsere Motorräder festgurten wollen. Es schüttet immer noch wie aus Kübeln. Aber es nützt nichts. Ich ziehe mir die Regenhose an und mache mir die Jacke zu, die mit einer Membran ausgestattet ist, und somit wasserdicht. Suzie und ich fahren auf die Waggons. Immer schön langsam und mit beiden Beinen auf dem Boden, der aus Stahl besteht, und bei der Nässe bestimmt keinen hohen Reibwert besitzt. Außerdem immer schön den Kopf einziehen, die maximale Höhe beträgt 1,60 Meter, was nicht viel Platz lässt. Nachdem ich vier kleine Gurte an Suzie befestigt habe, mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Alle Biker mit Helm auf dem Kopf, und wer hat, mit Regenkleidung.

  In meinem Abteil ist schon ein Mopedfahrer, der es sich gemütlich gemacht hat. Er hilft mir, meine Sachen zu verstauen, da ich wohl zu klein für italienische Liegewagen bin, der aber ansonsten einen guten Eindruck macht. Da lange Zeit kein weiterer Reisende kommt, einigen wir uns schon mal über die Liegeflächenverteilung. Ich gehe freiwillig nach oben, um auf der richtigen Seite, in der Nähe der Verstelleinrichtung für die Klimaanlage zu sein.

  Es kommt noch ein dritter Reisender, auch ein Mopedfahrer, wobei er eher aussieht wie ein begossener Pudel. Er meint, bei dem Unwetter draußen braucht er keine Regenkombi. Seine Gore-Tex-ausgestatteten Klamotten halten alles ab. Haben sie aber nicht. Zumindest am Bauch ist sein T-Shirt nass. Außerdem läuft das Wasser in Sturzbächen aus seinen Sachen. Er hängt Jacke und Hose an den Haltestangen draußen auf dem Gang, wo sich in Windeseile ein stattlicher See bildet. Auch seine Stiefel haben das Wasser nicht ganz abhalten können. Er ist ein wenig angefressen, das seine „wasserdichten“ Klamotten nicht trocken geblieben sind.

  Erst habe ich gedacht, das ist seine erste größere Tour, weil bei diesem Unwetter können die Membranen nicht alles abhalten. Selbst Regensachen, die man dann noch darüber anzieht, bleiben nicht immer ganz dicht. Irgendwann, nach dem er es sich einigermaßen häuslich gemacht hat, fängt Klaus zu erzählen an, wo er schon überall gewesen ist.

  „Mmmh“, denke ich.

  Dann kommen wir auf Neapel zu sprechen.

  „Ich bin vor zwei Jahren schon mal da gewesen“ meint Klaus

  „Der Verkehr ist chaotisch, und man kann sich überhaupt nicht orientieren; wenn man einmal auf einer Straße ist, gibt es kein zurück, es ist nicht möglich zu drehen, weil zwischen den Spuren ein Betonabsatz ist“.

  Das kann ja dann lustig werden, aber eigentlich muss ich nur zusehen, das ich das Meer auf der rechten Seite habe, dann bin ich schon fast richtig.

  „Wo willst Du denn dann noch hin“ fragt Klaus mich.

  „Ich brauche nur zur Halbinsel von Sorrent, dann mal sehen, die Amalfiküste lang.

  „Die kenne ich nicht“, sagt er

  Wie - schon mal in Neapel gewesen, und dann die Amalfiküste nicht kennen? Nun ja. Dann kommt auch noch unser vierter Abteilgenosse. Wir sind komplett. Als ob der Zugführer das gemerkt hat, setzt sich der Zug auch schon in Bewegung.

  Kurz vor 24:00 schlägt irgendjemand vor, in die Kojen zu kriechen. Es kommt noch ein bisschen Spaß auf, beim Entfalten der Decken, Schlafsäcke, oder was das auch immer sein soll.

 

  Ob ich das Schlafen nennen kann, was da in der Nacht so abgeht, weiß ich auch nicht. Komme mir eher vor wie eine Hähnchen am Spieß. Links herum, rechts herum, und wieder umgekehrt. Doch oh Wunder, irgendwann wird es hell draußen. Also muss ich die Augen doch mal zugemacht haben.

  In Rom hat unser Zug 1,5 Stunden Aufenthalt, angeblich wegen eines Unfall auf der Strecke. Aber auch die gehen vorbei, und mit zwei Stunden Verspätung laufen wir bei strahlendem Sonnenschein in Neapel ein. Die Geduldsnerven werden noch mal in Anspruch genommen, denn es dauert 1,5 Stunden bis die Anhänger mit den Mopeds endlich am Ausladepunkt ankommen. Die Bahnleute streiken.

  Alle Biker befreien ihre Mopeds von den Gurten, so das es dann zügig in den Moloch Neapel gehe kann. Ich besteige Suzie, meinen Güterexpress, und rolle erst mal auf dem Parkplatz vom Bahnhof. Zum einen, um GPS die Möglichkeit zu geben, sich zu orientieren. Nach über 1000 Kilometer Entfernung vom letzten Einschaltpunkt braucht es ein paar Minuten, um alle verfügbaren Satelliten zu orten. Und zum anderen, um mich eine wenig zu orientieren.

  Der Verkehr ist schon erstaunlich, was untertrieben ist.

  Der Verkehr ist chaotisch! Die Hupe scheint in jedem Fall sehr wichtig zu sein. Die Rollerfahrer drängeln sich überall rein, wo Platz ist. Was wohl auch wichtig für sie ist, das man auf keinen Fall anhält, egal, wo die Fahrt weitergeht. Sei es über eine rote Ampel, sei es einfach links, rechts, oder vor einem stehenden Auto vorbei. Hauptsache weiterrollen. Ähnlich wie bei einer Motorrad Trialveranstaltung darf kein Fuß den Asphalt berühren, sonst gibt es Strafpunkte. Dazwischen laufen dann noch die Fußgänger. Auch über achtspurige Straßen. Aber sie überleben es. Sogar ziemlich unbehelligt. Autos, und auch die Rollerfahrer, trotz der Strafpunke, halten für Fußgänger immer wieder an.

  Dann mal los.

  Mittels GPS und der Karte im Kopf (das Meer muss irgendwann rechts sein) find ich die Ausfallstraße. Mindestens einen neapolitanischen Straßenbahnführer haben dazu angeregt, ausgiebig Gebrauch von seiner Straßenbahnklingel zu machen. Ich halte an einer roten Ampel, vor einer ziemlich unübersichtlichen Kreuzung. Bin damit aber der einzige, der hält, alles fährt rechts und links an mir vorbei. Bis es mir dann zu dumm wird, und ich auch wieder losfahre, dabei aber die Straßenbahn von links übersehe, die auf mich zu kommt. Wie gesagt, mit einem lustigem Klingeln. Klar, die Bahn hält. Verursacht ihrerseits aber dadurch wieder ein kleines Chaos im gesamten Kreuzungsbereich. Ich mache mich aus dem Staub. Außerdem ist Chaos in dieser Stadt normal, da kommt es auf eine Kreuzung mehr oder weniger auch nicht an.

  Den größten Fehler habe ich zu Hause begangen. Um zur Sorrenter Halbinsel zu gelangen, und damit zu meinem Camp „Nettuno Holiday Village“ am Golf von Salerno, habe ich mir (im Vergleich zu unseren) eine Bundesstraße ausgesucht. Der Nachteil dieser Straße, das sie nur durch Ortschaften geht. Alles Vorstädte von Neapel. Zig Kilometer Stop and Go, mit den Trialrollerfahrer um mich herum. Aber auch das ist irgendwann vorbei, und komme Nettuno (Neptun) dann doch näher.

  Der Platzwart zeigt mir eine Ecke mit fünf Plätzen, von denen ich mir einen aussuchen kann.

  Das Restaurant macht erst um 19:00 Uhr auf, was für mich im Augenblick bedeutet, das ich noch eine ganze Stunde mit knurrendem Magen vor dem Zelt warten muss. Zum Glück kann ich mir mit Akif Pirincci’s Katzenkrimi die Zeit vertreiben.

  Vor dem Restaurant höre ich schon den Pianisten, der zur Unterhaltung der Gäste in die Tasten greift. Das wird doch wohl kein Nobelschuppen sein, in dem man von 5 Kellnern, die alle bezahlt werden wollen, beäugt wird. Nein, so schlimm ist es nicht. Es ist halt ein gutes Campingrestaurant, in dem auch Gäste sitzen, die wohl ein Pensionsessen bekommen. Ich gönne mit ein gutes Essen, und vor allem einige frisch gezapfte Biere.

  Einige Zeit später sitze ich wieder vor dem Zelt, die einbrechende Dunkelheit macht es gegen 20:30 leider unmöglich zu lesen, oder meine Notizen zu vervollständigen. Wenn mein Camp am Meer liegt, beobachte ich nach Einbruch der Dunkelheit ganz gerne die ausfahrenden Fischer bzw. deren Lichter an den Booten, mehr ist dann ja nicht zu sehen. Oder die Navigationslichter der Häfen oder Bojen. Dabei kann ich dann wunderbar meine Gedanken schweifen und die Seele baumeln lassen. Nun ist es leider so, das zwischen meinem Zelt und dem Meer, wenn auch nur wenige Meter entfernt, eine dichte Hecke Bambus wächst. Ist also nichts mit Booten beobachten.

  Aber siehe da, nachdem es dann wirklich dunkel geworden ist, fängt es im gegenüberliegenden Strauch an zu blinken. Nein - keine Halluzinationen. - Glühwürmchen. Gehört hatte ich schon davon, aber noch nie welche gesehen. Auch hinter mir im Busch sind sie. Sieht lustig aus, überall blinkt es.

Die Karte


10. Mai 2007

Costiera Amalfitana

Amalfiküste

Nur wenig Strand zum Schwimmen

Die Amalfiküste. Einer der schönsten Küsten der Welt

  Gut ausgeschlafen fahre ich am Morgen zu einer der schönsten, wenn nicht der schönsten Küste Europas. Der Costiera Amalfitana, die Amalfiküste. Mit dem Bau der 69 Kilometer langen Straße wurde erst 1853 begonnen. Es reiht sich Kurve an Kurve, die geraden Stücke dazwischen kann man vernachlässigen. Diese, eigentlich für Motorradfahrer, ideale Strecke hat leider einen Riesen Nachteil: Es ist zuviel Verkehr unterwegs. Überall fahren langsame Autos, oder, noch schlimmer, Lkws und Busse vor mir herum. Zum Glück stehen vor den kleinen, und somit auch engen, Dörfern Posten, die die Busse anhalten, damit sie sich nicht in den Orten begegnen. Dort ist dann Gelegenheit zu überholen, oder ich werde sogar an den Brummis vorbei geleitet. Man kann natürlich auch fahren wie die italienischen Moped und Rollerfahrer. Überholen, wo man will. Was interessiert mich morgen, ich fahre jetzt.

  Ich halte mich lieber zurück, und riskiere auch schon mal einen Blick nach rechts zum Meer, oder den Hang hinauf. Auf jedem freien Plätzchen gedeihen Orangen, Oliven, Feigen und Wein.

  Plötzlich eine Straßenbaustelle. Ein Arbeiter winkt mich durch; als ich gerade vorbei will, winkt er aber schon den Gegenverkehr in den Engpass, alle müssen stoppen. Er hält sich entschuldigend die Hand vors Gesicht und macht mit schauspielerischer Mimik wieder wett, was sein Wankelmut anrichtete. Auch im Gegenverkehr lachende Gesichter, entspannt geht es weiter

Sterbenschöner Sirenengesang

Häuser kleben am Fels

Ausblicke ohne ende. Nicht vergessen auf die Straße zu sehen

  Für mich ist in Maiori die Amalfi zu Ende, ich biege ab ins Hinterland, um nach Ercolano zu kommen. Dort sind die römischen Ausgrabungen „Herculaneum“. Sie sollen den Vorteil haben, nicht so überlaufen zu sein wie Pompeji. Aber bevor ich dort ankomme, sind zum einen noch mal zwanzig Kilometer schönster Hinterlandstraße zu bewältigen. Und zum anderen wäre wieder die Landstraße mit Stadtverkehrscharakter, diesmal in Richtung Neapel, zu bewältigen. Ich umgehe das Stop and go indem ich die Autobahn benutze. Zwar möchte der Kassierer an der Mautstelle 3 € haben, aber das ist mir die Sache wert.

10. Mai 2007

Ercolano

römisches Heraculaneum

  Das römische Herculaneum war eine beschauliche Hafenstadt mit 5000 Einwohnern. Der Großteil der Bevölkerung ging dem Fischfang nach. Am Morgen des 25.August 79 wurde die Stadt und alles Leben darin ausgelöscht. Genau wie im benachbarten Pompeji löste ein Ausbruch des Vesuv die Katastrophe aus. Aber anders als Pompeji wurde die Stadt nicht von Aschebergen verschüttet, sondern von einer Glutwolke erfasst und unter einer mächtigen Schlammflut begraben. Diesen Umstand ist der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand der Holzbauteile, Holzmöbel und Schriftstücke zu verdanken.

Römisches Gemäuer

Alte Mauern in Ercolano. Römische Ausgrabungsstätte

  Der Besuch von Herculaneum kommt mir vor wie eine Zeitreise ins römische Reich. Auf diesen Straßen gingen schon vor 2000 Jahre Menschen ihrer Arbeit nach. In ihrer Freizeit besuchten sie vielleicht den Tempel, oder gingen in die Therme.

Ein Thermenbesuch

  In vielen Häusern sind die Mosaikböden, oder die Wandfresken, noch recht gut erhalten, so das es recht spannend ist, in jedes Haus seine Nase reinzustecken, um Neues zu entdecken. Aber langsam macht sich die Hitze und die Mittagszeit in Form von Hunger und Durst bemerkbar. Ich hatte gedacht, das an solch einer Ausgrabungsstätte zumindest ein Kiosk wäre. Aber nichts ist, noch nicht mal die Toiletten sind in einem halbwegs gebrauchsfähigen Zustand. Wahrscheinlich seit 2000 Jahren nicht gereinigt.

  In einer Bar außerhalb des Geländes kann ich mich stärken, um zum nächsten Etappenziel des heutigen Tages zu gelangen. Um von Ercolano nach Pozzuoli zu gelangen, müsste ich einmal quer durch Neapel, eigentlich zweimal, denn ich muss ja wieder zurück. Um das zu vermeiden, benutze ich wieder die Autobahn.

10. Mai 2007

Campi Flegrei

Die brennenden Felder

  Die Römer bezeichneten ihn als „Eingang zu Unterwelt“. Den Solfatara, dem bekanntesten Vulkan der Campi Flegrei; die sich auf 150 Km² ausdehnenden „brennenden Felder“ sind ein riesiges Vulkangebiet, das Neapel mit einschließt. Überall treten aus Spalten Schwefeldämpfe aus. Der Hauptvulkan gilt seit 4000 Jahren als erloschen, trotzdem bilden sich immer wieder Kleinstkrater, aus dehnen Schwefeldampf, und hin auch wieder Schlamm austritt, der als heilender Fangoschlamm gegen rheumatischen Krankheiten benutzt wird.

Dampf und Schwefelgeruch aus der Erde

Der Eingang zur Hölle. Der Solfatara, seit 4000 Jahren erloschen

  In den Grotten, die früher als natürliche Sauna mit schwefligen Dämpfe genutzt wurden, komme ich nicht rein. Die feucht-heiße schwefelige Luft verschlägt mir den Atem. Kein Wunder, das die Gegend als Tor zur Unterwelt bezeichnet wurde. Ich fahre noch eine Stichstraße hoch, von wo man einen schönen Überblick auf den Krater hat. Danach geht es über die Autobahn wieder zurück zum Camp.

  Am Ende der Autobahn sehe ich einen riesigen Supermarkt, dem ich sofort einen Besuch abstatte, um meine Vorräte zu ergänzen. Insbesondere, weil ich heute auf den Restaurantbesuch verzichten möchte. Was der Urlaubskasse bestimmt gut bekommt.

  Kurz vor dem Camp, es geht schon in Kehren zum Meer hinunter, bin ich etwas schnell in einer Kehre. Ich bremse hinten. Das Rad bleibt stehen, und ich komme etwas quer. Gerade in einem solchen Augenblick muss natürlich ein Auto ankommen. In den fünf vorigen Kehren war kein Auto da, und ich hätte Platz gehabt für so eine Aktion. Aber im Augenblick wird der Platz recht eng. Nur ein beherztes Ziehen am vorderen Bremsgriff kann Schlimmeres verhindern. Suzie bleibt fünf Zentimeter vor dem PKW, der auch gebremst hat, stehen. Wusste gar nicht, das sich der Griff so ziehen lassen kann. Der Fahrer des Wagen fährt weiter, und ich bedanke mich, mit erhobener Hand. Mein Gruß wird erwidert. Kein Theater, kein Gemotze, Italien halt.

  Am Camp die nächste Überraschung: Ameisen haben sich über meine offenen Frikadellen hergemacht. Ich frage mich nur, wie können diese kleinen Tierchen wissen, das im Koffer, in einer Stofftasche, und da wiederum in einer Plastiktüte meine Frikos liegen. Jetzt kann ich alles fein säuberlich entsorgen, und großflächig mit Insektenmittel aussprühen. Ab jetzt gehe ich jeden Morgen hin, und sprühe den Koffer von außen rundherum ein, ebenso das Zelt, an der Stelle, wo sich die beiden Eingangsreisverschlüsse treffen. Das mögen die Ameisen nicht, und meiden dann die eingesprühte Fläche.

  Auch heute Abend begleiten mich Glühwürmchen in die Nacht. Der Platz liegt absolut ruhig, kein Autoverkehr ist zu hören, keine lauten Nachbarn, nur das Meer mit seiner Brandung wiegt mich in den Schlaf.

Die Karte


11. Mai 2007

Neapel

Sotterranea

  Selbst in dem großen Supermarkt, wo ich gestern war, gab es keine Leberwurst. Weder in frisch, noch in Dosen. Das ist für mich, der ich Leberwurst über alles liebe, ein großes Manko. Also gibt es heute Morgen Mortadella. Damit die richtig gut schmeckt, fehlt leider die Butter. Aber die würde in der Hitze ohne Kühlung wohl nicht lange überleben.

  Für den Weg zur Innenstadt von Napoli nehme ich wieder die Autobahn. Das ist eine merkwürdige Motorradtour. Normalerweise fährt man da Landstraßen, ich persönlich dann auch der dritten oder vierten Ordnung, (das sollte dann aber noch zu Genüge kommen) und nicht über Autobahnen. Aber im Augenblick ist das auch nicht so die Mopedtour, sondern eher eine Kulttour. Suzie fühlt sich richtig unterfordert.

  Ich parke wieder am Bahnhof. Erstens findet man Bahnhöfe im allgemeinen recht einfach wieder, und zweitens erspare ich mir viel Innenstadtverkehr. Wobei, von Verkehr kann da überhaupt nicht gesprochen werden, eher von einem Konzert für stehende Fahrzeuge mit Hupe und Abgaswolke, im Köchelverzeichnis 120 Dezibel. Chaos halt.

Enge Gassen, aber nicht Verkehrsberuhigt

Napolis enge Gassen

  Nachdem ich Suzie neben einigen anderen Motorräder mit einem Schloss an einem Mast festgebunden habe, gehe ich zu Fuß in die Altstadt. In das GPS habe ich Akkus eingelegt, damit ich die Sotterranea und das Archäologische Museum auch per Pedes einfach finden kann. Aber irgendwie kann ich die Wegpunkte nicht finden. Irgendwas stimmt da nicht. Zum Glück habe ich auch keinen Stadtplan mitgenommen. Wozu braucht ein Mann, dem Navigation auf der Stirn geschrieben steht, so ein unnützes Ding wie einen Stadtplan. Nimmt doch nur Platz weg. Was also im Klartext heißt, das ich keinen Schimmer habe, wo ich hin muss, damit ich die Führung in die Sotterranea (dem Sorterain, dem Untergeschoss von Neapel) die um 12:00 Uhr, also in etwa einer halben Stunde beginnt, noch mitmachen kann.

  So ganz ohne Information stehe ich aber doch nicht da. Immerhin steht mir Navigation ja auf der ...siehe oben. So ein bisschen habe ich den Stadtplan ja noch im Kopf, und gehe zumindest schon mal in die richtige Richtung. Und die Stadtväter haben ein Einsehen mit mir. An vielen Straßenecken stehen Stadtpläne. Um fünf Minuten nach zwölf stehe ich vor dem Eingang der Sotterranea, wo sich schon, oder noch, eine stattliche Zahl von Menschen befindet. Ich bin in Süditalien, das hat, wie ich jetzt sehe, auch seine Vorteile, es ist nicht alles so pünktlich wie in good old Germany. Die englischsprachige Führung fängt sogar noch etwas später an.

Mit sieben Leuten, wie ich meine alles Deutsche, geht die Führung los. Zuerst, damit wir uns von der großen Gruppe der Italiener absetzen, in die Altstadt zu einem Wohnhaus. Da wir alle Deutsche sind, ergibt sich noch eine lustige Situation. Ein junger Mann spricht ein Mädel in holprigen Englisch an, die in einem noch holperigen Englisch antwortet. Der Vater des jungen Mannes hat wohl schon geschnallt, das in der Gruppe nur Deutsche sind und meint;

  „Wäre es nicht viel einfacher, ihr würdet deutsch miteinander reden“

Beide sehen den Mann mit großen Augen an, und lachen herzhaft.

Im Souterrain, der Sotteranea Neapels

Die Bögen des Theaters. Heute in den Kellern der Wohnhäuser

  Wir gehen in ein typisch neapolitanisches Wohnhaus (das heute der Sotterranea gehört, und nicht mehr bewohnt ist) steigen in den Keller, wo die Mauern eines griechisch-römischen Theaters zu sehen sind. Schon im 4. Jhr. v. Chr. war hier ein griechisches Theater. Die Römer bauten es zu einem der Bedeutesten seiner Zeit aus. Sogar Kaiser Nero trat dort öffentlich auf. In dem Theater der Stadt trug Nero eigens von ihm komponierte Werke vor. Antiken Schriften zufolge soll der Kaiser Zuschauer aus dem Volk angeworben haben, um ihm Applaus zu spenden. Noch heute kann man die bogenförmigen Unterbauten des Theaters erkennen. Die Gänge sind nicht sehr ausgedehnt, weil die Nachbarhäuser auch ihre Keller haben, und auch noch benutzen. Wir erblicken wieder des Tages Licht, um uns wieder zur Kasse, dem eigentlichen Eingang in den Untergrund von Neapel zu begeben.

  Der Untergrund Neapels entstand mit der Stadt, und mit ihr wuchs er, so das heute wirklich von einer eigenen Geschichte des unterirdischen Neapels gesprochen werden kann. Wir gehen viele Stufen in die Tiefe. Einige Gänge, und wieder Stufen. Bis wir ca. 40 Meter tief und unter dem Friedhof der Kirche Santa Maria del Pianto, in einem griechischen Steinbruch, sind. Im 4. Jahrhundert entnahmen sie Tuffstein für die Errichtung ihrer Festungswerke, die damals das sogenannte Neapolis umgaben.

Tuffstein für Festungen wurde hier gewonnen

Der griechische Steinbruch, tief unter Napoli

  Die Römer erweiterten das System für ihre Wasser und Abwässer, aber auch als Verkehrstunnel wurde es benutzt. Ab dem 17. Jahrhundert, Neapel hatte sich weit ausgedehnt, wurde der Untergrund nur noch als Wasserspeicher verwendet. Mehrere Aquädukte, der letzte 1629 erbaut, und Regenwasser versorgten das Zisternensystem, das immer wieder erweitert wurde. Um 1900 wurden die Ausschachtungsarbeiten für die Wasserversorgung eingestellt. Zurück blieb ein Netz von Stollen und Zisternen von über zwei Millionen m², welches die Stadt kreuz und quer durchzog.

  Der Ausbruch des II. Weltkriegs und die folgenden Bombenangriffe ließen den Untergrund wieder wichtig werden, dessen Gänge nun als Luftschutzbunker genutzt wurden.

  Nach einer Stunde unter Neapel stehe ich wieder in der Sonne, um meinen inneren Kompass zum Archäologischen Museum auszurichten. Vorher möchte ich mir aber noch eine Pizza, die ja in Neapel entstanden ist, einverleiben. In einem schönen Hof der Altstadt setze ich mich an einem Tisch, der wohl gerade verlassen worden ist, auf dem noch die halbgeleerten Gläser und Flaschen stehen. Der Kellner geht mehrmals an mir vorbei, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Gut, denke ich, er muss ja Essen zu anderen Tischen bringen. Aber eigentlich könnte er auf dem Rückweg zumindest etwas von meinem Tisch mitnehmen. Ich frage ihn nach einer Karte. Eher widerwillig nimmt er die Flaschen vom Tisch mit, aber eine Karte bringt er mir nicht. Aber zum Nachbartisch, der viel später besetzt worden ist. Ich glaube, mir springen die Kragenknöpfe vom Hemd.

  Jetzt kommt er wohl mit meiner Karte, aber bevor er den Tisch erreicht, stehe ich auf, und mit einem freundlichen arrivederci (ich möchte aber nicht mein Gesicht dabei gesehen haben) entschwinde ich in die Altstadtgassen, und finde mich in einer neapolitanischen Pizzeria wieder.

11. Mai 2007

Museo Archeologico

Napoli

  Ich gehe wacker auf die Kasse des Museums zu, und freue mich, das sich kaum ein Mensch in den Vorräumen befindet. Muss mich dann aber belehren lassen, das ich in der U-Bahnstation „Museo Archeologico“ gelandet bin. Also gehe ich wieder raus, um am richtigen Eingang die Kasse zu finden. Ich muss ja zugeben, normalerweise bin ich ja nicht unbedingt der Mensch, den es in einem Archäologischen Museum treibt. Aber in diesem, speziellen, neapolitanischen Fall, mache ich aus rein wissenschaftlichen Gründen eine Ausnahme.

Gabinetto segreto

So, wenn wir nun schon mal beim Thema sind.

Wolfsgeheul im Freudenhaus

Der Löwe bewacht die Treppe

Große Freitreppe im Archäologischen Museum

  Ich gehe noch durch verschieden Räume und Säle, aber man kann unmöglich alles in diesem Museum ansehen, dazu ist es einfach zu groß. Durch die Altstadt gehe ich wieder zum Bahnhof, wobei ich sagen muss, so richtig gefällt mir die Stadt nicht. In jedem Fall kann sie den Vergleich mit Lissabon nicht gewinnen, zumindest meiner Meinung nach. Jetzt bin ich gespannt auf Rom, wo ich ja morgen hinfahre.

  Am Abend gehe ich wieder ins Campingplatzrestaurant mit Klavierbegleitung. Antipasti wird eine Muschelsuppe, Sekundo Plato eine gemischt Fleischplatte. Ich wundere mich nicht schlecht, das sich die Muschelsuppe eher als Muscheln „Rheinischer Art“ entpuppen. Der Sud allerdings mit Knoblauch angemacht. Leider liegt kein Löffel bei, um ihn richtig zu genießen. Bei der Fleischplatte wundere ich mich über ein Stück Fleisch, das ich als Rindfleisch identifiziere. Das Stück ist aber dünn wie eine Schuhsohle, aber ganz weich und rosa gebraten. Erst nachdem ich die Hälfte gegessen habe fällt mir der Groschen. Es ist Leber, die ich überhaupt nicht mag. Die andere Hälfte esse ich auch noch, aber nicht mehr mit dem richtigen Appetit. Ich glaube, ein bisschen ist auch Einbildung mit dabei.

Die Karte


12. Mai 2007

Die Fahrt nach Rom

  Um 7:00 stehe ich auf, um auch zügig zu frühstücken. Die Generalrichtung ist jetzt Norden, Rom ist mein Ziel. Wie immer, wenn ich aufbreche, bekomme ich kaum einen Bissen herunter. Erst nach einer halben Stunde im Sattel von Suzie regt sich mein Magen.

  Die Strecke ist eher langweilig. Nationalstraßen, die beinahe ausgebaut sind wie Autobahnen. Nur in den Städten wird es lustig. Obwohl es nur eine Linksabbiegerspur und eine für geradeaus gibt, stehen manchmal drei Autos vor der Ampel nebeneinander. Dann wird die Ampel für die Spur, die geradeaus geht, grün. Die zwei Fahrzeuge, die auf der einen Geradeausspur stehen, fahren los, einigen sich auch ohne Theater, wer vorne und hinten fährt. Nur das dritte Fahrzeug bleibt stehen, weil der Fahrer links abbiegen möchte, und noch Rot hat. Das gefällt natürlich den Dahinterstehenden überhaupt nicht, weil sie ja auch geradeaus wollen, und mit einem lauten Hupkonzert versuchen sie, die Spur frei zu bekommen. Was auch gelingt. Der Angehupte fährt, trotz roter Ampel, soweit in die Kreuzung, bis alle an ihm vorbei kommen. Dazwischen zwirbeln aber auch noch die Rollerfahrer, als wenn die Autos nur Hindernisse wären, die zu überwinden sind. Das geht so in jeder Stadt, wo die Nationalstraße, auf der ordentlich Tempo gefahren wird, endet.

  Das Camp ist schon auf der Autobahn ausgeschildert, und einfach zu finden. Meine Befürchtungen, das es zu nah an der Einfallstraße ist, und somit dann so laut ist wie im letzten Jahr in Wien, bewahrheiten sich nicht. Die Rezeption ist zwar direkt an der Straße, aber das Camp liegt einige hundert Meter entfernt davon. Beinahe hätte ich mein Zelt mitten auf einem Ameisenloch aufgebaut, zum Glück habe ich das noch frühzeitig bemerkt. Einzig die Mücken, die hier schon am Tag fliegen und stechen, sind unangenehm. Die Duschen und Toiletten sind dafür absolut Spitze. Ich habe selten so saubere und große Duschkabinen gesehen, dazu immer mit Klassischer Musik untermalt. Einzig die Fußbodenheizung ist bei den Außentemperaturen meiner Meinung nach übertrieben.

Mein Heim in Rom

Der Campingplatz in Rom

  So langsam habe ich doch Hunger, und gehe kurz vor sieben zum Campingplatzrestaurant, das etwas auf dem Hügel liegt. Fast alle Tische auf der Terrasse sind reserviert, aber noch nicht besetzt. Ich finde noch einen kleinen Tisch, neben zwei Männern, die sich angeregt unterhalten. Ich muss dabei erwähnen, das ich, wenn ich alleine zum Essen gehe, immer ein Buch dabei habe, um vor, oder nach den Mahlzeiten darin zu lesen. Was ich angenehmer finde als in der Luft rumzustarren, und nicht zu wissen, was ich machen soll. Aber bevor ich mein Buch aufschlagen kann, werde ich von den Zweien mit „Buona sera“ angesprochen. Ich erwidere den Gruß.

  „Sprechen sie deutsch“

  fragt mich der Jüngere in akzentfreiem Deutsch. Ich bin so verdutzt, das ich mit

  „Joo“

   antworte.

  „Wir öffnen erst um neunzehn Uhr“

  Ein Blick auf meine Uhr sagt mir, in zehn Minuten.

  „Kann ich solange sitzen bleiben?“

  „Ja klar, ich bringe ihnen auch schon etwas zu trinken“

  Besser kann es mir doch kaum gehen, man versteht mich, ich habe ein Bier, und was zu lesen. Das Essen wird dann auch noch kommen.

  Das Essen ist gut: Antipasti die Mare, Lamm, Salat, und eine Creme, dazu dann drei Bier. Die Rechnung ist auch gut 44 Euro.

 Morgen wird gespart.

  Beim Einbruch der Dunkelheit kommen meine Freunde, die Glühwürmchen, wieder aus ihren Verstecken.

Der Leuchtkäfer

Die Karte


13. Mai 2007

Rom

Das antike Rom

Antikes Rom

Ich bin in Rom!

Sicher - gestern war ich auch schon in Rom. Aber jetzt bin ich richtig in Rom.

Ich stehe vor dem Kolosseum.

  Wobei es sich als gar nicht so einfach erweist, dahin zu kommen. Es ist wirklich so - was ich ja schon in Neapel befürchtet habe - das, außer den Routenwegpunkte, sich keine weiteren Wegpunkte im GPS befinden. Ich muss das wohl schlicht und ergreifend vergessen haben. Dabei hatte ich alle relevanten Bauwerke in Rom als Wegpunkt bezeichnet, und es wäre kein Problem die zu finden, selbst wenn die Straßenführung anders als erwartet sein würde. So fahre ich einfach nur mit Stadtplan los. Eigentlich ist es ganz einfach, vom Camp in die Innenstadt zu kommen. Über die Tiberbrücke, rechts ab, auf die Via Flaminia weiter über die Piazza Popolo auf die Via del Corso, am Kapitol links ab auf die Via die Fori Imperiali bis vor’s Kolosseum. Soweit laut Stadtplan. Das mit dem Rechtsabbiegen hinter der Tiberbrücke klappt noch hervorragend, aber dann ist es mit dem Stadtplan auch schon Essig. Eine Einbahnstraße verhindert das Weiterkommen, und ruckzuck bin ich wieder auf der anderen Tiberseite. Zum Glück ist heute Sonntag, und damit recht wenig Verkehr, und mit der Suzie kann ich überall an der rechten Seite anhalten, um mich wieder zu orientieren. Nachteil an der rechten Spur ist, das die unvermittelt irgendwohin abbiegt, und man eine Richtung einschlägt, die eigentlich nicht geplant war. Erschwerend kommt noch hinzu, das verschiedene Straßen am Sonntag gesperrt sind, was mir dann als Fußgänger gut gefällt. Aber dann ist es doch soweit.

  Ich stehe vor dem Kolosseum.

Das Kolosseum mit dem römischen Anfahrtsweg

  Die Schlange vor dem Eingang ist nicht allzu lang, und wird schnell kürzer. Alle Menschen werden wie im Flughafen nach Waffen untersucht, auch die Taschen werden geröntgt. Die Größe ist überwältigend. Seit dem Jahr 80n. Chr. war das größte Theater Roms mit bis zu einem Fassungsvermögen von 70.000 Menschen Schauplatz blutiger Tierhatzen, von Gladiatorenkämpfen und Schiffsschlachten. Später diente das Kolosseum als Steinbruch, weshalb in der Außenmauer heute Löcher klaffen.

13. Mai 2007

Rom

Forum Romanum und Palatin

  Mir ist schon klar, das man Rom nicht in zwei Tagen „erledigen“ kann. Aus diesem Grund habe ich auch nur einige Sehenswürdigkeiten auf meiner Liste. Da es aber von hier aus ganz einfach ist, ins Forum Romanum ,den Palatin und weiter zum Kapitol zu gelangen, gehe ich einfach weiter. Suzie steht gut aufgehoben auf einem Bürgersteig vor dem Kolosseum. Vom Park des Palatin habe ich einen schönen Überblick auf das Trümmerfeld des Forum Romanum, und es ist gut zu sehen, das ich nicht alleine in Rom unterwegs bin. Ganze Touristenströme wälzen sich durch eine zweitausendjährige Geschichte. Das die römischen Straßen das alles aushalten! Ich tummele mich auch weiter und stehe irgendwann vor dem Kapitol, das leider wegen einem Gerüst kaum zu sehen ist.

Das hätten die Römer bestimmt nicht gedacht

Die paar Touristen fallen doch kaum auf

13. Mai 2007

Rom

Largo Argentina und Pantheon

  Aber mich schlägt etwas ganz anderes in den Bann. Das hat mich schon einige Zeit vor meiner Tour beschäftigt. Ich möchte ein wenig auf Francis` Spuren wandeln.

Akif Pirincci, „Salve Roma!“

Ein Felidae-Roman, erschienen im Diana Verlag

  Ich stehe auf dem Largo Argentina, und wirklich, auf dem Ausgrabungsgelände sind einige Katzen, die sich in der Sonne räkeln. Da ich nicht zu der Spezies der Katzen gehöre, muss ich zum Essen ein Lokal aufsuchen.

Die Katzen am Largo Argentina

  Mir ist klar, wenn ich jetzt ein Bier trinke, werde ich, bei diesen warmen Temperaturen, sehr müde. Also nehme ich ein Wasser mit Gas, und eine Lasagne, die sich als Nudelplatte mit Tomatensauce und ein wenig Hackfleisch entpuppt. Dafür darf ich aber dann 15 Euro hinlegen. Rom hat halt seinen Preis. Während ich auf die Lasagne warte, streift mein Blick einen Ständer mit Postkarten. Unter anderem sind dort Karten vom Pantheon zu sehen. Bei dieser Karte scheint die Sonne durch das offene Kuppeldach und hinterlässt einen Lichtstrahl, der jeder Science Fiction zustehen würde.

  „Eine gute Computerarbeit am Grafikprogramm“ denke ich. Erst überlege ich, eine Karte zu kaufen, um nachher so ein Photo präsentieren zu können; lasse es aber dann doch.

Futuristischer Sonnenstrahl

Der Lichtstrahl im Pantheon

  Nach wenigen Gehminuten stehe ich vor dem Pantheon. Das Schild am Eingang, das um Stille bittet, ist wohl eher ein kläglicher Versuch darauf hinzuweisen, das man eine Kirche betritt. Mich trifft mit dem Betreten dann fast der Schlag: von wegen Computerarbeit, die Sonne scheint ja wirklich mit einem Lichtstrahl hinein. Das ich das alles noch in voller Schönheit bewundern kann, ist Papst Bonifaz IV. zu verdanken, der im Jahr 609 beschloss, das Pantheon, das zu Zeiten Kaisers Hadrian (118 – 125) gebaut worden ist, zur Kirche zu weihen. Sonst wäre es wohl auch, wie viele andere Bauten, geplündert worden.

  Ich entferne mich zwar immer weiter von Suzie, aber jetzt möchte ich auch noch die Fontana di Trevi, den Trevi-Brunnen ansehen.

Fontana di Trevi

  Ich werfe keine Münze, sondern mache mich auf den Rückweg, denn so langsam merke ich meine Beine, und freue mich schon auf ein, oder zwei, oder... kühle Bierchen auf dem Campingplatz. Ich nehme einen anderen Weg zurück, und komme noch am Circus Maximus, heute nur noch ein Park, vorbei. Zu römischen Zeiten wurden hier die Wagenrennen ausgetragen. Bilder von Ben Hur drängen sich mir in den Kopf. Der Park liegt etwas tiefer als das Straßenniveau. Die Böschungen waren die Zuschauerränge, auch die Strecke mit Gerade, Kurve, Gegengerade und Kurve,die wieder in die Gerade einbiegt, ist heute noch zu erkennen. Ähnlich einem Speedway Oval in den USA.

  Ich stehe wieder vor Suzie, und ziehe mir die Motorradstiefel an. Wenn ich zu lange auf einer Stelle stehen bleibe, sinke ich in den weichen Asphalt ein, so warm ist es hier. Die Rückfahrt zum Camp erweist sich, durch die Aufzeichnungen des GPS, als relativ einfach, und schnell bin ich am Zelt, und noch schneller unter einem Sonnenschirm der Campingplatzgaststätte.

Die Karte


14. Mai 2007

Rom

Vatikan und Via Appia Antica

  Gestern das römische Rom, und heute das sakrale Rom, wobei - so ganz stimmt das auch nicht, denn ohne die alten Römer will ich auch heute nicht auskommen. Aber zuerst zur „Cità del Vaticano“, dem Vatikanstaat. Die Strecke zum Petersdom, und später quer durch Rom, habe ich zum Glück als Route ins GPS eingespeichert und muss nicht wieder laufend auf dem Stadtplan sehen.

  Die Straßen sind heute, am Montag, natürlich bei weitem mehr belebt als gestern, aber trotzdem ist das Fahren hier, gegenüber Neapel, eher entspannt. Sind halt um einiges ruhiger, die Römer. Ich hatte eigentlich vorgehabt, zuerst ins Vatikanische Museum zu gehen, um mir die Sixtinische Kapelle anzusehen. Aus diesem Grund bin ich auch schon um 9:00 Uhr am Vatikan. Obwohl das Museum erst um 10:00 Uhr öffnet, steht schon eine Schlange von etwa 800 Meter vor der Kasse. Den Gehweg schön mit Absperrbänder gesichert, damit auch jeder weiß, wo er sich anzustellen hat. Ich fahre die Schlange noch mal ab, um mir den Tachostand zu merken. Es sind wirklich 800 Meter. Was für mich heißt, das ich mir das Museum nicht ansehen werde. Also weiter zum Petersdom. Suzie lasse ich kurz vor dem Petersplatz, in einer Reihe von Rollern und Motorräder, stehen.

Die Menschenschlange wird später noch länger

Stundenlanges anstehen für das Vatikanische Museum

  Auf dem Platz stehen die sogenannten „Wellenbrecher“. Gestern am Sonntag spricht der Papst am Mittag den Angelus, dann droht der Platz aus allen Nähten zu platzen. Damit sich die Massen nicht gegenseitig zerquetschen, stehen die Wellenbrecher dazwischen. Heute morgen ist natürlich nicht soviel los, und ich gehe zur Kasse, um in die Kuppel zu kommen, wo jetzt noch Ruhe herrscht. Eigentlich sollte ja die Schweizergarde den Vatikan bewachen, aber im Augenblick sehe ich nur muskelbepackte, Sonnenbrillen bewährte, dunkelhäutige Schränke rumstehen. Anscheinend braucht man hier soviel Personal, das die Schweiz entvölkert wäre, wenn sie das ganze Personal stellen würde.

  Mit dem Aufzug geht es dann das erste Stück nach oben. Nachdem ich den Aufzug verlassen habe, gehe ich durch einen schmalen Durchgang und stehe unvermittelt oben in der Kuppel des Petersdom. Die Größe ist überwältigend. Unten steht ein Geistlicher und zelebriert eine Messe; er ist kaum zu erkennen. Auf der anderen Seite der Kuppel ist wieder ein schmaler Durchgang, durch die man in ein Labyrinth von Gängen und Treppen immer weiter nach oben kommt. Das Ganze erinnert mich ein wenig an die Kuppel der Frauenkirche in Dresden. Man bewegt sich zwischen Innen- und Außenmauer der Kuppel. Je höher ich komme, desto schräger werden die Wände; auf den Treppenstufen habe ich das Gefühl, auf einem Schiff zu sein. Das Aluminium der Stufen unterstreicht dieses Phänomen noch. Aber auch die 320 Stufen haben irgendwann mal ein Ende, und ich kann die Aussicht über den Petersplatz und dem restlichen Rom genießen. Auch das Wetter spielt heute wieder toll mit.

Der riesige Petrsdom

Der Papstaltar im Petersdom

  Die Erde hat mich zurück, damit ich mir den Dom von innen ansehen kann. In der Kirche, zu der man, im Gegensatz zum Stephansdom in Wien, keinen Eintritt zahlen muss, herrscht ein reges Treiben. Der Boden wird gereinigt, Stühle werden mit Elektrofahrzeuge hin und her gefahren. Die Kirche ist so groß, das man eigentlich von mehreren Kirchen sprechen muss. Ich schätze, das wirklich einige „normal“ große Kirchen hier reingehen würden. Ich gehe ein wenig durch die Kirche, und mache einige Photos, aber sehe auch zu, das ich wieder rauskomme. Für einen Kunstinteressierten ist die Basilica di San Pietro wohl ein Eldorado. In den Reiseführern werden zig Seiten nur für die Beschreibungen der Kunstgegenstände verwendet.

  Ich gehe noch mal Richtung Vatikanischem Museum, in der Hoffnung, das die Schlange, nachdem die Kasse jetzt eine Stunde geöffnet ist, ein wenig kürzer geworden ist. Schon wenige Meter vom Petersdom erreiche ich das Ende der Menschenmasse, die ins Museum will. Locker 1500 Meter bis zur Kasse. In dem Museum muss es zugehen wie in einem Taubenschlag. Anscheinend hat der Reiseführer doch recht:

  Höhepunkt der Vatikanischen Museen ist die Capella Sistina. Dafür, das man sich nach eh schon hohem Eintrittsgeld hier noch einmal brav anstellt, wird man wie eine Herde Vieh durch die Kapelle getrieben, durch beständiges (störendes) Klatschen der Wärter angehalten, nicht so laut zu sprechen oder sich zu lange im Raum aufzuhalten. Noch stärker als der Petersdom wurde dieses Gotteshaus inzwischen leider zur reinen Touristenattraktion degradiert.

Rom bei schönstem Wetter

Der Vatikan von der Engelsburg gesehen

  Das da nicht reihenweise Leute zusammenbrechen. Ich verzichte auf die Kapelle, setze mich lieber auf Suzie, und bedaure die vielen Menschen, die noch stundenlang in der Sonne stehen wollen. Meine Fahrt geht an den alten römischen Bauten, wo ich gestern noch durchgelaufen bin, vorbei, quer durch Rom. Ich möchte zur und auf die Via Appia Antica, die Ein- und Ausfallstraße des antiken Rom. Bevor ich die Straße ganz durchfahre, biege ich ab zur „Catacombe die San Callisto“, einer antiken christlichen Begräbnisstätte.

Palomen vor dem Eingang zur Gruft

Der Park mit den Catacomben

  Ich habe Glück und komme kurz vor der Mittagspause an der Kasse an. Es werden auch Führungen in deutsch angeboten. Wie so oft ist das Fotografieren wieder mal verboten. Ich stelle an meiner Kamera schon mal alle Geräusche ab, vielleicht gelingt mir doch das eine oder andere Photo. Die deutsche Führung wird aufgerufen, und durch ein Treppenhaus geht es in die Tiefe der Katakombe. Die ersten Gräber entstanden schon Mitte des 2. Jahrhundert Es gibt Einzelgräber, aber auch große Kammern, wo für die ganze Familie Platz war, die aber heute alle leer sind. Angeblich hat man die Leichname aus dem Besucherbereich umgebettet. Die Anlage hat insgesamt vier Stockwerke, und ist ca. 35 Meter tief. Die Gräber und 20 Kilometer Gänge wurden von Grabgräbern in den Tuffstein gegraben, die ein eigenes Handwerk darstellten. Der Tuffstein ist im ursprünglichen Zustand ziemlich weich, so das es kein Problem darstellte, die Erde auszuhöhlen. Erst durch die Berührung mit Sauerstoff verändert sich der Stein und wird hart, weshalb auch keine Abstützung nötig war.

  In der Gruppe lasse ich mich ein wenig zurückfallen, um auch mal ein Photo zu machen. Noch ein Mann kommt auf die Idee. Nur benutzt er den Blitz, wodurch wir natürlich sofort auffallen und uns einen Rüffel von der Führerin, die sofort zurückeilt, einfangen. Nachdem der andere Photograf spitz bekommen hat, wie man auch ohne Blitz (Kamera an der Wand anlehnen und hoffen, das die Belichtungszeit nicht ganz so lang wird) in der doch recht dunklen Katakombe knipsen kann, versuchen wir hier und da unser Glück. Und das unentdeckt vom Personal.

Im Todeskampf die Finger zum Victory geformt

So wurde die Hl. Caecilia in den Catacomben gefunden

  Die dreißig Minuten in der kühlen Katakombe sind richtig angenehm gewesen, denn hier draußen brennt die Sonne ganz mächtig. Ich bin auch mit nichts zufrieden. Würde es jetzt in Strömen  regnen, wäre ich auch am Schimpfen - nein, das Wetter ist schon klasse. Auf der Straße, nicht weit von Suzie, steht ein Imbisswagen, der aber nicht, wie bei uns gewohnt, Currywurst mit Pommes verkauft, sondern belegte Brötchen; Panino imbottito genannt. Ich nehme mir ein Schnitzelbrötchen, und eine eiskalte Cola. Das Brötchen erweist sich als nicht kaubar, und das „Schnitzel“ hat wohl eher mal neben Fleisch gelegen, wenn überhaupt. Irgendeine zusammengepresste Masse unbekannten Ursprungs. Na ja, das römische Gesundheitsamt wird ja wohl alles kontrollieren, was in so einem „Brötchen“ alles drin ist.

Noch ist das Pflaster befahrbar

Am Anfang der Via Appia Antica

  So gestärkt fahre ich zurück zur Via Appia Antica, wo mich einige hundert Meter weiter ein „Einfahrt Verboten“ Schild aufhalten will, was ihm aber nicht so recht gelingen will. Zuerst besteht die Straße aus normalen Kopfsteinpflaster, was aber zunehmend schlechter wird. Während ich ein Photo mache, fährt die Polizei vorbei, die aber keine Anstallten, macht mich zurecht zuweisen. Ich fahre noch einige hundert Meter weiter, muss aber mein Vorhaben, die fünf Kilometer bis zum Ende durchzufahren, aufgeben. Das original römische Pflaster, was eher aus Quader besteht, haut Suzi und mich so sehr zusammen, das ich und das  nicht antun möchte. Heute ist noch erkennbar, wo sich die Wagenräder über Jahrhunderte in den dunklen Basalt eingegraben haben. Cäsar soll auf solchen Straßen am Tag 150 Kilometer zurückgelegt haben. Ich glaube, wenn wir die fünf Kilometer bis zum Ende fahren würden, hätte Suzie den Rahmen, und ich das Kreuz gebrochen. Mit einer Enduro ist das vielleicht möglich, aber nicht mit Suzie. Selbst zwei Radfahrer benutzen einen schmalen Pfad neben der Straße. Für uns zu schmal. Zurück zur offiziellen Straße komme ich in meinem ersten italienischen Stau. Mit den anderen Rollern und Mopeds fahre ich links an den Pkw’s vorbei, und erspare mir drei Kilometer stehen. Über den römischen Autobahnring komme ich recht schnell zurück zum Camp.

Die Karte


15. Mai 2007

Die Fahrt zur Toskana

Bibbona

  In der Früh packe ich meine Sachen zusammen und kann den Platz sofort verlassen. Die Rechnung habe ich schon gestern Abend bezahlt. Ich brauche nur wenige Kilometer über die römische Autobahn zu fahren, bis ich Suzie auf der Landstraße nach Norden ausrichten kann. Die Toskana, Ziel aller kunstinteressierten Italienreisenden, und mich als Motorradinteressierten, soll meine nächste Station sein.

Suzie trotz Rahmenbruch voll beladen

Suzie fertig gepackt auf dem Camp Flaminio in Rom

  Leider sind die Landstraßen ähnlich ausgebaut wie Autobahnen. Es geht zwar mächtig schnell vorwärts, aber langweiliger kann eine Fahrt nicht sein. Einzig der Wind, der stark vom Meer her bläst, macht die Sache etwas abwechslungsreicher. Bei jeder Windböe, die Suzie trifft, muss ich sie mächtig festhalten, damit sie nicht aus dem Ruder läuft. Das Gepäck verändert das Fahrverhalten doch um einiges. Hin und wieder bemerke ich ein Ruckeln vom Motor her, was sie noch nie gehabt hat. Ob Wasser, oder irgendwas anderes, im Sprit ist? Aber der Motor läuft weiter, und lässt mich den gut ausgeschilderten Campingplatz kurz vor 13:00 Uhr erreichen. Der Platz hat eine Mittagsruhe von 13:00 bis 15:00, aber ich darf noch drauffahren und mein Zelt aufbauen. Die Anmeldung soll ich am Nachmittag erledigen. Für Zelte gibt es Terrassenplätze, die, wie das ganze Camp, mitten in einem Pinienwald liegen. Die einzelnen Plätze sind vom Hauptweg kaum einsehbar. Da der Wind noch immer kräftig auffrischt, mache ich das Zelt mit einigen Häringen mehr fest, die auch wunderbar in den Boden gehen und gut halten.

  Um 15:00 gehe ich mich anmelden. Dort bekomme ich ein Kettchen mit einem Anhänger; zum identifizieren, wenn man vom Strand kommt; einen Aufkleber mit einem Gummi, den ich hinter die Windschutzscheibe legen soll (beim Motorrad bleibt er wohl nicht lange dort liegen) und zum Abschluss noch einen Chip, um auch noch nach 23:00 Uhr zu Fuß auf dem Platz zu kommen. So ausgerüstet fahre ich erst mal in den nächsten Ort, um meine Lebensmithellvorräte aufzufrischen.

Das aufgewühlte Mittelmeer

Der verlassen Strand

  Der Strand am Camp ist bei diesem starken Wind, der direkt von See her bläst, so gut wie ausgestorben. So habe ich das Mittelmeer noch nie gesehen, die Wellen schlagen weit auf den Strand, und obwohl die Sonne scheint, wird es mir langsam kalt. Auch vor dem Zelt, mit der Motorradjacke, kann ich nicht sagen, das es mir wirklich warm wird. Schon bald, nachdem das Restaurant sein Türen geöffnet hat, sitze ich an einem Tisch in der Sonne. Normalerweise würde ich einen Bogen um so einen Platz machen, aber jetzt bin ich froh, das ich langsam wieder warm werde. Ich bestelle mir auch kein kaltes Bier (schon der Gedanke lässt mich frösteln), sondern einen Rotwein. Das Essen ist lecker, und mit Vor-und Hauptspeise reichlich; und um ein vielfaches günstiger als in Rom. An zwei Tischen sitzen Deutsche, die sich über das morgige Wetter unterhalten. Angeblich soll es Wolken geben, aber kein Regen. Hoffentlich.

Die Karte


16. Mai 2007

Toskana

Die Garfagnana

  Zum einen lässt der Sturm in der Nacht nach, zum anderen werden meine Halsschmerzen, die ich schon ein paar Tage habe, schlimmer. Genaugenommen sind es die Mandeln, die mir schmerzen. Beim Rasieren am Morgen bemerke ich zwei Schwellungen am Hals, die, wenn ich darauf drücke, auch heftig weh tun. Bis heute wusste ich gar nicht, wo sich die Mandeln in meinem Hals befinden. Hätte aber auch darauf verzichten können, es so zu lernen.

  Um die lange Anfahrt heute etwas zu verkürzen, benutze ich zuerst die Autobahn, um tief in die Toskana zu gelangen. Leider sind auch die Straßen danach keine schönen Motorradstraßen; viele Orte, viel Verkehr. Ich hoffe, das wird heute noch besser. Als erstes sehe ich mir die „Ponte del Diavolo“( die Teufels Brücke ), in Borgo a Mozzano; die den Serchio überspannt; an.

Für Suzie nicht geeignet

Vor der Teufelsbrücke in Borgo

Ponte del Diavolo

Nach einer alten Legende soll der Teufel bei der kühnen Konstruktion der Ponte del Diavolo in Borge a Mozzano geholfen haben. Zum Ausgleich forderte er die Seele des ersten Passanten. Der Erbauer spielte ihm jedoch einen Streich und ließ einen Hund die Brücke überqueren.

  Ich verzichte auf eine Überquerung, vielleicht ist die Brücke ja gerade renoviert worden, und wer weiß, wer dabei geholfen hat. Ich folge dem Fluss noch einige Kilometer, um dann endlich links in die Berge, auf eine kleine „weiße“ Straße, zur „Grotta del Vento“ abzubiegen. Die Straße führt kontinuierlich nach oben, und ist so schmal, das ich bei Gegenverkehr schon sehr langsam fahren muss. Vor dem Eingang der Höhle sitzen schon zwei Paare aus Dresden, die mir sagen, das die nächste Führung in 15 Minuten um 12:00 Uhr losgeht.

  „Allerdings ist die in Englisch“

meint eine der Frauen.

  „Das ist doch kein Problem, ein bisschen werden wir wohl verstehen“

antworte ich.

  „Dann können sie uns ja übersetzen“

  „Da käme was Schönes bei raus, das lasse ich dann lieber“

sage ich lachend, und besorge mir eine Eintrittskarte. Es gibt Führungen von einer, zwei und drei Stunden Dauer. Ich bevorzuge, wie die Dresdner, die einstündige, denn ich möchte heute ja noch ein wenig in den Bergen rumfahren.

Eine Stunden im Bauch der Erde

Spiegelungen im Wasser der Höhle

  Die Höhle hat zwei Eingänge, durch die der Wind in die Höhle eindringen kann. Je nach Jahreszeit in eine andere Richtung. Vor dem Betreten der Höhle werden wir mit Zahlen der Entdeckung, der Größe usw. gefüttert. Natürlich auch, das wir weder trinken, essen und rauchen dürfen, uns nirgendwo anlehnen, und natürlich keine Tropfsteine abbrechen dürfen. Was mich ganz besonders freut, ist, das das Fotografieren ausdrücklich erlaubt ist. In der Höhle bekommen wir erzählt, das ehemals, bevor die Höhle touristisch erschlossen bzw. von Höhlenforscher gesichtet und abgeschlossen war, die Bevölkerung aus der Umgegend die Stalaktiten und Stalagmiten abgebrochen haben, um sie in ihre Gärten zu stellen. Es ist aber so, das die Tropfsteine, wenn sie keine Feuchtigkeit mehr bekommen, eingehen wie eine Blume, und schon ein Jahr später ist von der zehntausende Jahre alten Herrlichkeit nur noch ein hässlicher Kalkklumpen übrig. Wenn man bedenkt, das so ein Tropfstein in hundert Jahren nur einen Zentimeter wächst, kann man sich vorstellen, wie viel Schaden dort entstanden ist

Der Weg zum Mittelpunkt der Erde?

Das Ende meiner Höhlenerkundung

  Nach etwa einer Stunde stehe ich wieder in der Sonne und habe Hunger. Das Restaurant gegenüber dem Eingang der Höhle ist leider geschlossen. Zum Glück habe ich einen Apfel mit, den ich jetzt mit Heißhunger verspeise. Um richtig in die Garfagnana, der Alpinen Toskana zu kommen, fahre ich die kleine Straße, die mich zur Höhle gebracht hat wieder herunter, und obwohl ich doch recht langsam unterwegs bin, rutscht mir das Hinterrad in einer Kurve weg. Ich sehe weder Schotter, noch Öl, oder irgend etwas anderes verdächtiges, was diese Reaktion auslöst. Zum Glück haben Flugzeuge und Motorräder die Eigenschaft von alleine fliegen bzw. fahren zu wollen. Das bedeutet, das, sobald das Hinterrad von Suzie wieder vernünftigen Kontakt zur Straße aufbauen kann, fährt sie ungerührt ihren Weg weiter, ohne das ich eingreifen kann, oder muss. Allerdings bleibe ich oben drauf nicht ganz so ungerührt, mein Herz schlägt mir bis zum Hals, wo sich die Mandeln immer breiter machen. Aber immerhin bleibe ich obendrauf sitzen, was ja erst mal sehr wichtig ist. Und Suzie macht das, was ein gutes Motorrad macht: sie lässt ihr Hinterrad in aller Ruhe wieder Grip aufbauen, und fährt ungerührt weiter durch die Kurve. So soll es sein.

Schnell zu übersehen

Alte Wegweiser auf der ersten Straße in der Toskana

  Der Hauptstraße im Serchiotal folge ich nur wenige Kilometer, um mich wieder in die Berge zu schlagen, leider immer noch ohne ein geöffnetes, oder geeignetes, Restaurant zu sehen. Die Straße, der ich folge, führt mich direkt in die Garfagnana, die Alpine Toskana. Ich möchte über den Foce delle Radici, ein Pass in 1523 Meter Höhe. Die Route, die ich mir ausgesucht habe, ist eine Art Rundkurs. An einer Stelle muss ich mich entscheiden, ob ich links oder rechts fahre. Links bedeutet, eine Anfahrt von 45 Kilometer, rechts von 27 Kilometer, wobei die kürzere die erste wirkliche Straße der Garfagnana sein soll. Ich nehme die längere als Anfahrt, um dann 27 Kilometer bergab zu fahren.

  Zwar strahlt der Himmel im besten Blau, trotzdem wird es von Höhenmeter zu Höhenmeter immer kälter. Die Straßen sind wahrlich alpin, und brauchen sich nicht hinter so manchem alpinen Pass zu verstecken. Nachdem Erreichen des Foce delle Radici geht es ohne eine Gerade wieder ins Tal zurück, und auch die Temperaturen nehmen logischerweise wieder zu.

  In Castelnuovo mache ich einen schweren navigatorischen Fehler. Durch Baustellen, schlechte Ausschilderung und viel Verkehr fahre ich, trotz GPS, in eine falsche Richtung. Dabei lasse ich mich auch noch von dem Schild „Autostrada“ ins Boxhorn jagen. Klar geht die Straße zur Autobahn, aber nicht annähernd in die Richtung, in der ich eigentlich wollte. Dazu kommt dann auch noch mein Hunger, und auch Kopfschmerzen machen sie langsam bemerkbar. Bis ich endlich die Autobahn erreiche, vergehen fast zwei Stunden, in denen ich aber nur 55 Kilometer zurücklege. Die Straße ist eine einzige Kurve, und nicht viel breiter wie zwei Autos, wobei ich noch Glück habe, das nicht mehr Verkehr hier unterwegs ist.

Trotz Wolken kein Regen

Beinah Alpin. Die Toskana in der Garfagnana

  Beim Erreichen der Autostrada kann ich über Wehwehchen nicht klagen. Der Kopf, die Mandeln, die Schultern, und meinen Hintern spüre ich. Das hatte ich schon lange nicht mehr, mag aber auch an meinen entzündeten Mandeln liegen, das ich so kaputt bin. Zum Glück ist die Autobahn schön leer, und ich komme gut vorwärts. Nur Suzie macht mir etwas Sorgen. Wenn sich meine Geschwindigkeit auf 140 Km/h erhöht hat, was die erlaubte Geschwindigkeit um 10 Km/h überschreitet, nehme ich etwas Gas raus, um wieder in den erlaubten Bereich zu kommen. Drehe ich dann den Gashahn bei 125 Km/h wieder auf, passiert erst mal gar nichts, ganz im Gegenteil, in der Gedenksekunde wird Suzie noch langsamer, um dann erst das Gas anzunehmen. Manchmal kommt es mir vor als wolle sie sogar ausgehen, solange dauert es, bis Suzie wieder beschleunigt. Es waren ja schon gestern erste Anzeichen davon zu spüren, wobei ich das ja auf den Sprit geschoben habe, was aber heute kaum noch sein kann. Es gibt ja nicht an jeder italienischen Tankstelle schlechten Sprit. Die Ursache muss woanders liegen.

  Das nächste Rätsel ist die Mautstation. In Neapel saß immer jemand im Häuschen, dem ich mein Geld geben konnte. Hier sitzt aber niemand in dem Kabäuschen, das Geld muss in einem Automaten geschoben werden. Ich sehe mir das Spiel erst bei einigen Autofahrer an, bevor ich selber vor dem Automaten stehe. Er lässt sich sogar auf deutsch einstellen, und plappert dann munter auf mich ein, ich soll das Ticket einstecken, was logischer weise ohne Probleme gelingt. Die Dame (der Automat spricht mit einer weiblichen Stimme) rechnet, sagt mir dann, das ich 3,50 € zu zahlen habe. Den ersten Zehner, den ich in ihren Banknotenschlitz schiebe, mag sie nicht, obwohl er echt ist, und auch gut aussieht. Aber sie will ihn nicht. Beim nächsten Zehner ist sie gnädiger, gibt aber das Wechselgeld nur in Münzen wieder. Den einzigen Schein, den ich noch mithabe, ist ein Fünfziger. Würde das Wechselgeld auch nur in Münzen ausgegeben werden?

  Zurück am Camp freue ich mich auf die Dusche und einem leckeren Essen, was ich auch beides bekomme. Nach einer riesigen knusprigen Pizza, mit rotem Wein und Grappa, sitze ich noch ein wenig vor dem Zelt, muss allerdings zwei Hosen und zwei Jacken anziehen, damit ich nicht friere. Um 21:30 fallen mir dann die Augen zu, und ich verdrücke mich in mein Zelt. Die 425 Kilometer merke ich ganz heftig, wobei der Kopf und die Schulter schon wieder in Ordnung sind. Brauchen sich nur noch die Mandeln zu beruhigen.

Die Karte


17. Mai 2007

Toskana

Pisa

Nachdem es gestern doch recht anstrengend war, möchte ich es heute etwas ruhiger angehen lassen. Aus diesem Grund werde ich auf das Marmorgebiet um Carrara verzichten, und nur bis Pisa fahren. Meine linke Mandel hat sich auch entschlossen, nicht mehr ganz so doll zu schmerzen. Ob der Rotwein dabei geholfen hat? Es wäre schön, wenn sich auch ihre rechte Schwester anschließen könnte.

  Über Landstraßen, die aber motorradtechnisch nicht so besonders sind, fahre ich nach Pisa, um... natürlich, was will man auch anderes als den schiefen Turm sehen.

Die Altstadt von Pisa

Suzie ist gut aufgehoben an einem Zweiradparkplatz

  Ich parke Suzie auf einem Motorradparkplatz direkt in der Altstadt von Pisa, die, wie ich meine, recht schön ist. Solche Parkplätze für Zweiräder kenne ich nur aus Italien. Da der Wegpunkt des „Torre Pendante“ natürlich nicht in meinem GPS ist, gehe ich erst mal in eine Richtung los. Weiß aber aus der Karte, das ich in jedem Fall den Arno überqueren muss. Da kommt mir die Brücke genau recht. Jenseits des Flusses, auf einem Platz, sitzt ein alter Geigenspieler auf einer Bank, um sich einige Euros zu verdienen. Ein ideales Fotomotiv. Denke ich. Als ich meine Kamera auf ihn richte, unterbricht er sein Spiel, hebt drohend Geige und Stock und droht mir damit. Eine Aufnahme konnte ich vorher machen, dafür gebe ich ihm ein paar Münzen. Leider habe ich das Photo von meinem ersten bezahlten Modell verrissen, so das es unscharf wurde. Einige Minuten später sehe ich den Turm und hätte nicht gedacht, das er so schief ist. Obwohl er ja vor einigen Jahren wieder etwas gerade gerückt worden ist.

Hält er oder fällt er

Schön zu sehen. Die Schiefe

So schief hatte ich ihn mir nicht vorgestellt

  Noch heute sind die Außenarbeiten nicht abgeschlossen, und es hängt ein Gerüst am Turm, das aus einer Speziallegierung besteht, damit nicht zuviel Gewicht am Turm hängt. Galileo Galilei hat ja seine Studien zu den Fallgesetzen am Schiefen Turm von Pisa erprobt; aber das könnte er heute vergessen. Nach jedem Versuch müsste er sich eine neue Eintrittskarte kaufen und eine Stunde anstehen, weil nur eine begrenzte Menge an Menschen auf den Turm darf. Er würde niemals fertig.

  Viele Menschen möchten das bekannte Fotomotiv nachahmen, wobei der Turm am Umfallen gehindert wird. Überall stehen Leute mit den Armen in der Luft, und bekommen vom Photografen Anweisungen, ob noch ein wenig links oder rechts. Ich verzichte auf eine Turmbesteigung, damit er nicht gerade durch mich Übergewicht bekommt und umkippt.

  Ich laufe durch die Altstadt wieder zurück zu Suzie. Das heißt, laufen ja, aber die Straße, wo Suzie steht, kann ich nicht finden. Auch die Geschäfte, an denen ich vorbeilaufe, kommen mit überhaupt nicht bekannt vor. Erst jetzt fällt mir ein, das ich mir keinen Straßennamen oder sonst etwas Auffälliges in der Nähe des Motorrades gemerkt habe. Ich kehre um in bekannte Gefilde, und sehe Suzie in einer Seitenstraße stehen. Wäre ja noch schöner, wenn ich sie nicht wiedergefunden hätte.

17. Mai 2007

Toskana

Livorno

  Da ich ja vorhabe, die heutige Tour nicht so lang zu gestalten, trete ich jetzt schon den Rückweg an, mit einem kleinen Abstecher nach Livorno; dort soll der alte Medici-Hafen ganz hübsch sein. Bevor es in die Stadt hineingeht, liegt am Wegesrand ein McDonald’s; da ich auf Toilette muss, steuere ich den Parkplatz an. Ich habe immer gesagt, das die Toiletten bei McDonald’s die saubersten sind. Das war in allen Ländern, die ich bisher bereist habe, so. Nur hier in Livorno muss ich meine Generalabsolution zurückziehen. Schmutziger geht es kaum. Sieht die Küche genauso aus? Guten Appetit!

  Ohne Hamburger im Magen fahre ich weiter zum Medici-Hafen, der aber meine Erwartungen aus dem Reiseführer nicht erfüllen kann. Aber immerhin ist mir beim Rumlaufen eine Idee gekommen, warum Suzie gestern so merkwürdig gelaufen ist. Unter der Sitzbank habe ich einen „Scottoiler“, der, wenn der Motor läuft, die Kette permanent schmiert. Durch einen Unterdruckschlauch, der am Vergaser angeschlossen ist, öffnet ein Ventil, und Öl tropft auf die Kette. Meine Idee ist nun, das vielleicht der Unterdruckschlauch abgegangen oder undicht ist. Wieder am Moped öffne ich die Sitzbank, um nachzusehen, ob der Schlauch noch richtig sitzt. Der Motor öffnet das Ventil, also ist das in Ordnung.

  Nur, - Suzie hat einen Totalschaden!

Wurde zu Hause wieder repariert

Der Rahmenbruch. Hier wird er schon vom Gurt zusammengehalten

  Am Heckrahmen ist ein Rohr total durchgebrochen. Ich habe keine Ahnung, wie lange schon. In Nettuno habe ich den Kettenöler nachgefüllt, in Rom den Akku der Kamera nachgeladen. Beide Male ist mir nicht aufgefallen, das der Rahmen gebrochen war. Mal sehen, wie ich das hinkriege, Suzie wieder nach hause zu bekommen. Die Straßen hier um den Hafen sind ein Labyrinth, mehrmals verhaspele ich mich in den Einbahnstraßen, und bin wieder da, wo ich losgefahren bin. Mag aber auch daran liegen, das ich dauernd überlege, wie ich den Rahmen geflickt bekomme. Irgendwann finde ich das Nadelöhr, das mich auf die Landstraße bringt. Anscheinend ist auch die Schule aus, denn um mich herum schwirren Hunderte von Rollern, mit Schüler drauf

. Am Camp bleibt Suzie erst mal bis 15:00 Uhr vor dem Tor stehen. Dann fängt Kalle’s Bastelstunde an. Nach einigen Versuchen klappt es dann endlich. Mit einem Spanngurt, der vom Heck, unter der Sitzbank, zur rechten Soziusfußraste läut. Der Gurt ist bis 250 Kg zugelassen, da er ja doppelt läuft, kann man die Kraft verdoppeln. Da ich die Ratsche nicht mehr angezogen bekomme, nehme ich an, das, das Heck jetzt mit 2 X 200 Kg nach vorne, und dadurch auch nach oben, gezogen wird. So sollte es gehen. Jetzt am Nachmittag ist es richtig warm geworden, was wohl auch meinen Mandeln gefällt. Die linke spüre ich fast gar nicht mehr, und auch die rechte hat sich entschlossen, nicht mehr so arg weh zu tun. Heute Abend kommt dann noch etwas Rotwein dazu, um den Heilungsprozess zu beschleunigen.

Die Karte


18. Mai 2007

Toskana

Volterra

  Ich bin unterwegs in der Toskana, wie man sie sich vorstellt, sanfte Hügel, gewundene Straßen, die ich schwungvoll fahren kann. Der Himmel ist blau, und die Temperatur ist mehr als angenehm. Durch die Rotweinkur hat sich denn auch meine linke Mandel dazu entschlossen, wieder auf eine normale Größe zu schrumpfen. Bei jedem Schlagloch zucke ich zusammen, und spüre körperlich den Schmerz in Suzies Steißbein, aber unverdrossen bringt sie mich tiefer in die Toskana. Bei einer Pause bemerke ich, das am Topcaseträger eine Mutter fehlt. Das gibt es doch gar nicht, überall Auflösungserscheinungen. Bis Volterra, meinem ersten Ziel, muss ich an einigen Baustellenampeln anhalten, und nutze dann die Gelegenheit zu sehen, ob die Schraube noch vorhanden ist. Schrauben bekommt man bei Obi, oder Eisen-Karl. Obi gibt es in Volterra nicht, dafür aber Eisen-Karl. Obwohl - ich weiß nicht, ob der freundliche Monteur in einer kleinen Autowerkstatt wirklich Karl heißt. Aber die Mutter hat er, und schraubt sie auch noch fest. Damit ist das „piccolo Problema“ ohne „quanta costa“ erledigt. Mille Grazie dafür.

Der Himmel so blau

Volterra, schöne alte Stadt

Alabaster

  Für den heutigen Anfang gefällt mit die Stadt schon mal sehr. Nur die sogenannte „Balze“, dort soll die Stadt langsam den Hügel herunterrutschen, kann ich nicht finden. Habe leider auch den Reiseführer im Camp liegen lassen, um nachzusehen, wo ich hingehen müsste. Vielleicht bin ich auch zu faul zum Laufen, um den Hang zu suchen. Ich fahre weiter nach Vinci, in die Geburtsstadt von Leonardo da Vinci, um mir in einem Museum seine Konstruktionen anzusehen.

18. Mai 2007

Toskana

Vinci

Wieder blau. Der Himmel über Vinci

Vinci, die Geburtsstadt von Leonardo da Vinci

  Im Reiseführer war noch von zwei Museen die Rede, die sich wohl in der Zwischenzeit zusammengetan haben. Denn ich bekomme meine Karte im „Museo Idelale Leonardo da Vinci“, einem Modernen Bau, kann damit auch ins „Museo Leonardiano“, das stilecht in einer alten Burg untergebracht ist, gehen. In beiden Räumlichkeiten werden Modelle gezeigt, die da Vinci einst konstruiert hat. Wobei nicht alle seine Konstruktionen zu der Zeit, in der er sie gezeichnet hat,  wirklich gebaut worden sind; auch haben nicht alle funktioniert. Leonardo da Vinci war seiner Zeit weit voraus. Er zeichnetet Flugapparate(die natürlich nicht fliegen konnten), Panzer, Kräne (die für verschiedene Kirchenbauten eingesetzt wurden) und Fahrzeuge.

Fahrrad ohne Lenkung

Ein Fahrad, von Vinci gezeichnet

  Nicht zu vergessen sind seine berühmten Gemälde, die aber nicht Thema des Museums sind. Ein Fahrrad hat er auch konstruiert, die Kette aus einem flachen Lederriemen. Leider hat Leonardo vergessen, das so ein Teil auch lenkbar sein muss. Beide Räder sind starr.

  Ich treffe ein Paar, das ich vom Campingplatz kenne. in den Räumen des Museums. Er möchte ein Photo machen, was aber wieder einmal verboten ist. Seine Frau meint, er solle es nicht machen. Bevor die beiden ausdiskutiert haben, sind meine Photos schon auf dem Chip. Danach traut er sich auch. Da es im ganzen Museum keine Aufsicht gibt, ausgenommen am Eingang, der aber keine Monitore hat, (habe ich beim Reingehen erkundet) sollte es kein Problem sein, hier zu fotografieren.

  Ich verlasse das Museum, um mich und Suzie wieder in die herrliche Landschaft der Toskana zu schmeißen. Was mir auch auffällt, ist, das es überall nach Muskatnuss riecht. Ich würde gerne mal wissen, welche Pflanze das ist. Auf dem Weg nach San Gimignano geht immer wieder das GPS aus. Es lässt sich zwar immer wieder neu starten; ich habe aber keine Ahnung, warum es ausgeht. Einen Kabelbruch schließe ich mal aus, denn dann sollte es öfter ausgehen. Auch Erschütterungen kann ich mir nicht vorstellen, denn einmal ist es im Stehen, bei abgeschalteter Maschine, ausgegangen. Irgendwie ist aber diesmal überall der Wurm drin. Wenn es ganz ausfallen sollte, habe ich ja noch die Karten für meine Touren mit. Allerdings ist es einfacher, aufs Display zu schauen.

Die Türme dürfen nicht höher wie die Kirche sein

Geschlechterturm in San Gimignano

  Völlig unerwartet steigt über dem Hügelland die Silhouette San Gimignano auf. Inmitten einer üppigen Landschaft aus Olivenhainen und Weinbergen erheben sich über dem Häusergewirr 15 kubische Türme. Laut Reisführer soll man erst nach 17:00 Uhr ankommen, oder am besten dort übernachten, um den Massen aus dem Weg zu gehen. Es ist wirklich so. Ich komme um 14:30 Uhr dort an, und sehe Massen von Menschen. Mit dem Auto würde ich kaum einen Parkplatz bekommen, obwohl es rund um der mittelalterlichen Stadt ein Parkleitsystem gibt. Wenn man die Stadt durch das Stadttor betritt, fallen einem sofort die Geschlechtertürme auf. Diese Türme, die nicht höher als die Stadttürme des Rathauses mit 54 Meter sein durften, wurden zum einen aus Prestige, aber auch aus Verteidigungsgründen gebaut. In der Stadt gibt es viele Geschäfte mit herrlicher Ceramica, mit ebenso herrlichen Preisen. Aber was schön ist, kann auch nicht billig sein.

  Für den Rückweg zum Camp habe ich mir zwei Varianten ausgedacht. Die erste wäre über normale „Bundesstraßen“, in der Karte rot. Die zweite über „weiße“ Sträßchen, navigatorisch nicht ganz einfach. Und ich finde sogar den Einstieg in diese kleinen Wege, auf denen ich zwar nicht schnell vorankomme, dafür aber fast ganz allein unterwegs bin.

  Abends gönne ich mir zum Abschluss auf diesem schönen Platz eine Fischplatte. Und wer weiß, ob ich mit der angeschlagenen Suzie überhaupt in Südtirol ankomme. Ich habe da schon so meine Zweifel. Ich bestelle kein Antipasti, sondern sofort den Hauptgang. Eigentlich ist das völlig unitalienisch, aber soviel kann ich einfach nicht essen. Gegrilltes Gemüse mit grünen und gelben Paprika, Auberginenscheiben, Zuchinis, Zwiebeln und Kartoffeln. Die Fischplatte ist belegt mit Seezunge, Seebarsch, Kalamares, Muscheln und zwei großen Garnelen. Dazu einen halben Liter Rotwein, der so gut für die Mandeln ist. Nach dem Essen fragt die Kellnerin schon, ob ich meinen obligatorischen Grappa bekomme. Klar, ich muss das Ganze doch verdauen.

  Morgen steht meine Etappe nach Südtirol an, die so um die 480 Kilometer sein dürfte. Dummerweise habe ich vor meiner Reise nicht die Telefonnummer vom ADAC in Italien ins Handy eingespeichert. Inge besorgt mir die Notrufnummer vom ADAC in München. Ich habe wirklich starke Bedenken, ob Suzie es bis Südtirol schafft.

Die Karte


19. Mai 2007

Die Fahrt nach Südtirol

Laifers

  Um Suzie auf der Seite des Bruchs zu entlasten, habe ich, so gut es ging, den Koffer leichter gemacht. Ich bin wirklich gespannt, ob ich Suzie nach Südtirol bringe, immerhin 480 geplante Kilometer.

  Mein Tempo auf der Autobahn regle ich etwa bei 120 km/h ein. Natürlich sind auch die Aussetzer wieder da. Jetzt kann ich nachvollziehen, wann es passiert. Immer wenn ich aus dem Halbgas den Hahn wieder öffne, hat Suzie nicht nur eine Gedenksekunde, sondern wird eher noch langsamer, bevor sie wieder Gas annimmt und beschleunigt. Zumindest kann das nicht mit Wasser und Schmutz im Sprit zusammenhängen.

  Stellenweise ist die Autobahn so kurvig, das ich, obwohl 100 km/h erlaubt, nur 80 km/h schnell bin. Wieder schmerzt es mich fast körperlich, wenn ich Suzie mitten durch ein Schlagloch lenke. Leider sind Ausweichmanöver in den engen Kurven der Bahn nur schwer möglich. Mir schwebt das Bild von Münchhausen vor, wo das Pferd in der Mitte durchgetrennt ist, und er trotzdem weiterreiten kann. Suzie bricht in der Mitte durch, ich werde vom Heck überholt, und wir können zu dritt die Reise fortsetzen. Muss wohl an der italienischen Luft liegen. Ich hoffe das Jan den Rahmen wieder richten kann, damit Suzie und ich noch einige Touren machen können.

  Um 14:00 komme ich zu dem Platz, auf dem ich schon 2001 bei meiner Norditalientour gewesen bin.  Der Platz hat aber erst um 15:00 Uhr seine Mittagspause zu Ende. Ich fahre noch mal aus Laifers raus, um mir einen schönen schattigen Platz zu suchen, an dem ich die Stunde verbummeln kann.

Eine Stunde muss Suzie noch warten

Mittagspause auf der Landstraße

  Um 15:00 Uhr stehe ich in der Rezeption, um zu erfahren, das der Platz voll, bzw. alles reserviert ist. Holländer veranstalten hier ein großes Wohnwagen- treffen. Es wäre nur noch Platz auf der Zeltwiese, wo ein Jugendsportverein, und eine Jugendgruppe, ihre Camps aufgeschlagen haben. Bei dem zu erwartenden Lärm reizt mich die Wiese überhaupt nicht. Alternativ ist noch eine kleine Hütte frei, wie ich sie auch 2001, allerdings aus wettertechnischen Gründen, genommen habe. Damals hat es auf der Anfahrt zum Camp heftig geschüttet, und ich war froh, das ich nicht mein Zelt aufbauen musste.

  „Ich muss mal nachsehen, was die kleine Hütte kostet“ sagt der Platzwart zu mir.

  „2001 habe ich 40 DM bezahlt“.

  „Nein“, sagt er „ist billiger geworden, die kostet nur noch 25 €“

  „Ja klasse, das ist doch mal eine gute Nachricht“.

So ganz ernst zu nehmen sind wir wohl beide nicht. Ein älterer Mann guckt uns etwas verwundert an. Ich nehme die Hütte.

  Am Abend sitze ich vor der Hütte und habe im Radio den Sender „Radio Tirol“ eingeschaltet. Die spielen den ganzen Abend Musik der 60er bis 80er Jahre. Wirklich tolle Musik. Viele Lieder, die ich aus meiner Jugendzeit her kenne.

Hüttenromatik

Abends vor der Hütte. Ein Bier und tolle  Musik aus dem Radio

Die Karte


20. Mai 2007

Südtirol

Fort Belvedere

  Das kann doch nicht sein. Die halbe Nacht ärgere ich mich mit dem Plymo rum. Habe ich meinen Hals schön warm, sind die Füße kalt. Habe ich die Füße zugedeckt, bin ich bis zu den Schultern frei. Irgendwann in der Nacht wird es mir zu dumm. Ich untersuche mein Bett, und stelle fest, das ich auf einer Decke liege. Das Plymo ist dann nur noch dafür da, um eine extreme Kälte abzuwehren. Eingewickelt in der Decke kann ich wieder mit warmen Füßen einschlafen.

  Zum Frühstück gibt es, zum erstenmal seit knapp zwei Wochen, eine leckere Leberwurst, die ich mir im Campladen besorgt habe. In der Hütte ist auch ein Kühlschrank, so das Kühlen kein Problem ist. Dazu gibt es frische Brötchen, wovon ich auch eins für unterwegs mitnehmen.

  Auf dem Weg zum Fort Belvedere muss ich meine geplante Strecke wegen akutem Spritmangel verlassen. Die kleine Straße durch die Berge kann ich jetzt getrost vergessen, die Nadel der Tankanzeige rutscht tiefer und tiefer. Es dauert nicht mehr lange, bis das gelbe Warnlicht mir ins Auge springt. Obwohl es schon einige Tankstellen auf dem Weg gab, waren sie heute am dem Sonntag alle geschlossen. Es gibt dort nur Automaten, die zum einen eine Karte haben wollen, leider nur italienische Karten; oder Scheine, wobei es kein Wechselgeld gibt, sondern nur einen Bon, den man während der Öffnungszeiten einlösen kann. Selbst in Trento hat keine Tanke geöffnet. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als eine der Automatentankstellen anzufahren. In meiner Geldbörse befindet sich ein 5er, ein 10er, und ein 50er Euroschein. Zuerst stecke ich die 10 in den Schlitz und fülle das Benzin ab, danach die 5 Euro. Macht zusammen 11,5 Liter Sprit, wobei das Benzinfass noch immer nicht ganz voll ist. Irgendwo muss ich den 50er wechseln, damit ich heute genügend Treibstoff bekomme.

Jetzt werden die Berge richtig hoch

Ab in die Alpen

  Das Fort Belvedere, oder Werk Gschwent, wie es in deutsch heißt, ist ein Abwehrbollwerk aus dem 1. Weltkrieg. Ich hatte es schon 2001 auf meiner Reiseroute, bin aber wegen der Restaurierung vor verschlossenen Toren gelandet. Heute ist es geöffnet, wenn auch nur noch bis zur Mittagspause in einer Stunde. Das reicht mir für eine Besichtigung. So ganz nebenbei kann ich an der Kasse auch noch den Geldschein wechseln.

Fort Belvedere

Nach dem Besuch des Forts denke ich darüber nach, die heutige Tour zu verkürzen. Noch zu sehr ist mir die lange, und anstrengende, Toskanatour in Erinnerung. Am PC ist es immer einfach eine Route zu planen, die aber dann in Wirklichkeit viel anders aussieht. Ich fahre im Augenblick über eine „gelbe“ Straße, die aber einen flüssigen Verlauf hat, so das mit das Fahren Spaß macht. Ich fühle mich wohl. Außerdem bin jetzt 3500 Kilometer „eingefahren“, also entschließe ich mich, nach Plan weiterzufahren. Im Rückspiegel tauchen lederbewährte Ducati Treiber auf. Ich setze den Blinker rechts, und lasse sie vorbeirauschen. Der Erste, mit einer Sozia hoch oben auf dem Sitz thronend, gibt als langsamster das Tempo an. Er lässt sich, eine Hand zum Gruß erhoben, in einem Tempo in die Kurve fallen, in der es mir den Schweiß, nicht nur auf die Stirn, treiben würde. Es sind sechs Motorräder, die mich überholen. Drei der Fahrer lassen sich zurückfallen, fahren etwa in 50 Meter Abstand vor mir her, und lassen ihre Vorfahrer ziehen. Auf ein Zeichen, das mir verborgen bleibt, drehen die drei am Gasgriff. Ja ist es denn möglich. Wie kann sich ein Moped in einer Kurve so halten? Immerhin ist das keine Rennstrecke, ganz im Gegenteil, die Straße ist eher alt und buckelig. Mit allen Unwägbarkeiten. So müsste man Motorradfahren können. Vielleicht auch nicht. Lieber Motorradwanderer - ich mit Suzie durch die Alpen. Aber können möchte ich’s doch!!!

  Eine Schwalbe kommt von rechts auf die Straße. Im Tiefflug, höchstens fünf Zentimeter über der Straße, fliegt sie mit 40 km/h vor mir her. Ich bin begeistert von solcher Flugkunst.

20. Mai 2007

Südtirol

Ruine Rafenstein

Steiler Weg zur Ruine

Ruine Rafenstein

  Ein Highlight für heute habe ich mir bis zum Schluss aufbewahrt. Die Anfahrt zur Ruine Rafenstein. Eigentlich sollte die Ruine als Jausenstation bewirtschaftet sein, aber leider informiert mich ein Schild, unten an der Zufahrtstraße, das sie heute wegen einer Familienfeier geschlossen ist. Im Grunde bin ich auch nur wegen der  Zufahrtstraße hier. Die gesamte Länge ist 1800 Meter, wobei die steilste Stelle bis zu 27,88 % beträgt. Stellenweise ist die Straße nicht viel breiter als ein PKW. Wenn ich an einer, wie ich meine, flachen Stelle anhalte, um ein Photo zu machen, muss ich sofort den Fuß auf die Hinterradbremse stellen, um nicht nach hinten wegzurollen. Höher wie der zweite Gang komme ich auf der ganzen Strecke nicht. Nachdem ich die Ruine Rafenstein passiert habe, drehe ich Suzie für die Abfahrt um 180 Grad. Zwar geht die Straße noch weiter, aber laut Karte verliert sie sich irgendwo zwischen den Weinbergen. Außerdem wird die Abfahrt sicher auch interessant, 2001 war ich schon mal mit meiner 500er GS hier oben. Beim Runterfahren habe ich während der 1,8 Kilometer, trotz eingelegtem ersten Gang, immer den Fuß auf der Bremse gehabt. Je länger, desto mehr Fading stellte sich ein, und ohne intakter Vorderradbremse hätte ich absteigen müssen. Unten kam ich dann mit rauchender hinterer Bremsscheibe an. Mal sehen, wie sich heute die Große schlägt.

Google Earth

Die Anfahrt zur Ruine Raffenstein in Google Earth

Das Höhenprofil der Anfahrt

  Ich fahre locker im ersten Gang los, der dann auch während des Fahrens immer eingelegt bleibt. Diesmal bleibe ich aber öfter stehen, um einige Photos zu machen, so das die Bremse hinten Zeit hat, sich abzukühlen. Jedenfalls stellt sich bis unten nur ein leichtes Fading ein, das zwar merkbar ist, aber trotzdem würde die Hinterradbremse ausreichen, Suzie und mich zum Halten zu bringen. Auch wenn ich mich dann wirklich auf das Pedal stellen müsste. Worüber ich nachdenke ist: Was ist, wenn mir ein Auto an einer der Engstellen entgegen kommt? Es heißt ja, Bergfahrt vor Talfahrt. Ich hätte keine Chance, Suzie auch nur einen Millimeter den Berg hochzuschieben. Ganz im Gegenteil: wenn ich absteige und die Bremse lösen würde, ging Suzie wie ein Pfeil talwärts. Zum Glück bleibe ich vor so einem Szenario verschont, und komme unbehelligt wieder unten an.

Beim Fotografieren immer schön auf die Bremse stehen

Runter nach Bozen

Die Karte


21. Mai 2007

Südtirol

Pässespringen

  Zum Abschluss ( heute ist der letzte Tag meiner Reise), werde ich heute nichts besichtigen, sondern nur Motorradfahren. Außerdem, wenn man schon mal in Südtirol ist, muss man auch in die Dolomiten. „Schon während der Planung habe ich diese Route Pässespringen genannt“. Ich zitiere mich hier selbst, denn schon in meinem Bericht von 2001 habe ich die gleichen Worte benutzt. Aber es ist nun mal so, wenn man die um die Sella-Gruppe fährt. Kaum habe ich die Abfahrtrampe des einen Passes hinter mir, fängt die Anfahrt zum nächsten wieder an. Nur mit dem Aufzählen der Pässe würde ich einige Zeilen auf dieser Seite voll kriegen. Einer der schönsten heute ist der in 27 Kehren erreichbare Pass Pordoi.

Passo Pordoi

Suzie oben auf dem Pass

Der Pordoi Pass

  Das einzige Negative heute ist für mich Cortina d’ Ampezzo. Obwohl ich noch nie einen Schritt in dieser Stadt getan habe, kann ich mich nicht mit ihr anfreunden. Verkehrstechnisch ist sie für mich ein Chaos.

  In den vielen Wintersportorten, durch die ich fahre, ist jetzt im Mai tote Hose. Eine ganz eigenartige Stimmung herrscht dort. Die meisten Läden und Hotels sind geschlossen und haben ihre Rollos heruntergelassen. Und trotzdem laufen einige Menschen, die dort wahrscheinlich wohnen, durch die Straßen. Es fehlen nur noch die rollenden Büsche aus den Westernfilmen, dann wäre die Illusion perfekt.

21. Mai 2007

Südtirol

Gipfel Makrinele

  Wenn ich heute auch kein Museum, oder ähnliches, besuche, muss an diesem Tag noch etwas besonderes passieren. Im  Internet habe ich eine Seite gefunden, die über erlaubte Strecken zum Endurowandern informiert. Eine dieser Strecken fängt in Toblach an, und geht bis zum Gipfel des Makrinele. Die Strecke bis zum Gipfel soll um die 20 Kilometer lang sein. Klar weiß ich, das Suzie keine Enduro, zum Fahren im Gelände, ist. Klar weiß ich, das Suzie einen Rahmenbruch hat. Aber ich weiß auch, das die ersten Kilometer asphaltiert sind, und umdrehen kann ich doch immer noch. Auf der Internetseite wurde der, von einem GPS aufgezeichnete Track, zum Download angeboten. Diesen habe ich dann mittels TTQV in mein GPS eingegeben. Jetzt brauch’ ich nur noch den Einstieg in die Route zu finden, was zum Glück ganz einfach ist.

Bis hierhin ein schöner Asphaltweg

Das Ende meiner Gipfelerstürmung. Der Schotter beginnt

  Zuerst geht es durch ein Wohngebiet mit Einfamilienhäuser, um dann plötzlich in einem, wenn auch noch asphaltierten, Weg auf den Berg zu gehen. Er macht eher den Eindruck eines Wanderweges auf mich. Obwohl die Weiterfahrt durch kein Schild verboten wird, ist für mich Schluss. Um Suzie mit ihrem Steißbeinbruch zu schonen, kehre ich, nachdem der Asphalt aufhört, um. Wer weiß, was ich gemacht hätte, wenn Suzie in Ordnung gewesen wäre. Erst kurz vor dem Gipfel soll, laut der Beschreibung, die Schwierigkeitsstufe auf 4 – 5 ansteigen. Was soviel heißt, das dort nur versierte Endurofahrer weiterkommen.

  Die Weiterfahrt führt mich wieder über viele Pässe, und an der Nordseite der Sella-Gruppe vorbei zum Camp.

Die Karte


22. Mai 2007

Die Heimfahrt

  Laut Wetterbericht soll schon im Laufe des Vormittag das Wetter umschlagen und der Regen beginnen. Das Tief kommt aus Norden, also genau in meine Fahrtrichtung, denn ich bin unterwegs nach Hause. Gestern habe ich beim Bezahlen den Platzwart gefragt, ob das Timmelsjoch schon offen ist. Was er mir auch bejahte. Doch dann höre ich heute morgen im Radio, das es erst heute um 17:00 Uhr geöffnet wird. Ich habe aber schon zu Hause zwei Routen ausgearbeitet, und kein Problem mit dem geschlossenen Pass.

  In Österreich erreicht mich der Regen, und kann nicht mehr ohne Regenkombi weiterfahren. Aber zum Glück hält sich die Wassermenge in Grenzen. Bis zum Erreichen der Autobahn im Allgäu bin ich 200 km unterwegs. Auf der Autobahn zu fahren ist wie immer langweilig, einzig das Wetter bringt etwas Abwechslung. Nach einem starken Regenschauer scheint wieder die Sonne. Mit der Regenkombi komme ich mir dann immer vor wie ein Hähnchen in einer Backfolie. Ich halte wieder auf einem Parkplatz an, um die Gummisachen auszuziehen. Aber lange dauert es nicht, bis die nächste dunkle Wand in meiner Fahrtrichtung auftaucht, ich wieder einen Parkplatz anfahre, und die Pelle wieder anziehe. Das geht einige Male so, hin und her. An einer Autobahnraststätte vor Köln halte ich noch mal zum Tanken an, und telefoniere mit Inge, die mir berichtet, das in Mönchengladbach gerade ein Gewitter mit sturzbachartigem Regenfall herunterkommt. Die Vorläufer des Gewitters kann ich schon sehen, und ziehe die Regenkombi heute zum letzten Mal an. Um zwanzig Minuten nach sieben laufe ich auf meinen Garagenhof ein. Nach etwas mehr als 11 Stunden Fahrt bin ich wieder zu Hause.

22. Mai 2007

Und sie fährt weiter

Nach der Reise wurde der Heckrahmen von hinten mit einem Stützrohr verstärkt, und der Bruch mit einem speziellem Hartlot gelötet.

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