|
|
 |
 |
|
Die Planung meiner diesjährigen Tour steht, der Flug ist gebucht, das Motorrad wird am Sonntagabend am Flughafen sein, verschiedene Zimmer sind vorgebucht- nur ein Vulkan in Island, dessen Namen ich weder aussprechen noch aus dem Kopf vernünftig schreiben kann, will mich nicht nach Kreta lassen. Der Vulkan selbst ist es natürlich nicht, der mich hindert, viel mehr seine Aschewolke, die den Flugverkehr in halb Europa lahm legt.
Durch den Ausbruch des Eyjafjallajökull wird am 16.4.2010 um 3:30 Uhr der Luftraum über dem Düsseldorfer Flughafen gesperrt. Das sind noch neun Tage bis zu meinem Abreisetermin am 25.April.
Aber es wird wirklich knapp. Erst am Mittwoch den 21. um 11:00 wird Düsseldorf wieder geöffnet. In den Nachrichten kursieren Meldungen, dass die Fluggesellschaften Wochen bräuchten, bis der Flugverkehr wieder planmäßig läuft. Der Blick auf die An - und Abfluglisten von Düsseldorf wird zu einem Routinecheck. Am Donnerstagmorgen veröffentlicht die TuiFly, mit der ich nach Kreta fliegen möchte, eine Liste der Flüge, die ausfallen, bzw. wie die neuen Abflugzeiten sind. Leider wird immer nur ein Tag im voraus angezeigt. Da nur wenige Flüge ausfallen, schöpfe ich wieder etwas Hoffnung.
Freitag kommt die E-Mail von TuiFly, das ich für den Flug den Webcheckin benutzen könnte. Denke aber, das dies nur eine automatisch generierte Mail ist. Aber immerhin fallen keine Flüge der Tuifly mehr aus, und die meisten sind auch pünktlich. Angeblich soll Eyjafjallajökull wieder aktiver werden. Hoffentlich hält das blöde Ding noch eine Zeit lang still.
Am Samstag wird mein Flug zur geplanten Abflugzeit bestätigt. Eine leichte Nervosität kann ich nicht abstreiten.
Inge bringt mich am Nachmittag zum Airport, gebe meinen Gepäcksack auf, gehe durch die Personenkontrolle. Alles sehr locker.
Mein Handgepäck besteht aus meinem Helm, dem GPS, den Karten und dem Reiseführer. Also, selbst wenn mein Gepäck verschütt geht könnte ich die Tour beginnen. Pünktlich hebt der Flieger zu einem ereignislosen Flug in Düsseldorf ab, um in Heraklion zu landen. Nachdem ich einige Zeit auf meinen Gepäcksack warten muss - Heraklion ist halt immer etwas chaotisch - gehe ich in die Ankunftshalle, wo Yannis Michalakis von der Eurodriver Auto & Motorradvermietung auf mich wartet. Wir gehen unverzüglich zur Yamaha XT 600, um den Papierkram zu erledigen. Die Luft ist angenehm warm, und, ganz wichtig, es ist trocken. Leider ist kein Topcase montiert, was mir Yannis, der ein hervorragendes Deutsch spricht, per E-Mail versprochen hatte.
„Hatten wir das besprochen? Ist aber kein Problem, ich könnte Ihnen das morgen montieren.“
„Ja, das wäre schön, ich wohne im Hotel Kastro.“
„Dann komme ich morgen so gegen 10:00 Uhr vorbei und montiere das Topcase. Das geht schnell, sind nur ein paar Schrauben:“
Die Formalitäten sind schnell erledigt, und Yannis macht sich auf dem Weg. Ich montiere noch den GPS-Halter am Lenker und schnüre den Gepäcksack mit den mitgebrachten Spanngurten auf der Sitzbank fest. Viel Platz bleibt mir auf dem Brötchen nicht mehr. Da meine Etappen auf der griechischen Insel nicht allzu lang sein werden, wird es schon gehen.
Die Yamaha springt ohne Zögern an, Choke und Benzinhahn nicht vergessen. Aber durch die Schwalbe bin ich solche Startprozeduren wieder gewohnt. GPS braucht ein paar Minuten, bis es merkt, das wir nicht mehr in Deutschland sind, hat dann aber ein paar Satelliten eingefangen. Kurz anfahren, dann die Bremsen mal probieren, die sich zwar zur heimischen Bandit etwas anders anfühlen, aber im Großen und Ganzen nicht schlecht sind.
Zum Glück habe ich GPS schon montiert, denn im Dunkeln durch eine fremde Stadt zu fahren - wir haben mittlerweile 21:30 Uhr - ist auch nicht der Hammer. Aber die 4,5 Kilometer zum Hotel schaffe ich, obwohl es mitten in den Altstadtgassen liegt, ruckzuck. Selbst mit dem Moped muss ich sehen, wo ich parken kann, damit die Yami morgen noch auf ihrem Platz steht.
Das Hotelzimmer ist in Ordnung. Ich bleibe aber nicht lange in der Herberge, möchte nämlich noch versuchen, ein paar Happen in meinen leeren Magen zu bekommen. Leider ist dieses Unterfangen zum Scheitern verurteilt. In einer Gasse setzte ich mich an einem Tisch, im Freien wohlgemerkt. Aber irgendwie will mich niemand sehen, der mich bedienen könnte, obwohl noch ein paar Gäste an den Tischen sitzen. Ja dann eben nicht. An einem Kiosk erstehe ich eine Cola und ein paar Süßigkeiten. Dann muss das halt reichen.
|
 |
 |
|
Da ich nach dem Frühstück noch Zeit habe, bis Yannis mit dem Topcase kommt, gehe ich noch etwas in die Altstadt von Heraklion. Leider scheint die Sonne zum Fotografieren aus der falschen Richtung. Also werde ich in zwei Wochen am Abend mehr Glück haben.
Ich räume mein Zimmer und gehe runter zum Moped, um auf mein Topcase zu warten. Was denn auch bald eintrifft. Yannis kommt mit einer Suzuki V-Storm, da es, wie schon erwähnt, in diesem Gassengewirr unmöglich ist, einen Parkplatz zu finden. Schnell ist das Topcase montiert, und noch schneller der Packsack festgezurrt, denn so langsam wird es warm in der Stadt. Yannis bewundert noch das GPS am Lenker und wünscht mir einen schönen Urlaub.
|
 |
 |
|
Also läuft GPS im Augenblick auf Batterien, das heißt, ich habe es im Moment ausgeschaltet, weil die Meldung „Batterien schwach“ auf dem Display erschien. Kann eigentlich gar nicht sein, die Dinger sind ganz neu, und normalerweise funktioniert das Garmin einige Stunden damit. Bis kurz vor Kisamos folge ich sowieso der „New Road“, was die Navigation natürlich ungemein vereinfacht.
Der blaue Himmel hat sich mittlerweile verdunkelt, es fallen sogar 3 Tropfen aus den Wolken. Es sind wirklich nur 3 Tropfen, die meinen Helm treffen. Ich höre sie eher, als das ich sie sehe. Morgen werde ich wohl die Regenkombi ins Topcase legen.
Inzwischen habe ich die „New Road“, die in kurzen Teilstücken autobahnähnlich ausgebaut ist, verlassen, um in Kisamos einzubiegen. GPS starten klappt auch, obwohl sofort wieder die Warnmeldung angezeigt wird. Bis zur Pension ist es aber nicht mehr weit.
Mein Zimmer ist schnell bezogen, der Gepäcksack ausgepackt, und die Dusche eingesetzt. Danach gehe ich mit einem Schraubendreher und mein neues Schweizermesser zur Yami. Von meiner Portugalreise 2005 kenne ich das Moped schon. Damals habe ich noch die Batterie suchen müssen, da sie ja, wegen des Federwegs, nicht unter der Sitzbank sein kann. Nach einer halben Stunde ist die Sache erledigt, die GPS-Halterung bekommt nun Bordspannung. Ich wasche mir die Finger, und gehe mir die Beine vertreten.
|
 |
 |
|
In einem Restaurant in der Innenstadt frage ich, da es erst 17:00 Uhr ist, mit Handzeichen, ob ich etwas zu essen bekomme. Mir wird angedeutet, dass ich in die Töpfe schauen soll. Hähnchenkeule in einem Topf, mit Reis gefüllte Paprikas in dem anderen. Ich zeige auf beides. Entweder habe ich, oder die zwei vom Restaurant, was falsch verstanden. Ich bekomme eine Hähnchenkeule mit Kartoffeln, dazu auf einem extra Teller drei ausgewachsene Paprikaschoten. Die Schoten sind wohl ein eigenständiges Gericht. Eine von drei, obwohl sehr schmackhaft, schaffe ich, dann muss ich passen.
Zurück an der Pension sehe ich unter dem Moped einen frischen Ölfleck. Nicht groß. Wahrscheinlich kommt es aus der Motorausgangswelle. Wenn es nicht mehr wird, macht es dem Motor nichts aus, im Gegenteil, so wird nebenbei auch die Kette geschmiert.
|
|
|
 |
 |
|
|
Der dritte Tag
Ein ganzer Ort verschwunden
|
|
|
 |
 |
|
Nachdem ich gestern Abend gut gegessen habe, ist das Frühstück griechisch mediterran einfach. Einige Scheiben Weißbrot, Marmelade, Honig, Butter, Tee. Da bleibt nichts übrig, für die Mittagpause mitzunehmen, ich kann ja froh sein, wenn das Frühstück für die nächsten Stunden meinen Magen füllt.
Bevor es losgeht, schiebe ich das GPS in die Halterung, das aber zu meiner Überraschung dunkel bleibt. Anscheinend kommt am Stecker kein Strom an, warum auch immer. An meiner Suzi habe ich das Teil zuletzt im September gebraucht. Vielleicht ist ein Kabel gebrochen. Leider habe ich keinen Spannungsprüfer mit, um die Ursache zu überprüfen. Mal sehen, wo ich einen bekomme. Vorerst muss GPS halt mit Batterien laufen, was, wie ich gestern gesehen habe, auch nicht so perfekt ist. Bleibt mir noch die gute alte Karte zur Navigation, mit der die Offroadstrecken, die ich fahren möchte, allerdings schwer zu finden sind. Also Batterien ins GPS eingelegt und ab zur Tankstelle, damit ich mal den Spritverbrauch von Yami ausrechnen kann, um einen Überblick über die Reichweite zu bekommen.
Mein erstes Ziel heute ist die Felsenkirche Agia Sophia. Im Reiseführer steht “15 Minuten Treppensteigen“, ich schaffe es in sechs. Interessante Grotte, die ich leider nicht ganz erkunden kann. Der Boden ist feucht und glatt, kein Terrain für meine Mopedstiefel. Fast haut es mich um. Viele Tauben halten sich hier auf, haben aber Erbarmen mit mir und treffen mich nicht.
|
 |
 |
|
noch passiert, vielleicht muss ich Kontakt mit Yannis aufnehmen. Immerhin bietet er einen Notdienst auf der ganzen Insel an.
Weiter geht es nach Azogires. Dort soll der Einstieg in die Souré – Höhle sein. Tief werde ich wohl nicht in die Höhle gehen, aber schon der Eingang soll spektakulär sein. Die Gegend, durch die ich fahre, kann man nicht unbedingt als übervölkert bezeichnen. Wenn hier der Motor ausgeht und nicht mehr anspringen würde, bekäme ich Probleme Hilfe zu bekommen, dazu brauche ich gar nicht offroad zur fahren. Hoffentlich hält das Ding.
Ich suche den Ort Azogires. Das GPS, das ich zwischenzeitlich mal anmache, zeigt mir zwar den Ort an, aber mehr als ein Gehöft ist hier nicht. Nachdem ich zum dritten Mal daran vorbeifahre, steht ein älterer Mann auf der Straße. Ich halte an, und frage ihn nach Azogires. Etwas verwundert zeigt er auf seinen Hof und fragt mich halb englisch, halb griechisch, was ich überhaupt hier wollte. Ich erkläre ihm, das ich eine Mopedtour mache, und einfach zum Spaß rumfahre. Schon das kann er nicht begreifen, aber ganz verwirrt ist er, als ich nach einem anderen Ort frage, der einige Kilometer von hier entfernt ist. Was ich denn da wolle, da ist niemand mehr. Nun gut, irgendwann kann ich mich loseisen, und meine Tour fortsetzen. In der Beschreibung, die ich aus dem Internet habe, steht übrigens: „Am Ortseingang von Azogires führt der Weg zur Höhle (direkt vor der ersten Taverne) links in die Berge“. Welche Taverne?
Wenige Kilometer weiter suche ich schon wieder, diesmal eine Piste nach Elafonissos. Laut Karte eine „weiße“ Straße. Aber auch hier ist die Wirklichkeit anders als die Realität. Ein auf dem Asphalt aufgemalter Pfeil mit dem Hinweis „Elefonissos“ zeigt mir den Weg. Meine ersten Kilometer abseits der asphaltierten Straße beginnen.
|
 |
 |
|
Das GPS macht mir immer mehr Sorgen. Manchmal bleibt es nur für Sekunden an, obwohl die Batterien ganz frisch sind. Irgendwie sind da wohl Kontaktschwierigkeiten.
Die Hoffnung, in Kisamos einen Stromprüfer zu bekommen, habe ich mittlerweile aufgegeben. Dann esse ich mir lieber eine Moussaka bei meinem Stammgriechen.
|
|
|
 |
 |
|
|
Der vierte Tag
Heute richtig Schotter
|
|
|
 |
 |
|
Heute möchte ich als erstes auf die Halbinsel Rodopou, die nicht weit von meinem Basisort Kissamos liegt. Der Reiseführer meint über Rodopou: „Bergig, schroff und abweisend – so wirkt die Halbinsel von außen. Doch im südlichen Teil bereitet sich ein Meer von Olivenbäumen aus. Der einsame Norden ist dagegen wild, felsig und fast völlig unerschlossen.“ Selbstredend, das ich in den unerschlossen Norden möchte. Das wird meine erste länger Offroadstrecke. Hoffentlich geht der Motor immer wieder an.
Nachdem ich den Hauptort Rodopou verlassen habe, wird der Asphalt sofort schlechter, um einige Kilometer weiter ganz zu verschwinden. Ich bin wieder auf Schotter unterwegs, nicht allzu schnell, dafür mit einem Lächeln bis zu den Ohren.
In einiger Entfernung sehe links und rechts des Weges zwei Hunde, die mich misstrauisch beäugen. Soweit ich sehen kann, sind sie angeleint, die Frage ist nur, wie weit kommen sie zusammen. Bleibt mir eine Spur, oder habe nachher links und rechts einen an der Wade hängen. Versuch macht klug. Ich fahre langsam, mittig des Weges, im ersten Gang auf die Tiere zu. Je näher ich komme, desto rasender zerren sie an ihrer Kette, dabei sehe ich aber zwischen den beiden eine Gasse. Kurz bevor ich die Bestien erreiche, hebe ich meine Beine, und drehe am Gasgriff, dass sich das Vorderrad leicht anhebt. Hatte gar nicht damit gerechnet, das Yami so einen Bums hat. In jedem Fall sind wir an den beiden vorbei, ohne dass irgendwo einer dranhängt. Ich möchte kein Wanderer sein und hier vorbei müssen.
|
 |
 |
|
Weiter geht mein Weg in den Norden der Insel. Er endet an einem einsam gelegen Kiesstrand, an dem einen so schnell keiner stört. Da ich keine Badeschuhe mithabe, erübrigt sich ein Besuch in den Fluten.
Den Rückweg fahre ich zwangsläufig auf derselben Strecke. Hin und wieder begegne ich Schafe und Ziegen, die sich, wenn sie mich entdecken, halsbrecherisch über Stock und Stein in Sicherheit bringen, obwohl ich nicht schnell unterwegs bin. Die beiden Wachhunde passiere ich auch wieder unbeschadet.
Wieder auf Asphalt, schlage ich meinen Lenker Richtung Chania, der zweitgrößten und angeblich schönsten Stadt, ein. GPS läuft mit den eingepackten Batterien gut, keine Aussetzer mehr, auch nicht im Gelände. Obwohl ich, um Batterien zu sparen, immer noch abschalte, wenn der Weg eindeutig ist.
Immer wieder geht mein Blick links und rechts der Straße, um eventuell einen Werkzeugladen zu entdecken. Mit einem Stromprüfer könnte ich vielleicht mein GPS wieder ans Bordnetz anschließen.
Etwas abseits von den Touristenlokalen im venezianischen Hafen esse ich einen hervorragend gegrillten Tintenfisch, und vorweg einen Taramassalat, der hier merkwürdigerweise nicht rötlich, sondern cremefarben ist. Schmeckt aber richtig lecker.
|
 |
 |
|
Für das Zimmer in der Bikaskis Family Pension zahle ich heute Morgen nur 25€ die Nacht. Nach drei Nächten wechsele ich Ort, Quartier und Küste: von der Nordküste zur weniger bewohnten und teilweise schwer zugänglichen Südküste. Chora Sfakion heißt der neue Ort, an dem ich mir noch eine Unterkunft suchen muss.
Kurz nach Chania verlasse ich die „New Road“, auf der man schnell vorwärtskommt, es aber nicht besonders schön zu fahren ist. In Vrises, dem nächst größeren Ort nach Chania, halte ich wieder Ausschau nach einem Werkzeugladen. Kurz vor dem Ortsende werde ich sogar fündig. Leider kann der Verkäufer kein Englisch. Genau genommen weiß ich auch gar nicht, was Stromprüfer auf Englisch (Voltage Detector) heißt, aber ich hätte es wenigstens umschreiben können. Jetzt brauche ich noch etwas mehr Fantasie: ich male ihm das Ding kurzerhand auf. Leider kommen wir beide nicht weiter. Entweder er versteht meine Zeichnung nicht, oder er hat wirklich keinen.
|
 |
 |
 |
 |
|
|
Mein Versuch einen Stromprüfer aufzumalen
|
|
|
|
Ich erreiche den Ort Imbros, in dem die Imbrosschlucht beginnt, die man aber nur zu Fuß bewältigen kann. Allerdings soll es auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht eine feine Schotterstrecke geben, die in die Berge führt. Aber erst mal fahre ich daran vorbei, um in Chora Sfakion ein Zimmer zu finden, und mich meines Gepäck zu entledigen.
Die letzten Kilometer zur Küste sind der Hammer, die Straße stürzt sich förmlich in die Tiefe. Kurve an Kurve, ich könnte mich hier schwindelig fahren. Aus 712 Höhenmeter geht es praktisch nach null, und das in 12 Straßenkilometer, wobei die Luftlinie nur 4 Kilometer beträgt. Ein bisschen passe ich auf den Asphalt auf, der zumindest in den Ortschaften sehr glatt ist. Beim herzhaften Bremsen bleibt schon mal das Vorderrad stehen. Also Vorsicht in den
|
|
|
|
 |
Kurven, da kann ich kein rutschendes Rad gebrauchen. Trotzdem überhole ich locker einige Touristen in ihren Mietwagen.
Im Ort ist von den im Reiseführer erwähnten Hotels und Pensionen nichts zu sehen, oder es stehen nur griechische Schilder an den Häusern, die ich nicht identifizieren kann. Fahre zum Westen des Ortes, der ruhiger sein soll, weil weiter entfernt vom Hafen. Ich suche mir eine Taverne direkt am Wasser und schaue mir ein Zimmer mit Balkon zum Westen, für 25€ ohne Frühstück, an, dass ich auch nehme. Vielleicht kann ich abends ja noch auf dem Balkon sitzen, bis die Sonne untergeht.
|
 |
 |
|
sind auf Kreta eigentlich kein Problem, man öffnet sie und fährt weiter. Wenn sie aber, wie jetzt, mit einem Schloss verriegelt ist, heißt das, nicht weiter. Selbst wenn das Schloss offen gewesen wäre, würde ich nicht weiterfahren, ist nämlich blöd, wenn man zurückkommt und muss das Moped unter der dann abgeschlossenen Schranke durchzerren. Also zurück, und einen anderen Weg nehmen. Dann passt auch auf einmal die Beschreibung wieder besser. Die Käserei ist leider verschlossen. Nichts mit frischem Schafskäse.Am Nachmittag gehe ich durch den Ort, was recht schnell erledigt ist, zum Hafen und Strand, wo einige Menschen im Kies liegen, und sich sogar im Wasser aufhalten. Hier ist es um einiges wärmer als an der Nordküste. Mal sehen, vielleicht kann ich morgen Nachmittag eine Runde schnorcheln gehen.
|
|
|
 |
 |
|
|
Der sechste Tag
Schöne Sackgassen
|
|
|
 |
 |
|
Das Frühstück ist, wie in Kisamos, griechisch einfach, aber das Brot ist getoastet. Los geht’s über eine spektakuläre Straße von null auf 600 Meter in 23 Kehren, dazu Ziegen und Felsbrocken auf der Straße, die wahrscheinlich auch von den Ziegen gelöst werden. Die Stilfser Joch-Straße ist auch nicht abenteuerlicher. Diese Ziegen stehen manchmal in schwindelerregenden Höhen auf kleinen Felsvorsprüngen, die nicht größer sind als die vier Hufen dieser Tiere. Dann klettern sie die fast senkrechte Felswand hinunter.
Ich folge lieber mit offenen Augen der Straße,die mich zur Aradenaschlucht bringt. Über besagter Schlucht, die man natürlich nicht mit dem Moped durchfahren kann, führt eine Brücke aus einer Stahl/Holz Konstruktion. Schon einige hundert Meter, bevor ich die Brücke erreiche, fällt sie auf. Einmal durch ihre exponierte Lage, aber auch durch das Geräusch der Bohlen, wenn sie von Autos überquert wird.
|
 |
 |
 |
 |
|
|
23 Kehren bringen mich auf 600 Meter
|
|
|
|
Ich fahre über die Brücke weiter nach Aradena, dem Ort, der der Schlucht ihren Namen gab. Der Ort ist seit einer Blutrachefehde Ende der vierziger Jahre so gut wie verlassen. Im Reiseführer steht, dass man durch die Ruinen streifen und verschieden Sachen entdecken kann. Leider verhindert ein Tor auf der Zufahrtstraße, das ich meinen Entdeckerdrang befriedigen kann.
Also wieder zurück über die Brücke, die übrigens von zwei ehemaligen Bewohnern der Gegend, die durch Öl zu Geld gekommen sind, gestiftet worden
|
|
|
|
 |
ist. In der Nähe von Anopoli geht links ein Fahrweg ab, der mich über Schotter noch höher in die Berge bringen soll. Zuvor ist aber ein Hindernis in Form eines großen Hundes zu überwinden. Und dieser ist nicht an einer Kette angebunden, wie die einige Tage zuvor. Ich vertraue auf meinen ersten Gang und gebe kurz vor dem Tier Gas. Einige Meter läuft er mit, verliert dann aber die Lust, oder will mich vielleicht auch nur erschrecken.
|
 |
 |
 |
 |
|
|
Schotter bis oben. Der Gipfel auf 2500 Meter ist mir doch zu weit.
Angsthase
|
|
|
|
Nach ein paar hundert Metern löst sich der Asphalt langsam auf und wird zu Schotter. Da ich auch für diesen Abzweig in die Wildnis keine GPS-Daten besitze, bleibt mir, zumindest an einer Stelle, nur die Try and Error Methode. Dass es jetzt die Error Methode ist, weiß ich im Augenblick noch nicht: was ich aber weiß, ist, dass vor mir neben dem Weg jede Menge Bienenstöcke stehen. Zum Glück
|
|
|
|
 |
 |
|
sind Bienen im Grunde nicht aggressiv. Die Handschuhe richtig über die Jacke gezogen, Reisverschluss und Kragen der Jacke geschlossen, dass Visier vom Helm zugeklappt. Es schwirrt nur so von Bienen. Dass die überhaupt wissen, wo sie hingehören. Nach hundert Metern ist der Spuk vorbei, ich kann wieder Luft an mich lassen. Allerdings kommt jetzt der Error. Es ist eine Sackgasse, die an einem Aussichtspunkt endet. Also wieder alles schließen und wieder ab durch die Bienen.
Der Weg führt theoretisch bis auf den fast 2500 Meter hohen Gipfel des Pachnes, aber halt nur theoretisch, da dies eigentlich ein Wanderweg ist. Bei 1536 Höhenmeter ist für mich Schluss, der Weg wird nur sehr schwer fahrbar. Zumindest für mich, der ich keine großen Offroaderfahrung habe. Liebe fahre ich zurück, um an einer Abzweigung einfach ins Blaue zu fahren, bis auch dieser Weg aufhört. Am Ende sind es fast vierzig Kilometer über Schotter, die mir unheimlich viel Spaß bereiten.
Am Nachmittag gehe ich mit Badetuch, Schnorchel und Maske bewaffnet zum Strand. Das Wasser ist nicht wirklich warm, aber auch nicht allzu kalt. Eine halbe Stunde schaue ich mir zwischen Felsen Fische und anderes Getier an, bevor ich am Strand wieder aufwärme.
Am Abend genieße ich in einer der Tavernen Lammfleisch, Bier mit Raki und auf meinem Balkon die untergehende Sonne
|
|
|
 |
 |
|
|
Der siebte Tag
GPS auf der Sattelbank
|
|
|
 |
 |
|
Nach dem Frühstück düse ich zügig los, weil die Tour heute etwa 200 Kilometer sein soll. Unter anderem nach Rethmino, die Stadt, die sich mit Chania um das Prädikat „schönste Stadt Kretas“ streitet. Jetzt komme ich aber an Frangokastello, die Ruine eines venezianischen Kastells, vorbei.
|
 |
 |
 |
 |
|
|
Die Venezianische Ruine Frangokastello
|
|
|
|
Bei der Anfahrt auf Rethimno aus den Bergen kann ich die ganze Stadt überblicken, deren erster Eindruck aber nicht besonders ist. Die Außenbezirke sind eine Zusammenwürfelung trister Betonbauten, aber dieser Eindruck täuscht zum Glück. Venezianer und vor allem die Türken haben deutliche Spuren hinterlassen. Es gibt noch einige Minarette in der Altstadt.
Am Hafen gibt es eine regelrechte Fressgassen, in der die Werber der Restaurants die wenigen Touristen animieren, an den Tischen Platz zu
|
|
|
|
 |
nehmen. Eine Einzelperson wie mich, dazu noch mit verstaubten Stiefeln, wird nicht angesprochen. Würde mir gerade noch fehlen, in einem dieser opulenten Sessel zu fallen. Ich gehe lieber in eine andere Ecke, um auf einer kleinen Terrasse eine Kleinigkeit zu essen. Dabei komme ich an Yami vorbei und sehe mit entsetzen, dass das GPS auf der Sattelbank liegt. Ich habe wohl vergessen es ins Topcase zu legen. Zum Glück sind hier alles ehrliche Menschen.
Während des Essens wird es zwischen den Altstadtgassen laut. Eine Demonstration nähert sich. Der Kellner, der ein hervorragendes Deutsch sprich - er war sechs Jahre in Deutschland - erklärt mir, dass die Demo gegen die Regierung und ihren Einsparplänen gerichtet ist. Griechenland befindet sich ja im Augenblick in einer schweren Wirtschaftskrise.
|
 |
 |
|
von Mönchen bewohnt. Dort ist natürlich dem Touristen der Zutritt untersagt.
Ich verlasse das Kloster, um auf kleinen, kurvigen Straßen über Gebirgsrücken von der Nordküste zur Südküste zu wechseln, wo ich meine letzte Nacht in Chora Sfakion verbringen werde. Vorher hält aber die Straße noch einige Überraschungen parat. Der Asphalt ist manchmal so glatt, dass beim Anbremsen vor einer Kurve das Vorderrad zum Blockieren neigt. Also, nicht so schnell und ein wenig mehr hinten bremsen, so, als wenn ich abseits auf Schotterwegen unterwegs wäre. Dann ist da noch die Kotsifou-Schlucht, durch die sich die Straße schlängelt. Hier pfeift der Wind, wie durch eine Düse, das ich mich gut am Lenker festhalten muss, um nicht von Yami runtergeweht zu werden.
|
|
|
 |
 |
|
|
Der achte Tag
Alte Steine - Neuer Beton
|
|
|
 |
 |
|
Wieder packe ich am Morgen die Gepäckrolle, denn nach dem Frühstück verlege ich mein „Basislager“ wieder an die Nordküste. Das Dorf Molos, östlich von Agios Nikolaos, soll meine nächste Übernachtungsmöglichkeit sein. Ein Zimmer habe ich dort nicht gebucht, nur eine Empfehlung aus dem Reiseführer.
Zuerst führt mein Weg direkt zur Nordküste, dann rechts ab Richtung Rethmino und Heraklion. Da der Palast von Knossos nur einige Kilometer von Heraklion entfernt liegt, ist heute der ideale Zeitpunkt dort anzufahren, denn ich habe ja heute nur die Fahrt nach Molos geplant.
In Knossos parke ich Yami fast direkt vor dem Haupteingang, wo, dank der frühen Uhrzeit, noch nicht viel los ist. Die Gepäckrolle lasse ich auf dem Moped, ebenso den Helm, den ich nur mit dem Kinnriemen festmache, damit er nicht runter fällt. Ich glaube nicht, dass mir jemand die Sachen wegnimmt, denn in den Städten, wie auch hier, haben die meisten Roller und Mopedfahrer ihre Helme einfach an den Lenker gehängt.
|
 |
 |
|
weiter fahre, ziehe ich erst mal meine Jacke aus und mache eine Verdunstungspause.
Weiter geht es über die „New Road“ Richtung Osten. Pünktlich zur Mittagszeit komme ich am Ort Malia vorbei, in dem Inge und ich vor einigen Jahren unseren Herbsturlaub verbrachten. Oft sind wir mittags in der „Family Taverne“ gelandet, um eine Kleinigkeit zu essen. Und genau das habe ich jetzt auch vor. Schnell finde ich mich im Ort zurecht, sehe unser Hotel, und dann die Taverne. Ich gönne mir eine Portion Gyros vom Holzkohlegrill. Lecker wie vor Jahren.
Kurz hinter Malia wird die „New Road“ wieder zur „Old Road“ und damit fahrerisch interessanter. Es stehen zwar überall Schilder, die auf eine Erweiterung der Straße hindeuten, aber im Augenblick ist den Griechen wahrscheinlich das Geld abhandengekommen.
Die Anfahrtstrasse nach Molos schlängelt sich runter zum Meer. Sie beginnt bei über 300 Höhenmeter und endet praktisch bei wenigen Metern über dem Meer. Anders als in Chora Sfakion finde ich die im Reiseführer empfohlene Taverne sofort. Leider ist aber kein Zimmer mehr frei und der Chef des Hauses empfiehlt mir seinen Nachbarn. Dort tobt aber im Augenblick der Bär, alle Tische auf der Terrasse sind besetzt. Die Griechen gehen wohl Sonntagmittag gerne aus essen, obwohl es schon 15:00 Uhr ist. Meine Frage nach einem Zimmer wird bejaht, soll mich aber ein paar Minuten gedulden, bis mir jemand das Zimmer zeigen kann. Klar, die Taverne wird nur vom Chef und seiner Frau geschmissen, sie in der Küche, er im Service. Da es logischerweise länger wie ein paar Minuten dauert, bis mir einer der zwei das Zimmer zeigen kann, bietet er mir ein Bier an, dass ich gerne annehme. Hunger habe ich ja im Augenblick nicht.
|
 |
 |
 |
 |
|
|
Aquädukt, heute nicht mehr in Betrieb
|
|
|
|
Nachdem ich die Flasche Bier genüsslich gelehrt habe, sind auch alle Tische mit Speisen versorgt und die Chefin zeigt mir das Zimmer, dass in Ordnung ist und ich nehme. Einziger Nachteil: Das Badezimmer ist auf dem Gang und wird mit dem Nebenzimmer geteilt. Habe aber Glück, dass dieses Zimmer nur eine Nacht besetzt ist
.Nach meinem abendlichen Spaziergang am Meer und durchs Dorf sitze ich jetzt allein auf der Terrasse am Meer, um eine kleine Portion frittierter
|
|
|
|
 |
 |
|
Sardellen zu essen. Die Portion, die ich bekomme, immerhin soll das ja normalerweise nur eine Vorspeise sein, würde für drei Personen reichen, locker. Zum Glück finden sich bald einige Katzen ein, um mir zu helfen.
|
|
|
 |
 |
|
|
Der neunte Tag
Abends müde vom Fahren
|
|
|
 |
 |
|
Heute fahre ich meine erste Offroadstrecke mit GPS-Unterstützung, die Daten habe ich mir bei www.mdmot.com bestellt, sowohl als Beschreibung im Buch als auch als Wegpunkte für’s GPS. Nach einigen Kilometern verstehe ich auch die Positionierung der Wegpunkte.
Im Augenblick habe ich aber das Problem, dass ein Tor meinen Weg versperrt. Zwar könnte ich das Tor öffnen, doch dann fangen die Probleme wohl erst richtig an. Denn dahinter laufen zwei ausgewachsene und nicht freundlich dreinblickende Hunde. Der Klügere gibt nach, also die Maschine um 180 Grad gedreht und die Strecke zurückfahren. Ich fahre über Asphalt zum Einstieg der zweiten Strecke am heutigen Tag.
|
 |
zurechtzufinden.
Nachdem ich die Piste wieder verlasse und wieder auf Asphalt unterwegs bin, fühle ich mich doch wirklich kaputt. Geplant war heute noch die Besichtigung eines Folkloremuseums in Pefki und einer Tropfsteinhöhle in Vreikou. Leider hat das Museum nur bis 14:00 Uhr geöffnet und meine Uhr zeigt schon nach drei an, folglich fahre ich an Pefki vorbei. Die Tropfsteinhöhle kann mich jetzt nicht mehr wirklich aus dem Sattel holen. Ich fühle mich einfach zu müde, um noch ins Tiefgeschoss von Kreta herabzusteigen.
|
|
|
 |
 |
|
|
Der zehnte Tag
Radfahrer auf Schotter
|
|
|
 |
 |
|
Der heutige Tag fängt gut an, nur wenige Kilometer auf Asphalt, dann geht es rechts ab in den Schotter. Die Strecke führt in vielen Windungen hinunter zum Meer, um dann einen Anlauf wieder Richtung Straße zu nehmen; bevor die dann aber erreicht wird, führt sie wieder zurück zum Meer. Halt Schotter pur.
Bei einem Photostop kommt ein älterer Mann auf einem kleinen Moped, hält neben mir an und fragt wohl, wo ich hinmöchte. Zumindest besteht die Möglichkeit, dass er mich das fragt, denn ich verstehe kein Wort seiner griechischen Worte. Ich zeige einfach mal auf mein GPS und er versteht. Lachend verabschieden wir uns.
|
 |
 |
|
beiden merkwürdig. Er führt seine linke Hand vors Gesicht und macht den Scheibenwischer. Ein bisschen verrückt muss man schon sein, hier mit dem Rad langzufahren, aber jeder wie er mag, denke ich.
Auf Asphalt rolle ich zum Kloster Toplou, dass zu den reichsten Klöstern Griechenlands gehört. Zu den Ländereien gehört die gesamte Halbinsel mit gleichem Namen, einschließlich des bekannten Palmenstrands Vai. Der Abt des Klosters steht in Verhandlungen mit Investoren, um das größte Nobelferienzentrum mit Golfplätzen usw., zu errichten. Dummerweise soll das in einem Vogelschutzgebiet erbaut werden, klar, das die Umweltschützer Zeter und Mordio rufen.
Leider darf ich im Innern des Klosters nicht photographieren und habe zu meinem Leidwesen auch noch die kleine Kamera im Zimmer liegen lassen. Die Große wage ich nicht auszupacken, da überall Videokameras hängen. Zu sehen sind viele Ikonen, eine davon behandelt zahllose Themen aus dem Alten und Neuen Testament.
|
 |
 |
|
Hauptstraße führt am Dorf vorbei, und der einzige Abzweig führt direkt ins Dorf.Ich ignoriere den Abzweig, aber nach wenigen Kilometern wird mir klar, dass es die falsche Richtung ist. Zurück und ins Dorf abbiegen. Kein einziger Hinweis auf den Ort Skopi, um weiter nach Mochlos zu kommen. Dann, auf dem Betonweg, ist ein Pfeil und „Skopi“ gemalt. So werde ich 8 Kilometer, teils auf Beton, teils auf Schotter, nach Skopi geführt.
|
|
|
 |
 |
|
|
Der elfte Tag
Yami in den Dreck gelegt
|
|
|
 |
 |
|
Zum letzten Mal sitze ich auf der Terrasse am Meer, um mein Frühstück einzunehmen. Immerhin mit einem frisch gepressten Orangensaft. Beim Bezahlen des Zimmers bin ich ein wenig enttäuscht, das Zimmer kostet 25 €, dazu kommt noch das Frühstück mit 5 €. Dafür, dass das Badezimmer nicht im Zimmer ist, etwas viel. 5 € weniger wäre auch genug gewesen.
Nach dem Packen bin ich unterwegs nach Agios Nikolaos, um mir die Stadt und das archäologische Museum anzusehen, was nicht so groß sein soll wie in der Hauptstadt. Ich darf nicht vergessen, Geld zu ziehen und Batterien fürs GPS zu holen.
Ich parke am Voulismenisee, um als erstes in die Innenstadt zu gehen. Aber richtig Freude macht mir das bei 25° Außentemperatur auch nicht. Also, zum Geldautomat, Batterien gekauft und ab auf Yami, um zum Museum zu kommen. Doch da habe ich die Rechnung ohne die griechische Verkehrsführung gemacht. Die Schilder führen mich im Kreis, denn bald stehe ich wieder am See. Und beim nächsten Versuch endet meine Suche an einer Straße, die für einen Markttag gesperrt ist. Jetzt ist mir durch die langsame Stadtfahrerei noch wärmer wie zuvor in der Innenstadt, dann auch noch über den Markt gehen, um zu diesem Museum zu gelangen? Nicht mit mir. Ich nehme die erste Straße, die aus Agios Nikolaos rausführt. An einer Tankstelle fülle ich das Vorratsgefäß von Yami. 1,70 Euro für den Liter Normalbenzin, der höchste Preis bis jetzt, der ansonsten so zwischen 1,55 und 1,60 lag. Die Griechen werden ihre Krise noch spüren.
|
 |
 |
|
Unterstand. Während ich genüsslich an meiner Cola nippe und ein Stück Salami kaue, höre ich Motorengeräusche. Die Sunshine Jeepsafari mit ihren sechs Rover läuft ein und hat mein lauschiges Plätzchen ebenfalls als Zwischenziel für eine Pause auserkoren. Sechs Rover mit etwa sechs Besatzungsmitglieder, da ist von lauschigem Plätzchen nicht mehr viel übrig. Einer der Fahrer beginnt sofort mit Erklärungen in französisch. Ein anderer fragt mich in englisch wo ich hinfahre. Ich zeige ihm die Wegbeschreibung mit der Karte und erzähle im von den Wegpunkten im GPS.
„Das sei eine schöne Strecke, sie würden eine andere Richtung fahren.“ sagt er zu meiner Beruhigung. Ich schaue, dass ich mich verdrücke.
Irgendwann ist die Strecke wie neu. Der Schotter ist neu aufgetragen, hat auch eine andere Farbe wie zuvor. Hinter der nächsten Kurve entdecke ich neben der Piste eine Dampfwalze. Heißen die Dinger eigentliche immer noch so? Die werden doch durch einen Dieselmotor angetrieben. Lange kann ich mich mit diesem Problem nicht rumschlagen, denn jetzt wird der neue Schotter sehr weich, ähnlich einer Sanddurchfahrt, nur grober halt. Zum ersten Mal spüre ich das Gepäck auf der Sattelbank. Drei, vier Kilometer geht das, dann fährt mitten auf dem Weg eine große Baumaschine, wie ich sie z.B. in Namibia gesehen habe. Vorderachse, Hinterachse, dazwischen ein Schieber, der den Schotter verteilt. Der Fahrer entdeckt mich, hält an, grüßt mich beim Vorbeifahren. Später wird er wohl den losen Schotter mit der Walze verdichten.
|
 |
 |
|
mächtig warm und mir rinnt schon mächtig der Schweiß. Meine ersten Versuche, Yami wieder auf die Räder zu bekommen, misslingen. Das Gepäck ist nicht nur schwer, sondern behindert mich beim Zupacken. Also, die Gurte lösen und den Packsack runter nehmen, dann klappt es auch mit dem Aufstellen. Zum Glück ist nicht viel passiert, außer das mein Hemd nass vor Schweiß ist, und der Kupplungshebel etwas kürzer geworden ist. Nach wenigen Anlasserdrehungen springt auch der Motor wieder an. Weiter geht’s.
Beim nächsten Photostop das Gleiche, wieder lege ich das Moped hin. Gleiche Seite, Lenker auch wieder eingeschlagen, diesmal aber bei einem Wendemanöver. Sie liegt jetzt auch besser und schon beim ersten Versuch, ohne das Gepäck abzuladen, steht sie wieder auf den Räder. Man hat halt langsam Erfahrung in solchen Dingen.
Im Ort Mirtos beziehe ich mein gebuchtes Zimmer im Hotel Mirtos. Nach dem Duschen erkunde ich erst mal den Ort und den Strand, der hier wieder ein Kiesstrand ist. Außerdem gibt es noch eine Ausgrabungsstätte eines minoischen Palastes zu entdecken. Der Nachteil der alten Steine ist leider, dass sie oben auf einem Hügel liegen. Nach der Besteigung ist mein zweites Hemd reif für eine Wäsche.
|
|
|
 |
 |
|
|
Der zwölfte Tag
Wo ist die Bremse
|
|
|
 |
 |
|
Auf schönen Offroadumwegen bin ich unterwegs zur Lassithi-Ebene, die laut Reiseführer ein touristischer Höhepunkt ist und in der sich in der Hauptsaison Massen von Reisebusse treffen. Während der ersten Schotterpassage komme ich auf eine Hochebene, die mich an Namibia erinnert. Zwischen kahlen Bergkuppen ein Wasserloch mit einer grünen Ebene - wenn hier auch keine Antilopen oder Zebras grasen, sondern nur, wie überall, die kretischen Ziegen. Sogar ein Tor muss ich öffnen.
Bei der anschließenden steilen Abfahrt von der Ebene wird es hektisch am Lenker. Ohne Ankündigung hat die Hinterradbremse keine Funktion, das Pedal ist ganz durchgedrückt. Mit Mühe kann ich Yami und mich zum Halten bringen. Mein erster Gedanke ist:
„Die Bremsflüssigkeit ist ausgelaufen. Durch eine Undichtigkeit oder einen abgerissenen Bremsschlauch.“
Aber eine Überprüfung zeigt, dass keine Flüssigkeit ausgelaufen ist. Alle Teile der Bremsanlage sind trocken. Ich bin etwas ratlos, wieso die Anlage so plötzlich ihren Dienst quittiert.
Wichtiger noch ist aber die Frage: Wie komme ich hier wieder weg? Zwar hat der Verleiher einen Notdienst, aber in dieser Einöde findet der mich ja nie. Und nur mit der Vorderradbremse ist auf Schotter kein gesundes Bremsen möglich, das Vorderrad würde sofort blockieren. Ich lasse den Motor aus, lege einen Gang ein; welcher, ist bei diesem Einzylinder egal, das Hinterrad bleibt bei losgelassener Kupplung sofort stehen; und rolle den Hang hinunter. Die schleifende Kupplung ist jetzt die Bremse. Ungewohnt, aber es geht. So will ich versuchen, wieder Asphalt unter die Räder zu bekommen, und dann zurück zum Hotel.
|
 |
 |
 |
 |
|
|
Ohne Bremse kein Vergnügen
|
|
|
|
Hin und wieder suche ich mit dem Fuß das Bremspedal und merke, dass sich so etwas wie Druck aufbaut. Wenn auch nur ganz zaghaft. Jetzt wird mir auch klar, was mit der Bremsanlage los ist. Die Bremsflüssigkeit ist uralt und hat Wasser aufgenommen, dass den Nachteil hat, bei 100° C zu kochen und somit Dampfblasen zu bilden.
Irgendwann geht jede Abwärtsstrecke zu Ende, wie auch diese. Gegenwärtig hat die Bremse Zeit, sich abzukühlen. Fünfzehn Minuten später ist sie wieder
|
|
|
|
 |
 |
|
ganz die Alte. Nun heißt es aber achtgeben, bei längeren Bremsmanövern die Zeichen erkennen. Wenn das Pedal weich wird, anhalten und abkühlen lassen. Mal sehen, ob das funktioniert.
In früheren Jahren war die Lassithi-Ebene bekannt für ihre Windräder, die zum Wasser pumpen benötigt wurden. Heute werden diese Arbeiten von Dieselmotoren übernommen, die effektiver und weniger pflegebedürftig sind. Einige dieser Windräder werden heute für Touristen in Betrieb gehalten.
Bevor es zur Ebene geht, überfahre ich den Pass von Ambelos, wo noch einige Ruinen von Windmühlen, mehr oder weniger gut erhalten, stehen. Natürlich muss ich diese einer genauen Inspektion unterziehen.
Nach dem Pass liegt die Lassithi-Ebene vor mir, eine grüne fruchtbare Fläche auf 900 Meter über dem Meer. Im Ort Psichro biege ich zur Zeushöhle ab, in der Zeus geboren sein soll. Wenn ich vorher gewusst hätte, wie hoch ich zur Höhle steigen muss, ich hätte das Angebot des Eselführers angenommen. 15 € bis fast zur Höhle - wenn ich doch manchmal nicht so geizig wäre!
|
 |
 |
|
geht meine Atmung wieder etwas schneller, aber zum Glück geht’s jetzt nur noch bergab. Am Ende des Weges, dort wo die Eselstreiber stehen, genehmige ich mir einen frisch gepressten Orangensaft. Der Kellner in der Taverne schenkt mir einen mitleidigen Blick und fragt, ob der Saft kalt sein soll. Wieder ärgere ich mich über eine verpasstes Photo: ich in voller Motorradmontur, mit Helm und Handschuhen, auf einem Esel. Das Bild wäre ein Poster wert gewesen. Leider verpasst, jetzt ist kein Esel mehr hier unten.
Meine Tour geht weiter zum Lassithi Eco Park, einem Handwerkerpark, der vier Euro Eintritt verlangt. Nur ein Handwerker, ein Holzschnitzer, ist bei der Arbeit, ansonsten werden nur verschiedene Souvenirs angeboten. Das Geld hätte ich mir auch sparen können, immerhin eine halbe Flasche Ouzo. Also raus aus dem Park und die Rücktour beginnen. In Koudoumaia suche ich den Einstieg in eine weitere Schotterstrecke. Ich muss einige male durchs Dorf fahren und verschiedene Abzweigungen ausprobieren. Ein Mütterchen, an der ich bestimmt schon dreimal vorbei gefahren bin, zeigt in eine Richtung, die aber bestimmt nicht die Richtige ist. Aber: Versuch macht klug, irgendwann passt die Richtung mit den GPS-Daten übereinander.
|
|
|
 |
 |
|
|
Der dreizehnte Tag
Die Märtyrer von Agii Deka
|
|
|
 |
 |
|
Meine Kretareise neigt sich nun doch so langsam dem Ende zu, noch drei Tage bin ich unterwegs. Trotzdem wechsle ich noch einmal das Quartier. Ich bin unterwegs nach Kalamaki, unweit der Messara-Ebene an der Südküste. Heute morgen hatte ich etwas Schwierigkeiten, mein Hotel zu bezahlen, da niemand zuständig war. Überrascht war ich, dass der Kellner, der mich abends in der Taverne bediente, eigentlich der Hotelbesitzer war. Die Information von ihm, dass der Flughafen von Iraklion heute geschlossen ist, fand ich alles andere als beruhigend. Die griechischen Fluglotsen befinden sich im Streik
.In Agii Deka besuche ich die Grabstelle und die Kapelle der zehn Märtyrer. Nichts besonderes, aber wenn man schon mal in der Gegend ist. Nur wenige Kilometer weiter befinden sich die Ausgrabungsstätten von Gortis, die ich dann auch noch besuche.
|
 |
 |
 |
|
|
Die Grabkammer der Märtyrer von Agii Deka
|
|
|
|
Weiter geht es, heute nur über Asphalt, meinem Ziel entgegen. In Kalamaki habe das Hotel Kostas, das ich schon von zu Haue gebucht habe, schnell gefunden Der Ort entpuppt sich als reiner Touristenort, außer Übernachtungsmöglichkeiten, Tavernen und Supermärkte gibt es hier nichts, was sich anzusehen lohnt.
|
|
|
 |
 |
|
Da es hier nichts zu sehen gibt, fahre ich heute noch nach Matala, was eigentlich morgen auf meinem Programm steht. Locker bekleidet, die Motorradhose blieb im Hotel, fahre ich die zehn Kilometer nach Matala. Die Höhlenwohnungen der Jungsteinzeit lassen die nördliche Felswand wie einen riesigen Termitenbau erscheinen. Beim Besichtigen muss man aufpassen, denn der Sandstein ist rutschig und ein Geländer ist nicht vorhanden. Nach der Erkundigung gönne ich mir im Schatten einer Terrasse ein kühles Bier.
|
 |
 |
|
Heute geht es wieder ins Gelände, aber vorangehend ist der Besuch im Ethnologischen Museum von Vori angesagt. Aber als Frühaufsteher habe ich jetzt das Pech, das ich vor der verschlossenen Tür des Gutshauses stehe, in der sich das Museum befindet. Es öffnet erst um 10:00 Uhr, das wären 45 Minuten Wartezeit. Dann fahre ich vielleicht heute Nachmittag auf dem Rückweg noch mal hier vorbei.
Die Geländestrecke beginnt kurz vor dem Weiler Ardaktos und wird im Offroadführer als Ziegenberg betitelt. Aber anstatt einer Ziege sehe ich als erstes nur einen Schädel von solch einem Tier. Das ist natürlich ein gefundenes „Fotofressen“ für mich. Zuerst muss ich den Knochen aber vom Schmutz befreien und einen geeigneten Aufnahmeort finden.
|
 |
 |
|
talwärts. Jetzt auf Vorzeichen der Bremse achten. Wenn man Bescheid weiß, ist es viel einfacher, auf Dinge zu reagieren. Soll heißen, ich merke, dass mein Fußpedal weich wird. Ich stoppe Yami, und mit eingelegtem Gang und abgestelltem Motor bleibe ich erst mal stehen. Die Strecke ist so steil, dass ich hier nicht absteigen kann. Nach 10 Minuten fahre ich weiter, um diese Aktion noch zwei mal zu wiederholen, bis ich wieder auf Asphalt bin.
Nicht weit von der Stelle, wo ich aufs Asphaltband treffe, gibt es einen Forellenteich, an dem einige Tavernen liegen, dazu auch noch eine kleine Geländefahrt, die es zu erkunden gilt.
Ich sitze am Forellenteich und brauche nur den Arm übers Geländer zu halten, und schon kommen Dutzende Forellen angeschwommen, manche der Fische folgen auch einfach den Enten, die über Wasser besser sehen, wo es was zu Naschen gibt. Ich für meinen Teil habe mir eine Portion Bifteki, mit Schafskäse gefüllte Frikadellen, bestellt. Etwas verwirrt bin ich, als der Kellner ein Körbchen auf meinen Tisch stellt, in dem sich, schön auf Kräuter gebettet, zwei Schälchen, Brot und eine Flasche Olivenöl befinden. In einem Schälchen befindet sich Zaziki, im anderen ein Tomatenmus. In dem Olivenölfläschchen schwimmen diverse Kräuter. In Portugal ist es üblich, das nur die sogenannten Entradas bezahlt werden, die auch verzehrt worden sind. Hier auf Kreta ist es meist so, dass auch das unverlangt gebrachte Brot, ob angebrochen oder nicht, bezahlt werden muss. Jetzt bin ich mal auf die Rechnung gespannt. Was soll’s, das frische warme Brot mit dem Zaziki schmeckt gut, den Fischen und Enten das ohne Zaziki ebenso. Auch das Bifteki ist richtig lecker.
|
 |
fahre ich noch nach Vori, zum Museum. Es hat geöffnet, ist auch sehr interessant, aber leider sind alle Schaustücke und Bilder hinter Glas. Das, und die dunklen Räume, verhindern, dass ich Photos machen kann.
|
|
|
 |
 |
|
|
Der fünzehnte Tag
Panik bei den Ziegen
|
|
|
 |
 |
|
Heute mache ich meine letzte Tour, es geht zurück nach Heraklion. Dort habe ich wieder für eine Nacht ein Zimmer im Hotel Kastro gebucht, denn morgen geht mein Flug zurück nach Deutschland. Aber soweit ist es jetzt noch nicht, es steht noch eine Etappe durchs Gelände an, die mich auf den 1752 Meter hohen Skinakas im Ida Gebirge bringen soll.
|
 |
 |
|
um die Tiere aufzuhalten, was ihm aber nicht wirklich gelingt. Da der junge Mann den Ziegen, die sich noch auf dem Weg befinden, jetzt natürlich den vermeintlichen Fluchtweg abschneidet, beginnen die ersten Tiere auf der anderen Seite des Wegs den Berg herunter zu springen. Das ist wiederum das Zeichen der verbleibenden Männer auf der Ladefläche, es den Ziegen gleichzutun. Sie versuchen zu verhindern, dass die Herde sich in alle Richtungen auflöst, was aber nicht wirklich gelingt. Keine der Ziegen in der Herde kommt bei mir vorbei, einzig der Pick-up steht dann neben mir. Ich versuche, mich zu entschuldigen. Der Fahrer nickt zumindest. Totales Chaos am Berg und wahrscheinlich viel Arbeit für die Hirten.
Zehn Kilometer weiter erreiche ich die nächste Herde. Diesmal sind es keine Ziegen, sondern Wanderer. Wie viele kann ich nicht schätzen, aber es müssen einige Busladungen sein. Im Gegensatz zu den Ziegen machen die Menschen aber keinen Platz, obwohl ich sie schon einige hundert Meter sehe. Erst als ich wenige Meter vor ihnen bin, beliebt sich der geneigte Wandersmann, Platz zu machen. In weniger als Schrittgeschwindigkeit, beide Füße von den Rasten, fahre ich an der Gruppe vorbei.
|
|