Zum Schwalbenflieger

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Letzte Bearbeitung:               02.02.2011

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Österreich 2006

Österreich 2006

Die Anfahrt              27.06.2006

Suzie auf dem Garagenhof

Die Suzie, bepackt auf dem Garagen- hof

Gestern Abend habe ich das Gepäck ans Motorrad gehangen. Beim Packen ist mir aufgefallen, das noch so viel Platz in den Koffern ist. Aber ich kann meine Packliste, die jedes Jahr die gleiche ist, durchlesen wie ich will, ich sollte nichts vergessen haben. Selbst wenn etwas fehlen würde, kann ich dieses Jahr doch ziemlich einfach etwas nachkaufen, da ich ja im deutschsprachigen Raum unterwegs bin.

Ich fahre zum Schwarzwald, wo ich mein Zelt direkt an der Donau aufbauen möchte. Die diesjährige Tour soll mich vom Schwarzwald nach Tirol, weiter nach Wien und zum Bayrischen Wald führen. Anschließend ist noch ein Treffen mit Inge in Dresden geplant. Mal sehen, wie sich dieses Jahr so alles entwickeln wird.

Da die Anfahrt ja nicht so lang ist, dachte ich mir, einen Teil über Landstrassen zu fahren – das macht die Sache dann etwas interessanter.

Zwanzig Kilometer vor meiner geplanten Abfahrt in Pforzheim wird der Himmel so dunkel, das ich an einem Parkplatz die Regenkombi anziehe. Ist immerhin besser als auf dem Seitenstreifen der Autobahn, wo nebenan die Autos über die Bahn sausen. Der Regen setzt dann auch pünktlich heftig ein - in einer Baustelle, wo es nur mit Schrittgeschwindigkeit weitergeht. Die Nässe an meinen Händen erinnert mich daran, das ich vergessen habe, die Regenhandschuhe anzuziehen. Es ist aber nicht kalt, und bei dem Schritttempo wird es das auch nicht werden.

Nach einer viertel Stunde ist alles vorbei, der Regen, die Baustelle, und die Abfahrt ist auch erreicht. Es scheint, das ich mit dem Regen noch Glück gehabt habe, auf der Landstraße sind einige Abschnitte bis zehn Zentimeter hoch mit Wasser überflutet. Ich passiere diese Stellen recht langsam, kann ja den Untergrund nicht sehen. Und den Fuß möchte ich auch nicht absetzen, obwohl die Stiefel wasserdicht und auch höher wie zehn Zentimeter sind. Stellenweise erinnert mich das eher an eine Flußfurt als an eine Straße. Die Sonne lässt sich auch wieder blicken, und versucht meine Handschuhe zu trocknen.

Einige Umleitungen wollen mich partout von meiner geplanten Route abbringen, die ich aber dann mit Hilfe des GPS wiederfinde. Der Hammer ist, das ich einer Umleitung nach Balingen folge, und an der nächsten Kreuzung zeigt das Umleitungsschild genau in die Richtung, aus der ich komme, was ich aber mit einem Achselzucken ignoriere.

Um 14:00 laufe ich bei blauen Himmel, und wieder getrockneten Handschuhen, ins Camp ein. Es liegt wildromantisch direkt an der Donau, die hier eher ein Flüsschen, als ein Fluss, oder gar ein Strom, ist. Es ist auch nicht wirklich viel los auf dem Platz, das verspricht ein ruhiges Übernachten zu werden.

Nach dem Duschen fahre ich noch nach Sigmaringen, um mir Getränke und Lebensmittelvorräte anzulegen. Direkt gegenüber dem Campingplatz ist der örtliche Gasthof, auf dessen Terrasse ich mit mein verdientes Weizen und einen Schweinebraten mit Kasspatzeln einverleibe. Beides für kleines Geld. Leider hat der Gasthof am Donnerstag Ruhetag, und ich kann nur noch morgen die Küche genießen. Während ich so gemütlich vor meinem Zelt sitze, kommt ein Pärchen mit Fahrräder auf dem Platz gefahren. Was mich dann doch erstaunt; sie bauen den selben Zelttyp auf wie ich, und fangen irgendwann auch noch das Kochen an. Um mir mein Essen selber kochen zu können, ist mir der Aufwand an Gepäck zu groß, und die Radfahrer schleppen ihr Zeug auch noch bergab, und vor allem auch bergauf. Das zollt mir doch Bewunderung ab.

Die Karte für die Anfahrt

Schwarzwald und Bodensee 28.06.2006

In der Nacht werde ich durch Donnergrollen und Regentropfen geweckt. Ganz geheuer ist mir das Gewitter ja nicht. Ich liege lange wach, und zähle immer schön zwischen Blitz und Donner. Einundzwanzig, zweiundzwanzig...näher wie drei Sekunden kommt es nicht heran, was ja immerhin noch rund 1000 Meter sind.

Am Morgen ist von Gewitter und Regen nichts mehr zu sehen, allerdings hängt noch Nebel über dem Platz. Kurz nach acht hole ich frische Brötchen beim Platzwart, und genieße mein Frühstück an der Donau. Wer früh aufsteht, ist auch früh unterwegs - und zwar zum Zeppelinmuseum in Friedrichshafen am Bodensee. Klar, das ich dafür nur kleine Straßen ausgesucht habe, die im Augenblick aber noch, durch den Regen und den Nebel, nass sind. So halte ich bei Suzie noch die Zügel stramm. Zwar sind wir zwei durch den langen Winter immer zur Arbeit gefahren, haben aber keine Tour vor unserer Reise machen können. Manchmal versucht sie das Tempo anzuziehen, aber ich drücke meine Schenkel an den Tank, und halte die Zügel fest. Der Nebel liegt so dicht in den Tälern, das wir beide aussehen wie ein Spinnennetz im Morgentau. An der nächsten Wegbiegung scheint dann zum Glück wieder Sonne.

Am Bodensee sind die Straßen, wie ich es von früher kenne und befürchtet habe, sehr voll. Aus diesem Grund habe ich das Camp ca. 50 km vom See entfernt ausgesucht. Außerdem sind die Straßen vom Schwarzwald zum See richtig schön, so das es mir nichts ausmacht, diese Strecke zu fahren. Das Zeppelinmuseum, das ich mir in Friedrichshafen ansehen möchte, ist schon früh ausgeschildert und liegt zudem direkt an der Fähre zur Schweiz, die ich anschließend benutzen möchte. Für Suzie gibt es einen eigenen Motorradparkplatz, was mir die Stadt sehr sympathisch macht.

Im Museum ist, wie in den meisten, das Fotografieren leider verboten, was mich aber nicht davon abhält, es trotzdem zu machen. Da muss ich sagen, das mir die Regelung wie in Polen viel besser gefällt. Dort kann man, für ein paar Sloty, eine Photolizenz erwerben, und darf fotografieren ohne Ende. Die Idee und Realisation der fliegenden Zigarren des Grafen Zeppelin werden im Museum gut erklärt. Auch manches Detail wird anhand von Original Photos und Filmen gut erklärt. Das es, zum Beispiel beim Herausmanövrieren des Zeppelins aus dem Hangar, fast windstill sein muss. Damit das riesige Ungetüm nicht, wenn es halb aus der Halle gezogen worden ist, vom Wind erfasst wird, gegen die Halle gedrückt wird, und sich dadurch große Schäden an der Innenstruktur ergeben. Auf einem Photo sah der Zeppelin eher aus wie eine Banane, und war auch nicht mehr zu gebrauchen.

Die Motorgondel  eines Zeppeilns

Die Motor-       gondel eines Zeppelin.

Überall stehen Originalteile von Zeppelinen, wie eine Motorgondel, die auf dem Firmengelände der heutigen Zeppelinwerft gefunden worden ist. Sie wurde unrestauriert ins Museum übernommen. Es werden sowohl Inneneinrichtung als auch der Aufbau des Aluminiumgerüst nachgebildet. Auch die Geschichte einzelner Zeppeline wird wiedergegeben, z. B. der LZ 127 „Graf Zeppelin“, die auf 590 Fahrten rund 1,7 Millionen Kilometer zurücklegte.

Direkt neben dem Museum ist der Fahrkartenverkauf für die Fähre nach Romanshorn, die in dreißig Minuten ablegen soll. Bei leichtem Nieselregen stelle ich mich hinter den paar Fahrzeugen an, die rüber in die Schweiz wollen. Auch drei Motorradfahrer setzten mit mir über, zwei Österreicher sind auf dem Weg nach Hause, und einer aus dem Bayrischen Wald, der auch zu den Rheinfällen von Schaffhausen will. Er fragt mich ,ob wir nicht zusammen zu den Fällen fahren können. Eigentlich nicht mein Ding, aber die paar Kilometer bis nach Schaffhausen kann ich ihn ja ins Schlepptau nehmen. In der Schweiz fahre ich ganz nach Vorschrift, in den Orten nicht mehr wie 50 km/h und außerhalb höchstens 80 Km/h. Die Strafen in der Schweiz sollen ja ganz schön saftig sein. Auf einem Stück weiß ich nicht genau, ob ich die Ortschaft schon verlassen habe. Anstatt nach vorn auf die Straße zu gucken und die Schilder zu sehen, schaue ich mehr auf den Tacho. Der Mitfahrer nähert sich meinem Hinterrad, also kann ich wohl unbedenklich auf 80 beschleunigen. Das Wetter spielt nicht so richtig mit, immer wieder nieselt es leicht aus den tiefhängenden Wolken. Trotz dem Gezuckel auf der Landstraße kommen wir irgendwann in Schaffhausen an, und auch die Sonne hat sich einen Weg durch die Wolken gebahnt. Die Fälle sind als touristischer Höhepunkt natürlich gut ausgeschildert. Bis auf eine kleine Falle, die eingebaut ist. Ein grünes Schild weist auf die „Rheinfälle“ hin. Aber grün bedeutet Autobahn, und das kann ohne Vignette reichlich teuer werden. Rechtzeitig fällt mir der Unterschied auf, so das ich noch abbiegen kann, um auf der Landstraße weiterzufahren. Positiv sind dann die kostenlosen Motorradparkplätze am Zugang zu den Rheinfällen.

Auf der Rheinfähre

Auf der Fähre nach Romans horn, in der Schweiz.

Für etwas mehr als einen Euro können wir die Stufen zu den Fällen hinunter gehen. Mehrere Plattformen auf dem Weg nach unten hat man extra für Motorradfahrer gebaut, damit sie Gelegenheit haben, sich in der Gischt des tobenden Wassers abzukühlen. Natürlich kann man diese auch nutzen, um näher und ungefährdet an das Wasser zu kommen. Aber der Vorteil für Jackentragende Mopedfahrer ist unbestritten.

Unten, am Rheinufer, wartet ein Boot; und natürlich eine Kasse, um uns mit der Nase direkt an die Rheinfälle zu bringen. Dort ist die Gischt erst richtig heftig; ein Schweizer versucht, seine Videokamera vor dem Wasser zu schützen. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als das Ding unters Hemd zu halten. Dabei sind die Fälle heute mit 430 m³/h noch nicht einmal sehr groß. Die größte Abflussmenge soll, merkwürdige weise im Sommer, bei 1250 m³/h liegen. Der Rheinfall von Schaffhausen ist zwar nicht der größte Wasserfall, aber imposant ist es schon, diese Wassermassen vom Boot aus auf sich zuschießen zusehen. Wieder am Ufer kann ich beobachten, wie sauber der Rhein hier noch ist. Mir kommt er eher vor wie ein Gebirgsfluss, so klar ist das Wasser noch.

Schäumend fällt der Rhein wieder in sein Bett

Der Rheinfall von Schaff- hausen

Mein Begleiter und ich trennen uns jetzt wieder; er möchte noch nach Österreich, und ich durch den Schwarzwald wieder zurück zum Camp. Nach dem Duschen gehe ich zu dem Gasthof von gestern, der heute leider wegen einer Gesellschaft geschlossen hat. Also muss ich doch mit Suzie fahren, denn im Ort gibt es keine andere Möglichkeit, etwas zu essen zu bekommen. Beim nächsten Gasthof ist die Türe ebenfalls geschlossen, obwohl er laut einem Schild geöffnet sein sollte, und auch Leute drinsitzen. Auch auf mein Klingeln reagiert niemand. Erst beim nächsten Gasthof werde ich fündig, auch wenn die Speisekarte nichts besonderes hergibt.

Nachdem ich aufgegessen habe, höre ich das erste Donnergrollen, obwohl der Himmel, zumindest was man sehen kann, noch blau ist. Ich bezahle schnell und mache mich auf, um wieder zurück zum Camp zu kommen - meine Regenkombi liegt trocken im Zelt. Beim losfahren sehe ich in eine andere Richtung, und den Grund des Gewittergrollen. Hinter einem Berg liegt eine tiefschwarze Wolke. Ich beeile mich zurück zu kommen, was mir auch im trockenen gelingt.

Ich kann sogar noch den Stuhl vors Zelt stellen und lesen. Noch immer hängt die schwarze Wolke, in der es heftig am blitzen ist, hinter dem Berg. Im Radio wird von Unwetter im Schwarzwald gesprochen, von Überschwemmungen und Hagelschlag, so groß wie Taubeneier. Das kann ja dann noch was werden. Irgendwann schafft es die Wolke über den Berg, wahrscheinlich weil die Wolkenkollegen von hinten nachschieben. Dann geht es aber richtig los. Ich habe binnen Sekunden den Stuhl, Radio und mich ins Zelt verfrachtet. Ein ohrenbetäubender Lärm unter der Zeltplane. Regen prasselt nieder. Die Lautstärke und Menge der Donner wird auch stärker. Zum Glück kann ich auf meinem Stuhl im Zelt sitzen, aber die Ruhe, weiter im Buch zu lesen, habe ich nicht. Immer wieder zähle ich die Abstände zwischen Blitz und Donner, 21...22...23. Viel kürzer wird es nicht, was heißt, das der Blitz rund einen Kilometer von mir entfernt ist.

Am Kopf spüre ich es, der Regen wird härter. Es fängt an zu hageln. Jetzt wird es ungemütlich, ich muss den Kopf jetzt erheblich von der Zeltplane weghalten, sonst merke ich die Treffer. Ich habe auch keine Ahnung, wie gut ein Zelt die Hageleinschläge aushalten kann. Damit habe ich überhaupt keine Erfahrung. Aber nach zwanzig Minuten ist der ganze Spuk dann vorbei, nicht nur der Hagel hört auf, auch der Regen ist weggezogen. Zwar ist immer noch Donnergrollen zu hören, hin und wieder auch noch ein Blitz zu sehen, aber es ist trocken. Sofort kommt der ganze Platz aus den Zelten und Wohnwagen, um die Schäden zu begutachten. Es sieht aber sehr gut aus, niemand beklagt irgendwelche Beulen an den Fahrzeugen. Die Hagelkörner vor meinem Zelt sind so groß wie eine Fingerkuppe, der Campingplatz ist wohl von einem richtigen Unwetter verschont geblieben. Bis es dunkel wird, kann ich noch im aufsteigenden Nebel vor dem Zelt sitzen und lesen.

Die Karte für den ersten Tag

Schwarzwald und Bodensee

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Schwarzwald und Mulhouse 29.06.2006

Am Morgen ist es trocken, bewölkt und nebelig. In der Nacht hat es noch mal gewittert und geregnet, aber jetzt kann ich in Ruhe vor dem Zelt frühstücken, bevor es los geht. Ich möchte nach Mulhouse zum Eisenbahn Museum. Für die Hinfahrt habe ich mir die größeren Bundesstraßen ausgesucht, um dann auf der Rückfahrt durch den Schwarzwald zu cruisen.

Schon nach wenigen Kilometern, hinter dem nächsten Hügel, traut sich die Sonne durch die Wolken, und trocknet die Straßen ab. Trotzdem liegt die Regenkombi hinten im Topcase, ich weiß ja nicht, was das Wetter noch für Kapriolen schlagen will.

Das Eisenbahnmuseum, „Musèe francais du chemin de fer“, liegt in einem Industriegebiet bei Mulhouse, ist aber schon auf der Autobahn gut ausgeschildert. Mittlerweile hat die Sonne die Oberhand über die Wolken gewonnen, und ich fahre mit offener Jacke auf dem Parkplatz. Die Busse auf dem Parkplatz geben mir zu denken -  das wird wohl sehr voll sein. Aber ich habe Glück; noch bevor ich am Eingang bin, kommen die „Busladungen“ aus dem Ausgang, und streben ihre Fahrzeuge an.

An der Kasse bekomme ich einen deutschen Audioguide, der; wie man mir erläutert, an den verschiedenen Punkten von alleine anfängt zu erklären. Ich gehe durch eine Türe und sehe erst mal... nichts. Die riesige Halle ist sehr dunkel, nur hier und da etwas Licht, damit man sich orientieren kann. Erst als ich mich den Schaustücken nähere, gehen Scheinwerfer an, und der Audioguide fängt mit seinen Kommentaren an. Ich komme an einer umgekippten Dampflok vorbei. Ein Blitz, ein Knall. Es soll den Widerstand der Rèsistance während des zweiten Weltkriegs darstellen. Es werden auch Filmausschnitte auf großen Monitoren gezeigt, in denen die Sprengungen von Brücken und Bahnanlagen gezeigt werden. Die Aufnahmen stammen von alten Spielfilmen. Es ist schon beeindruckend, neben einer umgekippten Dampflok zu stehen. Mir kommt sie noch größer als ihre, auf Schienen stehenden, Schwestern.

Güteranhänger der ersten Züge in den Wintersport

Der Anfang des Wintertourismus. Mit dem Zug nach Chamonix.

Im Museum werden auch die bekannten Pullmanwagen des Orient-Express gezeigt. Man hat eine Plattform gebaut, das man von außen in die luxuriösen Wagen reinsehen kann. Es vergeht eine ganze Zeit, bis ich durch die erste Halle bin. Die zweite Halle ist ganz anders aufgebaut, sie ist hell, und die Exponate, Loks und Anhänger stehen in Reih und Glied. Im Hintergrund höre ich immer einen Donner, zuerst denke ich noch, das wäre der Knall an der umgekippten Dampflok, bis mir die Erkenntnis kommt: das ist der Donner von einem Gewitter. Ich beschleunige meine Tour durch diese Halle.

Auf dem Parkplatz steht Suzie immer noch in der Sonne, und es ist mächtig warm, aber der Donner ist immer noch zu hören. Hinter der Halle sehe ich dann die dunkelgraue Gewitterwolke. Vom Museum will ich ja wieder zum Schwarzwald fahren, und die Autobahn Richtung Deutschland ist nicht weit von hier entfernt. Also ziehe ich die Regenkombi schon jetzt an, auch wenn das in der Sonne sehr unangenehm ist. Auf der Autobahn merke ich schnell, das diese Entscheidung falsch war - das Gewitter zieht in eine andere Richtung, und bei der ersten Gelegenheit ziehe ich die Gummipelle wieder aus. Mein Weg führt mich noch ein paar Kilometer über die Autobahn am Rhein entlang, bevor ich in den Schwarzwald abbiege.

Auf Schotter durch den Schwarzwald

Unterwegs im Schwarzen Wald

Aber hier droht nun wirklich ein Gewitter. Es kommt aus Richtung Norden, genau die Fahrtrichtung, in der ich möchte. Die ersten Regentropfen erwischen mich auf einer schmalen Bergstraße, auf der ich nicht anhalten möchte. Aber die Rettung naht in Form eines Dorfes, und einem Haus mit Balkon. Ich warte den stärksten Regen ab, in der Hoffnung, das dieses Gewitter über meinen Kopf weggezogen ist. Mit angezogener Regenkombi geht es weiter, obwohl die Wolken, die ich hinter der nächsten Kurve sehe, schwarz drohend aussehen. Die Straße führt immer höher, und immer näher zu den dunklen Wolken. Unter heftigsten Regen arbeite ich mich auf eine Passhöhe von neunhundert Meter hoch. Die Blitze werden immer mehr und kommen immer näher. Meine exponierte Lage, mitten auf diesem Plateau, gefällt mir gar nicht. Auch jetzt habe ich wieder Glück, ein Schutzdach für Wanderer gibt mir Unterkunft. Leider ist dieses Dach kein Faradayscher Käfig, weil ihm ja die Wände fehlen; ich hoffe, das es besser ist, als offen mit dem Moped durchs Wetter zu fahren. Es hängen auch ein paar Infotafeln, die über das Wandergebiet informieren, an den Stützpfeiler rum. Beim Lesen zucke ich einmal zusammen, weil Blitz und Donner nur mit geringem Abstand aufeinander folgen. Es hat in der Nähe eingeschlagen. Es dauert bestimmt dreißig Minuten, bis das Gewitter abgezogen ist, und ich endlich weiter kann. Zwar regnet es immer noch, aber bei weitem nicht mehr so wie vorhin. Was mir jetzt Sorgen bereitet, sind die nassen Straßen, oder vielmehr die mit Bitumen geflickten Stellen, die spiegelglatt sind. Leider kann ich die Regenkombi bis zum Camp nicht mehr ausziehen, immer wieder fällt Wasser vom Himmel.

Der Regen hört auch auf dem Campingplatz nicht auf, also bleibt heute die Küche kalt, weil ich keine List habe, mit der Regenkombi noch ins Dorf zu fahren. Sogar das abendliche Tagebuchschreiben muss ich heute im Zelt verrichten. Hoffentlich kann ich morgen früh das Zelt im trockenen abbauen. Ich finde nichts schlimmeres, als meine ganzen Sachen im Regen einzupacken.

Die Karte für den zweiten Tag

Schwarzwald und Mulhouse

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Auf nach Tirol                 30.06.2006

In der Nacht höre ich einen Erdrutsch in der Nähe. Dem Geräusch nach zu urteilen, prallen Felsen aufeinander, und auch Bäume knicken ab. Da zwischen dem Hang und dem Camp die Donau liegt, habe ich keine Bedenken, das ich irgendwie getroffen werden kann. Nach ein paar Minuten ist der Spuk auch vorbei. Was ich zum Glück nicht höre, sind Regentropfen.

Am Morgen ist es sehr nebelig, aber es regnet nicht. Beim Abbauen des Zeltes bemerke ich, das ein Segment des Alugestänges gebrochen ist. Ich habe eine Reparaturhülse, mit der ich mir, oder vielmehr dem Gestänge, helfen kann, im Gepäck. Meine Tour soll heute nach Tirol in Österreich gehen, am Bodensee vorbei, Richtung Bregenz - als Höhepunkt, sowohl topografisch als auch fahrtechnisch, geht es über die Silvretta-Hochalpen-Straße. Mein Ziel heißt Maurach am Achensee.

Ich bin noch nicht ganz am Bodensee, als die Sonne den Kampf gegen den Nebel gewinnt, der Himmel wird immer blauer. Es macht Spaß, mit der Musik aus dem MP3-Player, den ich bei den Etappen im Ohr habe, zu fahren. Allerdings nimmt der Verkehr, wie ich das schon kenne und befürchtet habe, am Bodensee wieder extrem zu. Aber auch das geht vorbei. Es kommt die Abzweigung zur Silvretta-Straße. Zuerst noch durch Ortschaften, in denen alle paar Hundert Meter ein Blitzkasten steht, die hier in Österreich von hinten blitzen. Da sich auch die Einheimischen an den Tempobegrenzungen halten, scheint wohl wirklich erhöhte Vorsicht angebracht zu sein. Meist liegt die Geschwindigkeit zwischen sechzig und achtzig Kilometer. Ich sehe einen Backstein hinter einem Auto zu spät, und fahre mit dem Vorderrad darüber. Suzie wackelt etwas, aber sonst geht es gut.

Bei 1000 Höhenmeter fängt die eigentliche Silvretta-Straße endlich an. In dreißig Kehren geht es auf zweitausend Höhenmeter. Was mir im Schwarzwald schon aufgefallen ist, bestätigt sich hier wieder: überall fahren Radfahrer. Sei es nun mit dem Rennrad, mit dem Mountainbike, oder sogar mit Gepäck - die Pedalritter sind vor nix fies. Je höher ich komme, desto freier wird meine Nase; obwohl ich seit Beginn der Tour nichts mit der Pollenallergie zu tun habe, merke ich doch den Unterschied. Die Kühe, die hier oben frei rumlaufen, gehen, sobald sie ein Motorengeräusch hören, schön an den Fahrbahnrand. Mit Respektabstand fahre ich an den Tieren vorbei.

Wunderbare Bergwelt in Tirol

Der Lind- wurm der Silvretta- Hoch- alpen- straße

Hatte ich bei der Auffahrt logischerweise überhaupt kein Problem, an den Radfahrern vorbei zu ziehen. Immerhin hat Suzie 86 Pferde, um an der Kette zu ziehen, obwohl ich bei der Höhe schon merke, das dass Ein oder Andere der dünnen Luft zum Opfer gefallen ist. Bei der Abfahrt ist es etwas anders. Auf den Geraden natürlich auch nicht, aber in den Kehren, die wir, vollbepackt, nicht zu schnell angehen können, fahren die Rennradfahren locker innen vorbei. Ich denke, wenn die dann bei der anschließenden Geraden auch noch kräftig in die Pedale treten würden, käme ich nur mit Mühe vorbei.

Das Camp liegt eintausend Meter hoch, mitten in den Bergen. Die Dusche, die ich ausgiebig genutzt habe, macht einen guten und geräumigen Eindruck; im Gegensatz zum Camp an der Donau, wo die Kabinen doch recht eng waren. Was mir nicht so gefällt, ist der Abstand zwischen den einzelnen Zelten. Obwohl alles parzellierte Plätze, kommt es mir vor,als würde ich meinen holländischen Nachbarn in den Topf gucken können. Die Dauercamper sind noch schlechter dran, sie haben noch nicht mal richtig Platz ,um vor ihrem Vorzelt sitzen zu können, ohne dem Nachbarn unter dem Toilettenfenster zu sitzen.

Ich gehe noch ins Dorf, zum einen, um Dosenwurst zu ergänzen, als auch, um vielleicht eine Gelegenheit zu bekommen, das WM-Spiel Deutschland gegen Argentinien zu sehen. Die Dosenwurst zu bekommen ist kein Problem, nur das Spiel will man mich nicht sehen lassen. Nirgendwo hängt ein Hinweis auf die Übertragung des Spiels. Ich gehe zurück zum Campingplatz. Dort im Restaurant erlebe ich eine Überraschung. Im Hinterzimmer, das ich vorher nicht gesehen habe, steht ein Fernseher. Allerdings sitzen dort so viele Raucher, das ich kaum Luft bekomme. Dann setze ich mich doch lieber ins Restaurant, genieße mein Rehsteak und Weizenbier. Dazu höre ich die Kommentare und Torrufe der anderen Gäste. Das Spiel geht 4 : 2 nach Elfmeterschießen aus. Deutschland ist eine Runde weiter, wer hätte das gedacht.

Die Karte für den dritten Tag

Der Weg nach Tirol

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Stuibenfall, Kühtaipass, Innsbruck und Hall                     1.07.2006

Um zum Stuibenfall zu kommen, benutze ich ausnahmsweise auf einer Rundtour mal die Autobahn, so erspare ich mir den Weg durch die Innenstadt von Innsbruck. Außerdem hat die Bundesstraße hier im Inntal, parallel zur Autobahn, keine besonderen optische Reize, die es auf der Autobahn nicht auch geben würde. Außerdem habe ich das Pickerl nicht umsonst an der Scheibe kleben.

Ich bin dann aber doch froh, das ich die Autobahn verlassen kann, um mich wieder über Kehren und Kurven in die Berge zu stürzen. Dann kommt auch schon die Kreuzung, die ins Ötztal führt. Obwohl das Ötztal ja Tal heißt, geht die Straße doch nach oben. Klar sind die Berge rechts und links noch höher, deswegen heißt es ja Tal. Die Österreicher kennen sich aus. Vom Parkplatz, der für den Stuibenfall ausgeschildert ist, sollen es noch dreißig Minuten zu Fuß sein. Dazu habe ich überhaupt keine Lust, denn die Sonne scheint, und schon bei dem Gedanken ans Laufen fangen meine Schweißdrüsen mit der Produktion an. Es ist aber noch ein Behindertenparkplatz ausgeschildert, von dem es bestimmt nicht so weit ist. Der Parkplatz entpuppt sich als Aussichtspunkt auf den Fall, aber mir genügt das. Ich bin ja nicht zum Wandern hierher gekommen.

Der Kühtaipass, auch als Wintersportgebiet bekannt

Pause am Gebirgs bach.

Um vom Stuibenfall zurück nach Innsbruck zu kommen, habe ich mir eine schöne Strecke über dem Inntal rausgesucht. Sie geht hoch zum Kühtaipass, der um die zweitausend Meter hoch ist. Skifahrer werden bei dem Namen natürlich aufhorchen, es ist ein bekanntes Wintersportgebiet. Auch hier laufen die Kühe wieder frei rum. Aber was heißt hier Kühe, regelrechte Kampfkühe sind das, mit riesigen Hörner auf dem Kopf. Sie verhalten sich aber genauso wie ihre Genossinnen von der Silvretta-Straße, und gehen beiseite. Selbst die Kälber haben das schon raus. Wenn das nicht schnell genug geht, hilft Mama schon mal nach, und drückt Junior mit der Schulter an den Straßenrand. Sehr viele Motorradfahrer sind hier unterwegs, was mir schon gestern auf dem Weg zum Campingplatz aufgefallen ist. Zum einen sind Berge ein natürliches Terrain für Mopeds, und zum anderen sind in Deutschland schon die Ferien angefangen. Bin halt dieses Jahr etwas spät dran, mit meiner Tour. Ich mag schon gar nicht mehr den linken Arm zum Gruß heben, so viele kommen mir entgegen.

Der Vorteil vom Moped ist ja unbestreitbar, das man in vielen Orten direkt mit der Nase, respektive mit dem Vorderrad, parken kann, wo man hin möchte. Besonders in Städten mit erhöhtem Touristenaufkommen, wie in Innsbruck. Wo Autofahrer Kreise drehen, um einen Abstellplatz zu bekommen, stelle ich Suzie nur wenige Meter von der Fußgängerzone, welches auch die Altstadt ist, ab. Der Nachteil im Augenblick sind die über dreißig Grad Außentemperatur im Schatten, der zur Mittagszeit sehr knapp bemessen ist, und der nicht vorhandene Wind. Obwohl die Gassen der Altstadt sehr schön sind, kommen sie in der Wärme bei mir nicht so richtig an. Dann muss ich Ochse auch noch die 143 Stufen des Stadtturms raufrennen. Die Aussicht entschädigt mich ein wenig für die Anstrengung. Wieder auf dem Boden zurück, entdecke ich eine Künstlerin, die, silbern geschminkt, in einem hochgeschlossenem Kleid mitten in der Sonne steht, und bewegungslos in Posen verharrt. Die muss doch auslaufen, denke ich, der seine Jacke im Topcase hat und trotzdem schwitzt. Innsbruck ist natürlich ein typischer Touristenort, mit Busladungen von Menschen, die durch die Gassen laufen. Klar, der Handel und Restaurants existieren davon, aber leben möchte ich in einer solchen Stadt nicht. Die Innenstadt ist immer voll, und der Verkehr auch dementsprechend üppig. Das gilt natürlich nicht nur für Innsbruck, sondern alle Städte mit viel Tourismus.

Extra den Stadtturm hochgetrabt

Erstes Wahr- zeichen am Platz: Das goldene Dacherl

Mich zieht es weiter. Ziel ist die Stadt Hall mit seinem Münzmuseum. Die wenigen Kilometer dorthin sind richtig angenehm, der Wind, wenn auch warm, sorgt ein wenig für Abkühlung. Die Anfahrt zum Museum ist, durch die Ausschilderung, und den Münzturm, der schon von weitem sichtbar ist, ein Kinderspiel. Für sechs Euro bekomme ich an der Kasse eine Eintrittskarte mit einem Audioguide vorgelegt. Das Museum veranschaulicht die verschiedenen Herstellungsarten, den Jahrhunderten zugeordnet, der Münzen. Vom einfachen Stanzen der Münze mit Hammer und Stanzform, bis hin zur „Fliessbandproduktion“ einer Wasserrad angetriebenen Maschine. Auch hier darf ich wieder einen Turm besteigen, den Münzturm, der früher als Verteidigungs- und Wachturm für die Münze diente.

Münzmuseum in Hall

Auto- matie- sirte Münz-      produk-  tion. Nicht für den Euro.

Nachdem ich wieder bei Suzie stehe, muss ich mir schon sagen, das die sechs Euro für dieses, eher kleine, Museum nicht wenig sind. Ich fahre Richtung Camp, biege aber in Maurach nicht ab, sonder fahre um den Achensee nach Pertisau. Eigentlich möchte ich mir das Steinölmuseum noch ansehen, aber dort werden gerade einige Busladungen Menschen ausgeladen, die alle ins Museum wollen. Also verkneife ich mir das und rolle zurück zum Camp. Dieses Pertisau ist aber ein richtiger Touristenort, nur Hotels, Restaurants und Souvenirshops. Also der Ort steht so manchem auf Mallorca nicht nach.

Nach dem Duschen sitze ich im Restaurant, und habe wohl meine persönliche Wildwoche. Heute ist es ein Hirsch, der mir schmeckt. Klasse ist es, das das Restaurant auf dem Campingplatz ist, so kann ich beim und nach dem Essen noch ein Weizenbier, das hier frisch gezapft ist, trinken. Wie jeden Abend sitze ich dann noch vor dem Zelt, schreibe meine Notizen, oder lese noch etwas. Heute werde ich aber etwas abgelenkt. Die Holländer neben mir versuchen auf einen Minigrill irgendwelche Fleischstücke zu grillen. Ich verstehe gar nicht, wenn man mit dem Auto unterwegs ist,  das man keinen vernünftigen Grill mitnimmt. So wie meine Nachbarn zur Rechten vernünftige Stühle mitnehmen. Auf jeden fall hockt mein holländischer Nachbar vor dem Grill, und versucht mit seiner Lunge dem Grill Leben einzuhauchen. Die dünnen Bratwürstchen scheinen ihm braun genug zu sein, und bevor sie gegessen werden, legt er noch zwei Hühnerbeine auf das Rost. Damit kommt aber Leben in die Glut, ein wenig hilft auch der aufkommende Wind. Denn sobald das Fleisch an zu brutzeln anfängt, schlagen auch schon die Flammen ums Gebein. Das ist dann aber auch nichts für meinen Nachbar, er dreht das Fleisch nicht schnell genug, so das es mehr als dunkelbraun wird. Bei meinen Nachbarn zur rechten geht es auch ganz lustig zu. Es sind zwei Plätze mit jeweils zwei Pärchen aus der Gleitschirmfliegerszene. Direkt neben mir kocht ein junger Mann auf sehr beengten Verhältnissen. Der Kocher steht im Tunnelzelt und er hockt davor. Aus dem Gespräch mit seiner Freundin bekomme ich mit, das er Nudeln mit einer Sauce kocht. Die Inhaltsstoffe sind Knoblauchöl, Rotwein und diverse Kräutern. Er fragt sie, was denn die anderen kochen würden. Seine Freundin geht rüber, fragt die Köchin nebenan im Wohnmobil, die ich aber nicht sehen kann, und erfährt, das es „Mirácoli“ gibt. Als er das hört, kommt er kopfschüttelnd aus dem Zelt und kann es überhaupt nicht begreifen, das man so was kochen, und dann auch noch essen kann. Auch ich kann ein Schmunzeln nicht verbergen.

Die Karte für den vierten Tag

Kühtaipass und das Inntal

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Krimmler Wasserfälle und Swarovski                      2.07.2006

Durch die Höhe des Camps ist das Zelt selbst von innen so feucht, das ich heute Morgen erst meinte, es hätte geregnet, dabei ist der Himmel total blau. Auch Suzie gefällt die Feuchtigkeit überhaupt nicht, sie springt zwar ohne Probleme an, will aber, sobald ich das Gas wegnehme, ausgehen. Das hört nach wenigen Minuten, nachdem ich vom Camp runter bin, wieder auf. Gestern das Ötztal, heute das Zillertal. Die Namen hören sich alle an wie in einem Heimatfilm, „Kalle der Tourer vom Zillertal“, na gut lasse ich das lieber und konzentriere mich lieber auf die Straße und den Abzweig nach Fügen, zur Spieljochbahn. Mit der ich hochfahren möchte zum Schaubergwerk Öxltal. Aber beim reinen Wollen bleibt es auch, das Schaubergwerk hat, entgegen der Tirol Internetseite, erst ab 9.7.2006 geöffnet. Heute ist der 2.7.2006, also erst in sieben Tagen. Ich verzichte auf die Bergfahrt mit der Bahn und konzentriere mich auf den nächsten fahrerischen Höhepunkt. Auf zur Gerlosalpenstraße mit den Krimmler Wasserfällen. Dieses Jahr habe ich es aber auch mit den Wasserfällen. Auch die Gerlosstraße gehört zu den mautpflichtigen Straßen, aber die vier Euro sind gut in Kurven und Landschaften investiert.

Hier sind wieder Mopedfahrer ohne Ende unterwegs, ich hebe die Hand schon gar nicht mehr zum Gruß. Ist das ein Nachteil von Österreich, oder der für mich späten Reisezeit?  Gerade die Motorradgruppen, die versuchen zusammen zu bleiben, überholen manchmal nicht zimperlich und risikoreich. Ich versuch dann immer rechts zu fahren, damit ich ungehindert passiert werden kann. Am Ende der Straße liegt der Krimmler Wasserfall, und die „WasserWunderWelt“. Dort stehen am Parkplatz große Metallschränke für die Mopedfahrer, um ihre Ausrüstung einzuschließen. Denn auch hier gilt es wieder, man muss sich den Wasserfall erlaufen.

Gischt ohne Ende.

Von ganz oben. Der Krimmler Wasser-  fall

Aber zuerst gehe ich in die „WasserWunderWelt“, wobei ich feststellen muss, das die Welt eher was für Kinder ist. Ja ich weiß, auch im Mann steckt ein Kind, aber so richtig kann ich mich nicht mit den verschiedenen Spielobjekten, die natürlich immer mit Wasser zu tun hat, anfreunden. Ausgenommen ein Film, den ich alleine im Kino ansehen kann, der tolle Landschaftsaufnahmen zum Thema Wasser zeigt. Dann gehe ich doch lieber zu den Krimmler Wasserfällen Das sind die höchsten Wasserfälle Europas, sie fallen in drei Stufen über dreihundert Meter in die Tiefe. Ich begnüge mich mit der untersten Stufe, die schon imposant ist, und in einer halben Stunde erreicht werden kann. Angekommen am Wasserfall, kann ich nicht nur sehen, sondern fühle ihn- einen Teil der Milliarden von Wassertropfen, die durch die Luft wirbeln und meine Haut benetzen. Die anderen Aussichtspunkte sind nur durch eine Drei-Stunden- Wanderung zu erreichen, aber das möchte ich mir nicht antun.

Ich treibe Suzie weiter talwärts, um in Kufstein ein Nähmaschinen Museum zu besuchen. Dort hat einst der Josef Madersperger im Jahre 1810 die Nähmaschine erfunden. Eigentlich mehr durch Zufall finde ich in Kufstein das Museum, das laut der Internetseite von Tirol (ja schon wieder die) täglich von 9:00 bis 17:00 geöffnet haben soll. Die Betonung liegt auf soll, denn die Einganstüre ist verschlossen. Auch das Betätigen der Klingel veranlasst niemanden, diese zu öffnen. Also langsam fange ich an, diese Tirolseite zu verfluchen. Ich lerne daraus, das ich mir demnächst noch ein paar Alternativen raussuchen muss.

Swarovski in Wattens

Der Riese bewacht den Eingang der Kristall-    Welten

Ich setzte mich wieder auf Suzie, um weiter nach Wattens zu fahren. In Kufstein ist mir einfach die Temperatur zu hoch, um mir die Stadt noch weiter anzusehen. In Wattens warten die nächsten „Welten“ auf mich; die Swarovski Kristallwelten. Diese Ausstellung besteht aus unterirdischen Kammern rund ums Thema Kristall. Der Künstler André Heller hat einen maßgeblichen Anteil an der Gestaltung der Swarowski Kristallwelten. Mir gefallen die zum Teil mystischen Räume, wenn ich auch nicht das wirkliche künstlerische Empfinden habe, alles so zu sehen, wie es an den Infotafeln steht. Aber ich denke, das mancher Kunstkritiker das auch nicht hat. So! Im Verkaufshop, (Mohr, was ist das denn wieder für ein Wort) also im Laden steht wohl die komplette Palette von Swarowski. Allerdings übersteigen die meisten Preise mein Urlaubsbudget um ein vielfaches, außerdem wüsste ich gar nicht, was ich mit den Sachen machen sollte. So wirklich passen die nicht in meine Wohnung. Vom Parkplatz aus kann ich, im Gegensatz zu der Firma Preciosa, (siehe „Tschechien 2006“) die Werkshallen von Swarovski sehen und auch hören. Leider aber nicht besuchen. Mich hätte natürlich die Produktion, mit den Schleifereien der Kristalle, interessiert.

Am Camp ist Waschtag angesagt, erst mich, dann die Hemden. Leider hat die Sonne sich schon hinter den Bergen versteckt. Hoffentlich bekomme ich die Hemden noch mit der hereinbrechenden Feuchtigkeit trocken.

Die Karte für den fünften Tag

Zillertal und Swarovski

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Der Weg nach Wien                    3.07.2006

Schon früh am Morgen breche ich mein Zelt ab, denn heute möchte ich nach Wien fahren. Das sind immerhin so um die 470 Kilometer. Zwar alles über Autobahn, aber das muss ich doch erst mal abgefahren haben.

Über die Autobahnfahrerei ist nicht viel zu sagen, geradeaus halt, bei schönen Wetter.

Die Anfahrt nach Wien über die A21 sieht prächtig aus. Von der höherliegenden Autobahn sieht es aus, als wenn ich von oben in die Stadt einfliegen würde. Je näher ich Wien komme, desto dichter wird der Verkehr. Gut, das ich mich auf mein GPS verlassen kann, denn die Autobahn ist verschiedentlich bis zu sechs Spuren breit. Zwar habe ich die Koordinaten des Camps, aber wie die Ausfahrt heißt, weiß ich nicht, Auf der Karte sieht es aus wie ein Knäuel voller Autobahn. Bis dann doch mein Camp „Neue Donau“ auf den Autobahnschilder steht.

Nur wenige hundert Meter, nachdem ich die Autobahn verlassen habe, stehe ich schon vor der Rezeption. Ein etwas mürrischer junger Mann nimmt mir zur Sicherheit den Ausweis ab. Ich bekomme einen Plan vom Camp, und werde losgeschickt. Mein Platz erweist sich als die Zeltwiese, wo auch die Jugendlichen ihre Zelte abstellen, die aber nicht sehr voll ist. Da bin ich aber mal auf die Nacht gespannt. Immerhin möchte ich hier vier Nächte verbringen. Für morgen früh muss ich noch meinen Lebensmittelvorrat ergänzen. Ich fahre vom Platz in irgendeine Richtung. Das Camp liegt neben einem Industriegebiet, so das ich erst einige Kilometer fahren muss, bis ich in ein Wohngebiet und an einen Supermarkt komme. Leider finde ich auch kein vernünftiges Restaurant.

Also nehme ich das Abendessen in der Campimbissbude zu mir. Und was isst man in Wien? Natürlich, Wiener Schnitzel. Allerdings ist die Imbissbude nicht das Wiener Restaurant, aber das Weizenbier ist gut und günstig. Ich mache noch einen Plan für die nächsten Tage, um mein Wien Sightseeing vernünftig angehen zu lassen.

Später am Abend wird die Zeltwiese doch noch etwas voller, die allgegenwärtigen Radfahrer treffen ein. Eine Jugendgruppe kommt zu ihren Zelten zurück, sind aber recht zivil, und nicht laut. Die günstige Verkehrslage des Campingplatzes macht sich jetzt bemerkbar, die Autobahn neben meinem Zelt ist nicht leise. Auch eine Bahnstrecke in der Nähe hilft nicht, das ich besser einschlafen kann. Zum ersten Mal auf meiner  Tour werde ich von Mücken geradezu angegriffen. Obwohl ich mit Socken, Jeans und Jogging Jacke vor dem Zelt sitze, werde ich gestochen. Sogar die Socken sind kein Hindernis. Da muss morgen aber Abhilfe her.

Die Karte für den sechsten Tag

Nur nach Wien

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Wien                                           Der Turm Die Gruft Die Bücher 4.07.2006

Da muss ich mich erst noch dran gewöhnen. Nachdem die Geräusche von der Autobahn hinter meinem Kissen etwas weniger werden, fängt der Güterzugverkehr an. Am Morgen kommt es mir vor, als hätte ich überhaupt nicht geschlafen, was aber nicht sein kann, denn kaputt bin ich nicht. Auch ans Schlafen auf der Luftmatratze habe ich mich schon gewöhnt.

Ins GPS habe ich alle wichtigen touristischen und markanten Punkte von Wien eingegeben, so das es nicht schwierig ist, in die Nähe der Innenstadt zu fahren. Einzig der morgendliche Verkehr, wie in jeder Großstadt, muss ich überwinden.

Überall stehen Mopeds und Roller quer zur Fahrbahn am Straßenrand. Damit ist es nicht schwierig, einen Parkplatz zu finden. Sicherheitshalber parke ich an einer U-Bahn Station, damit ich Suzie ohne Probleme wiederfinden kann. Den Stubbenplatz schreibe ich noch in mein Notizbuch, dann kann es losgehen. Fünf Minuten später stehe ich schon vor dem Stephansdom.

Mein Besuch auf dem Südturm will erst erkämpft werden. 343 Stufen führen zur Türmerstube, das sich eher als Touristenladen entpuppt. Immerhin kann ich erfahren, das in vergangenen Jahrhunderten hier kein Andenkenverkäufer saß, sondern ein Mönch, der die Glocke alle 15 Minuten bedienen musste, damit die Wiener die Uhrzeit hatten. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts saß hier oben auch ein Feuerwehrmann, um vor Feuer zu warnen. Tagsüber mit einer Flagge, und nachts mit einer Lampe, womit er seinem Kollegen am Boden auch die Richtung anzeigte wo das Feuer ausbrach. Heute ist die Sicht leider durch ein Baugerüst sehr eingeschränkt. Aber zumindest sind die Fenster offen, damit mich der Wind ein wenig abkühlen kann. Da ich am Verkaufstand in der Türmerstube nichts erworben habe, brauche ich auch keine zusätzlichen Lasten die lange Wendeltreppe runter zu tragen. Was sich jetzt von Vorteil erweist, ist, das ich eine Jeans anhabe - und die Motorradstiefel, die jetzt im Topcase liegen, gegen bequeme Sandalen eingetauscht habe. Auch die Motorradjacke und der Helm sind bei Suzie geblieben.

Das Wappen aus Terrakottaschindeln

Das Dach des Stephan- doms.

Wieder auf dem Wiener Boden gehe ich Richtung Hofburg, um zur Michaelerkirche zu kommen. Es ist nun nicht so das ich jede Kirche in Wien besichtigen möchte, das wäre dann wahrscheinlich eine Lebensaufgabe, aber die Michaelerkirche beherbergt etwas Besonderes. Die ganze Kirche ist unterkellert und beherbergt Gruftkammern. Die Führung geht um 11:00 Uhr los. Die kleine Gruppe aus fünf Personen folgt der Dame in die Katakomben. Die Schlüssel, mit dem die Türen geöffnet werden, passen zu einer Gruft, mindestens genauso alt wie die Mumien da unten.

Ein Gruft wird nur geöffnet und erforscht, wenn es keine Verwandte der Toten mehr gibt. Noch gibt es viele weiße Flecken, die noch nicht erforscht werden dürfen auf dem Kirchengrundriss. Die reichen Adeligen, meist hohe Beamte aus der Hofburg, kauften sich eine Gruft, und ließen sich dort beerdigen. Der letzte 1783, danach wurde die Bestattung in der Kirche verboten. Leider ist es in der Gruft verboten zu fotografieren, was mich normalerweise nicht stört. Aber bei dieser kleinen Gruppe würde es sofort auffallen, wenn ich die Kamera auspacke. Der Boden, auf den wir stehen, soll ein Meter dick aus menschlichen Knochen bestehen. Leider sind die Särge und mumifizierten Leichen dem Verfall ausgesetzt, die Luftfeuchtigkeit und eine Käferart machen ihnen zu schaffen. Aus diesem Grund hat man Klimageräte aufgestellt, damit die Luftfeuchte und Temperatur sehr tief bleiben. An einigen Zinksärgen fällt auf, das diese mit Löchern übersät sind; sie stammen von den Bajonetten der russischen Soldaten im zweiten Weltkrieg, die dort verborgene Reichtümer vermuteten. Was müssen sie enttäuscht gewesen sein, das dort nur Tote ruhten. Auch Grabsteine, die schon zu Lebzeiten, und nach den Vorstellungen der hohen Herren hergestellt, wurden nach dem Ableben in der Kirche aufgestellt. Natürlich wollte ein jeder den größten und schönsten in der Kirche haben. Das musste dann dementsprechend an den Orden der Kirche bezahlt werden. Die meisten Steine zeigen den verstorbenen Adelsherrn in demütiger Haltung zu Gott. Nur bei einem Stein fällt auf, das der gute Mann ohne Familie, und in voller Rüstung, eher kampfbereit als demütig sich hat meißeln lassen. Heute wird angenommen, das den Mönchen das so nicht gepasst hat. Sie haben dann nachträglich ein Bronzekreuz rechts in die Ecke eingefügt. Außerdem fehlt der Rüstung das Suspensorium. Dort hat der Adelige wohl auch übertrieben, und die Mönche haben kurzerhand, mit Hammer und Meißel, alles entfernt. Das hat er nun davon, jetzt hat er gar nichts mehr.

Wieder aus der Michaelerkirche, merke ich den Temperaturunterschied zwischen Gruft und hier draußen um so mehr. Im Gegensatz zu den Klimageräten in der Gruft scheint über Wien die Sonne. Im Schatten der alten Häuser gehe ich zur Hofburg, in der auch die Nationalbibliothek untergebracht ist. Ich möchte mir dort kein Buch ausleihen, aber der Prunksaal mit den alten Bücher soll sehr sehenswert sein. Und weil dieser sehenswert ist, komme ich natürlich nicht ohne ein Eintrittsgeld hinein. Unten an der Kasse das Billett gekauft, dann die marmorne Treppe hinauf. Da steht auch schon, ganz standesgemäß, ein junger Mann in dunklem Anzug, um die Karte entgegen zu nehmen.

Die Nationalbibliothek

Alte Bücher und tolles Ambiente

„Keine Photos mit Blitz, und die Vitrinen gar nicht fotografieren“

Das soll kein Problem sein. Ich habe mein Stativ zwar nicht mit, aber wenn ich die Kamera irgendwo anlehne, sollte es schon gehen. Immerhin haben die kleinen Dinger heute so tolle Funktionen eingebaut, wie zum Beispiel eine lange Belichtungszeit. Da würde sogar meine alte Spiegelreflex blass werden. Ich lehne die Kamera an eine Säule an, um ein Photo des großen Saales, mit seinen alten Bücher, zu machen. Schon kommt der dunkle Anzug auf mich zugerannt:

„Sie dürfen sich nicht an den Säulen anlehnen, da leidet der Stuck drunter“.

„Aber an einer Stuhllehne wohl, oder leidet dann der Stuhl darunter”.

„Ja, das können sie machen“.

In den Vitrinen dreht sich alles um Kochbücher, aus den vergangenen Jahrhunderte. Zwar liegen dort keine Originale, aber daran kann man sehen auf welchen Bücherschatz die Bibliothek zurückgreifen kann. Es liegt auch ein ganz merkwürdiger Geruch von den alten Büchern in der Luft.

Dann ist es aber erst mal genug mit alten Bücher und Räumen, ich habe Hunger und Durst. Auf einer Terrasse mitten in der Wiener City genieße ich eine Kleinigkeit gegen den Hunger, und zwei Weizenbier gegen den Durst. Es dauert eine ganze Weile, bis ich meine müden Glieder wieder in Bewegung setzen kann. Motorradfahren ist bei weitem nicht so anstrengend wie ein Museumsbesuch nach dem anderen. Ich gehe noch mal zur Hofburg, um in die Kaiserlichen Apartments von Franz Joseph und seiner Gemahlin Elisabeth, besser bekannt als Sissi, zu gelangen.

Dort ist man aber besonders geschäftstüchtig. Um in die Privaträume des Kaiserlichen Paares zu kommen, muss ich eine Eintrittskarte für drei Museen kaufen. Die Silberkammer, mit einer Sammlung „kunstvollen Tafeldekors...zeugt von der Esskultur am kaiserlichen Hof“. Ich möchte gar nicht wissen, wie die österreichischen Kaiser gegessen haben. Das Sissimuseum, mit „dem Leben und Sterben der beliebten österreichischen Kaiserin“. Und den Kaiserlichen Apartments, wo ich ja nur hinmöchte. Das nervige ist dann nicht nur der Preis von 8,5€, sondern ich muss auch noch durch die komplette Essgeschirrsammlung des österreichischen Hofes. Und die hatten nicht nur Geschirr und Besteck für sechs Personen.

Das Sissimuseum ist zwar vom Thema auch Geschmacksache, aber es ist nicht schlecht zurecht gemacht. Und ich erwische mich dann doch, das ich vor der einen oder anderen Vitrine stehen bleibe und lese. Ich erfahre, das die Kaiserin einem Schlankheitswahn verfallen ist. Eine Marmorstatue in Originalgröße zeigt mir eine geschnürte Taille, die aber locker in ein 300 mm Rohr reinpassen würde.

Endlich bin ich dann in den Apartments des Kaiserlichen Paars, um zu erfahren, das man hier nicht fotografieren darf. Was mich aber nicht abhält, sobald ich Gelegenheit habe und die Wärter nicht so aufpassen, den Auslöser der Kamera zu benutzen. Kaiser Franz Joseph gab einmal die Woche eine Audienz für seine Untertanen, nicht die Adeligen waren geladen, sondern das gemeine Volk. Einzige Bedingung war, das man einen Smoking, oder eine Tracht seines Landes anzog. Logischerweise hatte der einfache Bürger keinen Smoking, also wurde die Tracht aus der Kommode geholt, um den Kaiser zu besuchen. Eine historische Aufnahme des Schreibtisches von Franz Joseph zeigt, das er wirklich das Bild von Sissi vor sich hatte.

Nach dem Besuch dieses Museum spüre ich langsam meine Füße. Es wird Zeit für mich zurück zur Suzie zu gehen, und den Heimweg anzutreten. Die Orientierung beim Fahren in Wien ist nicht schwierig, wenn man sich daran gewöhnt, das der Verkehr  auf dieser Seite der Donau in eine andere Richtung geht, als am gegenüberliegenden Ufer. Am Camp ist Duschen, und Hemdenwäsche angesagt.

Heute Abend steigt das Halbfinalspiel Deutschland : Italien, das ich mir nicht entgehen lassen möchte. Das Spiel wird in der Cafeteria, auf einem großen Fernseher übertragen. Eingesprüht mit dem Mückenabwehspray, das ich mir in einer Apotheke mitgebracht habe, und einer Jacke gehe ich schon frühzeitig zur Cafeteria, um mir einen vernünftigen Platz zu reservieren. Die Organisation hat noch einige Bierbänke aufgestellt, so das doch einige Leute vernünftig sitzen können. Es macht Spaß hier in Österreich, mit den verschiedensten Nationen, unter anderem auch Italiener, das Spiel zu beobachten. Leider verliert Deutschland 2 : 0. Für die Italienische Mannschaft gibt es spontan Applaus, auch von den Deutschen hier.

Das Mückenspray ist ein voller Erfolg, die Mücken machen einen Bogen um mich. Ich kann auch nach dem Spiel noch vor dem Zelt sitzen, ohne das die Viecher mich behelligen.

Die Karte für den siebten Tag

In Wien

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Wien                                           Wieder Turm und Gruft.     Dann aber Kriminalmuseum und Pathologisches Museum 5.07.2006

Der Mensch kann sich an alles gewöhnen, selbst an die Autobahn, die an meinem Kopfkissen vorbeifährt. Auch die Jugendgruppen sind recht leise, da habe ich schlimmeres befürchtet. Trotzdem ist dieser Campingplatz nicht das, was ich normalerweise gewohnt bin. Es ist ein typischer Platz, wo die Leute nur kurz übernachten. Urlaub neben der Autobahn möchte ich auch nicht machen.

Camp

Frühstück neben der Autobahn

Wie gestern ist die Autobahn wieder recht voll, aber mit Suzie ist das kein Problem. Heute habe ich einen anderen Parkplatz, weil ich nicht in die Straße reinkomme, wo ich gestern von der Hauptstraße abgebogen bin. Was soll es, ich nehme die nächste, und stehe noch näher am Stephansdom. Wenn hier auch keine U-Bahnstation ist. Ich schreibe mir nur den Namen der Straße auf, sicher ist sicher, man kann ja nie wissen.

Um dem Dom ist so früh eine ganz besondere Atmosphäre, es sind nur wenige Menschen unterwegs. Und es fehlen die Touristengruppen mit ihren Führern, die irgendwelche Sachen, seien es Schirme oder Flaggen, hochhalten. Damit auch der letzte der Gruppe weiß, wo es langgeht. Noch ist es ruhig, nur vereinzelt stellen sich die Fiaker schon auf ihre Halteplätze.

Ich gehe noch mal in den Dom hinein, sehe aber nicht ein, das ich dort schon wieder Eintritt zahlen soll, nur um in der Kirche rumzulaufen. Auch den Souvenirshop finde ich hier deplaziert. Nichtsdestotrotz fahre ich mit dem Aufzug den Nordturm hoch. Dort hängt die Pummerin. Eine 21 Tonnen schwere Glocke, die im Jahre 1711,nach dem Türkenkrieg, aus deren Kanonen gegossen worden ist. Sie läutet nur an hohen Feiertagen, zum Jahreswechsel und zu besonderen Anlässen. Und obwohl ich hier oben bin, lässt der Küster sie nicht erklingen. Von hier oben kann ich das Dach, aus buntglasierten Terrakottaschindeln, aus nächster Nähe betrachten. Und die Aussicht ist natürlich phänomenal. In der Ferne sehe ich das Riesenrad des Prater.

Von ganz oben geht es wieder ganz nach unten. Wieder eine Gruft. Diesmal nicht von kleinen Adeligen und Beamte, sondern von den ganz Großen, in die Kaisergruft. Dort liegen sie, die Kaiser, Könige und deren direkte Verwandte. Es sollen 138 Metallsärge sein, viele aus Zinn und seit 1790 aus Bronze. Die letzte Beisetzung fand 1989 statt, als der Sarg der Exkaiserin Zita unter großem Medienspektakel in den Vorraum der Franz-Josephs-Gruft gebracht wurde. Das auch Kaiser nur sterbliche Menschen sind, erzählt eine Geschichte:

Das Reich der Toten und der Schönen

Die Kaiser- gruft

Zweimal – so ist zeitgenössischen Berichten zu entnehmen – klopfte der Oberhofmeister am 30.November 1916 an die Pforte und erwiderte auf die Frage des Pater Guardian, wer Einlass begehre:

„Seine Apostolische Majestät, der Kaiser Franz Joseph“.

„Den kenne ich nicht“, sagte der Mönch jedes Mal und hielt das Tor verschlossen. Erst als der Oberhofmeister beim dritten Male sagte:

„Dein Bruder Franz Joseph, ein armer Sünder“, tat sich die Pforte auf.

Etwas merkwürdig ist es ja schon, das ich hier jeden Tag unter die Erde gehe, um irgendwelche Tote und Särge anzusehen. Angeregt wurde ich durch das Buch „Unter Wien“, das sich mit Wiens „Unterwelt“ beschäftigt.

Nachdem mich die wärmende Sonne an der Oberfläche wiederhat, fahre ich mit Suzie in eine ganz andere Ecke Wiens. Zum erstenmal verlasse ich die Innenstadt, um in einem Außenbezirk das „Wiener Kriminalmuseum“ zu besuchen. Auch hier parke ich mit etwas Abstand zum Museum, und schreibe mir den Straßennamen auf, damit ich Suzie auch wiederfinde. Das Museum beleuchtet die dunkle Seite Wiens. Es präsentiert die spektakulärsten Kriminalfälle der Stadt vom Mittelalter bis zur Gegenwart in all ihren Facetten, und deren Bekämpfung. Manchmal wird das sehr drastisch, anhand von Totenschädel erschlagener Opfer, oder einer verbrannten mumifizierten Leiche, dargestellt. Die dazugehörigen Mordwaffen sind dann auch noch zu begutachten. Auch die Geschichte des Seifensiederhauses Sperlgasse 24, in dem sich das Kriminalmuseum befindet, und bis ins Jahr 1650 zurückgeht, ist erwähnenswert. Bereits in dieser Zeit befand sich das Haus des Kantors bzw. das Gemeindehaus, also etwas ähnliches wie ein Rathaus, in der selbstverwalteten Judenstadt. 1670 wurde das Ghetto aufgelöst und die Juden mussten das Land verlassen, das Gemeindehaus ging nun in den Besitz bürgerlicher Gewerbetreibender über und war im Laufe der Jahrhunderte Seifensiederei, Ölerei, Tischlerei und ab dem 19. Jahrhundert Fleischhauerei.

Wieder aus dem Museum, auf dem Weg zu Suzie, komme ich an einer Pizzeria vorbei, und nehme die Gelegenheit wahr - schließlich ist es Mittagszeit - um meinen Magen zu füllen. Pizza heißt für mich „Pizza Frutti di Mare“, die mir hier gut geschmeckt hat. Das Bier dazu ist zwar nicht ganz stilecht, aber ein Glas Wein wäre mir zuviel, weil ich ja noch mit dem Moped zum nächsten Museum fahren möchte.

Wieder hilft mir das GPS locker und leicht über die Wiener Straßen zur Universität zu kommen. Auf dem Unigelände steht der Narrenturm, in dem sich das Pathologisch – anatomische Bundesmuseum befindet. Allerdings komme ich über eine Stunde zu früh. Irgendwie hatte ich im Kopf, das die Öffnungszeit am Nachmittag um 14 Uhr wäre, es wird aber erst um 15 Uhr geöffnet. Da es mir bei diesen Temperaturen, die locker über 30° zu warm ist, um auf der Straße zu warten, gehe ich in einem nahegelegenen Park. Im Schatten der Votivkirche fallen mir auf der Parkbank die Augen zu. Einige Male kann ich mich dagegen wehren, indem ich die Augen wieder aufreiße. Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, das es zehn Minuten nach zwei ist, also noch über fünfzig Minuten bis zur Öffnung des Narrenturm. Ich schließe die Augen. Etwa zwanzig Minuten später werde ich wach. Das ist mir auch noch nicht passiert - auf einer Parkbank einzuschlafen. Immerhin kann ich jetzt zur Uni gehen, die Öffnung des Museum steht kurz bevor.

An der Kasse des Pathologischen Museum sitzt ein junger Mann. Die Augenlider bis zur Schläfe schwarz geschminkt, diverse Ringe durchziehen Nase und Lippen, ein Student der Medizinischen Fakultät. Wenn ich mir vorstelle, das er mal Arzt wird, bin ich froh, das die Chance, in Wien mal zum Doktor zu müssen, eher gering ist.

Die Führerin, ebenfalls eine Studentin der Medizin, ermahnt uns, wenn es jemanden schlecht werden sollte, das früh genug zu melden. Die Ausstellungsstücke zeigen krankhafte Organe in Formaldehyd konserviert, sowie Wachsabdrücke von kranken Körperteilen. Das erinnert mich ein wenig an die Körperwelten Ausstellung.

Auch dieses Gebäude hat eine bewegende Vergangenheit. Im Jahre 1783 beauftragte Kaiser Joseph II den Architekt Isidore Canevale ein Irrenhaus zu bauen. Schon ein Jahr später konnten die ersten Patienten dort einziehen. Obwohl es damals eher ein Wegschließen als ein Behandeln war.

Die Karte für den achten Tag

In Wien

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Wien                                           Technisches Museum, Simmering, die Totenstadt und das Hundertwasserhaus  6.07.2006

Dies ist heute schon mein vierter Tag in Wien. Mein heutiges Programm ist nicht unbedingt Wientypisch, na ja, ein bisschen doch, aber dazu später. Mein erstes Ziel ist das „Technischen Museum“, was natürlich nicht unbedingt den normalen Wientouristen anspricht. Da ich aber im Augenblick genug von Kirchen und historischen Bauten habe, möchte ich mir wieder etwas Technik ansehen.

Ähnlich dem Deutschen Museum in München

Tech-  nisches Museum. Überall dreht und bewegt sich etwas

Ein Welt voller Dampfmaschinen, Motore und anderer Errungenschaften der Menschheit und Österreicher. Zum Glück hängt ein ausführlicher Wegweiser in der Eingangshalle, damit ich überhaupt eine Chance habe, mir die Themenbereiche auszusuchen. Das Museum ist so groß, das es unmöglich ist; in ein paar Stunden alle Themen zu besuchen, ähnlich dem Deutschen Museum in München. Zuerst gehe ich tatsächlich zu den Dampfmaschinen und Motoren Einige Exponate sind, nicht durch eigene Kraft, angetrieben, damit man sich eine Vorstellung davon machen kann, wie so eine Maschine arbeitet. Es sind auch einige Versuche zu den jeweiligen Themen aufgebaut. Man kann irgendwelche Griffe drehen, drücken, oder ziehen und sehen, was dann passiert. Sehr schön gemacht, um auch Kinder für das Museum zu interessieren. Eine Treppe führt in einen, mit blauen Licht, ausgeleuchteten Raum, aus dem auch noch Wassergeräusche zu hören sind. Das will natürlich erkundet werden. Dort unten ist eine Wasserkraftturbine in Originalgröße aufgebaut, aber so geöffnet, das ich in die Technik hineinsehen kann. Auch die Rohranschlüsse sind in Originalgröße aufgebaut. Zum erstenmal kann ich mir vorstellen, mit welcher Kraft das Wasser auf die Schaufeln einwirkt.

In der obersten Etage ist das Thema Verkehr, sei es zur Straße, Luft oder Wasser, dargestellt. Immer wieder stehen Monitore, an denen man Filme zu den Themen wählen kann.

In einem kleinen Kino sehe ich mir den Film „Mit dem Motorrad über die Wolken“ an. Er handelt von einer Motorradreise, die 1927 in die Dolomiten führt. Die Strecken, die dort mit den Straßenmotorräder gefahren wurde, würde heute nur mit Enduros bewerkstelligt werden.

Nach einigen Stunden habe ich aber genug vom Technischen Museum, ich streife noch kurz die Instrumentenabteilung mit ihren Tasteninstrumenten. Sehe mir noch die alten Hammondorgeln an, und erblicke den Traum meiner Jugend. Einen alten Moog Synthesizer, an dem man die Klänge noch anhand von vielen Knöpfen selbst erarbeiten musste, nicht so wie heute, wo man fertige Register ziehen kann. Vor 35 Jahren noch im Musikhaus Jörgensen in Düsseldorf, heute im Museum in Wien. Leider darf man auf den Instrumenten nicht spielen

Ich öffne die Ausgangstür zur Straße. Die Hitze erschlägt mich fast, das Thermometer ist weit über 30°, und meine Füße sind auch nicht mehr in der besten Verfassung. Aber die Rettung ist nah. Ein einladendes Eckbeisl, mit einer üppigen Speisekarte, lädt mich zum Verweilen ein. Eine riesige Portion Zwiebelrostbraten mit Bratkartoffeln wechselt den Besitzer.

Wien unter blauen Himmel

Wie im Süden. Sonne und Palmen in Wien

Im Schatten, jeden Windhauch erhaschend, gehe zu Suzie, die geduldig in der Sonne steht. Leider haben dadurch Helm und Jacke, die im Topcase liegen, eine dementsprechende Temperatur. Mein Programm wird jetzt wieder typisch wienerisch. Ich bin unterwegs nach Simmering – die Totenstadt, dem Zentralfriedhof. Gerade dort stellt das Wiener Bürgertum seinen Reichtum zur Schau und ahmte die alten Adelsgrüfte nach. Was mich so fasziniert, sind die Titel der Verstorbenen auf den Grabsteinen. Neben den ganzen Hofräten, und geheimen Hofräten (wieso steht das denn auf den Grabsteinen, wenn’s doch geheim ist?) gibt es auch den Schlossermeister, oder Zuckerbäckereiinhaber, oder die Damenbekleidungsverkäuferin.

Ich betrete die Dr. Karl Lueger-Gedächtniskirche, die als Friedhofskirche recht schlicht gehalten ist, und entdecke eine Treppe, die ins Untergeschoss führt. Schon wieder stehe ich in einer Gruft, unter anderem hat besagter Bürgermeister Karl Lueger hier sein Ehrengrab. Auf dem Rückweg zum Parkplatz spüre ich immer mehr, das ich ziemlich kaputt bin. Die Füße schmerzen, ich habe Durst, ich fühle mich richtig schlapp. Trotzdem fahre ich noch zum Hundertwasserhaus, das vom österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser 1968 konzipierte Haus.

Da es ein normales Wohnhaus ist, kann man es nicht innen besuchen. Draußen stehen Scharen von Touristen, auch einige Kioske nutzen die Gelegenheit, ihre Waren zu verkaufen. Klar, das ich mir auch was zu trinken kaufe. Im Haus sind 50 individuell gestaltete Wohnungen. Allerdings - wohnen möchte ich hier nicht. Es hat etwas den Anschein, als wenn das Haus immer belagert würde, so viele Menschen stehen vor den Eingängen. Richtig gut ist mir, trotz dem Getränk, immer noch nicht, also mache mich wieder vom Acker, und gehe zu Suzie, die einige Gehminuten entfernt steht. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich das GPS aus der Halterung ins Topcase gelegt habe, oder gar auf der Sattelbank habe liegen lassen. Als ich näher komme, kann ich erkennen, das es nicht in der Halterung steckt, aber auch nicht auf der Sattelbank liegt. Es ist eine große Hauptstraße, auf der Suzie steht; wenn ich das Gerät tatsächlich auf der Sattelbank liegengelassen habe, ist es sowieso weg. Ich hole die Motorradjacke aus dem Topcase, dort liegen nur noch meine Sandalen, und die Kopien der Reiseführer; auch das Wegrücken der Sandalen, die mit den Sohlen nach oben liegen, bringt mein GPS nicht zutage.

Wütend und kaputt fahre ich zum Camp zurück. Für alle Touren und Etappen habe ich auch Karten, mit den eingezeichneten Strecken, mitgenommen, so das ich ohne Probleme weiterfahren kann, einzig die abgespeicherten Tracks sind nun verloren. Ich überlege schon, ob ich das gleiche Gerät, oder ein besseres mit Kartendarstellung, kaufen sollte. Komme aber bis zum Camp zu keinem Ergebnis.

Auf dem Zeltplatz hat sich einiges getan. Ich kann mein Zelt vom Parkplatz gar nicht mehr sehen, es ist total umbaut von anderen Zelten. Beim Leeräumen des Topcase nehme ich die Sandalen in die Hand, und spüre sofort den Unterschied, die eine ist viel schwerer. Das GPS hat sich in den Riemen verfangen. Dann doch kein neues Gerät. Eine Gruppe Jugendlicher hat ihre Zelte um meines platziert, warum aber in diesem geringen Abstand, kann ich auch nicht verstehen. Aber das ist ja sowieso meine letzte Nacht auf dem Camp.

Ich habe heute Abend um 20:00 Uhr noch einen Termin. Noch zu Hause habe ich eine Führung beim Wiener Unterwelt Club angemeldet. Diese Führungen gingen bis vor einigen Jahren noch in die Unterwelt des Wienfluss, an den Drehorten des Film „Der dritte Mann“. Leider sind dort umfangreiche Bauarbeiten im Gang, so das der Club eine Ausweichführung ins Programm genommen hat.

Schon frühzeitig fahre ich los. Außer der Kamera habe ich auch mein Stativ mitgenommen, um nach der Führung vielleicht noch ein paar Nachtaufnahmen von Wien zu machen. Dreißig Minuten vor dem Beginn der Führung stehe ich am vereinbarten Treffpunkt, im Augenblick ist weder ein Führer, noch jemand der sich führen lassen möchte, zu sehen. Das ändert sich auch in den nächsten fünfundvierzig Minuten nicht. Das heiß, der Unterwelt Club hat mich versetzt. Mit Nachtaufnahmen ist jetzt natürlich auch nichts, es ist noch taghell.

Am Camp ist es noch voller geworden, das wird mit Sicherheit eine laute Nacht. Einige Leute meinen um 11:00 Uhr noch die Klampfe auspacken zu müssen, und alte Bob Dylan Songs zu interpretieren.

Na wartet, ich stehe morgen früh auf, werde dann auch nicht leise sein.

Die Karte für den neunten Tag

In Wien

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Zum Bayrischen Wald  7.07.2006

Zum einen, weil ich heute eine lange Strecke vor mir habe, und zum anderen, weil ich doch die Gitarrenspieler ein wenig ärgern möchte, stehe ich früh auf. Die lange Strecke habe ich auf jeden fall vor mir, aber mit dem Ärgern - das klappt nicht. Die Gitarrenspieler sind schon auf. Es sind zwei Pärchen, von denen eins im Auto, wohl mehr oder weniger schlecht, geschlafen hat. Deswegen das frühe Aufstehen

.Ich frühstücke etwas, aber wie immer, wenn ich auf lange Strecke gehe, eher wenig. Danach der Abbau, und das Beladen von Suzie. Beim Bezahlen wird es mir klar, es ist nicht nur das schlechteste Camp dieser Reise, sondern auch noch das teuerste. 15 € muss ich pro Tag bezahlen, im Gegensatz zu den anderen, wo nur 10 € fällig waren, und keine Autobahn an meinem Kopfkissen vorbeiführte. Das ist halt der Preis der Großstadt.

Nachdem ich auf der Autobahn den Großraum Wien verlassen habe, läuft es sehr gut. Das Wetter ist prima. Im Gegensatz zu den anderen Autobahnetappen fühle ich mich richtig gut. So könnte ich jetzt zig Stunden weiterfahren. Das alte Gefühl der langen Etappen stellt sich wieder ein, wie seinerzeit die sechzehn, achtzehn Stunden nach Zagreb bzw. in die Masuren. Das ich dieses Gefühl nicht von Beginn an hatte, liegt wohl an der Packrolle, die ich mir für die Portugalreise angeschafft hatte. Da passt zwar mehr rein, dafür ist der Durchmesser größer, und da diese unten liegt, schränkt sie die Bewegungsfreiheit beim Sitzen doch sehr ein. Woran ich mich wohl erst gewöhnen musste. Für das nächste Jahr werde ich mir wieder eine kleinere zulegen, insbesondere, weil ich die zusätzliche Größe, wenn ich mit Suzie fahre, überhaupt nicht brauche.

Schön Grün, der Rastplatz an der Autobahn

Kleine Pause an der BAB

Leider ist die Fahrt schon nach rund dreihundert Kilometer zu Ende, das heißt, zuende ist sie gar nicht, ich fahre nur von der Autobahn runter, um die letzten Kilometer auf der Landstraße zu meinem Camp in Rattenbach im Bayrischen Wald zu fahren. Der Ort hat nicht mehr Einwohner als die Straße, auf der ich in Mönchengladbach wohne, aber schon frühzeitig ist das „Perlbachcamp“ ausgeschildert. Oberhalb des Camps ist der Gasthof, an dem man sich anmelden muss. Dort bekomme ich von der Gastwirtin zur Antwort:

„Fahren sie schon mal runter, und suchen sie sich einen Platz“

Allerdings in einer Sprache, bei der ich die Ohren ganz aufmachen muss. Das Bayrisch ist mir nicht so geläufig. Ich fahre zum Platz, auf dem keine Menschenseele ist. Ein paar Wohnwagen von Dauercamper, die merkwürdigerweise heute am Freitag nicht bewohnt sind. Ansonsten ist der komplette Platz leer. Obwohl er wirklich schön, an seinem Namensgeber, dem Perlbach liegt. Einziger Nachteil ist der Untergrund, der für einen Zeltcamper nicht so ideal ist. Zumindest wenn man, wie ich mit dem Motorrad, und damit mit Minimalausrüstung unterwegs ist. Unter der dünnen Humusdecke mit dem Gras ist eine dicke Schicht Schotter. Klasse für den Wohnwagencamper, die Räder können bei Regen nicht in einen Sumpf einsinken, aber für Aluminiumhäringe besteht keine Chance, sich in den Boden treiben zu lassen. Dazu müsste ich Stahlnägel und einen Hammer haben, aber was soll ich denn noch alles mitnehmen?

Ganz schön Warm. In der Sonne mit der Mopedhose

Zelt- aufbau am Perl- bach

Ich fahre noch meine Lebensmittelvorräte auffrischen, dabei fällt mir auf, das ich vergessen habe, in Österreich mir eine Hagebuttenmarmelade mitzunehmen, die ich schon 2001 so gerne gegessen habe.

Nach dem Duschen gehe ich im Gasthof essen, wobei es abends nur eine Brotzeitkarte gibt. Aber die Gastwirtin hat noch, wie sie mir sagt, einen Schweinebraten. Allerdings würde es noch 45 Minuten dauern, bis er fertig ist, was mir nichts ausmacht, weil ich ein leckeres gezapftes Weizenbier vor mir habe, und zur Unterhaltung ein Taschenbuch. Da es ja sonst eher langweilig ist, ohne Gesprächspartner essen zu gehen. Nach dem zweiten Weizen kommt die riesige Portion des Schweinebraten, der wirklich klasse schmeckt. Danach brauche ich unbedingt noch einen Obstler.

Nachdem ich wieder vor meinem Zelt sitze, bin ich mit meiner Campingwelt wieder im Reinen. Auf diesem Platz macht, im Gegensatz zum Camp in Wien, Camping wieder Spaß. Hier habe ich keine Autobahn hinter dem Kopfkissen, sondern einen leise plätschernden Bach – welch ein Unterschied.

Die Karte für den zehnten Tag

Zum Bayrischen Wald

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Museumsdorf Bayrischer Wald und Passau                   8.07.2006

Gut ausgeschlafen krabble ich aus dem Zelt, um bei bester Laune zu frühstücken. So schön Wien war, bin ich froh, jetzt wieder Motorrad fahren zu können. Was ich nach dem Frühstück auch mache. Zuerst fahre ich über eine Bundesstraße, um schnell zum „Museumsdorf Bayrischer Wald“ zu gelangen, damit ich vor dem großen Touristenstrom dort bin. Das dieses Museumsdorf heute hier steht, ist Georg Höltl zu verdanken, den Begründer des Reiseunternehmens „Rotel Tours“. Als er 1973 das Hotel Dreiburgensee eröffnet, wird er auf die benachbarte Rothaumühle aufmerksam. Die bereits 1430 erwähnte Mühle soll einem Apartmenthaus weichen. Georg Höltl erwirbt das historisch bedeutende Gebäude und bewahrt es vor der Zerstörung. Die Mühle wird restauriert und am 24.07.1974 als „Heimatmuseum Rothaumühle“ für das Publikum geöffnet. Der Grundstein für das heutige Museumsdorf. Dies alles erfahre ich aber erst auf einer Infotafel am Ausgang des Museums. Was mich nur wunderte, das in einer Scheune ein alter Omnibus steht, mit dem Georg Höltl am Ende des Jahres 1945 schon einen Linienverkehr nach Passau eröffnete. Mir sagt der Name nichts. Nur der Hinweis auf die „Rotel Tours“, die ich im Jahr 2000 in Santiago de Compostella gesehen haben, lässt bei mir den Groschen (oder ist das heute der Cent?) klingeln.

Weit über 100 Gebäude im Museumsdorf

Die Dächer des Museums dorf

Alle Gebäude im Museum kann man unmöglich besichtigen, dann würde ich den ganzen Tag hier rumlaufen, wozu ich dann doch nicht die große Lust verspüre. Wieder interessiert mich die Technik, wo es dreht und klopft. Das Mahlwerk in der Rothaumühle sieht aus, als wenn der Müller sofort mit seiner Arbeit anfangen könnte. Es brauchen nur die Zahnräder eingelegt, und das Wehr vom Bach geöffnet zu werden, und schon würde der Mühlstein sich drehen. Auch das Hammerwerk nebenan hat sich bestimmt noch vor nicht allzu langer Zeit; wenn auch nur zu Schauzwecken; bewegt. Ich hole mir noch schnell ein paar fettige Finger am Schraubstock, bevor ich wieder zu Suzie gehe.

Wir rollen weiter nach Passau, der drei Flüsse-Stadt. Donau, Inn und Ilz fließen hier zusammen. Im Gegensatz zum Schwarzwald kann sich die Donau jetzt Fluss nennen. Pünktlich zur zwölften Stunde komme ich zum Dom, wo das Orgelkonzert noch nicht begonnen hat, und ich noch schnell eine Eintrittskarte löse. Die Kirche ist so voll, das es keinen Platz mehr auf den Bänken gibt, und ich mit ein paar Stufen vorlieb nehmen muss.

Die Orgel im barocken Dom, mit ihren 17388 Pfeifen, gilt als größte der Welt. Eigentlich sind es fünf selbständige Orgeln, die 1924 erbaut, von einem zentralen Spieltisch bedient werden. Nach dreißig Minuten ist das Konzert vorbei, und ich kann, nachdem sich die Kirche langsam leert, einige Photos machen. Die Detailfülle in diesem Dom, mit seinem verspielten barocken Baustil, ist überwältigend.

Ich verlasse das Gotteshaus, um ein wenig durch die Gassen Passaus zu laufen, was mir aber dann bei 32° im Schatten, und mit Motorradstiefel ausgerüstet, dann doch nicht so die Freude macht. Aber zumindest kann ich meinen Magen hier in der Stadt besser aufzufüllen, als draußen im Wald, wo ich wieder hinmöchte.

Ich verdrücke mich aus Passau, damit ich endlich die schönen kurvigen Landstraßen des Bayrischen Wald genießen kann. Wobei mir erst viel zu spät einfällt, das sich doch in der Nähe von Hauzenberg die Saußbachklamm befindet, die ich mir ansehen wollte. Leider bin ich schon fünfzehn Kilometer weiter, und habe nun keine Lust wieder zurück zu fahren. Im Camp wartet schon die Dusche auf mich.

An meinem Tisch von gestern sitzt heute schon jemand, was natürlich kein Problem ist, da ja genug freie Tische vorhanden sind. Aber der Gastwirt meint, ich solle mich ruhig dazu setzen. Wobei ich sagen muss, das ich arge Schwierigkeiten habe, das Bayrische zu verstehen. Das Glück ist bei mir, der Gastwirt und sein Kumpel müssen den Traktor reparieren. Und ich kann sowohl den Roman, als auch die Gulaschsuppe genießen.

Auf dem Campingplatz ist mittlerweile eine Gruppe Jugendlicher angekommen, die sich im Bettenlager, über den Sozialräumen, einquartiert hat. Eigentlich hatte ich vor, oben im Gemeinschaftsraum das WM-Spiel um den dritten Platz Deutschland gegen Portugal anzusehen, was ich mir aber jetzt verkneife. Zumindest ist der Bayrische Rundfunk so nett, das Spiel im Radio zu übertragen. Die drei Tore der deutschen Mannschaft kann ich aber auch so nicht verpassen, die Jubelschreie sind unüberhörbar.

Die Karte für den elften Tag

Museumsdorf und Passau

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Arber, Localbahnmuseum Bayrisch Eisenstein und Graphitbergwerk Kropfmühl      9.07.2006

Auf diesem ruhigen Platz habe ich wieder hervorragend geschlafen, auch über die Jugendgruppe kann ich nichts negatives sagen. Nach dem Spiel wurde es zügig ruhiger.

Heute ist mein letzter Tag im Bayrischen Wald, und die Orte, die ich anfahren möchte, sind die typischen Orte im Bayernwald. Bodenmais, den Arber, weiter nach Bayrisch Eiseinstein, Zwiesel und wie die Orte alle heißen.

Noch ist der Himmel Blau

Morgens im Bayern Wald

Weit komme ich nicht, denn die Sonne steht noch tief und die Frühnebel haben sich noch nicht ganz verzogen, was dann ein schönes Photomotiv ergibt. Auf kleinen Landsträßchen geht es durch unzählige Kurven zum großen Arber, mit 1456 Meter der höchste Berg des Bayrischen Wald. Den Höhenunterschied vom Parkplatz zum Gipfel kann man sowohl zu Fuß, als auch mit einer Gondelbahn überwinden. Es ist natürlich keine Frage wie ich das Unternehmen Gipfelbesteigung löse. Schnell ist ein Hin – und Rückfahrtticket gelöst. Unter mir kann ich verschiedene Skiabfahrten erkennen. Es sind noch die Absperrungen an den Pisten, und die Schneekanonen, die im schneelosen Winter für genügend weiße Flocken sorgen sollen, zu sehen.

Nachdem mich die Gondel an den Bergstation ausgespuckt hat, darf ich noch zwanzig Minuten auf Schuster’s Rappen den Gipfel erklimmen. Entschädigt werde ich durch eine, wenn auch etwas trübe, Aussicht auf den Bayrischen Wald. Die Bergbahn bringt mich danach wieder unbeschadet zur Talstation, wobei mir Gondeln auffallen, die nach verschiedenen Themen lackiert sind. Es gibt, ganz aktuell: die Fußballgondel, die Bundeskanzler- und Bundespräsidentengondel. Lustig fand ich die Idee, die „Gondel für Verliebte“, mit getönten Scheiben auszurüsten. Auf dem Weg zur Suzie finde ich meinen Zündschlüssel nicht in der Tasche, was mich nicht sehr beunruhigt, weil ich den Ersatzschlüssel immer mithabe. Der Schlüssel ist da, wo er hingehört, zumindest während der Fahrt - im Zündschloss.

Der Himmel nicht mehr so Blau

Auf dem Arber

Einige Kilometer und Kurven weiter ist Bayrisch Eisenstein, direkt an der tschechischen Grenze, das mit einem schönen Lokalbahnmuseum aufwarten kann.

Die Exponate sind in einem denkmalgeschützten Lokschuppen untergebracht, der vom Bayrischen Localbahn Verein unterhalten wird. Auch die Restaurierung der Loks und Anhänger liegt in der Hand des Vereines, der kaum Zuschüsse von Öffentlicher Hand bekommt. Er finanziert sich durch Spenden, und Ausfahrten mit den verschieden Lokomotiven. Ein schönes Museum, in dem man ungestört die verschiedenen Loks, nicht nur betrachten, sondern hier und da auch den Führerstand erklimmen darf. An vielen Ausstellungsstücken ist der Lebenslauf, mit verschiedenen Informationen, beigestellt. So auch an der Lok „Sepper’l“, die ihren Namen von Joseph (Sepper’l) Anton Maffei, dem Gründer und Eigentümer der Maschinenfabrik J A Maffei hat. Die Lokomotive wurde 1902 hergestellt, und im Verschiebebetrieb bis 1932 bei Maffei eingesetzt. Erst dann wurde sie verkauft, aber der Name blieb erhalten.

Manche Exponate dürfen auch betreten werden

Kalle in der Lok

Am Lokschuppen angeschlossen ist auch ein Außengelände, auf dem sowohl ein paar Loks als auch die Technik von Signalen, Weichen und der Rangierdrehscheibe zu sehen ist. Aber schon seit einiger Zeit höre ich wieder Donnergrollen, und anstatt mich um Signale und anderes zu kümmern, sehe ich zu, das ich in das nebenliegende Restaurant komme, denn es fallen schon dicke Tropfen. Die Entscheidung hätte auch nicht später fallen dürfen. Nachdem ich das Restaurant erreiche, öffnet der Himmel seine Schleusen, es fällt wie aus Eimern von oben.

Ich genieße den Leberkäse und das Spezie, wobei draußen die Welt untergeht. Ein richtiges Gebirgsgewitter zieht über mich und den anderen Gästen, die auch vor den Wassermassen geflüchtet sind, hinweg. Nach dem Leberkäse und zwei Spezies hat der Regen aufgehört, nur der Donner ist noch in der Ferne zu hören.

Während ich zum Parkplatz; auf dem Suzie steht, gehe, fällt mir ein, das ich den Helm nicht ins Topcase verfrachten konnte, sondern draußen drangehangen habe. Na hoffentlich ist das gutgegangen. Ist es natürlich nicht. Ich nehme den Helm, und drehe ihn, damit das Wasser wie aus einem Topf rauslaufen kann. Das Helmfutter ist patschnass. Mit den Händen versuche ich das Futter auszuwringen, was mir aber nicht sehr gut gelingt. Mir kostet das schon einiges an Überwindung, den nassen Helm über meinen Kopf zu stülpen. Die Jacke habe ich am Hals dicht geschlossen, damit das auslaufende Wasser nicht ins Hemd läuft.

Mit Regenhose fahre ich über die nassen Straßen weiter nach Zwiesel, um mich in einer Glasmanufaktur umzusehen. Schon wenige Kilometer später sind die Straßen staubtrocken, und auch die Sonne kommt wieder aus den Wolken hervor. In Zwiesel gehe ich in verschiedene Glasläden, auf der Suche nach einem Glasschuh, der sich als Flasche füllen lässt. Leider werde ich nicht fündig.

Ohne Regenhose kann ich weiter kreuz und quer durch den Wald, wobei sich das Aussehen der Wolken um jede Ecke ändert. Mal ist der Himmel blau, dann sehe ich wieder tiefe dunkle Wolken. Zum Glück ändert sich meine Richtung immer rechtzeitig, so das ich nicht vom Regen belästigt werde.

In Kropfmühl ist ein Graphitbergwerk zu besichtigen, wo ich kurz vor 15:00 Uhr ankomme. Im Foyer der Kasse ist bis auf die Dame an der Kasse niemand. Auf meine Frage, ob ich an einer Führung teilnehmen kann, bekomme ich zur Antwort:

„Wie viele Personen sind sie denn?“

„Eine Person, nur ich“.

„Dann muss ich den Franz mal fragen, ob er mit ihnen runtergeht. Sie sind nämlich der einzigste, der noch da ist.“

Es ist nicht so mein Ding, solche Führungen alleine mitzumachen. Aber ich habe keine Chance, das Foyer zu verlassen, wir sind schon unterwegs, um Franz nach seiner Meinung zu fragen.

„Klar“ meint Franz, der gerade mit einer vierköpfigen Familie aus dem Bergwerk kommt „wenn sie extra gekommen sind, gehen wir auch runter“.

Ich versuche abzuwiegeln, das es doch nicht nötig ist, nur wegen mir noch mal in den Stollen zu gehen.

Ich werde von Franz, der als Rentner aus Hobby diese Führungen leitet, in ein Kino geführt. Dort gibt es einen Werbefilm über die „Graphit Kropfmühl“. Bislang dachte ich, das Graphit nur für Bleistifte und Batterien benutzt wird, muss mich aber eines besseren belehren lassen. An Suzies Bremsbeläge wird auch Graphit verarbeitet. Im Film wird der Betrieb in den höchsten Tönen gelobt, was Produktion und Gewinnzahlen angeht. Auch die Hoffnung auf die Technologie der Brennstoffzelle, wo der Rohstoff Graphit eine wichtige Rolle spielen wird, kommt deutlich heraus.

Dann geht es endlich in den Berg, das heißt, vorher noch Helm und Umhang angezogen. Treppen führen uns nach unten, und an verschiedenen Punkten gibt der Rentner Franz seine Erklärungen. Ich merke deutlich, wann er seinen einstudierten Text rezitiert, und wann er aus seiner Erfahrung als Bergmann erzählt. In einem Bereich ist die Stollendecke mit Holz abgestützt. Durch meine Besuche in verschiedenen Bergwerken habe ich gelernt, das es in einem Stollen, der im Fels gehauen wurde, keinen Ausbau geben muss.

„Warum ist denn der Stollen mit Stempel ausgebaut?“ frage ich Franz.

„Och, das ist nur für die Touristen, damit hier an der Stelle was zu sehen ist“. Au Mann, werde ich nicht als Tourist eingestuft? Kurz bevor wir wieder an der Erdoberfläche sind, erzählt Franz noch, das die Graphitproduktion im Augenblick ruht. Es ist genug auf Halde, und der Verkauf stagniert. Seine noch aktiven Kollegen hoffen auf die Brennstoffzelle. Dann würde wieder viel Graphit gebraucht werden. Also doch nicht alles eitler Sonnenschein, wie es im Film dargestellt worden ist. Ich bedanke mich noch bei Franz, und sehe zu, das ich weiterkomme.

Jetzt hat es sich mit Blau. Der Himmel öffnet die Phorten

Vom Regen erwischt

Die schwarzen Wolken kreisen immer noch am Himmel. Und es kommt, was kommen muss - sie öffnen wieder ihre Schleusen. Zum Glück ist ein Bushäuschen, mit einer trockenen Bank, nicht weit. Nach einer viertel Stunde ist alles vorbei, die Wolken sind weg, und die Sonne lässt die Straßen in windes- eile dampfend trocknen.

Auf dem Weg zum Camp liegt noch die Ruine Weißenstein. Da es aber schon nach 17:00 Uhr ist, stehe ich nur vor dem geschlossenen Tor. Also weiter zum Camp, wo ich erst weit nach 19:00 Uhr einlaufe, und sofort unter die Dusche springe. Offiziell hat die Küche da schon längst geschlossen, aber zumindest ein Bierchen werde ich mir noch genehmigen. Notfalls kann ich mir auch aus den eigenen Vorräte ein kaltes Abendessen zaubern.

Ein Tisch ist besetzt, an dem der Gastwirt mit einigen Leuten sitzt. Als ich mich an einem anderen Tisch setzen möchte, steht er schon auf und sagt:

„Du willst dich doch nicht allein dort hinhocken“, jedenfalls ist es das, was ich vermute, was er gesagt hat. Ich verstehe nämlich kaum ein Wort, nur daraus das er aufsteht, und mit der Hand eine einladende Geste macht, schließe ich, das ich mich daneben setzen soll. Jetzt sitzen fünf Leute an dem Tisch. Am besten kann ich eine Münchnerin, die ihren Bruder besucht, verstehen. Den Bruder, der wohl krankheitsbedingt stark nuschelt, verstehe ich gar nicht. Irgendwann fragt mich der Gastwirt, ob ich was zu Essen haben möchte, was ich bejahe.

„Magst a Sulzen?“

Ohne richtig zu wissen, was das ist, sage ich mal ja, und bekomme einen Teller mit säuerlichem in Aspik eingelegtem Fleisch. So richtig mein Lieblingsgericht kann das nicht werden, aber zumindest ist mein Bauch gefüllt. Ich verabschiede mich auch schon bald von der Gruppe, denn morgen fahre ich nach Dresden, wo ich mich mit Inge treffe, und meine eigentliche Motorradtour endet

Die Karte für den zwölften Tag

Durch den Bayrischen Wald

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