Zum Schwalbenflieger

Post für mich

Letzte Bearbeitung:               02.02.2011

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Portugal 2005

Portuguése

2005

Primeira dia

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   Am Morgen, kurz nach 4:00 Uhr, stehe ich mit dem Auto am GAT - ein völlig neuer Beginn meiner Mopedreise. Ich gehe zur Abflugebene B des Düsseldorfer Flughafens, wobei mich ein merkwürdiges Gefühl beschleicht. Diesen Weg gehe ich normalerweise zum Urlaubsbeginn immer mit Inge; leider sollte es dieses Jahr nicht sein, so das ich alleine unterwegs bin.

   Das Gepäck habe ich gestern abend beim Late-Night-Check-In abgegeben; das erspart mir die lange Schlange vor dem Schalter. Ich schaue gerade auf dem Monitor, von welchem Gate der LTU-Flug abgehen soll, als eine Durchsage ertönt,  ...das alle Fluggäste, die eine Bordkarte haben, unverzüglich durch den Sicherheitscheck gehen sollen.

   Wahrscheinlich wegen der vielen Flüge, die zwischen 6:00 und 6:10 Uhr abgehen sollen. Ich zähle fünfzehn, die auf dem Monitor stehen.

   Vor mir am Sicherheitscheck ist jemand, der noch nie geflogen ist -  jedenfalls nicht nach 9/11. Im Handgepäck hat er ein Schweizer Taschenmesser, das er natürlich nicht mit in den Flieger nehmen darf.

   „Man kann das Messer ja in den Koffer legen.“

Meint er gutgläubig. Klar, ist ja auch ganz einfach, einen Koffer auf dem Gepäckwagen zu finden, der zum Flieger unterwegs ist. Der gute Mann darf noch mal zurück, um das Messer irgendwo zu deponieren.

   Bei mir werden die Stiefel bemängelt, das Handgerät des Sicherheitsmann pfeift beim linken und beim rechten. Also ausziehen und durch den Scanner, wo die Taschen und Jacken durchmüssen. Er lässt sich die Zeit mir zu erklären, wo das Metall drinsteckt.

   „Sehen Sie die weißen Stellen an der Ferse und im Bereich des Schienbeins. Das sind die Bleche, die vorhin den Handscanner zum Pfeifen brachten.“ Ist halt ein Qualitäts-Produkt, der Stiefel.

   Der Flug ist, bis auf ein paar Turbulenzen, in denen auch die Anschnallzeichen eingeschaltet werden, langweilig. Eigentlich würde ich gerne die Augen ein wenig zumachen, habe aber Angst, das ich dann anfange zu schnarchen. Also vertiefe ich mich in mein „Fliegermagazin“.

   In Faro, am Gepäckband, sehe ich hinter der Glasscheibe jemand, der aussieht wie ein Mopedfahrer, und auf jemand wartet. Nachdem ich meinen Gepäcksack auf den Kofferwagen gelegt habe, gehe ich in die Vorhalle des Airport, wo dieser Mensch, mit einem Schild mit meinem Namen schon auf mich wartet.

   Draußen vor dem Flughafengebäude erledigen wir schnell die Formalitäten, und gehen dann zum Moped, das auf einem gesonderten Motorradparkplatz steht. Eine 650er Yamaha Einzylinder Enduro. Eine kurze Einweisung, aber was gibt es da einzuweisen, außer das Yami einen manuellen Benzinhahn mit Reservestellung hat.

   Ein Problem, was sich ergibt, ist der Tank. Genaugenommen, die Tankform, die bei einer Enduro anders ist, wie bei meiner GSX. Im Klartext bedeutet das, das ich die Tanktasche nicht darauf befestigen kann.

   Schnell ist meine Gepäckrolle mit den mitgebrachten Gurten auf der Soziusbank befestigt. Da die Tanktasche nicht vor mir liegt, sondern noch in der Gepäckrolle sein muss, habe ich weder Karten noch GPS, das ich auf der ersten Fahrt eigentlich ins Kartenfach schieben wollte, zur Verfügung. Zum Glück kenne ich mich ja hier ein bisschen aus, so das ich die erste grobe Richtung ohne deren Hilfe finde.

   Einzig das Wetter sieht nicht so berauschend aus, schwere dunkle Wolken fliegen über Faro hinweg. Yami und ich gewöhnen uns schnell aneinander, obwohl sie etwas windempfindlicher ist wie meine GSX. Ist ja auch um einiges leichter.

   Nach fünfzig Kilometer fallen die ersten Tropfen. Da ich noch mit der Jeans unterwegs bin, halte ich sofort an, um mir die Regenkombi anzuziehen, die in der Tanktasche eingepackt ist. Außerdem ist es, seit es hügeliger geworden ist, empfindlich kälter geworden, so das es mir durch die Kombi auch wärmer wird. Hinter der nächsten Hügelkuppe geht der Regen richtig los, es schüttet wie aus Eimern. Und keine Möglichkeit gefahrlos anzuhalten - hätte ich die Regenkombi nicht schon an, wäre ich jetzt nass wie ein Pudel.

   Der Regen hält, mal mehr, mal weniger, bis Grandola, meinem ersten Etappenziel. Jetzt kommt das Problem, eine Unterkunft zu finden. Für mich etwas neu, da ich auf meinen Reisen, die ich bisher unternahm, immer auf Campingplätze übernachtet habe. Diese sind meistens gut ausgeschildert.

   Ich kreuze ein paar Mal durch den Ortskern ohne großen Erfolg, einzig eine Infotafel, auf der auch verschiedene Hotels und Pensionen aufgeführt sind, finde ich. Aber was nutzen mir diese Straßennamen. Da hilft nur weitersuchen.

   Das Problem ist, ich muss schauen, ob ich ein Schild sehe mit „Pensâo“ oder „Hotel“, gleichzeitig sollte ich aber auch den Verkehr mit einem Auge beobachten, ganz zu schweigen vom Zustand der Straße. Das bedarf noch etwas Übung.

   Im Augenwinkel sehe ich so etwas wie „Residen...“, Verkehr, Rückspiegel, Bremsen, Drehen, fast gleichzeitig. „Residencial“ steht dort.

   „I need a room for three nights.“

   Die Augen der Frau hinter der Rezeption werden größer. Ich fühle mich unverstanden. Zum Glück kommt aus einer Ecke jemand, der etwas Englisch spricht. Sie haben ein Zimmer für mich; schnell habe ich abgeladen, und stehe unter der Dusche.

   Am späten Nachmittag, beim Bummel durchs Städtchen, scheint wieder die Sonne, und der Himmel ist blau. Langsam spüre ich meine Magen, und suche ein Restaurant. Die Portugiesen essen wohl immer spät zu Abend, denn das Restaurant, das ich gefunden habe, hat jetzt, gegen 18:00 Uhr gerade erst geöffnet.

 Wieder kann niemand Englisch; ich habe mich aber im Hotelzimmer, mittels dem Langenscheidt, den ich von Inge habe, vorbereitet. In der Kühltheke liegen nur Fische, was natürlich kein Problem für mich ist, da ich ja gerne Fisch esse. Was mir zudenken gibt, ist eher die horrende Summe, die mich hinterher erwartet. Ach, was soll es.

  Ich zeige auf einen Fisch in der Theke, meine er hätte mir zugeblinzelt.     Auf eine Frage des Maitre, die ich nicht verstehe, antworte ich mit einer Gegenfrage.

   „Entradas? Si.“ Das wäre geklärt.

   “Cerveja, Vinho?“ >Bier, Wein?< werde ich gefragt.

   „Vinho Verde faz favor, Meio Litro.” >Grünen Wein bitte, einen halben Liter<

   Ich bekomme eine Antwort, die ich nicht verstehe, also sage ich brav „Si“. Meine Vermutung ist richtig, er serviert nur Flaschenweine. Ach was kostet die Welt, man lebt nur einmal. Außerdem hat der Vinho Verde keinen hohen Alkoholgehalt, so das ich nicht mit einem dicken Kopf rechnen muss. Wenn das heute zu teuer wird, kann ich morgen immer noch in einer Imbissbude essen gehen, um zu sparen.

   Das Essen ist klasse, eine Dorade vom Holzkohlengrill, mit Salat, Salzkartoffeln, Brokkoli, alles super gewürzt. Dazu die Flasche Wein und die Entradas, das alles für kleines Geld. Von wegen morgen Imbissbude.

Die Karte zum 1. Tag

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Blick aus dem Fenster der Reseidencial

Der Blick aus dem Fenster der Residencial

Segundo dia

   Es ist richtig ungewohnt, ein Frühstück mit Tee, Wurst, Käse und allem drum und dran zu bekommen. Es hat schon gewisse Vorteile, in einem Hotel zu übernachten, wobei mir das abends vor dem Zelt sitzen doch etwas fehlt.

   Die Frage der Dame von der Küche, welches Getränk ich haben möchte; denke zumindest, das es diese Frage war -  konnte ich dank dem Langenscheidt sicher mit „Cha“ (Tee) beantworten. Wenn das so weiter geht, lerne ich hier noch Portugiesisch. Obwohl mir meine Mutter beigebracht hat, in ganzen Sätzen zu antworten, muss ich hier von dieser Regel abweichen.

   Der Tankrucksack hat seinen Platz, von Gurten gehalten, hinten auf der Sattelbank gefunden. Ich bin mir nicht sicher, ob die Regensachen heute eine Verwendung finden, die Wolken geben alles her. In jedem Fall ist es nicht sehr warm, so das ich die Jogginghose unter meine Motorradhose angezogen habe, und die Winterhandschuhe über die Finger.

   Die Yamaha ist immer noch etwas ungewohnt, sowohl die Sitzposition, als auch verschiedene Bedienelemente. Der Choke zum Beispiel sitzt, anders als bei meine Suzie, unter dem Tank. Sofort, nach dem Druck auf dem Anlasser, nimmt der Einzylinder seine Arbeit auf. Der Dreh am Gasgriff wird bereitwillig umgesetzt, zumindest die ersten paar hundert Meter.

   Ein bisschen Stottern, dann versagt der Kolben seine Arbeit. Oh, denke ich, abgesoffen? Ich schiebe den Choke wieder zurück, und drücke auf den Anlasser. Nichts, das Biest springt nicht an. Klasse, denke ich, stehe mitten in Portugal mit einem abgesoffenen Motor und orgel die Batterie leer. Ich probiere es noch mal, diesmal nach der alten Regel, bei einem abgesoffenen Motor immer Vollgas geben.

   Aber es hilft nichts, der Einzylinder nimmt seinen Dienst nicht auf. Vielleicht soll ich es doch noch einmal mit Choke probieren? Die Hand geht unter dem Tank, auf die Suche nach dem Choke, findet aber den Benzinhahn. Benzinhahn?

   Seit Jahren habe ich keinen Benzinhahn mehr geschlossen; meine Suzie hat keinen; ebenso wenig einen geöffnet. Genauso wie den von der Yamaha, den ich wohl gestern geschlossen habe, aber vorhin, vor dem Losfahren, nicht geöffnet habe. Mit offenen Benzinhahn springt Yami sofort an. Ich muss mich halt umstellen.

   Die Strecke, die ich ausgesucht habe, ist schön, vorbei an Korkeichenwälder, und Gebieten mit Oliveiras (Olivenbäume). Die Straßen haben unterschiedliche Qualitäten, manchmal richtige Schnellstraßen, mit einem Standstreifen auf der Seite.

   Wie immer finde ich ja die schmalen Sträßchen schöner, besonders mit dem Offroadfahrwerk der Enduro. Wo die Korkeichen bis an den Fahrbahnrand stehen, ist Vorsicht angesagt. Die Wurzeln haben die Fahrbahn an vielen Stellen schon mal um dreißig Zentimeter angehoben, und das quer zur Fahrtrichtung. Solange kein Gegenverkehr kommt, halte ich mich mehr in der Mitte der Straße auf.

.  An meinem ersten Etappenziel heute, Campo Maior, soll es eine Knochenkapelle, wie des öfteren in Portugal, geben. Ein Hinweisschild führt mich zu einer Igreja (Kirche). Drei Frauen schmücken den Altarraum; morgen ist Karfreitag, aber von einer „Capela dos Ossos“ ist nichts zu sehen. Ich gehe wieder aus der Kirche, um eine Runde um’s Karree zugehen, vielleicht findet sich ja irgendwo noch ein Hinweis. Ohne Erfolg komme ich wieder zum Eingang der Kirche, wo mir die drei Frauen mit ihrem restlichen Blumenschmuck entgegen kommen.

   „Bom dia. Capela dos Ossos?” Meine Frage wird verstanden, die Damen zeigen auf ein kleines Gebäude neben der Kirche.

   „Aberto?“

   „Nao.“

   „Obrigado.“

   Da kann ich wohl nichts machen. Wahrscheinlich kann man beim Küster der Kirche schellen, der einem dann die Kapelle aufschließt. Das will ich mir und dem Mann nicht antun. Durch ein Fenster kann ich zwar reinschauen, werde aber nur von einem Schädel, der innen auf der Fensterbank liegt, missmutig angeschaut.

   Ich fahre weiter nach Elvas. Auch so ein herrlich altes Gemäuer, mit einem Kastell und einem gut erhaltenen Aquädukt. Beim Altstadtlaufen, besonders wenn die kleinen Gassen aufwärts gehen, merke ich die Jogginghose untendrunter ganz erheblich. Ich fange an zu dampfen. Das Klettern auf dem Kastell ist da schon etwas besser, oben auf der Festungsmauer geht ein erfrischender Wind.

   Bei der Weiterfahrt durch das portugiesische Marmorgebiet sehe ich eine Möglichkeit, die geteerte Straße zu verlassen. Erstens um ein wenig offroad zu genießen, zweitens, um mich meines Unterkleides zu entledigen. Nach wenigen Kilometern drehe ich Yami aber wieder, ich weiß ja nicht, wo dieser Weg hingeht

Marmorbruch

   Dann komme ich endlich auch an einen Marmorsteinbruch vorbei, obwohl ich während der Fahrt kaum einen Blick darauf werfen kann. Durch die Transportfahrzeuge ist die Straße mit Sand verschmutzt, und man muss höllisch aufpassen, das einem nicht das Vorderrad wegrutscht.

Infobox: Elvas Aquädukt

Infobox: Marmor

Infobox: Kork

Die Karte zum 2. Tag

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Terceiro dia

   Bei dieser Reise habe ich es mir angewöhnt, das mein erster Blick nach dem Aufstehen aus dem Fenster geht, um den Himmel zu begutachten. Dieser Himmel heute morgen kann alles bedeuten -  von Sonnenschein bis Wolkenbruch ist da alles drin. Jetzt, wo ich auf der Yamaha sitze, sieht es etwas besser aus, so das ich ohne Regenkombi unterwegs bin.

   Die Strecke nach Evora ist ja die gleiche wie gestern, bietet also nichts Neues. Nur das eine dunkle Wolke, die von Westen angeschlichen kommt und meinen Weg kreuzt, sich genau über mich entleert. Aber fünf Minuten unter einen Baum reichen aus, um dem Regen zu entgehen. In Evora markiere ich den Standort des Moped erst mal ins GPS, man weiß ja nie.

   Mit einem kleinen Stadtplan aus dem Reiseführer wandere ich durch die Gassen der Stadt. Trotz Karfreitag haben alle Geschäfte geöffnet, und ich kann in die örtliche Markthalle gehen. Wo dann leider nur wenige Verkaufsstände sind, und noch weniger Kunden, die das Angebot prüfen. Da bleibt meine erhoffte Marktatmosphäre auf der Strecke.

   Nur wenige Schritte von der Markhalle steht die Igreja Sao Francisco, die wie die Kirche gestern in Campo Maior auch eine Knochenkapelle haben soll. Heute habe ich mehr Glück, schon in der Kirche steht ein Hinweis zu Kapelle, und nach einem kleinen Eintritt stehe ich in der „Capela dos Ossos“.

Marktplatz von Evora

   Nach diesem doch etwas makaberen Ort ist die sonnenüberflutete Geschäftsstraße der richtige Gegensatz. Auf dem Weg zu einem römischen Tempel komme ich an der Kathedrale von Evora vorbei, die eher an eine Festung erinnert als an ein Gotteshaus. Obwohl ich nicht vorhatte, jede Kirche hier im Ort zu besichtigen, zieht mich dieses alte Gemäuer ungemein an. Es kann nicht nur der Kirchenraum besichtigt werden, sondern auch ein Museum mit sakraler Kunst, die für mich nicht so interessant sind. Das mag auch daran liegen, das alle Erklärungen in portugiesisch sind. Was aber für mich bemerkenswert ist, sind die Gänge, Wege und Treppen zu den Museumsräumen. Man bekommt einen Überblick (das heißt, eigentlich verliere ich ihn recht schnell) über die Menge der Nebenräume der Kirche. Dazu kommt noch, das ja viele Türen für die Besucher verschlossen sind. Das Ganze erinnert mich eher an einen Irrgarten, als an eine Kirche. Von einem Autor wird in solchen Räumen der Stoff für einen spannenden Roman gefunden.

   Meinen Helm und den Rucksack habe ich an der Kasse abgeben können, so das ich die Jacke nur lose über die Schultern hängen habe, und hier noch Gelegenheit habe, etwas abzukühlen. „Jetzt bräuchte ich nur noch eine stille Ecke in der Kirche zu finden, um meine Jogginghose ausziehen zu können“ denke ich so, und schon erspähe ich ein WC.

   Der römische Tempel, der nicht weit von der Kathedrale steht, ist nach allgemeiner Ansicht, der Göttin Diana geweiht; besteht nur noch aus ein paar Säulen. Na ja, ist ja auch schon recht alt, das Teil.

   Mein letztes Ziel in der Stadt ist die Universität, nicht das ich in Portugal das Studieren anfangen möchte; glaube auch, die würden mich gar nicht nehmen; nein, im Eingangsbereich sollen wunderschöne Azulejos zu bewundern sein. Leider stehe ich vor verschlossenen Türen, am Karfreitag wird wohl nicht studiert.

   Der Weg zum Moped ist auch ohne GPS leicht gefunden, denn ich möchte meine heutige Rundfahrt fortsetzen. Zu den Megalithstätten, die in der Nähe von Evora liegen, komme ich nur über kleine Sträßchen und Schotterwege. Im Reiseführer steht: „Die Zufahrtstraße sind oft nur Pfade“, das springt mir natürlich ins Auge.

   Die Straße wird sehr schmal; aber was heißt hier Straße: der geteerte Weg, den zwei Autos nicht zusammen passieren könnten. Der Hinweis zu den „Dolmen von Zambujeiro“ lässt mich den geteerten Weg verlassen. Für Autos ist die Schotterpiste nach wenigen hundert Meter zu Ende, für mich fängt der Spaß jetzt erst an.

   Der Weg ähnelt eher einem Pfad, als ich die Dolmen in einiger Entfernung sehe. Zwischen mir und den Steinen ,wo ich hinmöchte, fließt noch ein Bach, den ich durchqueren muss. Ist schon klasse, da sammle ich meine ersten Offroaderfahrungen, und habe es dann direkt mit einer „Flussdurchfahrt“ zu tun.

Meine Flußdurchfahrt

   Ja gut, es ist nur ein Bach, aber immerhin so breit, das beide Räder gleichzeitig im Wasser sind. Im „Tourenfahrer“ habe ich gelesen, das die richtige Geschwindigkeit alles ist. Was ist die richtige Geschwindigkeit? Nicht zu schnell, aber auch nicht im Wasser stehen bleiben. Einmal wegen der nassen Füße, außerdem kann das Bachbett, mit Sand aufgefüllt, sehr weich sein.

Also Augen zu und ....., so geht’s natürlich auch nicht. Erster Gang mit wenig Gas das Ufer runter, und sobald das Vorderrad im Wasser ist, etwas mehr Gas. An ein paar Steinen vorbeizwirbeln, nicht vergessen mehr Gas zu geben, das Vorderrad hat Uferböschung erreicht, und will nach oben. Ich bin begeistert von meiner Offroadeinlage. Die Dolmen dagegen sind nicht so besonders, der Rückweg dafür umso mehr.

Die „Grutas do Escoural, (Höhlen von Escoural) mit 15000 Jahre alte Malereien möchte ich mir als nächstes ansehen. Am Tor, das den Zugang zum Gelände vor der Höhle versperrt, steht zwar zweisprachig Aberto/Open, aber trotz vehementem Drücken bekomme ich es nicht auf. Bin schon dabei zu gehen, als von oben jemand ruft, und mir andeutet, das Tor zu ziehen. Ähmm, kann man auch. Während ich zur Hütte gehe, wo anscheinend die Kasse ist, kommen noch einige Autos auf dem Parkplatz. Deren Besatzungen haben aber das gleiche Problem mit dem Tor wie ich. Ich bin der einzige Ausländer, und bekomme so eine Privatführung in englischer Sprache durch die kleine Höhle, die 1963 bei Sprengarbeiten für einen Marmorbruch entdeckt wurde. Das bemerkenswerteste sind die Höhlenmalereien aus Holzkohle. Leider durfte ich dort keine Photos machen.

Infobox: Capela dos Osos

Infobox: Azulejos

Die Karte zum 3. Tag

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Quarto dia

   Das werden wohl anstrengende Kilometer. Für die Fahrt in den Norden Portugals habe ich mir Schnellstraßen und Autobahnen ausgesucht, immerhin möchte ich heute etwa 500 Kilometer weit fahren.

   Leider verfügt Yami über keine Scheibe, hinter der ich mich verstecken kann, so das Geschwindigkeiten über einhundert km/h wohl sehr anstrengend werden. Auf portugiesischen Autobahnen sind 120 Km/h erlaubt, die ich auch genau einhalte. Ich will ja nicht die Polizei auf den Plan rufen.

   Das Wetter ist heute wieder mal sehr durchwachsen. Es hängen tiefe Wolken, aus denen es jeden Moment regnen könnte, über meinem Kopf. Auch der Wind bläst sehr kräftig, zum Glück aus Süd-West, das heißt, ich habe ihn im Rücken. Wenn die Bahn über eine hohe Brücke geht, merke ich, wie windanfällig wir sind. Obwohl vor mir immer dunkle Wolken herfliegen, sehe ich im Rückspiegel den blauen Himmel.

   Die ersten dreißig Kilometer Autobahn, in Richtung Lissabon, sind mautpflichtig, dafür zahle ich fünf Euro. Circa vierzig Kilometer vor Lissabon wechsle ich die Bahn, in Richtung Porto. Diese führt mich bis nach Guarda, wo die Bahn endet. Das sind etwa 210 Kilometer, die keinen Cent kosten.

   Ab Guarda kann ich noch eine zeitlang einer gutausgebauten Schnellstraße folgen, die ich aber irgendwann verlassen muss, um zu meinem Etappenziel Vila Nova de Foz zu gelangen. Auf der Landstraße höre ich ein bekanntes, aber unschönes Geräusch, die Kette springt über das Kettenrad, es wird Zeit, die Kette zu spannen. Bei Drehzahlen zwischen 2500 und 3500 min/1 ist es besonders schlimm.

   Es wird immer ärger, je länger ich auf der Landstraße unterwegs bin. Ich sehe ein Hinweisschild, auf dem auch ein Bett aufgemalt ist, zu einem Ort namens Trancoso. Die fünfundzwanzig Kilometer bis Vila Nova spare ich mir. Außerdem weiß ich nicht, ob und wo sich dort eine Pension befinden soll.

   Bei der Auffahrt - die Straße geht ständig nach oben -  nach Trancoso sind meine Gedanken wieder bei der Kette. Die bei dieser Serpentinenstraße mächtig über’s Kettenrad springt. Um diese zu spannen, brauche ich einen Schlüssel mit Schlüsselweite 19 mm. Im Flieger konnte ich ja, aus Gewichtsgründen, keinen ganzen Werkzeugsatz mitnehmen, so das ich nur eine kleine Wasserpumpenzange und einen Schraubendreher mithabe.

   Vor dem Ort sehe ich ein Gebäude mit Flaggen verschiedener Landmaschinenhersteller. „Die haben doch Werkzeuge in der Werkstatt“ denke ich so; haben die bestimmt, leider ist am Ostersamstagnachmittag alles verschlossen. Etwas weiter sehe ich das Zeichen von Renault an der Straße. Sehr offen sieht das da nicht aus, aber immerhin steht ein Auto auf dem Hof, und eine Türe zur Werkstatt steht offen.

   Ich gehe zur Tür und rufe „Hallo“, aber nichts tut sich. Kann aber Geräusche von drinnen hören. Ich gehe in die Werkstatt, immer schön hallo rufend, man will ja keinen überraschen. Nachdem ich nun auch durch das Ersatzteillager gegangen bin, stehe ich vor einer Küche, in der eine Frau wohl gerade den Ofen anschmeißt.

   Ich versuche ihr zu erklären, welches Problem ich habe; sie kommt auch mit raus, und sieht sich das Moped an. Natürlich kann sie mir nicht helfen, zeigt aber zum Ortskern, und hat wohl auch ein paar aufmunternde Worte für mich, die ich natürlich nicht verstehe. Zumindest habe ich mal eine portugiesische Küche gesehen.

   Im Ort fahre ich zur Touristeninformation, und lasse mir erklären, wo ich denn ein Zimmer bekomme. Zum Glück spricht man hier Englisch. Nicht weit wäre eine Residencial, die auch Zimmer frei hat. Mit Werkstätten ist es im Augenblick ein Problem, da Samstag und Sonntag Ostern ist, und in Portugal Feiertag ist. Aber Montag ist normaler Arbeitstag. Auf dem Weg zu Residencial komme ich an den „Bombeiros“, der Feuerwehr vorbei. Das ist es doch, die haben doch auch Werkzeug.

   Da es aber anfängt wie aus Eimer zu gießen, fahre ich zuerst zu meinem Zimmer. Auch dort ein junger Mann, mit dem ich mich auf Englisch verständigen kann. Das Zimmer hat sogar eine Heizung, die zwar nur hin und wieder funktioniert, aber trotzdem eine wohlige Wärme schafft, denn während ich das Gepäck abschnalle, fallen sogar Schneeflocken vom Himmel. Trancoso liegt immerhin 1000 Meter hoch.

   Meine Idee mit der Feuerwehr muss ich auf Morgen verschieben, der Regen will nicht aufhören. Selbst beim Spaziergang in der Altstadt von Trancoso lässt mich der Regen in ein Restaurant flüchten.

Die Karte zum 4. Tag

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Quinto dia

   Die Residencial „Dinis“ ist ein echter Glücksgriff; das Frühstück wird als Büfett dargeboten, unter anderem mit frisch gepresstem Orangensaft und rohen Schinken.

   Im Augenblick ist es, obwohl sich das Wetter nicht wesentlich gebessert hat, wenigsten trocken. Ich nutze die Gelegenheit, um ohne Regenkombi zur Feuerwehr zu fahren. Es handelt sich wohl um eine Freiwillige Feuerwehr, denn trotz eines geöffneten Tores ist niemand zu finden. Es kommt zum Glück ein Krankenwagen, der in die Garagen einparkt. Natürlich spricht der Fahrer kein Englisch. Meine „Erklärungen“ und Handzeichen deutet er wohl so, das ich einen Unterstellplatz fürs Moped suche, und bietet mir doch prompt an, die Maschine neben den Feuerwehrautos zu stellen.

   Erst als ich seinen Blick auf meine Kette lenken kann, und andeute, mit der kleinen Pumpenzange die Achsmutter zu lösen, fällt bei ihm der Groschen (oder heißt das jetzt Cent?). Der Mann rennt los, und kommt mit einer ganzen Hand Ringschlüssel wieder. Ruckzuck ist die Kette gespannt, wobei er noch tatkräftig mithilft.

   Nach einem „muito Obrogado“ (vielen Dank), mache ich noch eine kleine Probefahrt durch den Ort, und siehe da, die Kette springt nicht mehr. Aber damit ist das Problem noch nicht zu 100% beseitigt, die Spannvorrichtung ist jetzt auf dem letzten Punkt, soll heißen, mehr spannen geht nicht. Das reicht nie und nimmer für die ganze Tour. Zurück in der Residencial packe ich meine Sachen für die Tour, Regensachen, Cola und eine Kleinigkeit gegen den Hunger.

   Ich bin unterwegs in der Serra da Estrela, einem Gebirge, das mit seinem höchsten Berg, dem Torre, bis auf 1900 Meter reicht. Über kleine Gebirgssträßchen, bei denen sich der Asphalt auch schon mal in Schotter auflöst, erreiche ich den Ort Linhares. „Ein lebendes Museum“ sagt der Reiseführer. Und wirklich, die Häuser aus dem 15. Jahrhundert sind überwiegend noch bewohnt.

Linhares

   Leider muss ich mich vor der Weiterfahrt wieder in die Regenkombi wickeln; das hat nicht nur den Nachteil, das die Fahrerei ungemütlich wird, sondern auch, das ich keine Photos machen kann, weil die Kamera ja am Gürtel meiner Hose hängt, und ich die Regenkombi bei jedem Photo öffnen müsste, um an die Kamera zu kommen.

   Die Entfernung von Gouveia nach Manteigas ist laut GPS 10 Kilometer, die Straßenschilder sagen aber 43 Kilometer. Die Gebirgstrasse windet sich verschiedene Pässe hoch, bis knapp 1400 Meter, das Ganze noch vermischt mit Regen, wird es selbst unter der Regenkombi kalt. Außerdem ist die Sicht in der Wolke auch nicht besonders.

   Irgendwann ist auch Manteigas im Tal unten zu sehen, das GPS zeigt 700 Meter Luftlinie, es sind aber noch 6 Kilometer Serpentinenstraße. Plötzlich kracht es, und Yami verliert an Fahrt, obwohl der Motor dreht und auch der Gang noch eingerastet ist. Die Kette ist vom Kettenrad runtergefallen, zum Glück nach innen, so das sie nicht blockiert ist und hätte reißen können. Mit der Pumpenzange kann ich die Kette, ohne das Hinterrad zu lösen, ganz einfach wieder auflegen.

   Ich mache mir jetzt aber Gedanken über die Weiterfahrt in dieser Gebirgswelt, die Serra gehört nicht unbedingt zu den Gebieten, die am dichtesten besiedelt sind. In Manteigas nehme ich die Karte zur Hand, um auf dem schnellsten Weg nach Trancoso zurück zu kommen. Es gibt eine größere Straße, die mich in 60 Kilometer zurück bringt, ohne über hohe Berge zu müssen.

   Jetzt komme ich nicht mehr umhin, eine neue Kette auf der Leihmaschine montieren zu lassen.

Infobox: Serra da Estrela

Die Karte zum 5. Tag

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Sexto dia

   Beim Wachwerden höre ich schon, das es nass ist draußen. Das ist aber harmlos zu dem, was ich jetzt sehe, als ich die Rollos hochziehe. Trancoso liegt ja fast 1000 Meter hoch - und jetzt in den Wolken! Die umliegenden Bergkuppen sind verschwunden, sogar das Nachbarhaus, keine einhundert Meter entfernt, ist kaum zu sehen.

   Nach dem Frühstück packe ich mich in die Regenkombi, um zur Tourristinfo zu fahren. Das „Unternehmen“ neue Kette beginnt. Gemäss Aushang an der Tür soll montags um 9:00 geöffnet sein. Um 9:10 Uhr kommt eine Frau und schließt die Türe auf, und geht hinein. Ich gebe ihr noch zwei Minuten, damit sie sich nach dem Wochenende langsam wieder an die Arbeit gewöhnen kann. Aber vor Ablauf ihrer Eingewöhnungszeit geht sie schon wieder aus dem Büro, zum benachbarten Cafe. Hat sicherlich noch Nachdurst, die Arme. Ich habe ja auch sonst nichts zu tun, außer hier in der Wolke rumzustehen

.  Nach wenigen Minuten kommt sie mit einer Tasse Kaffee, und setzt sich an ihren Schreibtisch. Jetzt aber sofort rein ins Büro, bevor es ihr zu gemütlich wird. Leider spricht sie kein Englisch, und auch bei der Suche nach einer Moto-oficina (Motorradwerkstatt) kann sie mir nicht helfen. Außer das heute alles „closed“ sein soll; obwohl die Kollegin am Samstag noch anders gesprochen hat, kann sie mir nicht weiterhelfen.

   Es soll alles geschlossen sein, aber auf der Baustelle gegenüber wird heftig gearbeitet. Ich fahre die Dorfstraße mal rauf und runter, mit dem Ergebnis, das sowohl die Renaultwerkstatt als auch der Intermarche geschlossen haben. Das sind keine guten Aussichten.

   In der Residencial sitzt zum Glück der junge Mann mit den englischen Sprachkenntnissen in der Rezeption. Genau wüsste er es nicht, glaubt aber, in Guarda, ca. 20 Kilometer von hier, müsse es eine Motorradwerkstatt geben. Er schaut im Telefonbuch nach einer Yamahawerkstatt, bis ich ihm erkläre, das es egal ist, ob es eine Yamaha oder irgend eine andere Werkstatt sei. Er erklärt mir den Weg zu einer Werkstatt in Celorico, etwa zehn Kilometer entfernt, die alles an Motorräder repariert, und heute - obwohl in der Tat vieles geschlossen hat - bestimmt geöffnet hat. Der freundliche Hotelier erklärt mir noch den Weg, wobei er bei den Worten „after the Train on the right site“ heftig mit seiner linken Hand nach links deutet.

   Von solchen Nebensächlichkeiten wie „left or right“ lasse ich mich doch nicht nervös machen, also auf, und die zehn Kilometer nach Celorico da Beira gefahren. Tatsächlich, hinter der Bahnlinie ist eine Motorradladen mit Werkstatt. Aber was heißt schon Motorradladen, ich sehe Fahrräder, Kärcher, Quads, Kettensägen, Rasenmäher und ein Motorrad. Die Tür zum Laden ist, obwohl „Aberto“ (geöffnet) daran steht, geschlossen. Ein Pfeil zeigt zur Oficina. Ich gehe eine steile Abfahrt hinunter, aber auch die Werkstatttür ist verschlossen. Ein älterer Herr, der die Straße runterkommt, erzählt mir etwas, und zeigt immer in eine Richtung. In seinen Erläuterungen, von denen ich natürlich nichts verstehe, fällt öfters das Wort „Cafe“. Klar, der Mechaniker ist seinen morgendlichen Kaffee trinken.

   Ich gehe in voller Regenmontur zum Cafe, und in der Tat sitzt dort jemand, der Motorradmechaniker sein könnte. Für so was bekommt man mit den Jahren einen Blick. Ich spreche ihn mit einem freundlichen „Bom dia“ (guten Morgen) an, gefolgt von „Moto-oficina“. Er zeigt in die Richtung, wo mein Moped steht.

   „Aberto?“

   „Sim.“

   Ist seine ebenso freundliche Antwort. Beim Zurückgehen denke ich noch: „Was für ein Schelm, sich einfach als Motorradmechaniker zu verkleiden, um mich zu verunsichern.“. Da die Türen immer noch verschlossen sind, setzte ich mich aufs Moped und harre der Dinge, die da noch kommen werden. Ein Auto hält vor der Werkstatt, und es steigt ein Mann aus, der zwar nicht nach Mechaniker aussieht, aber einer ist.

   Ein prüfender Blick auf die Kette, und er bedeutet mir, mangels englischer Sprachkenntnisse, das er die Kette kürzen will. Nach wenigen Minuten hat er zwei Glieder herausgetrennt, und die Kette wieder verbunden. Er dreht das Hinterrad der aufgebockten Maschine...die Kette macht Geräusche, als wenn das Kettenrad nicht zu ihr gehören würde, und sie schleunigst wieder da runter will. Mein Mechaniker schüttelt den Kopf.

   Wegen der Kettengröße möchte er die Papiere von mir haben. Bei Leihfahrzeugen gibt es aber, anders als in Deutschland, keine Papiere, sondern nur den Mietvertrag. Er telefoniert einige Male, was mich nicht unbedingt hoffnungsfroher macht. Irgendwann geht sein Daumen nach oben.

   Es kommen noch zwei Männer, die wohl noch mit dem Mechaniker irgendwas beratschlagen, wobei prüfende Blicke auf die Maschine fallen. Noch ein Telefonat, dann erklärt mir der jüngere der beiden in gebrochenem Englisch, das die Kette vom Mechaniker im 50 Kilometer entfernten Viseu geholt werden muss. Mit dem Hinterrad im Kofferraum, wahrscheinlich zur Bestimmung der Kettengröße, fahren wir nach Viseu.

   Die Lichter in der Yamahavertretung, in der wir stehen, sind schon fast alle aus. Die Packung mit dem Kettenkitt liegt schon auf dem Tresen bereit. Der Daumen geht nach oben, als das Kettenrad ans Hinterrad angehalten wird. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Noch einen Plausch, dann wird die Vertretung abgeschlossen, und wir sind wieder auf dem Rückweg zum Moped.

   Der Kettensatz ist schnell eingebaut. Die Quittung werde ich dem Vermieter zeigen, mal sehen, was er dazu meint.

   Ich sitze wieder auf einem Moped mit einer vernünftigen Kette, selbst die Sonne blinzelt ab und an durch die Wolken hindurch.

   Meine Geplante Tour kann ich heute vergessen, also werde ich mir Trancoso mal näher ansehen. Das Moped stelle ich an der Residencial ab, um in leichter Bekleidung zur Altstadt zu laufen.

Die Altstadt von Trancoso

Die Karte zum 6. Tag

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Setimo dia

   Heute morgen sieht die Welt nicht besser aus wie gestern, die Sicht geht nicht weiter als zweihundert Meter. Mit der angezogenen Regenkombi, an der auch noch der Reisverschluss kaputt geht, fahre ich in Richtung Porto. Mein Ziel für heute ist der Ort Penafiel, der etwa dreißig Kilometer von Porto entfernt ist, wo ich mir wieder ein Quartier suchen werde.

   Nachdem ich die Wolke, in der Trancoso verhüllt ist, nach unten verlassen habe, wird das Wetter etwas besser. Zwar hängen immer noch tiefe dunkle Wolken rum, aber auch die Sonne lässt sich hier und da blicken.

   Nach schönen und kurvenreichen Straßen liegt das Dourotal vor mir. Mit den vielen Weinbergen erinnert es mich sofort an die Mosel, wobei es hier auch viele Hänge mit Oliven und Kirschbäume gibt. Soviel Kirschen, das ich manchmal durch einen Wald von Kirschbäumen fahre.

Das Dourotal

   Da die Regenkombi sehr hinderlich beim Fotografieren ist, und es auch schon lange Zeit nicht geregnet hat, ziehe ich sie aus, und verschnüre sie als Paket auf den Gepäckträger. Aber schon fünfzehn Kilometer weiter muss ich anhalten, um sie wieder anzuziehen.

   Ich hatte mir vorgenommen, etwa zehn Kilometer vor Penafiel alle Residencials als Wegpunkt zu markieren, um dann später die beste auszusuchen. Aber da ist nichts zu markieren, bis Penafiel sehe ich nicht eine Übernachtungsmöglichkeit. Von der Internetseite des Portugiesischen Fremdenverkehrsamt habe ich mir verschiedene Residencial und Pensao rausgeschrieben, die alle in Vororte liegen.

   Mein erster Versuch, eine Unterkunft zu finden, ist nicht von Erfolg gekrönt; ich bin zwar im richtigen Ort, sogar auf der richtigen Straße, aber eine Pensao ist weit und breit nicht zu sehen. Einem älteren Mann, dem ich meinen Zettel unter die Nase halte, schüttelt mit dem Kopf, und sagt dann noch.

   „Nao, nao.“

   Auf zum nächsten Versuch.

   Schon einige Kilometer vor dem Ort „Santa Marta“ stehen Hinweisschilder für eine Residencial mit Restaurant. So einfach kann das manchmal sein. An der Rezeption betätige ich eine Klingel, worauf auf eine junge Frau aus dem Restaurantbereich kommt. Auf die Frage:

   „Do you speak English?“

bekomme ich nur ein fragendes Gesicht!

   „Inglés?“

   „Nao...“ Dann muss ich halt meine drei Wörter Portugiesisch benutzen.

   „Uma quarto.“ Dann auf mich zeigend:

   „Uma pessoa, tres noite.“ Was dann heißen soll, ein Zimmer für eine Person und drei Nächte. Ihr Gesicht hellt sich auf, und ich bekomme verschiedene Sätze um die Ohren gehauen. Zumindest höre ich öfters das Wort „Sim“. Sie reibt Daumen und Zeigefinger aneinander und zeigt zum Restaurant, wohin sie auch schnell verschwindet. Mit ein paar Zahlen, die ich natürlich nicht verstehe, kommt sie aus dem Restaurant wieder. Hier hilft aber mein Notizblock, den ich immer in der Tasche habe weiter. Die sechzehn dreimal untereinander. Alles klar, und will ihr meinen Ausweis geben, den sie aber gar nicht haben will. Ich begreife:

   „Pagar.“ (Zahlen)

   „Sim.“ Ach so, keine Bücher, keine Steuer.

   Bei der Rückfahrt von Penafiel, das nicht sehr sehenswert ist, komme ich noch an zwei Übernachtungsmöglichkeiten vorbei, die ich bei der Fahrt nach Santa Marta nicht bemerkt habe. Was man nicht braucht, findet man immer, genau wie Motorradwerkstätten. Im Ort sind eine Yamaha und eine Suzuki Vertretung.

   Zurück im Zimmer kontrolliere ich die Tasche, in der das Rückflugticket drin ist. Eigentlich nur durch Zufall habe ich sie in die Hand genommen und bemerkt, das sie sich feucht anfühlt. Das Ticket ist etwas durch die Feuchtigkeit gewellt, aber noch gut lesbar. Ich überlege, wo das passiert sein kann. Bis auf die Fahrt vom Flughafen zur ersten Residencial war die Taschen immer in der Gepäckrolle. Aber genau bei dieser Fahrt hat es ja heftig geregnet, und der Rucksack ist nicht wasserdicht.

   Ich versuche, die Akkus der Kamera für morgen, wo es nach Porto gehen soll, zu laden. Aber irgendwie gibt das Netzteil keine Spannung ab, die Kontrolllampe bleibt dunkel. Versuche an drei Steckdosen bringen keinen Erfolg. Zwar habe ich noch einen Satz Akkus, den ich zuhause geladen habe, weiß aber nicht, wie voll er noch ist. Am besten kaufe ich in Porto einen Satz Mignonbatterien, die in den Apparat reinpassen.

   Auf dem Zimmer liegt eine Speisekarte des Restaurant, die ich mit Hilfe des Langenscheidt lesen kann.  Ich finde einige Gerichte mit Bacalhau, der portugiesischen Stockfischspezialität, unter anderem auf Holzkohle gegrillt - wenn meine Übersetzung richtig ist.

   Ich gehe runter, und komme in ein typisch portugiesisches Restaurant, typisch deswegen, weil auf 100 m² mindestens drei Fernseher kommen. Natürlich mit drei verschiedenen Programmen. Die Speisekarte die ich bekomme, sieht dann aber ganz anders aus wie die auf dem Zimmer. Das Wort „carváo“ (Holzkohle) steht mehrmals drauf, zum Glück auch beim Bacalhau. Ich bekomme eine leckere Portion Fisch mit Paprika und Kartoffeln.

Yami vor dem Dourotal

Die Karte zum 7. Tag

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Oitavo dia

   Der tägliche Blick ergibt nichts Neues, dunkle Wolken und Nieselregen. Ich bin mal gespannt, ob für die 16 Euro, die das Zimmer kostet, auch das Frühstück mit enthalten ist.. Schnell noch in den Langenscheidt geschaut, was Frühstück heißt. Zu meiner Überraschung steht das aber gar nicht drin. An der Tür hängt eine „Preisliste“, wo zwar keine Preise drinstehen, aber das Wort „almoco“ für Frühstück.

   Ich bin der einzige im Restaurant, bis auf eine Dame hinter der Theke.

   „Almoco?“

   „Sim, Café, Café com lait?“ Mein Portugiesisch wird immer sicherer :), und sage:

   „Cha, faz vafor.“ (Tee bitte)

   Pao ………….” Nun verlassen mich meine Sprachkenntnisse schlagartig. Aber ein „Sim“ (Ja) hilft immer weiter.

   Ich setze mich an einen Tisch, in der freudigen Erwartung auf Schinken, Käse oder andere leckere Sachen. Ein bisschen bin ich schon enttäuscht: Tee, zwei Brötchen, zwei Päckchen Butter und ein Päckchen Schmierkäse. Ist wahrscheinlich ein typisch portugiesisches Frühstück, in einem typisch portugiesischem Restaurant. Die Fernseher laufen.

   In die Regenkombi gehüllt, geht es durch den Nieselregen gen Porto. Die Fahrt selber ist nicht so prickelnd, es geht von einer Ortschaft in die nächste. Nur für die Einfahrt in Porto habe ich mir zuhause was besonderes ausgedacht. Zuerst folge ich der N15 in Richtung Portos Innstadt; da ich dort aber das Motorrad nicht abstellen möchte, sondern etwas südlicher, am Douroufer, verlasse ich die N15, und schlage mich durch die Vororte von Porto.

   Ich bin begeistert von der digitalen Navtechkarte, die ich für „TTQV“, meinem GPS-Planungsprogramm, gekauft habe. Ich fahre durch Porto, als wenn ich hier zuhause wäre, viel sicherer wie mit den gescannten Karten, die ich sonst zur Verfügung hatte. Ich erreiche das Douroufer, suche mir einen Parkplatz, mache einen Wegpunkt ins GPS, und los geht es, ins vernieselte Porto.

Portos Straßen mit Kopfsteipflaster

   Vom Douro gehen die Straßen sofort aufwärts, was mir sofort den Schweiß auf die Stirn treibt. Durch das andauernden Nieseln muss ich nämlich die Jacke, die schon offen zum Laufen nicht so geeignet ist, geschlossen lassen. Mein erstes Ziel in Porto ist der Bahnhof „Sáo Bento“, Nicht, das ich mit Zug wieder aus der Stadt weg will, nein, dort sind in der Bahnhofshalle riesige Azulejosbilder, die ich mir nicht entgehen lassen will.

   Und wirklich, in der Halle empfängt mich ein wahrer Azulejos-Rausch. Die Bilder von 1916 stellen Transportmittel, ländliche Feste und historische Szenen dar. Vor dem Bahnhof steht, das Wetter sofort ausnutzend, eine Frau, die eine Menge Regenschirme über dem Arm trägt, und versucht diese zu verkaufen. Aber das richtige Geschäft ist das nicht.

   Vom Bahnhof ist es nicht weit zur Shoppingmeile „Santa Clara“, wobei ich die Gelegenheit, irgend etwas zu kaufen, gar nicht wahrnehmen will. Aber es ist die kürzeste Verbindung zu der alten Markthalle „Mercado do Bolháo“, mit der schönen Gusseisen-Galerie. Ein munteres Markttreiben empfängt mich, zu kaufen gibt es alles, vom Gemüse über Fleisch zum Fisch. Leider ist die Markthalle gar keine „Halle“, sondern oben, bis auf die Galerie, offen. Die Marktleute haben sich zum Schutz vor Regen Planen über ihre Stände gespannt.

Mich zieht es wieder weiter. Über die glatten, weil nassen, mit Marmorpflasterstein geschmückten Gehwege erreiche ich ein Cafe, indem ich mich etwas stärke. Nachdem ich meine Jacke ausgezogen habe, merke ich erst, wie nass mein Hemd ist. Bin mir aber nicht sicher, ob das vom Regen oder vom Schwitzen kommt.. Nachdem mein Hemd wieder abgetrocknet ist, mache ich mich wieder auf dem Weg. Zum einen hat die Pause gut getan, aber auch der Regen hat nachgelassen.

   Mich treibt es durch die Altstadt der Kathedrale „Se“, entgegen. Wobei die Betonung wirklich auf alt, wenn nicht sogar verfallen, liegt. Von der „Se“ entferne ich mich schnell wieder. Von außen wird wohl gerade restauriert, sie ist fast komplett eingerüstet, und im Innern tummeln sich Reisebusse von Touristen. Was mich wundert, ist, das in den Gassen der Altstadt, die steil herab von der Kathedrale gehen, auch noch Autos fahren. Zwei Personen könnten ihre Arme nicht komplett ausstrecken, so schmal ist es manchmal.

   Mit dem Stadtplan eines Reiseführer suche ich mir den Weg zum Börsenpalast, dem „Palácio da Bolsa“. An der Kasse erfahre ich, das die Mittagspause um 14:00 Uhr beendet ist, das sind noch anderthalb Stunden. In der Zwischenzeit könnte ich zum Straßenbahnmuseum fahren. Die Straße weiter zum Douro gehend, sehe ich das Ende der Straßenbahnschienen, auf denen, wie ich Yami abgestellt habe, eine Straßenbahn stand. Ich drehe mich um 180° und sehe das Moped dort stehen. Besser konnte ich den Parkplatz nicht wählen.

   Die drei Kilometer am Douroufer zum „Museu do Carro Eléctrico“ liegen schnell hinter mir. Der freundliche Pförtner am Eingangstor sagt mir:

   „It’s closed, open at half past one.“ Ein Blick auf meine Uhr sagt mir:

   „It’s an half an hour.“

   “Yes.”

   Ich laufe ein wenig am Douro lang, und warte den Rest der Zeit auf einer Bank. Kurz nach halb zwei stehe ich wieder beim freundlichen Pförtner.

   „No, open at half past two.“

   “It’s in one hour.”

   “Yes.” Na gut, dann habe ich mich wohl vorhin verhört

   Ich mache mich am Douroufer zu schaffen, und bin kurz nach 14:00 Uhr die drei Kilometer zum Börsenpalast gelaufen. Prompt bekomme ich eine portugiesisch-englische Führung mit. Im „Palácio da Bolsa“ wurden unter anderem die Geschicke der Portweinkellereien bestimmt. Eine Stunde dauert die Führung, während der ich wieder mal keine Photos machen darf.

   Eigentlich könnte ich mir den Drei-Kilometer-Fußmarsch zum Straßenbahnmuseum sparen, denn die Tram steht auf ihrer Endstation, von wo aus sie Richtung Museum fährt. Ich steige beim Fahrer ein und frage:

   „Museu Eléctrico?“

   „Sim.“

   “Uma trinta Euro.” Einen Euro verstehe ich ja noch, das andere hörte sich an wie dreißig. Ich gebe ihm ein Eurostück, merke aber an seinem Gesicht, das es zuwenig ist. Ich halte ihm die geöffnete Kleingeldbörse zur Selbstbedienung hin. Er nimmt sich dreißig Cent. Habe ich doch richtig gehört.

Die Tram ist noch in Betrieb

   Nach wenigen Minuten setzt sich die Tram, die selber schon ein Museum ist, in Bewegung. Aber nur wenige hundert Meter, ein Auto hat die Schienen zugeparkt. Mit dem Fuß wird vehement die Bimmel bedient, aber weder kommt ein Autofahrer, noch wird die Bahn schmaler. Im Zuge der modernen Technik greift der Tramfahrer zu seinem Handy, allzu oft scheint der Gleiskörper aber nicht zugeparkt zu werden, denn er muss mehrere Nummern wählen, bis er offenbar jemand an der Leitung hat, der Abhilfe schaffen kann.

   Wir warten, mit mir noch zwei weitere Fahrgäste.

.  Wir warten weiter. In der Zeit wäre ich auch zum Museum gelaufen.

   Wir warten.

   Mein deutsches Temperament geht mit mir durch, ich steige aus. Der Fahrer zeigt in die Richtung, in der ich will. Es kommt eine Straßenbahn, um mich und die beiden anderen Fahrgäste abzuholen. Während ich als Letzter in die bereitgestellte Bahn einsteige, bauen die beiden anderen Fahrgäste die Inneneinrichtung der Tram schon um. Man kann die Sitze so umklappen, das die Fahrgäste immer in Fahrtrichtung sitzen. Eine geniale Einrichtung, und das bei einem Fahrzeug, das schon zig Jahre alt ist.

   Unsere Fahrer unterhalten sich noch, wahrscheinlich über so wichtige Dinge wie den FC Porto. Aber doch, irgendwann steigt unser neuer Fahrer ein, baut diverse Kurbel und Hebel vom „hinteren“ Führerstand ab, und am „vorderen“ wieder an. Es geht los... Etwa zehn Meter, dann bleibt das Teil abrupt stehen. Der Herr über Fahren oder Stehen steigt, nicht ohne sich einen Lappen mitzunehmen, wieder aus. Ich ahne es, er muss den E-Abnehmer umlegen. Ein Seil, jetzt vorne an der Tram befestigt, wird gelöst, um das Fahrzeug geführt, und hinten befestigt. Es könnte weitergehen,...könnte.

   Aber der Fahrer hat sich entschlossen, auf den Schreck noch eine Zigarette zu rauchen. Selbst meinen portugiesischen Mitfahrer, bzw. Mitsteher, entfährt hin und wieder ein Stöhnen, wann es denn endlich weitergeht. Hee,- nur keine unnötige Hast, wir sind in Portugal. Es kommt wie es kommen muss, der Fahrer steigt ein und fährt los. Ich gehe vorsichtshalber mal nach vorne, und erkläre mein Fahrziel; nicht das er in seiner Eile daran vorbeifährt. Werde vor dem Eingangstor des Museums abgesetzt. Fahrzeit 55 Minuten, immerhin nur 25 Minuten länger wie zu Fuß. Aber lieber schlecht gefahren, als gut gegangen.

   Das Museum ist sehr interessant, es spiegelt die einhundertjährige Geschichte der Straßenbahn in Porto wieder. Von der Pferdebahn bis heute. Wie auch die Stromerzeugung für die Bahnen. Leider sind die meisten Beschreibungen nur in portugiesisch, dadurch für mich nicht zu lesen.

   Da es doch schon recht spät geworden ist, mache ich mich auf dem Heimweg. Ursprünglich hatte ich noch vor, den Douro zu überqueren, und in Villa Nova de Gaia eine Portweinkellerei zu besuchen. Aber mich hält die Uhrzeit, aber noch mehr die vielen Reisebusse, die am anderen Ufer stehen, davon ab.

Infobox: Palácio da Bolsa

Infobox: Portwein

Die Karte zum 8. Tag

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Nono dia

   Zum erstenmal kann ich erahnen, das die Sonne aufgeht. Der Himmel ist zwar noch bewölkt, aber es sieht nach einem schönen Tag aus.

   Die Fahrt nach „Bom Jesus do Monte“, die spektakulärste Walfahrtskirche Portugals, ist eher navigatorisch anspruchsvoll, als fahrerisch interessant. Fast die gesamte Strecke ist Stadtgebiet. Es geht von Ortschaft zu Ortschaft, das Ganze garniert mit diversen Umleitungen. Ich finde einen Abstellplatz in der Nähe der Kirche; zum erstenmal ziehe ich die Sonnenbrille an und Sommerhandschuhe aus.

   Das Bemerkenswerte an dieser Kirche liegt eigentlich davor: die riesige Treppenanlage. Ich habe das Vergnügen, die über dreihundert Stufen bis zur mittleren Plattform, bei strahlenden Sonnenschein mit angezogener Jacke, zuerst runter, später dann wieder hoch zu laufen. Die Arbeiten an der Treppenanlage wurde 1722 begonnen, und in mehreren Bauetappen 1811 vollendet.

Bom Jesus do Monte

   Erst beim Aufstieg (wegen der Pausen) kann ich mir alles genau ansehen. Ich komme am „Brunnen der fünf Wunden Christi“ vorbei, der das Wasser des Lebens bedeuten soll. Auf der „Treppe der fünf Sinne“ symbolisieren fünf Brunnen die Sinne Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Tasten. Weiter geht es über die „Treppe der drei Tugenden“ zum Kirchvorplatz. Auf der Treppenanlage stehen Kapellen, in denen lebensgroße Terrakottafiguren Szenen aus der Passion Christi darstellen.

   Ich bin froh, auf dem Weg nach Barcelos wieder den kühlenden Fahrtwind zu spüren. In Barcelos, wo der Hahn, das Nationaltier Portugals herkommt, ist gerade ein großer Wochenmarkt in Gang. Angeboten wird alles, ob Möbel, Pflanzen, Mode oder Nahrungsmittel. In einer Ecke ist merklich mehr los, dort haben Zigeuner ihre Stände aufgebaut. Es werden alle internationale Marken :)  für kleines Geld angeboten, und die Policia steht daneben. Es lebe die Produktpiraterie. Bei den Lebensmitteln fällt mir ein großer Stand auf, der nur Bacalhau verkauft. Prüfend wird jedes Stück Trockenfisch von den Kunden in die Hand genommen, bevor sich dann entschieden wird, welches nun das beste ist.

Auch die Rückfahrt ist geprägt durch navigatorische Höhepunkte. Es sind die Umleitungen und Einbahnstraßen, die immer wieder Leben hinter dem Lenker bringen.

Pause in Barcelos

Infobox: Bacalhau

Infobox: Hahn von Barcelos

Die Karte zum 9. Tag

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Décimo dia

   Meine Gepäckrolle liegt verschnürt auf der Yami, die, nach erfolgreichem Kettenwechsel, hervorragend läuft. Heute soll es wieder in Richtung Süden gehen, genaugenommen nach Torres Vedras, um eine gute Ausgangsbasis für die Orte Sintra und Tomar zu haben.

   Das Wetter ist mir heute wieder holt; ich kann auf Regenkombi, Jogginghose und Winterhandschuhe verzichten. Die ersten achtzig Kilometer habe ich mir so gelegt, das es mit reichlich Kurven über die Hügel geht. In weiten Strecken geht es durch die umstrittenen Eukalyptuswälder. Das Problem, das ich damit habe ist: die Bäume verlieren stark ihre Rinde, die dann auf der Straße rumliegt. Das kommt in Kurven besonders gut. Des öfteren rutscht die Maschine über das Vorderrad, bis wieder Asphalt unter dem vorderen Gummi ist.

Die Eukalyptuswälder

   Überhaupt, wenn die 20 Kilogramm schwere Gepäckrolle hinten drauf liegt, ist Yami sowieso etwas instabil im Lenker, und läuft auch kleinsten Rillen im Asphalt nach. Wobei das nie ein ungutes Gefühl hinterlässt.

   Bei der ganzen Reise, die ich bis jetzt durch Portugal gemacht habe, wundert es mich, das ich nicht einmal durch ein Waldbrandgebiet gekommen bin. Und es hat letzten Jahr viel und oft gebrannt. Am Douroufer merke ich, das die Navigation nicht mehr stimmt: laut GPS soll ich über die Brücke, merke aber nach zwei Kilometer, das etwas nicht stimmt. Auch die Karte, die ich zur Hand nehme, bringt mich nicht weiter. Auf der Brücke habe ich flussaufwärts noch eine Brücke gesehen, die aber eher wie eine Autobahnbrücke aussieht. Ich fahre die zwei Kilometer zurück, und folge dem Douro auf der „falschen Seite“. GPS zeigt mir, das ich so verkehrt nicht sein kann. Dann sehe ich, woran es gelegen hat - im Schatten der Autobahnbrücke ist noch eine Brücke.

   Irgendwann treffe ich auf die IC2, einer Bundesstrasse vergleichbaren Verkehrsader, mit Überholspuren an Steigungen. Von hier an wird das Fahren ungemütlich, ist aber die einzige Möglichkeit, große Strecken, wenn man die Autobahn meiden möchte, einigermaßen zügig zu bewältigen. Leider wissen das auch die Lkw-Fahrer, so das ich alle Hände, und Augen voll zu tun habe.

   Sobald ich die IC2 verlasse und wieder auf eine Nationalstraße fahre, lässt der Verkehr nach, und das Fahren macht wieder Spaß. Die Landschaft und die Kurven lassen sich wieder genießen. Was mir, wie im Dourotal, wieder auffällt, sind die vielen Kirschbäume, nicht so groß wie bei uns, aber viele und in voller Blüte stehend.

   Schon am Ortseingang von Torres Vedras steht ein Hinweis zu einer „Residencial“, dem ich natürlich sofort folge. Die Schilder führen mich zur Altstadt, obwohl dort ein Schild „Einfahrt verboten“ (roter Kreis auf weißem Grund) steht. Zwar stehe ich mit Yami vor der Residencial, kann dort aber nicht parken. Die Gasse ist so schmal, das kein Auto mehr vorbeikäme. Ich mache einen Wegpunkt ins GPS und fahre weiter. Das nächste Hinweisschild auf eine Übernachtungsmöglichkeit lässt nicht lange auf sich warten. Diesmal werde ich in eine ruhige Neubausiedlung, einiges entfernt von der Altstadt, geführt.

   An der Rezeption muss ich leider erfahren, das kein Zimmer frei ist. Der freundliche Mann nimmt aber einen Stadtplan und erklärt mir auf englisch, wie ich die Residencial „San Pedro“ finde. Meinen Wegpunkt 003 im GPS.

   Diesmal bin ich bei der Anfahrt etwas geschickter, und lasse das Moped auf einem Gehweg, einige Meter vor der Residencial, stehen. Ich bekomme ein Zimmer, und Yami einen Einstellplatz auf einem Hinterhof. Ein tolles ruhiges Haus, mitten in der Altstadt von Torres Vedras.

Die Karte zum 10. Tag

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Undécimo dia

   Schon in der Nacht, die in der Altstadt absolut ruhig ist, höre ich die Regentropfen gegen das Fenster klopfen. Nach dem Aufstehen geht, wie immer, der erste Blick zum Himmel, der eigentlich gar nicht so schlecht aussieht.

   Nach dem Frühstück gehe ich in den Hinterhof zur Yamaha. Mit einer Fernbedienung öffne ich das Tor, und fahre ohne Regenkombi los. Meine Tour soll heute nach Sintra gehen, und von da aus zum „Cabo da Roca“, dem westlichsten Punkt Europas. Das bedeutet, das mein Vorderrad gen Westen zeigt, aber gerade aus dieser Richtung kommen viele dunkle Wolken, aus denen auch schon die ersten Tropfen fallen. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als bei der nächsten Haltemöglichkeit die Regenpelle anzuziehen.

   Einige Kilometer weiter denke ich so für mich , das ich den Rucksack heute viel weniger spüre als sonst....eigentlich gar nicht. Automatisch geht meine Kupplungshand nach hinten. Schön, wenn das Adrenalin - ich weiß nicht von welcher Drüse im Körper - eingespritzt wird. Man ist sofort auf „180“. Es können gleichzeitig viele Handlungen durchgeführt, und Gedanken sortiert werden.

   Sofort einen Halteplatz suchen, und finden (!), blinken, in den Rückspiegel sehen, koordiniertes Bremsen auf Split, überlegen, was ist wichtiges im Rucksack, der nämlich nicht an seinem Platz auf meinem Rücken ist. Das Portomanie habe ich am Mann, sprich in meiner Jacke; die Akkus sind im Rucksack; das Stativ mit der Fernbedienung; Reiseführer und Karten. In jedem Fall nichts sehr wichtiges. Wie gesagt, das geschieht alles binnen fünf Sekunden. Auch wird mir klar, das ich schlicht und ergreifend vergessen habe, den Rucksack anzuziehen, wie ich die Regenkombi übergezogen habe.

   Ich hänge den Beutel dann gerne an einer Nase des Gepäckträgers, an dem er jetzt immer noch hängt, wie ich mit Erleichterung beim Absteigen sehe. Jetzt kann ich die Fahrt beruhigt, mit dem Rucksack auf dem Rücken, fortsetzen.

   Noch sind es etwa zehn Kilometer bis Sintra, und der Himmel sieht so was von schwarz aus; ich habe selten, wenn überhaupt schon mal, so einen Himmel gesehen. Die schwarzen Wolken türmen sich übereinander , ineinander, um sich dann wieder zu zerreißen. Wenn die sich über mir ausregnen, werde ich wohl die Hand vor den Augen nicht mehr sehen können.

   Sie regnen sich über mich aus, und ich kann die Hand vor Augen nicht mehr sehen. Auf der Zufahrtstraße zum „Palácio da Pena“ erwischt es mich, der Himmel öffnet seine Schleusen. Es regnet wie aus Eimer, und das bei einer Straße, die jetzt eher einem Bach gleicht, und aus Kopfsteinpflaster gemacht ist, das nun höllisch glatt ist. Zum Glück liegt der Palast auf einem Berg, und ich brauche die Bremse so gut wie gar nicht. Ein paar Versuche mit dem Hinterrad enden immer mit einem blockierendem Rad, auch starkes Gasgeben wird mit einem Durchdrehen quittiert.

   Am Palast angekommen, ist der Wolkenbruch in einem normalen Regen übergegangen. An der Kasse erfahre ich, das der Fußweg zum Palast dreißig Minuten beträgt, aber es fährt auch ein Bus. Angesichts der Wetterlage ist das für mich keine Frage, ich nehme den Bus. Die Staffelung des Eintrittpreises ist etwas merkwürdig, wie ich finde. Das ich für den Bus einsfünfzig zahlen muss,ist ja noch ok. Das ich aber für den Park, in dem ich gar nicht reinmöchte, drei Euro zahlen muss, verstehe ich eher nicht, dazu kommt ja dann noch der Eintritt in den Palast. So ist das halt, mit Touristenmagneten.

   Bei den letzten paar Minuten, die ich zu Fuß zum Eingang des Palastes gehe, beginnt der Wolkenbruch wieder. Mit dem Helm auf dem Kopf erreiche ich das Gebäude. Dort erfolgt die nächste Überraschung - mir wird meine Kamera abgenommen. Es ist verboten, im Palast Photos zu machen. Da lob ich mir aber die Museen in Polen, dort konnte ich eine „Photolizenz“ kaufen.

Der Eingang zum Palácio da Pena

   Was mir gefällt: das man sich keiner Führung anschließen muss, sondern, einfach den Pfeilen folgend, von Raum zu Raum wandert. Die Räume, voller Kuriositäten, sind so erhalten, als wenn die königliche Familie dort noch leben würde.

   Der letzte Raum des Rundgangs ist die Küche, wo schon einige Leute warten, denn im Augenblick geht draußen wieder die Welt unter. Ein Pärchen möchte wieder zurück in die Palasträumlichkeiten, aber der Torwächter ist streng, entweder warten oder raus in die Dusche. Nach einer viertel Stunde entschließe ich mich loszugehen, es ist zwar nicht trocken, aber von Wolkenbruch kann nicht mehr die Rede sein. Nachdem ich Kamera, Helm und Rucksack am Eingang abgeholt habe, gehe ich zu Fuß zum Moped.

   Die Kopfsteinstraße nach Sintra, die ja jetzt abwärts geht, ist immer noch schweineglatt. Bloß die Fuhre nicht zu schnell werden lassen, denn das Bremsen ist mehr als heikel.

   In der Eingangshalle des Museum steht ein zwei Meter hoher Eifelturm, gemacht aus dem Märklin Metallbaukasten, den ich noch aus meiner Kindheit kenne, und wohl eher für die Väter als für die jungen Sprösslinge. Da steckt jedenfalls eine Menge Arbeit drin, selbst die Aufzüge sind mit angebaut. Klar, die bekannte Märklineisenbahn gibt es zu sehen, auch so eine Kindheitserinnerung, weil selbst die alten Schaltpulte und Trafos, die ich mal hatte, dort in Funktion zu sehen sind. Dampfmaschinen, Autos, Schiffe...ja, ich weiß, das ist alles Spielzeug für Jungen, aber ich bin ja nun mal ein Junge. Auch eine Barbie aus Porzellan gibt es zu sehen, (Aber das ist ja nur was für Mädchen) ich wusste gar nicht, das es so etwas gibt. Dann streift mein Blick eine Vitrine und ich zucke unwillkürlich zusammen.

   Sie ist mit „Spielzeugsoldaten“ bestückt, von denen mehrere eine Hakenkreuzfahne in der Hand halten. Es ist eine Militärparade dargestellt, die von den „Nazigrößen“ abgenommen wird. Als Spielzeug  hergestellt, von einer deutschen Firma, in den 30/40 ziger Jahren des vorigen Jahrhundert.

   Mich treibt es wieder weiter, ich möchte ja noch zum Cabo da Roca. Das Treiben hat aber schon an der Ausgangstüre sein Ende...richtig! Wolkenbruch! Ich gehe in die Cafeteria, genehmige mir zwei Törtchen, und warte auf besseres Wetter.

   Das Wetter spielt verrückt, beim anziehen der Regenkombi muss ich mich in ein Haltestellenhäuschen flüchten, um nicht pladdernass zu werden. Zwar lässt der Regen wieder nach, und ich fahre auch weiter, bin aber überzeugt davon, das ich wieder in diese wolkenbruchartigen Regenfälle reinkommen.

   Das „Cabo da Roca“ ist nicht besonders reizvoll. Klar, bei dem Wetter taugt die schönste Landschaft nichts. Die Regenkombi ziehe ich erst gar nicht aus, auch den Helm nehme ich sicherheitshalber mit, auf dem Weg zum eigentlichen Kap. Bei reichlich Wind kann ich die Wolken nur so dahinfliegen sehen. In der Ferne über dem Meer sehe ich, das wieder reichlich Regen auf mich zu kommt. Schnell habe ich die Kombi geschlossen, und den Helm aufgesetzt.

   Eine Gruppe Franzosen lässt sich von dem Wetter nicht abschrecken, verlässt den trockenen Bus, und macht sich auf dem Weg zum Kap - bis der Regen das Land erreicht - dann kommt aber so was von Hektik in die Gruppe. Jeder will zuerst im Bus sein. Ich schlendere unterdessen zur Yami, um das GPS für den direkten Rückweg einzustellen. Den Plan, gemütlich durch die „Serra de Sintra“ zu fahren, lasse ich fallen, denn von „gemütlich“ kann ja wohl keine Rede mehr sein. Bevor ich losfahre, schmeiße ich die nassen Sommerhandschuhe in die Tanktasche, und ziehe die trockenen Winterhandschuhe an. Es gibt nichts für trockene Finger.

   Im Zimmer angekommen, schmeiße ich als erstes die Klimaanlage an, auf „Heizen“ eingestellt natürlich. Meine inzwischen feuchten, zum Teil auch nassen Sachen drapiere ich zum Trocknen im Zimmer, und mich unter die Dusche.

Infobox: Palácio da Pena

Infobox: Märkin Metallbaukasten

Die Karte zum 11. Tag

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Duodécimo dia

   Am Morgen fahre ich ohne Regenkombi - und mit der Sonnenbrille auf der Nase los! Ich bin halt optimistisch, das heute mal die Sonne scheint. Leider hält mein Optimismus nur zwanzig Minuten, dann darf ich wieder anhalten, um die Sonnenbrille einzupacken und die Regenkombi auszupacken. Trotzdem habe ich noch Glück, es fallen nur ein paar Tropfen. Die ganz dunklen Wolken bleiben in den Bergen der „Serra de Sintra“; wo ich ja gestern auch nass genug geworden bin, hängen.

   Mein Ziel heißt Tomar, dort steht der „Convento da Ordem Cristo“, eine alte Burg des Templerorden bzw. seines Nachfolger des Christusorden. Die Fahrt dorthin geht über abwechslungsreiche Straßen. Selbst auf den Hauptstraßen ist die Beschilderung schlecht, oder überhaupt nicht vorhanden. Durchs GPS geht das Ganze noch; wenn ich die falsche Richtung einschlage, merke ich das nach wenigen Metern. Wenn ich nur die Karte mithätte, müsste ich immer wieder anhalten um nachzusehen, wo es lang ginge. Damit wäre an ein Vorwärtskommen überhaupt nicht zu denken.

   In Tomar fahre ich sofort zur Burg hoch. Am Eingangstor zum Parkgelände sehe ich wieder so ein hässliches Schild mit der durchgestrichenen Kamera: „Fotografieren verboten!“ Ich muss sagen, das nervt mich doch sehr, das überall in den historischen Gebäuden das Fotografieren verboten ist. Zumindest der Eintrittspreis soll günstiger sein wie gestern, auf dem Schild steht 4,50 Euro. Bevor ich in die Burg zur Kasse gehe, „verstecke“ ich meine Kamera unter der Jacke, und habe sie auf lautlos eingestellt.

Der Convento da Ordem Christo

   Dann die Überraschung an der Kasse, heute ist der Eintritt kostenlos. Ich weiß nicht warum, habe weder Geburtstag, noch ist heute Weihnachten. In der Burg ist es genau wie gestern im Palacio da Pena gelöst, man folgt einfach den blauen Pfeilen. Auch Wachpersonal ist keines zu sehen, und ich kann nach Herzenslust fotografieren.

   In der Charola, der ursprünglichen Templerkirche aus dem 12. Jahrhundert, gehen ganz merkwürdige Dinge vor. Jede Menge Leute stehen in einer Schlange, erst denke ich,das es dort etwas besonderes zu sehen gibt. Aber die Menschen stehen vor einem Altar, und warten, bis sie an der Reihe sind. Ein Mann, der aber dem Äußeren nach kein Geistlicher ist, (die Kirche ist sowieso Museum, und nicht mehr aktives Gotteshaus) nimmt irgendwelche Handlungen an den Wartenden vor. Er legt die Hände auf dem Kopf, berührt die Stirn, und murmelt merkwürdige Sprüche. Die ich weder verstehen, noch einer Sprache zuordnen kann. Ganz schlau werde ich daraus nicht.

   Bei den vielen Leuten möchte ich kein Photo machen, insbesondere nicht, weil die Aufnahmen ohne Blitz nicht gut würden.. Aber in der Nähe der Kirche ist die Cafeteria. Wenn ich also, bevor ich die Burg verlasse, zur Cafeteria gehe, finde ich auch die Kirche wieder, die dann hoffentlich leerer ist.

   Ich folge den blauen Pfeilen, die mich durch die Burg begleiten, über eine Stunde lang. Es geht von Burgflügel zu Burgflügel, von Stockwerk zu Stockwerk, durch die Klosterzellen, dem Weinkeller und der Küche.

   Allem Anschein nach nähere ich mich langsam dem Ausgang, also noch mal Ausschau halten nach den grünen Pfeilen, die mich zur Cafeteria bringen, und damit zurück zur Kirche. Es geht um zig Ecken, bis ich vor der Cafeteria stehe, nur von der Kirche ist weit und breit nichts zu sehen. Es muss wohl mehrere solcher Cafes geben. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als durch den Ausgang die Burg zu verlassen. Beim Rückweg zum Moped, das ja nicht weit vom Eingang steht, merke ich erst, welchen Weg ich in diesem Gebäude zurückgelegt habe.

   Die Rückfahrt soll mich noch nach Obidos bringen, ein „Portugiesisches Rotenburg“, wie es im Reiseführer steht. Au dem Weg dorthin, habe ich mir ganz besonders kleine Sträßchen ausgesucht, das mein Mopedfahrerherz richtig aufblüht. An einer Stelle zeigt mir mein Navigator, das ich rechts abbiegen soll. Es steht kein Wegweiser auf der Straße, was so nichts besonders ist, nur der Weg, den ich einbiegen soll, ist ein ungeteerter Feldweg. Das kann eigentlich nicht richtig sein, ein Verbotsschild ist aber auch nicht zu sehen. Den Spaß gönne ich mir, mal sehen, wo der Weg hingeht. Etwa zwei Kilometer geht er genau in die Richtung, die GPS vorgibt. Dann sehe ich die Bescherung, eine Autobahn kreuzt meinen Weg, und es ist keine Unterführung vorhanden.

   Zurück zur Straße, muss ich einige Kilometer parallel zur Autobahn, bis eine Unterführung kommt, die mich auf die andere Seite wieder zurückfahren lässt. Dann mündet auch der Schotterweg, auf dem ich war, wieder auf der Straße. Hat aber trotzdem Spaß gemacht, den Pfadfinder zu spielen.

   In Obidos ist der Bär los. Wahrscheinlich wie in Rotenburg, an einem sonnigen Sonntagnachmittag. Ich gehe die Hauptstraße nach oben, aber mir sind hier eindeutig zu viele Menschen und Kitschläden. Durch ein Tor verlasse ich die Stadt, und wandere außen an der Wehrmauer zurück zum Parkplatz. Einzig ein Trödelmarkt zieht mich ein wenig in seinen Bann. Die Sachen, die zum Verkauf angeboten werden, würden in Deutschland jedem Antikhändler die Augen feucht werden lassen. Einige wunderschöne alte Truhen, diverse Instrumente, Holzflüge und andere alte Sachen. Ich hätte gerne mal die Preise gewusst, die hier verlangt werden. Da ich aber nichts mitnehmen kann, fange ich mit so komplizierten Sachen erst gar nicht an.

   Mich treibt es wieder zurück zur Residencial, denn langsam spüre ich meinen Magen, und meinen Hintern. Auf der Suzie sitzt es sich doch bequemer als auf dem Bänkchen der Yamaha.

Infobox: Christusorden

Die Karte zum 12. Tag

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Décimo terceiro dia

   Wie jeden Morgen geht mein Blick zum Himmel, wie fast jeden Morgen weiß ich die Wolken nicht zu deuten. Meine Reise nähert sich so langsam dem Ende entgegen, so das ich in die Reichweite des Flughafens möchte.

   Auf nach Faro, die Regenkombi bleibt eingepackt, an der Algarve scheint die Sonne. Hoffentlich!

   Bis ich die N10, eine von diesen Fernstraßen, die auch LKW so lieben, erreiche, ist die Fahrt richtig schön, wenn auch etwas kühl. Ich genieße diese fünfzig Kilometer noch mal, weil auf der Nationalstraße geht die Hetzerei wieder los. Lkw überholen, den Blick nach hinten nicht vergessen, um sich selbst überholen zu lassen, wenn der Hintermann zu sehr drängelt.

   Aber von wegen, auf den Fernstraßen drängelt nichts. Mein erster Stau in Portugal. Wenn die Geschwindigkeit so anhält, kann ich das Geld für zwei Übernachtungen sparen und direkt zum Airport fahren. Irgendwann wird es aber besser, viele Fahrzeuge fahren auf die Autobahn in Richtung Lisboa. Nachdem auch eine Fernstraße nach Lisboa abbiegt, geht es richtig zügig.

   Auch die Sonne kommt hinter den Wolken hervor. 240 Kilometer Luftlinie bis zur Algarve, und der Himmel wird blau. Aber nicht lange, der Himmel sieht ganz merkwürdig aus. Es kühlt sich auch merklich ab. Dann sehe ich, woran es liegt, bzw. ich sehe nur noch wenig, es wird nämlich neblig. Ich kann stellenweise keine einhundert Meter weit sehen. Was ich aber noch rechtzeitig sehe, sind die Warnblinkleuchten der Fahrzeuge vor mir. Die Autos stehen, und es kommt auch kein Gegenverkehr mehr.

   Einige Fahrer steigen aus und beratschlagen, was zu tun ist; einige von ihnen wenden. Dadurch komme ich etwas näher, und kann die Bescherung sehen. Ein PKW liegt auf dem Dach. Ich denke, das hier wird noch eine ganze Zeit dauern, und sehe in der Karte nach einer Ausweichstrecke. Ich habe Glück, denn einige Kilometer hinter mir geht es zur Autobahn, die direkt zur Algarve führt. Erst jetzt, nachdem ich gewendet habe und zur Autobahn unterwegs bin, kommen mir zwei Rettungswagen entgegen. Der Unfall muss nur wenige Minuten, bevor ich die Stelle erreicht hätte, passiert sein. Ein bisschen Glück braucht der Mensch.

   Ich bleibe auf der Autobahn bis kurz vor Faro, wodurch ich natürlich viel schneller an der sonnigen Algarve bin. Eine Residencial ist hier schnell gefunden, genau gegenüber dem Eva-Busterminal, und somit in unmittelbarer Nähe der Altstadt und der Fußgängerzone.

   Nach dem Duschen gehe ich in die Altstadt, um in einem Weinkeller, genauer gesagt einem Weinlager, ein paar Flaschen von dem hervorragenden Portwein den es dort gibt, zu kaufen. Leider bleiben die Tore heute geschlossen, obwohl ich es mehrmals probiere.

Die Karte zum 13. Tag

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Décimo quarto dia

   Das erste mal während der ganzen Reise, das ich von der Sonne geweckt werde. Und das erste mal, das ich in einer Residencial kein Frühstück bekomme, obwohl ich hier in Faro das teuerste Quartier habe. Das ist wohl der Preis der Algarve.

Nach dem Frühstück, das ich aus eigenen Vorräten bestreite, bin ich Unterwegs in die Serra de Monchique und zum Cabo Sao Vincente, dem südwestlichsten Punkt Europas. Ich habe zwar die Regenkombi hinter mir, auf der Sitzbank festgegurtet, kann mir aber nicht vorstellen, das ich sie heute anziehen muss. Der Himmel ist blau, ohne eine Wolke.

  Auffallend sind die vielen Korkeichen an denen ich in der Monchique, auf dem Weg zum Foia, mit 902 Meter die höchste Erhebung der Algarve, vorbei komme.

   An den vielen Brunnen, die hier im Gebirge entspringen, holen nicht nur die Einheimischen ihr frisches Quellwasser, auch die Ferienhausbesitzer von der Küste füllen hier ihre Kanister.

   Über kleine Bergsträßchen komme ich nach Sagres, wo ich die Fortaleza, dem Fort, wo Heinrich der Seefahrer, im 15. Jahrhundert, seine Seefahrerschule gründete, besuchen möchte. Leider sind von dem Fort nur die Außenmauern, die wiederum aus dem 17. Jahrhundert stammen, stehen geblieben. Ich finde der Besuch lohnt sich nicht.

   Weiter geht es zum Cabo Sao Vincente, das ich von der Fortaleza aus sehen kann. Im vorigen Jahr war ich mit Inge dort, und hatten das Glück den Leuchtturm besichtigen zu können. Die Leuchtturmwärter bessern so ihre Einkünfte etwas auf.

Der Leuchtturm vom Cabo Sao Vicente

   Es sieht aber alles anders aus wie im vorigen Jahr, die Gebäude sind mit einem Bauzaun abgeriegelt. Anscheinend sind große Restaurierungs-Maßnahmen im Gange. Ich denke auch, das bei der Menge Busse, die hier Parken, es kaum möglich gewesen wäre den engen Turm zu besteigen. Im letzten Jahr war es hier um einiges ruhiger, es ist natürlich auch vier Wochen später im Jahr, und somit sind auch mehr Touristen an der Algarve. Ich verlasse das Kap mit seinen vielen Touristen wieder.

   Die Straße zum „Barragem de Bravura“, einem Stausee im Hinterland der Algarve, ist zwar eine Sackgasse, dafür schön Kurvenreich und fast ohne Autoverkehr. Leider wird meine Hoffnung etwas enttäuscht, am See eine Schotterpiste zu finden. Das wäre ein schöner Abschluss dieser Reise gewesen, aber leider sind alle Wege am Ende der Straße mit Ketten zugehangen. Die verantwortlichen werden schon wissen warum.

   Auf dem Rückweg vom See, fällt mir ein Hinweisschild zu irgendeiner Steinformation auf, das direkt auf einen Schotterweg weißt. Jetzt geht es ganz legal auf Schotter weiter. Leider ist auch dieser Weg einmal zu ende, obwohl mir die Steine, die auf dem Schild angekündigt waren gar nicht aufgefallen sind.

   Bevor ich wieder zurück nach Faro fahre, werde ich meinen Hunger bei Fatima in Praia da Rocha stillen. Das Restaurant wo Inge und ich schon so oft gegessen haben. Man sitzt dort direkt am Strand, und das bei schönstem Sonnenschein. Mein letztes warmes Essen in Portugal ist.... wie kann es anders sein, Bacalhau.

Infobox: Olivenbaum

Infobox: Cabo Sao Vicente

Die Karte zum 14. Tag

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Décimo quinto dia

   Das letzte mal, das ich dieses Jahr, in Portugal am Morgen zum Himmel schaue. Aber kein Problem, der ist Azurblau. Was auch gut ist, denn ich muss heute Morgen zum Airport und möchte nicht die Regenkombi über die Jeans anziehen.

   Wie immer wenn die Abreise ansteht überfällt mich eine gewisse Nervosität, die sich darin äußert, das ich viel zu früh packe bzw. wie heute viel zu früh am Airport sitze. Gestern habe ich mir den Flug noch bestätigen lassen, so das der vereinbarte Termin, um das Moped abzugeben, nicht geändert werden muss. Der Vermieter soll um 10:00 Uhr am Flughafen sein, ich sitzt aber jetzt schon um 9:00 Uhr hier. Hier gibt es aber, im Gegensatz zum Zimmer, wenigsten etwas zu sehen.

   Dann sehe ich den Vermieter, eine Viertelstunde vor dem Termin. Die Übergabe ist schnell erledigt, und ich kann mich voll aufs einchecken konzentrieren.

Die letzten Stunden in Portugal

Die Portugalkarte

Das Rezept zum Bericht

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