Zum Schwalbenflieger

Post für mich

Letzte Bearbeitung:               02.02.2011

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Vespa 1998

Rheydt, den 22.3.1998

Wenn ich jetzt bei der Reiseplanung sitze, und durchs Fenster das trübe Wetter sehe, kann ich mir nicht vorstellen das in zwei Monaten T-Shirts im Topcase liegen sollen.

Na ja, die Regenhose ist auch dabei. Die Jacke mit oder ohne Futter? Es sind ja noch zwei Monate bis zur Entscheidung.

Im Radio sagten Sie das es einen Wintereinbruch gegeben hat, mit Schnee und allem drum und dran.

Und dann T-Shirts einpacken!

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Rheydt, den 24.5.1998

Der erste Abschnitt meiner einwöchigen Reise geht über Bundesstraßen zum Nürburgring. Das Wetter ist trocken, leider etwas kühl, Vespe scheint es nicht zu Stören, sie summt munter vor sich hin.

An der „Grünen Hölle“ angekommen, suche ich die Einfahrt zur Nordschleife. Etwas Nervös und mit einigen Tipps von „richtigen“ Bikern versehen, geht’s auf die 51jährige Rennstrecke.

Blinker rechts und immer schön den Blick in den Rückspiegel, nur keinem im Weg stehen. Die zahllosen Bremsspuren auf Asphalt und Wiese, die neuen Leitplanken, das rührt wohl alles von unangebrachter Fahrweise her.

Vesp vor dem Nürburgring

Wie jener Kadettfahrer, der mich überholt, von dem ich nicht weiß, ob das Gehrutsche Glück oder Können ist. In jedem Fall ist der Vespe und mir der Applaus und die Zurufe der morgendlichen Zuschauer sicher. Immer wieder muss ich in rasanter Fahrt die Hand zum Grüßen lösen.

Nach Beendigung der Runde geht’s weiter zum zweiten Etappenziel nach Cochem. Bein einem Schnitzel und einem Glas Wein wird mein Kraftspeicher wieder geladen.

Die vielen Hochwassermarken an den Gebäuden, lassen nichts gutes ahnen. Besonders im Dezember 1993, war hier alles Land unter. Obwohl das Restaurant einiges von der Mosel entfernt liegt, ist im Keller eine Markierung.

Ich frage die Kellnerin. Sie erzählt von Schmutz, Arbeit, Schweiß und Tränen. Heute sieht alles wieder piksauber aus.

Ich setze mich wieder auf Enrico Piaggios vor über 50 Jahren konstruierte Zweirad. Auf der anderen Seite der Mosel die nächsten Hügel erklimmen.

Der Hunsrück.

In Sargenroth bei Simmern rolle ich vor der Jugendherberge aus, mein Domizil für die nächsten Tage.

Jetzt ist noch Relaxen angesagt.

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Nach einem reichlichen Frühstück geht’s los.

Kleine Landstraßen warten auf uns. Kurven, Kehren, Anstiege, Abfahrten, endlich ohne Gepäck lasse ich Vespe richtig Fliegen.

In Idar-Oberstein will mich der Regen Ärgern. Nix da! Ab ins Edelsteinmuseum, gezeigt werden Edelsteine aller Größen und Sorten. Der größte Diamant der Welt. Nein, nein, nicht der Echte. Das Original aus Südafrika von De Beers hat 273 Karat.

Eingang zur Burg Lichtenberg

Der Regen hat nachgelassen und ich fahre nach Kusel zur Burgruine Lichtenberg. Deutschlands größte Burgruine.

Wieder zurück in der Jugendherberge unternehme ich noch eine Wanderung im „Jugendherbergswald“. In der Zwischenzeit kommen über einhundert Kinder im Alter von 6-7 Jahren an. Sie verwandeln die Hunsrückerruhe in ein Tollhaus.

Trotz einiger Weißenbiere beim Abendessen kann ich erst gegen Mitternacht die Augen zumachen, nachdem auch die letzten „Radaukinder“ endlich Ruhe geben.

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Im Rollermuseum

Der nächste Morgen ist schnell da. Auf dem Plan steht das Rollermuseum in Rüdesheim. Die Fahrt ist kühl aber trocken. Ich bin etwas früh da, dass Museum ist noch geschlossen, so beschließe ich noch etwas durch die Rüdesheimer Altstadt zu gehen. In der Weltberühmten Drosselgasse wird heute Morgen mehr Japanisch als deutsch gesprochen.                                     Im Museum stehen Vespen über Vespen. Mit einigen hat Hans Krueger, der Eigentümer des Museum, Fernfahrten unternommen. Oder die Rot-Orange PX, sie wurde bei 24 h Fahrten von ihm eingesetzt.                                                                          Draußen wartet meine Gelb-Weiße Vespe um mich zum nächsten Etappenziel zu bringen.                                                            Beim Anfahren zur Fährrampe sehe ich aus den Augenwinkel ein Plakat. „Mittelalterliches Foltermuseum“. Wenden. Durchgezogene Linie, ach egal.                                                                           In den Gewölbe dieses Folterkeller, läuft es einem den Rücken runter. Auch wenn die Ausstellungsstücke nur Nachbauten sind, die Menschen wissen schon wie man jemanden Quälen kann. Ich finde Köpfen ist hier noch das Humanste.                                         Nach dem Gruseln ab zur Fähre.

Gestern eine Burg, heute das Dorf dazu. Freilichtmuseum Sobernheim. Mit schön Restaurierten Gebäuden und einer Gaststätte, in der ich mir ein spritziges Weizenbier und frische Bratkartoffeln schmecken lasse.                                                Bei der Rückfahrt zur Jugendherberge lasse ich es über kleine Landstraßen ruhig angehen. Am Abend roller ich nach Simmern um es mir noch mal gut gehen zu lassen. Ein bisschen laufen, dann in eine Kneipe.                                                                     Weizenbier, was sonst. Speisekarte. Rumpsteak.                     Beim Essen werde ich von meinem Tischnachbarn angebaggert, er will mich mit nach Hause schleppen. Gott sei Dank kann ich aber Reißaus nehmen, und Vespe bringt mich sicher zur Herberge.

Der Schlaf kommt heute früh. Die Unruhegeister von gestern mussten Wandern, sind also auch müde.

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Aufstehen, Fenster auf, ui es gießt in Strömen. Duschen, Packen, Frühstücken.

Die Vespe wird mit Kurs Süden durch den Pfälzer Wald gelenkt. Der Regen hat schon eine ganze Zeit aufgehört. In Straßbourg sehe ich eine Temperaturanzeige, sie steht auf 28°C. Regenhose, Pullover und das Innenfutter ausziehen, weiter bis zum Münster.  Um Vespe wiederzufinden stelle ich sie in der nähe des Bahnhof ab. Zu Fuß gehe ich durch Straßburger Gassen zum Münster.      Leider gibt es die Abendliche Vorführungen nicht mehr. Ein wenig frustriert stehe ich auf dem Münsterplatz, wollte doch unbedingt so ein Spektakel mit Licht und Musik erleben. Das Gepäck wird auch langsam schwer. Vor dem Münster gibt es wunderbare Cafes und Brasserien. Bei einer kühlen Erfrischung im Schatten geht es mir schon viel besser.                                                                     Was mir auffällt, das alle Roller und Motorräder mit dicken Stahlseilen an irgendwelchen Geländer und Laternen festgekettet sind. Ich bezahle, und im Laufschritt geht’s zur Vespe, unberührt steht sie an ihrem Platz.                                                              Die Fahrt zur Jugendherberge, bei dem tollen Sonnenschein macht wirklich Spaß. Auf den letzten zehn Kilometer zur Herberge „Zuflucht“, überwinden wir 1000 Höhenmeter mit bis zu 18%, aber kein Problem für Vespe.

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Turm vom Straßburger Münster

Die Jugendherberge ist wirklich eine Zuflucht, mitten im Busch, nichts als Wald.                                                                       Nach einem bombastischen Frühstückbuffet lenke ich die Vespe noch mal nach Straßbourg. 18% Gefälle, 1000 Höhenmeter abwärts, zehn Kilometer Kurve an Kurve, Kehre an Kehre, hier bin ich Vespisti, hier darf ich’s sein.                                            Die Ersteigung des Münsterturms ist bei dem Sonnenschein eine „heiße Sache“. Aber die Aussicht entschädigt dafür. Der Abstieg ist nicht so anstrengend, unten lasse ich mich durch Sträßchen und Gassen treiben. Leider immer mit dem Gedanken an die angeketteten Zweiräder.                                                            Bei der Fahrt zu meiner „Zuflucht“ wird der Weg das Ziel. Irgendwann kommt der Hunger. In Oppenau steige ich ab. Im Gasthof ist nur noch am Stammtisch ein Platz frei, klasse , Essen mit Unterhaltung ---nur--- ich verstehe kein Wort. Ist fast wie im Ausland hier. Das Essen schmeckt aber trotzdem.

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Heute ist der letzte Tag den ich zu Verfügung habe. Hier oben ist es bitterkalt. Mit Winterfutter und Regenhose geht’s über schöne Schwarzwaldstraßen nach Süden.                                               In Hauslach gehe ich ins Freilichtmuseum „Vogtsbauernhof“.       Ich bin wieder unterwegs, auch wärmer wird es langsam. Entlang der Deutschen Uhrenstraße bringt mich die Vespe nach Furtwangen zum Uhrenmuseum. Von der Sonnenuhr, über die Sanduhr, bis zur Atomuhr ist alles vertreten. Natürlich auch Kuckucksuhren in allen Varianten.                                            Wir Fahren weiter Richtung Glottertal, klar kennt jeder, Vespe biegt aber vorher rechts ab auf die Schwarzwald Panoramastraße. Höhenmeter fressen auf dem 1241 Meter hohen Kandel. Der höchste Punkt der Reise, nur mit Panorama ist nix, alles voller Nebel.                                                                                 Unten scheint wieder die Sonne. Also ab nach Freiburg noch ein bisschen Bummeln gehen.

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Jugendherberge Zuflucht

Das Topcase ist gepackt, die Tasche ist festgezurrt, die Jugendherb erge ist bezahlt, jetzt ab zur Heimat.

Durch Straßburg mogele ich mich gut durch.                               Im französischen Ort Bitche ist ein Kastell das ich mir noch ansehen will.                                                                                            Im deutsch-französischen Krieg war es von den Preußen belagert, und von den Franzosen bis zuletzt, auch nachdem der Krieg schon beendet war, verteidigt. Schon der Aufstieg zum Kastell ist beeindruckend, durch Lautsprecher hört man die Pferdewagen und Truppen die hier Marschierten.                                                   Mit Kopfhörer, durch Ampeln geleitet, werde ich durch das Gemäuer geführt. Aufgebaute Szenen, Film und Diavorführungen lassen mich in die absurde Welt des Krieges eintreten. Nach zwei Stunden darf ich sie wieder verlasen.                                            Es geht weiter ins Saarland, eigentlich will ich an der Saarschleife noch mal übernachten. Das Wetter ist aber so klasse, genau wie meine Laune, das wir über Trier und Eifel in einem Rutsch bis nach Hause fahren.

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Abschließend kann ich sagen das mir diese Reise sehr gut gefallen hat. Gerne würde ich noch größere Unternehmungen dieser Art „erfahren“.

Rheydt, im November 1998

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