Der Geschichte gerecht zu werden ist eine schwierige Aufgabe. Seit 1918 die Monarchie abgelöst wurde, ist gerade über diese deutsche Epoche viel Unwahres, oder Verfälschendes geschrieben worden. Mit diesem Artikel, den der Vorsitzende von Tradition und Leben aus den Manuskrikten Friedrich August Henns verfasst hat, soll eben einer Person der Geschichte, Kaiser Wilhelm II., ein wenig mehr Gerechtigkeit widerfahren. Es soll ohne jede Beschönigung an dieser Stelle ein wirkliches Bild des letzten deutschen Kaisers vermittelt weden

 

 

Vorwort des Herausgebers



Es war im "Preußenjahr" 2001, in dem der Verein "Tradition und Leben e.V." aus Anlaß des 60sten Todestages Kaiser Wilhelms II. nach Doorn fuhr. In diesem Jahr, in dem sich die Königserhebung des Hauses Hohenzollern zum 300sten Male jährte, fanden mehr als 100 Menschen den Weg zum Mausoleum des Kaisers im Park von Huis Doorn in den Niederlanden.

Mehrere Prinzen Königlicher und Fürstlicher Bundesfürstlicher Häuser ehrten den Präsidenten des "ewigen Bundes" der deutschen Fürsten. Ansprachen, Kränze, stilles Gedenken und zuvor ein Gottesdienst in der benachbarten Kirche bildeten den Kern der Gedenkveranstaltung.

Damit aber noch nicht genug, so war doch unter den Anwesenden eine reizende, ältere Dame, die als Kind den Kaiser in Doorn erlebte. Ihr Vater war Friedrich August Henn, der "Hofpfarrer" in Doorn gewesen war.

Herr Henn hatte einst seine Erinnerungen an seine Zeit in Doorn zu Papier gebracht, diese aber nicht weiter verbreitet. Das soll nun hiermit nachgeholt werden. Dabei sei Frau Henn herzlich für das zur Verfügungstellen der Texte gedankt.

Es ist wichtig Geschichte aus ihrer jeweiligen Zeit heraus zu verstehen. Zwischenzeitliche Erfahrungen und gesellschaftliche Wandlungen verzerren das Bild der Geschichte und der Einstellungen jener Zeit.

Dazu ist es um so wichtiger Quellen zu studieren, gerade auch persönliche Erlebnisse, die aus der Beobachtung heraus aufgezeichnet worden sind. Gerade diese persönlichen Eindrücke aus der nächsten Umgebung lassen historische Persönlichkeiten in einem menschlichen Licht erscheinen.

Daher war es mir ein Bedürfnis, diese hier vorliegenden Erinnerungen zu bewahren und zugänglich zu machen. Sie sind zur Einschätzung der Persönlichkeit eines Menschen sehr wichtig, der nach dem hohen Amt mit all seinen Verpflichtungen und Repräsentationserwartungen dort im Exil in Doorn als Privatperson, sich als normaler, natürlicher Mensch geben konnte. Ein Mensch vor allem, der sich völlig der Gnade Gottes, von dem er an seinen Platz gestellt wurde, ergab. Eine Demut, die in der heutigen Zeit so fremd anmutet, weil sie so selten vorgelebt wird. Heute steht doch das eigene "Ich" im Vordergrund und die Gnade des Herrn wird nicht mehr empfunden, obgleich wir alle der Gnade Gottes unterstehen, ob man nun will oder nicht: "Sein Wille geschehe!"


Knut Wissenbach

Kelkheim 2. August 2001

Erinnerungen von Friedrich August Henn