Linux in der Schule
Karl Sarnow
ISBN 3-934678-21-1
FAQ
Spötter behaupten, FAQ (Frequently Asked Questions) stehe in Wirklichkeit
für Frequently Answered Questions (Häufig beantwortete, aber
niemals gestellte Fragen). In diese Tradition möchte ich mich einreihen.
Nehmen wir also an, der virtuelle anonyme user AU stellte an den real
existierenden Autor KS Fragen zum Buch.
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AU: Ich habe an unserer Schule ein LINUX Netzwerk eingerichtet und möchte
von 10MB/s Koaxialkabelvernetzung auf 100MB/s Glasfaserkabel umstellen.
Dazu benötige ich insbesondere Hinweise auf gängige Router und
Switches. Soll ich das Buch kaufen?
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KS: Nein. Es sei denn Sie sind nebenbei auch an Unterrichtsmaterialien
für LINUX interessiert und die zugehörige CDROM ist Ihnen 25 Euro
wert.
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AU: Unsere Schule soll vernetzt werden. Ich möchte mich erstmal
grundlegend informieren. Nützt mir das Buch?
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KS: Ja. Für Sie ist dieses Buch geschrieben worden. Falls Sie dann
hinterher doch ein anderes Betriebsystem als LINUX benutzen, was sind schon
25 Euro? Schreiben Sie mir auf jeden Fall Ihre Erfahrungen per E-Mail.
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AU: An unserer Schule benutzen wir W* als Betriebsystem. LINUX ist
bei uns nirgends installiert. Nutzt mir die CDROM des Buches dann etwas?
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KS: Ja. Die meisten Unterrichtsmaterialien auf der CDROM sind so konzipiert, daß sie einzig
und allein einen HTML-Browser als ausführende Software benötigen.
Sowohl das Betriebsystem als auch die Hardware auf der das Betriebsystem
läuft spielen dabei keine Rolle. Meiner Meinung nach muss Schulsoftware
so konzipiert sein, wie die Beispiele auf der beiliegenden CDROM.
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AU: Kann ich mit dem Buch und den darin enthaltenen CDROMs unser Schulnetz
aufbauen?
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KS: Ja. Allerdings empfiehlt sich zusätzlich der Kauf einer vollständigen
LINUX Distribution, weil auf der Demonstrations-CDROM im Buch nur der Kern
des Betriebsystems (nicht Kernel) und der zum Betrieb notwendigsten
Programme enthalten ist. Die vielen schönen Anwendungsprogramme sind
bei einer vollständigen LINUX Distribution (zumindest bei SuSE
8.1) auf insgesamt 6 CDROMs verteilt. Tendenz: Wachsend.
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AU: Ist die Behauptung, LINUX sei DAS Standardbetriebsystem für
Schulen nicht ein wenig übertrieben?
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KS: Na gut, ein ganz, ganz, ganz klein wenig. Zumindest ist LINUX noch
nicht das faktische Standardbetriebsystem sondern das geeignetste Betriebsystem
für Schulen. Diese etwas provokante Behauptung sollte Leser nachdenklich
und neugierig machen. Es gibt viele gute Gründe sich für LINUX in
der Schule zu entscheiden. Im Buch stehen vielleicht nicht alle Gründe,
aber viele. Ausreichend viele und ausreichend gewichtige Argumente jedenfalls,
die o.g. Meinung öffentlich zu vertreten.
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AU: Ich möchte LINUX ja an unserer Schule benutzen, aber die Mehrheit
der Kolleginnen und Kollegen ist dagegen. Was kann ich tun?
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KS: Scherzhaft: Schenken Sie jedem Gegner ein Exemplar des Buches. Ernsthaft:
Nehmen Sie das Buch mit in Diskussionen, zitieren Sie daraus oder zeigen
Sie es den Kolleginnen und Kollegen. Es ist manchmal einfach nur Unkenntnis
und die Furcht vor Neuem, welches den Einsatz des Sinnvollen (LINUX) verhindert.
Und im Zweifelsfall vereinbaren Sie einen Besuch an einer Schule, an der Linux als
Betriebsystem installiert ist.
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AU: Wir nutzen viele Windows Programme im Unterricht. Kann ich die weiterverwenden,
wenn wir entsprechend dem Buch auf LINUX umgestellt haben?
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KS: Nein. Jedenfalls nicht ohne weiteres. Sie sollten sich aber überlegen,
ob das überhaupt wünschenswert ist. Das Problem ist, dass Schulbuchverlage
ihr Hauptmarktsegment im sogenannten Edutainment-Bereich sehen, also dem
Nachmittagsmarkt. Dort muß es bunt und lautstark zugehen. Besonders
Lautstärke ist in einem Klassenraum bekanntermaßen nicht unbedingt
erwünscht. Aber auch die poppig fetzigen Benutzeroberflächen
lenken sehr oft von der Materie ab und verleiten zum Spiel mit der Benutzeroberfläche.
Die als Attention-Catcher gedachten Gimmicks (Reagenzgläser die bei
Berührung mit der Maus unter Abgabe eines schmatzenden Klicks eine
Menüleiste freigibt oder Ähnliches) für den Nachmittagsunterricht
machen sich im engen 45 Minuten Korsett einer normalen Unterrichtsstunde
einfach schlecht. Vergleichen Sie mal mit dem Material auf der Begleit-CDROM.
Das ist nüchterner, trotzdem nicht unbunt, aber eben nicht so aufdringlich
und deshalb für den Unterrichtseinsatz in der Schule besser geeignet.
Wenn Sie noch keine zu große Sammlung von Programmen haben, sollten
sie diese vielleicht einfach vergessen?
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AU: Gibt es wirklich keine Möglichkeit, meine Windows Programme
im Unterricht zu nutzen, wenn ich entsprechend dem Buch verfahre?
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KS: Doch. LINUX arbeitet natürlich ohne Probleme mit anderen
Betriebsystemen zusammen. Wenn Sie also zwei Festplatten im Computer haben
oder eine einzige, die groß genug ist, können Sie beliebig viele
Betriebsysteme installieren (soweit es der Plattenplatz zuläßt)
und unter LINUX (mit dem LILO) einrichten. Sie starten dann das Betriebsystem,
welches Sie benötigen. Diese Möglichkeit ist im Buch nicht beschrieben,
weil sonst fälschlicherweise der Eindruck entstehen könnte, die
friedliche Koexistenz der Betriebsysteme hätte ihre Korrespondenz
in der Koexistenz von (für den Schulunterricht) schlecht konzipierter
Schulsoftware (meist Edutainment Software), die nur auf einem Betriebsystem
mit einer bestimmten Hardware zusammenarbeitet und sehr oft nur unter Schwierigkeiten
in ein Netzwerk zu integrieren ist, zu gut konzipierter Schulsoftware (Educational
Software), die unabhängig von Betriebsystem und Hardware arbeitet,
leicht im Netz zu installieren ist und die investitorische Sicherheit bietet
auch bei Wechsel von Betriebsystemen und Hardware (in absehbarer Zeit)
noch zu funktionieren.
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AU: Wenn LINUX so stabil ist, nichts kostet und ausserdem die GPL Software
kopiert werden darf, warum haben dann die Schulbehörden nicht schon
längst LINUX für Schulen empfohlen?
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KS: Kommt sicher noch. Schließlich ist die vernetzte Schule eine
teure Angelegenheit. Das Problem ist die Ausbildung von Lehrern oder anderem
Personal, welches die Technik am Leben erhält.
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AU: Ist es nicht viel zu aufwendig, jedem Schüler seinen eigenen
Account zur Verfügung zu stellen? Unter Windows brauche ich das doch
gar nicht!
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KS: Aufwendig ist es schon, aber leider auch notwendig. Wie sollen Schüler
sonst lernen selbständig und selbstverantwortlich im System zu arbeiten?
Aber es gibt auch Programme, die z.B. die Einrichtung von Accounts erleichtern,
z.B. kmuser. Damit können alle Schüler eines Jahrgangs, die in
einer ASCII Liste vorliegen einfach verwaltet werden.
©Dr. Karl Sarnow,
Son Mär 16 11:07:21 CET 2003.