Karstens Astronomie-Seite
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Astronomie

1. Fernrohrselbstbau ********* 2. Astrofotografie

Mehr als zehn Jahre beschäftige ich mich schon mit diesem reizvollen Thema. Für die Planetenbeobachtung - mehr kann man aus der Stadt heraus kaum machen - dient ein 5-Zoll-Refraktor auf meinem Balkon.

Für die Jagd nach Deep Sky Objekten, wie Gasnebel, Galaxien und Sternhaufen, benutze ich abseits von Berlin mehrere, teils selbst gebaute transportable Teleskope.


1. Fernrohrselbstbau

Der Selbstbau von Fernrohren ist inzwischen eigentlich schon ein eigenständiges Hobby geworden. Ausschlaggebend war für mich die Lektüre des Buches "Das Fernrohr für Jedermann" von Hans Rohr - ein Klassiker aus der Nachkriegszeit, wie man unschwer an der unkonventionellen Materialauswahl erkennt. Das Buch gibt eine komplette Anleitung vom Schleifen des Spiegels bis zum Fertigbau.

Mein erstes Werk, ein 10-zölliges Newton-Teleskop, für das ich auch den Spiegel in einem Kursus der Berliner Wilhelm-Förster-Sternwarte geschliffen habe, war noch aus finanziellen Gründen im Eigenbau entstanden. Mit zwei linken Händen ausgestattet, aber voller Tatendrang, machte ich mich ans Werk. Anfängliche Miserfolge trübten sehr bald die Freude, bis mir mein Vereinskamerad Martin beim Bau half. Ich hatte wohl zu viel Unrealisierbares konstruiert. Ein Besuch des "Internationalen" (stimmt: ein paar Bauteile einiger Fernrohre waren aus Übersee) Teleskoptreffens Vogelsberg (ITV), bei dem traditionell sehr viele Eigenbauten zu sehen sind, gab mir die Gelegenheit, bei anderen Fernrohrbauern einfache Lösungen für kompliziert scheinende Konstruktionsprobleme abzukupfern. Kaum jemand nimmt das einem übel, denn es zeigt demjenigen, daß dessen Bau nachahmenswert ist. Nach einigen Monaten war´s dann soweit: First Light - und nach wie vor ist mein 10-Zöller das meistgenutzte Gerät. Handlich, robust, noch einigermaßen transportabel und in nur zehn Minuten aufgebaut. Inzwischen ist es natürlich äußerlich etwas ramponiert, aber wie sagte schon Fraunhofer: "Meine Teleskope sind zum Durchsehen, nicht zum Ansehen!"

Martin Trittelvitz hat inzwischen so viele Spiegel geschliffen und - teils auch außergewöhnliche - Teleskope gebaut, daß er sein Wissen in dem Buch "Spiegelfernrohre - selbst gebaut" zur Verfügung stellt. Das Buch ist beim Verlag Sterne und Weltraum erscheinen. Unter der E-Mail-Adresse marty.t@t-online.de gibt er auch gern Ratschläge.

 

Nachdem eine Hürde gemeistert ist, strebt man bekanntlich nach höheren Zielen. Kann man ein 10-zölliges Fernrohr (Spiegeldurchmesser immerhin 25cm) auf ein Motorrad packen, um außerhalb der Großstadt einige Lichtquanten mehr einzufangen? Dies auszuprobieren faszinierte mich. Nun, eine grobe Vermessung meines Topcaseträgers zeigte mir sehr schnell, daß es keinen Sinn machte, den 10-Zöller umzubauen. Gut 20 kg Masse und die Abmessungen würden das Fahrverhalten der Maschine unangenehm beeinflußt haben. Aber ein kleineres Gerät bis 20cm Spiegeldurchmesser und maximal 15 kg wären vertretbar. Das stellte zwar nochmals höhere Anforderungen an die Planung (Stabilität), aber auch diese Probleme erwiesen sich als lösbar. Die kompakte Bauweise bringt es mit sich, daß der Auf- und der Abbau länger dauern, muß das Gerät doch in kleine Einzelteile zerlegt werden. Dennoch macht die Beobachtung mit diesem Gerät viel Freude, zumal der käuflich erworbene Spiegel eine sehr gute Optik darstellt (man kann bei solchen Präzisionsoptiken auch böse Überraschungen erleben).

Bilder 1 - 3 mit freundlicher Genehmigung von Martin Trittelvitz und Reiner Romeike

Ja wie denn nun, fragt sich der Laie:

Die verhältnismäßig einfache Dobsonsche Bauart (obenstehende Skizze) empfiehlt sich für den Eigenbau besonders, erfordert sie doch keinen hohen Werkzeug- und Materialaufwand. Auf Dreh- und Fräsmaschinen kann man verzichten. Die wenigen Teile, bei denen Präzision gefragt ist (Haupt- und Fangspiegel, deren Fassungen und den Okularauszug) kann man relativ preiswert erwerben. Im Prinzip besteht die Anordnung nur aus drei Holzkisten:

1. dem Fangspiegelkasten (dem sog. "Hut"), in welchem das Licht mittels eines um 45 Grad geneigten kleineren Spiegels seitlich aus dem Fernrohr herausgeleitet wird. Dort wird das im Brennpunkt entstehende Bild mittels einer Lupe, Okular genannt, vergrößert.
2. der Spiegelkiste, in der der lichtsammelnde Haupt- (Hohl-)Spiegel sicher, aber justierbar gelagert wird
3. der sogenannten "Rockerbox", welche eigentlich nur dazu dient, das Fernrohr in jede erdenkliche Himmelsrichtung zu lenken. Auf die Ausrichtung auf den Himmelspol kann man verzichten, wenn man nicht fotografisch arbeiten will.
Mein neuester Zugang ist ein 18 Zoll-Dobson mit einem zumindest meiner Meinung nach recht guten Spiegel der Firma ATM in der Tschechischen Republik. Mit etlichen - auch längeren - Unterbrechungen hat der Bau zwei Jahre gedauert.

Wer sich mit dem Spiegelschleifen und dem Bau von Teleskopen näher befassen möchte, dem stehe ich unter karsten.falkenhagen@arcor.de gern mit Ratschlägen zur Verfügung.


2. Astrofotografie

Besondere Ereignisse halte ich im Rahmen meiner Möglichkeiten im Bild fest. Für viele Anwendungen reicht eine ganz normale Spiegelreflexkamera. Vorzugsweise benutze man Fotoapparate ohne aufwendige Technik - eine Belichtungsautomatik erweist sich meistens eher als hinderlich, da die Belichtungszeiten ohnehin im Bereich von Minuten liegen. Nicht jeder "Schuß" glückt, oft ist man dem Zufall ausgeliefert. Hier sind besonders gelungene Fotos der letztjährigen Kometen abgebildet:

oben links: Hyakutake in 1996, 3 min mit 135mm Objektiv

oben rechts: Hale-Bopp 1997, 2 min mit 1:2,8/50mm Objektiv

unten rechts: Hale-Bopp, 1 min mit 1:10/1.000mm Objektiv

Daneben versuche ich mich seit einiger Zeit an Himmelsaufnahmen und Helligkeitsmessungen an Veränderlichen Sternen mittels einer CCD-Kamera.

Der Kern des Kometen Hale-Bopp...

rot gruen blau
...im roten... im grünen... und blauen Licht

Ein Großereignis war die Sonnenfinsternis vom 11.8.1999 über Süddeutschland. Trotz widriger Wetterbedingungen (Nieselregen bis ca. 2 min vor der Totalität) und nur mäßiger Ausrüstung (Praktika mit 200mm Teleobjektiv ohne Stativ) gelangen mir ein paar nette Fotos. Wieder einmal, wie bereits bei der SoFi vom 10.5.1994, hat sich das Prinzip, den Wolkenlücken hinterherzufahren, gelohnt.

oben links:Wolkenlücke 15min vor der Totalität
oben rechts: Totalität - Korona
unten links:ca. 1/2 Std. vor Totalität
unten rechts: Totalität - Protuberanzen (rot)

Eine weitere Sonnenfinsternis, wenn auch in unseren Breiten nur partiell, zog meine Aufmerksamkeit am 31.5.2003 auf sich.

aus vier Fotos zusammengesetztes Ani-Gif.

C5: 1.250mm Brennweite

atmosphärische Effekte verzerren das Sonnenbild

langsam wird es hell

 

 

Polarlichter am 20.11.03 gegen 21:45 Uhr zwischen Lehnin und Michelsdorf/Fläming

 

erste Versuche mit der webcam

Jupiter Saturn

jeweils durch 5" Lichtknecker Refraktor

 

von Side / Türkei aus beobachtet

When I look up at the stars at night
What could I find beyond the light
A hundred million worlds that we ignore

Who can restrain Pleiades
Or know the laws of heavenly´s
How many times have we been wrong before ?

Far off in the fields I see a castle
Today the people gather at the pole
He tried to tell us all the world was spherical
They burnt his body but not his soul

("Pleiades" von "Gretchen Goes To Nebraska" (1989) - King´s X)


seit 12.7.2001