Campus
des LC Burgfalken
27.7. bis 29.7.2001"Es muss nicht immer
Großstadt sein..." mit diesem Spruch wirbt der LC
Burgfalken Amberg für sich und seine jährliche
Hauptveranstaltung, den Campus. Und in der Tat, aus
meinem Bekanntenkreis hatte ich in den Vorjahren allerlei
Gutes über das Zeltwochenende im Frankenland gehört. In
diesem Jahr hatte ich mir nun fest vorgenommen, dort mal
vorbeizuschauen, und mich deshalb bereits im Februar
angemeldet. Bei einer Stippvisite in Amberg war ich
bereits im Mai von Ewald und Uwe, den
Hauptverantwortlichen beim LC Burgfalken, sehr herzlich
aufgenommen worden. Und so war die Messlatte meiner
Erwartungen an den Campus schon recht hoch.
Am Freitag, dem 27.7.,
rollte ich mittags in Berlin los. Die Autobahn war zum
Glück nicht so verstopft, wie ich befürchtet hatte. Der
Wetterbericht hatte mich schon vor der brütenden Hitze
gewarnt, aber immerhin war Regen, das sicherlich noch
größere Übel, fast vollständig ausgeschlossen. In
etwas mehr als fünf Stunden waren die gut 450 Kilometer
zurückgelegt. Fröhlich wie immer war ich zunächst an
einem der seit der Autobahnabfahrt aufgestellten
Hinweisschilder auf den Campus vorbeigesegelt und hatte
obendrein noch einen weiteren Teilnehmer, der mir
hinterhergefahren war, in die Irre geleitet. Aber mein
Irrtum fiel mir alsbald auf, und nach weiteren zwei oder
drei Kilometern kamen wir heil an und konnten erst einmal
den Schweiß aus den wasserdichten Stiefeln kippen.
Gut die Hälfte der Teilnehmer -
teils Biker, teils Leder- und Armytypen - waren so gegen
halb 6 schon eingetroffen, die meisten hatten ja auch
kürzere Strecken zurückzulegen als einermeiner.
Darunter waren aber auch bekannte Berliner Gesichter.
Frank von den Berliner Lederbären war ausnahmsweise mal
nicht mit dem Motorrad angereist, sondern hatte seine
fahrbare Liebeslaube, das Wohnmobil, startklar gemacht.
Seine neue Flamme hatte offenbar die Temperaturen aus
seiner heißen Heimat Arizona mitgebracht. Zunächst
einmal wurden die Ankömmlinge mit Bier oder Radler
versorgt. Eingedenk der Wetter-Erfahrungen der letzten
Jahre - da hatte es wohl bei Nachttemperaturen nahe dem
Gefrierpunkt ziemlich viel geregnet - war in der
Anmeldung ein Matratzenlager in einem alten Bauernhaus
angeboten worden. Als Luxustunte, die ich nun mal bin,
breitete ich meinen Schlafsack in einem
Sechsmatratzenzimmer aus (deutlich nobler als beim
BikeRun in Österreich vor zwei Jahren, denn hier mit
augenscheinlich regendichten Fenstern und festem Dach
überm Kopf).
Dann wurde zum Abendessen geläutet. Das professionell
zubereitete Essen ließ selbst für verwöhnte Gaumen
keinerlei Wünsche offen. Selbst an so nörgelige
Vegetarier wie mich war gedacht worden. Der Abend klang
am Lagerfeuer bei Bier und dem üblichen Tuntentratsch
geruhsam aus - nun ja, für einige begann er auch gerade
erst: denn im ehemaligen Schweinestall - wieso eigentlich
ehemaligen? - war mit Teichfolie und Hollywoodschaukel
der Darkroom eingerichtet worden. Aber auch das
umliegende Gebüsch lud zu allerlei Kurzweil ein, und ich
meine damit nicht, daß die Leutchen sich gegenseitig
etwas über Botanik beigebracht hätten... Gegen halb
zwei kroch ich dann endlich völlig erschöpft in meinen
Schlafsack, um eine Stunde später von stöhnender
Aktivität in meinem Zimmer geweckt zu werden. Kurzerhand
half ich mit, den beiden netten Herren Erleichterung zu
verschaffen - natürlich nur, damit ich rasch wieder zum
Schlafen komme.

Am Samstag erwartete uns gegen
acht Uhr ein Frühstücksbuffet, wie es vielfältiger
kaum im Viersternehotel sein könnte. Die Stärkung
erwies sich auch als notwendig, denn die spätere
Ausfahrt erwies sich für mich Flachlandtiroler als
ziemlich anstrengend. Um 9:00 Uhr und 9:30 Uhr fuhren die
zwei Gruppen los. Den Nicht-Motorradfahrern wurde eine
Fahrt nach Regensburg mit Stadtbesichtigung angeboten.
Aber wer wollte, konnte natürlich auch einfach nur
faulenzen oder mal nachsehen, was noch so zum Resteficken
übriggeblieben war.
Uns Bikern winkte am Wegesrand noch eine Berliner
Maketenderin mit dem weißen Taschentuch nach. Schnell,
mitunter etwas zu schnell, ließen wir Amberg und
Sulzbach-Rosenberg hinter uns.

Bald ging es
auf kleineren kurvigen Sträßchen durch Königstein nach
dem Stift St. Johann in Michelfeld. Nach der
Kultureinlage stürzten wir uns hinab in das Wiesenttal
mit den bekannten Ortschaften Pottenstein und
Tüchersfeld. Beim Abbiegen in einem Nebental passierte
dann ein erstes Unglück. Eine Wespe hatte sich unter den
Helm eines Fahrers verflogen und suchte nun vor dem
Fahrtwind Schutz in seinem rechten Nasenloch. Beim
Versuch, das gepeinigte Tier wieder herauszuholen, stach
es zu. Das ganze ereignete sich - Glück im Unglück -
direkt vor einem Gasthof, wo mit frisch geschnittener
Zwiebel die schlimmsten Auswirkungen verhindert werden
konnten. In Waischenfeld suchte wir dann die Apotheke
auf. Die große Motorradgruppe verursachte in dem kleinen
Ort einen Stau. Nachdem die Schmerzen etwas gelindert
waren, fuhren wir zurück nach Pottenstein. Die
Sommerrodelbahn wurde von den meisten zugunsten einer
längeren Einkehr in einem Gasthof verschmäht. Schade,
denn auf diese Weise, wie mit dem Zugseil zum Startpunkt
der Rodelbahn, sind die meisten wahrscheinlich noch nie
abgeschleppt worden. Danach kehrten auch die wenigen
Rodeltucken zum Mittagessen ein, welches wegen der Hitze
nicht selten in Form eines großen Eisbechers eingenommen
wurde.
Die erste Gruppe war schon eine halbe Stunde früher
wieder aufgebrochen. Doch so gegen halb zwei machten wir
uns auch auf den Rückweg. Nach 20 Kilometern hieß es an
einer Tankstelle erneut Stopp. Die erste Gruppe stand da,
und einige sahen ziemlich ratlos aus. Sugar, der
Tourführer der ersten Gruppe, war ebenfalls von einer
Wespe gestochen worden und zeigte deutliche Anzeichen
eines allergischen Schocks. Der Notarzt brachte ihn ins
Krankenhaus in Pegnitz. Nachdem einige Motorräder neu in
den Gruppen aufgeteilt worden waren, fuhren die Gruppen
weiter. Es herrschte ein etwas gedämpfte Stimmung, die
sich auch im Fahrstil niederschlug.
Die besserte sich aber alsbald wieder, denn am Campus
wurde die Motorradgruppe bereits mit der Kaffeetafel
erwartet. Und auch hier war wieder großzügig geplant
worden - mindestens drei Stück Selbstgebackenes für
jeden.

Auch am Nachmittag war
für Kurzweil gesorgt. Bei einem Tournier mußten die
Kandidaten in einer 15 Kilogramm schweren
Polizei-Kampfweste auf einem Baumstamm balancierend
versuchen, den jeweiligen Gegner mittels einer Lanze oder
ihrem Charme so aus dem Gleichgewicht zu bringen, daß
dieser herunterfiel. Angesichts des Gewichts der
Ausrüstung war es schon erstaunlich, wie lange isch
manche aufrecht hielten. Dem Sieger winkte eine Flasche
Sekt. Der Preis ging nach Arizona - an Franks
Lebensabschnittsbegleiter.
Nach nur kurzer Pause wurde zum Grill gerufen. Dort
warteten auch schon die Salate, Nackensteaks und
Würstchen auf die noch gar nicht so hungrigen Mäuler.
Dementsprechend war auch die sonst sprichwörtliche
Schlacht ums Buffet diesmal eher harmlos, denn der Kuchen
lag vielen noch im Magen. Oder waren es die Anstrengungen
des Tourniers?
|
| ihr
Rhythmusgefühl unter Beweis stellen und wurden von der
Jury - nein, nicht auf Höhe, Breite und Tiefe - auf ihre
Festigkeit, den Geruch und Geschmack getestet. Danach
wurde das Publikum aufgefordert, einen Tip abzugeben. Die
darauffolgende Pause wurde gern zum Small Talk und ersten
Anmachen am Lagerfeuer genutzt. Nach einer weiteren
Stunde stand der Sieger fest. Wie auch in den vergangenen
beiden Jahren ging die Scherpe nach Würzburg - womit die
These erhärtet wurde: die Würzburger haben die geilsten
Ärsche der Republik... Zu vorgerückter Stunde saßen dann alle
wieder um das Lagerfeuer - nein, einige verbrachten den
Rest des Abends im Schweinestall oder auf dem Stoppelfeld
nebenan. Ziemlich spät kam ich ins Bett, bzw. in den
Schlafsack.

Auch am folgenden Morgen
erwarteten uns kulinarische Höhenflüge - der
Abschiedsbrunch, letzte Gelegenheit, vor der Abreise noch
etwas an- oder einzubaggern, mit alten oder neu
gewonnenen Freunden ein paar Worte zu wechseln und
natürlich, um sich für die lange Rückfahrt nachhaltig
zu stärken. Dann der übliche Katzenjammer der
Verabschiedungen.
Angesichts der tollen
Atmosphäre ist mir bei diesem Treffen die Abreise
besonders schwer gefallen. Vielen Dank an die
Organisatoren vom LC Burgfalken Amberg. Ich bin im
nächsten Jahr wieder mit von der Partie.
Karsten Falkenhagen - MC
Lederbären Berlin
|