Helvetica Bike Week 2001
Tourbericht von Karsten Falkenhagen
Fot
os von Eckart Märkel

Karstens Homepage

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  Berlin war zwar nicht mehr verschneit, als wir im Februar diesen Jahres die Unterlagen für die Helvetica Bike Week 2001 erhielten, aber an Motorradfahren war zu diesem Zeitpunkt noch kaum zu denken. Dennoch hatten wir uns schnell entschieden, denn die Helvetica 1997 und 1999 hatten uns sehr begeistert. Als Teilnehmer der vorigen Helvetica war uns ein Vorrecht eingeräumt worden, und so galt es, die Anmeldung und den Reisepreis schnell auf den Weg zu bringen. Die Helvetica Bike Week ist ja inzwischen schon eine Tradition: Alle zwei Jahre lädt der Leder- und Motorradclub Zürich schwule Motorradfahrer aus ganz Europa zu einer einwöchigen Rundreise durch die Schweiz und umliegende Länder ein. Diesmal erwartete uns eine Tour durch das Elsass und den Schwarzwald.

Obelisk am Dreiländereck

Flaggen am Treffpunkt
Treffpunkt der Helvetica 2001
  Samstag, 25.08.2001
Gemäß den Reiseunterlagen, die wir vorab erhalten hatten, war der Treffpunkt ans Dreiländereck Schweiz/Frankreich/Deutschland gelegt worden. Es war nicht ganz einfach, sich durch das Baseler Autobahn- und Hochstraßengewirr zu kämpfen, aber wir waren ohnehin viel zu früh in der Gegend und erreichten ohne Hetze den vorgegebenen Ort. Die LMZler hatten offenbar mit "Frühaufstehern" gerechnet, denn das Empfangskomitee war bereits mehr als eine Stunde vor der Zeit zur Stelle. Wie bei früheren Helveticas hatten sich die zehn Tourleiter mit ihren Motorrädern nebeneinander aufgestellt und boten ihre Dienste feil. Darf´s ein bichen schneller sein oder doch lieber etwas gemütlicher? Für jedes Fahrtemperament fand sich eine Gruppe. Wer sich allerdings eine Nacht mit einem der "Leithammel" gemäß dessen zur Schau gestellten Hankies erträumte, wurde (vermutlich meistens) enttäuscht. Die farbigen Tücher sollten lediglich die Gruppenzugehörigkeit kennzeichnen. Wir hatten uns bereits im Vorfeld wieder für Alains Gruppe (fliederfarben) entschieden, denn unter seiner Führung hatten wir schon die letzten beiden Helveticas unfallfrei absolviert.

Die Zeit nutzten wir, um Bekannte von vorangegangenen Touren zu begrüßen und natürlich für einen Spaziergang zum Dreiländereck, welches sich mitten im Rhein befindet. Die raketenartige Säule am Rheinufer machte zwar nicht unbedingt viel her, aber immerhin bot das daneben befindliche Restaurant Eis an - zwar selbst für schweizer Verhältnisse völlig überteuert, aber wenigstens kalt - bei gut über 30 Grad Celsius waren wir nicht die einzigen, die die Kugeln oben in sich hineinstopften.

Rheinufer in Basel

 

Motorräder am Rheinufer

  Bis 17:30 Uhr waren fast alle Huschen aus den unterschiedlichen Richtungen eingetrudelt. Die kleinen Grüppchen brachen zur Jugendherberge - im Zentrum Basels und nahe am Rhein gelegen - auf. Eckart und ich erwischten ein 8er-Zimmer. Grundsätzlich bemüht sich der LMZ aufgrund der Klagen in vergangenen Jahren immer, die Zimmerbelegung aus Komfortgründen gering zu halten. Aber in der für unsere Verhältnisse teuren Schweiz mussten wir aus Budgetgründen mit dem Jugendherbergsstandard Vorlieb nehmen. Einigen Luxustunten war das wohl nicht verständlich zu machen. Sie zogen mit hocherhobener Nase und Bugwelle von dannen - entweder in ein Hotel oder überhaupt nach Hause.

Nach dem Abendessen wurde zur Infoveranstaltung gerufen. Der Haupt-Organisator der Helvetica, Adrian Rufli, gab nicht nur einen Überblick über die kommenden Tage, sondern auch über die Zusammensetzung der Teilnehmer: wie schon bei vorigen Helveticas waren die meisten Teilnehmer aus Deutschland und der Schweiz angereist, aber auch einige wenige Niederländer und Österreicher und ein Schwede waren unter den Teilnehmern. Der Anteil an BMWs hat gegenüber der vorigen Helvetica zwar abgenommen, aber immer noch kommen die meisten Motorräder aus der Firma mit dem weiß-blauen Rotorblatt (darunter immerhin dreimal das brandneue Modell F650GS, das auch mein lieber Eckart fährt). Nach der üblichen Ermahnung, nicht zu schnell zu fahren (hast Du gerade nötig, Adrian!), wurde der offizielle Teil des Abends beendet. Aber irgendwie schienen die Biker an diesem lauen Sommerabend doch noch auf Geselligkeit aus zu sein: zu später Stunde versammelte sich im Laufe des späteren Abends ein Großteil der Biker auf der Terrasse eines Gasthofs am Rheinufer. Der zunächst eklatante Mangel an Sitzgelegenheiten wurde alsbald behoben - die übrigen Gäste verließen die Terrasse nach und nach.

Sonntag, 26.08.2001
Am nächsten Morgen stellten wir fest, dass es auf unserer Seite der Etage nur eine Damentoilette und -dusche gab. Nun, wir sind ja schon mit schlimmeren Problemen fertig geworden; sie wurden kurzerhand okkupiert, obwohl die Biker nicht gänzlich unter sich in der Jugendherberge waren.

Nach dem Frühstück brachen einige Gruppen zu unterschiedlich langen Rundfahrten in die Umgebung von Basel auf. Wer allerdings vielleicht am Vortag eine lange Anreise hinter sich hatte, konnte getrost ausschlafen und den Tag nach eigenem Gusto verbringen, denn die kommende Nacht sollten wir erneut in der Baseler Jugendherberge verbringen.

Motorradgruppe vor Bikerlokal   Bikergruppe
  Eckart und ich hatten uns Alains Gruppe angeschlossen. Der LMZ-Präsident hatte kleinste kurvige Straßen mit teilweise 20%igen Steigungen durch die Ausläufer des Schweizer Jura ausgewählt. Natürlich kamen auch Kaffeepausen nicht zu kurz, denn es sollte an diesem ersten und heißen Helvetica-Tag ja noch nicht zu anstrengend werden. Außerdem durften wir nicht zu spät zurück in der Herberge sein, denn der LMZ hatte noch einiges mit uns vor.

an der StraßenbahnhaltestelleZurück in Basel blieb gerade noch Zeit, kurz unter die (Damen-!)Dusche zu springen, dann ging es zur nahe gelegenen Straßenbahnhaltestelle. So eine Menge an Lederkerlen hatte die Stadt wahrscheinlich noch nicht gesehen, und so ernteten wir viele verwunderte, teils auch etwas ängstliche Blicke in der Bahn. Auch die Gäste in dem Restaurant am Rheinufer, in welches wir zum Abendessen einschwebten, blickten uns Lederkerlen zunächst ein wenig skeptisch entgegen, zumal sich einige betont fein gemacht hatten - mit Chaps, Collier, äh.. Halsband und Handfesseln. Aber spätestens als die ersten Mädels den Mund aufmachten und losgackerten, war klar, dass wir nicht gekommen waren, um das Mobiliar in Trümmer zu legen. Im Anschluss an das Essen, welches auf der Rheinterrasse serviert wurde und keine Wünsche offen ließ, wurde es geheimnisvoll. Adrian bat uns vor den Eingang des Restaurants. Mit einem großen Feuerwerk wurden wir endgültig zur Helvetica willkommen geheißen. Die Raketen weckten auch die Neugierde und leider auch den Ärger der Anwohner. Zum Ende des Feuerwerks machten uns zwei Polizisten ihre Aufwartung. Die Beamten gaben sich jedoch mit der Anmeldung zufrieden, und so konnten wir den Rest des Abends wieder unbehelligt verbringen. So nach und nach bummelten die Kerle am Rheinufer und durch die illuminierte Altstadt von Basel zurück zur Jugendherberge.

beim Abendessen Baseler Münster
beleuchtetes Stadttor
Feuerwerk
  Montag, 27.08.2001
Die erste "richtige" Etappe führte uns am nächsten Tag zunächst durch das Schweizer Jura auf Frankreich zu. Vor dem Grenzübergang nahmen wir noch einen Café Crème und ein Croissant zu uns. Die Industriestadt Belfort umfuhren wir an diesem heißen und stickigen Tag vorsichtshalber auf kleinen Nebenstraßen. An den südlichen Ausläufern des Elsass fanden wir dann ein urig eingerichtetes Restaurant für das Mittagessen. Den der französischen Sprache (Sprache, wohlgemerkt!) nicht Mächtigen übersetzte Alain die Speisekarte. Das Gasthaus bot eine hervorragende Küche, und so überlegten wir in der Gruppe schon fast, ob wir nicht die Helvetica Helvetica sein lassen und den Rest des Urlaubs hier verbringen sollten. Aber das wollten wir unserer schlanken Linie und dem LMZ dann doch nicht antun.
bei der Abfahrt   irgendwo in Franzosien
  So ging es dann weiter über den Grand Ballon d'Alsace (ein Berg) und den Col de la Schlucht, wo wir nochmals einen Kaffee zu uns nahmen. noch ´n Kaffee auf dem Col de la SchluchtRelativ spät erreichten wir die Gegend um Colmar. Dort, genauer gesagt in Horbourg, erwartete uns das Ibis-Hotel, welches für zwei Übernachtungen unsere Herberge sein sollte. Das Abendessen war nicht direkt schlecht, aber Eckart und ich trauerten dann doch dem netten Restaurant vom Mittag nach. Für den Abend hatte sich der LMZ wieder etwas besonderes einfallen lassen: die Kerle wurden in zwei Busse gestopft und nach Colmar gefahren. Hier unternahmen wir unter kundiger Führung einen Stadtrundgang durch die historische Altstadt, die teilweise "extra wegen uns beleuchtet" war (ob es dort wohl sonst nachts kein Licht gibt?). Auch in diesem Ort erregten wir wieder ein wenig Aufsehen, und in völliger Verkennung der Situation bemerkte die eine Führerin, dass wir ja "nur Männer" seien.
  Dienstag, 28.08.2001
Wegen der späten Ankunft am Vorabend hatten Eckart und ich uns nicht für eine organisierte Tour am Dienstag angemeldet. Es war schon fast Mittag, als ich zu einer eigenen kleinen Erkundungstour aufbrach, die mich zum Kaiserstuhl führte. Auf diesen mitten im flachen Rheingraben gelegenen Hügeln wird intensiv Wein angebaut. Ich unternahm eine kleine Wanderung durch die Weinberge auf den höchsten Punkt, war allerdings ein wenig enttäuscht, da man von dort keinen schönen Blick auf die Umgegend hat. Nach einer kleinen Stärkung in Burkheim fuhr ich wieder zurück nach Colmar, um mir die historischen Gebäude nochmals bei Tageslicht anzusehen. Am späten Nachmittag war ich bereits wieder zurück im Hotel, wo ich mit den wenigen dortgebliebenen bei einem Glas Wein plauschte.

Mittwoch, 29.08.2001
Der nächste Tag brachte dann wieder eine gemeinsame Etappe. Dem Tourenplan gemäß sollte es hinüber in den Schwarzwald gehen. Doch zunächst bekamen wir die Industriegebiete von Colmar zu sehen. Anfangs nahm ich noch an, Graf Alain von Jeanneret wolle uns seine Industrieanlagen zeigen. Aber als wir das dritte Mal am gleichen Kreisverkehr vorbeikamen, wurde mir klar: er hatte sich nur verfahren. Kurz darauf fanden wir aber aus dem Industriegebiet heraus und setzten unseren Weg in die Weinberge von Ribeauville fort. In den kleinen Ortschaften an der Strecke fiel mir immer wieder auf, wieviel Mühe sich die Gemeinden in Frankreich mit der Bepflanzung an den Straßen geben.

Am Rheinkanal bei Markolsheim wurde gerade ein Schiff geschleust, als wir unsere Pause machten, dann ging es weiter über den Kaiserstuhl und den Rheingraben. Obwohl die Sonne schien, war es sehr diesig, und der Westrand des Schwarzwalds war erst zu erkennen, als wir schon fast da waren. Aber der Blick vom Kandel, einem Aussichtspunkt in 1.100 Meter Höhe, war trotz des Dunstes atemberaubend.

Das Mittagessen nahmen wir in einem kleinen Restaurant in St. Peter ein. Ein Teilnehmer hatte unvorsichtigerweise "Sulz" bestellt, in der irrigen Annahme, es handele sich dabei um Sülze. Was allerdings auf dem Teller lag, sah eher aus, als wolle es gleich davonkriechen. Auch eine Nachfrage bei der sonst recht schlagfertigen Kellnerin erbrachte nichts: sie weigerte sich schlicht, zu erklären, was das denn sei, bis alle mit dem Essen fertig seien. Die Sulz blieb daraufhin unangetastet; hilfsbereite Kameraden versorgten den Unglücklichen, der sie bestellt hatte, mit Schnitzeln.

beim Mittagessen in St. Peter
  Weiter ging es am Titisee und Schluchsee vorbei nach St. Blasien. Die Menschenmengen schreckten uns allerdings von einem Besuch der Benediktinerabtei ab; die Beichte hätte ohnehin zu lange gedauert. Statt dessen nahmen wir noch ein Stück Heidelbeerkuchen zu uns, denn vor 16:00 Uhr durften wir nicht in unserer Herberge sein. Kurz nach dieser Zeit erreichten wir dann das Jugendgästehaus in Todtmoos und mussten gleich einige Unannehmlichkeiten dieser Unterkunft kennenlernen: zunächst einmal hieß es "Stiefel ausziehen", bevor man auf sein Zimmer durfte. Tarnfleck...Dort stellten wir fest, dass die Fenster verriegelt waren, nicht gerade angenehm, wenn einen der "Duft" der vorigen Gäste in der Nase kitzelt. Da uns diese befremdlichen Regelungen zunächst nicht weiter erläutert wurden, mussten wir uns halt dreinfügen, und so machten Eckart und ich erst einmal einen Bummel durch den kleinen Kurort.

Nach und nach trafen die anderen Motorradgruppen ein. Beim Abendessen stellten wir weitere Unbequemlichkeiten fest: Vegetarier sollten alle an einen gemeinsamen Tisch verbannt werden (obwohl an diesem Tag ohnehin nur fleischlose Kost serviert wurde, wie wir später verwundert feststellten). Zwar waren die Kellnerinnen sehr freundlich, aber hinter dem Tresen wurden wir nicht eben wie Gäste bedient. Offenbar meinte die Bedienung hier, Kinder vor sich zu haben: für jedes Getränk musste man sich extra anstellen. Dass darüber hinaus keine ganzen Flaschen verkauft wurden, beschleunigte den Ablauf auch nicht eben. ...und BirkenstockDem LMZ, offenbar deutschen Jugendherbergsstandard nicht gewöhnt, war das Gebaren im Europäischen Jugendgästehaus offenbar sehr peinlich. Adrian entschuldigte sich in seiner abendlichen Rede mehrfach für die Unannehmlichkeiten - und kreiierte eingedenk der Restriktionen bezüglich der Fußbekleidung nebenbei gleich eine neue Fetischmode: Flecktarn und Birkenstock. Da das Haus nur für die Helvetica-Teilnehmer reserviert war, hätte man sich ruhig etwas auf uns einstellen können.

Da wir auch von dem Essen nicht unbedingt angetan waren, suchten Eckart und ich den gegenüber gelegenen Gasthof zum Löwen auf. Wir setzten uns auf die Terrasse, die wegen der kühlen Witterung beheizt war. Ab und zu gab es ein kleines Gewitter, wenn sich Insekten zu nah an die elektrischen Heizsonnen wagten. Wir waren nicht die ersten Helvetica-Teilnehmer, die sich hier niederließen. Und im Laufe des Abends bekam die Kellnerin hier fast einen Nervenzusammenbruch; jedesmal, wenn sie gerade eine Bestellung abarbeitete, kamen einige Biker hinzu und setzten sich in immer größerer Runde um einen Tisch. Später nahm die Bedienung es etwas gelassener und mit mehr Humor. Ein Gasthof in einem Kurort unterliegt auch gewissen Restriktionen, und so wurden wir kurz vor 23:00 Uhr gebeten, langsam ans Bezahlen zu denken. Trotz der vielen einzelnen Rechnungen gab es kein Chaos. Einige stimmten noch mit Kurgästen ein Liedchen an, bevor es wieder in die Herberge ging.

Donnerstag, 30.08.2001
Der nächste Tag erwartete uns mit dichten Wolken. Das Frühstück ließ mit ranzigem Erdnussmus und mexikanischem Hagebuttentee ("man binde eine Hagebutte an ein Lasso und schwinge sie zweimal durch drei Liter heißes Wasser") auch nicht gerade die Laune steigen. Dieser Tag war wieder zur freien Verfügung gedacht. Es wurden aber für die unersättlichen eine kürzere Tour nach Freiburg und eine längere durch den Südschwarzwald angeboten, neben zahlreichen individuell ansteuerbaren Zielen wie dem Glasbläserhof oder der Wasserfall Todtnau. Trotz des absehbaren Regens ließen sich auch nur die wenigsten von einem der Angebote abschrecken. Eckart wollte trotz einer schlimmer werdenden Erkältung auf sein Motorrad nicht verzichten und zumindest die Erdmannshöhle im 20 km entfernten Wehr besichtigen. Mir stand der Sinn eigentlich mehr nach einer Wanderung, aber auf der Fahrt nach der Wutachschlucht, die sehr sehenswert sein soll, ereilte auch mich alsbald der Regen, und deshalb fiel der Spaziergang dann doch sehr kurz aus. Also kehrte ich zurück nach Todtmoos. Nach dem Mittagessen im "Löwen" (Käsespätzle mit Röstzwiebeln - was sonst in Baden-Württemberg?) ließ der Regen nach, die Sonne zeigte sich sogar ein wenig verschämt, und mich packte doch noch die Lust aufs Motorradfahren. Mit einem weiteren Biker fuhr ich auf den sehr kurvigen Schwarzwaldstraßen zum Schauinsland. Kaum oben angekommen, nahte allerdings ein weiteres dickes Regenpaket, aus dem es zu allem Überfluss auch noch gewitterte. Also nichts wie zurück nach Todtmoos.

Das Abendessen mussten wir uns dann hart erarbeiten. 20 Minuten Fußmarsch durch den Regen bergan zu einem Unterstand im Wald, der für den Grillabend hergerichtet worden war, bewirkten bei so manchem Flachländer Erschöpfungszustände. Mit Steaks, Würstchen und Salaten wurden wir wieder hochgepäppelt. Das nasskalte Wetter ließ uns in der Hütte und unter der Plane dicht zusammenrücken, regte aber kaum zu irgendwelchen Aktionen im umliegenden Gebüsch an. Wer will schon Eiszapfen vom Schwanz ernten oder sich beim Geficktwerden dauern Regentropfen vom Rücken wischen. Trotzdem wurde die Stimmung im Verlauf des Abends immer besser.

draußen im Regen angeregte Gespräche
  Freitag, 31.08.2001
Die letzte Etappe der Helvetica begann am nächsten Tag trocken. Durch das wildromantische Wehratal ging es an den Rhein, der in Laufenburg überquert wurde. Mangels Parkplätzen in den äußerst engen Gassen konnten wir in diesem hübschen historischen Städtchen keinen Kaffeestopp machen. Doch was wäre eine Helvetica-Etappe ohne Tratsch-Pause? Die legten wir dann in dem winzigen Nest Sulz ein (in Erinnerung an das verleidete Mittagessen von vor zwei Tagen). Hier gab es auch die beliebten Nusskipfel (siehe Helvetica 1999).

Unsere Tour führte uns weiter über die Aare und an der Reuss entlang zum Zuger See. Aus der Ferne konnten wir bereits erahnen, dass über dem Vierwaldstätter See, an dessen Ufer die Etappe weiterführen sollte, bereits heftiger Regen niederging. So entschlossen wir uns zu einer frühen Mittagspause im Gasthof "Hohle Gasse" bei Küssnacht. Alain erklärte uns die historische Bedeutung des Bodens, auf dem wir uns befanden; wer kennt nicht das Zitat "Durch diese hohle Gasse muss er kommen." von wem noch gleich? Das Essen war köstlich, wie in der Schweiz eigentlich gewohnt. Die Gasse lag in unmittelbarer Nähe des Gasthofs, schien aber nicht so hohl, wie die Legende sagt.

  so hohl ist sie ja gar nicht mehr   Restaurant "Hohle Gasse"  
  Nach dem Essen hatte sich der Regen eher verstärkt, deshalb beschlossen wir kurzerhand, die Strecke abzukürzen. Um den Zuger See herum, aber trotz des Regens nicht auf allerschnellstem Wege, ging es nach Zürich. Das Etap-Hotel sollte unsere letzte Unterkunft im Rahmen der Helvetica werden - für zwei Nächte, denn wir hatten das Angebot des LMZ für eine Verlängerung in Zürich bis zum Sonntag angenommen. Da wir wegen des widrigen Wetters relativ zeitig in der heimlichen Hauptstadt der Schweiz eingetroffen waren, hatten wir bis zum Abmarsch zum Abendessen noch ein wenig Zeit, die nähere Umgebung des Hotels zu erkunden. Große Entdeckung waren allerdings in der im Wandel vom Industriegebiet zur Kulturmeile befindlichen Gegend nicht zu erwarten.

Das ausgewählte Restaurant befand sich unweit des Hotels und bot wiederum eine gute Mahlzeit. Die Abschlussreden wurden gehalten. Einige Teilnehmer der Helvetica hatten sich eine besondere Überraschung ausgedacht: die Organisatoren erhielten unterschiedlich farbige Sammelteller - die Tourleiter entsprechend ihrer jeweiligen Gruppenfarbe. Aber auch der LMZ hatte noch einiges für uns in petto.

wieso "rivercruise & cocks" nur every saturday?Nach dem Essen brachte uns ein Bus zum Ufer der Limmat. Dort warteten bereits zwei "Alligatoren" - wegen ihres extrem flachen Profils so genannte Schiffe - auf uns. Bei dem einen oder anderen Gläschen Sekt konnten wir so noch das nächtliche Zürich genießen. Damit auch bei dem geringen Wellengang auf der Limmat und dem Zürichsee das richtige Skipperfeeling aufkomme, versuchte der Kapitän noch einige Pirouetten und erklärte uns dabei gleich noch die jahrhundertealte bissige Rivalenschaft von Zürich und Basel.

Abschied
  Anschließend brachte uns der Bus in die Züricher Gay-Disko "Rage". Auf drei Ebenen findet das schwule Herz, was es braucht - vorausgesetzt, man hält den Zigarettenrauch und das ohrenbetäubende Techno-Gewummere aus. Mich hielt es dort nicht lange, zumal die fortgeschrittene Zeit nach der verregneten Tagesetappe auch ihren Tribut forderte. Ein Taxi brachte uns zurück zum Hotel, denn der Shuttle-Service vom Rage ging nur einmal pro Stunde, und angesichts der vollen Disko war klar, dass wir sonst bis zum Morgengrauen auf einen Platz im Shuttle hätten warten müssen.

So endete also auch diese Helvetica, und mir bleibt nur, allen Organisatoren für eine unvergessliche Woche ganz herzlich zu danken.
Ich bin bei der nächsten Helvetica wieder mit dabei, Jungs!