Italien 2003
Motorradreise vom 15.6.2003 bis 08.07.2003

Als wir im letzten Jahr auf dem damaligen BikeRun in Ardeche in Frankreich erfuhren, dass die nächste Veranstaltung dieser Art in 2003 in den Dolomiten stattfinden würde, war für uns damit das nächste Reiseziel schon vorgegeben.
Schon lange hatten wir mit den südlichen Alpen geliebäugelt, uns aber dann immer doch für etwas anderes entschieden. So war das natürlich DIE Gelegenheit...
Eckarts und meinen Urlaubsplan zusammenzu- bringen, ist ja mitunter etwas schwierig. Es ergab sich, dass wir beide jeweils vor und nach dem BikeRun eine gute Woche erübrigen konnten. Was liegt da näher, als sich gleich einen großen Teil Italiens mit vorzunehmen?
Die weite Anreise wollten wir mit dem Autoreisezug überbrücken, um Reisezeit zu sparen, die man ja anderenfalls doch nur auf der uninteressanten Autobahn verbringen müsste. Für die Hinreise hatten wir die Nachtverbindung Berlin - Livorno gewählt, die uns schon recht nahe an unser erstes Ziel, die Toskana heranführte. Der Zug war nicht ganz ausgebucht. Mit uns im Abteil saß ab Neu-Isenburg, wo es noch einen weiteren Verladepunkt gibt, noch ein weiteres Motorradfahrerpärchen, die allerdings bereits ziemlich italienerfahren waren und uns noch ein paar gute Tips gaben.

16.06.03
Die Hafenstadt Livorno erwartete uns bereits vormittags mit über dreißig Grad im Schatten. So versuchten wir recht schnell aus dem Stadtverkehr herauszukommen. Zunächst ging es einige Kilometer nach Süden auf der Via
Aurelia, die entlang oder zumindest nahe der Küste von Noritalien nach Rom führt, seit der Zeit Marc Aurels Staatsstraße Nummer 1, inzwischen allerdings vierspurig ausgebaut und asphaltiert.
Einige kleine mit Felsen durchsetzte Strände und die Temperaturen machten mir zwar Lust auf ein erstes Bad im Mittelmeer, aber nirgends Schatten für Eckart, der nicht mit ins Wasser will. So verzichte ich, und wir fahren weiter ins Landesinnere. Bald führt die Straße nicht mehr schnurgerade, sondern in immer engeren Kurven ins Hügelland der Toskana, die hier hauptsächlich für den Getreideanbau landwirtschaftlich genutzt wird.
Schon lange vor Ankunft sehen wir unser erstes Besichtigungsziel, Volterra, auf der höchsten Hügelkuppe der Umgebung thronen. Ein Parkplatz für die Motorräder ist nach einigem Hin und Her gefunden, denn in Italien sind häufig Motorradparkplätze separat ausgewiesen, nicht immer allerdings sind sie so eben, dass man eine schwere voll beladene Maschine sicher darauf abstellen kann.
Das mittelalterliche Städtchen hinter den dicken hohen Mauern wirkt noch ein wenig verschlafen - kein Wunder: es ist Mittagszeit, und wegen der großen Hitze im Sommer haben die Geschäfte ab Mittag so zwei bis drei Stunden geschlossen und öffnen erst wieder am Nachmittag, dann allerdings bis in die Abendstunden. Immerhin können wir uns auf der Piazza dei Priori unter dem Baldachin eines Cafés mit einem Milchshake erfrischen. Unser Sinn steht allerdings ohnehin mehr nach Kultur als nach shopping.
Das Amphitheater wird gerade restauriert, ist aber trotzdem von der oberhalb gelegenen Stadt ein schöner Anblick. Das Stadttor Porta all'Arco gewährte schon vor mehr als 2.400 Jahren Einlass in die Stadt.
Das Etruskermuseum ist von den Exponaten - hauptsächlich aufwändig gestaltete Graburnen, oder besser -truhen und Schmuck - her zwar sehr interessant, nähere Informationen über die erste Hochkultur Italiens, die im 7. bis 3. Jahrhundert vor Christus in der jetzigen Toskana ansässig war, sind jedoch leider hier nicht zu erhalten - keine Infotafeln an den Ausstellungsstücken, keine weitere Auskunftsmöglichkeiten. Die Exponate stammen hauptsächlich aus den Ausgrabungen in den Balzes, den Abhängen nordwestlich von Volterra, die stark von Regen und Wind abgetragen werden - nur eine Frage der Zeit, bis eine Kirche, an die sich der Abgrund inzwischen herangefressen hat, in die Tiefe gerissen wird.
Wir setzen unseren Weg auf einer der vielen kleinen kurvigen Sträßchen durch die Toskana fort. In der Ferne grollt ein Gewitter, läßt uns aber den Rest des Tages in Ruhe. Hinter einem mit Macchie, der italienischen Waldform aus niedrigen Steineichen, Erdbeerbäumen und viel Gesträuch, bestandenen Hügel tauchen plötzlich die Türme von San Gimignano auf. Im 12. Jahrhundert begannen reiche Kaufleute, mehr aus Prestigegründen als aus echtem Schutzbedürfnis, hohe Wohntürme zu errichten. Dreizehn sind in San Gimignano davon erhalten und geben der Stadt schon aus großer Entfernung ihr charakteristisches Aussehen.
Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit suchen wir erst einmal die kleine Pension in dem Weindörfchen Ulignano auf, die in den nächsten vier Tagen Augangspunkt unserer Touren sein soll.
Guido, der Wirt empfängt uns sehr herzlich. Unser Zimmer bietet Blick auf die umliegenden Weinberge, die sich bis zum Horizont erstrecken, denn hier beginnt die Region des Chianti.
Zum Abend fahren wir dann doch noch einmal nach San Gimignano. Für einen größeren Stadtrundgang wollen wir uns ein andermal Zeit nehmen. Zum Abendessen nehmen wir im Stadtgarten, der Ruine der ehemaligen Festung Rocca, die in einem der vielen sündhaft teuren Delikatessengeschäfte erstandenen Köstlichkeiten zu uns, bevor wir den ersten und in der Tat sehr schönen Sonnenuntergang in Italien genießen.

17.06.03
Am Morgen erwartet uns Guido schon im Frühstücksraum. Die Bruschetti, geröstete und in Olivenöl getauchte Weißbrotscheiben mit Tomatenwürfeln, sind noch heiß. Und neben dem obligatorischen Cappuccino und den
Croissants gibt es Kuchen und frisch zubereiteten Obstsalat. So üppig und frisch wie hier bekommen wir leider in keiner anderen Herberge in Italien das Frühstück.
Unser Besichtigungsprogramm sieht für diesen Tag Florenz vor. Die Hauptstadt der Toskana liegt etwa 50 Kilometer nördlich. Wir wählen nicht den kürzesten, wohl aber einen sehr abwechslungsreichen Weg, die strada chiantigiana, die sich von Castellina in Chianti nach Norden schlängelt. Weinberge wechseln mit niedrigen Steineichenwäldern ab. Dazwischen erspähen wir immer wieder die typischen aus beigem Stein errichteten und mit Türmen versehenen Weingüter auf den Hügeln, umgeben von einigen dunklen Säulenzypressen - das Idealbild der Toskana.
Kurz vor Florenz verdichtet sich der Verkehr massiv. Aber dank Eckarts Satellitennavigationssystem finden wir über eine kleine Nebenstraßen den anvisierten Parkplatz an der Piazza del Michelangelo. Der weiträumige Platz bietet eine wunderschönen Ausblick über das Stadtzentrum von Florenz am anderen Arnoufer, das einheitlich hohe Häusermeer, aus dem der massive Dom und der Palazzo Vecchio herausragen. Von hier aus wollen wir die Stadt zu Fuß erobern.
Erste Anlaufstelle in der Stadt ist der Ponte Vecchi, die breite von Juweliergeschäften gesäumte Brücke über den Arno. Uns interessiert nicht so sehr der feilgebotene Schmuck. Vielmehr ist der Anblick der Brücke mit ihren zweistöckigen Häusern beliebtes Fotomotiv. In diesen kleinen Häuschen leben im noch Menschen. Die Feuchtigkeit vom Fluss und die engen niedrigen Zimmer sind vermutlich nur für sehr romantische Geister auf Dauer angenehm.

Nach einem großen Eis - die Schwüle in der Stadt macht uns etwas zu schaffen - besichtigen wir den Dom. Das Ensemble aus der wuchtigen Hauptkirche der Stadt, dem separat stehenden Kirchturm (Campanile) und der Taufkirche (Baptisterium) ist typisch für viele italienische Städte. In Florenz besticht die einzigartige Fassade aus weißem, rosafarbenem und grünen Marmor, der geradezu filigran geschnitzt zu sein scheint. Wie viele Gebäude dieser Art ist auch der Dom über viele Jahrhunderte hinweg immer wieder umgebaut worden, zuletzt wurde die 1875 die Hauptfassade neogotisch gestaltet, um sie derjenigen des Campanile, der übrigens bereits 1359, sechzig Jahre vor Fertigstellung des Doms bereits stand, anzugleichen. Der Kirchturm bietet einen beindruckenden Rundblick über die Stadt, zumindest den Teil davon, der nicht von der riesigen benachbarten Kuppel des Domes verdeckt ist. An deren Bau traute sich erst Anfang des 15. Jahrhunderts Brunelleschi heran. Lange Zeit galt sie als größte freitragende Kuppel. Das vor allem innen deutlich schlichter gehaltene achteckige Baptisterium - auch etliche Male umgebaut und erweitert - ist noch deutlich älter als Dom und Campanile. Bemerkenswert sind vor allem die aufwändig gestalteten Portale.
Unser nächstes Besichtigungsziel ist der Palazzo Medici-Riccardi, von dem aus der Aufstieg der Medicis und mit ihnen der Stadt Florenz begann. Das Museum in seinem Inneren gibt ein vielschichtiges Bild der Familie Medici, die über mehrere Jahrhunderte - direkt und indirekt - die Geschicke in der Toskana bestimmte.
Auf dem Weg durch die Stadt tippt Eckart plötzlich jemand von hinten auf die Schulter. Es ist Georg von den Gaybikern aus Hannover. Seine Truppe macht auch gerade eine Rundtour durch die Toskana. Georgs Urlaubsfreuden werden jedoch massiv getrübt, da das Antiblockiersystem seines neuen Motorrades Schwierigkeiten macht und Ersatzteile in Italien nicht zu bekommen sind. Hoffentlich bekommt die Werkstatt das Problem in Griff, denn am BikeRun, der eine Woche später in dort stattfindet, will er auch teilnehmen.
An den Ufficien teilt uns eine digitale Anzeige die voraussichtliche Wartezeit in der Schlange am Eingang mit: 30 Minuten. Da die Kunstsammlungen nur noch anderthalb Stunden geöffnet sind, beschließen wir - ich schweren Herzens - auf die Besichtigung zu verzichten.
Der Palazzo Pitti - wieder auf der südlichen Arno-Seite - macht mit seinen hohen dunklen Mauern und kleinen Fenstern einen abweisenden Eindruck. Die uns aus der Vielzahl der hier beherbergten Museen interessierenden schließen leider gerade. So machen wir noch einen Gang durch die hinter dem Palast liegenden Boboli-Gärten, die allerdings schon bessere Zeiten gesehen haben und nun ein bisschen ungepflegt wirken.
Auf dem Rückweg zur Ponte Vecchio ereilt uns dann ziemlich plötzlich ein heftiges Gewitter. Der Inhaber eines Handschuhgeschäftes öffnet lachend extra für uns den Baldachin seines Ladens. Nach ein paar Minuten ist unter dem Tuch kein Plätzchen mehr frei. Unter allen erdenklichen Überhängen flüchten alle vor dem Starkregen.
Später läßt der Regen etwas nach, und wir beschließen, uns nach einem Abendessen umzusehen. Immerhin ist es inzwischen halb neun geworden. In einem der vielen Selbstbedienungsrestaurants suchen wir uns etwas an der Theke aus. Die Pizza ist nicht gerade haute cuisine, aber sättigend.
Zu später Stunde machen wir noch einige Nachtaufnahmen von den beleuchteten Sehenswürdigkeiten und machen uns über die Autobahn auf den Rückweg zu unserer Herberge. Wegen einer schlecht beschilderten Umleitung und einem LKW, der sich - und uns - mit 30 bis 40 Kilometern pro Stunde über die kurvigen Straßen quält, kommen wir nach Mitternacht in Ulignano an.

18.06.03
Für heute steht San Gimignano auf dem Programm. Da eigentlich fast das schönste an diesem Ort der Blick darauf ist, suchen wir zunächst einen Aussichtspunkt südlich der Stadt auf.
Die Parkplatzsuche um die - vom Lieferverkehr abgesehen - autofreie Altstadt von San Gimignano gestaltet sich schwierig. Selbst die Motorradparkplätze sind alle besetzt. Ein Italiener schnappt mir gerade den letzten vor der Nase weg. Direkt neben einem gebührenpflichtigen Parkplatz finden wir dann doch noch etwas abenteuerlich zwischen den Autos eine Stelle.
Völlig verschwitzt -es müssen bereits wieder gut 30 Grad auf dem Thermometer stehen - steuern wir erst einmal ein Café an. Die als in den Reiseführern empfohlene Kirche San Agosto gleich nebenan ist leider geschlossen.
Wir stellen beim Rundgang fest: die Stadt hat - wie bereits Volterra - ein geschlossen mittelalterliches Stadtbild aus dunkelbeigefarbenem Backstein. Darüber hinaus ist sie voll von Touristen. Die Hauptstraße erstreckt sich zwischen dem jeweils recht ansehnlichen Nord- und Südtor. Der zweigeteilte Hauptplatz Piazza del Duomo/Piazza della Cisterna befindet sich etwa in der Mitte. An ihm liegen der Dom, prachtvoll ausgestattet wie überall, und der Palazzo del Popolo, in dessen hübschen Innenhof sich der Zugang zum Torre Grossa, dem höchsten der dreizehn Türme der Stadt, befindet. Eckart muss da natürlich rauf. Mein Ding ist das Treppensteigen in schwindelnde Höhe nicht so sehr. Ich schaue mir daher die Wandmalereien aus unterschiedlichen Epochen im Hof an.
Als meine "Gattin" von ihren Höhenflügen zurückgekehrt ist, knurrt bereits ein bisschen mein Magen. Habe ich nicht an der Hauptstraße ein Straßencafé gesehen, wo so leckere Bruschetti auf den Tellern lagen? Danach steht mir jetzt der Sinn. Wir finden die Trattoria, müssen allerdings ein wenig auf freie Plätze warten. Der Kellner sieht knackegeil aus und scheint auch meinen Flirt zu erwidern. Ist aber sicher doch nur Höflichkeit. Also bezahlen wir und genehmigen uns noch ein Eis in der angeblich besten Eisdiele Italiens. Nach dem Verzehr möchte ich es glauben...
Es ist inzwischen früher Nachmittag geworden. Wir beschließen, uns noch das benachbarte Certaldo anzuschauen. Wie fast alle mittelalterlichen Städte ist auch Certaldo auf einer Hügelkuppe errichtet. Die moderne und nicht eben schöne Neustadt liegt dagegen am Fuße des Felsens und verdeckt leider den Anblick der Oberstadt, in die man wiederum nicht mit dem Fahrzeug kommt.
Wir folgen einem Hinweis "funicolare" und finden schließlich auch die Standseilbahn, die uns einen anstrengenden Fußmarsch erspart. Die Altstadt ist viel überschaubarer als San Gimignano, eigentlich nur eine Hauptstraße, an der einige nicht eben gut erhaltenen Palazzi liegen. Einiges ist im Bau. Es gibt, abgesehen vom Rathaus, keine Sehenswürdigkeiten, aber der Ort hat trotzdem Ausstrahlung. Vor allem scheinen sich viel weniger Touristen hierher zu verirren. Lediglich vier Briten treffen wir bei unserem Rundgang immer mal wieder. Auch scheint der Ort nicht mehr sehr viele Einwohner zu haben.
Nach der Besichtigung des Rathauses - überraschenderweise mal mit ausführlichen Erläuterungen zur Stadtgeschichte - nehmen wir noch einen Cappuccino im einzigen Café der Oberstadt und fahren wieder hinunter.
Der Himmel hat sich inzwischen deutlich bezogen. Und die ersten Tropfen prasseln auf uns herab. Der Magen meldet sich auch wieder. Wir lassen jedoch die riesigen Straßenrestaurants, in denen vermutlich die Busladungen von Touristen abgefertigt werden, links liegen und fahren zurück nach San Gimignano. Ein kleiner Stand verkauft wirklich unglaublich gute Pizza, die Schlange von Einheimischen davor hatte es bereits vermuten lassen. KO und vollgefressen erreichen wir wieder unser Domizil.

19.06.03
Die Fahrt führt uns zunächst auf der - ausnahmsweise mautfreien - Autobahn an unserem heutigen Ziel Siena vorbei, denn wir wollen erst noch "le crete" kennenlernen, die "typische" Toskanalandschaft aus hügeligen
Weizenfeldern, über denen die Hitze flirt. Auch hier finden sich die einzelnen Gehöfte auf den Hügelkuppen, die von Hainen aus Säulenzypressen umgeben sind. Ortschaften mit mehr als einem Dutzend Häusern gibt es hier kaum. Bei Asciano drehen wir um, denn eigentlich ist unser Hauptziel ja Siena, wo es auch genug zu sehen gibt.
Wir betreten den Stadtteil Terzo di Citta durch die Porta ??? und suchen als erstes ein Lebensmittelgeschäft auf, um Getränke zu kaufen, denn die Mittagshitze macht uns beiden ziemlich zu schaffen. Ein Blick auf den Stadtplan verrät uns, dass wir uns nicht weit vom Dom befinden. Also zunächst dorthin.
Die prachtvolle Fassade aus dem 13. Jahrhundert ist aus weißem und rosafarbenem Marmor und wirkt in ihrer Zartheit fast wie geschnitzt. Das Innere der Kathedrale ist schwarzweiß gestreift. Ein wenig deplaziert wirken die als Votivgaben in einer Ecke des Querschiffes aufgehängten Motorradhelme.
Der Eingang zum seitlich des Domes gelegenen Museo dell'Opera del Duomo verspricht einen Aussichtspunkt über der Stadt. Wir ahnen auch schon, wo sich der Platz befindet: am Ende des Gebäudes erhebt sich offenbar eine mittelalterliche Investruine. Im 14. Jahrhundert beschloss die Stadt, den damals schon riesigen Dom zu erweitern. Das bisherige Langschiff sollte zum Querschiff umfunktioniert und ein neues noch größeresLangschiff gebaut werden. Die ehrgeizigen, um nicht zu sagen babylonischen Pläne wurden durch den Ausbruch der Pest durchkreuzt. Lediglich die südliche Fassade des neuen Langschiffes und der rechte Seitenflügel, in welchem sich heute das Dommuseum befindet, waren bereits fertigestellt. Eine Treppe im Inneren der Fassade
führt nun zum besagten Aussichtspunkt. Auch die Exponate des Museums, Malereien und Figuren von der Domfassade, sind sehr eindrucksvoll.
Die muschelförmige Piazza del Campo ist wirklich einer der schönsten Plätze. Autofrei wie der größte Teil der Altstadt, lässt sich hier wunderbar in einem der Straßencafés, die sich vor den gotischen in verschiedenen Rot- und Brauntönen gehaltenen Häusern befinden, das eine oder andere Stündchen totschlagen. Wir ergattern zufällig einen der wenigen Plätze auf dem Balkon im ersten Stock, und genießen bei Pizza und Mineralwasser den Blick auf den gegenüber gelegenen Palazzo Pubblico mit seinem schlanken Turm.
Nachdem der Brunnen der Fonte Gaia ausgiebig fotografiert ist, will Eckart nun auch diesen Turm in Angriff nehmen. Dabei lässt er sich auch nicht von der langen Schlange am Ticketschalter und der Hitze abhalten. Ich nutze die Zeit, um einen kleinen Stadtrundgang zu machen.
Als wir uns eine Stunde später wieder treffen, ist mein Portemonnaie um dreihundert Euro voller und mein Konto um genau den gleichen Betrag leerer. Nur drei Tage in Italien, und bereits das Startkapital verpulvert. Italien hat sich gleich von Anfang an als ziemlich teures Reiseland gezeigt.
Unser weiterer Weg führt uns in das Stadtviertel Terzo di San Martino, an dessen Ende die wuchtige Porta Romana liegt.
Das letzte der drei Stadtviertel Sienas, die sich auf drei Hügelkämmen erstrecken, welche an der Piazza del Campo zusammenlaufen, ist der Terzo di Camollia. Dies ist offensichtlich der geschäftigste Teil Sienas. Das von Ferne bereits erspäte Fort, welches die Florentiner nach der Eroberung Sienas bauten, ist irgendwie eine Enttäuschung.
Inzwischen haben wir uns doch die Füße wundgelaufen und freuen uns über einen guten Cappuccino im Café am Fort.
Zu guter letzt entdecken wir doch noch eine nette Ecke in diesem Stadtteil. Unterhalb der Kirche San Dominico und der Casa di Santa Catarina, in der die Heilige tatsächlich geboren sein soll, befindet sich die bereits 1080 umbaute Quelle Fontebranda. Wir sind froh, als nach dem steilen Anstieg von der Quelle hinauf unvermittelt durch einen Torbogen wieder die Piazza del Campo auftaucht.
Von den hohen Preisen lassen wir uns nicht abschrecken und nehmen unser Abendessen in einem der teuren Restaurants am Platz ein.
Inzwischen ist es auch dunkel geworden. In einer der Seitengassen des Campos ertönt plötzlich Blasmusik. So werden wir noch Zuschauer einer kirchlichen Prozession, der wir uns in Richtung Dom anschließen. Ohnehin müssen wir auf dem Weg zu den Motorrädern diese Richtung nehmen. Nach Ulignano zu unserem Domizil geht es dann wieder auf der Autobahn.

20.06.03
Schon recht früh am Morgen hies es "Auf Wiedersehen" zu sagen zu unserer Herberge, denn heute stand die Fahrt ins Podelta auf dem Programm, über 300 Kilometer. Zunächst geht es nach Monteriggioni, einem Mittelalterstädtchen nahe Siena, welches noch von einem vollständigen Mauerring mit 14 Festungstürmen umschlossen ist.
Auf kleinsten und äußerst kurvigen Landstraßen durch Weinberge und Maisfelder, vor allem aber durch Steineichenwälder, über Castellina und Radda in Chianti erreichen wir das Tal des Arno. Ab hier ist zunächst ein kleines Stück auf der stark befahrenen S71 zu bewältigen. Nach 15 Kilometern können wir aber die Schlage von drängelnden LKWs, die die Maut auf der parallel verlaufenden Autobahn scheuen, hinter uns lassen. Von Regello an ist das Land auch nicht mehr so stark landwirtschaftlich genutzt. Dafür säumen wunderschöne Wälder von soeben blühenden Kastanienbäumen die Strecke. Hinter Vallombrosa wird die Straße so schmal und von Schlaglöchern zernarbt, dass wir schon annehmen, uns verfahren zu haben. Den Kastanienwäldern folgt dichter Nadelwald, und den Schildern zufolge durchfahren wir ein beliebtes Erholungsgebiet.
Erneut geht es hinab in das Tal des Arno, der hier allerdings noch ein kleines Bächlein ist. In Stia beginnt der Anstieg zum Pass über den Hauptkamm des Appennin. In der Hütte auf der Passhöhe nehmen wir einen wohlverdienten Cappuccino zu uns. Außer uns haben sich nur zwei Motorradfahrer aus Florenz hierher verirrt. Weiter geht's!
Die dichten Buchenwälder, die die Westseite des Appennin begrünten, reißen hinter dem Pass abrupt ab. Aber auf die Landschaft können wir ohnehin nicht mehr achten, denn die frisch geteerte Straße, auf der unsere Motorräder bei 35 Grad im Schatten mehr schwimmen als fahren, fordert unsere ganze Aufmerksamkeit. Nach 10 Kilometern ist der Spuk zu Ende, leider auch der Kurvenspaß, denn unten im Tal ist die Straße wieder sehr viel gerader.
Bis Forli nimmt die Bebauung in dem immer flacher werdenden Tal immer weiter zu. In der Kleinstadt zwischen Appennin und Poebene herrscht eine Bullenhitze, und der Verkehr macht uns auch nicht gerade Freude. Gott sei Dank können wir Ravenna auf einer vierspurig ausgebauten Schnellstraße umgehen. Dahinter beginnt die S309, die die Poebene nahe der Küste quert. Auf dem breiten Asphaltband haben im Zweifelsfall drei LKW nebeneinander Platz und nutzen ihn auch, obwohl nur zwei Fahrstreifen ausgewiesen sind. Eckart ist die Fahrweise vieler Italiener nicht geheuer.
Ein kurzer Abstecher, den wir zum Strand unternehmen wollen, endet vor einer schier endlosen Zeltplatzanlage. Also: Strand ade.
Die 60 Kilometer bis zum Abzweig nach Loreo, unserem Übernachtungsort, sind recht schnell zurückgelegt. Das Hotel müssen wir ein wenig suchen, obwohl der Ort an einem Kanal nicht groß ist.
Die Kommunikation mit dem Hotelpersonal gestaltet sich schwierig. Keine der Angestellten ist der englischen, geschweige denn deutschen Sprache mächtig. Aber unser Wunsch nach einem Zimmer ist ja nicht schwer zu erraten, und zum Abendessen gibt es ohnehin nur ein Gericht.

21.06.03
Nach dem klassisch minimalistischen Frühstück (ein Croissant und ein Cappuccino) wollen wir uns das Podelta einmal näher ansehen. Unser Weg führt uns nach Pila nahe der Mündung des Hauptarms des Po. In Reisfeldern staksen weiße und graue Reiher herum.
Die Straße endet ziemlich abrupt am Hafen des winzigen Nestchens. Trotz der tischebenen Landschaft ist es nicht leicht, den richtigen Weg zu den Valle (Tal) genannten Lagunen zu finden. Zu groß ist das ganze Gebiet, und meine Karte zu einfach, um alle Straßen darzustellen. Eckart findet schließlich einen Zugang zu den als Raststätte für allerlei Wasservögel bekannten Lagunen.
Nun, Zugvögel sind natürlich Mitte Juni nicht zu erwarten, und die einheimische Ornithologie ist vermutlich gerade vor der Mittagshitze in den Schatten geflohen. Aber die von grün und rosa gefärbten Sträuchern gesäumten Lagunen links und rechts der Straße sind auch ohne Vögel ein schöner Anblick.
In Porto Levante nehmen wir, etwas argwöhnisch von den einheimischen Fischern beäugt, ein Eis zu uns. Die Temperatur hat schon wieder die 30-Grad-Marke hinter sich gelassen. Das schwarze Motorradleder klebt am ganzen Körper.
Wieder auf der S309, überqueren wir auf einer mehrere Kilometer langen Brücke die Lagune von Venedig. Die Autobahn, die wir an Mestre vorbei nehmen, ist überraschenderweise mautfrei. Dafür müssen wir uns durch einen Stau quälen. Das Stück ist aber recht kurz, dann geht es auf kleinen, allerdings kaum weniger vollen Straßen Richtung Jesolo.
Dank Eckarts Navigationssystem ist das Hotel schnell gefunden. Ein Parkplatz für die Motorräder hingegen ist - anders als irgendwo sonst in Italien - nicht zu finden. Schließlich parken wir etwas abenteuerlich hinter dem Hotel, später muss ich noch einmal umrangieren, um eine Familienkutsche vorbeizulassen.
Nachdem wir uns ein bisschen frisch gemacht haben, ist endlich Gelegenheit, über den Strand von Lido herzufallen. Eckart, meine Nichtbademaus, kommt mit und lagert sich zur Zeitungslektüre in den Sand, während ich im Meer ein paar Bahnen ziehe. Als ich aus dem Wasser komme, gebe ich Eckart einen Kuss auf die Stirn und löse damit eine ziemlich heftige auf italienisch vorgetragene Schimpftirade eines Familienvaters von nebenan aus. Obwohl meine Italienischkenntnisse auf allerniedrigstem Level sind, erfahre ich, dass er unser Verhalten wohl unmöglich findet angesichts der vielen Bambini, die auch am Strand herumtollen, darunter natürlich seine. Wenn er wüsste, was Eckart und ich außer Küssen noch so machen... Vermutlich ahnt er es (woher?), und genau da liegt sein Problem. Ich verkneife mir eine Erwiderung, obwohl mir einiges auf der Zunge liegt. Statt dessen zucke ich nur lächelnd mit den Schultern. Das verunsichert ihn, und Papa macht sich auf den Rückweg zu seiner Familie an.
Trotz fortgeschrittener Zeit zieht es uns noch Richtung Venedig. Zumindest kundschaften wir aus, wie man am besten in die etwa 25 Kilometer entfernte Stadt kommt. Nach einem halbstündigen Fußmarsch zur Piazza Drago kaufen wir Fahrkarten für den Bus, der uns nach Punta Sabbioni bringt, wo wir am Anleger der Fähre nach Venedig mit Blick auf den Sonnenuntergang eine Pizza verspeisen. Der Trunk zur Speise macht mich deart albern, dass mein Mann für den Rest der Reise ein Rotweinembargo über mich verhängt - nur noch die lebesnotwendige Dosis von einem Glas zum Abendessen. Den Weg zurück zum Hotel habe ich aber dennoch gefunden.

22.06.03

Das Frühstück in dem von mir gewählten Hotel erweist sich als nicht eben erste Sahne. Die Croissants sind pappig, und der Cappuccino macht auch nicht den besten Eindruck. Wir trösten uns mit der Aussicht, den Tag in Venedig verbringen zu können.
Aus logistischen Gründen wollen wir wie am Vorabend aufs Motorrad verzichten und den Bus nach Punta Sabbioni nehmen. Der Verkäufer in dem nahe dem Hotel gelegenen Tabacchi-Geschäft, in dem es Bus-Fahrkarten gab, stellt sich etwas dämlich an und behauptet, er habe nur Fahrkarten für den Bus ab Piazza Drago und nicht für den Stadtbus dorthin. Also müssen wir wieder den langen Weg auf den Hauptplatz auf uns nehmen. Dort kaufen wir Karten nach Punta Sabbioni für den Bus, der fast gänzlich mit Touristen besetzt ist. Von da nehmen wir die Fähre, denn die angemessenste Weise, sich Venedig zu nähern, ist nun einmal der Wasserweg. In der Lagune herrscht an diesem Sonntag ein äußerst reger Schiffsverkehr. Auf den Sandbänken lagern die Venediger mit ihren Booten und lassen den schwülen Tag verstreichen. Am und im Wasser hält man die Temperaturen von 35 Grad bei der hohen Luftfeuchtigkeit am besten aus.
Der erste Blick auf die Stadt ist nicht so erbaulich, wie ich ihn bei einem früheren Besuch vor einigen Jahren erlebt habe, denn ein Teil des Dogenpalastes ist eingerüstet, wenn auch man mit einer bedruckten Plane versucht hat, den Baustellen-Eindruck etwas zu mildern.
Vor dem Campanile erwartet uns eine moderat lange Schlange, und es scheint auch recht flott vorwärts zu gehen. Äußerst erleichternd wirkt sich bei der Erklimmung des Turmes aus, dass wir nicht Treppen steigen müssen, sondern mit einem Lift befördert werden. Der Blick über die Lagunenstadt ist sehr beeindruckend, obwohl man die Kanäle zwischen den Häuserschluchten aus der Luft kaum sieht.
Auf der Piazza San Marco nehmen wir anschließend den so ungefähr teuersten Cappuccino meines bisherigen Lebens zu uns - EUR 5,00. Aber der Ausblick auf die anderen Touristen und die noch viel zahlreicheren Tauben mit musikalischer Untermalung durch ein Streicherquartett muss halt seinen Preis haben. Wie ein Teil des Dogenpalastes ist auch der Uhrturm gegenüber hinter einem Gerüst versteckt.
Das Theater Fenice ist leider auch eingerüstet, da es bei einem Brand vor ein paar Jahren schwer geschädigt wurde.
Unser nächster Anlaufpunkt ist die Rialtobrücke, eine von nur drei Brücken, die über den Canale Grande führen. Der breiteste Kanal von Venedig zieht sich in der Form eines umgekehrten S durch die Stadt. Während wir auf den Wasserbus warten, haben wir ausgiebig Gelegenheit, die Rialtobrücke, auf der - ähnlich dem Ponte Vecchio in Florenz - zwei Ladenzeilen mit Geschäften gebaut sind. An dieser Stelle ist auch ein wenig über den \'d6ffentlichen Nahverkehr in Venedig zu sagen. In Ermangelung von Straßen - lediglich schmale Fusswege durchziehen die Häuserzeilen - werden die längeren Strecken in der Stadt und zu den benachbaren Inseln der Lagune mit verschiedenen Linienbooten zurückgelegt. Die Taktfolge ist ziemlich dicht. Und so müssen wir auch nicht lange warten, und schließlich gondeln wir gemächlichen zwischen den gotischen Palazzi, die in unterschiedlichsten Unterhaltungszuständen den Canale Grande säumen.
An der Piazza Roma, wo sich auch Venedigs Bahnhof befindet, steigen wir aus, um langsam den Weg zurück zur Piazza San Marco zu nehmen. Umwege erweitern bekanntlich die Ortskenntnis, und so zieht es uns von den touristischen Hauptrouten weg zum Jüdischen Viertel. Das Ghetto sieht sehr nach Armenviertel aus: die Häuser sind in teils bedauernswertem Zustand, und Wäsche baumelt von den Leinen zwischen den Backsteinfassaden. Wir werden aus einer kleine Gruppe von Männern mit Käppis angesprochen und gefragt, woher wir denn seien. Unser "from Germany" scheint die Frage ausreichend zu beantworten. Man wendet sich wieder ab und verrichtet, was immer man hier so zu tun hat. Wir gehen noch ein ganzes Stück weiter auf den unzähligen, in kaum einem Stadtplan eingezeichneten Wegen und fangen die Atmosphäre dieser Stadt ein, die sicher die größte städtebauliche Herausforderung der Menschheitsgeschichte ist. Kaum zu glauben: alle Gebäude ruhen auf nicht zählbaren Holzpfählen, die bereits vor mehr als einem Jahrtausend in den schlickigen Boden der Lagune gerammt worden sind.
Zurück am Markusplatz, nehmen wir das Schiff nach Lido di Venezia. Von der der Insel, die die Lagune vom offenen Meer abtrennt, hat man einen wunderschönen Blick auf den Sonnenuntergang über Venedig. Bis dahin ist aber noch ein bisschen Zeit, die wir in einem netten Straßencafé bei einem roten undefinierbaren Getränk verbringen. Nachdem die Sonne hinter der Lagunenstadt versunken ist, wollen wir noch ein paar Nachtaufnahmen von Venedig machen. Das erweist sich allerdings als nicht besonders sinnvoll, denn nur wenige der Sehenswürdigkeiten sind angestrahlt. So ziehen wir noch ein wenig durch die abendliche Stadt, bevor wir mit der Fähre den Rückweg nach Punta Sabbioni antreten. Im Bus nach Lido di Jesolo sind um diese Zeit außer uns nur noch wenige Fahrgäste. In Lido die Jesolo haben wir den Anschlussbus nicht mehr erreicht und müssen einmal mehr zum Hotel laufen.

23.06.03
Noch einmal geht es mit Bus und Fähre in die Lagunenstadt. Nach einem Cappuccino in der Museumskantine besichtigen wir den außerordentlich prunkvollen Dogenpalast, von dem aus die Stadt über vielen Jahrhunderte hinweg erfolgreich von einem Senat regiert wurde. Die Angehörigen des Senats und auch der oberste Doge wurden aus der reichen Kaufmannsgilde gewählt. Auch über die Seufzerbrücke, in deren Inneren sich zwei separate Gänge befinden, kommen wir auf unserem Rundgang. Gefangene sollen auf ihrem Weg vom Gerichtssaal im Palast zum Gefängnis auf der anderen Kanalseite mit Blick durch die Gitter einen letzten Seufzer ausgestoßen haben - daher, ob nun wahr oder nicht, der Name.
Die Kirche San Marco ist das zentrale Gebäude am Markusplatz und hatte schon am vorigen Tag unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nach den byzantinischen Vorbildern der Hagia Sophia und der Apostelkirche krönen fünf zwiebelförmige Kuppeln das Dach. Die Decke der fast 1.000 Jahre alten Kirche ist mit aufwändigen und einzigartigen Mosaiken ausgestattet. Die Ausstattung wurde während der mehrere hundert Jahre dauernden Bauzeit aus aller Welt zusammengestohlen, insbesondere nach den Kreuzzügen brachten die heimkehrenden Kreuzritter Kunstwerke und Schmuckgegenständen für die Ausstattung mit. Uns steht der Sinn nach weiteren Kirchen.
Der Turm der Klosterkirche San Giorgio Maggiore auf der gleichnamigen Insel, zu der uns eine Fähre vom Markusplatz bringt, bietet eine prächtige Aussicht auf die Stadt. Nur recht wenige Menschen haben sich hierher verirrt. So können wir uns ein wenig von dem Gedrängel in Venedig erholen.
Nun merken wir doch, dass uns die Hektik in der Stadt doch ziemlich auf die Nerven gegangen ist und wir beschließen, den Rest des Tages etwas ruhiger zu verbringen. Murano, die kleine Lagunenstadt nordöstlich von Venedig scheint dafür genau das richtige Ziel. Eine Fährlinie bringt uns zunächst vorbei an der ehemaligen Gefängnisinsel Giudecca - später auch mit wunderschönen gotischen Palazzi bebaut -, am Frachthafen und der Parkplatzinsel Tronchetto (22 EUR pro Tag) auf die Nordseite von Vendig. Die Fahrt mit einer weiteren Fähre nach Murano dauert nur eine gute halbe Stunde und führt uns vorbei an der Friedhofsinsel San Michele.
Schließlich steigen wir in Murano aus. Nur drei kleine Kanäle durchschneiden die Insel. Bekannt ist der Ort für seine bunten Glaskunstwerke. In einem der vielen Geschäfte decke ich mich mit einigen der zerbrechlichen Mitbringsel ein. Die Manufakturen haben zwar um diese Zeit bereits geschlossen. In einer schmalen Gasse ist uns aber trotzdem ein Blick durch ein Fenster auf die Brennöfen vergönnt.
Noch kleiner und abgelegener als Murano ist der Nachbarort Burano, dessen knallbunt gestrichene Fischerhäuschen fast ein wenig zu kitschig erscheinen. Der Aufenthalt hier von einer halben Stunde lässt uns gerade genügend Zeit, die winzige "Hauptstraße" - natürlich nur für Fußgänger - entlangzuschlendern und einen Blick auf den "Schiefen Turm von Burano", den Kampanile der Dorfkirche, zu werfen..
Erst ziemlich spät treffen wir in Punta Sabbioni ein - aber unsere Pizzabäckerei vom vorletzten Tag hat Gott sei Dank noch offen. Nach Mitternacht bringt uns der letzte Bus nach Lido di Jesolo zurück.

BikeRun 24.6. bis 28.06.2003 =>