Italien
2003
3. Teil: Gardasee, Pisa, südliche
Toskana, Rom, Sorrent
28.06.2003 bis 07.07.2003
28.06.03
Erst am späten Vormittag gelingt uns die
Abreise von Wolkenstein. Es sind recht viele Leute zu
verabschieden, und einige davon liegen noch in den Betten
- was nicht unbedingt heißen soll, dass sie schliefen.
Unser heutiges Ziel soll der Gardasee sein, eigentlich
nicht sehr weit, aber es gibt eine Menge zu sehen
unterwegs. Wieder hinunter ins Grödnertal und hinüber
nach Kastelruth, von wo wir recht schnell ins Eisacktal
gelangen. Die Talstraße ist breit und gut ausgebaut,
obwohl parallel dazu die Brennerautobahn verläuft, aber
unser Sinn steht mehr nach kleinen kurvigen Sträßchen.
Die Straße oberhalb des Tales über Ritten ist so
schmal, dass wir bei Gegenverkehr Ausweichmöglichkeiten
suchen müssen. Bald ist aber unser erstes Etappenziel
erreicht. Am gegenüberliegenden Hang eines Seitentales
ragen die Erdpyramiden auf. Eine noch größere
Ansammlung dieser geologischen Besonderheit befindet sich
sogar auf unserer Talseite, wie wir erkennen, als wir zur
anderen Seite gelangt sind. Ein kleiner Spaziergang
bringt uns zu einem Aussichtspunkt, von dem aus die
Gruppe aus spitzen Lehmkegeln, alle mit einem Stein
obenauf, besonders gut zu sehen ist.
Im Café
am Eingang zu dem Wanderweg nehmen wir anschließend
einen Cappuccino und einen Erdpyramideneisbecher zu uns.
Die Pause tat not, denn selbst hier in fast 1.000 Meter
Höhe hat das Quecksilber schon wieder die 30-Grad-Marke
erreicht.
Je tiefer wir nach Bozen hinunter fahren, desto höher
wird auch die Luftfeuchtigkeit. Eckart benötigt dringend
ein neues Speichermodul für seine Digitalkamera, und da
kommt uns die große Stadt gerade recht. Aber oh Graus,
nach österreichischem Vorbild schließen hier die
Geschäfte am Samstag bereits mittags. Da es inzwischen
fast 13:00 Uhr ist, müssen wir unseren Plan aufgeben.
Soeben beginnt ein kleines Gewitter, und das macht Bozen
auch nicht attraktiver. Da in dem breiten Talkessel von
allen Seiten dunkle Wolken aufzuziehen scheinen und somit
neben der Nässe auch schlechte Laune von meiner Gattin
droht, bleibt unser einziger Ausweg, das Adigetal zu
verlassen. Der schnellste Weg in unserer Richtung ist der
Mendelpass. Allerdings sieht es dahinter nicht wesentlich
besser aus. Immerhin regnet es hier noch nicht - NOCH
nicht. Am Stausee von Cles holt es uns nämlich wieder
ein, und der Haussegen ist erst einmal dahin, denn ich
will trotzdem weiterfahren - bin ja eh schon nass - und
Eckart würde lieber abwarten. Da der Regen nach einer
halben Stunde aber immer noch keine Anstalten macht
abzuklingen, schwingen wir uns wieder auf die
Motorräder. Italiener nehmen offenbar weder auf
Wetterwidrigkeiten noch auf durchnässte Motorradfahrer
Rücksicht, denn auf der Schnellstraße nach
Mezzolombardo, die wegen einer längeren Baustelle auf 30
Stundenkilometer dichtgemacht ist, werden wir von
massivem Hupkonzerten vorwärtsgetrieben, obwohl wir
bereits einiges zu schnell fahren.
Erst kurz vor dem Gardasee, in Arco, während wir einen
Kaffee trinken, hört es auf, zu regnen. Das Westufer des
Gardasees ist schnell abgefahren. Durch kilometerlange
Tunnel und Galerien zieht sich die Straße am steilen
Seeufer entlang, unterbrochen nur von den Aufahrten zu
den kleinen Örtchen, die sich auf schmalen Nischen am
See ausbreiten.
Ab Gargnano wird das Fahren ungemütlicher. Es
ist fast 19:00 Uhr, und der Feierabendverkehr staut sich
durch die Ortschaften, die übergangslos aneinandergebaut
sind. Hier scheint, im Gegensatz zu Bozen, am
Samstagabend Einkaufen kein Problem darzustellen.
Endlich, kurz vor 20:00 Uhr erreichen wir unser Hotel in
Sirmione. Es liegt am Beginn der Landzunge, an deren Ende
sich der historische Ort befindet. Von der etwas
unfreundlichen alten Dame an der Rezeption lassen wir uns
nicht abschrecken - schließlich haben wir vorgebucht.
Das übliche Prozedere - die Personalausweise über den
Tresen werfen und den Schlüssel entreißen, dann sind
wir auf unserem Zimmer. Schnell noch eine Dusche, dann
sind wir wieder auf den Füßen. Die zwei Kilometer bis
zum historischen Stadtkern, der durch die alte
Scaligeri-Burg bewacht wird, ziehen sich doch gewaltig,
zumal unser Hunger schon enorme Ausmaße angenommen hat.
Schon auf dem Weg zum Stadtzentrum haben wir
festgestellt, dass der Ort vollkommen überlaufen ist.
Wir finden unter den vielen völlig überteuerten
Restaurants doch noch eine kleine preiswerte Trattoria
mit bemerkenswert guter Küche. So gestärkt wollen wir
noch die antiken Ruinen an der äußersten Nordspitze
besuchen. Die sind aber leider um diese Zeit geschlossen.
Uns bleibt noch, die eigentlich wunderschöne
mittelalterliche Stadt bei Nacht und einem leckeren Eis
zu durchstreifen.
29.06.03
Eine Rundtour um den Garda wollen wir an diesem
Tag unternehmen. Zunächst ist aber der Kauf von einem
Modul für Eckarts Digitalkamera dringend geworden. In
Peschiera am Ausfluss des Mincio aus dem Gardasee bietet
ein kleines Fotogeschäft dieses in unseren Breiten schon
gängige Speichermedium zu überhöhten Preisen an.
Eckart hat aber keine Wahl, will er weiter unsere Reise
fotografisch begleiten.
Die nächste Stunde verbringen wir im Stau auf der
Hauptstraße in Richtung des Ortes Garda. Offenbar will
sich an diesem Tag halb Italien hier treffen.
Endlich
sind wir in dem bekannten Ort angelangt. Leider ist auch
hier der Hafen der Kleinstadt total von Touristen
überlaufen. Trotzdem lassen wir uns bei über 30 Grad
Celsius zu einem Eis hinreißen, bevor wir weiter nach
Norden fliehen.
Das kleine Nestchen Torri del Benaco entpuppt sich als
Oase. Nicht nur, dass der Fährort viel weniger von
Touristen heimgesucht wird - in die schmalen Gassen sind
wir fast allein -, auch das Preisniveau erscheint uns
deutlich geringer als in den Hochburgen. Ein kleiner
Tante-Emma-Laden verkauft uns dürstenden Bikern den
halben Liter Mineralwasser zu 40 Cent anstatt sonst
deutlich über 1 Euro. Auch der schmale aber sehr saubere
Strand lädt zum Verweilen ein und bietet auch noch einen
traumhaften Blick zu den Bergen am gegenüberliegenden
Ufer. Am kleinen Hafen halten einige Maler die Szenerie
in ihren Bildern fest.
 
Von Malcesine nehmen wir die Seilbahn
auf den Monte Baldo. Von einem Aussichtspunkt etwa einen
Kilometer von der Bergstation entfernt genießen wir den
Blick über den nördlichen Gardasee. Nach Süden hin
verschwimmt das Ufer im Dunst. Die seltenen Bergblumen,
auf die allerorten auf Tafeln hingewiesen wird, sind
offenbar den Kühen, die entlang des Pfades vor sich
hinmampfen, zum Opfer gefallen.
Nach unserem obligaten Cappuccino an der Bergstation
erreichen wir die vorletzte Talfahrt der völlig
überfüllten Seilbahn.
Die
Suche nach der Fähre über den Gardasee nach Limone di
Garda nimmt einige Zeit in Anspruch, denn man hat sich im
Ort offensichtlich ziemliche Mühe gegeben, Touristen in
die Irre oder auch mal gar nicht zu leiten und somit den
ohnehin schon regen Verkehr auf der
Hauptdurchgangsstraße ein bisschen anzukurbeln. Endlich
finden wir die Zufahrt. Die Fähre ist gerade fünf
Minuten zuvor gefahren. Na gut, die nächste geht ja
bereits in einer halben Stunde. In der gleichen Zeit
wären wir zwar sicher auch mit dem Motorrad am Nordufer
entlang nach Limone gekommen, aber uns geht es ja um die
Schiffspartie an sich. Ein Mopedfahrer ist außer uns der
einzige Passagier. Die Fahrt dauert auch etwa eine halbe
Stunde.
Unser letzter Programmpunkt fällt leider ins Wasser -
nein, nicht in den Gardasee. Der Wasserfall nördlich von
Riva del Garda ist bereits geschlossen.
Etwas enttäuscht fahren wir in den Ort zurück und
suchen noch ein Weilchen nach einem Restaurant.
Schließlich können wir auch unsere leiblichen
Bedürfnisse befriedigen - mit einer ziemlich leckeren
Pizza.
Zurück geht es wieder in dichtem Abendverkehr am
Westufer des Gardasees entlang.
30.06.03
Heute steht eine ziemlich lange Fahrt auf
unserem Programm. Über den Appennin soll es nach Pisa
gehen. Eckart hat für den Nachmittag eine Besteigung des
Schiefen Turmes organisiert, so dass wir uns wirklich
sputen müssen. Aus diesen Gründen haben wir bereits am
Vortag beschlossen, die Autobahn zu benutzen. Das
Mautsystem ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig. An der
Auffahrt zur Autobahn zieht man eine Karte aus einem
Automaten, beim Verlassen wird diese vorgelegt und man
bezahlt entsprechend der Streckenlänge. Die Reiseführer
warnen, dass, verlöre man die Karte, man die Entfernung
von der entferntesten Auffahrt zahlen müsse. So ist uns
etwas mulmig zumute, als wir ein paar Kilometer hinter
Limone auf die Autobahn einfahren. Dafür geht es in der
Tat viel zügiger voran als auf den Landstraßen, die so
ziemlich jedes am Wegesrand liegende Dorf durchschneiden
und zum Abbremsen zwingen. Die LKW-Dichte hält sich auch
in Grenzen.
Bei
einer Pause entdecken wir, dass der Klebstoff unter der
Aluminium-Verkleidung von einem Koffer an Eckarts F650
den Geschwindigkeiten und der Hitze nicht standgehalten
hat und sich einfach in die Landschaft verabschiedet hat.
Na toll!
Da wir schon weit vor Mittag den Appennin hinauffahren,
genehmigen wir uns doch noch einen Abstecher. Bei Borgo
Val di Taro verlassen wir die Autobahn. Es werden knapp
10 Euro pro Motorrad fällig. Die Straße ins Tal des
Taro ist breit ausgebaut und nur meine Gattin hält mich
davon ab, mit ziemlich verbotenen Geschwindigkeiten die
Kurven zu durchbrausen. Hinter Borgo wird die Straße
allerdings sofort sehr eng, und die abgefallenen
Kastanienblüten machen den Belag darüber hinaus
unangenehm schmierig. Für die wunderschönen Wälder
rundherum haben wir deswegen kaum einen Blick. Für die
nächsten 40 Kilometer brauchen wir fast eine Stunde, und
wir sind froh, bereits am Vormittag Strecke gemacht zu
haben. Hinter Pontremoli ist der Straßenzustand zwar
wieder passabel, aber dafür hängt hier Ort an Ort, dazu
hängen wir bis kurz vor La Spezia zwischen diversen LKWs
fest - man kommt einfach nicht vom Fleck.
Endlich sind wir in Carrara. Der Ort selbst
liegt in einer tiefen Senke im Gebirge und sieht nicht
eben einladend aus. Um 15:00 Uhr scheint in diesem
Städtchen auch noch Mittagspause zu sein. Auch in den
Marmorsteinbrüchen, zu denen wir sehr leicht finden - es
scheinen irgendwie alle Straßen dahin zu führen - ist
kaum eine Menschenseele anzutreffen. Von den riesigen
Lastwagen, die die großen Marmorblöcke in die
Werkstätten bringen, keine Spur. Das Pärchen, mit
welchem wir auf der Fahrt mit dem Autoreisezug nach
Livorno das Abteil geteilt hatten, hatte davon berichtet.
Nur in den Marmorgeschäften ist selbstverständlich
Personal. Ich erstehe einige Eier aus grünem Marmor als
Mitgebringsel. Eckart kann sich für den Kitsch
überhaupt nicht erwärmen.
Aus Zeitgründen nehmen wir wieder die Autobahn nach
Pisa, denn eine Stunde vor der Besteigung müssen wir die
Karten abgeholt haben. (Die Besteigungen sind streng
reglementiert: Im Halbstundentakt werden etwa ein Dutzend
Touris unter Aufsicht auf den Turm gelassen. Es empfiehlt
sich daher dringend, die Besteigung z.B. im Internet
vorzubuchen.) Der Campo dei Miracoli (Platz der Wunder) ist in
der Stadt gut ausgeschildert. Nach den Karten ins Hotel
auf der anderen Arnoseite, welches wir dank Eckarts
Satellitennavigation schnell finden. Die Zeit reicht
gerade noch für eine Dusche, dann hetzen wir wieder zum
Campo - diesmal zu Fuß. Diesmal ist meine Laune nicht
die beste, denn Turmbesteigungen gehören nicht unbedingt
zu meinen Favoriten. Bis zum vorletzten Stockwerk geht es
ja noch ganz gut, dann müssen wir auf einer Außentreppe
halb um den Turm herum - nichts für mich
höhenängstliche Tucke. Aber ich muss da durch, die
Aufsicht besteht unverständlicherweise darauf, dass ich
weitergehe. Hat er Angst, ich könnte den Turm klauen?
Meine Gattin, die mir eigentlich helfen könnte, ist
bereits davongestürmt - in den schwersten Stunden ist
man allein! Endlich habe ich es geschafft, aber so
richtig zum Genießen ist die Aussicht nicht: man kann in
den Turm hinabsehen, bzw. auf die diversen Baugerüste,
die ihn ausfüllen. Die architektonisch interessanten
Gebäude - der Dom und die Taufkirche - liegen genau
gegen die Sonne.
Naja, endlich bin ich wieder unten. Viel angenehmer finde
ich die Besichtigung der Domes und der Taufkirche, deren
außergewöhnliche Akustik eine Aufsichtsperson mittels
einer Gesangsvorstellung kurz vor Schließung
demonstriert.
Das Abendessen fällt mit einem Pfirsich auf dem Weg zum
Hotel diesmal sehr knapp aus, denn wir sind beide sehr
müde.

01.07.03
Am nächsten Tag geht es auf der Via
Aurelia nach Grosseto. Einen kleinen Teil der
autobahnartig ausgebauten Schnellstraße haben wir ja
bereits am ersten Tag unserer Reise passiert, als wir von
Livorno in die Toskana fuhren.
Hinter
Grosseto verlassen wir die Via Aurelia. Ich habe mal
wieder ein Bad im Meer gegen Eckart durchgesetzt und
dafür einen Strand an der Landzunge zum Monte Argentario
ausgewählt. Eigentlich ist die Lagune von Orbetello, die
durch zwei Landzungen und die Insel Monte Argentario vom
Meer abgetrennt ist, als Naturschutzgebiet ausgewiesen.
Davon ist inmitten der Zeltplätze allerdings nicht viel
zu spüren. Auch der Zugang zum Sandstrand ist schwer zu
entdecken. Eckart hat da das feinere Näschen. Es handelt
sich um einen absolut kindersicheren Strand. Ich kann
noch einige hundert Meter vom Ufer entfernt im Wasser
stehen.
Einen viel interessanteren Strand mit eingelagerten
Felsen entdecken wir leider erst später bei Porto San
Stefano, als wir den Monte Argentario auf der
Küstenstraße hoch über dem Meer umrunden. Der Blick
auf die Uhr verhindert ein weiteres Bad, immerhin wollen
wir noch die Sinterterrassen von Saturnia besichtigen.
Die Heilquelle liegt etwa 50 Kilometer im
Landesinneren. Zunächst ist die Landschaft noch
topfeben, später zeigen sich wieder die typischen
Toskanahügel mit Olivenhainen, Weizenfeldern und
Weingärten. Die letzten Kilometer vor Saturnia verdirbt
uns mal wieder ein Wohnmobil den Kurvenspaß, dann
erblicke ich gerade noch rechtzeitig die Zufahrt zu den
Sinterterrassen. An der 1A-Sehenswürdigkeit sind
vergleichsweise wenig Touristen. Die meisten Badegäste
scheinen den Fahrzeugkennzeichen nach aus der näheren
Umgebung zu sein. Die etwas orangegetönten
Sinterterrassen, über die das bläuliche Wasser rinnt,
geben wirklich einen wunderschönen Anblick. Ich lasse
mich dazu hinreißen, mal mit den Füßen durch das
körperwarme Thermalwasser zu waten. Der Reiseführer
hatte von einen intensiveren Kontakt mit dem Wasser
abgeraten, denn die hygienischen Zustände und die
Herkunft des Wassers seien wohl etwas zweifelhaft. Andere
Leute scheint das vom ausgiebigen Bad nicht abzuhalten.
Nun
haben wir uns unseren ersten Cappuccino des Tages aber
redlich verdient. An den Wasserfällen befindet sich ein
kleines Bistro mit Tischen im Schatten.
Entlang unserer weiteren Route kommen wir an der Tomba
Isebranda vorbei. Die eigentlich noch geplante
Besichtigung der Etruskernekropole Vulci habe ich wegen
des straffen Zeitplans an diesem Tag gestrichen. So kommt
mir die ebenfalls etruskische Ausgrabungsstätte gerade
recht. In den weichen Tuffstein haben die rätselhaften
Vorgänger der Römer mehrere Meter tiefe Hohlwege und
Grabstätten gehauen. Wenn man im Geiste die starke
Erosion über die zweieinhalb Jahrtausende
berücksichtigt, müssen die Anlagen einmal wirklich sehr
beeindruckend gewesen sein.
Der restliche Weg nach Tuscania, wo ich die
Übernachtung in einem sehr hübschen Hotel vorgebucht
habe, geht zügig vonstatten. Wir bedauern allerdings,
dass wir nicht noch für die hoch auf Tuffkegeln
thronenden Nestchen Sovana und Pitigliano Zeit haben.
Das am Vorabend ausgefallene Abendessen holen wir
ziemlich ausgiebig im Hotel Al Gallo nach - mit
regionalen Spezialitäten aus Nudeln, Hähnchen,
Trüffeln und was weiß ich noch und einem gediegenen
Wein.
Zum Verdauen machen wir anschließend noch einen
nächtlichen Spaziergang durch Tuscania. Frauen sitzen
strickend vor den Türen ihrer Häuser.
02.07.03
Nach dem ausgiebigen Frühstück im Al
Gallo geht es los. Bis nach Marta am Südufer des Lago
die Bolsena ist die Landschaft noch recht flach. Dann
geht es entlang des vulkanisches Kratersees. Der
Kraterrand steigt auf über 600 Meter an. Von hier haben
wir bei einem Zwischenstopp einen wunderschönen Blick
über die beiden kleinen Inselchen. Auf kleineren und
kurvigen aber ziemlich gut ausgebauten Sträßchen fahren
wir zu dem Ferienort Bolsena und von hier den Kraterrand
in einigen Serpentinen hinauf. Nochmals bietet uns der
Lago Bolsena einen prächtigen Anblick, dann ist bald
Orvieto erreicht.

 Das Ertruskerstädtchen thront auf einem 200
Meter hohen Tuffsteinplateau. Eigentlich wollen wir die
Motorräder unten stehenlassen, aber die Standseilbahn
ist außer Betrieb. In Ermangelung der sonst üblichen
Motorradstellplätze parken wir ausnahmsweise einmal
konventionell und lösen sogar einen Parkschein
(eingedenk schrecklicher Erfahrungen 1996 in Norwegen).
Der Dom ist innen weniger eindrucksvoll als ich ihn mir
vorgestellt habe. Auf den zweiten Blick offeriert er aber
doch noch eine Besonderheit - die "Fenster"
sind teilweise mit dünnen Jaspisscheiben verglast.
Natürlich ist der Lichteinfall dementsprechend gering.
Die prunkvolle Außenfassade des Doms können wir leider
auch nur auf Postkarten bewundern, denn sie ist
eingerüstet.
Nach der Besteigung eines Turms in der Mittelalterstadt
wollen wir noch eine weitere Besonderheit des Ortes
besichtigen, den 62 Meter tiefen Brunnen, der nach der
Belagerung 1527 in den weichen Tuffstein getrieben wurde.
Der Weg zum der nahe am Felsgrat gelegenen
Sehenswürdigkeit erweist sich als wesentlich länger als
erwartet. Da ich ohnehin kein großer Fan von tiefen oder
hohen Gebäuden bin, fällt mir die Aufgabe zu statt der
Brunnenbesichtigung die Motorräder mit den abgelaufenen
Parkscheinen zu bewachen. Die Vorsicht stellt sich als
unbegründet heraus - kein Carabiniere in der Nähe, auch
die Policia Municipale lässt sich nicht blicken. Den
Unterschied zwischen beiden Staatsorganen haben wir nicht
ergründen können - die geileren Uniformen haben auf
alle Fälle die Carabinieri;-). Apropos Geilheit: auf dem
Weg zurück ist mir in einem Geschäft doch tatsächlich
noch ein Keuschheitsgürtel aus Metall aufgefallen. Ob
der tatsächlich in diesem Land ernsthaft Anwendung
findet, vermag ich nicht zu sagen.
Die Wartezeit am Motorrad überbrücke ich in einem
kleinen Café mit Blick auf den Parkplatz. Innerhalb der
fünfzehn Minuten, bis Eckart von seiner Exkursion in die
Unterwelt von Orvieto wieder zurück ist, erfahre ich von
einem Italiener in diesem Café seine gesamte
Lebensgeschichte, angefangen von seiner schweren Kindheit
im Krieg bis zu seiner zuckerkranken Schwester und seinen
drei gescheiterten Ehen. Das alles selbstverständlich
auf italienisch - also in einer Sprache, die ich
überhaupt nicht zu verstehen glaubte, aber der
mitteilsame Lebenskünstler machte mit Händen und
Füßen seine Weltsicht klar.
Weiter
geht´s, vorbei an Sonnenblumenfeldern und Weinterrassen
Richtung Viterbo, welches wir allerdings wegen der schon
wieder einmal fortgeschrittenen Zeit links liegen lassen.
Hinter dem Ort türmt sich das Bergmassiv um den Lago di
Vico auf, ebenfalls ein ehemaliger Vulkankrater, der sich
mit Wasser gefüllt hat. Obwohl der Strand an seinem Ufer
zum Baden einlädt, zieht es uns weiter Richtung Rom.
Noch zwei kleine Stopps zwischen den Haselnussplantagen
und an einem mit Lotosblumen bewachsenen Tümpel, dann
stürzen wir uns ins Getümmel des Autobahnringes um
Italiens Hauptstadt.
Der Fahrer des ersten Motorrad, welches sich an uns durch
den Stau vorbeidrängelt, grüßt freundlich - eigentlich
in Italien nicht üblich - und kurz sehe ich noch eine
Regenbogen- und Lederflagge unterm Nummernschild
aufblitzen. Dann ist der Typ schon verschwunden. Wir
hechten nicht hinterher, denn einen Unfall wollen wir nun
wirklich nicht provozieren, und unsere Motorräder haben
mit den Koffern in der Tat eine enorme
"Flügelspannweite" für die schmalen
Autobahnstreifen.
Die richtige Ausfahrt vom Stadtring haben wir
soeben verpasst, und der Rückweg ist durch die
Einbahnstraßen, Sackgassen und sonstigen
Straßenverhältnisse alles andere als leicht. Aber
schließlich sind wir auf der richtigen Straße zum
Stadtzentrum - noch sechs Kilometer bis zum Hotel zeigt
Eckarts Navigator an. Einen Großteil davon geht es nur
im Schritttempo voran. Grund ist ein Rollerunfall. Das
Gefährt liegt noch halb auf der Straße, als wir
vorbeifahren, und sieht nicht mehr gut aus. Wir hoffen,
der Fahrer hat es besser überstanden. Jedenfalls ist von
ihm keine Spur zu sehen. Statistisch gesehen kommt auf
jeden dritten Römer ein Roller, und bei der Fahrweise um
uns herum kommt einem ganz unweigerlich die Frage nach
der Unfallstatistik in den Sinn.
Endlich haben wir das Hotel gefunden. Kleider vom Leib,
so gut das mit dem durchgeschwitzten Zeug geht, und ab
unter die Dusche. Nach dem Abendessen, bei welchem uns
der Kellner um einen Euro prellt, suchen wir die Szene.
Nach der Hausnummer befindet sich die Lederkneipe in
einem hochherrschaftlichen Hotel. Auf der anderen
Straßenseite befindet sich zwar eine schwule Sauna, aber
... nein, geschwitzt haben wir heute schon genug. Na gut,
war n´Versuch. Ab ins Bett.
03.07.03

Früh geht es am nächsten Morgen mit der U-Bahn
zum Colosseum. Die Ruinen dieses großen Stadions zu
beschreiben hieße sicher Eulen nach Athen zu tragen.
Auch den Konstantinsbogen und das Forum Romanum kennt -
zumindest dem Namen nach - fast jeder. Letzteres war für
uns ein wenig enttäuschend, denn ein Großteil der
Parkanlagen war ziemlich ungepflegt und darüber hinaus
abgesperrt.
Unser Stadtbummel führt uns fast pausenlos an
irgendwelchen Sehenswürdigkeiten der unterschiedlichen
Epochen vorbei. Und während man sich andernorts riesige
Gedanken macht, ob dieses oder jenes Gebäude
architektonisch zu denen daneben passt, hat man diese
Frage in Rom offenbar mehr als zwei Jahrtausende lang nur
belächelt. Vielleicht ist es gerade dieser Reiz, den Rom
ausstrahlt. Eine Unkompliziertheit, die sich auch in
anderen Lebensbereichen zeigt, zum Beispiel bei für uns
so scheinbar schwierigen Dingen wie der Überquerung
einer Hauptstraße ohne Ampeln. Römer gehen einfach
geradeaus über die Straße, scheinbar ohne darauf zu
achten, ob ein Fahrzeug heranrollt. Vielleicht heben sie
noch abwehrend die Hand, um ihren Anspruch deutlich zu
machen. Es funktioniert unverständlicherweise. Während
wir noch hilfesuchend die Fahrzeuge anstarren, ist halb
Rom bereits auf der anderen Seite.
Kurz
hinter dem Pantheon, dem interessantesten Bauwerk des
antiken Roms - es wurde um 600 von einem heidnischen
Tempel zur Kirche geweiht und blieb nur deswegen erhalten
-, setzen wir uns auf der Piazza Navona in ein
Straßencafé und schauen den vielen Malern zu. Von
unserem Stand- bzw. Sitzpunkt aus mutmaßen wir, dass sie
vermutlich sie die vielen anderen Künstler auf dem Platz
malen oder zeichnen. Die sehenswerten drei Brunnen sind
nämlich von Staffeleien umstellt.
In Trastevere, wie der Name besagt auf der anderen
Tiberseite, besichtigen wir noch die Kirche St. Maria in
Trastevere. Auch unser zweiter Versuch, die römische
Szene kennenzulernen mislingt - ein schwules Café nahe
der Kirche hat geschlossen, wie es aussieht schon
länger, das andere, welches sich in der Umgebung
befinden soll, ist unauffindbar.
 
Über die Tiberinsel gehen wir zurück.
Beeindruckt sind wir vom Teatro di Marcello, einem
antiken Theater, das zunächst im Mittelalter mit einer
Festung überbaut wurde, und noch später mit
Wohnhäusern. Alle Nutzungsarten sind von der Nordseite
her noch erkennbar.
Nach einer längeren Wanderung stehen wir auf der Piazza
Garibaldi, die einen schönen Blick auf Rom bietet,
insbesondere jetzt, wo die Sonne tief steht. In einem der
vielen Inn-Lokale in Trastevere nehmen wir unser
Abendessen ein. Die Nachtaufnahmen der vielen
Sehenswürdigkeiten nehmen so viel Zeit in Anspruch, dass
wir den letzten Bus verpassen und zu Fuß zurück zum
Hotel laufen müssen.

04.07.03
Das Frühstück fiel mal wieder ein wenig
dürrftig aus. Aber immerhin gab es zum Brötchen
leckeres Kastanienmus, mir bis dahin unbekannt.
Auf dem Weg zur U-Bahn besichtigen wir die Kirche ???.
Trotz meiner Warnung hat Eckart - teils aus Trotz, teils,
weil es wirklich wieder brütend heiß ist - kurze Hosen
angezogen. Das rächt sich nunmehr. Bislang hatten wir
keinerlei Probleme, obwohl an fast allen Kirchen gebeten
wird, das Gotteshaus nur mit entsprechender Kleidung zu
betreten. Für die Damenwelt verstehen die Kirchenväter
darunter lange Röcke und bedecktes Decolleté (letzteres
ist mir persönlich offen gestanden auch lieber, wenn
auch aus anderen Gründen, aber so dogmatisch bin ich nun
auch wieder nicht). Die Herren der Schöpfung werden eben hingegen
gebeten, lange Hosen zu tragen. Nun, Eckart hat sich in
der ihm eigenen Starrköpfigkeit auf die Fahne
geschrieben, sich der Bitte der Kirche - und vermutlich
wichtiger - meinem Rat zu widersetzen und wird nun an der
Pforte zum Petersdom abgewiesen. Das Ärgernis ist groß,
aber die Ordner sind unerbittlich. Noch einmal zum Hotel
zurück zu fahren, macht nun allein deswegen auch keinen
Sinn. Schweren Herzens entschließt sich mein
Göttergatte (hm, Götter....? dann müsste er ja
eigentlich die Regeln ändern können), draußen zu
warten, während ich mich drinnen umsehe. Da
Fotografieren erlaubt ist, nehme ich Eckarts Kamera mit.
Somit hat er wenigstens ein paar Bilder vom
gigantischen Innenraum der Kirche. Die Verstimmung über
die Abweisung legt sich bald wieder.
An der Engelsburg, dem früheren Hadriansgrab vorbei und
über den Tiber gehen wir durch eine Gasse mit vielen
Antiquitätengeschäften und wundern uns, wie diese
Läden überleben können.
Wie am Vortag machen wir an der Piazza Navona eine kleine
Pause, bevor wir zum Trevibrunnen und der Spanischen
Treppe weiterwandern. Hier ergreift und erneut der Wunsch
nach einem Cappuccino, den wir im nunmehr vermutlich
wirklich teuersten Café Italiens einnehmen, dem Café
Greco im Stil Wiener Kaffeehäuser.
Der
Park der Villa Borghese ist für uns etwas enttäuschend.
Er wirkt ein bisschen ungepflegt. Die vielen
Schaustellerbuden haben daran einen wesentlichen Anteil,
denn an Erholung ist bei den lärmenden Menschenmassen,
die sich durch den Park wälzen, kaum zu denken. Trotzdem
kann ich an einer ruhigeren Stelle ein Stündchen auf
einer Parkbank schlafen, während Eckart ein paar Karten
schreibt.
Die Villa Borghese selbst sieht vielversprechend aus, hat
aber bereits ihre Pforten geschlossen. So begnügen wir
uns mit einen Blick durch die Fenster der Orangerie und
auf die Skulpturen im Garten, Zementkopien bekannter
Werke.
Relativ zeitig geht es zurück ins Hotel, denn am
kommenden Tag haben wir wieder eine weite Tour vor uns.
05.07.03
Wegen der weiten Strecke und eingedenk der
Erfahrung, dass ich die Tagesprogramme bislang ein
bisschen voll gestopft habe, nehmen wir für das erste
Stück unserer Tour nach Neapel die Autobahn. Die Albaner
Berge, die mich eigentlich interessiert hätten, lassen
wir rechts zurück. Bei Capua verlassen wir die
Schnellstraße, denn unser erster Besichtigungsort sind
die flegräischen Felder, seit dem Altertum bekanntes
Vulkangebiet.
Der
Vulkankrater Solfatara ist nicht auf Anhieb zu finden,
zumal Eckarts Satellitennavigationssystem uns zunächst
in die falsche Richtung lotst. Dann stehen wir jedoch in
dem weiten leblosen Krater, an dessen entgegengesetzten
Rand Rauchfahnen aufsteigen. Auch der Übelkeit erregende
Geruch nach faulen Eiern, von Schwefelwasserstoff
herrührend, liegt schwer in der Luft. Um die
Austrittsstellen der Gase haben sich orangerötliche
Schwefelverbindungen abgelagert.
Vorbei an Neapel auf einer mautfreien Autobahn geht es
nach Torre del Greco (ab hier wieder Maut), wo wir die
Abfahrt zum Vesuv nehmen. Die Straße windet sich in
vielen Serpentinen durch Ausläufer von Neapel.
Beängstigend, wie weit die Häuser und Gärten an den
unberechenbaren Berg gebaut sind. Erst weit oben im Valle
del Gigante, dem Tal zwischen dem Vesuvkegel und einem
älteren viel größeren Vulkankrater, dem Monte Somma,
der den Vesuv im Nordosten umschließt, ist keine
Bebauung mehr zu finden. Nur das geologische
Observatorium und eine Taverne stehen am Straßenrand
zwischen den Sträuchern. In etwa 1.000 Meter Höhe endet
die Straße an einem schmalen Parkplatz. Natürlich stehen
etliche Busse und noch mehr PKW da. Ein Ordner weist uns
zwei Stellplätze hinter den Motorrädern von zwei
Carabinieri zu. Die letzten 150 Höhenmeter zum Krater
müssen wir zu Fuß zurücklegen. Zum Glück weht in
dieser Höhe ein laues Lüftchen und erleichtert uns den
Aufstieg. Der Blick über die von einzelnen Kräutern
bewachsenen Schutthalden hinüber nach der Halbinsel
Sorrent, unserem heutigen Endziel, ist wunderschön.
Direkt hinter dem Häuschen, wo der Eintritt zur
Kraterbesichtigung kassiert wird, herrscht dichtes
Gedränge. Offenbar hat der Vulkan hohen Besuch.
Auffällig viele Polizisten haben ein wachsames Auge auf
die Leute hier oben. Wir mutmaßen, ob vielleicht Herr
Berlusconi sich eines Widersachers in den Krater
entledigt, wie das bereits viel frühere Herrscher
Italiens gemacht haben sollen. Aber nein, irgendein
Minister besucht aus unerfindlichem Grunde den Vulkan.
Nur wenige Schritte weiter am Kraterrand entlang ist es
gleich viel weniger bevölkert. Schon wieder einmal ist
die Zeit deutlich fortgeschritten und der Weg zum Hotel
noch weit. Darüber hinaus droht der Feierabendverkehr.
Die Weiterfahrt gestaltet sich schwierig. In Städtchen
Sorrent herrscht der Stau, und die vielen Motorroller,
die sich mühelos an der PKW-Schlange und unseren breit
bepackten Motorrädern vorbeidrängeln, heben unsere
Stimmung auch nicht gerade. Nach etwa einer Stunde haben
wir den bekannten und leider eben auch sehr beliebten
Ferienort hinter uns gelassen. Nun ist nur noch die kurze
Steigung nach Sant Agata auf dem Grat oberhalb von
Sorrent zu erklimmen.
An der Rezeption des Hotels ist man bestürzt: zwei
Männer, und nur noch ein Zimmer mit Doppelbett frei! Ich
beruhige das Personal: für zwei Nächte halten Eckart
und ich das schon mal aus ;-)
06.07.03
Für den letzten ganzen Tag in Italien haben wir
Pompei auf unser Programm genommen. Es ist Sonntag, und
offensichtlich hat sich ganz Neapel auf der Halbinsel
Sorrent verabredet. Jedenfalls staut sich auf der
Gegenfahrbahn der Anreiseverkehr kilometerweit. Zum
Glück müssen wir von hier weg.
Vor den Ausgrabungen von Pompei ist nicht so viel los wie
ich befürchtet hatte. Wir werden auf einen vermeintlich
öffentlichen Parkplatz gewunken. Meinen Irrtum bemerke
ich zwar sofort, als der Kassierer uns auf die
Parkbedingungen hinweist: entweder drei Euro pro
angefangene Stunde oder Verrechnung mit dem Mittagessen
im Restaurant nebenan. Zähneknirschend willigen wir ein,
denn einen anderen Parkplatz zu suchen, haben wir noch
weniger Lust, zumal die Bedingungen mit hoher
Wahrscheinlichkeit auf den privaten Parkplätzen
rundherum ganz ähnlich sein dürften. Einen
öffentlichen ohne Abzocke haben wir übrigens auch
später in der Umgebung nicht ausmachen können.
Der
Haupteingang zum Ausgrabungsgebiet von Pompei liegt
gleich gegenüber des Parkplatzes. Der Eintrittspreis
erscheint uns zunächst happig. Aber nachdem wir fünf
Stunden durch die ausgedehnten Gassen der Ruinenstadt,
die von den Ascheschichten des Vesuvausbruchs um 44 vor
Christus bedeckt wurde, gewandert sind, leisten wir
Abbitte. Der Erhalt des riesigen Geländes erfordert mit
Sicherheit Unsummen, die man versucht, über die
Eintrittspreise wieder einzuspielen. Viele Gebäude, in
denen noch Untersuchungen im Gange sind, sind mit Gittern
abgesperrt. Selbst in den Stunden, die wir auf dem
Gelände zubringen, können wir nur einen Teil erkunden.
Die Malereien und Mosaiken sind teilweise hervorragend
erhalten. Natürlich macht und mal wieder die Hitze von
über 30 Grad Celsius zu schaffen. Unsere Getränke sind
alsbald aufgebraucht. So machen wir uns wieder vom Acker.
Die Fahrt über das Gebirge nach der Costa Amalfitana
eröffnet uns immer wieder wunderschöne Ausblicke zu dem
isoliert in der Ebene stehenden Vesuv. Von Zeit zu Zeit
bietet ein Obststand Aprikosen und Pfirsiche an, die an
den Hängen des Tals hinab zur Küste angebaut werden.
Auf der Küstenstraße hat das Fahrvergnügen dann ein
ziemlich abruptes Ende, denn viele Busse quälen sich
langsam das kurvige Sträßchen entlang, das teilweise
beängstigend eng in den Fels gehauen ist. Die kleinen
Ortschaften, die in winzigen Buchten jeden einigermaßen
ebenen ausfüllen, sind völlig von Wochenendtouristen
übervölkert. Eigentlich hatte ich vor, irgendwo noch
ein Bad im Meer zu nehmen, leider scheint es kaum noch
ein noch so kleines Fleckchen an den nur wenige Meter
breiten Sandstränden zu geben. Eckart scheint noch
weniger Lust zu haben, vom Motorrad abzusteigen und einen
Platz zum Baden zu suchen.
Schließlich halten wir doch noch einmal an der
Einbahnstraße, die nach Positano hinabführt. Über
unzählige Treppen steigen wir durch das ehemalige
Fischerdörfchen zum Hafen hinab, und siehe da: mit der
Sonne verschwinden auch etliche Napolitaner vom Strand,
die hier vermutlich den ganzen Sonntag verbracht haben.
So hübsch die Kulisse der bunten kleinen Häuschen
rundherum ist - richtig klar ist mir nicht, warum die
Küste so beliebt ist: total überfüllt und mit großen
Kieseln, die das Baden im Meer nicht eben angenehm
machen.
Die Küstenstraße windet sich immer höher den Hang
hinan, und plötzlich befinden wir uns auf dem
Hochplateau über Sorrent. Der "Pass", wenn man
so will, liegt hinter uns. Am Straßenrand fällt mir ein
kleines Restaurant auf, von dessen Terrasse man einen
überwältigenden Blick über beide Küsten - die Bucht
von Neapel mit dem Vesuv und die Amalfitanische Küste -
haben muss. Und tatsächlich: fast allein können wir die
letzten rötlichen Strahlen der Sonne an den Hängen
gegenüber genießen, wenn auch das Essen nicht zu den
absoluten kulinarischen Höchstleistungen Italiens
zählen dürfte.

07.07.03
Die Fahrt nach Neapel zum Bahnhof geht
schneller als gedacht - nur gut eine Stunde brauchen wir
am späten Vormittag. Der Berufsverkehr scheint vorbei zu
sein, und den Verladebahnhof haben wir überraschend
schnell direkt an der Ausfahrt der Autobahn gefunden.
Eigentlich wollten wir die Zeit, die uns noch bis zur
Abfahrt des Autoreisezuges bleibt, nutzen, um uns noch
Neapel anzusehen. Aber Eckart fühlt sich irgendwie
krank. Ich vermute, verschwitzt, wie er war, hat er die
Lederjacke bei der Hitze der letzten Tage während der
Fahrt zu oft offen gelassen. Wir stellen die Motorräder
in der Nähe der Verladerampe ab.
Einen kleinen Rundgang durch einen bahnhofsnahen Teil der
Stadt machen wir dann trotzdem. Aber so richtig
begeistern kann ich mich für das dreckige Viertel nicht,
in dem man alle Nase lang von Händlern schief angesehen
wird, weil man den angebotenen Plunder nicht kauft.
Einen nicht unerheblichen Teil der sechs Stunden, die uns
bis zur Abfahrt verbleiben, verbringen wir abwechselnd
bei McDonalds und einen Straßencafé. Offenbar kann man
in dieser Stadt Klimaanlage (McDonalds) und Flair (Café)
nicht unter einen Hut bringen.
Unsere Abreise verzögert sich noch zusätzlich, da der
Zug mit einer Stunde Verspätung abfährt. Auch der
Service der Bahn lässt mal wieder zu wünschen übrig -
das Brot zum Abendessen ist stark rationiert, auch eine
Nachfrage erbringt nur zwei weitere Scheiben - insgesamt
sieben Stück für drei Personen im Abteil. Wieviel sie
wohl gebracht hätten, wenn der Zug nicht nur halb voll
gewesen wäre. Immerhin gibt sich Eckarts
Sommererkältung wieder ein wenig.
Erst bei unserer Fahrt durch Rom, just zu dem Zeitpunkt,
als die Sonne untergeht, wird mir klar, dass der Urlaub
damit vorbei ist. Morgen steht nur noch die Fahrt über
die Autobahn von München nach Berlin auf dem Programm.
Dann hat mich das Arbeitsleben wieder.
Arrivederci, Italien!
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