Italien 2003
3. Teil: Gardasee, Pisa, südliche Toskana, Rom, Sorrent
28.06.2003 bis 07.07.2003

28.06.03
Erst am späten Vormittag gelingt uns die Abreise von Wolkenstein. Es sind recht viele Leute zu verabschieden, und einige davon liegen noch in den Betten - was nicht unbedingt heißen soll, dass sie schliefen.
Unser heutiges Ziel soll der Gardasee sein, eigentlich nicht sehr weit, aber es gibt eine Menge zu sehen unterwegs. Wieder hinunter ins Grödnertal und hinüber nach Kastelruth, von wo wir recht schnell ins Eisacktal gelangen. Die Talstraße ist breit und gut ausgebaut, obwohl parallel dazu die Brennerautobahn verläuft, aber unser Sinn steht mehr nach kleinen kurvigen Sträßchen. Die Straße oberhalb des Tales über Ritten ist so schmal, dass wir bei Gegenverkehr Ausweichmöglichkeiten suchen müssen. Bald ist aber unser erstes Etappenziel erreicht. Am gegenüberliegenden Hang eines Seitentales ragen die Erdpyramiden auf. Eine noch größere Ansammlung dieser geologischen Besonderheit befindet sich sogar auf unserer Talseite, wie wir erkennen, als wir zur anderen Seite gelangt sind. Ein kleiner Spaziergang bringt uns zu einem Aussichtspunkt, von dem aus die Gruppe aus spitzen Lehmkegeln, alle mit einem Stein obenauf, besonders gut zu sehen ist.
Im Café am Eingang zu dem Wanderweg nehmen wir anschließend einen Cappuccino und einen Erdpyramideneisbecher zu uns. Die Pause tat not, denn selbst hier in fast 1.000 Meter Höhe hat das Quecksilber schon wieder die 30-Grad-Marke erreicht.
Je tiefer wir nach Bozen hinunter fahren, desto höher wird auch die Luftfeuchtigkeit. Eckart benötigt dringend ein neues Speichermodul für seine Digitalkamera, und da kommt uns die große Stadt gerade recht. Aber oh Graus, nach österreichischem Vorbild schließen hier die Geschäfte am Samstag bereits mittags. Da es inzwischen fast 13:00 Uhr ist, müssen wir unseren Plan aufgeben.
Soeben beginnt ein kleines Gewitter, und das macht Bozen auch nicht attraktiver. Da in dem breiten Talkessel von allen Seiten dunkle Wolken aufzuziehen scheinen und somit neben der Nässe auch schlechte Laune von meiner Gattin droht, bleibt unser einziger Ausweg, das Adigetal zu verlassen. Der schnellste Weg in unserer Richtung ist der Mendelpass. Allerdings sieht es dahinter nicht wesentlich besser aus. Immerhin regnet es hier noch nicht - NOCH nicht. Am Stausee von Cles holt es uns nämlich wieder ein, und der Haussegen ist erst einmal dahin, denn ich will trotzdem weiterfahren - bin ja eh schon nass - und Eckart würde lieber abwarten. Da der Regen nach einer halben Stunde aber immer noch keine Anstalten macht abzuklingen, schwingen wir uns wieder auf die Motorräder. Italiener nehmen offenbar weder auf Wetterwidrigkeiten noch auf durchnässte Motorradfahrer Rücksicht, denn auf der Schnellstraße nach Mezzolombardo, die wegen einer längeren Baustelle auf 30 Stundenkilometer dichtgemacht ist, werden wir von massivem Hupkonzerten vorwärtsgetrieben, obwohl wir bereits einiges zu schnell fahren.
Erst kurz vor dem Gardasee, in Arco, während wir einen Kaffee trinken, hört es auf, zu regnen. Das Westufer des Gardasees ist schnell abgefahren. Durch kilometerlange Tunnel und Galerien zieht sich die Straße am steilen Seeufer entlang, unterbrochen nur von den Aufahrten zu den kleinen Örtchen, die sich auf schmalen Nischen am See ausbreiten.
Ab Gargnano wird das Fahren ungemütlicher. Es ist fast 19:00 Uhr, und der Feierabendverkehr staut sich durch die Ortschaften, die übergangslos aneinandergebaut sind. Hier scheint, im Gegensatz zu Bozen, am Samstagabend Einkaufen kein Problem darzustellen.
Endlich, kurz vor 20:00 Uhr erreichen wir unser Hotel in Sirmione. Es liegt am Beginn der Landzunge, an deren Ende sich der historische Ort befindet. Von der etwas unfreundlichen alten Dame an der Rezeption lassen wir uns nicht abschrecken - schließlich haben wir vorgebucht. Das übliche Prozedere - die Personalausweise über den Tresen werfen und den Schlüssel entreißen, dann sind wir auf unserem Zimmer. Schnell noch eine Dusche, dann sind wir wieder auf den Füßen. Die zwei Kilometer bis zum historischen Stadtkern, der durch die alte Scaligeri-Burg bewacht wird, ziehen sich doch gewaltig, zumal unser Hunger schon enorme Ausmaße angenommen hat. Schon auf dem Weg zum Stadtzentrum haben wir festgestellt, dass der Ort vollkommen überlaufen ist. Wir finden unter den vielen völlig überteuerten Restaurants doch noch eine kleine preiswerte Trattoria mit bemerkenswert guter Küche. So gestärkt wollen wir noch die antiken Ruinen an der äußersten Nordspitze besuchen. Die sind aber leider um diese Zeit geschlossen.
Uns bleibt noch, die eigentlich wunderschöne mittelalterliche Stadt bei Nacht und einem leckeren Eis zu durchstreifen.

29.06.03
Eine Rundtour um den Garda wollen wir an diesem Tag unternehmen. Zunächst ist aber der Kauf von einem Modul für Eckarts Digitalkamera dringend geworden. In Peschiera am Ausfluss des Mincio aus dem Gardasee bietet ein kleines Fotogeschäft dieses in unseren Breiten schon gängige Speichermedium zu überhöhten Preisen an. Eckart hat aber keine Wahl, will er weiter unsere Reise fotografisch begleiten.
Die nächste Stunde verbringen wir im Stau auf der Hauptstraße in Richtung des Ortes Garda. Offenbar will sich an diesem Tag halb Italien hier treffen.
Endlich sind wir in dem bekannten Ort angelangt. Leider ist auch hier der Hafen der Kleinstadt total von Touristen überlaufen. Trotzdem lassen wir uns bei über 30 Grad Celsius zu einem Eis hinreißen, bevor wir weiter nach Norden fliehen.
Das kleine Nestchen Torri del Benaco entpuppt sich als Oase. Nicht nur, dass der Fährort viel weniger von Touristen heimgesucht wird - in die schmalen Gassen sind wir fast allein -, auch das Preisniveau erscheint uns deutlich geringer als in den Hochburgen. Ein kleiner Tante-Emma-Laden verkauft uns dürstenden Bikern den halben Liter Mineralwasser zu 40 Cent anstatt sonst deutlich über 1 Euro. Auch der schmale aber sehr saubere Strand lädt zum Verweilen ein und bietet auch noch einen traumhaften Blick zu den Bergen am gegenüberliegenden Ufer. Am kleinen Hafen halten einige Maler die Szenerie in ihren Bildern fest.

Von Malcesine nehmen wir die Seilbahn auf den Monte Baldo. Von einem Aussichtspunkt etwa einen Kilometer von der Bergstation entfernt genießen wir den Blick über den nördlichen Gardasee. Nach Süden hin verschwimmt das Ufer im Dunst. Die seltenen Bergblumen, auf die allerorten auf Tafeln hingewiesen wird, sind offenbar den Kühen, die entlang des Pfades vor sich hinmampfen, zum Opfer gefallen.
Nach unserem obligaten Cappuccino an der Bergstation erreichen wir die vorletzte Talfahrt der völlig überfüllten Seilbahn.
Die Suche nach der Fähre über den Gardasee nach Limone di Garda nimmt einige Zeit in Anspruch, denn man hat sich im Ort offensichtlich ziemliche Mühe gegeben, Touristen in die Irre oder auch mal gar nicht zu leiten und somit den ohnehin schon regen Verkehr auf der Hauptdurchgangsstraße ein bisschen anzukurbeln. Endlich finden wir die Zufahrt. Die Fähre ist gerade fünf Minuten zuvor gefahren. Na gut, die nächste geht ja bereits in einer halben Stunde. In der gleichen Zeit wären wir zwar sicher auch mit dem Motorrad am Nordufer entlang nach Limone gekommen, aber uns geht es ja um die Schiffspartie an sich. Ein Mopedfahrer ist außer uns der einzige Passagier. Die Fahrt dauert auch etwa eine halbe Stunde.
Unser letzter Programmpunkt fällt leider ins Wasser - nein, nicht in den Gardasee. Der Wasserfall nördlich von Riva del Garda ist bereits geschlossen.
Etwas enttäuscht fahren wir in den Ort zurück und suchen noch ein Weilchen nach einem Restaurant. Schließlich können wir auch unsere leiblichen Bedürfnisse befriedigen - mit einer ziemlich leckeren Pizza.
Zurück geht es wieder in dichtem Abendverkehr am Westufer des Gardasees entlang.

30.06.03
Heute steht eine ziemlich lange Fahrt auf unserem Programm. Über den Appennin soll es nach Pisa gehen. Eckart hat für den Nachmittag eine Besteigung des Schiefen Turmes organisiert, so dass wir uns wirklich sputen müssen. Aus diesen Gründen haben wir bereits am Vortag beschlossen, die Autobahn zu benutzen. Das Mautsystem ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig. An der Auffahrt zur Autobahn zieht man eine Karte aus einem Automaten, beim Verlassen wird diese vorgelegt und man bezahlt entsprechend der Streckenlänge. Die Reiseführer warnen, dass, verlöre man die Karte, man die Entfernung von der entferntesten Auffahrt zahlen müsse. So ist uns etwas mulmig zumute, als wir ein paar Kilometer hinter Limone auf die Autobahn einfahren. Dafür geht es in der Tat viel zügiger voran als auf den Landstraßen, die so ziemlich jedes am Wegesrand liegende Dorf durchschneiden und zum Abbremsen zwingen. Die LKW-Dichte hält sich auch in Grenzen.
Bei einer Pause entdecken wir, dass der Klebstoff unter der Aluminium-Verkleidung von einem Koffer an Eckarts F650 den Geschwindigkeiten und der Hitze nicht standgehalten hat und sich einfach in die Landschaft verabschiedet hat. Na toll!
Da wir schon weit vor Mittag den Appennin hinauffahren, genehmigen wir uns doch noch einen Abstecher. Bei Borgo Val di Taro verlassen wir die Autobahn. Es werden knapp 10 Euro pro Motorrad fällig. Die Straße ins Tal des Taro ist breit ausgebaut und nur meine Gattin hält mich davon ab, mit ziemlich verbotenen Geschwindigkeiten die Kurven zu durchbrausen. Hinter Borgo wird die Straße allerdings sofort sehr eng, und die abgefallenen Kastanienblüten machen den Belag darüber hinaus unangenehm schmierig. Für die wunderschönen Wälder rundherum haben wir deswegen kaum einen Blick. Für die nächsten 40 Kilometer brauchen wir fast eine Stunde, und wir sind froh, bereits am Vormittag Strecke gemacht zu haben. Hinter Pontremoli ist der Straßenzustand zwar wieder passabel, aber dafür hängt hier Ort an Ort, dazu hängen wir bis kurz vor La Spezia zwischen diversen LKWs fest - man kommt einfach nicht vom Fleck.
Endlich sind wir in Carrara. Der Ort selbst liegt in einer tiefen Senke im Gebirge und sieht nicht eben einladend aus. Um 15:00 Uhr scheint in diesem Städtchen auch noch Mittagspause zu sein. Auch in den Marmorsteinbrüchen, zu denen wir sehr leicht finden - es scheinen irgendwie alle Straßen dahin zu führen - ist kaum eine Menschenseele anzutreffen. Von den riesigen Lastwagen, die die großen Marmorblöcke in die Werkstätten bringen, keine Spur. Das Pärchen, mit welchem wir auf der Fahrt mit dem Autoreisezug nach Livorno das Abteil geteilt hatten, hatte davon berichtet. Nur in den Marmorgeschäften ist selbstverständlich Personal. Ich erstehe einige Eier aus grünem Marmor als Mitgebringsel. Eckart kann sich für den Kitsch überhaupt nicht erwärmen.
Aus Zeitgründen nehmen wir wieder die Autobahn nach Pisa, denn eine Stunde vor der Besteigung müssen wir die Karten abgeholt haben. (Die Besteigungen sind streng reglementiert: Im Halbstundentakt werden etwa ein Dutzend Touris unter Aufsicht auf den Turm gelassen. Es empfiehlt sich daher dringend, die Besteigung z.B. im Internet vorzubuchen.)
Der Campo dei Miracoli (Platz der Wunder) ist in der Stadt gut ausgeschildert. Nach den Karten ins Hotel auf der anderen Arnoseite, welches wir dank Eckarts Satellitennavigation schnell finden. Die Zeit reicht gerade noch für eine Dusche, dann hetzen wir wieder zum Campo - diesmal zu Fuß. Diesmal ist meine Laune nicht die beste, denn Turmbesteigungen gehören nicht unbedingt zu meinen Favoriten. Bis zum vorletzten Stockwerk geht es ja noch ganz gut, dann müssen wir auf einer Außentreppe halb um den Turm herum - nichts für mich höhenängstliche Tucke. Aber ich muss da durch, die Aufsicht besteht unverständlicherweise darauf, dass ich weitergehe. Hat er Angst, ich könnte den Turm klauen? Meine Gattin, die mir eigentlich helfen könnte, ist bereits davongestürmt - in den schwersten Stunden ist man allein! Endlich habe ich es geschafft, aber so richtig zum Genießen ist die Aussicht nicht: man kann in den Turm hinabsehen, bzw. auf die diversen Baugerüste, die ihn ausfüllen. Die architektonisch interessanten Gebäude - der Dom und die Taufkirche - liegen genau gegen die Sonne.
Naja, endlich bin ich wieder unten. Viel angenehmer finde ich die Besichtigung der Domes und der Taufkirche, deren außergewöhnliche Akustik eine Aufsichtsperson mittels einer Gesangsvorstellung kurz vor Schließung demonstriert.
Das Abendessen fällt mit einem Pfirsich auf dem Weg zum Hotel diesmal sehr knapp aus, denn wir sind beide sehr müde.

01.07.03
Am nächsten Tag geht es auf der Via Aurelia nach Grosseto. Einen kleinen Teil der autobahnartig ausgebauten Schnellstraße haben wir ja bereits am ersten Tag unserer Reise passiert, als wir von Livorno in die Toskana fuhren.
Hinter Grosseto verlassen wir die Via Aurelia. Ich habe mal wieder ein Bad im Meer gegen Eckart durchgesetzt und dafür einen Strand an der Landzunge zum Monte Argentario ausgewählt. Eigentlich ist die Lagune von Orbetello, die durch zwei Landzungen und die Insel Monte Argentario vom Meer abgetrennt ist, als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Davon ist inmitten der Zeltplätze allerdings nicht viel zu spüren. Auch der Zugang zum Sandstrand ist schwer zu entdecken. Eckart hat da das feinere Näschen. Es handelt sich um einen absolut kindersicheren Strand. Ich kann noch einige hundert Meter vom Ufer entfernt im Wasser stehen.
Einen viel interessanteren Strand mit eingelagerten Felsen entdecken wir leider erst später bei Porto San Stefano, als wir den Monte Argentario auf der Küstenstraße hoch über dem Meer umrunden. Der Blick auf die Uhr verhindert ein weiteres Bad, immerhin wollen wir noch die Sinterterrassen von Saturnia besichtigen.
Die Heilquelle liegt etwa 50 Kilometer im Landesinneren. Zunächst ist die Landschaft noch topfeben, später zeigen sich wieder die typischen Toskanahügel mit Olivenhainen, Weizenfeldern und Weingärten. Die letzten Kilometer vor Saturnia verdirbt uns mal wieder ein Wohnmobil den Kurvenspaß, dann erblicke ich gerade noch rechtzeitig die Zufahrt zu den Sinterterrassen. An der 1A-Sehenswürdigkeit sind vergleichsweise wenig Touristen. Die meisten Badegäste scheinen den Fahrzeugkennzeichen nach aus der näheren Umgebung zu sein. Die etwas orangegetönten Sinterterrassen, über die das bläuliche Wasser rinnt, geben wirklich einen wunderschönen Anblick. Ich lasse mich dazu hinreißen, mal mit den Füßen durch das körperwarme Thermalwasser zu waten. Der Reiseführer hatte von einen intensiveren Kontakt mit dem Wasser abgeraten, denn die hygienischen Zustände und die Herkunft des Wassers seien wohl etwas zweifelhaft. Andere Leute scheint das vom ausgiebigen Bad nicht abzuhalten.
Nun haben wir uns unseren ersten Cappuccino des Tages aber redlich verdient. An den Wasserfällen befindet sich ein kleines Bistro mit Tischen im Schatten.
Entlang unserer weiteren Route kommen wir an der Tomba Isebranda vorbei. Die eigentlich noch geplante Besichtigung der Etruskernekropole Vulci habe ich wegen des straffen Zeitplans an diesem Tag gestrichen. So kommt mir die ebenfalls etruskische Ausgrabungsstätte gerade recht. In den weichen Tuffstein haben die rätselhaften Vorgänger der Römer mehrere Meter tiefe Hohlwege und Grabstätten gehauen. Wenn man im Geiste die starke Erosion über die zweieinhalb Jahrtausende berücksichtigt, müssen die Anlagen einmal wirklich sehr beeindruckend gewesen sein.
Der restliche Weg nach Tuscania, wo ich die Übernachtung in einem sehr hübschen Hotel vorgebucht habe, geht zügig vonstatten. Wir bedauern allerdings, dass wir nicht noch für die hoch auf Tuffkegeln thronenden Nestchen Sovana und Pitigliano Zeit haben.
Das am Vorabend ausgefallene Abendessen holen wir ziemlich ausgiebig im Hotel Al Gallo nach - mit regionalen Spezialitäten aus Nudeln, Hähnchen, Trüffeln und was weiß ich noch und einem gediegenen Wein.
Zum Verdauen machen wir anschließend noch einen nächtlichen Spaziergang durch Tuscania. Frauen sitzen strickend vor den Türen ihrer Häuser.

02.07.03
Nach dem ausgiebigen Frühstück im Al Gallo geht es los. Bis nach Marta am Südufer des Lago die Bolsena ist die Landschaft noch recht flach. Dann geht es entlang des vulkanisches Kratersees. Der Kraterrand steigt auf über 600 Meter an. Von hier haben wir bei einem Zwischenstopp einen wunderschönen Blick über die beiden kleinen Inselchen. Auf kleineren und kurvigen aber ziemlich gut ausgebauten Sträßchen fahren wir zu dem Ferienort Bolsena und von hier den Kraterrand in einigen Serpentinen hinauf. Nochmals bietet uns der Lago Bolsena einen prächtigen Anblick, dann ist bald Orvieto erreicht.

Das Ertruskerstädtchen thront auf einem 200 Meter hohen Tuffsteinplateau. Eigentlich wollen wir die Motorräder unten stehenlassen, aber die Standseilbahn ist außer Betrieb. In Ermangelung der sonst üblichen Motorradstellplätze parken wir ausnahmsweise einmal konventionell und lösen sogar einen Parkschein (eingedenk schrecklicher Erfahrungen 1996 in Norwegen). Der Dom ist innen weniger eindrucksvoll als ich ihn mir vorgestellt habe. Auf den zweiten Blick offeriert er aber doch noch eine Besonderheit - die "Fenster" sind teilweise mit dünnen Jaspisscheiben verglast. Natürlich ist der Lichteinfall dementsprechend gering. Die prunkvolle Außenfassade des Doms können wir leider auch nur auf Postkarten bewundern, denn sie ist eingerüstet.
Nach der Besteigung eines Turms in der Mittelalterstadt wollen wir noch eine weitere Besonderheit des Ortes besichtigen, den 62 Meter tiefen Brunnen, der nach der Belagerung 1527 in den weichen Tuffstein getrieben wurde. Der Weg zum der nahe am Felsgrat gelegenen Sehenswürdigkeit erweist sich als wesentlich länger als erwartet. Da ich ohnehin kein großer Fan von tiefen oder hohen Gebäuden bin, fällt mir die Aufgabe zu statt der Brunnenbesichtigung die Motorräder mit den abgelaufenen Parkscheinen zu bewachen. Die Vorsicht stellt sich als unbegründet heraus - kein Carabiniere in der Nähe, auch die Policia Municipale lässt sich nicht blicken. Den Unterschied zwischen beiden Staatsorganen haben wir nicht ergründen können - die geileren Uniformen haben auf alle Fälle die Carabinieri;-). Apropos Geilheit: auf dem Weg zurück ist mir in einem Geschäft doch tatsächlich noch ein Keuschheitsgürtel aus Metall aufgefallen. Ob der tatsächlich in diesem Land ernsthaft Anwendung findet, vermag ich nicht zu sagen.
Die Wartezeit am Motorrad überbrücke ich in einem kleinen Café mit Blick auf den Parkplatz. Innerhalb der fünfzehn Minuten, bis Eckart von seiner Exkursion in die Unterwelt von Orvieto wieder zurück ist, erfahre ich von einem Italiener in diesem Café seine gesamte Lebensgeschichte, angefangen von seiner schweren Kindheit im Krieg bis zu seiner zuckerkranken Schwester und seinen drei gescheiterten Ehen. Das alles selbstverständlich auf italienisch - also in einer Sprache, die ich überhaupt nicht zu verstehen glaubte, aber der mitteilsame Lebenskünstler machte mit Händen und Füßen seine Weltsicht klar.
Weiter geht´s, vorbei an Sonnenblumenfeldern und Weinterrassen Richtung Viterbo, welches wir allerdings wegen der schon wieder einmal fortgeschrittenen Zeit links liegen lassen. Hinter dem Ort türmt sich das Bergmassiv um den Lago di Vico auf, ebenfalls ein ehemaliger Vulkankrater, der sich mit Wasser gefüllt hat. Obwohl der Strand an seinem Ufer zum Baden einlädt, zieht es uns weiter Richtung Rom. Noch zwei kleine Stopps zwischen den Haselnussplantagen und an einem mit Lotosblumen bewachsenen Tümpel, dann stürzen wir uns ins Getümmel des Autobahnringes um Italiens Hauptstadt.
Der Fahrer des ersten Motorrad, welches sich an uns durch den Stau vorbeidrängelt, grüßt freundlich - eigentlich in Italien nicht üblich - und kurz sehe ich noch eine Regenbogen- und Lederflagge unterm Nummernschild aufblitzen. Dann ist der Typ schon verschwunden. Wir hechten nicht hinterher, denn einen Unfall wollen wir nun wirklich nicht provozieren, und unsere Motorräder haben mit den Koffern in der Tat eine enorme "Flügelspannweite" für die schmalen Autobahnstreifen.
Die richtige Ausfahrt vom Stadtring haben wir soeben verpasst, und der Rückweg ist durch die Einbahnstraßen, Sackgassen und sonstigen Straßenverhältnisse alles andere als leicht. Aber schließlich sind wir auf der richtigen Straße zum Stadtzentrum - noch sechs Kilometer bis zum Hotel zeigt Eckarts Navigator an. Einen Großteil davon geht es nur im Schritttempo voran. Grund ist ein Rollerunfall. Das Gefährt liegt noch halb auf der Straße, als wir vorbeifahren, und sieht nicht mehr gut aus. Wir hoffen, der Fahrer hat es besser überstanden. Jedenfalls ist von ihm keine Spur zu sehen. Statistisch gesehen kommt auf jeden dritten Römer ein Roller, und bei der Fahrweise um uns herum kommt einem ganz unweigerlich die Frage nach der Unfallstatistik in den Sinn.
Endlich haben wir das Hotel gefunden. Kleider vom Leib, so gut das mit dem durchgeschwitzten Zeug geht, und ab unter die Dusche. Nach dem Abendessen, bei welchem uns der Kellner um einen Euro prellt, suchen wir die Szene. Nach der Hausnummer befindet sich die Lederkneipe in einem hochherrschaftlichen Hotel. Auf der anderen Straßenseite befindet sich zwar eine schwule Sauna, aber ... nein, geschwitzt haben wir heute schon genug. Na gut, war n´Versuch. Ab ins Bett.

03.07.03

Früh geht es am nächsten Morgen mit der U-Bahn zum Colosseum. Die Ruinen dieses großen Stadions zu beschreiben hieße sicher Eulen nach Athen zu tragen. Auch den Konstantinsbogen und das Forum Romanum kennt - zumindest dem Namen nach - fast jeder. Letzteres war für uns ein wenig enttäuschend, denn ein Großteil der Parkanlagen war ziemlich ungepflegt und darüber hinaus abgesperrt.
Unser Stadtbummel führt uns fast pausenlos an irgendwelchen Sehenswürdigkeiten der unterschiedlichen Epochen vorbei. Und während man sich andernorts riesige Gedanken macht, ob dieses oder jenes Gebäude architektonisch zu denen daneben passt, hat man diese Frage in Rom offenbar mehr als zwei Jahrtausende lang nur belächelt. Vielleicht ist es gerade dieser Reiz, den Rom ausstrahlt. Eine Unkompliziertheit, die sich auch in anderen Lebensbereichen zeigt, zum Beispiel bei für uns so scheinbar schwierigen Dingen wie der Überquerung einer Hauptstraße ohne Ampeln. Römer gehen einfach geradeaus über die Straße, scheinbar ohne darauf zu achten, ob ein Fahrzeug heranrollt. Vielleicht heben sie noch abwehrend die Hand, um ihren Anspruch deutlich zu machen. Es funktioniert unverständlicherweise. Während wir noch hilfesuchend die Fahrzeuge anstarren, ist halb Rom bereits auf der anderen Seite.
Kurz hinter dem Pantheon, dem interessantesten Bauwerk des antiken Roms - es wurde um 600 von einem heidnischen Tempel zur Kirche geweiht und blieb nur deswegen erhalten -, setzen wir uns auf der Piazza Navona in ein Straßencafé und schauen den vielen Malern zu. Von unserem Stand- bzw. Sitzpunkt aus mutmaßen wir, dass sie vermutlich sie die vielen anderen Künstler auf dem Platz malen oder zeichnen. Die sehenswerten drei Brunnen sind nämlich von Staffeleien umstellt.
In Trastevere, wie der Name besagt auf der anderen Tiberseite, besichtigen wir noch die Kirche St. Maria in Trastevere. Auch unser zweiter Versuch, die römische Szene kennenzulernen mislingt - ein schwules Café nahe der Kirche hat geschlossen, wie es aussieht schon länger, das andere, welches sich in der Umgebung befinden soll, ist unauffindbar.

Über die Tiberinsel gehen wir zurück. Beeindruckt sind wir vom Teatro di Marcello, einem antiken Theater, das zunächst im Mittelalter mit einer Festung überbaut wurde, und noch später mit Wohnhäusern. Alle Nutzungsarten sind von der Nordseite her noch erkennbar.
Nach einer längeren Wanderung stehen wir auf der Piazza Garibaldi, die einen schönen Blick auf Rom bietet, insbesondere jetzt, wo die Sonne tief steht. In einem der vielen Inn-Lokale in Trastevere nehmen wir unser Abendessen ein. Die Nachtaufnahmen der vielen Sehenswürdigkeiten nehmen so viel Zeit in Anspruch, dass wir den letzten Bus verpassen und zu Fuß zurück zum Hotel laufen müssen.

04.07.03
Das Frühstück fiel mal wieder ein wenig dürrftig aus. Aber immerhin gab es zum Brötchen leckeres Kastanienmus, mir bis dahin unbekannt.
Auf dem Weg zur U-Bahn besichtigen wir die Kirche ???. Trotz meiner Warnung hat Eckart - teils aus Trotz, teils, weil es wirklich wieder brütend heiß ist - kurze Hosen angezogen. Das rächt sich nunmehr. Bislang hatten wir keinerlei Probleme, obwohl an fast allen Kirchen gebeten wird, das Gotteshaus nur mit entsprechender Kleidung zu betreten. Für die Damenwelt verstehen die Kirchenväter darunter lange Röcke und bedecktes Decolleté (letzteres ist mir persönlich offen gestanden auch lieber, wenn auch aus anderen Gründen, aber so dogmatisch bin ich nun auch wieder nicht).
Die Herren der Schöpfung werden eben hingegen gebeten, lange Hosen zu tragen. Nun, Eckart hat sich in der ihm eigenen Starrköpfigkeit auf die Fahne geschrieben, sich der Bitte der Kirche - und vermutlich wichtiger - meinem Rat zu widersetzen und wird nun an der Pforte zum Petersdom abgewiesen. Das Ärgernis ist groß, aber die Ordner sind unerbittlich. Noch einmal zum Hotel zurück zu fahren, macht nun allein deswegen auch keinen Sinn. Schweren Herzens entschließt sich mein Göttergatte (hm, Götter....? dann müsste er ja eigentlich die Regeln ändern können), draußen zu warten, während ich mich drinnen umsehe. Da Fotografieren erlaubt ist, nehme ich Eckarts Kamera mit. Somit hat er wenigstens ein paar Bilder vom gigantischen Innenraum der Kirche. Die Verstimmung über die Abweisung legt sich bald wieder.
An der Engelsburg, dem früheren Hadriansgrab vorbei und über den Tiber gehen wir durch eine Gasse mit vielen Antiquitätengeschäften und wundern uns, wie diese Läden überleben können.
Wie am Vortag machen wir an der Piazza Navona eine kleine Pause, bevor wir zum Trevibrunnen und der Spanischen Treppe weiterwandern. Hier ergreift und erneut der Wunsch nach einem Cappuccino, den wir im nunmehr vermutlich wirklich teuersten Café Italiens einnehmen, dem Café Greco im Stil Wiener Kaffeehäuser.
Der Park der Villa Borghese ist für uns etwas enttäuschend. Er wirkt ein bisschen ungepflegt. Die vielen Schaustellerbuden haben daran einen wesentlichen Anteil, denn an Erholung ist bei den lärmenden Menschenmassen, die sich durch den Park wälzen, kaum zu denken. Trotzdem kann ich an einer ruhigeren Stelle ein Stündchen auf einer Parkbank schlafen, während Eckart ein paar Karten schreibt.
Die Villa Borghese selbst sieht vielversprechend aus, hat aber bereits ihre Pforten geschlossen. So begnügen wir uns mit einen Blick durch die Fenster der Orangerie und auf die Skulpturen im Garten, Zementkopien bekannter Werke.
Relativ zeitig geht es zurück ins Hotel, denn am kommenden Tag haben wir wieder eine weite Tour vor uns.

05.07.03
Wegen der weiten Strecke und eingedenk der Erfahrung, dass ich die Tagesprogramme bislang ein bisschen voll gestopft habe, nehmen wir für das erste Stück unserer Tour nach Neapel die Autobahn. Die Albaner Berge, die mich eigentlich interessiert hätten, lassen wir rechts zurück. Bei Capua verlassen wir die Schnellstraße, denn unser erster Besichtigungsort sind die flegräischen Felder, seit dem Altertum bekanntes Vulkangebiet.
Der Vulkankrater Solfatara ist nicht auf Anhieb zu finden, zumal Eckarts Satellitennavigationssystem uns zunächst in die falsche Richtung lotst. Dann stehen wir jedoch in dem weiten leblosen Krater, an dessen entgegengesetzten Rand Rauchfahnen aufsteigen. Auch der Übelkeit erregende Geruch nach faulen Eiern, von Schwefelwasserstoff herrührend, liegt schwer in der Luft. Um die Austrittsstellen der Gase haben sich orangerötliche Schwefelverbindungen abgelagert.
Vorbei an Neapel auf einer mautfreien Autobahn geht es nach Torre del Greco (ab hier wieder Maut), wo wir die Abfahrt zum Vesuv nehmen. Die Straße windet sich in vielen Serpentinen durch Ausläufer von Neapel. Beängstigend, wie weit die Häuser und Gärten an den unberechenbaren Berg gebaut sind. Erst weit oben im Valle del Gigante, dem Tal zwischen dem Vesuvkegel und einem älteren viel größeren Vulkankrater, dem Monte Somma, der den Vesuv im Nordosten umschließt, ist keine Bebauung mehr zu finden. Nur das geologische Observatorium und eine Taverne stehen am Straßenrand zwischen den Sträuchern. In etwa 1.000 Meter Höhe endet die Straße an einem schmalen Parkplatz. Natürlich
stehen etliche Busse und noch mehr PKW da. Ein Ordner weist uns zwei Stellplätze hinter den Motorrädern von zwei Carabinieri zu. Die letzten 150 Höhenmeter zum Krater müssen wir zu Fuß zurücklegen. Zum Glück weht in dieser Höhe ein laues Lüftchen und erleichtert uns den Aufstieg. Der Blick über die von einzelnen Kräutern bewachsenen Schutthalden hinüber nach der Halbinsel Sorrent, unserem heutigen Endziel, ist wunderschön. Direkt hinter dem Häuschen, wo der Eintritt zur Kraterbesichtigung kassiert wird, herrscht dichtes Gedränge. Offenbar hat der Vulkan hohen Besuch. Auffällig viele Polizisten haben ein wachsames Auge auf die Leute hier oben. Wir mutmaßen, ob vielleicht Herr Berlusconi sich eines Widersachers in den Krater entledigt, wie das bereits viel frühere Herrscher Italiens gemacht haben sollen. Aber nein, irgendein Minister besucht aus unerfindlichem Grunde den Vulkan. Nur wenige Schritte weiter am Kraterrand entlang ist es gleich viel weniger bevölkert. Schon wieder einmal ist die Zeit deutlich fortgeschritten und der Weg zum Hotel noch weit. Darüber hinaus droht der Feierabendverkehr.
Die Weiterfahrt gestaltet sich schwierig. In Städtchen Sorrent herrscht der Stau, und die vielen Motorroller, die sich mühelos an der PKW-Schlange und unseren breit bepackten Motorrädern vorbeidrängeln, heben unsere Stimmung auch nicht gerade. Nach etwa einer Stunde haben wir den bekannten und leider eben auch sehr beliebten Ferienort hinter uns gelassen. Nun ist nur noch die kurze Steigung nach Sant Agata auf dem Grat oberhalb von Sorrent zu erklimmen.
An der Rezeption des Hotels ist man bestürzt: zwei Männer, und nur noch ein Zimmer mit Doppelbett frei! Ich beruhige das Personal: für zwei Nächte halten Eckart und ich das schon mal aus ;-)

06.07.03
Für den letzten ganzen Tag in Italien haben wir Pompei auf unser Programm genommen. Es ist Sonntag, und offensichtlich hat sich ganz Neapel auf der Halbinsel Sorrent verabredet. Jedenfalls staut sich auf der Gegenfahrbahn der Anreiseverkehr kilometerweit. Zum Glück müssen wir von hier weg.
Vor den Ausgrabungen von Pompei ist nicht so viel los wie ich befürchtet hatte. Wir werden auf einen vermeintlich öffentlichen Parkplatz gewunken. Meinen Irrtum bemerke ich zwar sofort, als der Kassierer uns auf die Parkbedingungen hinweist: entweder drei Euro pro angefangene Stunde oder Verrechnung mit dem Mittagessen im Restaurant nebenan. Zähneknirschend willigen wir ein, denn einen anderen Parkplatz zu suchen, haben wir noch weniger Lust, zumal die Bedingungen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den privaten Parkplätzen rundherum ganz ähnlich sein dürften. Einen öffentlichen ohne Abzocke haben wir übrigens auch später in der Umgebung nicht ausmachen können.
Der Haupteingang zum Ausgrabungsgebiet von Pompei liegt gleich gegenüber des Parkplatzes. Der Eintrittspreis erscheint uns zunächst happig. Aber nachdem wir fünf Stunden durch die ausgedehnten Gassen der Ruinenstadt, die von den Ascheschichten des Vesuvausbruchs um 44 vor Christus bedeckt wurde, gewandert sind, leisten wir Abbitte. Der Erhalt des riesigen Geländes erfordert mit Sicherheit Unsummen, die man versucht, über die Eintrittspreise wieder einzuspielen. Viele Gebäude, in denen noch Untersuchungen im Gange sind, sind mit Gittern abgesperrt. Selbst in den Stunden, die wir auf dem Gelände zubringen, können wir nur einen Teil erkunden. Die Malereien und Mosaiken sind teilweise hervorragend erhalten. Natürlich macht und mal wieder die Hitze von über 30 Grad Celsius zu schaffen. Unsere Getränke sind alsbald aufgebraucht. So machen wir uns wieder vom Acker.
Die Fahrt über das Gebirge nach der Costa Amalfitana eröffnet uns immer wieder wunderschöne Ausblicke zu dem isoliert in der Ebene stehenden Vesuv. Von Zeit zu Zeit bietet ein Obststand Aprikosen und Pfirsiche an, die an den Hängen des Tals hinab zur Küste angebaut werden.
Auf der Küstenstraße hat das Fahrvergnügen dann ein ziemlich abruptes Ende, denn viele Busse quälen sich langsam das kurvige Sträßchen entlang, das teilweise beängstigend eng in den Fels gehauen ist. Die kleinen Ortschaften, die in winzigen Buchten jeden einigermaßen ebenen ausfüllen, sind völlig von Wochenendtouristen übervölkert. Eigentlich hatte ich vor, irgendwo noch ein Bad im Meer zu nehmen, leider scheint es kaum noch ein noch so kleines Fleckchen an den nur wenige Meter breiten Sandstränden zu geben. Eckart scheint noch weniger Lust zu haben, vom Motorrad abzusteigen und einen Platz zum Baden zu suchen.
Schließlich halten wir doch noch einmal an der Einbahnstraße, die nach Positano hinabführt. Über unzählige Treppen steigen wir durch das ehemalige Fischerdörfchen zum Hafen hinab, und siehe da: mit der Sonne verschwinden auch etliche Napolitaner vom Strand, die hier vermutlich den ganzen Sonntag verbracht haben. So hübsch die Kulisse der bunten kleinen Häuschen rundherum ist - richtig klar ist mir nicht, warum die Küste so beliebt ist: total überfüllt und mit großen Kieseln, die das Baden im Meer nicht eben angenehm machen.
Die Küstenstraße windet sich immer höher den Hang hinan, und plötzlich befinden wir uns auf dem Hochplateau über Sorrent. Der "Pass", wenn man so will, liegt hinter uns. Am Straßenrand fällt mir ein kleines Restaurant auf, von dessen Terrasse man einen überwältigenden Blick über beide Küsten - die Bucht von Neapel mit dem Vesuv und die Amalfitanische Küste - haben muss. Und tatsächlich: fast allein können wir die letzten rötlichen Strahlen der Sonne an den Hängen gegenüber genießen, wenn auch das Essen nicht zu den absoluten kulinarischen Höchstleistungen Italiens zählen dürfte.

07.07.03
Die Fahrt nach Neapel zum Bahnhof geht schneller als gedacht - nur gut eine Stunde brauchen wir am späten Vormittag. Der Berufsverkehr scheint vorbei zu sein, und den Verladebahnhof haben wir überraschend schnell direkt an der Ausfahrt der Autobahn gefunden. Eigentlich wollten wir die Zeit, die uns noch bis zur Abfahrt des Autoreisezuges bleibt, nutzen, um uns noch Neapel anzusehen. Aber Eckart fühlt sich irgendwie krank. Ich vermute, verschwitzt, wie er war, hat er die Lederjacke bei der Hitze der letzten Tage während der Fahrt zu oft offen gelassen. Wir stellen die Motorräder in der Nähe der Verladerampe ab.
Einen kleinen Rundgang durch einen bahnhofsnahen Teil der Stadt machen wir dann trotzdem. Aber so richtig begeistern kann ich mich für das dreckige Viertel nicht, in dem man alle Nase lang von Händlern schief angesehen wird, weil man den angebotenen Plunder nicht kauft.
Einen nicht unerheblichen Teil der sechs Stunden, die uns bis zur Abfahrt verbleiben, verbringen wir abwechselnd bei McDonalds und einen Straßencafé. Offenbar kann man in dieser Stadt Klimaanlage (McDonalds) und Flair (Café) nicht unter einen Hut bringen.
Unsere Abreise verzögert sich noch zusätzlich, da der Zug mit einer Stunde Verspätung abfährt. Auch der Service der Bahn lässt mal wieder zu wünschen übrig - das Brot zum Abendessen ist stark rationiert, auch eine Nachfrage erbringt nur zwei weitere Scheiben - insgesamt sieben Stück für drei Personen im Abteil. Wieviel sie wohl gebracht hätten, wenn der Zug nicht nur halb voll gewesen wäre. Immerhin gibt sich Eckarts Sommererkältung wieder ein wenig.
Erst bei unserer Fahrt durch Rom, just zu dem Zeitpunkt, als die Sonne untergeht, wird mir klar, dass der Urlaub damit vorbei ist. Morgen steht nur noch die Fahrt über die Autobahn von München nach Berlin auf dem Programm. Dann hat mich das Arbeitsleben wieder.
Arrivederci, Italien!

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