Dieser
Bereich untergliedert sich in:
a,
Die Globalhypothese
unserer Gruppe, der Projektgruppe, „Muslime
in Deutschland-Christen in der Türkei”, lautet:
„Als
Minderheit wird Glauben anders gelebt, als in von der jeweiligen Religion
dominierten Gesellschaften.”
b,
Meine Individualhypothese
zum Thema „türkische Muslime in Deutschland”:
„Um
ihre Identität zu bewahren, leben türkische Muslime ihren Glauben
in Deutschland intensiver aus, als früher in der Türkei.”
Erklärung: Da der Islam
Sakrales nicht von Profanem trennt, nehme ich an, dass der Glaube, der
somit auch eine zentrale Rolle im Alltag der Menschen spielt, identitätsbildend
ist und religiöse Bräuche nicht nur religiöse, sondern auch
kulturelle und gesellschafliche Bedeutung haben. Ich nehme also an, dass
in diesem Zusammenhang das Festhalten an religösen Handlungen eher
Identitätswahrung als Ausdruck tiefer Religiosität ist.
Türkische
Muslime in Deutschland, die auch schon in der Türkei gelebt haben,dort
bewusst Religion gelebt haben und vergleichend Auskunft geben können
b,
quantitativer Bereich:
Fragebogen,
der hier auch als Download abrufbar
ist
c,
qualitativer Bereich:
Interviews,
Gespräche und Gedankenaustausch, sowohl persönlich, als auch
in Foren und per e-Mail-Kontakt
a,
quantitativer Bereich
b,
qualitativer Bereich
c,
Fazit
Ergebnis:
34 ausgefüllte Fragebögen
Daraus
ergibt sich folgende Information:
1. einige Kreisdiagramme zu den Fragen aus meinem Fragebogen, bei denen die Befragten bei ausgewählten religiösen Handlungen ankreuzen sollten, ob sie diese nur in der Türkei ausgeübt haben, in der Türkei taten und auch jetzt in Deutschland noch tun, damit erst in Deutschland angefangen haben, oder sie diesen weder früher in der Türkei nachgegangen sind, noch jetzt in Deutschland:
A, Speisevorschriften

B, Fasten

C, Tägliches Gebet
D, Almosen
E, Wallfahrt
F, Moscheebesuch
G, Beteiligung am Opferfest
2. Antworten auf die allgemeingehaltene Frage. "Üben Sie Ihre Religion in Deutschland anders aus als früher in der Türkei?"
Ergebnis:
folgende Auszüge aus dem E-Mail-Austausch mit zwei Gesprächspartnern
Manfred
Manfred:
"Die
meisten Türken, mit denen wir in Kontakt kommen sind allenfalls Kulturmuslime.
Ich schätze die "echten" Muslime unter ihnen bei 10-25%. Einer aus
der Moschee kommentierte seine Landsleute mal "die sind wie Deutsche geworden".
ich:
Dies
finde ich sehr interessant, da mein Thema "türkische Muslime in Deutschland"
lautet und meine Hypothese "türkische Muslime üben ihre Religion
in Deutschland intensiver aus um ihre Identität zu stärken"!
Dies Hypothese soll bestätigt oder widerlegt werden, aber nun gilt
sie erst einmal untersucht zu werden. Mich interessiert, ob Muslime
Ihre Religion hier intensiver, genauso intensiv oder weniger intensiv als
früher in der Türkei leben. Und die Gründe dafür. Freiwillige
Anpassung? Gesellschaft? Staat? Identitätsstärkung?
Manfred:Also,
ich bin kein Wissenschaftler, ich höre nur unstrukturiert dies und
das. Es gibt sicherlich beides. Nachfolgegenerationen, die sich mehr oder
weniger "assimiliert" haben, junge Türken und Türkinnen, die
wie ihre deutschen Altersgenossen ihren "Spaß" haben wollen. Andererseits
Identitätssuchende Rückbesinnung auch auf die Religion. Ich habe
ein wenig Kontakt mit einem Türken, er nennt sich selbst einen Philosophen
und liest Nietzsche, Goethe, Schoppenhauer usw. Er meint, die Türken,
die er kennt haben in ihrem Leben nie ein Buch gelesen und wenn sie je
schreiben und lesen gelernt haben, dann haben sie es im Laufe ihres Lebens
wieder vergessen. Sie sitzen in ihren Teehäusern, sehen Fußball,
spielen, und das war's. Von daher bin ich skeptisch, wie viele Türken
in Deutschland jemals den Koran gelesen haben. In die Moschee gehen, ja,
Fasten, ja, vielleicht sogar beten, aber die Gruppe unter den Türken,
die wirklich profunde Kenntnisse über den Islam haben, schätze
ich als sehr gering ein.
FAZIT:
meine Hypothese wird nicht unterstützt
Monika:
ich:
Liebe
Monika,
Du
hast vor kurzem einen Eintrag in unser Forum (Muslime in
Deutschland-Christen
in der Türkei, bei zum unter "freie Themen") gepostet. Freut mich,
dass Du es interessant findest, vielen Dank für Dein Feedback!!! Wir
sind ja eine Projektgruppe, und mein Thema sind Muslime in Deutschland.
Genauer gesagt, die Frage, ob Muslime die bevor sie nach Deutschland kamen,
lang genug in der Türkei gelebt haben, um auch dort schon bewusst
Ihre Religion gelebt zu haben,Ihre Religion nun in Deutschland anders ausüben(intensiver,
schwächer? andere religiöse Handlungen, Verzicht auf bestimmte
religiöse Handlungen) und welche Gründe es dafür gibt (eigener
Entschluss: Wahrung der eigenen Identität oder Anpassung, Gesellschaft,
Regierung:zu wenige Moscheen??....). Entschuldige bitte, das war jetzt
wohl ein ewig langer, wirrer Satz. Was ich Dich fragen wollte, ist, ob
Du bereit wärst mich an Deinen diesbezüglichen Erfahrungen teilhaben
zu lassen. Ich würde mich wirklich sehr freuen!
Monika:
ich:
Monika:
FAZIT: meine Hypothese
wird gestützt!
es gab nur eine, meine Hypothese nicht
stützende Antwort:
2. Der zweite Teil meiner Hypothese
-"...leben türkische Muslime ihren Glauben in Deutschland intensiver
aus als früher in der Türkei"- wird nicht gestützt:
Um verifiziert zu werden müsste
meine Hypothese also statt „Um ihre Identität zu bewahren, leben
türkische Muslime ihren Glauben in Deutschland
intensiver aus,
als früher in der Türkei” wie folgt lauten:"Um ihre
Identität zu bewahren, leben türkische Muslime ihren Glauben
in Deutschland
Es gilt natürlich zu beachten,
dass meine Umfrageergebnisse keinen Repräsentativitätsanspruch
erheben können, da nur 34 Menschen befragt wurden. Trotzdem habe ich
mich bemüht, Muslime unterschiedlichen Alters zu befragen, Männer
und Frauen je zu 50 Prozent, also je 17, und nicht vorzusortieren, weswegen
ich keinen Moscheenverein besucht habe.
Liebe
Kathrin,
deine
Fragestellungen finde ich sehr interessant und ich bin gern zu einem Gedankenaustausch
bereit. Ich würde mal meinen, dass die meisten türkischen Arbeitsmigrant/innen
erst in letzten Jahren so eine Art religiöses Revival durchgemacht
haben und dass insbesondere -was die dritte Generation anbetrifft - viele
eher aus Protest und als Reaktion auf alltägliche Diskriminierungen
sich in die Kuschelecke "Islam/Moschee" zurückgezogen haben. Ähnlich
ist es bei den Aleviten, die meisten haben ihre Religion als Reaktion auf
Re-Islamisierungstendenzen neu entdeckt und der Brandanschlag in Sivas
1993 hat sein übriges getan.
Liebe Monika,
Danke für Dein
schnelles Antworten, und die Bereitschaft zum Gedankenaustausch. Du würdest
mit
Deiner Mail meine Hypothese
(türkische Muslime üben ihre Religion in Deutschland intensiver
aus
als früher in der
Türkei, mit dem Ziel sich Ihre Identität zu bewahren) also teilweise
(Identitätswahrunng)
stützen, wenn ich das richtig verstanden habe? Einen Guten Start in
die
Woche und liebe Grüße,
Kathrin
Liebe Kathrin,
ja, genauso - wie Du
es noch einmal in eigenen Worten zusammengefasst hast, sehe ich es.
- Als Minderheit stärkeres
Zusammengehörigkeitsgefühl und Zusammenhalt mit anderen Muslimen
- intensivere Religionsausübung
der (in Deutschland geborenen)Kinder wegen, damit sie ihre kulturellen
Wurzeln nicht vergessen
- eigene Kultur wahren
"weil es hier mehrere Gruppierungen
gibt, fühlt man sich an einen Verein gebunden"
- nur 41,18 Prozent der Befragten
beurteilen ihre Religionsausübung in Deutschland als, im Vergleich
zur Türkei, intensiver
- 47,06 Prozent immerhin als genauso
intensiv
- 11,76 Prozent sogar als weniger
intensiv
mindestens so intensiv wie
früher in der Türkei".
Die Befragten beurteilten sich jedoch
ausschließlich als sehr religiös (41,18 Prozent) und eher religiös
(58,82 Prozent), niemand beurteilte sich als eher nicht religiös oder
gar nicht religiös, womit der Repräsentativitätscharakter
wiederum schwindet.