Jeder fünfte Deutsche arbeitet schwarz

Gefunden: 09.03.2007 04:02:57
Quelle: RR:Board
---Zitat--- *Jeder fünfte Deutsche arbeitet schwarz* *Der Installateur macht es, ebenso die Putzfrau und die Architektin: Jeder fünfte Deutsche hat im vergangenen Jahr schwarz gearbeitet - ohne Rechnung, am Fiskus vorbei. Das Erstaunliche dabei: Schwarzarbeit nützt der Volkswirtschaft, sagt ein österreichischer Ökonom.* Berlin - Fast jeder dritte Deutsche hat im vergangenen Jahr bei sich einen Schwarzarbeiter beschäftigt. Das ergab eine heute in Berlin vorgestellte Studie. Der Schattenwirtschaft-Forscher Friedrich Schneider von der Universität Linz hat berechnet, dass das Auftragsvolumen für Schwarzarbeit in diesem Jahr um etwa ein Prozent auf 349 Milliarden Euro steigen wird. Der Experte macht dafür unter anderem die Erhöhung der Mehrwertsteuer verantwortlich. Bild: http://www.spiegel.de/img/0,1020,765198,00.jpg Dabei hat der Volkswirtschaftsprofessor aus Österreich gar nichts gegen Schwarzarbeiter. Er hat vielmehr Verständnis für sie - und hält sie sogar für volkswirtschaftlich wichtig. Die Schattenwirtschaft stabilisiere die Binnennachfrage, erläuterte Schneider. So trägt sein neues Buch denn auch den Titel "Ein Herz für Schwarzarbeiter. Warum die Schattenwirtschaft unseren Wohlstand steigert". Sieben bis elf Millionen Deutsche hätten einen normalen Job und arbeiteten nebenbei schwarz. "Wollen wir die denn alle einsperren?", fragte Schneider. Die Devise des Schattenwirtschaft-Experten: Nicht der kleine Mann ist schuld am Ausmaß der Schwarzarbeit - die Politik ist es. "Wer in seiner Freizeit zusätzlich arbeitet, macht das doch nicht um dadurch sein Sparbuch zu füllen", meinte Schneider. 16,5 Prozent aller Schwarzarbeiter in Deutschland seien Rentner oder Arbeitslose, der Anteil der illegal beschäftigten Ausländer sei in etwa ebenso hoch. Zwei Drittel aller Schwarzarbeiter hätten eine reguläre Stelle und wollten sich etwas dazuverdienen. Das betreffe aber nicht nur untere Einkommensschichten - auch Besserverdiener würden schwarz jobben. Im Jahr 2003 hatte das Auftragsvolumen der Schattenwirtschaft in Deutschland ein Rekordhoch von 370 Milliarden Euro erreicht. Seither waren die Zahlen rückläufig, sagte Schneider. Ein Grund sei die Einführung der so genannten Mini-Jobs: "Dadurch wurden viele kleinere Jobs aus der Illegalität in die reguläre Wirtschaft zurückgeholt." Die Anhebung der pauschalen Versicherungsbeiträge für Mini-Jobs habe einen Teil zurück in die Schattenwirtschaft gedrängt und das Volumen der Schattenwirtschaft um rund zwei Milliarden Euro erhöht. Weitere 3,8 Milliarden Euro habe die Mehrwertsteuererhöhung dazu beigetragen. Das Ausmaß der Schattenwirtschaft in Deutschland ist weit größer als in vielen anderen mitteleuropäischen Ländern. Die 349 Milliarden Euro für 2007 entsprechen laut Schneider 14,7 Prozent des deutschen Bruttoinlandprodukts (BIP). In England mache die Schattenwirtschaft nur 10,6 Prozent des BIP aus, in Frankreich seien es 11,8 Prozent, in der Schweiz gerade einmal 8,2 Prozent. Das Schlusslicht unter den 25 OECD-Ländern bilde Griechenland mit 25,1 Prozent des BIP. Um die Schattenwirtschaft einzudämmen, forderte der Experte, die Lohnnebenkosten deutlich zu senken und die steuerliche Absetzbarkeit von haushaltsnahen Dienstleistungen auszuweiten. Es müsse gelingen, Jobs aus der Schatten- in die offizielle Wirtschaft zu holen. Das ist nicht einfach. 78 Prozent der Befragten gaben an, dass sie unter den aktuellen Rahmenbedingungen schwarz vergebene Aufträge offiziell gar nicht vergeben oder selbst erledigt hätten. Dominik Enste vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) sagte, dass allein über einen Bürokratieabbau bis zu 500.000 der derzeitigen Schattenwirtschafts-Jobs in reguläre Arbeitsstellen umgewandelt werden könnten. Dies habe eine IW-Studie ergeben. Das Vorbild sollten die angelsächsischen Länder sein: "Wir brauchen statt des deutschen Vorschriftendschungels einen englischen Rasen", sagte Enste. Daniel Staffen/ddp ---Zitatende--- quelle: spiegel (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,470735,00.html).
Weiter lesen

Kee-King
Meine persönliche Startseite