Das neue Zeitalter wurde im Jahre 3574 mit einem der schlimmsten Kriege der Menschheit eingeläutet. Er überdauerte mehr als hundert Jahre und sollte die Welt in Chaos und Unheil stürzen.
Lesai DeVelaine, der selbsternannte Herrscher des neuen Landes, erließ fünfzehn Jahre vor dem Ende des Krieges den Befehl, einen Wall zu errichten, der Nordeberiad in zwei Reiche spalten und den Krieg entgültig beenden sollte.
Der Wall reichte vom Cel Geevy bis zum Sharnou Gebirge und von dort aus zur eisigen Küste im Westen, vom Cel Geevy reichte er bis zum Tawarell, der, ebenso wie die beiden Gebirge, als natürliche Grenze genutzt wurde.
Sein Volk sollte in seinem Reich bleiben, sollte allein ihm dienen und ein eigenes Land bilden, über das niemand sonst herrschte, außer dem König selbst, und das niemand betreten oder verlassen konnte, der keine Erlaubnis hatte.
Es brauchte dreiundzwanzig Jahre, bis der Wall fertiggestellt war und DeVelaine das herrschende Chaos etwas gelichtet hatte, doch der von ihm gewünschte Frieden trat nie ein. Bis zum Ende seines Lebens versuchte er, die Wogen zu glätten und dem Volk die verlorene Sicherheit und die nötige Führung zurückzugeben, die es verloren hatte, ein Erfolg stellte sich jedoch nur langsam ein.
Bereits vier Jahre nach der Errichtung des Walls starb Lesai DeVelaine eines unerwarteten Todes, dessen Ursache nie gefunden wurde, und sein Sohn, Jervon DeVelaine, übernahm fortan seinen Platz.
Entgegen dem Wunsche seines Vaters versuchte er nicht, Frieden in sein eigenes Land zu bringen, sondern den Süden ebenfalls zu erobern, und schon acht Jahre nach dem Tode seines Vaters führte er seine Heerscharen nach Falaslos, wofür er Jahre zuvor bereits tausende Jungen und Männer einziehen ließ, um sie für seine Armee auszubilden. Während des Krieges hatte er sein Land in den Händen des tyrannischen Fürsten von Êas, Lord Seigh Lefár zurückgelassen, der ihm nach der Niederlage, sechs Jahre später, als rechte Hand weiterhin zu Diensten war.
Auch heute noch, vier Jahre nach der Niederlage in Falaslos, liegt ein dunkler Schatten über dem Reich.
Wilde Völker des Nordens drängen die Siedler zurück, die der Enge der Städte und der drückenden Nähe des Walls zu entfliehen versuchen, und kommen selbst immer weiter in den Süden hinab.
Aus dem Süden jenseits der Grenze droht noch immer die Gefahr eines weiteren Krieges, innerhalb des Landes brodelt der Hass und der Unmut über die gegenwärtige Situation, und in den Städten und Dörfern nahe der Grenze wiegt sich längst niemand mehr in Sicherheit. Korruption, Gewalt und Feindseligkeit beherrschen dort die Straßen, und jedes Viertel wird von einer anderen Bande regiert.
Am schlimmsten betroffen sind die Städte direkt an der Grenze, allen voran Êas, die Stadt, die vor Jahren durch einen Tunnel mit Tawe verbunden war. Gegen Ende des Krieges wurde dieser Tunnel jedoch verschlossen, womit die letzte Verbindung zwischen dem Nord- und dem Südreich zerstört wurde.
Die gesamte Grenze ist von Soldaten besetzt, Wachtürme gibt es sowohl am Anfang, als auch in der Mitte und am Ende jeder der drei Mauern, und selbst in den Gebirgen befinden sich in regelmäßigen Abständen Wachposten, die sowohl das Eindringen in das Land als auch eine mögliche Flucht aus ihm heraus zu verhindern wissen.
Gefangene werden unverzüglich in eines der zwei größten Gefängnisse des Landes gebracht. Eines davon, Shia Talos, befindet sich in der Nähe Dorneys an der Ostküste, gebaut direkt an einer Steilklippe hoch über dem Ozean, das andere, Carn Dôr, im nördlichen Teil des Cel Geevy, ein riesiger, in den Fels geschlagener Koloss.
Die einzigen noch recht sicheren und friedlichen Orte befinden sich im mittleren Teil des Landes, im Schutze des Cel Givô und der dortigen Wälder nördlich des Seziêl und südlich des Gebirges. Die Burg Vachlé, benannt nach dem alten König des vereinten Reiches, ist den Menschen dort ein zusätzlicher Schutz.
Der gesamte Nordwesten ist in Händen der wilden Nordvölker, die ihr Reich mit aller Macht verteidigen und versuchen, es auszuweiten. Niemand hat es je geschafft in den Norden vorzudringen und alle, die es versucht haben, sind niemals zurückgekehrt.
Es heißt, sie verbergen große Geheimnisse über die alten, im restlichen Land gänzlich in Vergessenheit geratenen Götter und über die alten Völker, die, bis auf wenige, Eberiad längst verlassen haben. Sie halten die uralten Kulte aufrecht und wachen über das Wissen ihrer Vorfahren.
Die Türme, Cîn Vida und Algir, am Rande des großen Waldes, Thorn Fanga, gehören zu den drei einzigen, bekannten Festungen der Nordvölker.
Die dritte, Cîn A Ve liegt an der Ostküste, nördlich des Flusses Nec.
Der beginnende Fortschritt wurde schon vor mehreren hundert Jahren durch etliche Kriege gestoppt und während des letzten magischen Krieges, 189 Jahre vor der neuen Zeitrechnung, zum Rückzug gezwungen.
Zu dieser Zeit verschwanden nicht nur moderne Erfindungen wieder aus der Welt der Menschen, auch die vielen anderen Völker Eberiads zogen sich zusehends zurück, bis auch sie nur noch in Erinnerungen und Legenden weiterlebten. Heute glaubt kaum jemand mehr daran, dass es einst Drachen, Elfen, Magier und all die anderen Wesen gegeben hat.
by Daisy
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