Ché
Guevara 

Ché Guevara ist sicherlich eine der schillerndsten Persönlichkeiten der
Geschichte der Neuzeit. Es ranken sich zahlreiche Mythen um den
zugegebenermaßen äußerst charismatischen Mann und nicht von ungefähr prangte
er in der 68-Bewegung auch in Deutschland von zahlreichen Postern,
Transparenten, Ärmelaufnähern, Mützenstickern etc.
Auch bei uns in der DDR war er äußerst populär, zwar nicht offiziell, nachdem
bekannt wurde, dass er mit dem chinesischen Weg des Sozialismus sympathisierte
und dass er eben einen großen Fehler gemacht hat mit dem
Revolutions"export" nach Bolivien,
aber es gab wohl kaum eine Studentenbude, wo sein hübsches Gesicht nicht von
der Wand auf seine Anhänger herabschaute.
Ché wurde am 14. Juni 1928 als Ernesto Guevara in Rosario in Argentinien als
Sohn eines Plantagenbesitzers geboren. Von Kindheit an litt er unter Asthma, dem
er sich aber keineswegs kampflos ergab. Stattdessen machte er gerade bei allen
sich bietenden sportlichen Aktivitäten besonders aktiv mit. Er war ein leidlich
guter Schüler, legt die Reifeprüfung ab und beginnt 1947 mit seinem
Medizinstudium.
Eine Reise mit dem Fahrrad durch die nördlichen Provinzen Argentiniens und
später, auf weiteren Reisen, vor und nach dem Abschluß seines Studiums, durch
mehrere lateinamerikanische Länder, wo er u.a. auch als Arzt in einer
Leprakolonie arbeitet, öffnet ihm endgültig die Augen für die überall
offensichtlichen Mißstände auf dem Kontinent. Mehr und mehr gelangt er zu der
Überzeugung, dass sich etwas ändern muss, damit auch die Bauern und Indios es
einmal besser haben werden.
1953 trifft er in Costa Rica das erste Mal mit kubanischen Revolutionären
zusammen. 1954 wird er durch das Zusammentreffen mit Hilda Gadea Acosta, einer
peruanischen Kommunistin, endgültig zum Revolutionär. Hilda bringt ihn auch
mit weiteren Leuten Fidel Castros zusammen. 1955 wird er im mexikanischen Santa
Rosa zum Guerillakämpfer ausgebildet und trifft dort mit Fidel und Raúl Castro
zusammen.
1956 fährt er zusammen mit den Brüdern Castro auf der Granma nach Kuba und
kämpft an deren Seite bis zum Sieg der Revolution.
1959 unternimmt Ché als Vertreter der neuen kubanischen Revolutionsregierung
seine erste offizielle Auslandsreise nach Ägypten, Indien, Japan, Indonesien,
Pakistan und Jugoslawien.
Im Oktober des selben Jahres wird er Leiter der Industrieabteilung des
kubanischen Instituts für Agrarreform (INRA), im November wird er zum
Präsidenten der Nationalbank ernannt.
Über den Jahreswechsel 1964/65 unternimmt er eine weitere Auslandsreise nach
den USA, wo er vor den Vereinten Nationen eine flammende Rede hält, nach Afrika
und China.
Im Laufe der Zeit, und beeinflusst durch seine Auslandsreisen (wo er u.a.
Sympathien für den chinesischen Sozialismus entwickelt und sich dabei vom
sowjetischen Weg abwendet) entfernt sich Ché Guevara mehr und mehr von Fidel
Castro, der nach wie vor den sowjetischen Sozialismus für den einzig richtigen
Weg hält.
Im Februar 1965 hält er in Algier auf dem zweiten Seminar für die
Organisation Afrikanisch-Asiatischer Solidarität seine letzte öffentliche
Rede.
1965 bricht Ché endgültig mit Fidel Castro und verschwindet für einige Zeit,
in der er sich u.a. im Kongo aufgehalten hat.
Im Oktober 1965 verliest Fidel öffentlich den Abschiedsbrief Ché's, den er
aber bereits im März verfasst hatte.
Im August 1966 wird Ché Guevara mit anderen kubanischen Guerillas inkognito in
Bolivien eingeschleust, um dort eine Guerillaarmee aufzubauen.
Was zunächst ganz aussichtsreich aussah, erwies sich mehr und mehr als zum
Scheitern verurteilt. Die Rekrutierung einer schlagkräftigen Rebellenarmee, die
dem Muster Kubas folgend, die Revolution auch in Bolivien zum Sieg führen
könnte, gelang nicht. Grund dafür war in erster Linie die Unerfahrenheit der
bolivianischen Bauern, die nicht einmal genau verstanden, was die bärtigen
Männer überhaupt von ihnen wollten.
Was Ché nicht erkannte, oder auch erkennen wollte und was man ihm auch zum
Vorwurf machen kann (und was die DDR auch tat und er auch deshalb nicht
öffentlich gerühmt und verehrt wurde), ist die Tatsache, dass man eine
Revolution nicht "exportieren" kann. Und in Bolivien war man weit
entfernt von einer revolutionären Situation, wie sie damals in Kuba bestand.
Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich mehr und mehr, physische und
psychische Strapazen schwächten seinen Gesamtzustand, die Guerillatruppe
schmolz auf einen kleinen Haufen zusammen.
Es kam immer häufiger zu Zusammenstößen mit der bolivianischen Armee, die
verschiedenen Guerillalager wurden entdeckt und am 9. Oktober 1967 wird Ché
Guevara in Higuera/Bolivien von der Armee erschossen.
Seitdem lebt der Mythos Ché Guevara und er wird wahrscheinlich auch noch
dieses Jahrhundert überdauern.

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