
Arip erzählte mir - in englisch - wie es zu der
Teppichfertigung in Mauritius kam und wie die Teppiche hergestellt werden
(übrigens, verstanden habe ich das alles nur deshalb so gut, weil ich 7 Jahre
lang in einer Spinnerei/Weberei gearbeitet habe und so doch ein bisschen zum
Textilexperte geworden bin):
"Die Kashmiris wurden
von der mauritischen Regierung eingeladen, auf die Insel zu kommen, um hier
ihr Handwerk auszuüben. Das Haus in Curepipe, wo sich heute der Showroom
befindet, ein ehemaliger Kolonialbesitz stand leer. Zu teuer, um ihn zu
vermieten und zu schade, um ihn leerstehen zu lassen. Die kunstfertigen und
gleichzeitig geschäftstüchtigen Kashmiri übernahmen das Haus.
Jeder der wunderschönen Teppiche erzählt seine eigene Geschichte. Die
Teppiche werden traditionell in den Familien hergestellt. Muster, Dessin und
Farbkombination sind von Familie zu Familie unterschiedlich, ähnlich wie
Farbe und Muster im Schottenrock Auskunft über den Clan gibt.
Der Kenner sieht sofort, welcher Teppich von welcher Familie gefertigt wurde.
Einige bevorzugen geometrische Muster, andere Blumen und Ornamente sowie den
wohl in allen nicht-westlichen Kulturen immer wiederkehrenden Lebensbaum.
Die Teppiche bestehen aus einer Kette (weft), die entweder aus Seide, oder -
etwas preisgünstiger - aus Baumwolle besteht und über einen Webstuhl (loom)
gespannt wird. Dann beginnt man, den Teppich zu KNOTEN - und nicht etwa zu
weben oder zu knüpfen. Der geknotete Flor besteht aus Seide (die Teppiche
sind dann entweder silk-silk oder cotton-silk) mit unzähligen Knoten per inch
(Zoll), in verschiedenen Farben, die sich wiederholen und letztendlich in der
Gesamtheit das einmalige Dessin ergeben.
Um die Festigkeit zu erreichen, die die Kashmirteppiche so einmalig macht,
werden die Kettfäden nach jedem Knoten in einer speziellen Technik verkreuzt
- und mit dem nächsten Knoten wieder und wieder verkreuzt etc. Ein etwa
später festgestellter Fehler in der Farbe des Knotens ist deshalb nicht mehr
zu korrigieren.
Der Flor wird zunächst noch auf dem loom mit einem Spezialmesser kurz über
dem Knoten abgeschnitten. Danach wird der Teppich auf den Boden gelegt und
durch ganz flaches Ansetzen der Messerklinge wird der Flor auf seine
endgültige Länge (besser Kürze) geschnitten (trimming).
Alle Florfäden liegen in einer Richtung und stehen nicht etwa senkrecht hoch.
Dies ergibt reizvolle Farbspiele bei aus unterschiedlicher Richtung
einfallendem Licht, etwa wenn der Teppich auf einem glatten Boden schnell
gedreht wird. Man hat den Eindruck, gleichzeitig einen dunklen und einen
hellen Teppich zu haben.
Die ausgezeichnete Qualität und Echtheit der Teppiche ist daran zu erkennen,
dass er von der Rückseite genauso aussieht, wie von der Vorderseite.
Außerdem garantieren die Hersteller, dass auch beim Aufstellen von schweren
Möbelstücken der Flor nicht dauerhaft niedergedrückt bleibt, sondern nach
kurzer Zeit wieder seine ursprüngliche Lage einnimmt.
Eine Bleiplombe garantiert zusätzlich die Echtheit des Kashmir-Teppichs".